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18.8.2017 : 1:19 : +0200

FAQs – Frequently Asked Questions

FAQs - (frequently asked questions) ist eine Zusammenstellung häufig gestellter Fragen, die unsere Arbeit im Integralen Forum betreffen, sowie die passenden Antworten darauf. Wir hoffen, dass Sie dadurch besser verstehen, worum es uns geht. Falls Ihre Fragen nicht beantwortet werden, schreiben Sie uns gerne eine mail an info(at)integralesforum.org. Wir bemühen uns dann um Klärung. Vielen Dank!

Was kann ich mit dem Integralen konkret anfangen?

Was kann ich mit dem Integralen konkret anfangen?

Eine Menge – siehe die Bandbreite der Anwendungen unter „Integrales Leben“.

Was ist eurer Meinung nach das Besondere an Ken Wilber bzw. seiner Arbeit?

Was ist eurer Meinung nach das Besondere an Ken Wilber bzw. seiner Arbeit?

Ken Wilber hat bisher in seinen über 20 Büchern, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden, eine erstaunliche Bandbreite philosophischer, wissenschaftlicher und spiritueller Fachliteratur rezipiert, sich intensiv damit auseinander gesetzt  und die zentralen Erkenntnisse und Wahrheiten aus diesem intensiven Studium in Form eines umfassenden Theoriegebäudes zusammen gebracht, in welchem die essenziellen Erkenntnisse verschiedenster Disziplinen und Traditionen in einer harmonischen, einander komplementär ergänzenden Weise zusammenkommen. Die dahinterstehende geistige Leistung schätzen wir als enorm ein – ebenso, wie der Orientierungswert, der sich aus seinen „Landkarten“ ergibt.  Wilber ‚kartographiert’ unter anderem das komplette Spektrum menschlicher Entwicklung – bis hin zu elitären (weil selten erreichten) späten Strukturen der Entfaltung des Bewusstseins und veränderten bzw. spirituellen Zuständen und Gipfelerfahrungen (Flow, Seligkeit, Einheitserfahrungen, etc.). Das Einzigartige an der Person Ken Wilber ist, dass er nicht nur diese Landkarten der Entwicklung zeichnet, sondern das Terrain auch aus eigener Erfahrung kennt. Zumindest legen das der Detailreichtum seiner Darstellungen und persönliche Zeugnisse und Berichte nahe.

Abgesehen von diesem enorm wertvollem Beitrag zum Feld der Psychologie und Spiritualität hat er mit seinem integralen Ansatz („AQAL“) zudem einen grundlegenden philosophischen Beitrag geliefert, der eine Integration vormals im Konflikt liegender Perspektiven und Standpunkte ermöglicht und – die unserer Einschätzung nach – größtmöglichen Anzahl von Perspektiven, Einsichten und Wahrheit aus der größtmöglichen Bandbreite von Erkenntnisdisziplinen realisiert. Es gibt wenig vergleichbare Ansätze von solch atemberaubender Tiefe, Komplexität und Eleganz – zumindest, diejenigen, die uns bisher untergekommen sind.

Der Anspruch einer „Theorie von allem“ wirkt für mich abschreckend. Was ist damit gemeint?

Der Anspruch einer „Theorie von allem“ wirkt für mich abschreckend. Was ist damit gemeint?

„A Theory of Everything“ – eine „Theorie von Allem“ lautete ein etwas provokanter Buchtitel von Wilber, in welchem er seinen integralen Ansatz vorstellt (dt. Buchtitel: „Ganzheitlich Handeln“. Er ist der erste der zugibt, dass eine Theorie immer nur eine Repräsentation der Wirklichkeit ist – niemals die ganze Wirklichkeit selbst, d.h. die Landkarte ist nicht das Terrain. Dennoch ist Wilber dezidiert der Auffassung – und die teilt das IF – , dass „nichts praktischer ist, als eine gute Theorie“. Landkarten sind immer unvollständig. Mehr noch: sie müssen es sein, damit sie überhaupt praktisch sind. Abstraktion ist nützlich. Eine gute Theorie ist eine hilfreiche Abstraktion der Wirklichkeit, die uns wie eine gute Landkarte dabei hilft uns im Terrain zurechtzufinden. Wer einmal ohne Stadtplan in einer fremden Stadt war, weiß was gemeint ist.

