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12.12.2017 : 15:04 : +0100

Kreativität

Ken Wilber, Kosmic Creativity, integrallife.com 2014

Text 1

Irgendeine Art von Kreativität ist von Anfang an in den Kosmos eingebaut. Von Quarks zu Atomen zu Molekülen zu Zellen, Pflanzen, Tieren und Menschen – und jeder Schritt bringt mehr Komplexität und Bewusstsein und macht es schwer sich vorzustellen, dass dies alleine ein Ergebnis eines Zufalls ist. Die Transformationen der Evolution sind das Gegenteil von Zufall – sie sind auf eine erstaunliche Weise neu, wunderschön innovativ und auf wundersame Weise kreativ. Sie sind ein Beleg dafür, dass das Universum nicht „nach unten“ auseinanderfällt und sich auflöst, sondern kreativ nach oben entwickelt. Alfred North Whitehead sprach von einem „kreativen Fortschreiten in etwas Neues hinein“ und war davon überzeugt, dass dies eine grundlegende und dem Universum innewohnende Eigenschaft ist – was bedeutet, dass diese Kreativität auch in dir und in mir ist. Im tiefsten Herzen von jedem von uns ist Kreativität lebendig. Jede und jeder von uns – wenn man weiß wo man zu suchen hat – kann Kontakt aufnehmen zu dieser außerordentlichen Kreativität und diese entwickeln. Sie ist so gegenwärtig und zugänglich wie Essen, Trinken, Atmen und Kommunizieren. Sie bringt in jede Erfahrung etwas Neues, Frisches und Offenes ein und vertieft das Leben in unvorstellbare Dimensionen hinein.

Warum ist das so? Diese grundlegende Kreativität ist ein Aspekt des GEISTES. Und so gesehen ist Evolution GEIST-in-Aktion. Diese Kreativität des GEISTES bringt immer neue Formen, Ereignisse und Wesen in eine Manifestation. Daher kann Evolution als eine fortwährende Kreativität des GEISTES betrachtet werden. So ergibt diese bemerkenswerte Entfaltung von Quarks zu Atomen zu Molekülen zu Zellen zu Pflanzen zu Tieren zu Menschen wie du und ich einen Sinn. GEIST-in-Aktion bringt fortwährend immer komplexere und bewusstere Manifestationen hervor, durch welche GEIST sich selbst begreift, sich selbst fühlt und sich selbst sieht. Dies bedeutet, dass du und ich und alle zu dieser grundlegenden Kreativität einen Zugang haben, aus dem einfachen Grund, weil wir auch Zugang zum GEIST selbst haben. Daher sind wir auch Mitschöpfer dieses Wunders und Geheimnisses der Evolution selbst, und damit verbunden gibt es eine Verantwortung für die weitere evolutionäre Entfaltung.

Text 2

Aus dem Nichts entsteht etwas, doch das ist erst der Anfang der Kreativität. Absolute, unermüdliche Kreativität hört nicht auf. Evolution, Liebe und Kreativität gehen Hand in Hand und bringen Neues in die Manifestation. Evolution ist der Mechanismus von GEIST-in-Aktion.

Alfred North Whitehead war der Überzeugung, dass, um ein Universum zum Laufen zu bringen, drei Dinge notwendig wären, die er mit Kategorien des Letztendlichen bezeichnete. Die erste davon ist das Eine, die zweite die Vielen und die dritte nannte er das „kreative Fortschreiten in das Neue“. Das ist erstaunlich, weil es bedeutet, dass Kreativität absolut notwendig ist, um ein Universum in Gang zu setzen. Kreativität ist also nichts Seltenes, das nur einige wenige Menschen erfahren – es ist etwas das in jedem einzelnen Ereignis von Augenblick zu Augenblick stattfindet. Diese Kreativität, die jedes Phänomen mit sich bringt, ist eine Berührung durch den GEIST in diesem Augenblick, als ein GEIST-in-Aktion, der dem manifesten Universum in jedem Augenblick etwas Neues hinzufügt. Dies ist das Wunder von Schöpfung. Dies ist die Mechanik, wie etwas Neues in die Existenz und ins Sein tritt. Aus der Leerheit, dem GEIST, tritt etwas hervor.

