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19.11.2017 : 11:13 : +0100

Diane Hamilton über Gafni, 2011

Mein Fehler

Ich habe Marc Gafnis Rückkehr zur Lehrtätigkeit nach einer zweijährigen Auszeit unterstützt, weil er einer der subtilsten Denker ist, die mir begegnet sind, er hat mehr kreative Kraft als sonst jemand, den ich kenne und – ob es euch gefällt oder nicht – er hat eine bemerkenswerte und ungewöhnliche Gabe, Herzen zu öffnen, wenn er vor einem Raum voller Menschen steht. Ich hatte das Gefühl, dass er – so wie wir alle – sowohl konfrontiert als auch unterstützt werden sollte, sich mit den Angelegenheiten auseinanderzusetzen, wegen derer er Israel verlassen hatte.

Seit er vor drei Jahren seine Arbeit wieder begann, hat er die Integral Spiritual Experience (Integrale Spirituelle Erfahrung) entwickelt, die Future of Love (Zukunft der Liebe) Reihe, sowie die Unique Self (Einzigartiges Selbst) Lehren, die viele von uns in unserer Arbeit mit Schülern außerordentlich wertvoll fanden. Mit Ken Wilber und seinen Kollegen beim CWS (Zentrum für Weltspiritualität) hat er begonnen, die Grundsätze einer Weltspiritualität zu formulieren, die für unsere Zeit ausgesprochen angemessen und vonnöten sind. Es gibt wahrscheinlich nur ein oder zwei andere Menschen in der integralen Welt, deren Beiträge gleichermaßen bedeutsam sind.

Was ich nicht gesehen habe (obwohl mir das sicherlich gesagt worden ist) ist, dass in Marcs Kreativität und Charisma ein ebenso großer und entgegengesetzter Impuls zur Selbstzerstörung und zur Wiederholung der Muster angelegt ist, die ihm und anderen in seinem Leben Leid zugefügt haben. Ob er nun eine Freundin hat oder fünf, ob die Beziehungen transparent oder privat sind, ist hier nicht das wirkliche Problem für mich.  Das Problem ist, dass dieselben Menschen, die er liebt, immer mit Wut und Verletzung enden und dass seine Beziehungen immer noch zum öffentlichen Spektakel werden.

Traurigerweise bin ich einer der Menschen, die zu seinen vertrauten Freunden und Kollegen gehörte, aber jetzt das unvermeidliche Gefühl hat, von dieser Quelle unergründlicher Inspiration und Energie abrücken zu müssen, weil der Preis zu hoch und das Risiko für Andere zu groß ist. Ich stelle in Frage, wie jemand, der so brillant und tiefblickend ist, wiederholt seinen Feinden eine geladene Waffe in die Hände geben kann und – wie auch Bill Clinton – die ungeheuer harte Arbeit und deren Früchte vergeuden kann, die er und andere Menschen erreicht hatten, indem sie die integralen und Welt Spiritualität Gedanken in die Welt brachten. Ich würde mir wünschen, dass er sich diese Fragen in seinem Blog stellen würde.

Letztendlich bin ich dafür verantwortlich, mich selbst und meine Entscheidungen zu hinterfragen. Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, ob ich einen Fehler gemacht habe, als ich Marcs Rückkehr befürwortete. Ich sehe immer noch ungeheuren Wert in der Arbeit, die wir in den letzten drei Jahren geleistet haben – und mit ihm zusammenzuarbeiten, war solch eine Quelle großer Freude. Aber wenn es Menschen gibt, die das Gefühl haben, dass ich die Bedingungen geschaffen habe, wodurch sie verletzt auch nur enttäuscht wurden, dann werde ich für meine Rolle gerade stehen.

Am wichtigsten ist, dass ich wieder einmal erkenne, dass mein Wunsch nach Veränderung nicht auf Andere übertragen werden kann, sondern tief in mir selbst und meinen Mustern verankert sein muss. Ich muss mir genau ansehen, was es bedeutet, mich selbst und die sehr realen Fehler die ich in meinem Leben begangen habe zu sehen, zu klären und Verantwortung dafür zu übernehmen. Und dann muss ich entsprechend dem, was ich sehe, auch handeln.

Außerdem denke ich noch darüber nach, was diese tiefe Liebe zu Menschen zu bedeuteten hat, die sowohl über extreme Gaben verfügen als auch extrem unbeherrschbar sind. Von diesen gibt es einige. Gleichermaßen überlege ich, wie ich mit den tiefen Teilen in mir selbst Freundschaft schließen kann, die unwiderruflich zerbrochen sind, während ich lerne, Andere vor ihren negativen Auswirkungen zu bewahren. Ich muss akzeptieren, dafür kritisiert zu werden, dass ich Marc gerettet habe, aber ich bin auch entschlossen, mich nicht in die Rolle entweder des Opfers oder des Täters drängen zu lassen, weil ich aufrichtig davon überzeugt bin, dass unser Leben viel zu komplex, tiefgründig und letztendlich wunderschön ist, um von so begrenzten Kategorien eingefangen zu werden.