Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Gender
DeutschEnglishFrancais
20.11.2017 : 8:59 : +0100

Gender

Michelina de Cesare (Quelle:Wikipedia)

Gibt es neben den offensichtlichen biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern auch noch andere Unterschiede? Diese Frage wird heute generell mit „ja“ beantwortet, und die Untersuchung dieser Unterschiede sind „Gender“ Themen.

Der integrale Ansatz, mit seinen Elementen von Perspektiven, Entwicklung, Typologien und Zuständen bietet einen Rahmen, um Gender Fragen neu zu stellen und auch zu beantworten.

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Die integrale Liebesbeziehung oder Weiblich/Männlich Integral

Die integrale Liebesbeziehung oder Weiblich/Männlich Integral

Wie wirkt sich weibliches / männliches Bewusstsein in einer Liebesbeziehung aus?

 

von Brigitte und Dirk Arens

 

Ken Wilbers Landkarten geben uns neue Möglich­keiten und erweiterte Perspektiven, mit Typologien umzugehen und sie zu verstehen, z.B. lässt die Un­terscheidung zwischen Spanne und Tiefe Typolo­gien gleichberechtigt als Ausdruck einer Fülle nebeneinander erscheinen. Die Tiefe drückt sich dann durch die Entwicklung innerhalb eines Typus aus. Nach Cook-Greuter können Polari­täten (wie z.B. weiblich/männlich) nicht gelöst werden, wir kön­nen nur lernen, sie in ein Gleichgewicht und auf ein höheres Ni­veau zu bringen. Bezogen auf unser Thema heißt dies, männlich und weiblich sind zwei gleichberechtigte und universelle Ener­gien, die nicht gelöst werden können, sondern auf ein hohes Ni­veau und in ein Gleichgewicht gebracht werden wollen.

Der weibliche Pol wird geprägt durch Liebe, Hingabe, Für­sorge und Bezogenheit und der männliche durch Autono­mie, Freiheit, Stärke und Regeln. Was bedeutet es dann, ein/e entwickelte/r Mann/Frau zu sein? Welche Qualitäten sind zu entwickeln und wie wirkt sich das auf Partnerschaften aus? In diesem Artikel wollen wir folgendes genauer fokussieren: Was sind die Auswirkungen eines integralen Bewusstseins auf Bezie­hungsdynamik und die Typologie von Frau und Mann? Natür­lich sehen wir das nicht als ein abgeschlossenes Thema, sondern als Diskussionsgrundlage.

 

weiterlesen ...

TANTRIC MATRIX – Schattenarbeit, die Körper, Geist und Seele berührt

TANTRIC MATRIX – Schattenarbeit, die Körper, Geist und Seele berührt

 

von Ilka Stoedtner

„Pleased to meet you

Hope you guess my name

`cause what‘s puzzling you

Is the nature of my game“,

singt Mick Jagger in „Sympathy for the Devil“. In der Realität ist jedoch niemand hocherfreut, seinem eigenen „Schatten“ zu begegnen. Ganz im Gegenteil.

 

Was ist eigentlich ein Schattenaspekt?

Nach C.G. Jung beinhaltet der Schat­ten unbewusste Anteile in einem Selbst. Verdrängt, abgeschnitten, ignoriert – ins Unterbewusste ungeordnet weggepackt. Er beschreibt z. B. Gefühle, die aufgrund von traumatisch empfundenen Situatio­nen nicht verarbeitet werden konnten.

Wieso wurden diese Gefühle nicht verarbeitet? Meiner Erfahrung nach ist jeder in seiner Entwicklungsgeschichte mit Situationen konfrontiert worden, die für dieses kleine Wesen, welches man gewesen ist, zu viel waren. Unverdaulich, überfordernd. Meist war niemand da, der das Kind tatsächlich GEFÜHLT hat. Dies meint ein tiefes Mitempfinden des Schmerzes, der Angst, der Verletzung, der Traurigkeit, aber auch z. B. der tiefen ausgelassenen Freude des Kindes. An­stelle dessen erfolgte ein Beschwichtigen, Ignorieren, Beschämen bis hin zu einem gewalttätigen darüber Hinweggehen des ausgedrückten Gefühls.