Das dynamische Gefühl dieses Augenblicks ist im Wesentlichen Kreativität. Jeder Augenblick hat seinem Wesen nach nicht nur ein reines, zeitloses und unbewegtes wahres Selbst auf der nicht-manifesten Seite, sondern, auf der Seite der Manifestation, einen Wirbel von Aktivität, eine dynamische Dringlichkeit, etwas Schöpferisches, Gestaltendes und Kreatives. Es geht also nicht nur darum in Kontakt zu kommen mit dem wahren Selbst, sondern mit dem gefühlten wahren Selbst, wie es sich selbst manifestiert und in der Manifestation wirkt. Hier sind wir mitten in der Welt von Aktivität, wo ständig Neues entsteht. Zusätzlich zum Fühlen deines Wahren Selbst, dem reinen Bezeugen, fühle auch die dynamische Energie, die mit jedem Atemzug durch deinen Körper strömt – dies ist GEIST-in Aktion, die kreative Quelle der gesamten manifesten Welt.

Oft wird Kreativität mit Künstlern in Verbindung gebracht und das ist einer der Gründe, warum die Metapher des Künstlers oder der Künstlerin eine der verbreitetsten Metaphern für das höchste Prinzip oder GEIST in den Weisheitstraditionen ist. GEIST ist Künstler(in). GEIST malt ein Bild dorthin, wo ursprünglich nur eine leere Leinwand war, und diesem Prozess können wir uns anschließen.

Die Antwort auf Schellings brennende Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht einfach nur Nichts ist, lautet: DU bringst es hervor, von Augenblick zu Augenblick zu Augenblick. Erfreue dich deiner erstaunlichen Existenz. Darin enthalten ist nicht nur ein zeit- und raumloses wahres Selbst, sondern auch eine dynamische, sich manifestierende Kreativität, GEIST-in-Aktion, dein eigenes wahres Selbst in Aktion. Das ist das Wunder von Existenz, das Wunder des eigenen wahren Selbst und seiner unermesslichen Kreativität.

Bewusstsein ist ein Singular, von dem der Plural unbekannt ist. (Erwin Schrödinger). Ein Bewusstsein, ein GEIST, ein Selbst in allen empfindenden Wesen. Der gleiche GEIST schaut durch die Augen aller lebendigen Wesen, ja, aller manifesten Phänomene. Es ist dein GEIST, dein SELBST, welches dieses Universum hervorbringt. Es ist dein Herz das im Herzen aller Wesen schlägt. Es ist dein SELBST, welches das SELBST und das ICH BIN von allem ist was erscheint, von Augenblick zu Augenblick zu Augenblick. Es ist dein reiner GEIST, der die kreative Kraft der gesamten Entfaltung der Evolution ist. Es ist dein wahres Selbst, welches den Urknall hervorbrachte, sich dann in Pflanzen zu empfinden begann, als ICH BIN begann lebendige Form anzunehmen, sich weiterentwickelte und als Fisch Gestalt annahm und weiter als Reptil Impulse zu fühlen begann, als frühes Säugetier Gefühle erlebte und im Menschen zu sich selbst erwachte. Dein reiner GEIST, dein ICH BIN, tat all diese Dinge. Du verwendest die Evolution als ein kreatives Fortschreiten in das Neue, um dich auf eine neue und tiefere Weise zu fühlen, zu erkennen und zu sehen.

Text 3

Der Prozess der Übung von Kreativität beginnt damit, mit der reinen Leerheit, dem wahren Selbst, Kontakt aufzunehmen. In diesem Zustand gilt es zu ruhen und sich klar machen, was dies bedeutet, und dann kann man eine Frage stellen und auf die Antworten achten, als erste Formen, die im Bewusstsein erscheinen. Diese ersten Formen werden Archetypen oder Prototypen genannt. Dies sind Antworten direkt vom GEIST oder Gott hinsichtlich dessen, was man braucht. Dann geht es darum, diese Prototypen im grobstofflich physischen Bereich auszuprobieren, um zu sehen ob sie passen.

1. Kontakt aufnehmen mit dem wahren Selbst, der reinen Leerheit

Das höhere Selbst ist frei von jeglicher Charakteristik. Doch wo ist es? Wir haben zwei Selbste, das Selbst dessen sich man sich gewahr ist – ich bin dies und ich bin jenes –, und das Gewahrsein selbst, das beobachtende Selbst. Alles dessen man sich gewahr ist, ist ein Objekt. Das Selbst, das gesehen werden kann, ist immer das endliche, das kleine Selbst.

