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12.12.2017 : 15:04 : +0100

Bewusstsein

Foto:Wladyslaw Sojka

Bewusstsein ist ein umgangssprachlich unscharfer Begriff, ebenso wie seine Kehr- oder Schattenseite, die des Unbewussten. Gleichzeitig ist Bewusstsein dasjenige, was jedem Menschen unmittelbar und nahe ist, als dasjenige was das Erleben dieses und eines jeden Augenblicks ausmacht.

Die integrale Theorie und Praxis trägt viel zur Klarheit dieses Aspektes elementarer Lebenswirklichkeit bei, und hilft existentielle Fragen zu beantworten wie:

  • was ist das charakteristische meines Bewusstseins, wie kann ich mich von innen her kennen lernen, und was ist Bewusstsein oder Bewusstheit allgemein (Inhalte, Strukturen, Dynamiken)?
  • durch welche Methodiken lerne ich mich selbst (mein Bewusstsein) kennen und verstehen - wie kann Unbewusstes bewusst gemacht werden?
  • welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich, und haben Menschen allgemein, um Bewusstsein zu gestalten und bewusster zu leben?
  • wie verhält sich (individuell innerlich und gemeinschaftlich erlebtes) Bewusstsein zu äußerlicher Materie und Form? Gibt es eine Lösung für die Geist/Körper Fragestellung?

(Zum Thema "Bewusstsein" siehe auch die Einträge unter Religion/Spiritualität und Psychologie/Therapie.)

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Das Gefühl des Eros

Das Gefühl des Eros

(aus: Ken Wilber, the loft series, The feeling of Eros, 2011)

Einleitung der IntegralLife Redaktion

Plato erklärte die Entstehung der Liebe durch einen Mythos. Er sagte, dass das Maskuline und das Feminine einst als ein Wesen vereint waren, doch dann in zwei geteilt wurden. Das Verlangen und das Streben nach dieser Einheit ist Liebe. Ken erläutert, dass die Ganzheit und Einheit schon vor der Involution gegenwärtig war und dass die Evolution nach dieser Einheit strebt. Das, was das Streben der Rückkehr zur Einheit antreibt, ist nichts anderes als Liebe. In dem folgenden Gespräch leitet uns Ken während der ersten 30 Minuten dazu an, unmittelbar in Kontakt mit dieser Kraft zu kommen. Dabei erfahren wir den grundlegenden Fehler der dabei geschehen kann, wenn wir die Quelle der Liebe einem einzelnen Objekt außerhalb von uns zuschreiben. Durch die Entspannung der Kontraktion um unser Herz erleben wir eine unbegrenzte Ausdehnung von Fürsorge, im einfachen Augenblick nicht-suchender Gegenwärtigkeit. Von dieser Erfahrung ausgehend macht uns Ken dann deutlich, wie unser relatives Ego glaubt, dass die Liebe von dort draußen kommt und annimmt, dass äußerliche Objekte oder Personen uns Liebe erfahren lassen.   

Wenn das Verlangen aufhört und die Suche nach dem vermeintlichen Liebesobjekt, leuchtet immer-gegenwärtige Bewusstheit auf, als die wahre Quelle von Liebe und Glücklichsein. Von hier aus erfahren wir ein Liebesbewusstsein, das nicht abhängt, nicht gebunden ist und auch nicht hervorgerufen wird von einem bestimmten Menschen. Was durch diesen bestimmten Menschen jedoch geschieht, ist ein augenblickliches Innehalten; ein Augenblick ohne Verlangen, Festhalten und Selbstkontraktion. Ruhst du in der Gegenwärtigkeit dieser Beziehung, dann ruhst du in deinem unbeschreibbaren Selbst – der Quelle aller Liebe und Glückseligkeit. In dieser Gegenwärtigkeit hört alle Suche auf und du liebst einfach. Diese Art von Beziehung kannst du mit allen Menschen und Wesen haben, und auch dazu lädt uns Ken in einer Erfahrungsübung ein.

Ken Wilber

Seit ich begonnen habe über das Thema „Liebe“ zu sprechen erreichen mich immer mehr Anfragen dazu, und daher möchte ich noch etwas dazu sagen. Aus einigen der Anfragen wurde mir deutlich, dass es oft nicht klar ist, was diese Liebe, über die wir sprechen, ist, wie und wo man sie findet, und wie man sie fühlen und kultivieren kann. Ich möchte zuerst darüber sprechen, und dann über die Rolle der Liebe in der Evolution und Entwicklung als Ganzes.

