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26.6.2017 : 10:51 : +0200

Die Zukunft von Bewusstsein, Kultur und Technologie

Ken Wilber


Quelle: IntegralLife.com integrallife.com/video/future-consciousness-culture-and-technology. Ken Wilber: The Future of Consciousness, Culture, and Technology


[Die Zwischenüberschriften wurden dem Text nachträglich hinzugefügt]


Einführung der IntegralLife Redaktion


Welche Zukunft stellen wir uns für uns selbst vor, für die integrale Bewegung und für den Einfluss, den eine integrale Vision auf unsere gemeinsame Zukunft nehmen kann? Bei aller Betonung, die wir in spirituellen Gemeinschaften erleben, sich auf das JETZT zu konzentrieren, wird leicht vergessen, wie wichtig es ist, sich auch Gedanken über die Zukunft zu machen. In dieser Videokeynote zu der 2012/2013 stattgefundenen What Next-Konferenz teilt Ken mit uns seine eigenen Gedanken zur Zukunft – sowohl, wohin wir gehen als auch, wie wir dahin gelangen können.


Ken Wilber Keynote


Teil 1: Warum sollten wir an die Zukunft denken und darüber sprechen?

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und JETZT


KW: Eines der ersten Dinge, die es bei dieser Frage zu klären gilt, ist: Es gibt Bücher mit Titeln wie Be here now und JETZT und dabei kann der Eindruck entstehen, dass, wenn man an die Zukunft denkt, man zugleich das Jetzt vermeidet. Man soll sich ganz auf das Jetzt konzentrieren und nicht auf die Zukunft. Doch das ist eine sehr enge Sichtweise gegenüber dem Jetzt-Augenblick. Die christlichen Mystiker haben einen sehr viel besseren Weg gefunden. Sie unterschieden zwei unterschiedliche Jetzt-Augenblicke. Diese bezeichneten sie mit nunc stans und nunc fluens. Nunc fluens ist die fließende Gegenwart. Es ist die unmittelbare Gegenwart in der Konzentration auf vielleicht 2 oder 3 Sekunden. Man versucht dabei, nicht an die Vergangenheit oder Zukunft zu denken. Die Lücke zwischen beiden, diese 2 oder 3 Sekunden, das ist nunc fluens. Viele glauben, dass dies dasjenige ist, auf das sie sich konzentrieren sollten. Doch die christlichen Mystiker weisen darauf hin, dass die wirkliche zeitlose Gegenwart Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfasst. Jeder Gedanke, den man über die Vergangenheit hat, ist ein gegenwärtiger Gedanke. Und als sich die Vergangenheit ereignete, ereignete sie sich in der Gegenwart. Jeder Gedanke, den man über die Zukunft hat, ist ein gegenwärtiger Gedanke Er ereignet sich jetzt, in diesem Augenblick. Und wenn die Zukunft eintritt, ereignet sie sich in einem gegenwärtigen Augenblick. Für die christlichen Mystiker war es keine Schwierigkeit, mit dem wirklichen gegenwärtigen Augenblick in Kontakt zu sein, sondern es war eine Unmöglichkeit, dies zu vermeiden. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Zeitlosigkeit alle Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfasst, dann kann man natürlich eine Jetzt-Gegenwärtigkeit praktizieren, wenn man dabei an die Vergangenheit denkt und auch, wenn man an die Zukunft denkt.


Zukunftsbeiträge des Integralen


Das ist wichtig, weil der integrale Ansatz eine Menge zu Studien über die Zukunft beitragen kann. Er hat so viele Lösungsvorschläge für die Menschheitsprobleme zu bieten, dass es geradezu kriminell wäre, nicht an die Zukunft zu denken, auch mit Gedanken an integrale Techniken und Ansätze. Darüber hinaus ist integrales Denken global und so präzise wie möglich und dies gibt uns die Möglichkeit, integrale Ansätze und Möglichkeiten auf die Probleme der Zukunft konkret anzuwenden. Die Welt ist in einem fürchterlichen Zustand und eine Erklärung, wie es dazu kam, ist die von fragmentiertem, partiellem und einseitigem Denken - statt auf ein Gesamtbild zu schauen und darauf, wie all die verschiedenen Faktoren ihren Anteil an den zukünftigen Problemen haben werden. Jede Hauptentwicklung, sowohl positiv als auch negativ, kann nur mit einem integralen Ansatz wirklich verstanden werden. Das möchte ich kurz an einem Beispiel erläutern.