Ein Beispiel: Die kleine Jana hat wieder von dem Monster geträumt und rennt pa­nisch zu ihrer Mutter die Treppen runter: „Mama, ich hab’ Angst!“. Mama wartet keine Sekunde, denn sie ist mit Papa in ein Gespräch vertieft. Sie ruft: „Du brauchst doch keine Angst zu haben, da gibt es kein Monster in deinem Zimmer.“ Vielleicht ergänzt sie noch: „Hab‘ dich nicht so, bist doch schon ein großes Mädchen!“ Jana ist irritiert. Wenn Mama das sagt, ist ihr GE­FÜHL also nicht richtig.

 

weiterlesen ...

„Feminine Power“ als Weg zur Selbstverantwortung und Wirksamkeit

„Feminine Power“ als Weg zur Selbstverantwortung und Wirksamkeit

von Adelheid Hörnlein

 

Wer erinnert sich nicht an den Ausspruch: Ein „erleuchteter“ Mensch kann in der Meditation tiefe Erlebnisse haben von Liebe und Verbindung. Dann steht er auf und benimmt sich wie ein „Arschloch“, oder er bekommt sein Leben nicht auf die Reihe. Was also tun, damit wir „integrierte“ und „vollständige“ und „glückliche“ Menschen werden können?

Klassische spirituelle Wege und auch die Psychotherapie beziehen sich auf den einzelnen Menschen und spezifische Linien (oder „Kompetenzen“ oder „Intelligenzen“) seiner individuellen Entwicklung. Sie tun dies häufig auf „unkoordinierte“ Weise, indem sie nur eine oder wenige Linien einbeziehen und oftmals auch die Wechselwirkungen zwischen den Linien vernachlässigen. Hinzu kommt bisweilen ein absoluter Gültigkeitsanspruch – eine Methode meint, für „alles“ zuständig zu sein.

 

weiterlesen ...

 

 

Der weibliche Weg zu Gott

Der weibliche Weg zu Gott

 

von Brigitte Arens

 

Ich möchte mit diesem Artikel einen Impuls zur Vertie­fung der Typenerforschung geben, wobei ich das Prinzip meines eigenen Typus, des Weiblichen, hauptsächlich be­trachten möchte. Das „Weibliche Prinzip“ wird motiviert von einer inneren Bewegung, die sich mit allem in Verbindung setzt. Es drückt sich in einem Hingabeprinzip aus, das sich zu allen Erfahrungen, Eindrücken und Emotionen in Beziehung setzt und bereit ist, sich davon zutiefst berühren und durch­dringen zu lassen. Es neigt sich verbindend, genießend, teil­nehmend und liebend dem Leben zu. Gleichzeitig wirkt ein Streben, welches ordnend, einem ästhetischen Empfinden fol­gend, eingreift, um die göttliche Schönheit durch die Form zum Leuchten zu bringen.

 

weiterlesen ...

Das Werden werden wollen – der Gender-Diskurs im Spiegel der Meditation

Das Werden werden wollen – der Gender-Diskurs im Spiegel der Meditation

 

Nadja Rosmann

In gewisser Weise beschäftigt das Verhältnis der Geschlechter die Menschheit seit ihrem Anbeginn, denn der „kleine Unterschied“, den Feministinnen wie Alice Schwarzer in den 1970-er Jahren verstärkt aufs Korn nahmen, hat unsere Kulturgeschichte über Jahrtausende wesentlich geprägt. Integral betrachtet „nur“ ein typologischer Unterschied, bestimmt die Tatsache, ob wir Frau oder Mann sind, bis zum heutigen Tage nicht unwesentlich, wie wir uns entfalten, welche Chancen wir in unserem Leben sehen und in welche Sackgassen wir geraten. Und obwohl spätestens die Postmoderne Menschen in westlichen Industriegesellschaften ein fast schon unüberschaubares Rollenangebot für die Realisierung individueller Lebensentwürfe zur Verfügung stellt, bleiben immer mehr Frauen (aber auch Männer) mit einer gewissen Unentschlossenheit zurück, weil sie ein Unbehagen verspüren. Ein Unbehagen, das der Ahnung geschuldet ist, dass es im Gender-Diskurs vielleicht noch um wesentlich mehr gehen könnte, als die typologischen Irrungen und Wirrungen einer vermeintlichen Frau-Mann-Polarität aufzudröseln und neu zu definieren.

