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AQAL Übersicht
"Eine Übersicht Integraler Theorie - ein allumfassendes Bezugssystem für das 21. Jahrhundert"
von Sean Esbjörn Hargens,
JFK University
22 Seiten, PDF Format (1,4 MB)
Übersicht: Grundlagen
Was ist integral?
Der Begriff "integral" hat unterschiedliche Bedeutungen. Im Rahmen der Verwendung des "Integralen Forums" beziehen wir uns dabei auf eine Weltsicht und Methodik, die den Anspruch hat auf der Höhe des jeweiligen Wissens- und Erkenntnisstandes ein dynamisches, und mit dem Wissensfortschritt wachsendes Erklärungsmodell für die Wirklichkeit, das Leben, den Menschen, das Sein und die Welt zu liefern.
Die meisten Philosophen und ForscherInnen haben versucht, das Wissen ihrer Zeit zusammen zu fassen und ihren Zeitgenossen zu vermitteln, auf einem Spezialgebiet, in der Verbindung mehrerer Spezialgebiete, oder in der Integration aller Erkenntnis ("Universalgelehrte"), mit dem (ausgesprochenen oder unausgesprochenem) Ziel einer "Theorie von Allem".
Dies ist auch das erklärte Ziel der integralen Theorie (und Praxis) Ken Wilbers, dessen Arbeit wir als einen Ausgangspunkt (und nicht als Endpunkt) unserer Bemühungen eines umfassenden Modells der Welterklärung betrachten.
Dabei geht es nicht (nur) um ein philosophisches oder akademisches Interesse, sondern es geht vor allem darum, dieser Welt und den Lebewesen die sie bevölkern bessere Möglichkeiten aufzuzeigen und "Landkarten" an die Hand zu geben, um auf einem begrenzten Planeten ein sinnvolles, würdiges und liebevolles Leben miteinander zu führen.
Ken Wilber schlägt fünf gleichwertige und allgemeine Kategorien zur Beschreibung von Wirklichkeit vor:
- Quadranten (Quadrants)
- Entwicklungsebenen (Developmental Altitude)
- Entwicklungslinien (Lines of Development)
- Zustände (States)
- Typen (Types)
Die englischsprachige Abkürzung dafür ist AQAL (sprich:"ah-kwal") und steht für "all quadrants, all levels, all lines, all states, all types".
Die folgende Grafik von Steve Self versucht alle Komponenten von AQAL in einem Bild zu erfassen:
Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:
Ein Ken Wilber Interview mit Haim Hacerim
Ein Ken Wilber Interview mit Haim Hacerim

(Erstveröffentlichung auf IntegralNaked.com Januar 2007)
Teil 1. Der integrale Ansatz
Redaktionelle Einleitung der IN Redaktion
Eine Übersetzung in hebräischer Sprache von Eine kurze Geschichte des Kosmos wurde kürzlich veröffentlicht, und in Vorbereitung dieses Ereignisses wurde Ken von Carmel Vaisman für die Zeitschrift Haim Hacerim interviewt, die man als so etwas wie das Pendant zur Zeitschrift “What Is Enlightenment?” in Israel bezeichnen kann. Die ist Kens Debüt mit der israelischen Presse, und gleichzeitig eine wundervolle Einführung in die integrale Vision, ein brillanter Überblick über die immer mehr hervortretende integrale Landschaft. Dieses Gespräch ist ebenso hilfreich für Einsteiger in die Thematik, als auch für bereits Fortgeschrittene, die sich vielleicht gerne immer wieder daran erinnern lassen, wie einfach das ganze ist!
Darin enthaltene Themen sind:
- Der integrale Ansatz als eine Art von Über-Holismus, im Unterschied zu der Mehrzahl von holistischen Ansätzen, die, um ehrlich zu sein, nicht holistisch genug sind.
- Eine Erläuterung der Erkenntnisansätze einer ersten, zweiten und dritten Person, und der unterschiedlichen Methodiken die verwendet werden, um diese Ansätze zu verifizieren.
- Eine kurze Untersuchung der Systemtheorie als einer „holistischen Wissenschaft“, die oft von sich behauptet eine „Theorie von allem“ zu sein, die jedoch nicht die Wirklichkeiten einer ersten, zweiten und dritten Person abdeckt, im Unterschied zu einer wirklichen Theorie von allem.
