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23.3.2017 : 9:10 : +0100

Beziehungen

Foto: Anne Langholf

Wir alle leben in Beziehung zu anderen Menschen. Beziehung ist ein essentieller Teil unseres In-der-Welt-Seins. Unsere langfristigen Partnerschaften oder Liebesbeziehungen bedürfen und bekommen gewöhnlich einer besondere Aufmerksamkeit. Sie schenken uns die größten Freuden und bereiten uns das tiefste Leid und lassen uns vielfach sprachlos zurück - wobei das resultierende Schweigen die unterschiedlichsten Qualitäten haben kann.

Beim Thema "Beziehungen" bietet die Anwendung integral informierter Unterscheidungen und Landkarten die Aussicht auf tieferes Verständnis der Dynamiken zwischen Mann und Frau (oder gleichgeschlechtlichen Partner), von Eros, Sex, Liebe, Leidenschaft das Versprechen einer besseren Kommunikation und tieferen Kommunion. Der integrale Ansatz kann uns helfen die atemberaubende Komplexität zahlreicher wichtiger Faktoren zu sortieren und klarer zu werden darüber, was wir voneinander erwarten können und was nicht, wo es hakt, welche Pathologien oder Schatten wir uns anschauen sollten und welche Entwicklungsperspektive wir mit unserem Liebespartner haben.

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Eros, Sex, Lust und Liebe

Eros, Sex, Lust und Liebe

von Michael Habecker / Nadja Rosmann

 

Die Suche nach dem „Motor“ der Evolution hat eine lange philosophische und in der jüngeren Geschichte auch wissenschaftliche Tradition. Beide versuchen, die letztere von zwei Grundfra­gen zu beantworten:

  • Warum ist überhaupt irgendetwas? und
  • Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)?

Warum bleiben die ersten Wasserstoffatome und Gaswolken im Universum nicht einfach Atome und Gaswolken, sondern for­men sich zu Sonnen, die nach ihrem Sterben in gewaltigen Ex­plosionen neue Elemente hervorbringen? Warum formen sich aus dem Sternenstaub dieser frühen Explosionen Sonnensyste­me mit Planeten, auf denen dann immer komplexere Formen von Leben (und Bewusstsein) entstehen? Warum kommt dieses Leben nicht irgendwann einmal an den Punkt, an dem es „ge­nug ist“, sondern schreitet in aufeinanderfolgenden Stufen von Komplexität und Bewusstheit immer weiter fort? Warum kann dieser Augenblick und der nächste und der darauffolgende nicht einfach so bleiben, wie er ist, sondern präsentiert sich in einer unablässigen Folge von Veränderungen, die, auf längere Sicht betrachtet und unter Berücksichtigung vieler Schlingen und Schlaufen, wieder in eine Richtung von zunehmender Komple­xität und Bewusstheit zeigen? Wer oder was steckt hinter dieser Dynamik, die sich wie ein roter Faden und kosmischer Strang durch die gesamte Geschichte der Manifestation zieht und heu­te so quicklebendig ist wie am ersten Schöpfungstag?

 

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Sex, Ethik, Selbsterkenntnis - Warum spirituelle Unterscheidungskraft so wichtig ist

Sex, Ethik, Selbsterkenntnis - Warum spirituelle Unterscheidungskraft so wichtig ist

Mariana Caplan

Als Ergebnis meiner Recherchen, der Art von Büchern, die ich schreibe, und einer Beratungspraxis, die oft Menschen anzieht, die auf die eine oder andere Weise vom spirituellen Leben enttäuscht worden sind, bin ich in ein ungewöhnliches Material spiritueller Daten eingeweiht, das wir als „Unterleib der Erleuchtung“ bezeich­nen könnten. Das ist die Art von spirituellem Klatsch, die je­den ernsthaften Menschen, der sich dem Weg verpflichtet hat, schaudern ließe. Wenn man ihn ernst nimmt, offenbart er, dass absolut keiner, die Lehrer und uns selbst nicht ausgenommen, vor den Fallgruben sicher ist, denen man unvermeidlich auf dem spirituellen Weg begegnet.