Wie können wir einen Raum der Möglichkeiten betreten, der jenseits bereits existierender Rollenklischees tatsächlich Zukunft schafft?

 

weiterlesen ...

Feminismus und Bewusstsein

Feminismus und Bewusstsein

© uwe schramm

von Hilde Weckmann

Kürzlich habe ich im Berliner Frauenarchiv www.FFBIZ.de an einer Sitzung teilgenommen – wir haben das Projekt vor fast 30 Jahren gegründet – da wurden mir - wie so oft - die vielen feministischen Strömungen deutlich.

Nach der bürgerlichen Frauenbewegung, die in Europa seit dem 19. Jhdt. aktiv war, kristallisierte sich direkt aus der Studentenbewegung eine neue Form  der Organisation von Frauen heraus. Dies wurde zu einem wesentlichen Bestandteil im Übergang der Avantgarde der westlichen Kultur von der Moderne in die Postmoderne. Strukturen in der westlichen Gesellschaft, die Hierarchien, Vormachtsstellungen und Privilegien gestützt hatten, wurden bewusst infrage gestellt und nach außen sichtbar gemacht.

Wir sahen Anfang der 70-er Jahre des 20. Jhdt. viele seit Generationen vertraute Dinge in evolutionär völlig neuen Kontexten und das schien uns plötzlich so klar, dass wir oft überrascht waren, welch empörte Reaktionen wir bei vielen Männern und Frauen hervorriefen. Interessierte Frauen trafen sich in kleinen Gruppen, Termine wurden mündlich und telefonisch weitergegeben. Wir lebten in den Anfangsjahren nach der Parole, alle Frauen sind Schwestern - allein durch ihr Frausein - und dies gab uns für einige Zeit eine enorme Schubkraft, mit der wir tatsächlich Veränderungen in einigen westlichen Gesellschaften bewirken konnten. Die Zeit war günstig, so ist der Übergang von der Moderne in die Postmoderne kräftig durch die Frauenbewegung mitgestaltet worden. Über Jahrtausende geprägte - teils aus einer evolutionären Perspektive für gewisse Zeiträume durchaus sinnhaft erscheinende - Diskriminierungen wurden zu öffentlichen Themen und mehr als 30 Jahre später können wir erleichtert feststellen: viele fast schon kosmische Gewohnheiten wurden verändert! Niemand kann mehr leugnen, dass  Frauen heute mehr Bildungs- und Berufsmöglichkeiten haben und dass es Veränderungen an den Arbeitsplätzen und bei der Bezahlung von Frauen, sowie bei der Vereinbarkeit und Familie und Beruf gibt.

Dennoch sind wahre Gleichheit und Partnerschaft in vielen Bereichen noch nicht realisiert. Berufstätige Frauen haben Kinder und verdienen eigenes Geld, dennoch sind sie es in den allermeisten Fällen, die das Essen zubereiten und danach spülen und die Wäsche waschen. Das weibliche Durchschnittseinkommen für gleiche Arbeit liegt nach wie vor ein Viertel unter dem der Männer und in den Spitzenpositionen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sind Frauen weiterhin recht selten.

weiterlesen...

Wilder Frieden

Wilder Frieden

- Max Peschek

In unserer Kultur sind Frauen und Männer in unterschiedlicher Zahl in Berufen und Lebensbereichen vertreten. Erklärt wird die unterschiedliche Verteilung in der Regel damit, daß ein Geschlecht (die Männer) das andere (die Frauen) unterdrückt, und zwar weltweit, kulturübergreifend und über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren. Das Opfer-Geschlecht ist naturgemäß gut, das Täter-Geschlecht böse. Auf eine einfache Formel gebracht: Frauen sind Schafe, Männer sind Wölfe. Diese Anschauung ist inzwischen so sehr verbreitet, daß eine andere Sicht geradezu blasphemisch wirkt. Dennoch: Wäre es denkbar, daß das Verhältnis und die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern von Frauen und Männern im Großen und Ganzen gemeinsam hervorgebracht wird (mit entsprechenden Vor- und Nachteilen für beide)? Und zwar als jeweils beste Lösung in einer bestimmten Umwelt mit einem bestimmten technisch-ökonomischen, kulturellen sowie individuellen Entwicklungsstand?

