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24.5.2016 : 7:58 : +0200

ip Nr. 33 "Geld - Wirtschaft - Gesellschaft"

Die Ausgabe 33 des IF-Magazins "integrale perspektiven" mit dem Titel "Geld - Wirtschaft - Gesellschaft " ist im Februar erschienen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

integrale Theorie trifft auf Wirklichkeit – dieser Ausspruch wird beim Thema „Wirtschaft und Gesellschaft“ auf eine besondere Weise lebendig. Nirgendwo sonst sind die Probleme so drängend und die Komplexität so anspruchsvoll wie bei dem Phänomen „Gemeinschaftlichkeit“, welches erst seit relativ kurzer Zeit auch Gegenstand wissenschaftlicher, soziologischer und kultureller Untersuchungen ist. Wie wollen wir zusammen leben, wie gehen wir miteinander um, was ist Gerechtigkeit, wie weit wollen wir uns öffnen und wovor müssen wir uns schützen, wer gehört zu uns und wer nicht, wie gehen wir mit der natürlichen Welt und unseren Mitgeschöpfen um? Fragen wie diese fordern uns tagtäglich neu heraus und sind, spätestens seit den Flüchtlingsbewegungen, auch vor Ort für uns alle sichtbar, erlebbar und mitgestaltbar.  

Einigen dieser Themen, vor allem dem Thema Wirtschaft und Geld, widmen wir uns in dieser Ausgabe. Dabei ist es aufregend zu erleben, wie Theorie und Praxis, Landkarte und Wirklichkeit, Wissen und Sein sich immer mehr als zwei Seiten einer Münze und eine Wechselbeziehung zeigen.

Auch zum Thema „Gender“ erscheint ein Beitrag in dieser Ausgabe. Das Ausmaß an sexualisierter Gewalt, welches in den Medien thematisiert wird, macht immer wieder betroffen. Auch bei uns im „Westen“ sind die Unterschiede früher prägender Erfahrungen in den Familien noch sehr groß. Sie reichen von einem bürgerlichen Kontext, in dem die Eltern sich mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen, über eine konventionell-patriarchale Rangordnung hin zu Familien, in denen Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung sind. Dementsprechend vielfältig ist auch das Bewusstsein darüber und der Umgang mit dem Thema. Es gibt Frauen, die in ihrem Leben noch nie damit persönlich konfrontiert wurden und dementsprechend verwundert sind, wenn in ihrem Umfeld etwas bekannt wird. Die feministischen Strömungen und ihre Errungenschaften sind vielfach noch außerhalb der allgemeinen Wahrnehmung, und das Fehlen von Gleichberechtigung und Schutz werden als selbstverständlich erlebt. Wir leben in Parallelgesellschaften, selbst wenn wir geografisch nahe bei einander sind. Die letzten Monate haben uns gezeigt, dass ein tieferes Mitgefühl, welches sich so schön und berührend gegenüber schutz- und hilfsbedürftigen Menschen vielfach zeigt, uns weiter zu einem differenzierenden und integrierenden Verständnis führen kann.

Letztendlich geht es um das Spüren und Schmecken des Lebens in seiner Unmittelbarkeit, mit der gesamten Bandbreite gefühlten menschlichen Erlebens, bei einem gleichzeitigen Abstand nehmen von dem was passiert, in dem Versuch zu verstehen, warum es passiert. Mit diesem neuen Verständnis wiederum ist ein neues Engagement im Leben auf eine bewusstere Art möglich, welches zu neuen Erfahrungen führt, und, Abstand nehmend, zu neuen Erkenntnissen, bis hin zu Einsichten die „nicht von dieser Welt sind“, aus deren Zentrum heraus jedoch diese unsere Welt – so wie sie ist – in einem strahlenden Licht erscheint.

Marie-Rose Fritz und
Michael Habecker