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26.5.2017 : 11:12 : +0200

Wirtschaft

"Alles Leben (oder Sein) ist Beziehung", so lautet eine wesentliche philosophische und auch systemtheoretische Erkenntnis, die, solange sie nicht verabsolutiert wird, auf einen essentiellen Daseinsaspekt hinweist. Ein Ausdruck dieses in-Beziehung-Seins aller Menschen und Wesen ist Wirtschaft oder Ökonomie. Menschen haben teilweise ähnliche, teilweise aber auch unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche, Ideen und Motive, und werden aus diesen heraus aktiv. Dabei entstehen Austauschbeziehungen von Waren, Informationen und Dienstleitungen, deren äußerliche und sytemischen Aspekte unter dem Begriff des Wirtschaftens zusammengefasst werden. Doch kann man das Äußerliche ohne das Innerliche verstehen, und kann man das Systemische ohne das Einzelne begreifen? Bei Fragestellungen wie diesen erlaubt uns die integrale Perspektive einen neuen Blick auch auf den für das menschliche Zusammenleben so existentiellen Bereich von Wirtschaft und Ökonomie. 

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Die Postwachstumsökonomie von Niko Paech

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Die Postwachstumsökonomie von Niko Paech

von Michael Habecker

Einleitung

Die Postwachstumsökonomie (PWÖ), als ein „Wirtschaftssystem, das zur Versorgung des menschlichen Bedarfs nicht auf Wirtschaftswachstum angewiesen ist, sondern sich durch Wachstumsrücknahme auszeichnet“[1], ist ein Modell, das einem der verbreitetsten individuellen und kollektiven wirtschaftlichen Glaubenssätze widerspricht, dem „Mythos“ vom stetigem Wirtschaftswachstum als einem Garanten für Wohlstand. Inwieweit man selbst daran glaubt, lässt sich „phänomenologisch“ leicht selbst überprüfen beim Hören von Nachrichtenmeldungen wie „die Talsohle ist durchschritten, die Wirtschaft wächst wieder“, oder „die jüngsten Prognosen zeichnen ein eher pessimistisches Bild einer zurückgehenden Konsumentennachfrage für die Wirtschaft.“

 

Wie wirken diese Nachrichten auf Sie?

Nach der Postwachstumsökonomie sind Nachrichten vom Wirtschaftswachstum in Industrieländern eher schlechte Nachrichten, Nachrichten hingegen von einem Rückgang (oder Rückbau) industriellen Outputs (und Ressourcen- und Energieverbrauchs) sind gute Nachrichten – und damit steht diese Ökonomie den allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellungen (und auch denen großer Teile der Wirtschaftswissenschaften) diametral entgegengesetzt. 

Die PWÖ kommt, bezogen auf das Quadrantenmodell Ken Wilbers, aus der kollektiv-systemischen Perspektive des unteren rechten Quadranten, (Niko Paech ist Volkswirtschaftler), doch sie beschränkt sich nicht darauf, sondern stellt Bezüge her sowohl zum Kulturellen (der untere linke Quadrant) wie auch zum individuellen Bewusstsein und Verhalten (die oberen Quadranten). Damit stellt sie ein Pendant dar zur Gemeinwohlökonomie, die ihren Ausgangspunkt in der Perspektive des unteren linken Quadranten hat (mit Blick auf Gemeinwohl und Gerechtigkeit), von dort aus aber auch „alle Quadranten“ als Seins- und Lebensbereiche berücksichtigt. (Siehe hierzu auch die ausführliche Besprechung der Gemeinwohlökonomie in der Ausgabe Nr 42 des Online Journals und http://integralesleben.org/if-home/il-integrales-leben/anwendungen/wirtschaft/die-gemeinwohl-oekonomie/).

Paech greift die seit Beginn des ökologischen Denkens verbreiteten Begriffe wie „Ressourcenverknappung“ und „ökologische Plünderung[2]“ neu auf. Doch im Unterschied zu vielen anderen, auch grünen Fortschritts- und Wachstumsoptimisten, ist Paech davon überzeugt, dass wir ohne einen erheblichen „Rückbau“ unseres Wirtschaftssystems, eine Einschränkung unseres Konsums und eine grundlegende Therapie unserer „chronischen Wachstumsabhängigkeit“ einen wirtschaftlichen, ökologischen und damit einhergehenden kulturellen Zusammenbruch erleben werden. Diesen Rückbau versteht Paech nicht als einen Verzicht, sondern als eine Kunst der Reduktion, d. h. „kein Unterfangen des zusätzlichen Bewirkens, sondern kreatives Unterlassen“.

 

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Die Visualisierung des sozialen Holons: „Unternehmen“

Die Visualisierung des sozialen Holons: „Unternehmen“

von Rolf Lutterbeck

 

Visualisierungen haben im Business einen hohen Stellenwert. Zur Darstellung integraler Ansätze ist die Verwendung von erläuternden Grafiken daher wichtig. In den relativ wenigen Artikeln zum Thema „Integrales Business“ findet man kaum grafische Beschreibungen. Und wenn man Grafiken findet, dann sind diese oft Quadrantenbilder, die nicht dem entsprechen, was Wilber mit den vier Quadranten eigentlich bezeichnet. Genau hier will dieser Artikel einen Beitrag für ein besseres Verständnis leisten.

 

 

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Breite und Tiefe: Typologie und Entwicklung in der betrieblichen Beratungspraxis

Breite und Tiefe: Typologie und Entwicklung in der betrieblichen Beratungspraxis

Ein Beitrag von Sabine Raiser

 

Anders als früher ist das Routinegeschäft heute die Ausnahme. Das gilt für Weltkonzerne wie für mittelständische Unternehmen. Der betriebliche Alltag wird immer mehr von Ausnahmesituationen geprägt. Hier kann der integrale Ansatz wertstiftend zum Tragen kommen. Unter der Voraussetzung, dass es gelingt, aus dem großen Füllhorn integraler Perspektiven genau und ausschließlich die situationsrelevanten Angebote herauszuziehen. Das ist leichter gesagt, als getan. Denn dazu gehört auch der Mut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht relevante, aber wertvolle Aspekte auszuklammern. Denn: Komplexes darf nicht kompliziert sein, wenn es den Praxisbeweis erbringen soll.