Für eine integrale Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen wurde von Wilber der Begriff ‚Integraler Feminismus’ vorgeschlagen; nachteilig an diesem Begriff ist, daß Männer sich nicht unbedingt angesprochen fühlen. Im internationalen Diskurs hat sich inzwischen der Gender-Begriff durchgesetzt; Gender bezeichnet dabei ursprünglich die kulturelle Prägung des Geschlechts im Gegensatz zur biologischen Prägung (‚sex’) – eine Unterscheidung, die der deutschsprachige Begriff ‚Geschlecht’ so nicht hergibt. Idealerweise wäre Gender die Fortsetzung des Feminismus mit dem Ziel, Gleichberechtigung und Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu erreichen, indem durch die Integration von Feminismus und Männerforschung auch Männer aktiv einbezogen werden. Der Gender-Ansatz ist jedoch stark mit dem postmodernen Wertesystem verbunden, so daß die integrale Perspektive auch einen neuen Begriff wie „Integral Genderdevelopment“ oder „Integral Genderliberation“ braucht. Ein guter deutschsprachiger Begriff wird noch gesucht; für diesen Aufsatz zitiere ich als Überschrift einen Buchtitel, der für mich das Ende des Geschlechterkampfes auf den Punkt bringt.

Essentialistische Traditionen und die Evolutionsbiologie betonen die Bedeutung der Gene, Hormone und Lebensbedingungen für die Entstehung männlicher und weiblicher Verhaltensweisen. Postmoderner Dekonstruktivismus hingegen betont, dass unterschiedliches Verhalten von Frauen und Männern in hohem Maße, wenn nicht sogar ausschließlich, von der Kultur geprägt sind. Wer hat recht?

Ein integraler Ansatz wird zeigen, dass beide Theorien recht haben – in ihrem eigenen Geltungsbereich. Beide Perspektiven, die biologische und die kulturelle, sind wahr – aber partiell. Und wir werden sehen, dass es eine bestimmte Logik gibt in der Entstehung von Perspektiven aus und auf Geschlechterrollen, sei es traditionell, modern, postmodern oder integral.

Dem integralen Modell folgend können wir Geschlecht aus den Hauptperspektiven oder Quadranten betrachten, die Entwicklung einer Geschlechtslinie durch alle Entwicklungsebenen, die Typen männlich/weiblich für alle Linien sowie die Bedeutung von Geschlecht für veränderte (spirituelle) Bewußtseinszustände; diese fünf Bestandteile werden im folgenden erörtert.

weiterlesen...

Ken Wilber: Sex, Gender, Trans-Gender

Ken Wilber: Sex, Gender, Trans-Gender

Ken und Treya Wilber

Einleitung der IN Redaktion

Neben den Quadranten, Ebenen, Linien und Zuständen sind die Typen eines der fünf grundlegenden Elemente des integralen Modells. Typologien wurden in Ansätzen wie dem Enneagramm und Myers-Briggs untersucht, die einfachste Typologie ist jedoch die von maskulin und feminin. Die Frage der Studentin bezieht sich jedoch nicht nur auf Typologien, sondern auch auf Entwicklung. Wie Ken erläutert, kann man die Geschlechtsidentität in der Tat als eine Entwicklungslinie betrachten. Auf einer egozentrischen Entwicklungsebene ist die geschlechtliche Identität eng an das eigene biologische Geschlecht gebunden, als Mann oder Frau in einem menschlichen Organismus. Auf der ethnozentrischen Entwicklungsebene werden diese biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen in geschlechtsspezifischen Rollen als etwas „Gottgegebenes“ festgelegt. Auf einer weltzentrischen Entwicklungsebene ist man schließlich zu einer kritischen Betrachtung dieser sozial konstruierten Geschlechterrollen der Kulturen in der Lage und kann sich eine eigene Geschlechtsidentität schaffen. Auf einer integralen und kosmozentrischen Entwicklungsebene geht man in gewisser Weise über die Geschlechtlichkeit hinaus [trans-gender,”], und der Identitätsschwerpunkt ist in allem, was erscheint, einschließlich des eigenen Körpers und Geistes, der davon ein kleiner Teil ist. Ken erläutert die quadrantische Natur geschlechtlicher Identität und die Bedeutung eines wahrhaft integralen Feminismus.