- Die Größe (der Wert) und die Grenzen die bei der Konzentration auf eine spezielle Erkenntnisperspektive auftreten, und die Gefahren der Überschreitung des Erkenntnisrahmens einer bestimmten Methodik.
- Kens eigene persönliche Motivation hinter seiner Laufbahn als integraler Theoretiker und Autor: war er auf der Suche auf etwas was über das von Postmodernismus dekonstruierte Flachland hinausreichte, oder brachte er einfach nur seine eigenen spirituellen Erfahrungen durch das Schreiben zum Ausdruck?
- Kens Antwort auf Kritik die er von Postmodernisten, Feministen und Ökophilosophen erhalten hat – von denen viele der Vorstellung von jeglicher Hierarchie misstrauen, wobei oft natürliche Wachstumshierarchien (und Holarchien) mit sozialen Beherrschungshierarchien verwechselt werden. Ersteres sind dabei die Lösung für Letztere.
Dieser Dialog ist ein wunderbares Beispiel und eine Erinnerung an die Tatsache, dass der integrale Weg ein weltweites Phänomen darstellt, überall zu Hause ist, von allen verstanden und in allen Sprachen formuliert wird, und eine der schönsten Wege der Menschheitsfamilie ist, um sich untereinander kennen zu lernen.
Ein Überblick über das integrale Modell
Ein Überblick über das integrale Modell
Fred Kofman
[Quelle: Integral Naked, Integral Consciousness Seminar Februar 2005 A Synopsis of the Integral Model]
In diesem Gesamtkonzept, das Ken entwickelt hat, damit man sich in der Welt zurechtzufinden kann, gibt es zum einen die Quadranten: Das Innerliche, das Äußerliche, das Individuelle, das Kollektive – Ich, Es (singular), Wir, Es (plural). Wir nehmen diese Perspektiven ein und wir werden im Verlauf dieses Seminars Situationen aus diesen unterschiedlichen Perspektiven betrachten und dabei sehen, wie alles – mit Kens Worten – tetra-emergiert, wie alles „in“ den vier Quadranten, die nicht aufeinander reduzierbar sind, gleichzeitig emergiert. Auf der Entwicklungsstufe des 2nd tier kann man alle diese Perspektiven einnehmen, weil man nicht in einer von ihnen „steckt“, d.h. mit einer von ihnen identifiziert ist. Das Betrachten dieser Perspektiven ist auch eine Übung zur Ent-Identifikation: Wenn man diese Perspektiven einnehmen kann, ist man nicht mehr ausschließlich damit identifiziert, und bleibt dann auch nicht darin stecken.
Dann gibt es die Entwicklungsebenen [in der Farbbezeichnung von Spiral Dynamics]: Rot, Blau, Orange, Grün, Gelb, Türkis, Koralle, Transkoralle (Beige und Purpur habe ich ausgelassen). Manchmal fassen wir diese Ebenen zu 3 „tiers“ zusammen. 1st tier bedeutet, dass man in der Entwicklungsebene, auf der man sich befindet, „steckt“. Man sieht die Welt durch den Filter dieser Perspektive. Im 2nd tier beginnt man diese Filter zu erkennen. Man kann dann damit spielen, so wie man bei einer Brille verschiedenfarbige Gläser einsetzen kann, ohne sich mit einer bestimmten Farbe zu identifizieren. Man kann wertschätzen, was die einzelnen Ebenen einem zeigen, und sieht aber auch, was sie nicht erkennen. Man erkennt die blinden Flecken jeder dieser Sichtweisen. 3rd tier - darüber sprechen wir später. (Man muss erst gehen lernen, bevor man laufen kann) [Lachen]
Die Entwicklungslinien, das sind z. B. die kognitive, die spirituelle, die psychodynamische, die physische und die ethische Entwicklungslinie. Die ethische Entwicklungslinie, das „Karma Yoga“, ist sehr wichtig, es betrifft unsere Sorge für andere, wie wir authentisch kommunizieren, wie wir mit anderen Menschen zusammen arbeiten, wie wir im relativen Bereich zu einem Bewusstsein höherer ethischer Prinzipien gelangen können. Diese ethische Entwicklungslinie verläuft von einem „was immer ich will, ist die Wahrheit“ (Rot) zu einem „es gibt Wahrheiten, die gottgegeben sind“ (Blau) weiter zu einem „es gibt objektive wissenschaftliche Wahrheiten“ (Orange) zu einem „jeder hat seine eigene Wahrheit“ (Grün) usw. Jede Entwicklungslinie hat auf jeder der Entwicklungsebenen ihre eigene Art von Manifestation.