Die fünf AQAL-Elemente des integralen Ansatzes (Quadranten, Entwicklungsebenen, Entwicklungslinien, Zustände und Typologien) lassen sich in zwei allgemeinen Kategorien zusammenfassen: horizontale Heterarchien und vertikale Holarchien. Die Quadranten, die Zustandsbereiche und die Typologien sind jeweils heterarchisch und in ihren Ausprägungen gleichwertig. Subjektiv ist nicht besser oder schlechter als intersubjektiv oder objektiv, sondern anders. Wohingegen die Entwicklungsebenen als auch die Entwicklungslinien holarchisch sind und Unterscheidungen von weit oder weniger weit entwickelt erlauben. Weltzentrisch ist umfassender als soziozentrisch und dies komplexer als egozentrisch. Übertragen auf unternehmerische Fragestellungen schafft diese Prämisse eine gute Basis für die erste Arbeitshypothese.

 

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Die Unternehmerin Hilde Weckmann im Interview

Die Unternehmerin Hilde Weckmann im Interview

Hilde Weckmann

[Hinweis: Bei der Einordnung von Entwicklungsebenen bezieht sich dieser Beitrag auf das Modell Spiral Dynamics.]

Durch eine integrale Perspektive kann die Wirtschaft an Tiefe gewinnen, so die Erfahrung der Unternehmerin Hilde Weckmann. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität in Wien zog es die gebürtige Österreicherin nach Berlin, wo sie nach einem weiteren Studium der Politikwissenschaft in den frühen achtziger Jahren einen Naturkostgroßhandel gründete. Ökonomie und Ökologie, Politik und Feminismus miteinander zu verbinden, war ihr von Anfang an ein Anliegen, das durch die Beschäftigung mit der integralen Theorie Ken Wilbers zu einem tieferen Verständnis der Komplexität der Gegebenheiten fand. Im Interview mit Nadja Rosmann erklärt sie, wie der integrale Blick zu einer neuen Wertschätzung für die im Business gegenwärtig verbreiteten unterschiedlichen Entwicklungswellen führen kann und warum wir trotz der Krise des Ego-Kapitalismus mit all ihren negativen Entwicklungen unseren Blick auch auf die positiven Impulse richten sollten, die sich im Hinblick auf eine gerechtere, weltzentrischere Wirtschaftsweise bereits zeigen.

IP: Du bist Unternehmerin und sehr engagiert in der deutschen integralen Community. Inwieweit prägt das integrale Denken deine Haltung im Business?

Hilde Weckmann: In den Anfangstagen war ich sicherlich eine typisch grüne Pionier-Unternehmerin und habe im Laufe der Jahre auch alle damit verbundenen Vor- und Nachteile erlebt. Ich war sehr in der Frauenbewegung aktiv und hatte Kontakte zu vielen als Kollektive organisierten Unternehmen. Als ich dann meine ganzen Ersparnisse und damit gewissermaßen meine Zukunft in den Naturkostgroßhandel gesteckt habe, war es mir wichtig, das Unternehmen auf gesunde Füße zu stellen. Ich hatte das Glück, dass durch mein Elternhaus das unternehmerische Selbstverständnis stark geprägt worden ist. Meine Eltern hatten einen kleinen Handwerksbetrieb und traditionelle Werte wie Disziplin, Durchhaltevermögen und Sparsamkeit spielten da eine große Rolle. Das sind meiner Meinung nach wichtige Grundlagen, um mit einem Unternehmen erfolgreich zu sein. Ich bin Händlerin aus Passion, das liebe ich. Und meine Ausbildung im Bereich Wirtschaft hat meine Haltung zum Unternehmertum natürlich wesentlich geprägt. Einige alternativ engagierte UnternehmerInnen haben einen postmodernen Hintergrund, da sind die Bezüge zu einer gesunden Moderne, ohne die man sich in der Wirtschaft eher schwer tut, nicht so ausgeprägt. Man muss aber auch die Vorzeichen der damaligen Zeit richtig verstehen. Mit unserem grünen Elan waren wir uns unserer Sache sehr sicher, wir waren ambitioniert und damit auch teilweise rechthaberisch. Ein starker Bezug auf Gemeinschaft, den linken unteren Quadranten, war sicherlich auch eine Quelle der Kraft und Inspiration für die alternative Bewegung.

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Lifestyles of Health and Sustainability – Typologien und Entwicklungsebenen Eine integrale Betrachtung der Zielgruppe LOHAS

Lifestyles of Health and Sustainability – Typologien und Entwicklungsebenen Eine integrale Betrachtung der Zielgruppe LOHAS

 

von Ralf Rossnagel

 

Tpologien werden im Marketing dazu ge­nutzt, um Zielgruppen klar voneinander zu differenzieren und Produkte und Angebote entsprechend zu konturieren. Beim Paradig­ma der Lifestyles of Health and Sustainability [gesunde und nach­haltige Lebensstile] wird diese horizontale Unterscheidung durch eine vertikale Entwicklung über­lagert. Betrachtet man beide Perspekti­ven in ihren wechselseitigen Einflüssen und ergänzt die horizontal-typologische Breitendimension um die vertikale Tie­fendimension, eröffnen sich neue Ver­ständnisperspektiven für den gegen­wärtig stattfindenden gesellschaftlichen Wandel. Erst durch eine klare Differen­zierung von beidem kann ein aussagefä­higes integrales Gesamtbild entstehen.

Wir leben LOHAS – die Lifestyles of Health and Sustainability. Unser Konsum ist konsequent ökologisch und fair. Im Ge­gensatz zu den ‚alten Ökos‘ sind wir tech­nologiefreundlich und genussorientiert. Wir gehören aber nicht zur Spaßgesell­schaft, sondern genießen nachhaltig. Wir wissen über die Folgen unseres Konsums und versuchen, diese möglichst gering zu halten. Wir interessieren uns für Gesund­heit, Spiritualität, Nachhaltigkeit und Ökologie. Unser Ziel ist ein nachhaltiges und bewusstes Leben, so dass die Genera­tionen von morgen noch eine lebenswerte Umwelt haben.

Wir kennen uns gut aus mit Corporate Social Responsibility und sind kritisch den Unternehmen gegenüber, die ihre Verant­wortung gegenüber Mensch und Natur nicht ernst nehmen und deren Profitgier Arbeitsplätze und natürliche Ressourcen vernichtet. Diese Unternehmen boykottie­ren wir. Wir fördern und kaufen gerne bei Unternehmen, die wertvolle, langlebige und nachhaltige Produkte anbieten. Fai­rer Handel ist wichtig für uns, denn nie­mand soll durch unseren Konsum ausge­beutet werden.