Frage: In unserem Kurs haben wir das Integrale genau untersucht und sind dabei überall auf Typologien gestoßen. Wir haben uns dabei dir Frage gestellt, wie wir uns als männliche und weibliche Individuen sehen. Viele haben dabei beschrieben, dass im Verlauf ihrer eigenen Entwicklung die Grenzen immer mehr ineinander übergehen und immer mehr dieser Geschlechtergewohnheiten transzendiert werden können. Ich habe dann die Frage gestellt, ob wir es hier mit einer diese 12 oder mehr Entwicklungslinien zu tun haben, was denken Sie darüber? 

KW: Je nachdem, wie man geschlechtsspezifische Entwicklung beschreibt, denke ich, dass es sich dabei um eine spezifische Entwicklungslinie handelt. Ich beziehe mich jetzt auf die Terminologie in Integrale Psychologie und blättere gerade zu den Tafeln am Ende des Buches, dort gibt es auch eine Darstellung zur Geschlechtsidentität [auf Tafel 7]. Die Entwicklung verläuft danach von niedrig zu hoch:

  • von morphogenetischen Gegebenheiten
  • zu undifferenziert
  • zu einer differenzierten Identität des Basisgeschlechts
  • zu einer Geschlechtskonventionalität
  • weiter zu den Normen des Geschlechts
  • zu einer transdifferenzierten Geschlechtsandrogynität 
  • hin zu einer tantrischen Vereinigung über das Geschlecht hinaus

Das ist nur ein sehr grober Anfang und Überblick für die Geschlechtsidentität als eine Entwicklungslinie, Kohlberg und Gilligan und andere haben darüber geschrieben.

weiterlesen...

Das Erscheinen des integral Femininen

Das Erscheinen des integral Femininen

Diane Hamilton

(aus: Integral Naked: Willow Pearson, Diane Musho Hamilton Sensei, and Sophia Diaz: The Apperance of the Integral Feminine)

Jetzt in diesem Augenblick, wo Du dies liest, versuche Dir Deine allererste Erinnerung ins Gedächtnis zu rufen. Erinnere Dich an die Farben, die Geräusche, die Gerüche und alles, was damit zusammenhängt. Noch wichtiger dabei: versuche Dich zu erinnern, wer Du in diesem Augenblick warst und was Du mit dem Wort „ich“ bezeichnet hast. 

Wende jetzt Deine Aufmerksamkeit auf das, was jetzt ist – nimm einen tiefen Atemzug und fühle den Raum um Dich herum, höre auf die Geräusche im Hintergrund, vielleicht Vogelgesang oder Regen, der gegen das Fenster prasselt, oder das Summen der Festplatte Deines Computers. 

Wenn Du den Ozean von Zeit überschaust, der Dich von Deinen frühesten Erinnerungen trennt, bemerkst Du vielleicht zwei Dinge: Alles in Deinem Leben hat sich geändert, und doch bleibt auch etwas auf ewig unverändert. Das Empfinden des Ich Bin im Herzen Deines Seins, dieses  unendlich unveränderliche Jetzt – das ist das heilige Männliche. Und absolut alles andere ist das heilige Weibliche – alles, was Du berühren, riechen, schmecken und denken kannst, jede flüchtige Form innerhalb der anstrengungslosen Weite des Ich Bin. 

Im Miteinander von beidem manifestiert sich der gesamte Kosmos, spielt, tanzt, kämpft und liebt - unmittelbar vor (und hinter) Deinen Augen ... 


Quelle: Online-Journal Nr. 8

Sexualität, Spiritualität, Schatten

Sexualität, Spiritualität, Schatten

Bericht über das DIA-Seminar mit Diane Hamilton und Marc Gafni im Juni 2010 in Frankfurt,

Von Max Peschek

Vorab: Es war ein sehr gelungenes Seminar! Zen-Lehrerin Diane Hamilton und Rabbi Marc Gafni sind zwei großartige integrale Lehrer mit intellektuellem Scharfsinn, ganz viel Herz und ebensoviel Humor, die aus ihren jeweiligen Traditionen schöpfen und sich wunderbar ergänzen. Es ist sehr zu wünschen, dass die DIA die beiden nächstes Jahr wieder nach Europa einlädt!

