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24.4.2017 : 20:59 : +0200

Drei Monate in Boulder – Ein Reisebericht

von Stefanie Tangeten und Dennis Wittrock

 

Dieser Reisebericht gliedert sich abschnittsweise im Perspektivenwechsel. Dennis versucht dabei, allgemeiner zu reflektieren, während Stefanie (kursiv) einzelne Erlebnisse beschreibt.

 

Wie alles begann ... Obwohl mir klar war, dass ich zu der Zeit mitten in meiner Diplomarbeit stecken würde, entschließe ich mich ein Jahr im Voraus genug Geld zusammen zu sparen, den Studentenstatus zu nutzen und zusammen mit Dennis in den Semesterferien für drei Monate (Februar bis April) nach Boulder zu gehen, um direkt an der Leading Edge, am Integral Institute, den integralen Spirit zu erfahren.

Lange Zeit schon verfolgte mich die Vision, eines Tages mal nach Boulder zu fahren und Ken Wilber und den Mitarbeitern des Integral-Institute persönlich zu begegnen. Nach einer langen Reihe von Vorbereitungen und glücklichen Fügungen war es dann im Februar 2006 endlich so weit. Ich hatte ein halbes Jahr zuvor zusammen mit meiner Freundin Stefanie einen Flug nach Denver gebucht, Kontakte zu ehemaligen Boulder-Reisenden und natürlich auch zu Colin Bigelow, dem persönlichen Assistenten von Ken Wilber aufgenommen. Unserem dreimonatigen Aufenthalt stand dann nichts mehr im Wege.

Empfang in Denver Herzlich nimmt uns Colin nach unserem 9-stündigen Flug und einer turbulenten Landung (ich musste mich mehrmals übergeben), am Flughafen in Denver in Empfang und bringt uns nach einem gemeinsamen Dinner in Boulder zum Haus von Annie Mc-Quade, wo wir in der ersten Woche wohnen werden. Colin kennen wir bereits seit 2004, als wir ihn während des Ken Wilber Kongresses in Bremen bei uns zuhause aufnahmen. Da sind wir nun im Epizentrum der integralen Entwicklung und ahnen nicht, wie ereignisreich die nächsten drei Monate sein werden ...

Am ersten Tag nach unserer Ankunft hatten wir dann bereits die Ehre (noch völlig unter Jet-Lag-Einfluss) von Ken Wilber empfangen zu werden. Diese, sowie viele andere unserer zahlreichen Erlebnisse sind im Detail und mit Fotos auf unserem Web-Tagebuch unter www.bouldertrip.blogspot.com nachzulesen.

Kickstart – First Meeting with Ken – Gleich am ersten Tag arrangiert Colin für uns ein Meeting mit Ken. Corey de Vos (persönlicher Assistent von Ken & Audio Editor) fährt uns zu Kens Loft in Denver. Von außen recht unscheinbar, lässt das alte Gebäude einer ehemaligen Mehl-Fabrik kaum vermuten, dass sich hier der größte integrale Pandit (Experte) dieser Zeit häuslich niedergelassen hat. Zusammen mit Marc Binet (entwickelt „3-Body-Tango“ als spirituellen Weg) und Jason, einem Chan Schüler aus Sidney, verbringen wir die nächsten vier Stunden in Kens modern eingerichtetem Loft (Dachgeschoß) im 7. Stock mit Blick über Denver. Der Einrichtungsstil erinnert an eine Mischung aus östlichen Traditionen (Buddha-Statuen, 5 m breite Wasserwand im Feng-Shui-Stil) und westlich amerikanischer Lebensart (Skate- und Snowboards über dem Kamin, Rothko-Bilder an der Wand und riesige Fernseh-Leinwand). Ken ist offen für jegliche Fragen, die er besonders ausführlich in längeren Monologen beantwortet und ist auch daran interessiert, was wir in Deutschland machen. Von Aufregung ist bei uns keine Spur. Das Gespräch ist locker und Ken ist zu Scherzen aufgelegt. Seine Präsenz lässt jeglichen Anflug von Müdigkeit und Jetlag verfliegen. Dies sollte nicht unsere letzte Begegnung mit Ken sein. Wir bekamen noch zweimal die Möglichkeit, auf seiner berühmt-berüchtigten roten Couch Platz zu nehmen. Die nächsten Male empfing er uns dann viel persönlicher, sagte uns dass es schön sei, dass wir da sind und bot uns an, auch öfter mal mit ihm und Colin „rumzuhängen“.