Ich nehme wahr, aber ich bin nicht meine Wahrnehmung. Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper. Dies alles sind Objekte. Ich bin mir meines wahren Selbstes jetzt bewusst, aber nicht als einem Wahrnehmungsobjekt, sondern als der Rahmen oder Raum, in dem diese Objekte erscheinen. Das Bezeugen meiner Gedanken, Gefühle und Körperwahrnehmungen befreit mich von ihnen. Ich bin frei, unermesslich, offen, leer, klar, geräumig, befreit, zeitlos, raumlos, eins mit dem Zeugen, welcher GEIST ist. Ich bin ungeboren, unerschaffen, unbegrenzt, nicht dies und nicht jenes – außer reiner Gegenwärtigkeit, unermesslicher Leerheit, vollständig befreit von allen Objekte, die ich sehe oder kenne, selbstbefreit. ICH BIN ist immer vorhanden. Dieses Ruhen im ICH BIN ist der Schlüssel zur Kontaktaufnahme mit dem GEIST in uns bzw. der Kreativität in uns.

Ich habe Gedanken, aber ich bin nicht meine Gedanken.

Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.

Ich habe Körperwahrnehmungen, aber ich bin nicht meine Körperwahrnehmungen.

Mache dir klar was es ist was du wissen möchtest. Mache dir ein inneres Bild, stelle eine Frage (bezeichnen wir sie mit „x“) und halte und bewege diese in deinem Gewahrsein. Die Tatsache, dass du eine Frage stellen kannst zeigt, dass du dich mit dem GEIST-in-Aktion verbindest, und die Frage ist die erste Form einer kreativen Emergenz, die sich in dir zu manifestieren beginnt. In diesem inneren Raum des Haltens, den du schaffst, kann etwas Neues entstehen. Aus dem Nichts, dem Kontakt mit dem ICH BIN kann etwas erscheinen. Du kannst lernen, wie du diese Kreativität von deinem unbegrenzten Selbst in dein begrenztes Selbst übertragen kannst. Betrachte das Bild oder die Frage aus unterschiedlichen Perspektiven – dann lass es wieder los und ruhe weiter im reinen Selbst.

Schritt 2: Führe nun „x“ in diesen Raum und halte es dort. Mache dies immer wieder spontan und leicht über den Tag.

Schritt 3: Bemerke die Antworten die auf „x“ erscheinen. Bemerke sie einfach. Dies sind die Prototypen oder Archetypen von „x“, die ersten Formen, die kreativ als Antwort auf das Thema erscheinen. Höre achtsam zu. Je achtsamer du zuhörst, desto mehr können diese Prototypen sich nach unten transformieren vom Kausalen zum Subtilen. Das Subtile selbst ist eine extrem kreative Dimension – wie uns die zahlreichen Welten zeigen, die jede Nacht im subtilen Traumzustand erschaffen werden. Erlaube dem Prototypen, sich mit mehr und mehr Einzelheiten im Subtilen auszugestalten. Wenn du hängen bleibst, kehre zurück in den leeren Raum und erinnere dich was die Frage war und halte sie im Bewusstsein. Forciere nichts, halte es. Erwarte Antworten ohne Anstrengungen. Wenn du das Gefühl hast etwas zu erhalten, was passen könnte, dann erlaube deinem Gewahrsein sich zu verschieben, von dem wilden und unbestimmteren Bereich kreativer subtiler Vorstellungen hin zum konkreteren, konzentrierteren und mehr analytischen Bereich des grobstofflichen Wachbewusstseins – und füge nun alle Details zum fertigen Ergebnis hinzu. Hier entsteht dein erstes voll manifestiertes Geschaffenes – ein Bild, ein Buchkapitel, eine Blaupause für eine Architektur, ein Lied. Vom kausalen Hervortreten zu subtilen Vorstellungen und Prototypen bis zu den Details des Grobstofflichen. Dies hast du immer zur Verfügung. Kontaktiere deine Kreativität und sei willkommen zu Hause, bei deinem eigenen wahren Selbst, dem Selbst eines jeden Wesens im Universum, dem Selbst des ganzen Universums.