 

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PE und OE – integral

PE und OE – integral

von Michael Habecker

(Wertvolle Anregungen und Impulse für diesen Beitrag verdanke ich Hannes Piber von der www.trigon.at Beratungsgesellschaft)

 

Der „Integrale Ansatz“ Ken Wilbers wird, nach seiner ersten Formulierung 1995 im Buch

Eros, Kosmos, Logos, mittlerweile auf zahlreiche gesellschaftliche und persönliche Themenbereiche angewandt. Der Frage des Nutzens von Aspekten dieser „Theorie von allem“ für die Personal- und Organisationsentwicklung (PE und OE) geht der folgende Beitrag nach. 

Am Anfang einer Theorie und Praxis von PE und OE stehen die Fragen „Was ist ein Mensch?“, „Was ist eine Organisation?“ und „Was ist Entwicklung?“ Von der Beantwortung dieser Fragen hängt es dann ab, was unter PE und unter OE verstanden wird, und wie diese umgesetzt werden kann.

Vier Hautperspektiven

Mit den von Ken Wilber erstmals in dieser Form vorgestellten 4 Quadranten (Abb.) unterscheidet er vier miteinander in Beziehung stehende Erfahrens- und Seinsdimensionen, die in jedem Augenblick vorhanden sind und die sich wechselseitig beeinflussen, als der innerliche und der äußerliche, so wie der individuelle und der kollektive Aspekt von Wirklichkeit. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass wir in den oberen Quadranten den persönlichen und individuellen, und in den unteren Quadranten den gemeinschaftlichen oder kollektiven Bereich des Lebens wieder finden. Auf den zweiten Blick können wir tiefer gehen und sehen, dass alles Persönliche immer auch eingebettet ist in Gemeinschaftliches, und dass Gemeinschaft ohne etwas Individuelles nicht vorstellbar ist. Das gleiche gilt für das Innerliche und das Äußerliche, das Bewusstseins und Verhalten von Individuen und Gemeinschaften.

 

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Meditation für Business-Leute

Meditation für Business-Leute

von Rolf Lutterbeck

Ich sitze in einem leicht verdunkeltem Raum, die Luft ist erfüllt vom Duft von Räucherstäbchen. Zehn Personen sitzen im Kreis mit gekreuzten Beinen auf Kissen auf dem Boden und haben die Augen geschlossen. Die meisten tragen bequeme Jogginghosen und haben sich in eine Decke gehüllt. In der Mitte des Kreises steht ein Blumenstrauß. An der Wand eine Art Altar mit Kerzen… – Das absolute Horror-Szenario für viele Business- Leute, die aus einem eher konventionellen Kontext kommen…

 

Ich meditiere inzwischen seit mehr als 20 Jahren. Täglich. Meist morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Abendessen, jeweils mindestens 20 Minuten. Als ich 1990 mit Vera, meiner Frau, nach Bad Homburg gezogen bin, suchten wir einen neuen Arzt, der offen war für Naturheilverfahren, und entschieden uns für einen praktischen Arzt, der auch Homöopathie und Ayurveda anbot. Dieser empfahl mir, zur Stressreduzierung regelmäßig zu meditieren, genauer gesagt, TM (Transzendentale Meditation) zu praktizieren. Das wäre für mich als „Denkarbeiter“ (ich war damals Leiter der Software- Entwicklung) besser und leichter als andere Methoden wie etwa Autogenes Training. Anhand von Ergebnissen aus Studien über die TM[1] zeigte er mir, dass Langzeit-Meditierende deutlich gesünder sind als Nicht-Meditierende. Auch auf die indisch-traditionelle Form der halbstündigen Meditationseinführung mit Räucherstäbchen, Blumenzeremonie und Sanskrit-Gesang wies er mich umsichtig hin sonst wäre ich wohl beim Betreten des Raums beim Anblick des Altars „schreiend“ wieder rausgelaufen.

 

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Wirtschaft Geld

Wirtschaft Geld

Ein integraler Blick auf Wirtschaft & Finanzen – und acht Thesen zum Geld

Der Wilber-Kenner, Übersetzer von einigen seiner Bücher und Chefredakteur der Zeitschrift »Integrale Perspektiven« betrachtet hier unsere heutige Geldwirtschaft und ihre aktuellen Krisen aus seiner Sicht von Ken Wilbers »Theorie von allem«. Und präsentiert dann in der Form von acht Thesen einige Themen, die seiner Meinung nach in der aktuellen Diskussion über unser Geldsystem zu wenig Beachtung finden

 

von Michael Habecker

 

Das Unendliche manifestiert und verliert sich im Endliche n und erkennt und erfährt in einem fortwährenden Prozess der Bewusstwerdung sich selbst . Dies ist eine der Beschreibungsmöglichkeiten des Mysteriums der Schöpfung. Doch was bedeutet dieses Aufeinandertreffen von Ewigkeit und Endlichkeit, und welche Rolle spielt unser Wirtschaften dabei?

Die Manifestation können wir unterscheiden in eine

  • Physiosphäre (für d en grobstofflich-materiellen Bereich) als die Außenseite, und eine
  • Noosphäre (in Anlehnung an Pierre Teilhard de Chardin) für den geistig-ideellen Bereich, als die Innenseite von Manifestation. Beides entspringt der Kausalen (als der für alle Manifestation ursächlichen) »Sphäre«, dem Seinsgrund der kontemplativen Traditionen.

Alle drei Bereiche stehen allen Menschen zur Verfügung, als ein Geburtsrecht, wenn man so will, und das Erfahren, Beleben, Gestalten und Sich-darin-Entwickeln ist offenbar ein ganz wesentlicher Lebensinhalt. Diese Bereiche stehen nicht nebeneinander, sondern durchdringen einander, und wir als Menschen sind in ihnen allen beheimatet, mehr oder weniger bewusst und entwickelt.

 

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Die Gemeinwohl-Ökonomie

Die Gemeinwohl-Ökonomie

EINLEITUNG

von Michael Habecker

Männer und Frauen werden durch höhere Werte motiviert sein, was ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse und die Wirtschaftstheorie drastisch verändern wird

Ken Wilber, Halbzeit der Evolution

 

Von den zahlreichen Alternativmodellen für eine neue und bessere (bewusstere, verant­wortlichere und nachhaltigere) Wirtschaftsweise ist die Gemeinwohlökonomie[1] Christian Felbers besonders interessant, weil diese

  • ein umfassendes Modell eines Menschen- und Weltverständnisses (zumindest implizit) zugrunde legt
  • auf eine breite öffentliche Resonanz stößt

Ich hatte Gelegenheit, Christian Felber auf der Jahrestagung des Integralen Forums im Juni 2013 live zu erleben, fand seinen Kurzvortrag sehr inspirierend, ebenso wie die anschließende Diskussion, und möchte im Folgenden unter Rückgriff auf Elemente der integralen Theorie und Praxis die Gemeinwohl-Ökonomie vorstellen und diskutieren.