Boulder ist gleichermaßen eine liberale Oase im konservativen Bundesstaat Colorado, sowie ein wahres Mekka für spirituelle Sinnsucher der Boomer-Generation. Man kann hier auch sehr zum spirituellen Tourismus verleitet werden, wenn man, wie wir, den vielen Angeboten der verschiedenen spirituellen Lehrer, die mal wieder „in town“ sind, nachgeht. Von „A“, wie Shri Anandi Ma (Darshan = Zusammentreffen, Versenken) bis hin zu „Z“ wie Zen, wie zum Beispiel bei Baker Roshi oder beim ehemaligen Vietnam-Veteran Claude Anshin Thomas haben wir uns nichts entgehen lassen. Dazwischen haben wir Yoga-Stunden bei den bekannten Lehrern Richard Freeman und Sofia Diaz genommen, haben ein Kirtan (Musik zur Gottesverehrung) sowie ein Konzert von ‚Krishna Das’ besucht, einen Talk von Father Thomas Keating mit Ken in Denver mitgenommen, und vieles mehr. Auf dem zweiten Event des Integral Spiritual Center (ISC), an dem wir das Glück hatten teilnehmen zu können, waren dann wohl mehr Lehrer anwesend, als das Alphabet Buchstaben hat.

Boulder liegt etwa eine dreiviertel Stunde von Denver entfernt auf der Ostseite der Rocky Mountains, die im Hintergrund beginnen. Neben den sogenannten „Flatirons“ (Felsformationen, die an Bügeleisen erinnern) hat Boulder im Frühjahr farbenprächtige Blumen-Meere rund um die berühmte Pearl-Street-Mall zu bieten, der buntesten Fußgänger- Einkaufszone der Stadt und wunderschöne, tiefrote Sonnenuntergänge. Letztere sind auch in den Wintermonaten zusammen mit traumhafter Schneelandschaft zu bestaunen. Die Temperatur-Spektren bewegen sich zu dieser Zeit (zwischen Januar und April) für gewöhnlich zwischen –10 und +25 °C – wohlgemerkt an einem Tag. So konnte es sein, dass wir am Morgen mit Winterjacken zum Office fuhren und am Nachmittag zum Tee im T-Shirt in der strahlenden Sonne saßen. Es ist sehr angebracht, viel zu trinken und sich mit Sonnenmilch gut einzucremen. Die Luft ist hier ziemlich trocken und in einer Höhe von 1600 m über dem Meeresspiegel waren wir der Sonne näher denn je. Außerdem kann es mit dem Sauerstoff in dieser Höhenlage manchmal beim Joggen oder Biken knapp werden, was zum Höhentraining besonders gut geeignet ist. Ansonsten lebt man/frau hier sehr gesund. Es gibt große Bio-Supermärkte, wie Whole-Foods- und Ideal-Market und an vielen Ecken Yoga- oder Meditationsangebote. In ganz Boulder trifft man viele hübsche und gesund aussehende Menschen mit einer besonderen Ausstrahlung und offener Herzlichkeit.

Wie darf man sich das I-I und die Menschen vor Ort vorstellen? Wer nach einem architektonischen Traum aus Marmor, Stahl und Glas mit gewagter Konstruktion und neon-greller Leuchtreklame sucht (ein gigantischer Multiplex oder dergleichen), der wird mit großer Wahrscheinlichkeit direkt an dem unscheinbaren Bürogebäude vorbei latschen, das durch keinerlei äußere Anzeichen den geistig-revolutionären Inhalt signalisiert. „Wir hatten schon ein Menge ‚crazy people’ hier, die wir schlecht wieder losgeworden sind.“, erklärte uns der Audiotechniker Jason Digges auf die Frage nach dem fehlenden Schild an der Tür.