Ruhe als ICH BIN und du bist zu Hause.

Manifestiere als ICH BIN und erschaffe ein Universum.


Text 4

Die kreative Bestrebung für mein erstes Buch, das Spektrum des Bewusstseins, war einfach. Ich war unglücklich, ich litt und ich wollte glücklich sein. Ich studierte daher die Hauptformen von Psychotherapie und Spiritualität in Ost und West und suchte nach Heilung. Doch je mehr ich darüber las, desto verwirrter wurde ich. Sie alle standen im Widerspruch zueinander. Die Psychoanalyse verstärkte das Ich, Zen empfahl es loszuwerden, C. G. Jung lokalisierte den Ursprung des Problems in den Archetypen, dem kollektiven Unbewussten, die Transaktionsanalyse hingegen sprach von dysfunktionalen Regeln und Rollen, die man auf dem Entwicklungsweg „gelernt“ hatte, und so weiter und so weiter. Zusätzlich zu meinem Unglücklichsein war ich jetzt auch noch verwirrt. Es schien so, dass ich, um glücklich zu werden, zuerst von der Verwirrung in die Klarheit gelangen musste. Das war das, was mich leitete, die Frage „wie kann ich glücklich werden?“, und ich verbrachte viele Stunden des Tages mit Lesen und Studieren - von Gestalttherapie zu Rolfing, von kognitiver Therapie zu Schattenstudien. Was mir dann dämmerte war, dass, ausgehend davon, dass GEIST oder Bewusstheit in jedem gleich ist, das Bewusstsein in einem Spektrum existiert, ähnlich einem Regenbogen, und die unterschiedlichen Therapien in Ost und West jeweils auf unterschiedliche Ebenen abzielten. Es existierte nicht nur eine Bewusstseinsebene und eine richtige Therapie dafür, sondern es gab ein Dutzend Bewusstseinsebenen, und jede der Haupttherapien hatte ihre Stärke bei der Behandlung ihrer Ebene. Jede der etwa ein Dutzend Haupttherapien hatte im Wesentlichen Recht hinsichtlich der Ebene, welche sie ansprach. Und so habe ich, im Alter von 23 Jahren, das Buch Das Spektrum des Bewusstseins geschrieben und ich schreibe immer noch.

Meine Motivation hat sich jedoch verändert. Es geht mir nicht mehr vorrangig um mein eigenes Glücklichsein, sondern um ein allgemeines Verstehen und um das Glücklichsein anderer. Ich wollte herausfinden wie die Dinge zusammenhängen. Ich wollte die verbindenden Muster erkennen - spirituell und konventionell. Anstatt mich nur mit Spiritualität und Therapien zu beschäftigen, fügte ich noch Soziologie, die Naturwissenschaften, Anthropologie, Geschichte und vieles andere hinzu. Immer ging es mir darum zu zeigen wie alles miteinander zusammenhängt, als ein integraler Rahmen der alle diese Disziplinen zusammenbringt – um dann darüber zu schreiben, in der Hoffnung, dass andere davon profitieren können, und dass ihnen dieser Holismus zu Glück verhelfen möge.

Das Universum ist ein Uni-versum, als eine Geschichte oder Story, und ich wollte die Muster herausfinden, die all die kleinen Geschichten zu einer großen Geschichte und Erzählung zusammenbringen, als eine Art über-holistische Landkarte von allem. Natürlich kann man keine Landkarte von allem machen, doch man kann zu verschiedenen Verallgemeinerungen gelangen, die es leichter machen zu erkennen wie alles zusammenhängt. Und dieser integrale Impuls wurde zu meiner Hauptmotivation. Auf eine wunderbare Weise wurde ich umso glücklicher je mehr ich dies tat. Soweit ich das beurteilen kann, hängt die Welt wirklich zusammen. Das Heraustreten aus unseren fragmentierten, teilhaften und gebrochenen Landkarten und das Eintreten in ganzheitlichere, vereinigende und integrale Landkarten und Welt befriedigt die Seele zutiefst.