Für die Herstellung von Bezügen zur integralen Theorie beschreibe ich im ersten Teil einige ihrer Grundelemente und diskutiere kurz deren Reflektion in der Gemeinwohl-Ökonomie[2]. Im zweiten Teil gehe ich dann ausführlicher auf die Theorie und Praxis der Gemeinwohl-Ökonomie ein. LeserInnen, denen die integrale Theorie neu ist, empfehle ich Ken Wilbers Buch Integrale Vision, oder die Einführungen auf den Seiten:

www.integrallife.com (englischsprachig) und

www.integraleforum.org (deutschsprachig)

 

 

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Die Seele der Organisation befreien, Führung transformieren

Die Seele der Organisation befreien, Führung transformieren

 

Interview mit Brian Robertson über Holacracy, eine Praxis für Organisationen

Die komplexen Anforderungen im heutigen Business, aber auch ineffiziente und wenig zielführende Prozesse, lassen Führung in Organisationen zum Drahtseilakt mit Absturzgefahr werden. Im Interview mit Dennis Wittrock (März 2010) erklärt Holacracy-Begründer Brian Robertson, wie diese neuartige Praxis für Organisationen Führung von Grund auf transformieren kann und es ihnen erleichtert, ihrem eigentlichen Zweck am besten gerecht zu werden.

 

IP: Brian, bitte beschreibe Holacracy in Hinsicht auf seine Leadership- und Steuerungs-Prozesse.

Brian Robertson: Es gibt einige Kern-Aspekte, die wichtig sind, um Holacracy zu verstehen. Der erste ist das Steuerungsprinzip – das sich von dem, was wir im Business gewohnt sind, unterscheidet. Ein Großteil des Managements und von Leadership heute basiert auf dem, was ich ein Modell des Voraussagens und Kontrollierens nenne. Der Schwerpunkt liegt darauf vorauszusagen, wo wir sein wollen, welche Ziele wir haben, wo wir am Ende stehen wollen, und zu versuchen, eine entsprechende Struktur zu schaffen und zu kontrollieren, dass das geschieht. Normalerweise geht damit eine Top-Down-Qualität einher, eine Qualität des Befehlens und Kontrollierens. Stell’ dir als Metapher vor, wir würden so, wie wir moderne Organisationen managen, Fahrrad fahren. Wir haben in der Ferne ein Ziel und dann kalkulieren wir exakt den perfekten Winkel, in dem wir den Lenker halten müssen, um es zu erreichen, und kalkulieren auch vorab genau, wann wir jeweils lenken werden, und dann – aus Angst, dass etwas schiefgehen könnte – halten wir den Lenker rigide in dieser einmal beschriebenen Weise, wir schließen die Augen und treten in die Pedale.

Im Gegensatz dazu entspricht die Art und Weise, wie wir wirklich Fahrrad fahren, viel mehr dem, was ich dynamische Steuerung nenne und die Holacracy innerhalb der gesamten Organisation einzubetten versucht. Hier liegt ein viel stärkerer Fokus auf dem gegenwärtigen Moment. Wenn du Fahrrad fährst, bleibst du im gegenwärtigen Moment, du öffnest deine Augen. Du nimmst kontinuierlich reale Daten aus deiner Umgebung auf und das Lenken ist ein kontinuierlicher Prozess – nicht etwas, das du einmal vorab in einem voraussagenden Planungsprozess tust. Du bist im Fluss, im Moment, in der Gegenwart, mit Bewusstsein entlang des gesamten Weges. Das ist dynamische Steuerung, sie erfordert unmittelbares Feedback, sie erfordert Sichtbarkeit, weit geöffnete Augen und sie erfordert kontinuierliche Kurskorrekturen entlang des Weges.

 

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Bewusster Kapitalismus

Bewusster Kapitalismus

 

von Ken Wilber und Bert Parlee

Einleitung und Zusammenstellung: Michael Habecker

(Dieser Beitrag basiert auf dem ersten Teil eines Gesprächs zwischen Bert Parlee und Ken Wilber, veröffentlicht auf www.IntegralLife.com unter dem Titel: Like It or Not, You‘re a Capitalist. But Are You a Conscious One?)

Jedes Business hat aus sich heraus die Fähigkeit, tiefere Bedeutungen, Sinn und Zweck zu entdecken und zu erschaffen, der über die Profitmaximierung hinausrecht. Dies führt zu ethischen und bewussten geschäftlichen Aktivitäten, welche langfristigen Wert und Bedeutung erzielen für alle darin involvierten Teilhaber im weitesten Sinn: Kunden, Mitarbeiter, Investoren, Zulieferer, Gemeinden, Gemeinschaften und die Umwelt. Diese Werterschaffung für alle Teilhaber, bei der es nicht alleine um Profit geht, erschafft – paradoxerweise – langfristig den größten Wert auch für Investoren.

IntegralLife.com

Einleitung

Der Begriff „Kapitalismus” ist sowohl individuell wie auch kulturell emotional bedeutungsbeladen wie kaum ein anderer Begriff. Gleichzeitig wird er auf unabsehbare Zeit Bestandteil des Wortschatzes und auch der Diskussionen bleiben, und daher ist es wichtig sich klar zu machen, was damit jeweils gemeint ist, wenn das Gespräch darüber Früchte tragen soll. Aus dem integralen Rahmen heraus sind mindestens zwei ganz unterschiedliche Definitionen erkennbar, die beide ihren Platz haben, jedoch voneinander zu differenzieren sind:

Kapitalismus als eine Kombination von hohen technologischen und funktionalen Einsichten mit einer niedrigen Moralvorstellung. Das Ergebnis ist ein rücksichtsloser Wirtschaftsliberalismus, bei dem in einem „freien Spiel der (Markt)kräfte“ der Stärkere die Oberhand (und den Profit) für sich behält. Soziale und ökologische Belange spielen dabei keine Rolle.

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Was heißt „integrale Organisation“?

Was heißt „integrale Organisation“?