Ich habe mich bei dieser Zusammenfassung auf die Inhalte konzentriert – natürlich gab es auch jede Menge erfahrungs- und körperorientierte Übungen zu Sex, Spirit und Schatten; zu zweit, zu viert, in größeren Gruppen, Big Mind/Voice Dialogue-Selbsterforschung, 3-2-1-Schattenanalyse, Chants … Eine auf- und anregende Mischung, bei der persönliche Grenzen liebevoll und achtsam respektiert werden und die gleichzeitig genügend Herausforderung bietet, dem wahren und/oder einzigartigen Selbst wieder ein paar Schritte näher zu kommen. Und die „teachings“ waren, insbesondere bei Marc, außerordentlich „beseelt“; es war für alle deutlich spürbar, wie er sich in einen Zustand von „transmission“ versetzt, um von dort aus zu sprechen – und dabei wieder und wieder unsere Herzen berührte.

Spiritualität

I wish I could show you when you are lonely or in darkness the astonishing light of your own being.“ (Hafiz of Shiraz)

Die Evolution von Spiritualität zu einer Welt-Spiritualität bildet den Kontext der Arbeit von Diane und Marc. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir Zugang zu allen spirituellen Traditionen und Perspektiven, aus denen wir in oder jenseits von Traditionen eine neue Vision weben können. Diane schöpft dabei aus der Tradition des Zen, Marc aus der Mystik der Kabbalah. Das integrale Bewusstseinsfeld steuert dazu u.a. die Verwendung von Perspektiven und eine stabile weltzentrische Sicht bei sowie gleichermaßen sich zuhause zu fühlen in äußeren wie in inneren Wirklichkeiten.

„Lass Dein Ego hinter Dir!“ Wer kennt diese Aufforderung nicht? Marc und Diane stellen trocken fest, dass diese Forderung unerfüllbar ist – niemand entkommt jemals seinem „kleinen Selbst“. Worauf es ankommt, ist, sich über die ausschließliche Identifikation mit dem Ego hinaus zu entwickeln – vom kleinen Selbst zum „Wahren Selbst“ (True Self). Doch die Reise hört hier nicht auf: Der nächste Schritt ist das Hervorbringen des Authentischen oder „Einzigartigen Selbst“ (Unique Self), bei dem unsere Seele sich ihrer Berufung bewusst wird und der Welt ihr einzigartiges Geschenk macht. Diese Reise vom Ego zum Wahren Selbst zum Einzigartigen Selbst sollte für uns heutzutage nicht nur eine Möglichkeit sein, sondern vielmehr eine moralische Verpflichtung – Gott braucht die Einzigartigkeit eines jeden von uns. So wie der Schlag eines Schmetterlingsflügels die Welt verändern kann, so verändert unser Beitrag alles: Die gesamte weitere Evolution hängt davon ab.

Hilfreich ist dabei die Feststellung, Liebe nicht als Emotion zu begreifen, nicht als etwas, was uns zustößt oder überkommt, sondern sie vielmehr als eine bewusst gewählte Perspektive zu sehen, als Wahrnehmung der Essenz in anderen, des wahren Selbst, ihrer unendlichen und einzigartigen Schönheit.

 

weiterlesen ...

 

 

Integrale Emanzipation

Integrale Emanzipation

von Michael Habecker

Gender integral

Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipare: einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen.

Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung(;). Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen z. B. paternalistischen Strukturen, oder auch die Verringerung von z. B. seelischer, ökonomischer Abhängigkeit, etwa von den Eltern. Häufig steht der Begriff synonym für die Frauenemanzipation.

Aus: Wikipedia

 

Was mit der Befreiung aus der Sklaverei begann und dann später im Zuge der Frauenbewegung mit der Befreiung aus persönlicher und gesellschaftlicher Bevormundung und Ungerechtigkeit weitergeführt wurde, können wir heute vor dem Hintergrund der integralen Landkarte als ein Bewusstwerdungs-, Emanzipations und damit auch als ein Befreiungsprojekt aller Menschen betrachten. Alle Befreiungsbewegungen der Vergangenheit lassen sich so als Bemühungen verstehen, die weißen Flecken von Unbewusstheit und Ungerechtigkeit auf der Landkarte des Seins und Werdens mit Wissen und Weisheit auszufüllen.

