Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Beziehungen > Integrale Beziehungen
DeutschEnglishFrancais
17.8.2017 : 1:42 : +0200

Integrale Beziehungen

- Martin Ucik (übersetzt von Heinz Robert, omj)

Der Blick auf den Zustand unserer romantischen Liebesbeziehungen durch eine Integrale Brille erlaubt uns zu verstehen, warum fast die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung heutzutage alleine lebt (in der EU nur etwa 30%, Anm. d. Red.). Es erklärt auch, warum viele Paare Schwierigkeiten in ihren Beziehungen haben, warum zwei Drittel der Scheidungen/Trennungen von Frauen initiiert werden, die lieber Single sein wollen als mit einem Beziehungsdeppen, warum viele Singles keinen neuen Partner finden, und – die guten Nachrichten – welche Entwicklungsebene und Beziehungsvision notwendig ist, damit Männer und Fauen1 in verbindlichen "Integralen" Beziehungen/Ehen eine nachhaltige und friedvolle Zukunft für die Menschheit ko-kreieren können.

Hier ein breiter Überblick über das Modell der Integralen Beziehungen, welches uns es erlauben soll, zukünftige Konversationen in einen grösseren Kontext zu stellen.

Wir beginnen unsere Erkundungen in der Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht, angelernten Geschlechterrollen und femininen/maskulinen Polaritäten von Männern und Frauen. Dies erlaubt uns Ihre grundlegende sexuelle Fantasie zu verstehen, erfolgreiche männliche Schützer und Versorger mit Status und Wohlstand anzulocken, Seine primäre Fantasie, der Anziehung einer physisch attraktiven und gesunden Frau, die ihn in seiner Berufung unterstützt (oder diese mit ihm teilt), sowie das Verständnis Ihrer primären emotionalen Reaktion auf Beziehungskonflikte mit Angst und seiner mit Scham. Diese Differenzierung bietet auch einen Hinweis auf die sozialen Erwartungen und Kompatibilität eines Paares, und wie sie die entgegengesetzte feminine und maskuline Polung von Agenz, Kommunion, aufsteigend (Eros) und absteigend (Agape) in ihrer gesunden Form balancieren und harmonisieren können, um sexuelle Anziehung und Synergie generieren zu können.

Als nächstes berücksichtigt das Modell der Integralen Beziehungen mehrere Intelligenzen, Kompetenzen, Werte, Interessen, Leidenschaften und emotionale Bedürfnisse (Entwicklungslinien) die zwischen Paaren kompatibel sein müssen um eine tiefere Herzens- und Seelenverbindung zu entwickeln, und ihre Beziehung gedeihen zu lassen.

Für ein integrales Verständnis von Beziehungsdynamiken zwischen Männern und Frauen sind ihre individuelle Entwicklung in vier Linien entscheidend:

  1. Bewusstsein (acht Ebenen von archaisch bis transpersonal),
  2. Spirituell (fünf Ebenen von grobstofflich bis non-dual),
  3. Sexuell (fünf Ebenen von unterdrückt bis transzendent),
  4. Sein Anima-Komplex (fünf Ebenen von der Frau als Mutter zu gleichwertige Partner) und ihr Animus-Komplex (fünf Ebenen von Männer als fremde Aussenstehende zu gleichwertige Partner).

Das Verständnis der Entwicklungsebene jedes Partners in diesen vier Linien ist vorrangig für deren Fähigkeit sich als Gegenüber und gleichwertig zu begegnen.

Weiters müssen wir uns den verschiedenen Zuständen/Phasen bewusst sein, die romantische partnerschaftliche Beziehungen typischerweise durchlaufen (Lust, Verliebtheit, Romanze, Konflikt, Unsicherheit, Vereinbarung, Verbindlichkeit und Wiederverpflichtung). Dies zu wissen erlaubt uns cool zu bleiben, wenn die diversen Liebeshormone, die unsere Fähigkeit zur rationalen Partnerwahl beeinträchtigen, einschiessen und uns die Arbeit in schwierigen Zeiten noch schwieriger machen. Wir beachten auch Persönlichkeitstypen, die uns einerseits  helfen Verhaltensmuster zu verstehen und andererseits unsere primäre und sekundäre Art und Weise wie wir Liebe geben und nehmen – entweder durch Wörter, Zeit, Geschenke, Service oder Berührung.

Sind wir uns einmal dieser Bausteine des Integralen Beziehungsmodells gewahr, können wir diese integrieren, indem wir Ken Wilber’s Einsicht verwenden, dass jeder Mensch einen inneren Verstand (1) und einen äusseren Körper (2) hat, und gleichzeitig ganz als ein Individuum ist (3) als auch ein Teil eines grösseren Kollektives (4). Diese vier Dimensionen können als vier Quadranten gezeigt werden, als das individuelle "Ich" oben links, dem individuellen "Es" oben rechts, und deren kollektive Erweiterung/Verbindung in den betreffenden unteren Quadranten.

