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22.11.2017 : 13:42 : +0100

Inkubator Bericht - Integrales Bewusstsein in die Welt bringen

 

von Stefan Schoch

Eindrücke aus dem „Integralen Brutkasten“

Etwa dreimal im Jahr wird im „Boulder Integral“, dem von Jeff Salzmann mit Unterstützung von Ken Wilber gegründeten integralen Zentrum in Boulder (Colorado), der „Integral Incubator“ angeboten. Dieser „integrale Brutkasten“ richtet sich an alle diejenigen, die ein eigenes Projekt, ein neues Unternehmen, ein Buch oder einen Film oder auch nur einfach „sich selbst“ als Projekt „integral ausbrüten“ und ins Leben bringen wollen. Stefan Schoch hat im März 2011 an dem Incubator teilgenommen, um dort Anregungen für seine „Integralen Impulse“ aufzunehmen. In seinem Bericht fasst er seine Eindrücke aus dem Brutkasten für uns zusammen.

 

Ich brüte gerade etwas aus. Nein, eine Krankheit ist es (hoffentlich ;-)) nicht, sondern wohl eher etwas sehr Gesundes und Positives. Ende 2010 habe ich meinen „sicheren“ Angestellten- Job verlassen und mich entschieden, nun auch beruflich meine Energie zu 100 Prozent dorthin fließen zu lassen, wo die für mich größte Faszination und der größte Bedarf liegt: in die Entwicklung des individuellen und kollektiven integralen Bewusstseins. Seitdem bin ich also dabei, meinen Angeboten an Integralen Salons, Seminaren und Coaching mit den „Integralen Impulsen“ immer konkretere Formen zu geben und sie an den Mann (und natürlich die Frau) zu bringen. Was liegt also näher, als dieses noch junge Projekt in einem „Integralen Brutkasten“ weiter auszubrüten?

Meine Hoffnung war, dass ich das Thema dort gleich doppelt aufladen kann: einerseits mein kleines Unternehmen mit Hilfe einer integral informierten Methodik gut auf den Weg zu bringen und andererseits natürlich auch inhaltliche Anregungen für meine eigene künftige integrale Arbeit zu bekommen.

Am Montag um 9:00 Uhr (dank Jetlag ziemlich müde) geht es also los: erste Begegnung mit dem Team, bestehend aus Jeff Salzmann, Nomali Perera, Huy Lam und Steven McHugh sowie einigen Assistenten. Es ist schön, diesen so geschätzten Menschen, die ich schon so viele Male (das Internet macht‘s möglich) gesehen und gehört habe, jetzt endlich auch mal persönlich begegnen zu können.

Die Gruppe der 21 TeilnehmerInnen ist international besetzt: neben natürlich verschiedenen Ecken der USA ist auch mehrfach Kanada, Indien, die Schweiz und Deutschland vertreten. Die mitgebrachten Projekte sind so bunt wie die Herkunft der Teilnehmer: von dem Plan, einen Film über integrales Bewusstsein zu drehen, Theaterarbeit, gestaltender Kunst, verschiedenen Formen von Therapien und Körperarbeit über einen Immobilien- Makler, der seinen Kunden einen ganzheitlicheren Service bieten möchte, bis hin zu integralem Coaching und Seminarangeboten.

Die ganze Woche gilt ja dem „Ausbrüten“ der eigenen Vision. Also führt Jeff uns zu Beginn auch gleich in einer Visionsreise durch die jeweils eigene innere Bilder- und Erlebenswelt unseres in der Zukunft bereits realisierten Projektes: Wie sieht mein Projekt in zwei Jahren aus, wie fühlt es sich an? Wie und mit wem lebe ich, wie, wo und woran arbeite ich? Dann die gleichen Fragen jeweils aus der Perspektive: in einem Jahr, in einem halben Jahr, in drei Monaten, vier Wochen, am Ende dieser Woche, heute Abend!

Es zeigt sich, wie wichtig es ist, im Inneren (links oben) attraktive und kraftvolle Bilder entstehen zu lassen, um dann die richtigen Aktionen (rechts oben) und Strukturen (rechts unten) zu finden und zu kreieren, die mir helfen, meine persönliche und inter-personelle Realität (links unten) zu er-schaffen. Also schon zu Beginn die Berücksichtigung aller relevanten (AQAL-)Dimensionen.

Den Rest der Woche arbeitet die Gruppe aufgeteilt in zwei verschiedene „Tracks“. Die einen, die sich selbst als ihr Projekt bearbeiten wollen gehen in den „Selfdevelopment Track“ mit Nomali und Huy, die anderen gehen mit Jeff und Steve in den „Entrepreneur Track“. In ersterem wird mit der Methodik des am Integral Coaching Center Canada entwickelten Integral Coaching™ zunächst eine Metapher für den „Current way of being“ gesucht, um dann eine Metapher des erwünschten „Future way of being“ zu entwerfen und die notwendigen Schritte dorthin zu definieren. Unnötig zu sagen, dass dies natürlich durch verschiedene „AQAL Lenses“ (Quadranten, Linien etc.)geschieht.