Beispiel globale Erwärmung


Ein Problem, das Viele beschäftigt, ist die globale Erwärmung. Die meisten Lösungsansätze für dieses Problem konzentrieren sich auf die rechtsseitigen Quadranten. Es sind systemische Lösungsansätze, materialistische Ansätze, wissenschaftlicher Materialismus, Empirismus, Positivismus, doch den linksseitigen Quadranten wird dabei nur wenig Aufmerksamkeit

geschenkt. Um aber wirkliche Veränderungen bei der globalen Erwärmung zu erreichen, brauchen wir die inneren Quadranten. Betrachten wir zwei Gruppen, die sehr viel Arbeit zu diesem Thema geleistet haben. Eine ist die Gruppe mit einer pluralistischen, postmodernen, kulturell kreativen, multikulturellen grünen Wertestruktur. Ihre Vorstellung von der Biossphäre oder Gaia wird oft als ein Gewebe des Lebens bezeichnet. Damit ist gemeint, dass alle biologischen Spezies Stränge sind in diesem Lebensnetz. Das gilt auch für Menschen. Menschen haben dabei nicht mehr Bedeutung als jede andere biologische Spezies. Die Theoretiker eines Gewebes des Lebens verabscheuen die bernstein/traditionellen religiösen Ansätze, die man oft als ein Verwaltungsmodell bezeichnet. In solchen Modellen heißt es: dies ist mein Land, Gott hat mir dieses Land gegeben und es ist meine Aufgabe, mich darum zu kümmern. Grün verabscheut dieses Denken, weil der Mensch darin anthropozentrisch auftritt und ihm alle Tiere untergeordnet sind. Auf der linksseitigen, innerlichen Seite gibt es hier einen grundlegenden Konflikt zwischen diesen beiden Weltsichten. Schaut man jedoch nur auf die rechtsseitigen Quadranten und das Verhalten, dann stellt man fest, dass beide Seiten viel getan haben, um Geldmittel bereitzustellen, um das Problem der globalen Erwärmung zu lösen. Wenn Grün jetzt überhaupt nichts zu tun haben möchte mit diesen traditionellen Ansätzen, weil sie damit nicht politisch übereinstimmen, dann ist das eine Katastrophe. Machen wir uns klar, worum es hier geht. Hier geht es nicht darum, dass nur eine, zwei oder drei Nationen ihre Gewohnheiten ändern. Was wir wollen, ist eine Verhaltensänderung eines jeden Menschen auf der Welt. Und das betrifft Menschen auf der roten, bernstein, orangen, grünen, petrol, türkis, indigo Entwicklungsstufe – und sie alle haben verschiedene Weltsichten. Sie alle ändern ihr Verhalten zur Reduktion der globalen Erwärmung in den rechtsseitigen Quadranten aus unterschiedlichen Gründen. Doch nur eine integrale Sicht kann die Teilwahrheiten in allen diesen Weltsichten wertschätzen. Jede der Weltsichten steht im Konflikt mit jeder der anderen Weltsichten. Wenn wir nicht erreichen, dass die Weltsichten auch Aktivitäten, die aus anderen Weltsichten heraus entstehen, unterstützen, dann werden Millionen, ja sogar Milliarden von Menschen, die einen Beitrag zur Verhinderung oder Verminderung globaler Erwärmung leisten könnten, aufgrund einer anderen Weltsicht einfach ausgeschlossen. Eine integrale Sichtweise hat überhaupt kein Problem damit, alle diese Weltsichten zu würdigen. Ein integraler Ansatz wird sagen, ja, das Gewebe des Lebens ist wichtig, doch es ist völlig in Ordnung für Menschen auf einer bernstein Entwicklungsstufe, eine eigene Version ökologischer Fürsorge zu entwickeln. Natürlich wird diese Version nicht so anspruchsvoll wie eine grüne Version sein, doch auch sie hat einen Teil von Wahrheit in sich. Dies ganz zurückzuweisen, weil es nicht mit den grünen Werten übereinstimmt, verstärkt noch das Problem. Die einzige Chance, mit globaler Erwärmung umzugehen, besteht darin, dieses Problem in den unterschiedlichen Sprachen der 6 oder 7 menschlichen Hauptwertestrukturen zu formulieren. Wenn wir darauf warten, dass alle Menschen eine grüne Wertestruktur haben und wenn wir davon ausgehen, dass ein Erwachsener im Durchschnitt – nach Robert Kegan – fünf Jahre braucht, um sich von einer Stufe zur nächsten zu entwickeln, vorausgesetzt er bemüht sich darum, dann müssen wir 35 Jahre warten, bis Rot mit Grün übereinstimmt. So geht es nicht. Wir brauchen eine Gesamtsicht, die sagt, jede dieser Ebenen ist komplexer als ihre Vorgängerstufe, doch gleichzeitig hat jede Stufe ihr eigenes Modell von Umweltaktivitäten und möchte in vielen Fällen helfen und das Verhalten ändern. Einfach nur zu sagen, „ihr habt das falsche Denken …“ ist eine Katastrophe. Ganz abgesehen davon ist Grün selbst ja noch eine Weltsicht im ersten Bewusstseinsrang. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie integrales Denken einen konkreten Einfluss auf die Zukunft nehmen kann.