Wenn wir realisieren, dass Beziehungen immer durch die unteren kollektiven Quadranten geformt werden, erlaubt uns das acht Formen von Liebe zu identifizieren (Nicht-Liebe, Freundschaft, Verliebtheit, Hingabe, romantische Liebe, vernarrte Liebe, kameradschaftliche Liebe, und Integrale Liebe) die Liebende fühlen können und in Art und Grad ko-kreieren, wenn eine Resonanz in ihrem (UL) kollektiv Inneren (was Intimität hervorbringt), (UR) kollektiv Äusseren (was Leidenschaft erzeugt) und/oder unbewussten Dimensionen (die verschiedene Formen von Abhängigkeit generieren, von Ko-Abhängigkeit zur wechselseitigen Verbundenheit allen Seins) erfahren wird.

Da die Landkarte nie das eigentliche Territorium ist – was wir speziell in Erinnerung halten sollten, wenn es zur romantischen Liebe kommt – empfiehlt das Integrale Beziehungsmodell rücksichtsvolle und mitfühlende Beobachtungen, Dialoge und Erfahrungen um die Entwicklungsebene des Bewusstseins, der Spiritualität, Sexualität und des Anima/Animus-Komplex jedes Partners zu bestimmen, wenn man sich dieser innigsten und verletzbaren Form von menschlicher Verbindung verpflichtet. Die Kombination dieser Einsichten und Erfahrungen mit der Anzahl der Perspektiven (1., 2., 3. 4. Person usw.) die jeder Partner einnehmen kann, erlaubt uns dies ihre individuelle kosmische Adresse zu definieren, welche Hinweise bietet auf Typ, Qualität und Nachhaltigkeit der Liebesbeziehung, die wir höchstwahrscheinlich entwickeln können. Die Liebenden können dann entscheiden ihre derzeitige Beziehung zu verbessern (wenn beide Partner willens und fähig dazu sind) oder sie mit Mitgefühl zu beenden, um einen integralen Ansatz zu entwickeln einen kompatibleren Partner zu finden/anzuziehen.

1. Diese Aussage beabsichtigt nicht die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Deren Welt ist dem Autor nur nicht bekannt. Die meisten Prinzipien, die hier aufgezeigt werden können für deren Beziehungen genauso zutreffen.

Anhang:

12 Grundwerte für Integrale Beziehungs Evolutionäre:

  1. Wir entscheiden uns zu lieben, anstelle von etwas, das uns „widerfährt“ oder das wir anziehen.
  2. Wir sehen die Tiefe unserer Herzens- und Seelenverbindung, sowie den Grad unserer Demut und Hingabe als Indikator für unsere psychische Gesundheit und spirituelle Verwirklichung.
  3. Wir transzendieren unsere primäre Ur-Phantasie und gründen unsere Beziehung auf seinsbezogene Werte, anstelle von materieller, sexueller oder emotionaler Bedürftigkeit.
  4. Wir nutzen unser Beziehungen für gegenseitiges Lernen, Heilen, Wachstum und Erwachen, um die Fähigkeit zu entwickeln, bedingungslos zu lieben.
  5. Wir nehmen eine evolutionäre Perspektive ein und haben eine integrale, transpersonale oder höhere Ebene des Bewusstseins erreicht oder streben sie an.
  6. Wir bemühen uns kontinuierlich, unsere gesunden weiblichen und männlichen Polaritäten zu entwickeln, ins Gleichgewicht zu bringen und zu harmonisieren und begegnen einander als gegensätzlich und ebenbürtig, um Synergien auf der Ebene aller sieben Chakras zu schaffen.
  7. Wir teilen ein gemeinsames Ziel unserer Beziehung, dass größer ist als jeder von uns für sich allein, und stellen dies in den Dienst des größtmöglichen Nutzens für die größtmögliche Anzahl von Menschen.
  8. Wir praktizieren eine Form der integralen Lebenspraxis mit Modulen für die Gesundheit von Körper, Geist, Spirit/Seele und Schatten, sowie Ethik, Sexualität, Arbeit, Emotionen und Beziehungen.
  9. Wir vereinbaren ausdrücklich, uns gegenseitig unsere jeweilige Wahrheit zu sagen und die des Anderen anzuhören, ohne es zu brauchen, dass diese vom Partner bestätigt oder akzeptiert wird. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere eigenen emotionalen Reaktionen auf die Wirklichkeit  unseres Partners.
  10. Wir setzen beide gesunde Grenzen und respektieren die unseres Partners.
  11. Wir teilen unsere materiellen Ressourcen und verfolgen einen ökologisch und sozial verantwortlichen Lebensstil.
  12. Wir praktizieren eine heilige / tantrische Sexualität und entscheiden uns für Monogamie aus freier Wahl anstelle von Angst.

(c) Martin Ucik, Vervielfältigung und Verbreitung mit Quellenangabe ausdrücklich erlaubt.