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13.12.2017 : 19:55 : +0100

Geschichte

Wurzeln des IF: "ArbeitsKreise Ken Wilber"

Seit 1998 haben sich in verschiedenen Städten von Deutschland, der Schweiz und Österreich, kleinere und grössere Arbeitskreise und Gruppen gebildet, deren Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Perspektiven Ken Wilbers diskutieren, ILP praktizieren und ihre persönlichen Erfahrungen untereinander austauschen.
Die Mitglieder kommen aus den verschiedensten Berufs-, Ausbildungs- und Altersgruppen. Einige von ihnen fühlen einen Auftrag, Wilbers Werk bekannt zu machen und die von ihm vorgeschlagene Integrale Lebenspraxis (ILP- "Integral Life Practice") in Alltag und Beruf umzusetzen. Sie orientieren sich an den höchsten Perspektiven. Andere wiederum suchen in den Gruppen nur das Gespräch und Information, wollen sich mit Gleichgesinnten verbinden. Die Arbeitskreise sind also weder Fanclubs, dessen Mitglieder sich um ein Idol scharen, noch eine Sekte, die einen "Guru" namens Ken Wilber zu ihrem Vorbild und Lehrer hat.

Frau Prof. Edith Zundel

TeilnehmerInnen eines Seminars über Ken Wilber, das von Frau Prof. Edith Zundel am 14./15. September 1998 in Todtmoos im Rütte-Forum, der Wirkstätte von Graf Dürckheim, durchgeführt wurde, bildeten zuerst in Deutschland einen lockeren, bundesweiten Arbeitskreis zum Leben und Werk Ken Wilbers.

Frau Prof. Zundel, geboren 1928, ist Diplompsychologin, hat Ausbildungen in Klinischer Psychologie, Gesprächstherapie nach Carl Rogers, Katathymes Bilderleben nach Leuner u.a. Sie ist seit vielen Jahren Mitherausgeberin der Zeitschrift Transpersonale Psychologie und Psychotherapie, die immer wieder Beiträge, auch kritische, über Wilbers Thesen veröffentlicht. Zusammen mit Bernd Fittkau und Pieter Loomans hat sie u.a. einige von der Fachwelt beachtete Fachbücher zu diesem noch jungen Bereich einer neuen Psychologie geschrieben (z.B. Spirituelle Wege und Psychotherapie und Psychotherapie und religiöse Erfahrung). Auch mit dem Herder Spektrum-Bändchen Vom Tier zu den Göttern, eine Sammlung von Ken Wilbers wichtigsten Aussagen zur Einführung in sein Werk, ist die heute 74jährige bekannt geworden und ist immer noch eine gern gehörte Gastdozentin. In seinem Buch Mut und Gnade (Seite 205) schildert Ken Wilber seine erste Begegnung mit Edith Zundel in seinem Haus in Boulder/Colorado.

Ausgehend von dem Seminar von Frau Prof. Edith Zundel trafen sich einige Seminarteilnehmer später noch zweimal in München und diskutierten über das Selbstverständnis, die Ausrichtung, Ziele und Entwicklungspotentiale eines Arbeitskreises Ken Wilber, der auch integrale Perspektiven und Ansichten anderer Autoren und Vertreter einbeziehen und diskutieren würde. Hauptinitiator, Aktivator und Leiter war dann drei Jahre lang Gerd Klostermann vom Arbeitskreis München, der seine Funktion im Herbst 2001 an den folgenden Leiter Felix Ginthum in Berlin abgetreten hat.

Aus der ersten Gruppe gingen im weiteren Verlauf regionale Gruppierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hervor. Der Kreis wuchs von 20 Mitgliedern auf heute über 300 und wächst ständig weiter. Inzwischen gibt es regionale Gruppen in München, Berlin, Frankfurt, Wuppertal, Leipzig, Freiburg, Bremen, Köln, Hamburg, Österreich (Wien) und in der Schweiz (Basel), ferner InteressentInnen in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Spanien.

Einmal jährlich findet ein überregionales Treffen statt, bei dem Impulsreferate zu verschiedenen Themen Ken Wilbers, über Kunst, Psychologie, Politik, Wirtschaft, Philosophie, Spiritualität, Recht, Kultur usw., gehalten und diskutiert werden. 1999 nahmen an dem zweitägigen Treffen in Schmitten bei Wiesbaden etwa 50 Personen teil. Bei den nachfolgenden Tagungen und Kongressen in Berlin (2002), Bremen (2004), Frankfurt (2005), Chiemgau (2007) und Bremen (2009) waren jeweils zwischen 120-150 Teilnehmern vertreten. 2010 kamen rund 200 Teilnehmer zur Tagung nach Berlin.