 

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Ken Wilber, I AM

Ken Wilber, I AM

(aus: Integral Naked)

 

Jeder von euch hat ein Gefühl des ICH BIN. Ihr seid hier, und das ist das ICH BIN. Das einfache Erkennen des ICH BIN ist eine unfehlbare Erkenntnis der immer-gegenwärtigen Bewusstheit.

Was etwas schwierig dabei zu verstehen ist, ist wie dieses grundlegende ICH BIN, dieses grundlegende authentische transpersonale Selbst, unabhängig ist von jeglichen Objekten. Jedes Objekt das man [innerlich oder äußerlich] sehen kann ist ein Objekt, es ist nicht das Subjekt, es ist nicht das reine Selbst. Wenn du einen Geschmack des ICH BIN bekommen möchtest, dann mache dich frei von allen Objekten und erkenne, dass wenn alle Objekte verschwunden sind, das ICH BIN immer noch da ist.

Meistens erreicht man dies in einem schwierigen Übungsprozess über zwei oder drei Jahre, wo man lernt in meditative Zustände einzutreten und sich aller Objekte enthält, entweder durch Konzentration oder durch innere Einsichten in das Nichtmanifeste. Man befindet sich dann im unmanifesten Zustand einer unermesslichen Bewusstheit, ohne dass irgendwelche Objekte erscheinen. Du bist das ICH BIN, ein strahlendes, offenes und leeres ICH BIN.

 

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Größte Tiefe für größte Spanne – ein ethischer Entwurf

Größte Tiefe für größte Spanne – ein ethischer Entwurf

 

von Michael Habecker [1]

 

In einer ausführlichen Anmerkung in seinem Hauptwerk Eros, Kosmos Logos[2], hat Ken Wilber eine Theorie der Ethik umrissen, der wir uns in diesem Beitrag zuwenden wollen. Wilbers Wertetheorie basiert auf drei Säulen - dem "Grundwert", dem "intrinsischen Wert" und dem "extrinsischen Wert" -, die alle drei gleichermaßen wichtig sind, jedoch nicht nur nebeneinander stehen, sondern miteinander verbunden sind, woraus ein gewissermaßen natürliches - weil unvermeidbares - Spannungspotential erwächst.

Grundwert

Der Grundwert leitet sich aus den Aussagen der spirituellen Traditionen ab, wonach alle Dinge und Ereignisse, welcher Art auch immer, vollkommene Manifestationen des GEISTES (oder des Einen, des Höchsten, des Absoluten, oder des Göttlichen ...) sind. Nichts was in der Welt der materiellen und geistigen Formen existiert, ob es nun als hoch oder niedrig, als heilig oder profan, als primitiv oder fortgeschritten angesehen wird, ist dem Grund des Seins näher oder ferner als irgendein anderes, und deshalb ist alles Geschaffene von letztlich gleichem Wert, und zwar von gleichem Grund-Wert. Alle Formen sind daher in gleicher Weise reine Leere und uranfängliche Reinheit.

 

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Die drei „S“: Strukturen, Zustände und Schatten (des Bewusstseins)

Die drei „S“: Strukturen, Zustände und Schatten (des Bewusstseins)

(Quelle: Ken Wilber, Integral Naked, Casting Shadow)