Wilber ist kein Verfechter eines irgendwie gearteten Vollständigkeitsanspruchs. Er vergleicht die „Theorie von Allem“ mit dem Topf Gold am Ende des Regenbogens, dem man vergeblich hinterherläuft. Dennoch beharrt er darauf, dass ein bisschen mehr Ganzheit besser ist als weniger Ganzheit, und dass die Frage nicht lauten sollte „Welche Theorie hat Recht? Theorie A, B, C oder D?“ sondern besser: „Wie muss eine Wirklichkeit beschaffen sein, in der Theorie A, B, C und D überhaupt erst entstehen und von gut meinenden Menschen für wahr und richtig angenommen werden können?“ Das ist die integrale Leitfrage, die sein gesamtes Werk durchzieht und die den entscheidenden Unterschied ergibt. Mit anderen Worten- Wilber versucht einen Rahmen abzustecken, der so weit ist, dass darin relativ mehr Wahrheitsansprüche Platz finden, als in anderen Philosophien oder Weltanschauungen bisher – mehr Ganzheit, mehr Wahrheit, mehr Mitgefühl, mehr Fürsorge.

Ist das Integrale wirklich etwas Neues, und was unterscheidet es von einem vorübergehenden Trend?

Ist das Integrale wirklich etwas Neues, und was unterscheidet es von einem vorübergehenden Trend?

Die Beantwortung dieser Frage gleicht einem Experiment. Die Anweisung des Experimentes lautet „Vertiefe dich eine Weile in die integrale Theorie und stelle dir anschließend dieselbe Frage noch einmal“.  Wenn man zuvor noch nie einer integralen Sichtweise ausgesetzt war, und nur den gängigen postmodernen Pluralismus von Perspektiven kennt, dann neigt man von außen und ohne eingehende Prüfung der Konzepte wahrscheinlich dazu, integrale Theorie lediglich für eine weitere Theorie, bzw. mehr oder weniger legitime Perspektive auf die Wirklichkeit zu halten, wie alle anderen auch.

Aus der integralen Sicht heraus ist diese Bewertung von Ken Wilbers Arbeit Ausdruck der pluralistischen Bewusstseinsstruktur, die zwar mühelos die Wahrheit und Relevanz multipler Standpunkte halten kann (horizontal), aber noch nicht in der Lage ist, Perspektiven zusätzlich auch vertikal, bzw. entlang eines Entwicklungsspektrums einzuordnen und dadurch zu einer integral-aperspektivischen Gesamtsicht zu integrieren („Schau-Logik“). Dies ist eine entwicklungsbedingte Fähigkeit (dokumentiert von diversen Entwicklungspsychologen) und im Vergleich zu der pluralistischen Sichtweise bei Erwachsenen noch viel seltener anzutreffen. Ist diese Fähigkeit vorhanden, so macht integrale Theorie ganz rasch „klick“. Falls nicht, dann nicht. Es ist ein Resonanzphänomen. Die Leute, für die es „klick“ macht, berichten übereinstimmend, dass es nicht nur eine Perspektive unter vielen ist, sondern eine umfassendere Sicht, die viel mehr Raum und tieferes Verständnis der anderen Perspektiven ermöglicht.

Die Integrale Sicht feiert die Vielheit, wie die pluralistische Sicht, doch sie verliert sich nicht nur darin, sondern hat auch immer ein Auge auf die Einheit in der Vielfalt der Perspektiven und Standpunkte – was sie zusammenhält, wie sie zusammenhängen und wie sie auch untereinander vergleichbar werden können, ein Meta-Rahmen, ein System von Systemen.

Der Entwicklungsgedanke wird immer wieder betont. Damit verbunden sind Wertungen von höher/tiefer und besser/schlechter. Wie stellt ihr sicher dass daraus nicht eine neue Art von Faschismus entsteht?

Der Entwicklungsgedanke wird immer wieder betont. Damit verbunden sind Wertungen von höher/tiefer und besser/schlechter. Wie stellt ihr sicher dass daraus nicht eine neue Art von Faschismus entsteht?

Die Vorsicht und die kritische Haltung gegenüber jeglicher Art von Stufenmodellen sind berechtigt und begründet – gerade in Deutschland. Wir tragen quasi ‚kulturelle Antikörper’ in uns, die uns bei Konzepten wie diesen diverse Warnlichter angehen lassen. Die krude Verwendung und der Missbrauch von Stufenmodellen im Dienste faschistischer Ideologie und totalitärer Systeme haben tiefe Wunden in der kollektiven Psyche hinterlassen. Weder Wilber noch das Integrale Forum propagieren eine Art von „Übermensch“, eine überlegene Rasse oder dergleichen.