Ich habe erschütternde Berichte gehört, wie einige der am meisten bewunderten „erleuchteten“ Lehrer unserer Zeit in ihrem Streben nach Spiritualität ihre Kinder verließen, spiri­tuelle Praktiken benutzten, um menschlichen Kontakt zu ver­meiden und ihre Intimpartner schlecht zu behandeln, und ihr Verhalten oft mit spiritueller Terminologie und spirituellen Konzepten rechtfertigten. Skandale in Bezug auf Sex, Geld und Macht durchdringen die gegenwärtige spirituelle Szene wie ein schmutziger Virus, der sich unentdeckt ausbreitet, bis er irrepa­rablen Schaden angerichtet hat.

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Enlightenment through relationship

Enlightenment through relationship

Ken Wilber, aus: Integral Naked,

 

Übersetzung: Michael Habecker

 

Ich glaube, dass jedes Ereignis – alles was geschieht, vier Quadranten, vier Dimensionen hat, von denen aus es betrachtet werden kann – und Beziehung ist dabei wesentlich, es ist ein wesentlicher Teil von allem was erscheint.

Ist man nicht im Kontakt mit dem beziehungsmäßigen Aspekt eines Augenblicks, dann ist man mit der Fülle dieses Augenblicks nicht wirklich in Berührung. Der Beziehungsaspekt ist daher meiner Meinung nach absolut wesentlich – und es geht darum das weder zu ignorieren, noch es zu sehr zu betonen. Beides führt zu Problemen. Männer haben die Tendenz das zu ignorieren, Frauen tendieren zur Überbetonung [Lachen]. Aber – das ist das, was beide für einander tun können. Das ist – zumindest auf der Ebene der romantischen Mann/Frau Beziehung – ein Grundbestandteil einer Praxis, und ich denke dass es dasjenige ist, worum es beim Tantra wirklich geht. Und deshalb zeigen in der tibetischen Tradition die allerhöchsten Darstellung der Thankas Mann und Frau in sexueller Vereinigung. Viele der Traditionen sagen, dass es bestimmte transformierende Zustände der Erleuchtung gibt, die man ohne einen konkreten Partner, d.h. ohne konkreten Geschlechtsverkehr mit einem Liebespartner, nicht erreichen kann. Interessanterweise, eine der Schulen des tibetischen Buddhismus, gegründet von Tsongkhapa, es ist diejenige Schule, welcher der Dalai Lama angehört, sie sagt, wie die meisten der tibetischen Schulen, dass es zwei Wege – und nur zwei Wege gibt – wie man die absolute, endgültige Erleuchtung erlangt. Einer davon, als die höchste Stufe der Praxis, ist tantrische Sexualpraxis. Der zweite Weg ist die Erlangung im Bardo Zustand. Tsongkhapa war so sehr besorgt über den Missbrauch einer sexuellen Beziehung, dass er sich dafür entschied, mit der Erleuchtung bis zum Bardo zu warten. Nun [verschmitzt]: ich frage mich, ob das eine gute Wahl war [Lachen]. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Vertrauen hätte... Es ist interessant, dass dies von den Traditionen so gesehen wird, und ich sage euch warum dies ein wichtiger Teil ist.

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Integrale Beziehungen

Integrale Beziehungen

- Martin Ucik (übersetzt von Heinz Robert, omj)

Der Blick auf den Zustand unserer romantischen Liebesbeziehungen durch eine Integrale Brille erlaubt uns zu verstehen, warum fast die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung heutzutage alleine lebt (in der EU nur etwa 30%, Anm. d. Red.). Es erklärt auch, warum viele Paare Schwierigkeiten in ihren Beziehungen haben, warum zwei Drittel der Scheidungen/Trennungen von Frauen initiiert werden, die lieber Single sein wollen als mit einem Beziehungsdeppen, warum viele Singles keinen neuen Partner finden, und – die guten Nachrichten – welche Entwicklungsebene und Beziehungsvision notwendig ist, damit Männer und Fauen1 in verbindlichen "Integralen" Beziehungen/Ehen eine nachhaltige und friedvolle Zukunft für die Menschheit ko-kreieren können.

Hier ein breiter Überblick über das Modell der Integralen Beziehungen, welches uns es erlauben soll, zukünftige Konversationen in einen grösseren Kontext zu stellen.