Eine der wahrhaft großen Entdeckungen des modernen/postmodernen Westens sind [Bewusstseins]Stufen – die Stufen der Zone 2 im oberen linken Quadranten – dies sind die Stufen, die man findet, wenn man bei Clare Graves nachschaut, bei Spiral Dynamics, Piaget, Kohlberg, Gilligan, Jenny Wade, Bill Torbert, Jane Lovinger usw. Diese Art von Stufen findet man in keinem der kontemplativen Texte irgendwo auf der Welt. Man findet sie nicht in den Sutren/Tantren, bei Johannes vom Kreuz oder der heiligen Teresa usw. Sie haben zwar Stufen, doch dabei handelt es sich um phänomenologische Stufen, die man sehen kann, wenn man in den eigenen Geist schaut. Man findet jedoch nicht die Art von Stufen, die aus Forschungen kommen, wie sie diese Genies und Pioniere des Westens betrieben haben. Man kann 20 Jahre auf seiner Meditationsmatte sitzen, doch man wird niemals etwas sehen, was einem sagt: „Dies ist ein Gedanke der moralischen Stufe 2“, „dies ist ein Gedanke der moralischen Stufe 3“, „dies ist ein orangener Gedanke, dies ist ein blauer Gedanke...“. Der Grund dafür ist: Diese Art von Stufen sind Stufen, die auf spezifische Problemstellungen, Konflikte und Fragen Antworten geben, und dabei handelt es sich um etwas, was Menschen miteinander gemeinsam haben, wenn sie sich durch diese Stufen hindurchentwickeln. Man kann durch die Betrachtung des eigenen Geistes jedoch nicht erkennen, was vielen oder allen Menschen gemeinsam ist, man sieht lediglich das, was bei einem selbst ist. Die großen Traditionen haben also manchmal Stufen, aber es handelt sich dabei um Stufen von Zuständen – grobstoffliche, subtile und kausale Zustände. Im allgemein entfalten sich Zustände nicht in einer Stufenabfolge, jedenfalls nicht die natürlichen Zustände wie Traumzustände, emotionale Zustände usw. – sie entfalten sich nicht in einer Reihenfolge. Das Wesen eines Zustandes ist wie das eines Wirbelsturms – er kommt, lebt sich aus, und vergeht wieder. Zustände, die geübt werden, haben jedoch die Tendenz sich stufenweise zu entfalten, und diese Zustände findet man in den meisten der kontemplativen Texte, und deren Abfolge dabei geht allgemein von grobstofflich zu subtil zu kausal zu Leere zu nichtdual. Der Big Mind-Prozess ist ein Beispiel für einen nichtdualen Zustand. Man kann in diesen Zustand hier und jetzt eintreten.

 

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Die Drei Gesichter des GEISTES

Die Drei Gesichter des GEISTES

Bild: Dees

Terry Patten

Die Drei Gesichter des GEISTES sind eine der bedeutendsten Einsichten, welche die Integrale Theorie für den Bereich der Spiritualität erbracht hat. Alle menschlichen Unternehmungen einer spirituellen Praxis und mystischen Verwirklichung lassen sich in drei große Kategorien einteilen – die Spiritualität einer ersten Person, die Spiritualität einer zweiten Person und die Spiritualität einer dritten Person.

Das Mysterium der Existenz, das, worum es letztendlich geht, ist von ultimativer Tiefgründigkeit. Diese ist von keiner Perspektive zu erfassen. Aufgrund seiner Natur und seines Wesens transzendiert GEIST als das große Mysterium alle Perspektiven.

 

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Ken Wilber - "Von Dir zur Unendlichkeit ..."

Ken Wilber - "Von Dir zur Unendlichkeit ..."

Was nun folgt, ist eines der schönsten und effektivsten Hilfsmittel zur Erfahrung der radikalen, nicht-dualen Natur des Geistes.

Der Text selbst ist einer E-Mail entnommen, die Ken Wilber an ein Mitglied des IN Teams geschickt hatte. Er wurde dann intern weiter verbreitet. Wir mögen ihn sehr, und Dir wird es vielleicht auch so gehen. Unserer Meinung nach entspringt die Kraft dieser Fingerzeig-Instruktionen der Wiederholung des eigenen Namens durch die Instruktionen.

Setze Deinen eigenen Namen im unten stehenden Feld ein, um diese Meditation zu personalisieren. 

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Carl Gustav Jung: Verdrängung und Projektion

Carl Gustav Jung: Verdrängung und Projektion

C.G. Jung

Michael Habecker

C. G. Jung, ein herausragender Pionier der psychodynamischen Analyse, beschreibt in einem 1916 erstmals veröffentlichten Aufsatz die Dynamik von Verdrängung und Projektion wie folgt[1]:

Zur Dynamik der Projektion und Wahrnehmungsverzerrung:

Wir verstehen den anderen immer in der Art, wie wir uns verstehen oder zu verstehen suchen. Was wir in uns nicht verstehen, verstehen wir auch im anderen nicht.