Es gibt danach das große Befreiungsprojekt der Absolutheit unseres Seins – „Meide die Vielen und suche das Eine“ –, welches uns aus der Umklammerung und dem sich Verlieren in den Phänomenen des Relativen befreit. Hier haben die kontemplativen Traditionen Revolutionäres geleistet(,) und tun dies weiterhin.

Ebenso bedeutend ist die Befreiung innerhalb der Welt des Relativen und des Werdens – „Umarme die Vielen als das Eine“ – und hierbei sind die Wissenschaften, sowohl die des Geistes als auch die der Natur, unsere großen Wegweiser.

Orientiert man sich dabei an der integralen Landkarte, dann gibt es das nie endende Befreiungs und Emanzipationsvorhaben der Perspektiven, welches für alle Menschen eine Einladung bedeutet, in den Perspektiven unseres Werdens immer wacher und bewusster zu werden: innerlich und äußerlich, individuell und kollektiv.

 

weiterlesen ...

Mary Wollstonecraft - eine Wegbereiterin für die Gleichberechtigung

Mary Wollstonecraft - eine Wegbereiterin für die Gleichberechtigung

Mary Wollstonecraft (Quelle: www.wikipedia.de)

EVOLUTIONÄRES WEIBLICHES BEWUSSTSEINSFELD

von Barbara Schmid

 

Im Rahmen dieser im November 2007 gegründeten Fachgruppe im Integralen Forum möchten wir u.a. auch zu den historischen Wurzeln vordringen und fast vergessene Wegbereiterinnen der Frauenbewegung präsentieren.

Mary Wollstonecraft wurde am 27. April 1759 in London geboren. Ihr Buch „Eine Verteidigung der Rechte der Frauen“ bezeichnet Ken Wilber als eines der ersten und grundlegendsten Bücher der Frauenbewegung. Zu ihrer Zeit war sie eine international bekannte, bewunderte und umstrittene radikale Reformerin, engagiert vor allem für eine bessere Erziehung der Frauen, weniger bekannt hingegen als politische Autorin. Zugleich war sie auch eine Romantikerin und eine große Liebende. Ihre Leidenschaftlichkeit, aber auch lang unterdrückte Sinnlichkeit, hat sie nicht immer mit ihren theoretischen Forderungen in Einklang bringen können, was sie sehr menschlich macht.

Mary Wollstonecraft – integral

Bei aller Zurückhaltung, die es bei der AQAL Einschätzung von Persönlichkeiten zu bewahren gilt, kann Mary als eine Frau betrachtet werden, die hinsichtlich ihrer perspektivischen Sichtweise integral war. Sie hatte einen lebendigen Zugang zu ihrer Innerlichkeit (oberer linker Quadrant), konnte gut das Verhalten anderer beobachten und war gegenüber den Naturwissenschaften aufgeschlossen (oberer rechter Quadrant), sie hatte eine ebenso so klare wie einfühlsame Sichtweise auf die kulturellen Gegebenheiten ihrer Zeit (unterer linker Quadrant), was sie zu einer der ersten Kämpferinnen für Frauenrechte machte. Als politische und sozialkritische Autorin hatte sie einen ausgeprägten Sinn für systemische Zusammenhänge (unterer rechter Quadrant). Mit einem Bewusstseinsschwerpunkt bei Orange befand sich Mary zu ihrer Zeit an der Spitze der Entwicklung. Sie war eine leidenschaftliche Vertreterin einer weltzentrischen Perspektive, und kämpfte ihr Leben lang für Vernunft und aufgeklärte Rationalität. Mit ihren kognitiven Fähigkeiten überragte sie damit die meisten ihrer weiblichen und männlichen Mitmenschen. Im Bereich der Liebe war Mary dagegen sehr verletzlich, da ihre romantische Gefühlswelt mit der Lebensführung ihrer Partner in Konflikt geriet. Was Marys Zustandsweg betrifft, so lebte sie nicht nur sehr wach und bewusst im Bereich der grobstofflich manifesten Welt, sondern wir wissen auch aus ihren Briefen und Schriften von ihrem Zugang zur subtilen Dimension der Visionen, der Kreativität und der Inspiration. In diesem Sinn war Mary auch eine Mystikerin.

 

weiterlesen ...

WEIBLICH SEIN

WEIBLICH SEIN

Von Mag. Johanna E. Schwarz

 

Was ist WEIBLICH? Ist es nature oder nurture? Kommt man als Frau zur Welt, oder wird man zu ihr gemacht?