Brian Robertson erklärt seinen Ansatz

Soziokratie, Holakratie und die Evolution menschlicher Organisationsformen

von Dennis Wittrock

Wenn es richtig ist, dass sich der ganze Kosmos entwickelt, wenn der Schnellzug der Evolution, der vor 15 Mrd. Jahren mit einem großen Knall auf frische Gleise gesetzt wurde, angesichts des Auftretens menschlichen Lebens und menschlicher Kultur nicht kurz vor uns kreischend zum Stillstand kommt, sondern vielmehr mitten durch dieses Terrain hindurch fährt, so darf man sich mit gewissem Recht fragen, welche gesellschaftliche Organisationsform (U.R.) sich eine emergierende integrale Kultur geben muss. Der Übergang einer gewissen Anzahl von Individuen von der mythischen zur mentalen Struktur des Bewusstseins wurde bekanntlich begleitet von enormen politischen Revolutionen und Umwälzungen, die u.a. den modernen demokratischen Rechtsstaat hervorbrachten. Wenn nun von einem „Quantensprung“ zum „zweiten Rang“ des Bewusstseins die Rede ist, so dürfte klar sein, dass ein solcher Anspruch, bezogen auf die Komplexität von Individuen, einen mindestens ebensolchen Anspruch auf dessen kollektive Organisationsformen nach sich zieht.Wie organisiert sich eine Gemeinschaft, deren vermeintliche Avantgarde sich als „integral“ begreift? Welche kollektiven Strukturen wollen sich auf dieser Ebene der Komplexität und Evolution durch uns ausdrücken? Diese Frage beschäftigt mich brennend.

In Ken Wilbers Büchern findet man zu dieser Frage nichts wirklich Substantielles. Die Psychologie des integralen Individuums (O.L.) wird hinreichend beschrieben, doch was mehrere solcher Individuen miteinander erschaffen können, war und ist bislang eine Frage unvorhersehbarer Emergenz, eine Leerstelle, die nur menschliche Kreativität auszufüllen vermag. Das Integral-Institute ist nach Wilbers Ansicht eine Art empirisches Versuchslabor, frei nach dem Motto: „Stecke einen Haufen integraler Leute in einen Raum und schau, wie sie sich organisieren“. Als ich vor einiger Zeit die Ausgabe der WIE aufschlug, die sich dem Thema „kollektive Intelligenz“ widmete, war ich recht hoffnungsfroh eine Antwort auf meine Frage zu finden. Ich erfuhr eine Menge darüber, wie es sich wohl anfühlen mag, Teilnehmer an einer „erleuchteten Kommunikation“ zu sein, Mitglied in einer Gruppe, die sich auf das höchste Telos der Evolution einzuschwingen versucht und dann im intersubjektiven Raum einer neuartigen Qualität der Dringlichkeit der Transformation inne wird, die sich jenseits egoischer Muster auszudrücken versucht. Mit anderen Worten: ich fand eine phänomenologische Beschreibung der Atmosphäre solcher Treffen, einen Geschmack der Hermeneutik des transpersonalen Wirs. Trotz dieser reichhaltigen Schilderung blieb ich irgendwie unbefriedigt.

Mir dämmerte: wonach ich suchte, war keine Beschreibung des unteren linken Quadranten, sondern eine Beschreibung der (inter-) objektiven Verfahren menschlicher Organisation (U.R.), einer integralen Vorgehensweise, die in der Lage ist, die positiven Aspekte der Regierungsformen früherer Zeiten und Bewusstseinsstrukturen, von magisch/mythischer Autokratie, rationaler Demokratie bis hin zu pluralistischem Konsens einzuschließen und gleichzeitig zu transzendieren. Wilber schreibt dem integralen Individuum zu „zehn mal effizienter“ zu sein, als ein Individuum des ersten Ranges. Ich war auf der Suche nach einer konkreten Struktur im unteren rechten Quadranten, die diese Effizienz auf kollektiver Ebene ermöglicht, fördert und operational handhabbar macht, vor allem aber auch konkret demonstriert.

Während meines dreimonatigen Aufenthaltes am Integral Institute bekam ich eines Tages ein Interview mit Brian Robertson zugeschickt, das für die anstehende Mitarbeiter-Versammlung zu lesen war. Brian Robertson ist Gründer und CEO von „Ternary“, einem Software-Unternehmen aus Philadelphia. Im Alter von 6 Jahren begann er mit dem Programmieren, mit zwölf Jahren zog er sein erstes softwarebezogenes Business auf und nun war dieser Autodidakt ins I-I Büro eingeladen worden, um über ein neuartiges Modell der Unternehmensführung zu sprechen, das seiner Firma erlaubt hat, in den ersten fünf Jahren seit der Gründung über zwei Millionen Dollar jährlich zu verdienen. Als ich den Text zu Ende gelesen hatte, war ich fasziniert: Heureka! Das fehlende Puzzlestückchen: Die Beschreibung einer integralen Organisationsstruktur.

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Der GEIST eines bewussten Business

Der GEIST eines bewussten Business

Vorwort von Ken Wilber

"Der GEIST eines bewussten Business" von Fred Kofman

 

Bewusstsein, Business, GEIST [Spirit]. Drei interessante Begriffe, nicht wahr?

Worte, die man nicht oft innerhalb eines einzigen Satzes findet, geschweige denn als Titel eines Buches.

Ich frage mich, was es aussagen soll, wenn diese Begriffe in einer solchen Weise miteinander verknüpft werden?

„Business“ -  fangen wir einmal damit an: Business bedeutet ... eben Business. Die trockene und prosaische Wörterbuchdefinition besagt: „Beruf, Arbeit, Handel, Kommerz; ernsthafte, rechtmäßige Beschäftigung”. Klingt ziemlich seriös und sehr ernsthaft.

‚Bewusst’ steht für:  „Ein Gewahrsein seiner inneren und äußeren Welt haben; mental wahrnehmend, wach und aufmerksam sein.”

Also heißt „bewusstes Business” möglicherweise, eine Beschäftigung, eine Arbeit oder eine Geschäft in einer achtsamen und aufmerksamen Weise auszuüben. Das impliziert natürlich, dass dies bei vielen Menschen offenbar nicht der Fall ist. Meiner Erfahrung nach ist das tatsächlich so. Ich jedenfalls würde bewusstes Business einem sonstigen vorziehen; in jedem Fall würde ich ein bewusstes Was-auch-immer vorziehen.

Der Begriff Spirit -  „GEIST“ -  ist schon schwieriger; es ist ein weiter, komplizierter, bedeutungsschwerer Begriff.  Laut Wörterbuch: „Das vitale Prinzip oder die bewegende Kraft in lebenden Wesen; unkörperliches Bewusstsein; übernatürliches Wesen.”

Mir gefällt keine dieser Definitionen – und ich vermute, Fred ebenfalls nicht. Eine andere Definition, etwas weiter unten auf der Liste, lautet „Essenz”; das dürfte der Sache insgesamt ein wenig näher kommen.

„Der GEIST des bewussten Business” könnte demnach bedeuten:  „Die Essenz einer wachen oder achtsamen Arbeit”.