Beispiel Singularität


Nehmen wir nun etwas Positives, was wir uns für die Zukunft vorstellen und nehmen Ray Kurzweils Singularität als ein Beispiel. Singularität in der Physik ist ein unscharf definierter Begriff, der sich darauf bezieht, dass ein sehr dramatisches Ereignis passiert, das praktisch alles verändert bis hin zu physikalischen Gesetzen. Als Ray Kurzweil damit begann, die Zunahme an technologischen Fähigkeiten zu messen, nicht nur bei Computerchips und nicht nur bei Speicherfähigkeiten und Nanotechnogie und Robotik und Genomik – stellte er einen dramatischen Kurvenverlauf fest, der nicht linear, sondern exponentiell verläuft. Und alle diese Kurven streben zu einem Zeitpunkt in etwa 30 Jahren von heute gegen Unendlich. Was das wirklich bedeutet, wissen wir nicht. Doch was wir sagen können, ist, dass die Dynamik technologischen Fortschritts überwältigend ist. Kurzweil schlussfolgert daraus, dass die Probleme, die wir jetzt noch nicht lösen können, von unseren Maschinen gelöst werden können, wenn sich in etwa dreißig Jahren die Singularität ereignet. Und auf diesem Weg gibt es Meilensteine, wie etwa den auf halbem Weg, wo die Menge an Informationen in Computern die Gesamtsumme an Informationen in menschlichen Gehirnen überschreitet. Das ist ein Meilenstein auf diesem Weg. Die Singularität ist für Kurzweil also der Punkt, an dem Maschinen die Probleme für uns lösen, die wir selbst nicht lösen können. Wenn man die drei oder vier Schulen des Futurismus unterscheidet, dann gehört Kurzweil eindeutig zu der optimistischen Schule. Liest man sein Buch Menschheit 2.0: Die Singularität naht und sucht hinten im Index unter „Terrorismus“, dann findet man dort jedoch nichts. Auf der anderen Seite gibt es Denkfabriken, welche die Möglichkeit eines nuklearen Ereignisses, ausgelöst durch Terroristen innerhalb der nächsten zehn Jahre, abschätzen. Die vorsichtigste Schätzung dazu, die ich gefunden habe, liegt bei 90%, dass sich so etwas ereignet. Eine Kofferbombe kann z. B. über die kanadische Grenze in die USA gebracht und dann irgendwo gezündet werden. Dies kann zur Unbewohnbarkeit von ganzen Bundesstaaten für Millionen von Jahren führen. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wird zusammenbrechen und in deren Folge die der gesamten Welt. Sprechen darüber diejenigen, die an die Singularität glauben? Nein, sie sind technologische Optimisten der rechtsseitigen Quadranten, doch über die linksseitigen Quadranten sagen sie so gut wie nichts. Deswegen wird ein integrales Verständnis dringend gebraucht. Es gibt nicht nur die rechtsseitigen Quadranten, es gibt auch die linksseitigen Quadranten mit einem Spektrum von Werten, Bedürfnissen, Motivationen, Weltsichten – und das treibt die Menschheit genauso an wie die technologischen Durchbrüche. Wenn wir nicht beides berücksichtigen, erhalten wir eine völlig verzerrte Sicht auf die Zukunft. Es gibt keine Schule, die sowohl die rechtsseitigen wie auch die linksseitigen Quadranten berücksichtigt, von der Erwachsenenentwicklung mit Ebenen und Linien und den Bewusstseinszuständen einmal ganz abgesehen – und deshalb ist das, was der integrale Ansatz für die Menschheit beitragen kann, so wichtig.


Was das Integrale leisten kann


Hier ein paar der Dinge, die ein integraler Ansatz für die Zukunft leisten kann:


  • Stufen der Erwachsenenentwicklung werden erkannt. Alle unsere Kulturkriege beruhen auf lediglich drei Stufen menschlicher Entwicklung, und zwar a) traditionell-fundamentalistischer Religion, b) modernen wissenschaftlich-rationalen Weltsichten und c) postmodernen multikulturellen pluralistischen Ansichten. Alle drei gehören zum ersten Bewusstseinsrang und alle drei halten sich alleine für die einzig richtige Weltsicht. Natürlich haben sie alle einen wichtigen Beitrag zur Wirklichkeit beizutragen, doch weil sie dem jeweils Anderen jegliche Wirklichkeit absprechen, können sie nicht zusammengebracht werden und die Kulturkriege können nicht beendet werden.


  • Höhere Entwicklungszustände werden anerkannt. Dies führt uns zu den höheren Potenzialen des Menschseins, die sich im Verlauf einer meditativen Entwicklung erschließen. Zustände des Bewusstseins beschreiben, wie wir erwachen und Strukturen des Bewusstseins (Entwicklungsstufen) beschreiben, wie wir aufwachsen. Beides ist unglaublich wichtig und es gibt bisher keine einzige Kultur in der Menschheitsgeschichte, die beides berücksichtigt. Wir sind uns heute erstmals bewusst, dass es Zustände und Strukturen des Bewusstseins gibt. Beides sind Entwicklungsabfolgen und beide müssen praktiziert werden. Dies verändert auch unser Verständnis von Religion.