Ebenso wie man geneigt ist anzunehmen, dass die Welt so ist, wie wir sie sehen, so nimmt man auch naiverweise an, dass die Menschen so seien, wie wir sie uns vorstellen. Leider existiert in diesem letzteren Fall noch keine Physik, welche das Missverhältnis zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit nachweist. Obgleich die Möglichkeit grober Täuschung um ein Vielfaches größer ist als bei der Sinneswahrnehmung, so projizieren wir doch ungescheut und naiv unsere eigene Psychologie in den Mitmenschen. Jedermann schafft sich auf diese Weise eine Reihe von mehr oder weniger imaginären Beziehungen, die wesentlich auf solchen Projektionen beruhen.

Zur Unterscheidung von Wahrgenommenem und dem, was wir durch Projektion (subjektiv) hinzufügen – der konstruktive Aspekt von Wahrnehmung:

Ebenso sehr wie das Bild eines Objektes einerseits subjektiv zusammengesetzt ist, ist es andererseits objektiv bedingt. Wenn ich es in mir reproduziere, so erzeuge ich damit etwas sowohl subjektiv als objektiv Bedingtes.

Was mir am Objekt auffällt, wird wohl wirkliche Eigenschaft des Objektes sein. Je subjektiver und affektiver dieser Eindruck aber ist, desto eher ist die Eigenschaft als eine Projektion aufzufassen. Dabei müssen wir aber eine nicht unwesentliche Unterscheidung vornehmen: nämlich zwischen der wirklich am Objekt vorhandenen Eigenschaft, ohne welche eine Projektion aufs Objekt nicht wahrscheinlich wäre, und dem Wert oder der Bedeutung beziehungsweise der Energie dieser Eigenschaft.

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Erich Neumann über Schatten

Erich Neumann über Schatten

Erich Neumann

Die Hauptaufgabe der neuen Ethik ist die Herstellung einer Integration, ihr erstes Ziel besteht darin, die dissoziierten, dem Lebenssystem des Einzelnen feindlichen Teile integrationsfähig zu machen. Das Nebeneinander der Gegensätze, welches das Ganze der erfahrbaren Welt erfüllt, ist nicht mehr durch den Sieg der einen und die Verdrängung der anderen Seite zu lösen, sondern nur durch eine Synthese der Gegensätze. 

- Erich Neumann

 

 In seinem 1949 erschienenen Buch Tiefenpsychologie und neue Ethik formuliert der Autor Erich Neumann sowohl die unterschiedlichen Prinzipien und Mechanismen der Psychodynamik der Schattenbildung als auch deren Auswirkungen auf das Individuum und die Gemeinschaften. Vor dem Hintergrund der zerstörerischen Folgen dieser Dynamik fordert er eine „neue Ethik“, die, anders als die traditionelle Vorgehensweise der Hervorhebung von Tugenden bei gleichzeitiger Verteufelung von Untugenden, stattdessen beides anerkennt und integriert.   

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Leere + Perspektive = einzigartiges Selbst

Leere + Perspektive = einzigartiges Selbst

Ken Wilber

Ken Wilber

Die Rolle des Einzigartigen Selbst ist erst in jüngster Zeit deutlich geworden, durch das Verständnis der ontologischen Bedeutung, welche die Perspektiven haben. Woraus sich die Welt vor allem anderen zusammensetzt sind Perspektiven. Wir sprechen zum Beispiel darüber, dass die Welt aus Holons zusammengesetzt ist, d. h. Ganzheiten, die Teile von anderen Ganzheiten sind, und das ist wahr. Doch diese Feststellung ist bereits eine dritte Person Perspektive darüber, woraus sich die Welt zusammensetzt. Holons werden dabei nicht negiert, doch es wird klar, dass auch diese Aussage eine Perspektive ist. Es gibt auch erste und zweite Person Perspektiven darüber, woraus sich die Welt zusammensetzt. Alle drei haben ihre Gültigkeit. Dieses Verständnis ist erst vor nicht allzu langer Zeit aufgetaucht [emerged].

Die grundlegende Rolle, die Perspektiven spielen, wurde in der Prämoderne und auch der Moderne im Osten wie im Westen nicht verstanden. Die Welt wurde als etwas Vorgegebenes betrachtet, mit Dingen, die das sind, was man sieht. Diese Vorgegebenheit existierte auf eine relative Weise, oder in Form von „ewigen Ideen“ im Geist Gottes, die Menschen mehr und mehr entdecken. In diesem früheren Verständnis hat die Welt eine unveränderliche, metaphysische Grundlage. Sie ist wahr und gültig für alle Zeiten. Das einzige, was sich ändert, ist unser Verstehen dieser ewigen Archetypen. Je besser wir diese ewigen Ideen verstehen, desto näher kommen wir ihnen, und desto erleuchteter werden wir, auf eine klassische Weise.

