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18.11.2017 : 12:49 : +0100

Ken Wilber-Kongress in Berlin 2002

Neue Werte braucht das Land.Hat es schon neue Männer?

Ken Wilber-Kongress in Berlin

Ken Wilber in Aktion.
Integrale Impulse
für das 21. Jahrhundert
     
Bundesevent 2002 vom 14. - 16. Juni  des AK Ken Wilber in Berlin

Veranstaltungsort war:
Haus der Demokratie und Menschenrechte


Vorabdruck aus "Connection" Nr.5/02 September/Oktober

Wolfgang Schmidt-Reinecke

Überwiegend männliche Teilnehmer bei einem Treffen mit spirituellen Untertönen - wo lässt sich heute sowas finden ausser vielleicht in Bischofs- und Kardinalssynoden christlicher Großkirchen? Doppelt bemerkenswert deshalb der eben nicht mit patriarchaler Dominanz einhergehende Männerüberhang beim jüngsten Kongress des seit vier Jahren bestehenden "Arbeitskreises Ken Wilber". Mehr als 80 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland und der Schweiz folgten Beiträgen aus integraler Theorie und Praxis, choreografisch gebrochen und ergänzt mit meditativen, literarischen und tänzerischen Performances und Einlagen (in Konzept und Ausführung durch die beiden Berliner Künstlerinnen Regina Frank und Karin Petersen sowie des Münchner Autors Peter Erlenwein). Die einleitenden und sehr persönlich gehaltenen Wilber-Darstellungen der AK-Organisatoren Felix Ginthum, Gerd Klostermannn und Jo Munzer warfen für manchen Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung die Frage auf, ob und inwieweit der Arbeitskreis auf die Person dieses vielbeachteten Vordenkers integraler Kultur fixiert ist. Eine Antwort lieferte der weitere Verlauf des Wochenendes insofern, als dass sich die meisten Beiträge weniger mit direkten Aussagen Ken Wilbers, als vielmehr mit mittelbaren Auswirkungen und Anzeichen eines kollektiven und individuellen Paradigmenwechsels befassten. Andreas Lorenz und Johannes Drummer von den "Integralen Studien Berlin" erläuterten in ihrem Vortrag das "vMeme-Modell" von Beck und Cowan. Dessen Ansatz liegt darin, gesellschaftliche kognitive, emotionale und ethische Haltungen und Qualitäten in ihrer zeitlichen bzw. Entwicklungsabfolge zu definieren und mit Hilfe einer Farbskala zu rastern. Das Modell ist für deutsche Augen und Ohren in dieser Vereinheitlichung und Veranschaulichung sicher ungewohnt. Hiesige Wissenschaft und Kultur ist weitgehend von unverbundenen neurophysiologischen, psychologischen, soziologischen und theologischen Fachbereichen geprägt und wird einer interdisziplinär orientierten (integralen) Bewusstseinsforschung wohl noch mit Abwehr und Befangenheit gegenüberstehen. - Oliver Heuler war viele Jahre Nationaltrainer des deutschen Jugendkaders im Golfsport. In seinem jüngsten Buch "Jenseits der Scores - Der Weg des Meisters beim Golfspiel" präsentiert Oliver - nicht zuletzt mit Wilbers Modell im Hintergrund - eine Synthese aus östlichen Weisheiten und westlicher Psychologie. Sein Vortrag beim Wilber-Kongress war vergnüglich und praxisnah und offenbarte einen vielleicht "typisch wilberianisch", sicher aber "untypisch deutsch" entspannten Umgang mit Themen aus Philosophie und Spiritualität. Dasgleiche gilt für die liebenswerte Clowns-Einlage der Göttinger Dirk Püschel und Kerstin Barth, die die Komik sowohl einiger innerweltlicher Begegnungen als auch mancher transzendenter Bemühungen sichtbar machten...

Am Sonntagvormittag stellte Greg Wilpert, Mitglied in Wilbers "Integral Institut", in einer der Fachgruppenforen Stichworte einer integralen Gesellschaftstheorie vor. Die Diskussion dieser Ansätze wird z.B. in der Fachgruppe "Integrales Management und Business" des Arbeitskreises ihre Fortsetzung finden. Dem Versuch einer undogmatischen Zusammenschau von politischen, ökonomischen und spirituellen Elementen entsprach übrigens mit dem "Haus für Demokratie und Menschenrechte" auch die Wahl des Veranstaltungsortes des Wilber-Treffens. Nicht zuletzt bot der Kongress eine Betrachtung männlich-weiblichen Rollenverhaltens, also modisch fomuliert zur "Genderfrage". Der Bremer Therapeut und Coach Max Peschek trug mit Witz und (Selbst-)Ironie die Ergebnisse einer Untersuchung männlicher und weiblicher Haltungen im Hinblick auf die Integration polarer Rollenpositionen vor. Fazit: Der "integrale Mann" ist noch nicht in Sicht, aber traditionelle und modische Vorbilder geraten gleichfalls aus dem Blickfeld. Vorläufig gibt es vor allem den "verunsicherten Mann" zu konstatieren. Diese Unentschlossenheit korrespondiert mit der von Wilber oft beschriebenen und beklagten Schwellensituation eines grossen Teils der Gesellschaft angesichts der anstehenden Transformation in ein neues Bewußtsein, das sich eben dadurch auszeichnet, dass es Polaritäten integriert. Immerhin mag jedoch Konsequenz sein von Wilbers überzeugender Schilderung dieser rationale Wahrnehmung und spirituelle Intuition vereinenden Vision, dass sich, wie eingangs erwähnt, zunehmend auch Männer auf die Suche nach einer entwicklungsgeschichtlich neuen Integralität begeben... Interessenten für den persönlichen Austausch und die gesellschaftliche Vermittlung integraler Kultur sind herzlich eingeladen, sich beim "Arbeitskreis Ken Wilber in der Deutschen Transpersonalen Gesellschaft (DTG) - Integrales Forum" zu beteiligen. Der AK hat derzeit folgende Fachgruppen: Integral Business, Integrale Pädagogik, Bildung, Authentische Spiritualität, Integrale Gesellschaftstheorie, Politik und Recht.