Zwei Arten von Religion


Es gibt zwei ganz unterschiedliche Arten von Religion (und man kann noch mehr unterscheiden). Eine ist erzählend, meist mythisch. Und die Erzählung erzählt die Geschichte der Welt, ihren Anfang mit den ersten Gründungsvätern und Propheten und das Auftreten einer zentralen Figur wie Mohammed oder Jesus, welche die letztendliche Wahrheit in dieser Erzählung repräsentiert. Und wenn man diese Erzählung glaubt, wenn man glaubt, dass die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde und dass Moses das Meer geteilt hat und dass Gott Frösche hat regnen lassen in Ägypten und wenn man glaubt, dass Jesus der einzige Weg ist, um Erlösung zu erlangen, dann gelangt man in den Himmel.

Die andere Art einer spirituellen Wirklichkeit ist eine spirituelle Praxis als eine konkrete Psychotechnologie von Bewusstseinsveränderung. Hier geht es darum, das eigene Bewusstsein zu verändern, ausgerichtet auf die Tiefen des Seins. Und das geschieht überwiegend durch Meditation. Das Ergebnis dieser Praxis wird mit Erleuchtung oder Erwachen oder Metanoia oder Transformation bezeichnet. Dies ist das Erwachen zu einer völlig neuen Wirklichkeit, einer letztendlichen Wirklichkeit und die Entdeckung des eigenen wahren Selbst, des wirklichen Selbst, das zeitlos und ewig, raumlos und unendlich ist. Die meisten von uns leben in einer missverstandenen Identität. Wir identifizieren uns mit dem kleinen egoischen Selbst und nicht mit dem transpersonalen und transzendenten spirituellen Selbst, welches eins ist in allen empfindenden Wesen.

Diese zwei Arten von Religion zu unterscheiden wäre ein grundlegender Durchbruch für die Zukunft und das ist etwas, was das Integrale leisten kann. Dies führt zu Praktiken wie einer integralen Lebenspraxis oder einer integral-transformativen Praxis, wo Menschen zu diesen höheren Zuständen erwachen können, zu ihrem höheren Selbst, zur Erleuchtung. Und das wird ein Teil dieser zweiten Art von Spiritualität sein. Dadurch werden die Inspirationen zunehmen sowie auch durch größere Gesamtbilder. Eines von dem, was die Zukunft bringen wird, speziell unter dem integralen Einfluss, ist ein Sich öffnen für große Gesamtbilder und ein Komplexitätsdenken. Dies war in der Postmoderne verpönt, obwohl die Postmodernisten ein sehr großes Bild davon haben, warum große Bilder nicht erlaubt sind. [Lachen] Die Postmoderne als eine philosophische Bewegung, ist also an ihr Ende gelangt. Und die Frage taucht auf, was kommt als nächstes? Jeffrey Alexander unterscheidet drei große soziologische Strömungen des zurückliegenden Jahrhunderts in diesem Land wie folgt:


  • Erstens: frühe große Gesamtbilder (wie den Marxismus oder andere große historische Betrachtungen).

  • Zweitens: Mikrosoziologie als die Vorstellung, dass es keine großen Gesamtdarstellungen gibt und auch keine herausragenden Menschen, sondern dass es gewöhnliche Menschen gibt, die von Tag zu Tag tun, was sie tun. Viele postmoderne Texte beschreiben solche alltäglichen Leben. Es ist natürlich wunderbar, dies zu studieren, doch dabei sollten die großen Geschichtsbewegungen nicht außer Acht gelassen werden.

  • Jeffrey Alexander bezeichnet die darauf folgende dritte soziologische Stufe, die gerade begonnen hat, als „Zeitalter der Synthese“, und mit ihr kehren die großen Gesamtdarstellungen zurück. Das ist das, was integrale Theorie tut wie auch andere große heutige Philosophen wie Jürgen Habermas. Davon werden wir in Zukunft mehr sehen.


Wir werden auch eine Hinwendung zu wachstumsbetonten Beziehungen erleben. Dies bedeutet das Eingehen einer Beziehung mit der Vorstellung und dem Versprechen eines gegenseitigen Wachstums. Das beginnt bereits.

Unsere Möglichkeiten der Forschung werden auch zunehmen. Die meisten heutigen Wirklichkeitsmodelle verwenden meist nur eine spezielle Technik, um Forschung zu betreiben. Im oberen rechten Quadraten wird Empirismus oder Positivismus oder Verhaltenstherapie angewendet. Im unteren rechten Quadranten gibt es Systemtheorie oder Chaostheorie oder Komplexitätstheorie. Im unteren linken Quadranten finden wir Hermeneutik, kulturelle Anthropologie oder Ethnomethodologie. Im oberen linken Quadranten finden wir Phänomenologie, Introspektion, Meditation, Strukturalismus oder Neostrukturalismus. Doch worum es geht, ist, dass sie alle wichtig sind. Anstatt sich nur für eine Forschungsmethode zu entscheiden und nur diese zu verwenden, verwenden wir sie alle. Jede davon erschließt uns einen anderen Wirklichkeitsbereich. Mit acht1 unterschiedlichen Formen von Forschung erhält man acht unterschiedliche Wirklichkeitsbereiche. Und sie alle sind real. Anstatt nur einen Quadranten oder eine Zone oder eine Methode auszuwählen und für den einzigen Wirklichkeitsaspekt zu halten – das ist ein fürchterlicher Reduktionismus – sind wir offen für alle diese Forschungsmöglichkeiten und haben damit die Möglichkeit, mehr von den Dimensionen zu erfassen, aus denen wir und der Kosmos bestehen. Dies gibt uns ein sehr viel umfassenderes Wirklichkeitsverständnis.