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Göttlicher Stolz

Göttlicher Stolz

Wilber Portrait des Künstlers Alex Grey

Du bist an vorderster Stelle der Evolution.

Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit, um das zu fühlen. Dies ist keine Übertreibung – Milliarden von Jahren stehen hinter dir, sie führen dich zu größeren Bewusstheit, größerem Mitgefühl, größerer Freiheit und größerer Erfülltheit. Du bist bereits vollkommen, immer schon, und doch gibt es etwas, was dich noch vollkommener macht, etwas, was dich weiter zu einem Ebenbild formt, etwas, was dich dazu einlädt, noch mehr in dein eigenes Leben einzutreten.

Und dieses etwas bist du selbst.

Es lebt ein Gott in dir, und das ist der gleiche Gott, der in mir lebt. Gott schaut durch unser beider Augen, und sie schaut dabei auf ihre allgegenwärtige Herrlichkeit. Es gibt nichts, was nicht Gott ist. Alles ist Gott.

Was auf eine ganz konkrete Weise bedeutet, dass du Gott bist.

Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit, um das zu fühlen. Es ist in Ordnung das zu fühlen, es ist keine Gotteslästerung. Es bedeutet nicht, dass das sich getrennt erlebende Ego oder das separate Selbst Gott ist. Das Universum dreht sich nicht um dich, das gesamte Universum entwickelt sich in dir. Nicht in deinem Geist, deinem Herzen, oder auch deiner Seele, sondern innerhalb der anstrengungslosen unveränderlichen Geräumigkeit hinter all deinen Erfahrungen – der ungesehene Seinsgrund, in dem jeder nur mögliche Gedanke, jedes nur mögliche Gefühl und jede nur mögliche Inspiration erscheint, verweilt und tanzt, und dann wieder verblasst.

Dies ist das, was mit „göttlichem Stolz“ gemeint ist.

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Psychodynamik und BIG MIND

Psychodynamik und BIG MIND

Genpo Roshi

Mit dem „Big Mind Prozess“ wird eine von Genpo Roshi entwickelte Methodik bezeichnet, die westliche psychologische Elemente des "Voice Dialogues" mit östlichen Elementen der Zen-Meditation integriert. Er verbindet damit westliche Schattenarbeit mit östlicher "Lichtarbeit". Ausgehend von der phänomenologischen Erfahrung, dass viele Inhalte des eigenen Bewusstseins sich bei Erwachsenen in Stimmen (voices) artikulieren, die man in sich hören kann, werden bei diesem Prozess diese Stimmen nacheinander aufgerufen und in ihrer Bedeutung gewürdigt und anerkannt, um dann aber auch wieder losgelassen zu werden, um Raum zu geben für das ICH BIN, welches die Öffnung, der Rahmen oder die "leere Fülle" ist, in welcher all die Stimmen erscheinen. Der Vorgang unterscheidet dabei dualistische Stimmen wie den Beschützer, den Controller, den Skeptiker, die Angst, das Opfer, das verletzte Selbst, das verletzliche Kind, Verlangen, den suchenden Geist – von transzendenten Stimmen wie: der Weg, allumfassender GEIST (Big Mind), allumfassendes Mitgefühl (Big Heart). Erstere geben dem relativen Aspekt des Menschseins Raum und Stimme, letztere dem absoluten Aspekt, und somit kann diese Praxis einem dabei helfen, als ein "integriertes, frei-wirkendes menschliches Wesen" in der Welt zu sein, ohne gänzlich von dieser Welt zu sein.

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Arten des Unbewussten

Arten des Unbewussten

Im seinem Buch Das Atman Projekt (Junfermann 1990) skizziert Ken Wilber im Kapitel 11 fünf Arten des Unbewussten, auf die er auch in seinen neueren Werken verweist, auch wenn er sein Modell inzwischen erheblich erweitert hat. (Das Atman Projekt ist ein Buch der Phase II, hat also keine AQAL-Perspektive - die erscheint erst ab Wilber IV -, sondern konzentriert sich auf die menschliche Individualentwicklung.)