Meint Frau sein fürsorgend mütterlich, benachteiligt, zickig, dominant oder etwa Vamp-irisch? Wodurch wird unser Frauenbild bestimmt?

Unsere Gruppe von AQAL-informierten Frauen, die sich in Spielfeld an der südsteirischen Weinstraße im Sommer 2008 zusammenfand, um WEIBLICH SEIN zu diskutieren und zu erfahren, wollte sich den zahllosen Forschungsergebnissen zu diesem Thema aus der Soziologie, Biologie, Anthropologie, Theologie oder Psychologie nicht undifferenziert anschließen. Sie entarten leicht zu Klischees, wenn man sie willkürlich verallgemeinert und die unterschiedlichen Bewusstseinsstrukturen, Perspektiven und Zustände nicht benennt, auf welche sie sich beziehen.

Wir gingen davon aus, dass ‚Wahrheiten‘ kontextuell sind und sich aus folgenden Fragestellungen ergeben:

  • spezifischen Bewusstseinsstrukturen (archaisch, magisch, mythisch, rational, pluralistisch, integral, die ich jeweils in einem Feld charakterisieren werde). Beispielsweise können sich Frauen in einer magischen Trance als Schamaninnen erleben, während eine mythische Bewusstseinsstruktur von Frauen eine konventionelle Rollenerfüllung erwartet – als sich unterordnende Gattin und Mutter, die sich möglicherweise als Freiwild fühlt, wenn sie kein Kopftuch trägt – wohingegen eine pluralistische von ‚Selbstverwirklichung‘ träumt. 

  • aus einem von zumindest 4 Quadranten oder 8 Zonen/Perspektiven (subjektiv, intersubjektiv, objektiv) 

  • einem von vier Zuständen: grobstofflich (=Tagesbewusstsein), subtil (=Trance, Traum), kausal (=reines Gewahrsein), nondual (Leere = Fülle)2 


weiterlesen ...

Ein ganzer Mann - Entwicklungsschritte zum integralen Mann-Sein

Ein ganzer Mann - Entwicklungsschritte zum integralen Mann-Sein

Von Raymond Fismer

 

„Männer und andere Irrtümer“, „Männer sind primitiv aber glücklich“, „Warum Männer lügen und...“, solche Titel bevölkern in den letzten Jahren die Boulevard-Medien. Auch Männer-Witze sind in. Was ist los mit den Kerlen? Gibt es keine positiven Leitbilder von Männlichkeit mehr? Ich denke nein, jedenfalls keine, die gesellschaftlicher Konsens wären. Und noch viel weniger gibt es eine Perspektive, wohin sich Männlichkeit entwickeln sollte, um positiv zur Entfaltung der Gesellschaft beizutragen.

Besonders schmerzhaft bekommen das die jungen Männer zu spüren. Sie kämpfen mit widersprüchlichen Botschaften: Sei kommunikativ und zeige Gefühl (so wie die Mädchen), aber sei hart wie ein Mann. Die Ursache für diese Entwicklung ist nicht schwer auszumachen. Die Emanzipation der Frau (um es vorweg klar zu sagen: Ich halte sie für eine der wertvollsten gesellschaftlichen Wandlungen seit Epochen) und die postmoderne Kritik aller überkommenen Rollen haben die Männer ihrer sicheren Vormachtstellung beraubt.

Schwerer ist es, ein zeitgemäßes und zukunftsweisendes Bild vom Mann-Sein aufzuzeigen. Ein zeitgemäßes Bild, das nicht alten Vorstellungen nachhängt, sondern die moderne Entwicklung befriedigend berücksichtigt. Und ein zukunftsweisendes Bild, das als Grundlage für Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung und Gesellschaftspolitik taugt. Ich denke, hierzu kann der integrale Ansatz Einiges beitragen.

Der öffentliche Diskurs zum Thema beißt sich immer noch gerne fest in den beiden Polaritäten Biologismus oder Soziologismus. Sehr populär sind die biologischen Erklärungen, die die Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf das genetische Programm reduzieren. Der Mann ist zum Jäger geboren, und zur Verteilung seiner Gene auf Sex programmiert. Meist folgt aus diesen Modellen irgendwie, dass Männer in der modernen Zeit fehlangepasst sind.

 

weiterlesen ...