Teil 2 Was wir als „Integralisten“ tun können


Ich möchte über Zukunft und Futurismus allgemein sprechen, das aber insbesondere auch auf uns beziehen.


Futurismus: Wissenschaft und Romantik


Futurismus ist eine menschliche Disziplin mit unterschiedlichen Forschungsmethoden mit dem Ziel, herauszufinden, wie die Zukunft sein wird. Es begann etwa zur Zeit der Aufklärung mit zwei Hauptschulen des Futurismus. Die eine versprach einen ungebrochenen Fortschritt. Man kam aus dem Mittelalter heraus, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung an Seuchen starb und hatte nun die modernen Wissenschaften – Physik, Chemie, Biologie und damit eine außerordentliche Explosion von Daten, Informationen und Wissen, sodass die Idee von Fortschritt überall gegenwärtig war. Dabei blieben die möglichen Schattenseiten einer extremen Verwissenschaftlichung, wie die Vernachlässigung von Bereichen wie Kunst, Moral, Ästhetik unberücksichtigt, und man konzentrierte sich ausschließlich auf Wissenschaft als Mittel der Forschung. Die erste große Attacke auf den wissenschaftlichen Materialismus war die Bewegung der Romantik. Nichts von dem, was die Romantiker schätzten, fand sich im Empirismus – Gefühle, kulturelles Wissen, Literatur und vieles andere, was mit Menschlichkeit in Verbindung gebracht wird. Ein Kritiker bezeichnete diese Art von Wissenschaftlern als Lügner oder leblose Wesen ohne Vitalität und Lebenskraft. Und so entstand eine Gegenbewegung als ein Futurismus, der zu dem Ergebnis kam, dass sich die Dinge abwärts bewegen. Es begann in einer Art von Paradies und die Dinge wurden immer schlimmer. Die Wissenschaft entzauberte die Welt nun völlig. Alle subjektiven, intersubjektiven, kulturellen und humanistischen Eigenschaften verschwanden mit dem wissenschaftlichen Blick auf äußerlich-objektive Phänomene. Man war hier zu weit gegangen, vom Schritt „die Wissenschaften sind ein wichtiges Entdeckungsmittel“ zu „dies ist das einzige Mittel, um etwas zu entdecken. Alles andere ist nicht wichtig“. Das eigentliche Problem besteht darin, dass die Wahrheit eine Mischung aus beidem ist.


Transformationalismus


In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, der grün-pluralistischen Entwicklungsstufe, entstand eine Zukunftsrichtung, die mit Transformationalismus bezeichnet werden kann. Dieser Transformationalismus hatte etwas Merkwürdiges. Er betrachtete all das Negative, was sich auf der Welt ereignete und sah dies als eine Vorstufe für etwas Gutes. All das Negative würde zu einem kulturellen Zusammenbruch führen, aus dem dann eine liebende, fürsorgende, intelligente und hoch entwickelte neue Kultur erscheint. Doch historisch führt ein kultureller Zusammenbruch zu einem Zusammenbruch, und das war kein Anlass zur Freude. Wir erinnern uns noch an das Y2K Phänomen zur Jahrtausendwende. Jeder Computer stand davor, zusammenzubrechen, und mit ihm alle unsere Versorgungssysteme, doch wir würden uns alle neu finden und lieben, und dies würde zu einem Wiedererstehen einer neuen liebenden Kultur führen. Doch wenn unsere Kultur überlebt, dann überleben nur die Straßengangs und diejenigen, die sich in Montana in ihren Bunkern für fünf Jahre mit Lebensmitteln eingedeckt haben. Ich glaube, es gibt hier im Raum nicht viele, die derart vorgesorgt haben. [Lachen] Unsere Gruppe hier hätte also keine Überlebenschancen. [Lachen]


Biologie versus Ökonomie


Diese Entwicklung hat dann wiederum zur Bildung von zwei Gruppen geführt, in Verbindung mit bestimmten Erkenntnisrichtungen. Die eine Gruppe und Disziplin war die der biologischen Wissenschaften und die andere die der ökonomischen Wissenschaften. Die ökonomischen Wissenschaften sahen die Zukunft sehr positiv. Der freie Markt würde alle Probleme lösen. Die Biologen hingegen, zusammen mit den Ökologen und den Umweltaktivisten, sahen das völlig anders. Sie arbeiteten mit Modellen wie Ökosystemen. Und wenn Ökosysteme zusammenbrechen, dann brechen sie für Tausende von Jahren zusammen. Ein zusammengebrochenes biologisches System zu regenerieren, ist sehr schwierig. Für diese Forscher brachte die Zukunft schlechte Nachrichten, wie Zusammenbrüche und Bevölkerungsexplosion. Paul Ehrlichs Buch [The population bomb, 1969] ist ein Beispiel, ein schockierendes Buch, welches übrigens die Voraussage macht, dass wir alle um das Jahr 2000 tot sein würden und dass es nichts gibt, was das verhindern könnte. Alles wissenschaftliche Tatsachen, nichts zu machen, wir sind erledigt. Doch das ist nicht eingetreten.