Diese fünf Arten bezeichnet Wilber wie folgt:

  • Das Grund-Unbewusste
  • Das archaische Unbewusste
  • Das untergetauchte Unbewusste
  • Das eingebundene Unbewusste
  • Das auftauchende Unbewusste

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Grade des Einsseins

Grade des Einsseins

Interview mit Ken Wilber

Frage: Ich habe mehrere Fragen. Zum einen geht es um das Thema Rangordnungen, und wie Sie die Ebenen beschreiben und so Ihre „Geschichte“ erzählen. Ich glaube es ist für uns Studenten ganz entscheidend, dass wir unsere Rangfolgen so präzise wie möglich machen. Für jemanden, der in die Thematik einsteigt, beginnt das schon beim Psychogramm. Meine erste Frage ist daher, gibt es so etwas wie ein Werkzeug für das Psychogramm, welches uns Studenten, die wir hier studieren, zur Verfügung gestellt werden kann? Und dann würde mich noch interessieren, wie Sie das Psychogramm allgemein sehen, im Hinblick auf uns als Anwender. Mir ist bei unserem bisherigen Gespräch auch aufgefallen, dass Sie nur [die  Farben des Bewusstseinsspektrums] petrol [teal] und gelb erwähnen, sich sonst aber meist auf türkis konzentrieren, also grün und türkis. Können Sie dazu etwas sagen? Spiral Dynamics spricht von einem großen Sprung von grün zu gelb, und das ist eine große Sache von grün zu gelb zu gelangen. Aber das scheint in vielem, was sie sagen, nicht vorzukommen.

KW: Auf die letzte Frage möchte ich zuerst kurz eingehen und komme dann auf die eigentliche Fragestellung zurück. Ich verwende „türkis“ allgemein als eine Kennzeichnung von 2nd tier. Wir müssen uns dabei an zwei Dinge im Hinblick auf Entwicklungsstudien erinnern, und sie scheinen sich zu widersprechen. Das eine ist, das es sich dabei um das wahrscheinlich wichtigste Element der integralen Theorie handelt, das es zu berücksichtigen gilt. Damit werden unglaublich viele Fragen beantwortet. Zum einen ist es also eines der wichtigsten Dinge, die wir haben, zum anderen sagt es aber in gewisser Weise auch so gut wie nichts aus. Man muss sich immer wieder daran erinnern, wie locker und lose diese ganzen Vorstellungen von Zuständen und Strukturen eigentlich sind. 

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Die Psychodynamik in Wilbers Werk

Die Psychodynamik in Wilbers Werk

von Michael Habecker

Psychodynamik, die Inhalte menschlichen Bewusstseins und ihre Dynamik (mit ihren gesunden und weniger gesunden Aspekten), war von Anbeginn an ein wichtiges Thema in Wilbers Büchern. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk, eine Spur, die manchmal offensichtlich und manchmal mehr im Hintergrund verläuft, die er jedoch niemals aus den Augen verliert. 