Text 5

Kreativität oder Eros – das (Be)Streben nach höherer Ganzheit – ist eine allen Quadranten (und allen Holons überall) innewohnende Eigenschaft. Dies bedeutet, neben zahlreichen anderen Dingen, dass deinen eigenen Gedanken jetzt in den Strom menschlicher Evolution eintreten und von Augenblick zu Augenblick weitergereicht werden durch eine tetra-wahrnehmende Vereinigung. Deine Handlungen in allen vier Quadranten beeinflussen unmittelbar die Evolution in allen vier Quadranten. Wenn ein Gedanke seinen Ursprung von einer früheren Entwicklungsstufe her hat, deren grundlegende Tiefenstruktur sich bereits schon früher als eine relativ stabile kosmische Gewohnheit etabliert hat, dann beeinflusst dieser Gedanke die Oberflächenmerkmale dieser Ebene. Kommt ein Gedanke jedoch von der Spitze der augenblicklichen Entwicklung, in der heutigen Welt von Türkis oder Schaulogik oder integral, dann wird dieser Gedanke unmittelbar dazu beitragen, die Struktur dieser Ebene festzulegen, welche an zukünftige Generationen als eine relativ festgelegte Bewusstseinsebene weitergegeben wird. Das führt zu einem neuen moralischen oder kategorischen Imperativ für jeden von uns: Handle so, als wenn dein Verhalten Teil einer festgelegten Struktur wird, welche alles zukünftige menschliche Verhalten steuert. Die Gestaltung der Evolution hängt buchstäblich von uns ab: Je mehr ein bestimmter Gedanke oder eine Handlung wiederholt werden, desto stärker wird sein morphogenetisches Feld und desto wahrscheinlicher wird dies zu einer Sedimentierung als einer relativ festgelegten kosmischen Gewohnheit werden, als ein konkreter, realer ontologischer Groove, eingekerbt in die Struktur des Universums aller zukünftiger Generationen.

Es gab beispielsweise eine Zeit in der menschlichen Geschichte, wo die einzig existierenden Grundstrukturen und Sichtweisen archaisch, magisch und magisch-mythisch waren. Und dann begann eine hoch entwickelte Seele mythisch zu denken. Von der grundlegend gemeinschaftlich Struktur der mythischen Sichtweise ausgehend, und davon ausgehend dass Männer eher zu Agenz und Eros tendieren, während Frauen zu Kommunion und Agape ausgerichtet sind, war diese Person wahrscheinlich eine Frau. Wie auch immer, sie – von ihrem oberen linken oder „Ich“ Quadranten herkommend – begann, diese ihre Sichtweise mittels ihres oben-rechts „es“ Verhaltens zu ihren Freundinnen zu kommunizieren, die dafür offen waren, was zu einer „Wir“ Gemeinschaft führte, die nun in der Lage war, diese mythische Sichtweise einzunehmen. Diese Frauen kommunizierten diese Sichtweise zu allen, die dies verstehen konnten, und wenn die Bedingungen in allen vier Quadranten für diese Sichtweise günstig waren, erfolgte durch die Evolution eine tetra-Auswahl, welche durch die vier Quadranten weitergetragen und schließlich zu einer neuen Basis sozialer Institutionen im unteren rechten Quadranten wurde, dem systemischen „es-plural“ Quadranten. Je mehr diese mythische Gemeinschaft wuchs und soziale und kulturelle Umbrüche überlebte, welche die bisher regierende Sichtweise ablösten, desto wahrscheinlicher übernahmen, über morphische Resonanz, andere Gemeinschaften diesen kosmischen Groove. Zuerst gab es beträchtliche Variationen hinsichtlich dieser neuen Tiefenstruktur – alles was erforderlich war, war ein Transzendieren und Bewahren seines Vorgängers – doch in dem Maße, wie eine Variation öfter ausgewählt wurde als andere, wurde deren morphogenetisches Feld dominierend. Heute sind überall auf der Welt kulturübergreifend die Tiefenstrukturen dieser mythischen Stufe gleich, in ihrer Wiederholung der gleichen grundlegenden Merkmale, welche eine Frau, deren Namen niemand kennt, vor Tausenden von Jahren den Mut hatte erstmals originär, kreativ und anders zu denken.

Und heute legen wir alle die Tiefenstrukturen einer integralen Sichtweise fest. Was ist dein Beitrag? Ob du bei dieser Erschaffung tätig mitwirkst oder diese studierst, du nimmst dabei in jedem Fall einen Einfluss. Willkommen zu deinem Platz in der Geschichte.

(aus: integrale perspektiven Nr. 29)