Die Wette


1980 schlossen Julian L. Simon und Paul Ehrlich eine Wette ab. Diese Wette nahm die zehn knappsten Mineralien zu dieser Zeit, die in Computern und anderen wichtigen Dingen zum Einsatz kamen und es wurde gewettet, ob der Preis dieser knappen Ressourcen im Verlauf der nächsten zehn Jahre steigen würde (wegen der Erschließung neuer Lagerstätten) oder fallen (aufgrund einer weiteren Verknappung). Was geschah, war, dass der Preis für alle zehn nach unten ging2. Die Ökonomen sagen in Richtung der Biologen und Ökologen immer dasselbe: „Ihr überseht die menschliche Kreativität und Innovationskraft, ihr überseht die Fähigkeit des menschlichen Geistes, Probleme zu lösen. Ihr denkt, dass, wenn ein Wurm das nicht lösen kann, dann geht es den Bach runter [Lachen].“ Natürlich liegen die Dinge komplexer und es stellt sich als eine wilde Mischung aus beidem heraus. Doch das Merkwürdige ist das Erscheinen dieser anderen beiden Lager im Futurismus. Das eine sind die Techno-Optimisten, die wirklich nichts anderes sehen als atemberaubende gute Neuigkeiten. Und dann gibt es die andere Gruppe, die derzeit, und eigenartigerweise, von den Ökonomen repräsentiert wird. Sie sehen die Dinge auf der Kippe und abwärts gehen. Das ist die jetzige Situation des Futurismus. Und inmitten von all dem hat ein Australier, Richard Slaughter, die ersten wirklich integralen Studien zur Zukunft vorgelegt. Er hat die AQAL Landkarte verwendet, um all die unterschiedlichen Variablen zu berücksichtigen. Das Journal for Future Studies hat dem Thema Integrale Studien zur Zukunft eine ganze Ausgabe gewidmet. Ich denke, dass derartige Ansätze in der Lage sind, uns einen realistischen Blick in die Zukunft zu ermöglichen.


Szenarien


Ich habe ein paar der Dinge aufgeschrieben, von denen behauptet wird, dass sie in der Zukunft entdeckt werden oder sich ereignen und habe diese den Quadranten zugeordnet, um so zu einer Art Konsens darüber zu gelangen, wie das Morgen aussehen könnte. Zu meiner Überraschung wurde das Bild von den Techno-Optimisten bestimmt, also Menschen, die glauben, dass etwas wie eine Singularität alle unsere Probleme lösen wird, einschließlich des Problems unserer Sterblichkeit – wenn wir uns erst einmal in Computer reingeladen haben. Alles was ich dazu sagen kann, ist, pass gut auf, dass dieser Computer nirgendwo herunterfällt. [Lachen].


Nanotechnologie und Nanomedizin machen große Fortschritte. Das könnte wirklich zu einem Ende aller degenerativen menschlichen Erkrankungen führen, einschließlich Krebs, Schlaganfall, multiple Sklerose, Herzerkrankungen. Sogar Dinge wie Nanoroboter, die im Blut umherschwimmen, sind vorstellbar, die Gefäßablagerungen an den Innenwänden der Gefäße abschaben. Die Robotik ist im Vormarsch, von Haushaltshilfen bis zu Fließbandarbeitern. Auch die Entwicklungen der Gentherapie sind nicht zu unterschätzen und es gibt gespenstische Science Fiction Szenarien, die mit Genkontrolle zu tun haben. Doch dies wird jedenfalls einen großen Einfluss haben auf viele Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes. Dann die Embryoselektion nach Körpergröße, Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe, IQ, das wird es bald geben. Anti-Aging wird zunehmen, in 100 Jahren kann die Lebenserwartung bei 120 oder 150 Jahren liegen, was einen gewaltigen Druck auf die Umwelt und auf die Wirtschaft ausüben wird. Es wird Computer-Gehirn- Verbindungen geben, ein Zeitalter von Cyborgs, mit der pessimistischen Vision, dass Menschen und Maschinen gegeneinander Krieg führen – der Film Die Matrix ist ein Beispiel dafür.