Im Integral Office Irgendwo auf dem Broadway in Boulder, in einem kleinen Bürokomplex, befindet sich das unscheinbare „Integral Office“. Durch einen Vorraum mit angrenzendem Konferenzraum und dem Videotechnik-Raum vorbei, führt der Weg in das etwa 60 m2 große Gemeinschaftsbüro, wo wir auf die ersten Staff-Mitglieder treffen, die uns herzlich begrüßen und dann wieder an ihre Arbeit huschen. Die meisten sind hier sehr beschäftigt, nur Nomalie Perera vom Integral Spiritual Center schenkt uns mehr Aufmerksamkeit und hilft uns zunächst bei der Orientierung. Einen direkten Ansprechpartner gibt es für uns nicht. Auf der Integral Naked Seite im Web sind zwar Bewerbungsformulare für Volunteer-Stellen (Freiwilligen) zu finden, die Dennis und ich vor unserer Abreise auch fleißig ausfüllten, doch derjenige, der einst für Volunteers zuständig war, hat das I-I vor einiger Zeit verlassen und die Stelle wurde bisher nicht neu besetzt. „Es gibt nicht genug Human-Ressources, um die Volunteers sinnvoll einzusetzen“, wird uns gesagt. So wurden auch unsere Bewerbungen nie gelesen und niemand hatte sich auf uns eingestellt oder war für uns „zuständig“. Colin hatte auf unseren Wunsch hin, vor unserer Ankunft eine E-Mail über den Staff-Verteiler geschickt, um unser Auftauchen im Office anzukündigen.

Ein typischer Tag im Office sieht in etwa so aus: Vor Ort sind maximal 20 Mitarbeiter zur gleichen Zeit anzutreffen, viele arbeiten in ihrem eigenen Rhythmus und oftmals auch von zu Hause aus. Gewöhnlich sitzen hier 4 - 6 Leute, darunter z. B. der Creative Director Paul Salamone, der hin und wieder auch mal die Nacht zum Tag macht und morgens auf der riesigen Couch aufgefunden wird. Auch das Video- und Audio-Team von Integral Naked, geleitet von Casey Capshaw, ist relativ häufig anzutreffen. Dienstags und Donnerstags wird von 8 - 9 Uhr Zazen angeboten, als „Spirituelles Modul“ der „Office-ILP“ (Integralen Lebenspraxis) für die Mitarbeiter. Ab 9 Uhr trudeln die Ersten ein. Im Laufe des Tages schauen viele Leute vorbei (u. a. auch „Hof-Barde“ Stuart Davis), Ken allerdings äußerst selten, denn er wohnt in Denver und hält auf andere Weise den Kontakt.

Wir versuchen uns möglichst täglich im Office blicken zu lassen, um uns nützlich zu machen. Wenn gerade nichts für uns zu tun ist, erledigen wir private Dinge, wie Diplomarbeit oder Blog Schreiben, E-Mails checken, Möglichkeiten in Boulder ausloten oder wir halten Staff-Mitglieder von der Arbeit ab, indem wir mit ihnen über Ken oder spirituelle Praxis plaudern. Hier haben wir die beste Chance, mit den Mitarbeitern in Kontakt zu treten und bauen sehr herzliche Beziehungen auf. Wie uns Rollie und andere immer wieder sagen, bringen wir einen besonderen Spirit in die Gruppe. Wir organisieren zusammen mit Casey ein Zazenkai (Tag des intensiven Meditierens) und sind bei fast allen sozialen Aktivitäten (Wilber-Discussion-Group, Katholische Messe, Männer- und Frauen-Gruppen, natürlich auch bei Parties uvm.) dabei. Außerdem haben wir die Möglichkeit, an den regelmäßigen ILP-Modulen, die vom Staff selbst angeboten werden, teilzunehmen. Sie gehören als integrale Lebenspraxis zur Arbeitszeit, die bezahlt wird. Außerdem haben sie einmal pro Monat ein Staff-Retreat zu dem verschiedene Lehrer, wie Brian Robertson, Fred Kofmann uvm. eingeladen werden.

