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20.10.2017 : 23:41 : +0200

Integral Spiritual Experience der Integralen Welt-Community

ISE war eine einzige Einladung, genau dieses Einzigartige Selbst vonallen Seiten zu erfahren

 

 

Ein Erfahrungsbericht von Mathias Weitbrecht

 

Als ich im Februar ‚09 die Ankündigung für den Event „Integral Spiritual Experience“ (ISE) las, wusste ich: Dort muss ich hin. Die Bedeutung der Veranstaltung war mir umgehend klar: Für die integrale Szene, für die integrale Spiritualität, für mich persönlich und meine Praxis.

Seit den legendären nicht-öffentlichen Events „Integral Spiritual Center“ 2005- 2007 hatte vom Integral Institute ausgehend kein Angebot rund um integrale Spiritualität stattgefunden. Jahrelang hat es kaum große Seminare gegeben, Jahre, in denen sich die integrale Szene in den USA und weltweit verändert hat. Jahre, in denen auch Gruppen auseinandergingen, sich andere formierten und Lehrer und integrale Disziplinen neue integrale Wege gingen. Zum ersten Mal trafen nun nahezu alle wieder aufeinander, begegneten sich und brachten die integrale Szene wieder zusammen.

ISE fand vom 30.12.2009 bis zum 3.1.2010 südlich von Kalifornien statt und wurde veranstaltet von Integral Life, iEvolve und Unterstützern wie dem Verlag SoundsTrue und direkt nach der Ankündigung begeistert aufgenommen und mit Voranmeldungen überschwemmt. Unterstützt wurden die Organisatoren von ca. 30 Helfern (Volunteers), die nahezu alle auch bekannte Größen der integralen Szene waren (und deren Durchschnitts-Bildungsgrad wohl kaum unter „PhD” lag ...).

Um die 50 spirituelle und integrale Lehrer waren anwesend, von denen ca. 30 bei ISE sprachen oder Gruppen leiteten. Die knapp über 500 Teilnehmer stammten aus 33 Ländern – eine Internationalität integral Interessierter, die jeden begeisterte. Für jeden gab es etwas an Traditionen, Richtungen, Lehrern, Übungen. Und wem das eine Angebot oder der eine Lehrer nicht zusagte, der wurde garantiert im Rest des reichen Angebots fündig.

ISE ist als 5-Jahres-Programm ausgelegt, wobei man auch gut ein Jahr besuchen kann. Es war keine Konferenz sondern ein reiner Praxis-Event, was die alle zwei Jahre stattfindende Integral Theory Conference der JFK Uni nun ergänzt.

So landete ich Ende Dezember in San Francisco und nach einigen Tagen Retreat mit Freunden am Lake Tahoe waren wir auf dem Weg zum ISE nahe Monterey, südlich von San Francisco direkt am Pazifik. Sehr gespannt auf das Programm und die Erfahrungen, mit Vorfreude auf das Wiedersehen vieler Freunde und dem erstmaligen persönlichen Erleben einiger integraler Lehrer, die ich nur von IntegralNaked.org, IntegralLife.com usw. kannte. ISE ist ein Praxis-Event mit Retreat-Charakter, um die tiefsten Einsichten vieler spiritueller Traditionen mit dem neuesten heutigen Wissen in einer postmythischen Welt zu praktizieren – und das zusammen mit Menschen, die sich im evolutionären Neuland dessen bewegen, was es heute heißt integral spirituell zu sein.

Das Unique Self: Das lebende Koan der Individualität jenseits des Ego

Das zentrale Thema war das „Unique Self” (das Einzigartige Selbst). Beim Einzigartigen Selbst handelt es sich um die befreiende Erkenntnis, dass wir das sogenannte „trans-egoische Selbst” der östlichen Weisheitstraditionen zusammen mit der im Westen betonten Individualität leben können – jenseits eines Egos und samt der Einzigartigkeit, die jedem menschlichen Wesen innewohnt. So ist das Einzigartige Selbst wie ein lebendes Koan, ein beständiges Erforschen samt „Sich-Wundern” im Jetzt...