Im unteren rechten Quadranten werden wir Fahrzeuge sehen, die eigenständig fahren, diese Autos fahren uns dahin, wo wir hinwollen. Dann das erstaunliche dreidimensionale Drucken, was total verrückt erscheint. Wenn ich einen dreidimensionalen Drucker hier hätte, dann könnte ich diese Tasse [deutet auf die Tasse vor ihm] nehmen, sie in den Drucker stellen und der Drucker würde eine Kopie davon machen. Solche persönlichen Produktionsmöglichkeiten sind ein Teil von dem, was man als Den Mangel überwindende [post-scarcity] Wirtschaftsweisen sieht. Wetterbeeinflussungsmöglichkeiten gehören auch dazu, auch wenn gesagt wird, dass dies so komplex ist, dass man das nicht tun kann und soll. Die Singularität behauptet, dass Maschinen das tun werden. Wenn so etwas möglich ist, dann könnte damit eine globale Erwärmung aufgehalten werden. Wir hoffen natürlich, dass menschliche Verhaltensänderungen dazu führen dass der CO2 Ausstoß sinkt und andere Klimafaktoren auch günstig beeinflusst werden, aber das ist schwierig und ganz lässt sich die Entwicklung schon nicht mehr zurückdrehen. Einige Szenarien machen katastrophale Vorhersagen der Art, dass wir New York, Los Angeles, New Orleans, Miami, London und einen Großteil der Niederlande aufgeben müssen. Was Raummissionen angeht, sprechen wir von einer Mondlandung, einer Marsmission und Rohstoffgewinnung aus Asteroiden. Eine mangelüberwindende Ökonomie ist noch in weiter Ferne, doch eine Reihe von Futuristen sieht dies am Horizont. Dahinter steht der Gedanke, dass die Versorgung jedes Menschen auf dem Planeten mit allen Grundbedürfnissen und den meisten Luxusbedürfnissen möglich wird. Dies geschieht durch erweiterte technische Produktionsmöglichkeiten wie dreidimensionales Drucken. Das bedeutet eine Veränderung der Ökonomie und es wird von einer Reputationsökonomie gesprochen. Das heißt, dass der Wert, den man in einer Gesellschaft hat, auf der eigenen Reputation beruht und nicht auf dem Wohlstand, den man hat. Wohlstandsunterschiede werden sich verwischen, jeder hat das Gleiche. Doch Reputation ist etwas, das man einem anderen nicht einfach geben kann, so wie man auch Bildung nicht einfach geben kann oder Erleuchtung. Dies betrifft die linksseitigen Quadranten und diese können nicht gekauft werden wie rechtsseitige Dinge. Hat eine Gesellschaft, die den Mangel überwunden hat, erst einmal alle die Dinge gekauft, die man haben möchte, was bleibt dann noch übrig? Die Innerlichkeit, die linksseitigen Quadranten. Diese werden dann zur Grundlage einer Reputationsökonomie. Wie das einmal werden wird, bleibt natürlich offen.

Im unteren linken Quadranten werden wir, wenn wir über Bewusstseinsstrukturen sprechen, eine second tier Orientierung haben und im Hinblick auf Zustände sprechen wir über kausale und nonduale Zustände. Dies wird unsere Sichtweise auf Spiritualität auf eine dramatische Weise verändern. Die oberen Ebenen von Spiritualität werden nichts mehr zu tun haben mit den unteren Ebenen. Auf den unteren Ebenen finden sich Menschen mit einer narzisstischen Orientierung, Rot, die sich für die Auserwählten halten, Geschichten, wie wir sie in allen Religionen der Welt finden. Doch mit der Entwicklung zur Rationalität und einer Weltzentrik bewegt man sich in transpersonale Bereiche, dem third tier. Das führt zu einer völlig anderen Art von Spiritualität. Dies ist der Vorgang eines Aufwachens als dem Erkennen des Seinsgrundes jeglicher Wirklichkeit. Hier entdecken wir, wer und was wir wirklich sind. Was das Ganze so erstaunlich macht, ist, dass Kulturen dieses Thema aufgreifen und verfolgen werden. Dies wird in Zukunft auch eine kulturelle Option sein, die Menschen haben werden. Zur Zeit sind die Möglichkeiten, eine Disziplin zu finden, wo man aufwacht, sehr gering. Was geboten wird, sind Möglichkeiten, aufzuwachen. Wenn das passiert, dann könnten sich Gesellschaften in eine Richtung bewegen, bei der man von erleuchteten Gesellschaften sprechen könnte. Die Chancen für so etwas stehen bestenfalls bei 50:50, doch es gibt ernstzunehmende Denker, die das für möglich halten.