Das klingt schon interessanter. Doch immer noch frage ich mich, was genau „bewusst” oder „achtsam” bedeuten könnte, insbesondere, weil wir oben in diesem Zusammenhang den provokativen Satz gefunden haben: ”Ein Gewahrsein seiner inneren und äußeren Welt haben”. Wie viele Welten sind denn eigentlich da, und muss ich denn ihrer aller bewusst sein, um wirklich bewusst zu sein?

Und genau an dieser Stelle wird meiner Ansicht nach die ganze Idee eines bewussten Business – ganz zu schweigen vom GEIST des bewussten Business – wirklich interessant. Welten, Gebiete, Landschaften, Umwelten – es ist eine weite Welt und je besser wir sie verstehen – sowohl die innere als auch die äußere – desto besser werden wir uns in dieser Welt bewegen können.

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Quelle: IP 5, 2007

Schuldenkrise und soziale Transformation

Schuldenkrise und soziale Transformation

Fritz Bläuel und Michael Habecker im Juli 2011

Im Excerpt A des geplanten zweiten Bandes der Kosmos Trilogie (Band 1 ist Eros Kosmos Logos) weist Ken Wilber im Part III The nature of revolutionary social transformation auf die Bedeutung des unteren rechten Quadranten für alle anderen Quadranten hin, und auf die wichtigen Einsichten von Karl Marx diesbezüglich. Wilber schreibt:

Man bekommt schnell ein Gespür für die bedeutenden Ideen die Karl Marx verfolgte, wenn man sich die aktuelleren Arbeiten dazu ansieht, wie z. B. die von Gerhard Lenski über die Beziehung zwischen techno-ökonomischen Produktionsmöglichkeiten und kulturellen Praktiken. Mit einer erschreckenden Uniformität finden wir, dass gleiche techno-ökonomische Modi die gleichen Wahrscheinlichkeiten für bestimmte kulturelle Praktiken hervorrufen. In einfachen Worten, die techno-ökonomische Basis einer Gesellschaft gibt in erheblichem Maß vor was sich dort ereignet, was Marx zu der berühmten (sinngemäßen) Aussage führte „Es ist nicht das Bewusstsein welches die Wirklichkeit des Menschen bestimmt, sondern die materiell-ökonomischen Wirklichkeiten in denen der Mensch lebt, bestimmen das Bewusstsein ... Wir müssen nicht Marx’ Tendenz, den unteren rechten Quadranten zu verabsolutieren folgen, und können doch den enormen Einfluss des UR Quadranten auf Bewusstsein und Kultur würdigen.

 

Die Haushaltskrise vieler Staaten der Welt ist ein Krankheitssymptom das sich im UR Quadranten zeigt, dessen Auswirkungen aber alle Quadranten und Entwicklungsebenen massiv erfassen. Es wurde über Jahrzehnte versäumt Ausgaben und Einnahmen (ohne Schulden) in ein Gleichgewicht zu bringen, was – negativ besetzt – mit dem „Stopfen von Haushaltslöchern“ als eine minderwertige Politik angesehen wurde, mit Konsequenzen für die Weltbevölkerung die noch nicht abzusehen sind. Dabei wird deutlich dass die enormen Fortschritte einer globalen Transformation, die nach dem zweiten Weltkrieg in Teilen der Welt erreicht wurden, auf finanzpolitisch wackeligen Füßen stehen – und mit ihnen unser kulturelles und soziales Zusammenleben. Wir stehen vor einem transformatorischen Schritt, und es kann in beide Richtungen gehen, aufwärts zu einer nachhaltigen globalen Finanzwirtschaft, oder (erst einmal) abwärts zu Zusammenbruch und Krise. Die integrale Landkarte leistet in dieser Situation eine unverzichtbare Hilfestellung. Die folgenden drei Beiträge beleuchten die Situation von unterschiedlichen Standpunkten aus. Der erste Beitrag ist von allgemeiner Natur, der zweite widmet sich der Situation in Griechenland, und der dritte Beitrag beleuchtet die der Krise zugrundeliegende Problematik und gibt einen Lösungsausblick.

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Integrale Wirtschaft

Integrale Wirtschaft

IntegralLife.com/Michael Habecker

Inhalt

  • Einführung
  • Prolog
  • Die Aufgabenstellung
  • Die 4 Quadranten einer Wirtschaftsanalyse Entwicklung: Innerlich und Äußerlich
  • Vier Typen von Kapital
  • Von Fundamentalistisch zu „Sophisticated“
  • Wirtschaft und Psychodynamik

Einführung

Mit der Einrichtung von IntegralLife.com (IL) wurde unter der Leitung des Integral Institute Geschäftsführers Robb Smith mit seinen Worten „ein neues Kapitel“ aufgeschlagen.

Mit IL werden zum einen die unterschiedlichen Materialen (Texte, Video, Audio) der letzten Jahre auf bereits bestehenden Seiten des zum Integral Institute gehörenden Verbundes auf eine leicht zugängliche und grafisch ansprechende Weise aufbereitet und angeboten. Gleichzeitig wird laufend neues Material offeriert, was nicht notwendigerweise 1:1 mit Ken Wilber übereinstimmt, sich jedoch so weit an seiner Arbeit orientiert, dass er sich darin wiedererkennen würde. Dadurch kann zeitnah und aktuell zu den unterschiedlichsten Themen reagiert und Stellung bezogen werden, wie auch zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Auf einer dieser Veröffentlichungen[1] vom November 2008 basiert der nun folgende Beitrag zum Thema Integrale Wirtschaft. Dabei wird der Versuch unternommen, einige der Aspekte der integralen Theorie und Praxis auf das Thema „Wirtschaft“ [economy] anzuwenden.

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Geld und Dharma

Geld und Dharma

Wilber-Porträt von Alex Grey

Ken Wilber

Quelle: Ken Wilber.com, Right Bucks 

Der Dharma ist frei. Niemand sollte Geld für die Lehre oder Übermittlung des Dharma verlangen. Dharma, der mit Geld in Berührung kommt, ist kein Dharma. Der Verkauf des Dharma ist die Wurzel allen Übels. Den Dharma allen Suchenden frei und ohne Geld dafür zu verlangen zur Verfügung stellen ist rein, nobel, und eine respektvolle Haltung. 