„Integral“ ist hier auf gewisse Weise scheinbar auch synonym mit „non-lokal“, d. h. Internet, E-Mails, Handys und Conference-Calls ersetzen häufig die face-to-face Treffen, obwohl es die natürlich auch gibt. Vermutlich aus Gründen der Koordination und Kommunikation innerhalb der vielen Feedbackschlaufen der unzähligen, ehrgeizigen Projekte, an denen hier rund um die Uhr gearbeitet wird, ist der Ort „I-I Office“ fast eher ein virtueller, denn ein realer Ort. Diese starke Virtualität ist dann leicht eine Quelle des Missverständnisses für Außenstehende, die viel mehr handfeste UR-Strukturen erwarten (s. o.). Die gibt es, doch hauptsächlich in Gestalt von Informationen, die auf den Festplatten von Internet-Servern liegen, oder in Form von Mitarbeitern, die mit Headset und Laptop über die Gänge schlurfen. Welcome to the Information-Age!

Im Red-Hill-Haus Die zweite Woche verbringen wir im alten Haus von Ken, in den Bergen, mit fünf Staff-Mitgliedern des Integral Institutes. Dies ist das Haus, in das sich Ken für mehrere Jahre zum Schreiben und Meditieren (z. B. auf einer Plattform mit Aussicht über die atemberaubende Landschaft der gebirgigen Umgebung) zurückgezogen hat. Wir schlafen in dem Raum, in dem die Asche von Treya in einer Urne, auf einer Kommode steht (wie wir später erfahren) und haben den alten, blauen Jeep, den Ken in „Mut und Gnade“ beschreibt, für die erste Zeit zur Verfügung. Unsere Mitbewohner Rollie Stanich (ISC), der uns seinen Raum überlässt, Marc Binet („3-Body-Tango“), Marco Morelli (schreibt an einem ILP-Buch), Kelly Bearer (Human-Ressources Manager) und Meagen Clifford (Video Producer), treffen wir meist bei der Arbeit mit einem Laptop auf dem Schoss, bei einem „Conference Call“ mit Kopfhörern, beim Meeting bzw. Plaudern mit anderen Staff-Mitgliedern oder beim Burrito-Essen und Red-Bull Trinken z. B. in der offenen Küche mit angegliedertem, geräumigen Wohnzimmer.

Da Deutsche gemeinhin Ambivalenzen gegenüber Autoritäten und Führungspersönlichkeiten hegen, galt auch unser Interesse dem Verhältnis von Ken und seinen Mitarbeitern. Ich denke, dass Ken als geistiger Visionär und Boss gemeinhin hoch geschätzt wird und auch der Grund dafür ist, dass viele der talentierten Mitarbeiter trotz vergleichsweise spärlicher Entlohnung mit einem gewissen Enthusiasmus für das I-I arbeiten. Gleichwohl konnte ich keinesfalls eine dogmatisch-unkritische Haltung gegenüber dem großen Meister finden – im Gegenteil, zumal selbst Ken Wilber nur ein Mensch mit wechselnden Stimmungen und Fehlern ist, wie die Mitarbeiter mit humorvollen Anekdoten zu illustrieren wussten. Ken zieht gegenüber seinem Team alle Register: mal haut er väterlich auf den Tisch, ein anderes Mal hält er eine inspirierende Ansprache und entfacht die Flamme der Inspiration, die das Team zu Höchstleistungen anfeuert. Er hält große Stücke auf sie, wie folgender Ausschnitt aus einer internen Kommunikation zeigt: „Wir versuchen das Unmögliche – wir haben bereits etwa drei unmögliche Dinge vollbracht, von integral naked bis hin zu I-I Seminaren, und wir wollen wieder einmal das Unmögliche schaffen mit Integral Training und Integral University. Ich habe noch nie eine Gruppe gesehen, die so viel pro Person erreicht wie diese Gruppe – es ist erstaunlich“. Ken ist ein Perfektionist mit Herz und sein Team zerreißt sich für die Geburt der integralen Vision – ohne unkritisch auf ihn fixiert zu sein.