Im Frühjahr 2001 trafen sich einige RegionalkoordinatorenInnen im Haus von Frau Prof. Edith Zundel in Bonn, um sich mit ihr über die Ausrichtung der Arbeitskreise, die Kontakte zu Ken Wilber und seine Vorhaben, besonders über das von ihm initiierte Integral Institute, zu besprechen.

Vom Zundel-Seminar zum "ArbeitsKreis Ken Wilber" in der DTG

Die Vorform des IF wurde aus der Taufe gehoben von engagierten Wilber-FreundInnen, die sich 1998 zu einem Seminar, damals veranstaltet von Edith Zundel, zusammenfanden. Diese Menschen gründeten in ihren Regionen Gesprächskreise, regionale Gruppen, in denen man sich (endlich mal) mit Gleichgesinnten über Wilbers Arbeiten austauschen konnte. Da man eine Plattform für diese emergierende Organisation brauchte, siedelte man sich als "AK Ken Wilber" in der Deutschen Transpersonalen Gesellschaft (DTG) an. So konnten die bestehenden Vereinsstrukturen, quasi als Mutterkuchen, genutzt werden. Das Kind wuchs rasch, um in diesem Bilde zu bleiben, die DTG bekam einen dicken Bauch und es war klar, dass das Kind eines Tages geboren werden würde.

E-Gremium - die Gründerzeit

EGremium, Herbst 2007

Die GründerInnen der regionalen Wilber-Gruppen trafen sich  mehrfach jährlich, um sich auszutauschen, sich zu entwickeln und die Ziele der Organisation festzulegen. Ein Vorstand führte den Arbeitskreis zwischen den Sitzungen des damaligen E=Entscheidungsgremiums. Mit dem Wachstum der Organisation wurde deutlich, dass das E-Gremium als höchstes Führungsgremium der Organisation nicht mehr tauglich wäre, wenn die Leiter aller neuen Gruppen dort repräsentiert würden. Das Gremium wäre zu groß, um handlungswirksame und operative Entscheidungen treffen zu können.

Die Frage, wie kann eine wachsende und lernende integrale Organisation geführt werden, so dass Kompetenz, Transparenz, Beteiligung und Verantwortung gefördert werden, und eine Veränderung der Organisationsstruktur standen an.

Es gab aber weder ein gutes Modell dafür, an dem man sich orientieren konnte, noch war das Bewusstsein reif dafür. Verschiedene Versuche wurden unternommen, um zu klären, wer nach welchen Kriterien bei welchen Entscheidungen zu berücksichtigen war. Wer "drin" war, fühlte sich in der glücklichen Situation einem kompetenten Gremium von Menschen mit Second-Tier Bewusstsein anzugehören, dass sich in einer geradezu schicksalshaften Konstellation formiert hatte. Dabei zu sein adelte und schmeichelte den Beteiligten manchmal mehr, als das Interesse und die Demut für die Lösung der Frage, wie sich eine integrale Organisation lernend entwickeln kann. Hier müssen wir unseren Schatten aufrichtig betrachten: vor allem die Haupt-Pathologie von Second Tier: Arroganz und falsch verstandener Elitarismus.

Organisation in den Wehen: Das IF als gemeinnütziger Verein

Als sich der Arbeitskreis Ken Wilber aus der DTG selbstständig machte, wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet mit Fördermitgliedern und aktiven Mitgliedern.

Fördermitglieder unterstützen die Ziele des Vereins finanziell und gelegentlich auch aktiv, sie erhalten kostenlos viermal im Jahr die Zeitschrift "integrale Perspektiven", einen regelmäßigen Newsletter, Vergünstigungen bei allen Seminaren und Veranstaltungen und das Recht, an Mitgliederversammlungen (ohne Stimmrecht) teilzunehmen.

Als aktive Mitglieder sollten diejenigen aufgenommen werden, die sich nachhaltig mit der integralen Philosophie auseinandergesetzt haben und sie aktiv in ihrem eigenen Leben und in der Arbeit des integralen Forums umsetzen wollen.