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Buchbesprechung: Integrale Beziehungen

Buchbesprechung: Integrale Beziehungen

eine Besprechung von Martin Uciks Buch durch Michael Habecker

Martin Ucik hat ein wunderbares Buch geschrieben. Es ist ein Buch über Beziehungen, genauer gesagt über die Beziehung zwischen Männern und Frauen, geschrieben für Männer, (ohne, worauf der Autor hinweist, gleichgeschlechtliche Beziehungen in irgendeiner Form zu diskriminieren), doch aus den Einsichten können alle Menschen profitieren, die sich für Beziehungen und Zwischenmenschlichkeit interessieren. Das Neue und Andere an diesem Buch, im Unterschied zu vielen anderen Beziehungsbüchern oder Mann/Frau Büchern, ist seine integrale Perspektive. Daher ist das Buch auch für diejenigen wichtig, die sich für die Anwendung des Integralen interessieren. Erneut stellt Wilbers Ansatz, in den Händen des Autors Ucik, seine große Flexibilität und Aussagekraft unter Beweis.

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Wilder Frieden

Wilder Frieden

- Max Peschek

In unserer Kultur sind Frauen und Männer in unterschiedlicher Zahl in Berufen und Lebensbereichen vertreten. Erklärt wird die unterschiedliche Verteilung in der Regel damit, daß ein Geschlecht (die Männer) das andere (die Frauen) unterdrückt, und zwar weltweit, kulturübergreifend und über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren. Das Opfer-Geschlecht ist naturgemäß gut, das Täter-Geschlecht böse. Auf eine einfache Formel gebracht: Frauen sind Schafe, Männer sind Wölfe. Diese Anschauung ist inzwischen so sehr verbreitet, daß eine andere Sicht geradezu blasphemisch wirkt. Dennoch: Wäre es denkbar, daß das Verhältnis und die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern von Frauen und Männern im Großen und Ganzen gemeinsam hervorgebracht wird (mit entsprechenden Vor- und Nachteilen für beide)? Und zwar als jeweils beste Lösung in einer bestimmten Umwelt mit einem bestimmten technisch-ökonomischen, kulturellen sowie individuellen Entwicklungsstand?

Für eine integrale Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen wurde von Wilber der Begriff ‚Integraler Feminismus’ vorgeschlagen; nachteilig an diesem Begriff ist, daß Männer sich nicht unbedingt angesprochen fühlen. Im internationalen Diskurs hat sich inzwischen der Gender-Begriff durchgesetzt; Gender bezeichnet dabei ursprünglich die kulturelle Prägung des Geschlechts im Gegensatz zur biologischen Prägung (‚sex’) – eine Unterscheidung, die der deutschsprachige Begriff ‚Geschlecht’ so nicht hergibt. Idealerweise wäre Gender die Fortsetzung des Feminismus mit dem Ziel, Gleichberechtigung und Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu erreichen, indem durch die Integration von Feminismus und Männerforschung auch Männer aktiv einbezogen werden. Der Gender-Ansatz ist jedoch stark mit dem postmodernen Wertesystem verbunden, so daß die integrale Perspektive auch einen neuen Begriff wie „Integral Genderdevelopment“ oder „Integral Genderliberation“ braucht. Ein guter deutschsprachiger Begriff wird noch gesucht; für diesen Aufsatz zitiere ich als Überschrift einen Buchtitel, der für mich das Ende des Geschlechterkampfes auf den Punkt bringt.

Essentialistische Traditionen und die Evolutionsbiologie betonen die Bedeutung der Gene, Hormone und Lebensbedingungen für die Entstehung männlicher und weiblicher Verhaltensweisen. Postmoderner Dekonstruktivismus hingegen betont, dass unterschiedliches Verhalten von Frauen und Männern in hohem Maße, wenn nicht sogar ausschließlich, von der Kultur geprägt sind. Wer hat recht?

Ein integraler Ansatz wird zeigen, dass beide Theorien recht haben – in ihrem eigenen Geltungsbereich. Beide Perspektiven, die biologische und die kulturelle, sind wahr – aber partiell. Und wir werden sehen, dass es eine bestimmte Logik gibt in der Entstehung von Perspektiven aus und auf Geschlechterrollen, sei es traditionell, modern, postmodern oder integral.