In dem „Unternehmer-Zweig“ (für den ich mich entschieden habe) arbeiten wir aus einer integralen Perspektive an den „5 M“: Me, Money, Marketing, Make, Manage. Also an meinen inneren Themen (Me), den Finanzen (Money), der Frage, wie ich meine Leistungen in den Markt bringe (Marketing), was es braucht, damit ich meine Leistungen auch erbringen/ produzieren kann (Make), und den Themen, die meine Führung von Mitarbeitern oder den Umgang mit Lieferanten und Partnern (Manage) betreffen.

Die ganze Woche über begleitet uns (als Vorbereitung für die „3 Minute Manifestation“ am Freitag) dabei immer wieder ein Thema: Wie stelle ich mein Angebot/mein Projekt jemandem in nur drei Minuten vor? Es wird sehr methodisch vorgegangen und wir nutzen unterschiedliche Techniken, um unser Thema zu verdichten. Unterwegs entsteht neben der „Value Proposition“ der „Marketing Onepager“ (eine Seite mit einer vollständigen Beschreibung unseres Angebotes), wir machen eine SWOT-Analyse (eine Analyse der Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Herausforderungen (Threats) bezogen auf die „5 M“).

Am Mittwoch dann für einige sicherlich der Höhepunkt der Woche: der Besuch bei Ken Wilber in seinem Loft in Denver. Jeff bereitet uns darauf vor, dass aufgrund Kens gesundheitlicher Beeinträchtigung der Besuch eventuell nur kurz ausfallen wird. Dass aber andererseits Ken die Besuche seiner „Incubatees“ auch sehr genieße. Als wir dort sind und ihn erleben dürfen, wird klar, wie das gemeint ist. Ken hält einen fast eineinhalbstündigen Vortrag, in dem er noch einmal sehr auf die Motivation und Notwendigkeit der Entwicklung des integralen Bewusstseins in der Gesellschaft eingeht. Und darauf, wie einsam es zuweilen ist, mit eben einem solchen Bewusstsein herumzulaufen, aber kaum noch jemandem zu begegnen, der einen wirklich versteht. Wie wichtig es daher ist, Gemeinschaften zu finden, in denen integrales Bewusstsein gelebt, gepflegt und entwickelt werden kann. Wie eben im „Integral Incubator“. Und wie bedeutend es ist, ganz reale Projekte mit integralem Bewusstsein zu bereichern, so dass der integrale Ansatz in mehr und mehr Lebensbereichen für immer mehr Menschen erlebbar wird und positive Veränderungen bewirken kann.

Es ist, als könnte ich in seinen Augen und seinem Lächeln sehen, wie wichtig es für ihn ist, dass seine Botschaft nicht nur eine von einigen wenigen beachtete und intellektuell diskutierte Philosophie bleibt, sondern dass es integrale Anwendungen in möglichst vielen Lebensbereichen geben wird. Auf mich wirkt er fast wie ein Vater, der vor seinen Kindern sitzt und erfreut feststellt, dass sie nun alle ihren Weg auch ohne Vaters Unterstützung gehen werden. Sein Lebenswerk lebt in unseren Projekten!

Das ist natürlich die stärkste Motivation, die ich bekommen kann. Genau das ist ja mein innigster Wunsch: mit meinen Seminaren und Workshops dazu beitragen zu können, dass sich integrales Bewusstsein in Einzelnen wie in Gruppen entwickelt. Und dass wir vielleicht wirklich bald erleben können, was passiert, wenn zehn Prozent der Bevölkerung ein integrales Bewusstsein erreicht haben (was Ken Wilber als „Tipping Point“ bezeichnet). So, wie es vor ca. 60 Jahren passierte, als meine Eltern die Geburtshelfer der Postmoderne waren und mit ihren Aktivitäten die Ausbreitung des grünen Meme in unserer Gesellschaft unterstützten. So ist es für mich eine Ehre und zugleich Verpflichtung, an der Verbreitung und Entwicklung der nächsten Ebene der Spirale beteiligt sein zu dürfen. Ich nehme diese Aufgabe gerne an!

Wir beenden diese intensive Woche im integralen Brutkasten am Freitag Vormittag mit der „3 Minute Manifestation“, indem jeder in maximal drei Minuten sein Projekt vor den anderen präsentieren darf.

Man merkt, dass wir in Amerika sind – mit lautem Hurra und Gejohle wird jeder auf der Bühne begrüßt: „Please welcome .!“ Wo jeder dann – auf seine eigene, ganz individuelle Art – sein Thema vorstellt. Ob mit Worten, getanzt oder in Bildern, das bleibt jedem selbst überlassen. Ich bin etwas erstaunt, dass ich tatsächlich mit den drei Minuten hinkomme. Und dass meine Präsentation beim Publikum offensichtlich sogar Wirkung zeigt.

Es hat also funktioniert. Mit Unterstützung eines tollen Teams, in einer intensiven Arbeits- und Kreativ-Atmosphäre habe ich mein „Baby“ in allen Quadranten ausgebrütet: Ich gehe motiviert, mit guten Ideen und einem konkreten Arbeitsplan wieder nach Hause, um dort meine „Integralen Impulse“ weiter wachsen und reifen zu lassen.


Quelle: IP 19 – 07/ 2011