Die Grundüberlegung war die, dass über die Ziele des Vereins nur diejenigen entscheiden sollen, die diese Ziele verstanden haben und sich dafür einsetzen: durch die Leitung von Integralen Salons oder Fachgruppen, durch Aktivitäten in der Redaktion, bei Fortbildungen oder Arbeitskreisen.

Die nach diesen Kriterien ermittelten aktiven Mitglieder wählen den Vorstand, der dann zwischen den Wahlperioden die Organisation führt.

Trotz dieser organisatorischen Reform blieb das Verhältnis zwischen dem ursprünglichen E-Gremium, der Mitgliederversammlung und dem Vorstand nicht wirklich geklärt.

Das alte E-Gremium blieb trotz Vereinsgründung weiter bestehen und wurde zu einer Art Ersatzmitgliederversammlung mit gleichzeitigem Anspruch, alle Vorstandsaktivitäten mit zu gestalten (zusätzlich implizit auch noch die individuelle Entwicklung der Teilhaber zu fördern), was die operative Arbeit in einer wachsenden Organisation ziemlich erschwerte.

Holacracy, oder: das IF auf dem Weg zu einer lernenden Organisation

Seit 2006 ist in der integralen Szene ein neuartiges Organisationsmodell in aller Munde: die Rede ist von "Holacracy", bzw. Holakratie, das seine Wurzeln in der niederländischen Soziokratie hat und massgeblich von dem Amerikaner Brian Robertson in dessen Software-Firma Ternary entwickelt, erprobt und verfeinert wurde. In vielen Elementen von Holacracy sehen wir die Lösung für viele der Probleme, die wir mit den bisherigen Strukturen erlebt haben.

Holacracy arbeitet mit einer Holarachie miteinander verbundener Kreise, die jeweils ein Führungsglied und ein Repräsentativglied haben, das für den top-down, bzw. bottom-up Informationsfluss zuständig ist. Es ermöglicht uns, das bisherige E-Gremium sinnvoll durch einen an Teilnehmerzahl reduzierten, erweiterten Vorstand zu ersetzen. Gleichzeitig bekommen die Regionalgruppen bzw. Integralen Salons einen eigenen Kreis mit einer Leitung und einem Repräsentanten, die an den Sitzungen des erweiterten Vorstands und an den Sitzungen des Integralen Salon-Kreises teilnehmen. Sie bilden die für Holacracy typische Doppelverbindung zwischen zwei Ebenen der Fokussierung.

Dasselbe Modell gilt für die Fachgruppen, deren Leiter einen eigenen Kreis mit Führungs- und Repräsentativglied bilden. Auch hier besteht eine Doppelverbindung zum erweiterten Vorstand.

Salon-Kreis und Fachgruppen-Kreis sind auf derselben Ebene der Fokussierung, behandeln aber jeweils ihre eigenen spezifischen Fragen. Auch die regionalen Salons haben die Möglichkeit, dem bestehenden Leiter einen Repräsentanten aus ihrer Mitte an die Seite zu stellen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Interessen auf der höheren Ebene des Salon-Kreises vertreten werden sollten.

Eine neue holakratische Struktur für das IF

Jüngere Entwicklungen (Stand: Mai 2011)

Nach erfolgreichen Tagungen in Hart (Chiemgau 2007), Bremen (2009) und Berlin (2010) wächst die Organisation stetig weiter und gewinnt an Mitgliedern und an Salons. Derzeit haben wir rund 35 regionale Vertretungen mit Anbindung an das Integrale Forum, sowie rund 420 Mitglieder. Seit Mai 2011 ist das neue Content-Portal Integrales Leben zugänglich, welches deutschsprachige Inhalte aus den vergangenen 10 Jahren in aufbereiterter Form enthält. Neben der Zeitschrift IP ist nun auch das Online Journal "integral informiert" im IF angesiedelt. Auch DIA - Die Integrale Akademie ist nun auch optisch in das Gesamtbild der "Integralen Familie" (IF, IL, DIA, EIA) integriert worden. 

Ein weiteres Projekt ist die Teilnahme des IF im Center for Worldspirituality, vertreten durch Vorstandsmitglied Sonja Student. Als erster Beitrag hierzu von Seiten des IF kann das Positionspapier zu Integraler Spiritualität und spirituellen Lehrern, sowie die in diesem Zusammenhang lebhaft geführte Diskussion, betrachtet werden. 

Man darf gespannt sein, welche weiteren integralen Projekte für das IF in Zukunft am Horizont auftauchen werden.