Kontakte zwischen USA und dem Rest der Welt Mit unserer Power-Point-Präsentation über die „Integrale Szene im deutschsprachigen Raum“, gelingt es uns die Aufmerksamkeit auf unsere bereits sehr weit entwickelte „integrale Szene“ zu richten. Unsere Zuhörer sind sichtlich begeistert und gleichzeitig erstaunt über unsere natürlich gewachsene Community und die vielen Angebote, die unsere Struktur bereits zu bieten hat. Jeff Salzmann und Nicole Fegley, die sich um die Planung und Durchführung der Seminare kümmern, kommen zu dem Schluss: Es gibt bereits beeindruckende Strukturen in Europa – in puncto Community- Building sind wir jedenfalls nicht auf die Hilfe des I-I angewiesen. Jeff ist sogar davon überzeugt, dass sie in dieser Beziehung eher von uns lernen können. Er fragt uns, wobei uns das I-I noch Unterstützung geben könnte. Wir machen klar, dass uns die Kontaktbildung zum ‚Mutterschiff’, dem Integral Institute wichtig ist und die Zertifizierungen der bereits Lehrenden oder Gruppen-Leiter im deutschsprachigen Raum zur Qualitäts- Kontrolle nun ansteht. Jeff fragt, ob einige dieser Gruppenleiter bereit wären, für ein I-WET-Seminar (integral Weekend of experiential Training) nach Denver zu kommen. Wir schlagen das E-Gremium und die Teilnehmer der I-I-international-Yahoo-Group vor und stellen eine EMail- Liste zur Verfügung. Bei diesem Treffen (mit Ken persönlich) sollen in der Nähe von Denver integral engagierte Menschen der ganzen Welt zusammen kommen und kostenlos teilnehmen können. Nur die Kosten für Flug und Unterkunft müssen selbst getragen werden. Des Weiteren wollen Nicole und Jeff wissen, welche Orte in Deutschland für Seminare des Integral Institutes im nächsten Jahr in Frage kommen, worauf wir Berlin und Frankfurt vorschlagen.

 

Die integrale Community, die wir in Boulder erwartet hatten, war zu unserer Zeit noch absolut embryonal. Alle Zeit und Energie der Mitarbeiter floss in andere Projekte, so dass integrale Events in Boulder eher Mangelware waren. Mittlerweile wurde mit Gail Taylor die Position des Community-Directors besetzt. Zusammen mit unseren Freunden Ryan Parks und Emily Levang soll nun mehr öffentliche Infrastruktur für integral Begeisterte geschaffen werden. Auch in dieser Hinsicht ist das I-I sehr interessiert an den Erfahrungen, die wir in Deutschland bereits mit dem Arbeitskreis/IF gesammelt haben.

Community Building Dennis und ich waren dabei, als die Wilber- Discussion-Group an der Naropa University, von Ryan Parks wieder neu gegründet wurde (Nomalie leitete einst eine, als sie noch dort studierte) und konnten mit Tipps und Infos beratend zur Seite stehen, da wir ja selbst schon einen großen Erfahrungsfundus mit der iMove-Gründung vor 3 Jahren und bisher insgesamt 8 Folgetreffen hatten. Auch unsere Erfahrungen von dem 5-tägigen i-Transform-Retreat (im letzten Sommer in Wahrenberg) war eine Inspiration für die Amerikaner.