Gleich in seinem ersten Buch, Das Spektrum des Bewusstseins (1977), widmet der dem Thema „Die Integration des Schattens“ ein ganzes Kapitel (Nr. 7). Ein Jahr später erscheint ein Aufsatz, A Working Synthesis of Transactional Analysis und Gestalt Therapy, in dem er eine Integration dieser beiden wichtigen therapeutischen Methoden diskutiert, wieder vor dem Hintergrund der menschlichen Psychodynamik. (In einem späteren Beitrag werden wir in integral informiert diesen wichtigen Aufsatz ausführlich besprechen.) Auch Wege zum Selbst (1979) behandelt mit konkreten Beispielen die Heilung der „Persona“ durch die Integration von verdrängten Persönlichkeitsanteilen (Kapitel 7). Und so geht es weiter: Das Atman Projekt (1980) beschreibt die Entwicklung des (inneren) menschlichen Individuums auch mit Blick auf mögliche Fehlentwicklungen. Halbzeit der Evolution tut dies für die kollektive Entwicklung (1980). In Psychologie der Befreiung (1986) stellt Wilber erneut die menschliche Individualentwicklung in den Mittelpunkt seiner Betrachtung und geht in den Kapiteln 4 („Das Spektrum der Psychopathologie“) und 5 („Behandlungsmodalitäten“) auf Entwicklungspathologien und deren Behandlungsmöglichkeiten ein. (Dieses Buch wird derzeit von Wilber im Hinblick auf seine neueste Arbeit überarbeitet. Er erweitert darin das Pathologie- (und Heilungs-) Spektrum durch die Betrachtung möglicher Fehlentwicklungen in den Zuständen und Zustandsentwicklungen des Seins). In Eros, Kosmos, Logos (1995) stellt Wilber erstmals das Modell der vier Quadranten vor, in dem die individuelle Psychodynamik gewissermaßen „ihren“ Platz im oberen linken Quadranten bekommt. Integrale Psychologie thematisiert erneut in Kapitel 8 („Die Archäologie des GEISTES“) Entwicklungen und mögliche Fehlentwicklungen des menschlichen Bewusstseins. Boomeritis (2000) beschäftigt sich ausführlich mit dem Zeitgeist und (s)einer kollektiven Fehlentwicklung (mit ebenso individuellen Auswirkungen), der Pathologie des grünen Mems, einem krankem Pluralismus und Egalitarismus und seinen Heilungsmöglichkeiten. Endgültig in den Blickpunkt rückt das Thema dann mit der Veröffentlichung des Integral Life Practice Starter Kit (2005), wo für eine integrale Lebenspraxis neben den Hauptmodulen „Körper“, „Geist“ [mind] und GEIST [spirit] als viertes Modul die Schattenarbeit gleichrangig empfohlen wird. Schattenarbeit und Psychodynamik sind danach ein unverzichtbarer Bestandteil einer jeden Art von Praxis, die sich integral nennt.

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Ethische Fitness durch moralische Dilemmata

Ethische Fitness durch moralische Dilemmata

John Forman

Veröffentlicht am 27.9.2011 in Integral Post von John Forman übersetzt von Anke Lessmann

Relativistisches, postmodernes Denken hat uns die Teilwahrheit beigebracht, dass jeder Mensch eine einzigartige Sichtweise darauf hat, was er als gut, richtig und fair betrachtet. Was wir in diesem Prozess verloren haben ist der Zugang zu Lehren, die den moralischen Muskel trainieren. Wir scheinen die Erkenntnisse, Prinzipien und Ratschläge von moralisch hochentwickelten Führenden aus dem Blick verloren zu haben, welche uns Entwicklung und Gespräche über Werte und Ethik erlauben würden. Die Konsequenzen werden in schmerzhafter Weise problematisch:

Betrachten wir die folgenden Schlagzeilen:

“Handelsgremium hinterfragt Rolle der French Bank im U.N.-Saddam Skandal”
“Fannie Mae warnt vor $9 Mrd. Verlust”
“Audit: Newsday überschätzt seine Auflagenhöhe”
“CBS ‘besorgt‘ wegen der Rathergate Untersuchung”
“Bostons $15 Mrd. Großprojekt  „Der große Graben“ ist voller undichter Stellen” “Bernie Goldberg: CNN Demokratin Judy Woodruff unter Beobachtung wegen Selbstmordgefährdung”
“Fünf Vorstände im Enron Frachter Fall verurteilt”
“AP: DOD warnte vor Halliburton Verträgen”
“FBI untersucht Halliburton Verträge”

Alle sind in allein im Monat November 2004 erschienen. Von 2001 bis 2003 führte der Anstieg von Unternehmensskandalen zu einem signifikanten Kursabsturz, der die New Yorker Wirtschaft allein $2,9 Milliarden kostete, die nationalen Steuerumsätze um $1 Milliarde reduzierte und die nationalen Pensionskassen um $9 Milliarden verringerte. In seinem Bericht 2003 zur finanziellen Lage der Nation sagte der New Yorker Rechnungsprüfer Alan G. Hevesi, dass Unternehmensskandale den Bundesstaat New York rund $260 Milliarden an Steuerumsätzen und ihre Pensionskassen fast $7 Milliarden an Wert kosten würden. 

Die Kombination von schlechten Nachrichten und schlechtem Verhalten hat eine Vertrauenskrise in Amerikas Geschäftswelt hervorgerufen; die Erholung muss daher in denselben Vorstandsetagen beginnen. Vorstände müssen natürlich mit Worten und Taten führen, aber bevor sie sich als Vorbilder für immer höhere Wertestandards eignen, brauchen sie einen Ansatz, mit dem sie über post-relativistische Moralentwicklung nachdenken können. Sie brauchen eine integrale Praxis für moralische Fitness.

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