So oder so ähnlich geht der merkwürdige Antagonismus zwischen Dharma und Dollars. Bei dem Thema von Geld und Dharma – oder Geld und Spiritualität allgemein – gibt es mindestens zwei sehr unterschiedliche Aspekte, die zu unterscheiden und zu besprechen sind. Eines davon ist der angemessene geldliche Wert einer jeden Austauschbeziehung (von medizinischer Versorgung zu Waren und Dienstleistungen allgemein); das zweite ist die Frage, ob der Austausch von Geld überhaupt mit dem Dharma verbunden werden sollte. 

Beginnen wir mit der zweiten, schwierigeren Frage. Die ersten großen Dharma-Systeme des Osten und des Westens entstanden alle ausnahmslos während der so genannten „Achsenzeit“ (Karl Jaspers), dieser ganz außerordentlichen Periode beginnend um 600 vor Christus (plus/minus einiger Jahrhunderte), ein Zeitabschnitt, der die Geburt von Gautama Buddha, Lao Tze, Konfuzius, Moses, Plato, Pantanjali erlebte – und dann später, im Verlaufe der darauffolgenden Jahrhunderte Ashvaghosa, Nagarjuna, Plotin, Jesus, Philo, Valentinus ... hervorbrachte. Praktisch alle der Grundaussagen der ewigen Philosophie wurden erstmals in dieser herausragenden Periode formuliert (im Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Judentum, Christentum ...)

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Die dunkle Seite des Geldes

Die dunkle Seite des Geldes

Oder: Wie macht man sich ein Problem mit „Geld & Reichtum“? ;-)

Rolf Lutterbeck

Durch meine Arbeit als Coach und Gastgeber[1] von Aufstellungstagen (einige auch mit dem Schwerpunkt „ErfolgReich sein“) habe ich ständig mit Problem-Trancen (wie Gunther Schmidt es nennt) und Schattenaspekten zu tun. Oft geht es dabei um das Thema Geld, Reichtum und/oder Erfolg von dem im Folgenden die Rede sein soll. 

Probleme sind konstruiert

Die konstruktivistische Erkenntnis der postmodernen, grünen[2] Welt ist „Die Welt ist das, was wir von ihr denken!“[3]. Auch der hypno-systemische Ansatz von Gunther Schmidt und die Grundannahmen des NLP[4] weisen darauf hin, dass man Probleme nicht „hat“, sondern sie sich „macht“ (konstruiert). Z.B. ist es sehr problemförderlich, wenn man sich seiner Stärken & Fähigkeiten nicht genug bewusst ist (oder diese zu wenig nutzt), wenn man übersieht, dass das Problem auch eine gute Seite hat (und ich den „Gewinn“ aus dem Problem nicht aufgeben möchte) oder wenn man nicht weiß, was nach der Problemlösung zu tun ist (evtl. auch Unangenehmes).

Quadrantensichten auf Geld und Geld-Probleme

So wie (das Artefakt) Geld vier Quadrantenanteile hat (OR[5]: das sichtbare, messbare Geld, evtl. nur als Zahl auf einem Konto; OL: die Idee von Geld als Zahlungs-/Tauschmittel; UR: die verschiedenen funktionalen Abläufe wie Zahlungen, Geldtransfer, Geldstrukturen, etc.; UL: die gesellschaftliche Bedeutung von Geld), so kann ich auch auf vier unterschiedliche Arten (bzw. einer Kombination daraus) ein Problem mit Geld & Reichtum erreichen:

1.     (OR) Mein konkretes Verhalten und mein Auftreten sind nicht „nützlich“.

2.     (UR) Meine funktionalen Abläufe (Organisation, Verhandlungen, Akquise, Geldanlagen, etc.) sind nicht optimal.

3.     (OL) Meine Einstellung (Ich-Verständnis, Werte, Überzeugungen) ist behindernd.

4.     (UL) Meine sozialen Prägungen (Herkunft, Umgebung) schränken mich ein

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Money makes the world go round

Money makes the world go round

- Eine Kollage zum Thema Geld

- Michael Habecker

[Dieser Text ist eine Kollage aus einem früheren Artikel von mir, der in Rundbrief AK Ken Wilber Nr. 18 vom Juli 2004, veröffentlicht wurde, einem Artikel von Richard B. Wagner, der im AQAL Journal of Integral Theory and Practice, Spring 2006, Volume 1 Number 1, veröffentlicht wurde, und neueren Überlegungen.]    

Geld ist eine menschliche Abstraktion. Auch wenn es in der Natur nicht vorkommt, durchdringt es doch alle menschlichen Aktivitäten und Unternehmungen. Dabei werden, zusätzlich zur materiellen Manifestation des Geldes, eine Reihe von persönlichen und kulturellen Reaktionen hervorgerufen. Somit ist Geld ideal für eine AQAL Analyse geeignet.

Durch das Geld wird die menschliche Breite und Tiefe erkennbar und zum Ausdruck gebracht.

Das Thema „Geld“ ist „in“ – egal ob man „es“ hat oder nicht hat. Geld ist das Wasser, in dem wir schwimmen. Es bestimmt die Schlagzeilen des öffentlichen Lebens („Mega-Abfindung“, „Schuldenstaat“, „Strukturreformen“, „Haushaltskonsolidierung“, „Pleitewelle“), und ist auch ein wichtiges Thema in Unternehmen und privaten Haushalten. Es gibt so gut wie nichts, was nicht vom Geld in irgendeiner Weise berührt ist. Mit der äußerlichen Welt sind wir vertraut. Wenn die Wirtschaft einen Schnupfen hat, dann müssen wir alle zu Taschentüchern greifen. Wir sind eine Ziffer in einer Reihe endloser Statistiken, und ein Arbeitsplatzverlust kann uns treffen; die Altersrücklagen unserer Eltern können wertlos werden, und all die nationalen und internationalen Phänomene und kalten Statistiken können einen herzergreifenden persönlichen Einfluss haben. Gleichzeitig ist kaum ein Thema so tabuisiert wie das Thema Geld. Während seit der sexuellen Revolution der 68er das Thema Sex überall öffentlich ausgebreitet wird, wird um das Thema Geld nach wie vor der Nimbus des Geheimnisvollen und des Schweigens verbreitet, zum Teil auch rechtlich abgesichert („Bankgeheimnis“). Warum hat Geld eine derart große und universelle Bedeutung für uns Menschen? Wenn wir es haben, geht es uns zumindest materiell gut, doch wenn wir es nicht haben, können wir daran sterben. Geld ist auch eine Frage von Leben und Tod. Die Knappheit des Geldes lässt es erst zu dem werden, was es ist und leistet – wenn jeder Geld im Überfluss hätte, würde Geld seine Funktionen als universelles Tauschmittel verlieren, doch die Knappheit der Währungen, die Dollar, Euro und Yen zu internationalen Handelswährungen macht, bedeutet jedoch auch, dass eine große Anzahl von Menschen keinen Zugang zu dem haben, was sie benötigen. Die individuell äußerliche Perspektive auf das Geld umfasst Dinge wie unsere Scheckbücher, Kreditkarten, Steuern und Versicherungen, unsere Häuser und Wohnungen, unsere Kleidung, unsere Autos, Aktien, Ersparnisse. Die innerliche Dimension des Geldes, wie wir über Geld denken und fühlen, ist nicht so offensichtlich, wenngleich Geld unsere heftigsten Emotionen hervorrufen kann, wie Zorn, Eifersucht und sogar Liebe. Wenngleich Geld in seinen äußerlichen Manifestationen beobachtet werden kann, hat es seinen Ursprung doch in unseren Herzen und Seelen. Geld ist in uns gegründet. Es ist der beste Menschheitsversuch, effizient zu arbeiten und fair miteinander umzugehen ... Wir lieben es. Wir hassen es, und oft „ist es nur Geld“. Soziale Aspekte des Geldes sind Geschichte und Theorie, sowie Börsen, Geldinstitutionen, Steuern und Steuersysteme, Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen, Regierungsprogramme, Politik, öffentliche Bilanzen, Zinsen, Wachstumsraten, Wechselkurse, Kaufkraft usw. Unsere Beziehungen zu Geld handeln von unserer persönlichen und kulturellen Innerlichkeit. Haben die Eltern über Geld gestritten? Was ist deine erste Erinnerung an Geld? Welche Aussagen gab es in deiner Kindheit über Geld? Unsere Beziehung zu Geld ist ein Amalgam aus Traditionen, Religionen, Ärger, Missbrauch, Ressourcen, persönlichen Fähigkeiten, Notwendigkeiten, sozialen Umständen, unterschiedlichen Philosophien, Verzerrungen, Diskriminierungen, und, natürlich, den immer gegenwärtigen Gegebenheiten des Marktes.