Künstliche Intelligenz


Was [Ray] Kurzweils Bewusstseinstheorie betrifft, machen die meisten der „digitalen“ Theorien wie die von künstlicher Intelligenz einen tiefgreifenden Fehler im Verständnis von dem, was Bewusstsein ist. Bewusstsein ist nicht, so wie der Szientismus es sich vorstellt, etwas, das nach Milliarden von Jahren von Evolution plötzlich hervortritt. Bewusstheit ist ein intrinsischer Teil des bekannten Kosmos, der zurückreicht bis zum Urknall. Wir sehen es in der Form dessen, was Whitehead mit „Wahrnehmung“ [prehension] bezeichnet. Übrigens waren die meisten der großen Philospophen im Westen Pan-Psychisten, d. h. sie glaubten das gleiche wie Whitehead, Leibnitz und Peirce und zwar, dass Bewusstsein bis ganz nach unten reicht, bis zu den grundlegendsten Bestandteilen des Kosmos. Diese Bestandteile haben eine Proto-Wahrnehmung. Wahrnehmung ist ein Teil der Grundstruktur des Universums. Wir beginnen bei den Quarks, die eine Proto-Wahrnehmung oder eine Proto-Bewusstheit haben. Sie bilden Atome, welche die Quarks transzendieren und bewahren. Atome nehmen also die Bewusstheit von Quarks in sich auf und fügen ein eigenes atomisches Bewusstsein hinzu. Hier haben wir schon zwei Bewusstseinsschichten, die aufeinander aufbauen. Dann finden sich Atome zu Molekülen zusammen und jetzt haben wir drei aufeinander aufbauende Bewusstseinsschichten. Dann bildet sich eine weitere Schicht, Moleküle finden sich zu Zellen zusammen, Zellen finden sich zusammen und wir gelangen so zu weiteren ca. 20 Transformationen, mit Pflanzen, weiter zu Tieren mit neuronalen Netzen, weiter zu einem Reptilienstammhirn, weiter zu einem limbischen System bis hin zum Dreifachhirn. Und das Dreifachhirn ist wiederum Ausgangspunkt für weitere Entwicklungsschritte, von prä-operationaler Kognition als einer sensorimotorischen Intelligenz, zum konkret-operationalen Denken, weiter zum formal-operationalen Denken und dann zum systemischen Denken. Es gibt Vertreter von künstlicher Intelligenz, Studenten, welche die ganze Nacht mit ihrem Computer verbringen und dort die Spitze ihre Bewusstheit, formal-operationales Denken, herunter- oder hineinladen und sich Algorithmen überlegen, wie man diesen rationalen Prozess in einem Computersystem abbilden kann. Das Problem dabei ist, dass dieses formal-operationale Denken selbst das Ergebnis von vielleicht vierzig Transformationsschritten ist, die dabei ausgelassen werden. Und jeder dieser Transformationsschritte hat der Bewusstheit etwas hinzugefügt. Alles, was sie tun, ist, an der Oberfläche des Bewusstseins zu kratzen und dieses Bewusstsein in einen rationalen Algorithmus zu packen. Doch dabei fallen die 39 Transformationsschritte, die dazu geführt haben, unter den Tisch. So kann man natürlich eine künstliche Intelligenz herstellen, die jemanden im Schach schlägt – das ist alles, was es beim Schach zu tun gibt, sich rationale Züge zu überlegen. Doch was sie nicht machen können, ist, einen Computer durch einen Raum gehen zu lassen und dort ein anderes Wesen zu erkennen. Ein Schattenwurf zum Beispiel kann als solcher nicht erkannt werden. Schattenerkennung beginnt mit den ersten neuronalen Netzwerken, doch das ist nicht enthalten. Solche einfachen Dinge können Computer nicht machen, doch die Ideen, die Kurzweil hat, gehen in diese Richtung. Es wird geglaubt, dass, wenn man einmal diese rationalen Algorithmen in einem Computer hat, dass man sich selbst dann in einen Computer downloaden kann. O.K., man ist dann nicht mehr in der Lage, Schatten zu erkennen, einen Raum zu durchqueren, zu lieben oder eine Konversation zu führen und vieles mehr. Was man dann machen kann, ist, miteinander Schach zu spielen bis in alle Ewigkeit. Das ist wirklich etwas, worauf wir uns freuen können. [Lachen]


Quelle: Online Journal Nr. 45

1 A. d. Ü.: Wilber bezieht sich hier auf den von ihm entwickelten Integrale Methodologischen Pluralismus (IMP) mit acht Hauptperspektiven.


2 Zu dieser Wette gibt es auf Wikipedia folgende Informationen: (Zugriff am 29.10.2013):

„1980 schlossen Julian L. Simon und Paul Ehrlich eine wissenschaftliche Wette ab, in der sie auf den Preisverlauf von fünf knappen Ressourcen in den nächsten zehn Jahren bis 1990 wetteten. Ehrlich wählte die Grundstoffe Kupfer, Chrom, Nickel, Zinn und Wolfram, und Simon wettete darauf dass die Preise dafür fallen würden. Ehrlich wettete auf steigende Preise. Ehrlich verlor die Wette, weil im Wettzeitraum der Preis für alle fünf Rohstoffe sank. Wirtschaftswissenschaftler rechneten jedoch später aus, dass Ehrlich in der Mehrzahl der Zehnjahresperioden des letzten Jahrhunderts die Wette gewonnen hätte“.

en.wikipedia.org/wiki/Simon%E2%80%93Ehrlich_wager