Dem integralen Modell folgend können wir Geschlecht aus den Hauptperspektiven oder Quadranten betrachten, die Entwicklung einer Geschlechtslinie durch alle Entwicklungsebenen, die Typen männlich/weiblich für alle Linien sowie die Bedeutung von Geschlecht für veränderte (spirituelle) Bewußtseinszustände; diese fünf Bestandteile werden im folgenden erörtert.

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Probleme integraler Beziehungen

Probleme integraler Beziehungen

Ken und Treya

(Quelle: IntegralLife.com, The Problems of Integral Relationships)

Vorwort der Integral Life Redaktion 

Ken untersucht einige der Probleme, die in “integralen Beziehungen” auftreten können, in Beziehungen von Menschen, die sich zu integralen Stufen ihrer Identität, ihrer Werte und ihrer Weltsichten entwickelt haben. Zuerst erläutert er allgemeine Pathologien, die sich auf integralen Stufen ereignen können und bei denen Aspekte unseres Wachstums nicht ausreichend im Selbst integriert wurden – eine vorangegangene Entwicklungsstufe, die gegenwärtige Stufe, oder eine höhere Stufe, die sich für uns zu öffnen beginnt, gegenüber der wir jedoch aus unterschiedlichen Gründen Widerstände haben können (die Umarmung des Lichts kann letztendlich ebenso schwierig sein wie die Umarmung des Schattens). Ken wendet sich dann den zwischenmenschlichen Verletzungen zu, welche – wie überraschend! – typisch sind für jede der Entwicklungsstufen: wie beispielsweise die Tendenz dem oder der anderen den Vorwurf zu machen „es nicht zu verstehen“ (oder, in diesem Fall, „nicht integral genug“ zu sein), und die Unfähigkeit zu erkennen, wie unterschiedlich sich maskuline und feminine Dynamiken in Beziehungen ausdrücken können. 

In diesem Clip verwendet Ken die Terminologie von Spiral Dynamics zu Beschreibung der unterschiedlichen Entwicklungsebenen. „Grün“ bezieht sich dabei auf die postmoderne/­pluralistische Entwicklungsstufe, und „Gelb“ bzw. „second tier“ beziehen sich auf die integrale Entwicklungsstufe.

Transkript

Frage: Wenn in integralen Gemeinschaften über unkonventionelle Beziehungen gesprochen wird, dann stellt sich sogleich die Frage, ob diese Beziehungen prä [konventionell] oder post [konventionell] sind. Worüber aber so gut wie gar nicht gesprochen wird, sind ungesunde integrale oder postkonventionelle Beziehungen. Wie sehen Sie das, wie sieht eine ungesunde integrale Beziehung aus? 

KW: [Lacht] Ich würde das gerne demonstrieren! [Lachen] Ich möchte dazu erst allgemein etwas sagen. Ich werde oft gefragt, was gelbe oder second tier Pathologie ist. Das scheint sich erst einmal zu widersprechen, weil second tier ja bedeutet, dass man alles integriert, und wie kann dann etwas pathologisch sein oder werden. Abstrakt gesprochen kann man sagen, dass es mindestens zwei Arten von Pathologien auf jeder Ebene gibt. Die eine ist, dass man auf der Ebene, auf der man sich befindet, die Elemente dieser Ebene nicht ausreichend aufnehmen und integrieren kann, das ist extrem verbreitet. Das kann  auf der gelben, der türkisen Ebene geschehen, oder, in den Begriffen Aurobindos, auf der Ebene des erleuchteten Geistes oder dem Übergeist [overmind]. Die Tatsache, dass man sich auf einer bestimmten Entwicklungsstufe befindet, bedeutet nicht, dass man das, was sich auf dieser Ebene zeigt, auch integrieren kann. 

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Schattenboxen

Schattenboxen

Nicole Fegley

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind

(Quelle: integralLife.com, Sleeping With Your So-Called Enemy)

Nicole Fegley

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind ist eine Praxisübung, wie man über seine eigenen politischen Ansichten hinausgelangen kann, hin zu den “Anderen”. Die eigenen Perspektiven erweitern sich, werden so umfassend wie möglich, und ermöglichen damit die mitfühlendste Entscheidung des eigenen Lebens.