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Integration buddhistischer Praxis in den Arbeitsalltag

Integration buddhistischer Praxis in den Arbeitsalltag

Wie integrieren Berufstätige buddhistische Praxis in den Arbeitsalltag?

Eine explorative Interviewstudie mit Personen in Führungsverantwortung und ohne Führungsverantwortung.

Diplomarbeit von Joachim Wetzky & Danica Wetzky, Freie Universität Berlin

Problemdarstellung und Untersuchungsziele

Der Wandel der sich momentan in der Arbeitswelt vollzieht ist gewaltig und vielschichtig. Schlagwörter wie Massenarbeitslosigkeit, demographischer Wandel, Mini-Jobs, Manager-Boni und Hartz IV verdeutlichen die Brisanz des Themas. Immer mehr Menschen fällt es zunehmend schwerer, in dieser veränderten Arbeitswelt zurechtzukommen. Und auch viele Führungskräfte, die vermehrt nur noch in Zusammenhang mit Personalabbau und Restrukturierungsmaßnahmen erwähnt werden, erleben eine neue Unsicherheit.

Das Potsdamer Manifest, eine von Hans-Peter Dürr, J. Daniel Dahm und Rudolf zur Lippe verfassten Denkschrift, die ein neues Denken fordert, um mit den Krisen der heutigen Zeit fertig zu werden, beschreibt unserer Auffassung nach sehr gelungen, an welchem Punkt wir als Gesellschaft gerade stehen:

„Diese vielfältigen Krisen, mit denen wir heute konfrontiert sind und die uns zu überfordern drohen, sind Ausdruck einer geistigen Krise im Verhältnis von uns Menschen zu unserer lebendigen Welt. Sie sind Symptome tiefer liegenden Ursachen, die wir bisher versäumten zu hinterfragen und aufzudecken. Sie hängen eng mit unserem weltweit favorisierten materialistisch-mechanistischen Weltbild und seiner Vorgeschichte zusammen.“

Mit dieser Diplomarbeit wollen wir dazu beitragen herauszufinden, welche Möglichkeiten bestehen, diese vielfältigen Krisen, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden, zu überwinden. Aus diesem Grund widmen wir uns in dieser Diplomarbeit der Fragestellung wie Berufstätige mit und ohne Führungsverantwortung buddhistische Praxis in den Arbeitsalltag integrieren. Als Basis dient uns dabei der integrale Bezugsrahmen, der uns dabei helfen soll, buddhistische Inhalte in unsere Gesellschaft zu integriere

 

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Auf dem Weg zu einem integrale(re)n Business

Auf dem Weg zu einem integrale(re)n Business

Rolf Lutterbeck, Michael Habecker

 [Ein Hinweis: Die im Folgenden verwendeten Farben beziehen sich auf das Modell Spiral Dynamics. Wenn Sie damit nicht vertraut sind, hier eine vereinfachte Übersetzung: Mit Blau wird die konservativ denkende, traditionelle Weltsicht gemeint, Orange steht für die Moderne und Grün für die Postmoderne.]

Bereits zum zweiten Mal widmet die ip ein Heft dem Schwerpunkt „Integrales Business“ (IB). Dies unterstreicht die Bedeutung eines Themas für uns, bei dem die Schaffung von mehr integralem Bewusstsein besonders starke Auswirkungen hat.

Im Zen hat das zehnte (und höchste) Ochsenbild die Bezeichnung „mit leeren Händen auf dem Marktplatz“, wobei der Marktplatz den Platz unseres In-der-Welt- Seins repräsentiert. Wie können wir uns integral auf diesem Marktplatz bewegen, und was ist dieser Marktplatz integral betrachtet überhaupt? Willkommen beim „Integralen Business“. Eigentlich ist dieser Begriff zu eng gefasst, da „Business“ ein moderner (oranger) Begriff ist. Allgemeiner wäre der Begriff „Arbeit“, der allerdings etwas angestaubt ist. Worum es geht, ist eine Beziehung zwischen ein oder mehreren Menschen (die sich zu einem „Unternehmen“ zusammenfinden) zu anderen Menschen (meist „Kunden“ genannt) mit einer bestimmten Aufgabe (Unternehmens-Mission); zur Erfüllung dieser Aufgabe werden vom „Unternehmen“ Leistungen (Dienstleistungen, Produktlieferung) erbracht und diese – in vielen Fällen – vom Kunden (oder Förderern der Kunden) „honoriert“. Im besten Fall ist das Ganze ein „schöpferisches Spiel“, ein Ausdruck unseres Miteinander-Seins, eine Kommunion mittels bewusster Austauschbeziehungen, ein Feiern eines Wir, bei dem niemand ausgeschlossen ist.

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