Trotz anfänglicher Orientierungsprobleme war unser Verhältnis zu den Mitarbeitern von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft (auf beiden Seiten) geprägt, vertiefte sich dann aber im Laufe der Zeit doch um Einiges. Nachdem klar war, dass wir nicht bloß ein paar Besucher sind, die einmal vorbeischauen und dann wieder verschwinden, öffneten sich uns viele der Mitarbeiter und schenkten uns mehr von ihrer arbeitsbedingt knappen Aufmerksamkeit. Wir haben viele Kontakte knüpfen und Freunde gewinnen können.

Gerade weil die meisten I-I Staff-Mitglieder in unserem Alter sind und wir außerdem die gleiche Sprache sprechen – eben AQAL – war es oft nicht schwierig für uns auch in tieferen Kontakt zu treten. Ein WIR war sofort vorhanden. Oberflächlicher Small Talk war gar nicht nötig. Manchmal gingen die Gespräche ziemlich ans Eingemachte. Insgesamt fühlte ich mich sehr herzlich aufgenommen und viele halfen uns, trotz ihrer vielen Arbeit, in Boulder Fuß zu fassen.

In unserer Funktion als Volunteers haben wir uns mit den folgenden Aufgaben befasst: Bei einem Seminar zu Integraler Ökologie und Nachhaltigkeit (I-WISE) an der Colorado University haben wir die Mikrofone herumgereicht, sowie den Auf- und Abbau besorgt. Für den ISC-Event hat Steffi die Namensschilder vorbereitet und wir hatten die Ehre für Roger Walsh und Frances Vaughan Fahrdienste zu leisten. Für den Grafiker Paul habe ich Skizzen und Ideen zu Icons für die Integral University (IU) erstellt. Gegen Ende haben wir noch die Keyword-Datenbank für die Integral Naked Videos etwas aktualisieren können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der gesamte Trip (auch wenn ich kaum Erwartungen hatte) meine Vorstellungskraft bei weitem übertraf. Obwohl wir noch drei Tage vor unserer Abreise keine Unterkunft hatten, nicht wussten, ob wir als Volunteers tätig werden können und keine Ahnung hatten, was auf uns zukommen würde, geschweige denn, wie uns die Staff-Mitglieder aufnehmen würden, hat sich immer wieder alles ganz erstaunlich gefügt und wir wurden mit vielen wunderbaren Erfahrungen, tiefen Begegnungen und einer Anzahl von wahren Lehren beschenkt. Alles in allem lässt sich die Reise mit dem Prädikat „awesome“ auszeichnen.

Highlights unseres Trips waren neben Ken und den Menschen am I-I auch unsere Ausflüge nach Utah und nach San Francisco, wo wir an einem fünftägigen ILP Retreat teilnahmen, sowie der öffentliche Tag der zweiten Zusammenkunft des Integral Spiritual Centers. Besonders bewegt haben mich die Kontakte zu einigen Mitarbeitern mit ihrer großartigen Gastfreundschaft (z. B. „Rollie- sattva“) und die tiefen Freundschaften, die wir hier schließen konnten. Wir sind mit einer gewissen Offenheit und nur wenigen Erwartungen nach Boulder gefahren. Das Leben hat die Details für uns auf wunderbare Weise ergänzt, oder wie man in Boulder sagt: AWESOME!

Während unseres Aufenthalts konnten wir mit verfolgen, was ein Mitarbeiter als „die wohl bedeutendste strukturelle Veränderung seit Bestehen des I-I“ bezeichnet hat: die Präsentation und anschließende Implementierung von „Holokratie“ durch dessen geistigen Vater Brian Robertson, Gründer von Ternary, einem extrem erfolgreichen Software-Unternehmen. Holokratie ist ein neuartiges Organisationssystem, das bisherige Entscheidungsfindungsprozesse transzendiert und einschließt. Das I-I versucht sich gerade an der Umsetzung und man darf gespannt sein, welche Früchte das bringt (mehr dazu in der nächsten Ausgabe der IP).


Quelle: IP 3/2006