Ken Wilber Interview mit Myriades
Ken Wilber Interview mit Myriades
Teil 1 Was machst du?
Frage: Zuerst eine einfache und allgemeine Frage: Wie würdest du das definieren, was du machst?
KW: Der integrale Ansatz, den ich entwickelt habe, ist ein Versuch, gegenüber der Wirklichkeit so umfassend und alles mit einschließend zu sein wie nur irgend möglich. Das umfasst alle bekannte menschlichen [Erkenntnis- und Erfahrens-]Disziplinen, also auch integrale Medizin, integrale Politik, integrale Bildung und Erziehung, integrale Spiritualität, integrales Recht und so weiter. Dieser Ansatz gründet sich auf den verschiedenen Perspektiven und den verschiedenen Dimensionen aller Menschen. Es ist kulturübergreifend, und lässt sich auf praktisch alle Lebenssituationen anwenden. Es ist ein Versuch der Überwindung der allgemein verbreiteten teilhaften, fragmentierten und zersplitterten Ansätze gegenüber der Wirklichkeit. Diese Ansätze gilt es durch etwas Umfassenderes zu ersetzen oder zu ergänzen.
Frage: Wie bist du auf diesen Weg gelangt? Schon in der Kindheit? Hattest du bestimmte Erfahrungen? Was hat dich zu diesem Leben geführt?
KW: Ich war als Student an der medizinischen Fakultät der Duke Universität. Meine Ausbildung bis zu diesem Punkt bestand überwiegend in Wissenschaft als einem objektiven Studium [äußerlicher] Wirklichkeit, mit Fakten, Daten und objektiver Wahrheit. Das medizinische Ausbildungsprogramm fiel auch in diese Kategorie. Dort beschäftigte man sich zwar mit Menschen, aber Menschen als Objekten, als Organismen, denen man sich auf eine objektive, monologische und flachländische Weise annähern kann. Grundlegende Fragen, die junge Menschen typischerweise haben, wurden dabei nicht behandelt, wie die Standardfrage „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Warum bin ich hier?“, „Was ist wertvoll, was ist ein gutes Leben?“, „Was ist das Wahre, der Schöne, das Gute?“ Keine dieser Fragen wurde in den Universitätskursen, die ich besuchte, behandelt. Zu dieser Zeit, in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren war ich ein typischer Boomer, und die östlichen Traditionen begannen in die USA einzuströmen. Als ich begann mich damit zu beschäftigen, einschließlich Daoismus, Vedanta und Zen Buddhismus hatte das einen tiefgreifenden Einfluss auf mein Leben und wie ich die Dinge betrachtete. Es wurde mir dabei klar, dass der wissenschaftliche Ansatz nicht falsch war, dass er jedoch nur einen Teil abdeckte und nur einen Teil des menschlichen Potentials behandelte. Mich interessierten jedoch auch die anderen Teile, das Innerliche, das Subjektive, Bewusstheit, Spiritualität. Doch die Wahrheit der Wissenschaft wurde dadurch nicht aufgehoben, für mich war das kein Entweder/Oder, also entweder äußere Wissenschaft oder innerliches Bewusstsein, es war Beides. Es ging um die Frage, wie passen sowohl Spiritualität als auch Materialismus zusammen? Ich erstellte einen Rahmen, der all diese unterschiedlichen Ansätze enthielt und ihnen einen Platz gab.
