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28.9.2016 : 22:27 : +0200

ip Nr. 34 "Aufwachen - Aufwachsen - Aufräumen"

Die Ausgabe 34 des IF-Magazins "integrale perspektiven" mit dem Titel "Aufwachen - Aufwachsen - Aufräumen" ist im Juni erschienen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

über der Arbeit Ken Wilbers steht der Begriff „integral“, doch das bedeutet, jedenfalls im Falle Wilbers, vor allem eines: ein intensiver und andauernder Differenzierungsprozess, an dessen immer nur vorläufigem Ende erst eine Integration steht, als eine Einheit unter voller Berücksichtigung einer ausdifferenzierten Vielfalt.

So auch beim Thema Spiritualität bzw. Psychologie. Es begann vor Jahren mit der Unterscheidung der „3 S“ des Bewusstseins: structures, states und shadow, d. h. der Strukturen des Bewusstseins, der Zustände und der (Schatten-)Dynamiken des Bewusstseins. Natürlich hat es Wilber nicht bei diesen Stichworten belassen, sondern ausführlich dargelegt, was er damit meint, welche Erkenntnisse es sowohl aus den kontemplativen Traditionen und aus der Psychologie dazu gibt, und wie diese drei zwar zu unterscheidenden, aber nicht voneinander zu trennende Aspekte des Bewusstseins zusammenwirken – und wie man sie entdecken und mit ihnen umgehen kann.

Daraus abgeleitet hat Wilber später drei Erkenntniswege benannt, als letztendlich einen Weg mit jedoch voneinander zu unterscheidenden, unterschiedlichen Aspekten: den Weg des Aufwachens (waking up), den des Aufwachsens (growing up) und den des Aufräumens (cleaning up). Diese Aufzählung lässt sich noch weiter ergänzen, z. B. durch ein Heraustreten und sich zeigen in der Welt (showing up). Derartige Unterscheidungen sind deshalb so wichtig, weil sie die Jahrtausende alten Wachstumsbemühungen der Menschheit aus praktisch allen Erkenntnisdisziplinen (Kontemplation, Psychologie, Philosophie ...) zusammenbringen und zur Verfügung stellen, auf Einseitigkeiten und Auslassungen hinweisen und somit integrierend und ganzheitlich wirken. Und natürlich – it goes without saying – geht es nicht nur um das Verstehen dieses differenzierten Wachstumsprozesses, sondern um die Praxis und Übung, einschließlich der Nicht-Praxis eines Geschehenlassens und „Nicht-Tuns“ (was nicht das Gleiche ist, wie einfach nichts zu tun).

Vor diesem Hintergrund war die Zusammenstellung der Heftbeiträge einmal mehr die erfreuliche und interessante Aufgabe, unterschiedliche Aspekte des Themas vor dem Hintergrund einer Vielfalt in Einheit des menschlichen Entwicklungsweges darzustellen.

Es ist schon oft gesagt worden, und zeigt sich immer wieder neu im Blick auf konkrete Lebensherausforderungen sowohl persönlicher wie auch gesellschaftlicher Art: Verhaltensänderungen alleine, so hilfreich diese auch sind, gehen nicht tief genug. Die innere Wurzel und Heimat des Menschen ist das Bewusstsein, individuell und kollektiv, mit seinen zeitlosen sowie auch seinen zeitlichen und sich entwickelnden Dimensionen. Diese zu entdecken, zu verstehen, zu entwickeln und zu leben ist lebenslang – ja was eigentlich? Abenteuer, Entdeckungsreise, Freude, Geheimnis, Herausforderung, Mysterium, schmerzvolle Angelegenheit, Rätsel, Wunder, Zumutung ...

Eine interessante Lektüre wünscht
Michael Habecker