Wie kann ich mit all den Emotionen umgehen, im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wahl? Wie kann ich besser verstehen, warum einige Menschen eine völlig andere Meinung als ich zu wichtigen Fragen haben, die unser Land betreffen? Wie kann ich meine Widersacher besser verstehen und gleichzeitig leidenschaftlich für das eintreten, woran ich glaube?

Egal wie laut du schreist, und egal wie viel Schmerz und Emotionen du erlebst, es wird weiterhin Menschen geben, die eine völlig andere Meinung haben als du, und du wirst sie nicht überzeugen können.

Nehmen wir einen tiefen Atemzug, dies ist eine wirkliche Herausforderung. Es geht um die Schwierigkeiten dabei ... das, was weh tut, deine Erfahrungen von Ohnmacht, Zorn, Abgetrennt-Sein, Angst, Abscheu, Empörung, oder was immer du dabei erlebst. Es ist völlig normal und in Ordnung diese Gefühle zu haben, doch sie müssen dich nicht beherrschen oder lähmen. An diesem Punkt setzt die Praxis an. Wir hoffen, dass du dadurch mehr Freiheit für dich und dein Gefühlsleben erfährst, aber auch mehr Freiheit um dich zu engagieren, um zuzuhören, und letztendlich dabei weißt, dass, was auch immer am Ende auch geschieht, es wird OK sein – jedenfalls relativ OK. 

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Ethische Fitness durch moralische Dilemmata

Ethische Fitness durch moralische Dilemmata

John Forman

Veröffentlicht am 27.9.2011 in Integral Post von John Forman übersetzt von Anke Lessmann

Relativistisches, postmodernes Denken hat uns die Teilwahrheit beigebracht, dass jeder Mensch eine einzigartige Sichtweise darauf hat, was er als gut, richtig und fair betrachtet. Was wir in diesem Prozess verloren haben ist der Zugang zu Lehren, die den moralischen Muskel trainieren. Wir scheinen die Erkenntnisse, Prinzipien und Ratschläge von moralisch hochentwickelten Führenden aus dem Blick verloren zu haben, welche uns Entwicklung und Gespräche über Werte und Ethik erlauben würden. Die Konsequenzen werden in schmerzhafter Weise problematisch:

Betrachten wir die folgenden Schlagzeilen:

“Handelsgremium hinterfragt Rolle der French Bank im U.N.-Saddam Skandal”
“Fannie Mae warnt vor $9 Mrd. Verlust”
“Audit: Newsday überschätzt seine Auflagenhöhe”
“CBS ‘besorgt‘ wegen der Rathergate Untersuchung”
“Bostons $15 Mrd. Großprojekt  „Der große Graben“ ist voller undichter Stellen” “Bernie Goldberg: CNN Demokratin Judy Woodruff unter Beobachtung wegen Selbstmordgefährdung”
“Fünf Vorstände im Enron Frachter Fall verurteilt”
“AP: DOD warnte vor Halliburton Verträgen”
“FBI untersucht Halliburton Verträge”

Alle sind in allein im Monat November 2004 erschienen. Von 2001 bis 2003 führte der Anstieg von Unternehmensskandalen zu einem signifikanten Kursabsturz, der die New Yorker Wirtschaft allein $2,9 Milliarden kostete, die nationalen Steuerumsätze um $1 Milliarde reduzierte und die nationalen Pensionskassen um $9 Milliarden verringerte. In seinem Bericht 2003 zur finanziellen Lage der Nation sagte der New Yorker Rechnungsprüfer Alan G. Hevesi, dass Unternehmensskandale den Bundesstaat New York rund $260 Milliarden an Steuerumsätzen und ihre Pensionskassen fast $7 Milliarden an Wert kosten würden. 

Die Kombination von schlechten Nachrichten und schlechtem Verhalten hat eine Vertrauenskrise in Amerikas Geschäftswelt hervorgerufen; die Erholung muss daher in denselben Vorstandsetagen beginnen. Vorstände müssen natürlich mit Worten und Taten führen, aber bevor sie sich als Vorbilder für immer höhere Wertestandards eignen, brauchen sie einen Ansatz, mit dem sie über post-relativistische Moralentwicklung nachdenken können. Sie brauchen eine integrale Praxis für moralische Fitness.

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