Die Entwicklung geistiger Fähigkeiten ist ein Phänomen, das wir leicht im Umgang mit Kindern und Jugendlichen beobachten können. In diesem Kontext ist Entwicklung unbestritten und der gesellschaftliche Wunsch ist dahingehend, diese auch bestmöglich zu fördern. Sobald wir „erwachsen“ sind, gilt hingegen gesellschaftlich kollektiv die Annahme, dass wir auf irgendeine Art „fertig“ sind. Entwicklung von Erwachsenen wird nicht weiter diskutiert, sobald man das allgemeine Entwicklungsniveau der Gesellschaft erreicht hat und tadellos funktioniert. Die Zimmerdecke ist erreicht. Natürlich ist das Unsinn. Zahlreiche entwicklungspsychologische Studien demonstrieren eindrucksvoll, dass Entwicklung sich auch nach dem Eintritt ins Erwachsenenalter fortsetzen kann und das auch tut. Diese empirisch gut belegten Forschungen nimmt Wilber ernst.

Man kann die Ergebnisse dieser Theorie in endlosen Details auswälzen, aber hier soll ein eine einfache Sequenz genügen: die Entwicklung des moralischen Urteilsvermögens und des Kreises derjenigen, für die ich Fürsorge empfinde. Sie verläuft über die Stufen „egozentrisch“ (nur Ich), „ethnozentrisch“ (nur meine Leute/ Nation, etc.),  „weltzentrisch“ (alle Menschen - unabhängig von Rasse, Geschlecht, etc.). Entwicklung bedeutet Zunahme von Mitgefühl und Fürsorge. Faschistische Ideologien bleiben auf der ethnozentrischen Stufe stecken. Das spricht aber nicht gegen Entwicklung selbst (sie geschieht ohnehin), sondern nur gegen eine staatliche Gewalt, die Entwicklungskonzepte für ethnozentrische Ideologien missbraucht – wie geschehen in Deutschland in der Nazizeit.

Die integrale Perspektive ist mindestens weltzentrisch. Unsere Streben geht dahin, eine solche und noch höhere Sichtweisen in unserem Leben einnehmen zu können und in unserem Wirken sichtbar wirksam werden zu lassen. Insofern wir dies erreichen, halten wir uns nach eigenen Maßgaben für relativ weiter entwickelt als der Mainstream. Ja, das ist irgendwie elitär - ein Elitarimus, zu dem jeder eingeladen ist hineinzuwachsen - hineinzuwachsen in eine größere Fürsorge, eine langfristigere Perspektive, mehr Verständnis, mehr Übernahme von Verantwortung. Jemand sollte den Wagen fahren – und seien wir ehrlich: der Fünfjährige hat eigentlich nichts am Steuer verloren.

Abb.: Sphären der Entwicklung

Warum nimmt der akademische Mainstream vom Integralen keine oder wenig Notiz, oder gibt es dort schon Aktivitäten?

Warum nimmt der akademische Mainstream vom Integralen keine oder wenig Notiz, oder gibt es dort schon Aktivitäten?

Die gibt es schon, z.B. an der Fielding University oder auch an der JFK University in Pleasant Hill, Kalifornien. Letztere hat bereits zwei große akademische Konferenzen mit jeweils über 500 Teilnehmern ausgerichtet. Lesen Sie hier einen Bericht von 2010. Auch in Deutschland gibt es an diversen Universitäten Professoren, die dem integralen Ansatz sehr offen gegenüberstehen. Auf unserem Portal "Integrales Leben" sammeln wir neben zahlreichen praktischen auch akademische Arbeiten, die die große Relevanz des integralen Ansatzes für Wissenschaft und Forschung erkannt haben. 

Ist Ken Wilber ein Guru und wodurch unterscheidet sich das IF von einer Sekte?

Ist Ken Wilber ein Guru und wodurch unterscheidet sich das IF von einer Sekte?

Nein. Er arbeitet nicht als Lehrer mit spirituellen Schülern. Er versteht sich eher als „Pandit“, das ist eine indische Bezeichnung für einen Gelehrten, der sich mit den spirituellen Texten und auch Praktiken auskennt, aber nicht auf direkte Weise mit spirituellen Schülern arbeitet, wie ein Guru das tut. Gleichwohl ist er ein intensiver Praktizierender der Übungen der Weisheitstraditionen, insbesondere des Zen, Dzogchen, aber auch der christlichen Tradition.