Als ich 23 Jahre alt war, wechselte ich von der medizinischen Fakultät zur Biochemie. Ich wollte Forschung machen und kreativ sein können, etwas Neues entdecken, wechselte daher zur Biochemie und wollte dort meinen Abschluss machen. Ich hatte schon alle Kurse für meinen Doktortitel zusammen, doch noch nicht die Forschungsarbeit. Ich beschäftigte mich mit den Hauptformen von Psychotherapie und Spiritualität, den Hauptformen menschlicher Veränderungen. Wie kann man Menschen, die unglücklich sind oder Furcht oder Angst oder andere innerliche Probleme haben, glücklich machen, ganzheitlicher machen, heiler machen, gesund werden lassen, zur Erleuchtung und Befreiung führen? Weltweit gibt es etwa sechs oder sieben Haupt-Schulen oder Richtungen von Psychotherapie und spiritueller Praxis, vom Zen Buddhismus zur Gestaltarbeit, zur Jung’schen Therapie, zur existentiellen Therapie, und mit 23 Jahren gelang es mir einen Rahmen zu definieren, in dem all diese Ansätze einen Platz hatten. Ich schrieb mein erstes Buch Das Spektrum des Bewusstseins, und wie der Titel schon nahe legt, geht es darum, dass Menschen nicht nur aus einer einzigen Bewusstseinsebene bestehen, für die es die genannten sechs oder sieben Ansätze gibt, und die darum kämpfen jeweils Recht zu haben. Doch das ist nicht möglich. Es handelt sich also nicht um sechs oder sieben Ansätze gegenüber derselben Bewusstseinsebene, sondern um sechs oder sieben Bewusstseinsebenen, mit denen sich die Ansätze jeweils richtigerweise beschäftigen. Der Begriff „Spektrum“ bezieht sich also auf dieses Bewusstseinsspektrum und die Bewusstseinsstrukturen, über die Menschen verfügen, und die unterschiedlichen psychotherapeutischen und spirituellen Ansätze haben sich den unterschiedlichen Ebenen angepasst. ...
Artikel "Integrieren oder krepieren"
Artikel "Integrieren oder krepieren"

Oder: die Notwendigkeit eines integralen Weltbildes
von Dennis Wittrock
Wo die Not groß ist, da – so sprach schon Hölderlin – „wächst das Rettende schon“. Was könnte das Not-Wendende sein angesichts von Finanzkrise, Klimawandel, Terrorismus, Fundamentalismus, drohender Ressourcenknappheit und achselzuckender Hoffnungslosigkeit? Wenn die äußeren Lebensbedingungen tatsächlich die Frage darstellen, auf die die menschliche Intelligenz immer neue Antworten hervorbringt – was ist dann die Antwort auf Problemlagen, die so komplex sind, dass sie nationalstaatlichen Gebilden mehr und mehr entgleiten?
Man stelle sich vor, dass alle bisherigen Stationen der Menschwerdung (mit allen ihren spezifischen Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Bereichen) in diesem Augenblick Krieg miteinander führen- verstärkt durch ein multidimensionales Informationsgeflecht. Perspektiven, die vor einigen Jahrhunderten noch aufgrund räumlicher und zeitlicher Distanzen niemals miteinander in Berührung gekommen wären, prallen im Zeitalter von Massenmedien, modernem Transportwesen und Internet brutal aufeinander, so dass es splittert und die Fetzen fliegen – die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Wem soll man noch Glauben schenken? Was ist richtig und was falsch? Macht es Sinn an dem Begriff „Wahrheit“ festzuhalten, oder ist alles ohnehin nur Produkt kultureller Konstruktion? Ist Gott tot - und falls nicht, was soll das ganze Spielchen auf diesem Staubkorn irgendwo im Universum?
Ken Wilber ist circa 1,90 m groß, glatzköpfig, durchtrainert und hat eine absurde Vorliebe für Red Bull, die so ganz und gar nicht zu seiner langjährigen meditativen Praxis oder zu seiner vegetarischen Ernährung passen will. Er ist Amerikaner, Philosoph und Autor von über zwanzig Büchern, die in über 25 Sprachen übersetzt wurden. Fast im Alleingang hat er eine wahrhaft umfassende Welt-Philosophie geschaffen – ein Rahmen, der weit genug ist, um die zentralen Erkenntnisse der Prä-Moderne, der Moderne und der Post-Moderne zu umarmen, weit genug, dass Spiritualität und Wissenschaft koexistieren können, weit genug, das jede Perspektive ein bisschen Recht haben kann, ohne dass sie andere Perspektiven notwendigerweise ausschließen muss. Weit genug für Zen und Muskelshirts. So sehen Helden aus.