ISE war eine einzige Einladung, genau dieses Einzigartige Selbst von allen Seiten zu erfahren: Aus der Perspektive der 1. Person als die Tiefe des eigenen Seins, der eigenen „Story”, Talente und dem Erkennen der eigenen Fülle. In der Perspektive der 2. Person ist das Einzigartige Selbst die Möglichkeit, in anderen deren Einzigartigkeit zu sehen und zu fördern. Und in der 3. Person kann der evolutionäre Impuls gesehen werden, der sanft und dennoch kraftvoll die gemeinsamen Möglichkeiten der Menschheit zeigt. ISE als Event trägt dazu bei, das Potenzial davon zu zeigen und diesen Evolutionsschritt mit zu gestalten.

Dies geschah in Form von acht Schritten („8 Stations”), die uns Teilnehmer praktisch durch die Tage führten. Diese acht durchliefen wir in zahlreichen Übungen und Praxisgruppen: 1. Persönliche „Story”, das abgetrennte Selbst. 2. „Falsches, aufgesetztes Selbst”. 3. Klassische Erleuchtung, das „Wahre Selbst”. 4. Neue Erleuchtung/Erwachen des „Einzigartigen Selbst”. 5. Einzigartiger Schatten. 6. Integrale Einzigartigkeit. 7. Einzigartige Gabe. 8. Einzigartiges Versprechen.

Lernend, erfahrend, wie ein Fisch im Ozean in der integralen Gemeinschaft schwimmend, meine eigene spirituelle Praxis vertiefend. Das Programm war so straff und gefüllt, dass dies nicht schwer fiel: Morgen-Praxisgruppe um 6.30 Uhr (z.B. Yoga, Atemarbeit, Männer- oder Frauengruppe, Gebet, Zazen, Natur-Mystik und viele andere). Frühstück. Plenum in der Halle mit Vorträgen, Übungen, Musik. Nachmittags-Praxisgruppen, darunter zum Beispiel: „Ebenen des Bewusstseins” mit Susanne Cook-Greuter, „Das Wunder der Individualität jenseits vom Ego” mit Craig Hamilton, „Typen - Ein Erforschen des Maskulinen und Femininen” mit Sofia Diaz, „3-2-1 Schattenprozess” mit Marc Gafni und Diane Hamilton... und ca. 20 mehr, alle Elemente des Integralen bzw. AQAL abdeckend. Das weitläufige Gelände mit seinen vielen Gruppenräumen und Wohnhäusern unweit vom Strand und der wilden nordkalifornischen Küste füllte sich in jeder Pause mit den 500 Teilnehmern, die sich beeilten, pünktlich zum „Zen time”-Start der nächsten Session in einen anderen Raum zu kommen: ein wenig gestresst und erfüllt-fröhlich-lächelnd gleichermaßen ...

Ein zentraler Programmpunkt war die längere Videobotschaft zu ISE von Ken Wilber, der aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst anwesend war. Er bot darin einen brillanten Abriss seiner Arbeit bis heute, eine Zusammenfassung bisheriger integraler Erkenntnisse bis hin zum Einzigartigen Selbst, gefolgt von einem Telefoninterview. Den Abschluss von ISE bildete „Integral Church” aller inzwischen sehr inspirierten, aufgeladenen Besucher.

Der Event, ein voller Erfolg, hat die integrale Gemeinschaft beeinflusst und zeigte eine freudige, reiche, integrale Spiritualität zwar in etwas amerikanischer Verpackung, doch mit weltweiter Bedeutung. Und so weiß ich schon heute: Sobald die Vorankündigung für das nächste ISE kommt, bin ich dabei.

 

Mathias Weitbrecht

www.integralspiritualexperience.com

www.flickr.com/photos/integrallife/sets/72157623239358110/

www.ievolve.org


Quelle: IP 15 – 03/2010