Wilber spricht in manchen Zusammenhängen von „students of my work“, bezieht das aber auf diejenigen, die sein Werk und seine Theorie studieren. Die Menschen im Integralen Forum verbindet das Interesse an seinem Ansatz. Mehr zur Person Ken Wilber können Sie hier erfahren.

Wir sind definitiv kein Ken-Wilber-Personen-Kult, wie manche zu glauben scheinen. Auch wir haben ein Problem mit Scientology, Dogmatismus, Menschenfängerei und dergleichen. Das Integrale Forum e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel es ist integrale Ansätze, wie den von Ken Wilber, bekannt zu machen, anzuwenden und zu vertiefen, weil wir darin relativ mehr Wahrheit, Schönheit und Gutheit zu erkennen glauben als in anderen, uns bekannten Weltanschauungen. Wir vertreten ein differenziertes und wertschätzendes Verständnis einer authentischen (integralen) Spiritualität und stehen damit im Gegensatz zum intellektuellen Mainstream in der westlichen Welt.

Von manchen wird Spiritualität mit „Esoterik“, „Dogmatismus“ und „religiöser Spinnerei“ gleichgesetzt. Dies lehnen wir ab, denn wir denken, dass solche Aussagen eher auf ein undifferenziertes Weltbild derjenigen verweisen, die dies behaupten. Wie Wilber sind wir der Ansicht, dass gelebte Spiritualität eine essenzielle Dimension unseres Menschseins darstellt, und ein wertvolles Geschenk, das behutsam ausgepackt werden muss.

Ken Wilbers Arbeit ist in dieser Hinsicht ein unschätzbares Geschenk, um die Spreu vom Weizen zu trennen - insbesondere sein Konzept der prä-/trans-Verwechslung, welches darauf verweist, das häufig frühe Entwicklungsstufen (prä-rational) mit höheren Entwicklungsstufen (die die Fähigkeit zu Denken integrieren und z.B. auf durch Meditation machbare Erfahrungen und Welterleben hinweisen = trans-rational) verwechselt werden, nur weil beide nicht rational sind. Trans-Rationalität ist allerdings zu Rationalität fähig, Prä-Rationalität hingegen nicht, da sie in der Entwicklungssequenz noch vor Rationalität liegt. Diese Gleichsetzung von prä/ und trans ist ein eklatanter Mangel an Unterscheidungsvermögen, der sehr viel Schaden angerichtet hat - insbesondere in sogenannten spirituellen Kreisen und in der "Eso-Szene". Näheres erfahren Sie in dem Buch „Meister, Gurus, Menschenfänger“, das Ken Wilber mit herausgegeben hat, sowie auf unserer Webseite.

Wie geht ihr mit dem Begriff „Spiritualität“ um?

Wie geht ihr mit dem Begriff „Spiritualität“ um?

Die Spiritualität, die wir meinen und favorisieren ist erfahrungsbezogen, praxisbasiert, empirisch (phänomenologisch), beinhaltet meditatives oder kontemplatives Zustandstraining, ist inspiriert durch die authentischen, mystischen Weisheitstraditionen (z.B. Zen im Buddhismus, christliche Mystik, Kabbala im Judentum, Sufismus im Islam, u.v.a.), die eine Linie der Praxis übermittelt haben. Mystik ist weder gleichzusetzen mit prä-rationalem magischen Wunschdenken oder mythischen Dogma, noch geht es darum einen festen Glauben übernehmen zu müssen oder dergleichen. Wohl aber bedeutet authentische Mystik das trans-rationale Sich-Einlassen auf bewährte Praktiken (z.B. Meditation),  die zu einer unmittelbaren, eigenen inneren Erfahrung führen, die man mit denen erfahrener Praktizierender abgleichen kann. Insofern ist mystische Spiritualität mit wissenschaftlicher Rigorosität kompatibel, wie auch die zeitgenössische Meditationsforschung eindrucksvoll untermauert.

Wie Ken Wilber sind auch wir nicht einverstanden mit der Rationalitätsfeindlichkeit in der spirituellen Szene, bzw. im „New Age“, die nur „im Jetzt“, im Fühlen und in außergewöhnlichen Zuständen schwelgen möchte und klares Denken, Philosophie und die Vernunft ablehnt. Spirituell offen zu sein heißt zum Glück nicht, dass man verdummen muss, oder wie Ken Wilber sagt: „Du solltest einen offenen Geist haben, aber nicht so offen, dass dir das Hirn rausfällt.“

Der integrale Ansatz ist ein Ausdruck für die Vereinbarkeit von Vernunft mit existenziellen Fragen nach dem Höchsten (Gott, das Eine, oder welchen Ausdruck man auch immer favorisieren mag). Wilber spricht in diesem Zusammenhang von der Kombination der "Eastern and Western Enlightenment". Interssanterweise gibt es im Englischen für - östliche Erleuchtung und westliche Aufklärung nur einen Begriff - "Enlightenment". Während der Osten eine Expertise über den Bereich des Absoluten gewonnen hat, liegt die Würde und Größe der westlichen Moderne darin, mit Wissenschaft und Technik den Bereich des Relativen gemeistert zu haben. Der integrale Ansatz weist hin auf die Möglichkeit der Integration der Polaritäten von Sein und Werden, Erleuchtung und Aufklärung, Aufwachen und Aufwachsen, Frei-Sein von der Welt und Wirken in der Welt.

Anbei noch eine Zusammenstellung darüber, was wir NICHT meinen, wenn wir uns im Integralen Forum auf „Spiritualität“ beziehen: Dogmatismus, religiöser Fundamentalismus, "Esoterik", Spiritismus, Aberglaube, Dummheit, Unwissenheit, Magie, Mythos, Borniertheit, Traditionalismus, "New Age", "Himmel und Hölle", etc... Das und dergleichen finden wir in diesem Zusammenhang nicht zeitgemäß.

Lehrer wie Andrew Cohen und auch andere Lehrer sind umstritten. Das IF steht im Kontakt mit einigen spirituellen Lehrern. Wie seht ihr das, zum Beispiel bei Andrew Cohen?

Lehrer wie Andrew Cohen und auch andere Lehrer sind umstritten. Das IF steht im Kontakt mit einigen spirituellen Lehrern. Wie seht ihr das, zum Beispiel bei Andrew Cohen?

Andrew Cohen ist ein amerikanischer spiritueller Lehrer, der die Organisation EnlightenNext und das spirituelle Magazin „Was ist Erleuchtung?“ ins Leben gerufen hat. In letzterem Magazin, das vor kurzem eingestellt wurde, tauchte Wilber des öfteren mit ihm im Dialog „Der Guru und der Pandit“ auf. Andrew Cohen versteht sich als zeitgenössischer Guru, bzw. spiritueller Lehrer, der eins zu eins mit Schülern arbeitet – im Gegensatz zu Wilber, der in diesem Sinne keine spirituellen Schüler hat, sondern hauptsächlich Bücher schreibt. Cohen steht wegen seiner dezidiert radikalen Lehrerstils (eine bisweilen ‚ruppiger’ Umgang mit ‚dem Ego’ der Schüler) in der öffentlichen Kritik mehrerer ehemaliger Schüler, hat sich aber eigenen Angaben zufolge nichts vorzuwerfen.

Das Integrale Forum pflegt seit mehreren Jahren freundschaftlichen Kontakt mit der deutschen Sektion von EnlightenNext und hat mit dieser Organisation unter anderem mehrere Kooperationsveranstaltung im Verbund mit der anthroposophischen Zeitschrift info3 und  DIA, unserer integralen Akademie veranstaltet (Spirituelle Herbstakademie Frankfurt). Inhaltlich gibt es breite weltanschauliche Schnittmengen, aber auch wichtige Unterschiede zwischen den Lehren Cohens und der Integralen Theorie nach Ken Wilber, die hier aber nicht weiter expliziert werden sollen.

Unter anderem in Bezugnahme auf die öffentliche Kritik an Cohens Stil und Person hat das Integrale Forum pro-aktiv ein generelles Positionspapier zur Frage der Rolle eines/r spirituellen Lehrers / Lehrerin verfasst (mit Kriterienkatalog), und einen breiten Diskurs über eine aufgeklärte Form von Spiritualität – eine integrale Spiritualität – mit mehr als einem halben Dutzend zeitgenössischer spiritueller Lehrer angestoßen. Sie können die laufende Debatte und die Antworten der Lehrer/innen (darunter auch Cohen) auf unserer Webseite nachlesen.

Unabhängig vom konkreten Inhalt der Vorwürfe gegen Cohens Person würdigt das Integrale Forum die wichtigen inhaltlichen Beiträge, die Cohen co-kreativ im Austausch mit Ken Wilber hervorgebracht hat. Sofern der Charakter Cohens deutscher Schüler als Maßstab seiner Integrität als Lehrer betrachtet werden kann, so können wir aus jahrelanger Zusammenarbeit im Grunde nur Positives im Umgang mit ihnen berichten.