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26.5.2017 : 11:18 : +0200

Gesundheit / Medizin

Gesundheit/ Medizin ist eines der Felder, bei der der Nutzen eines Integralen Ansatzes sehr schnell sehr deutlich wird. Klassische Schulmedizin betrachtet den Menschen zu häufig nur in seinen äußerlich individuellen Dimensionen (OR). Dabei wird zunehmend deutlich, wie stark die Innerlichkeit (OL+UL) an Gesundung und Erkrankung beteiligt ist, wie die Psychosomatik belegt. Zur Innerlichkeit gehört im Integralen Ansatz unbedingt auch eine spirituelle Dimension, deren Bedeutung derzeit vernachlässigt wird und für die wir oftmals gesellschaftlich gesehen nur veraltete Deutungsschemata haben. Oftmals werden existenzielle Bereiche, Fragen von Leben und Tod und der Bedeutung desselben in der Überbetonung von äußerlichen Aspekten heruntergespielt. 

Alternative Ansätze wie Komplementärmedizin können eine wunderbare Ergänzung darstellen. Diese entwickeln leider umgekehrt häufig eine "Allergie" gegen die klassische Schulmedizin, was unterm Strich dem Patienten ebenfalls Schaden zufügen kann. 

Wilber fasst es bündig so zusammen:

  • Klassische Schulmedizin behandelt den Körper
  • Komplementärmedizin behandelt den ganzen Menschen
  • Integrale Medizin behandelt den Arzt

Durch den Integralen Rahmen kann der Arzt/ Heiler nicht nur den Körper des Patienten, bzw den ganzen Menschen effektiver heilen, er heilt auch die Brüche in seinem eigenen Gewahrsein, was die Heilwirkung insgesamt potenziert. 

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Auf dem Weg zu einem integralen Demenz-Konzept

Auf dem Weg zu einem integralen Demenz-Konzept

[1]

 

von Bettina Wichers

 

In der aktuellen Diskussion um Demenz wird deutlich, dass es an umfassenden Demenz-Konzepten fehlt. Die medizinisch-verhaltensorientierten Wissenschaften[2] haben nach wie vor die Deutungshoheit über Demenz, was von verschiedenen  Fachleuten, aber zunehmend auch von Menschen, die selbst von Demenz betroffen sind, kritisiert wird.[3] Eine sinnvolle Nutzung von Querverbindungen und Synergien der Vielzahl an Diagnosen, Kriterien, Therapieformen, Betreuungsansätzen und Meinungen scheint mühsam bis fast unmöglich. Bisher gibt es nur wenige Demenz-Konzepte, deren Rahmen weit genug gefasst ist, um unterschiedliche Erkenntnisse über Demenz miteinander zu verknüpfen und ihre Zusammenhänge strukturiert zu verdeutlichen. Es fehlt der Überblick, eine Metatheorie, die die vorhandenen Erkenntnisse zusammenführt.

Für integral informierte Menschen ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, an dieser Stelle den integralen Ansatz mitzudenken, in der Fachöffentlichkeit rund um Demenz scheint er jedoch noch weitgehend unbekannt. Demenz integral zu betrachten folgt dem Anspruch dessen, was die Integrale Theorie sein will: Eine „Theorie von allem“.[4] Nimmt man diesen Anspruch ernst, ist es konsequent, die Integrale Theorie vor die Herausforderung zu stellen, nicht nur eine vorwärts-aufwärts gerichtete Bewusstseinsentwicklung, sondern auch das Phänomen eines scheinbar regredierenden Bewusstseins anhand ihrer Strukturelemente beschreiben zu können. Hierin liegt aber auch die besondere Herausforderung: Ein Bewusstseinsphänomen, das als besonderes Merkmal die Rückentwicklung des (kognitiven) Bewusstseins hat bzw. zu haben scheint, in einen Ansatz zu übertragen, der sich bisher zumeist durch die Arbeit an der Entwicklung von höheren Bewusstseinsstufen auszeichnet.

 

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Integrale Ernährung

Integrale Ernährung

 

von Dr. Sven Werchan (Fotos: Angelika Antl)

 

Unsere Welt ist integral. Wann immer wir das sehen können, verändert dies unser Erleben. In vielen Bereichen ist ein solches Denken wertvoll, um wirklich neue Entwicklungsschritte gehen zu können. So auch beim Thema Ernährung. Wir brauchen eine Weiterentwicklung unseres Umgangs mit den Themen Essen und Ernährung, die weit über die Frage nach gesunden Fetten und Kohlenhydraten hinausreicht. Eine integrale Betrachtung unserer Ernährung kann dabei helfen. Sie stellt den essenden Menschen ins Zentrum. Von dort kann er dem AQAL-Modell folgend vier grundlegende Perspektiven einnehmen.

1. Was und wie viel esse ich?

(oberer rechter Quadrant) Hier sind Medizin und klassische Ernährungswissenschaften zu Hause. Auch die meisten Beratungsansätze folgen der Frage nach der „richtigen Ernährung“. Allein die genetische und kulturelle Vielgestaltigkeit des Menschen macht eine allgemein gültige Antwort schwierig bis unmöglich. So liegt die Zukunft bei individualisierten Empfehlungen, die auf genetischer Basis erfolgt (Nutrigenomics) oder auf Stoffwechseltypisierungen wie Metabolic Typing/Balancing – Ansätze, die in der Tradition klassischer Typenlehren wie Ayurveda oder TCM stehen.

Klassische Ernährungsratschläge berücksichtigen oft nur eine Außenperspektive und vernachlässigen die inneren Befindlichkeiten des menschen beim Essen.

 

Gleichzeitig gibt es ernährungsphysiologische Erkenntnisse, die für die meisten Menschen relevant sind. So führt eine zuckerreiche Ernährung besonders in Kombination mit viel Fett für die meisten Menschen auf Dauer zu Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Solche Erkenntnisse bilden eine Art gemeinsamen Stamm, von dem aus Hauptäste (unterschiedliche Ernährungstypen) abgehen und sich weiter bis zu den individuellen Ausprägungen des Die Frage was und wie viel spielt auch bei Integraler Ernährung eine zentrale Rolle. Denn sie bestimmt unser kurzfristiges Befinden ebenso wie langfristig unsere Gesundheit. Diese äußere Perspektive ergänzt die integrale Betrachtung um die Einbeziehung der inneren Einflussfaktoren unserer Essensentscheidungen. Dies führt zu der Frage:

 

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Sterbebegleitung auf Deutsch: Zum Buch Das andere Totenbuch: eine praktische Anleitung zur Sterbebegleitung

Sterbebegleitung auf Deutsch: Zum Buch Das andere Totenbuch: eine praktische Anleitung zur Sterbebegleitung

von Michael Habecker

 

Wulf Mirko Weinreich, der sich durch Seminare und sein Buch Integrale Psychotherapie – Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber in der integralen Szene und darüber hinaus einen Namen gemacht hat, hat nun ein Buch zur Sterbebegleitung veröffentlicht. Auf dem Buchumschlag steht dazu:

Nachdem ich wieder einmal mit dem Thema Tod konfrontiert worden war, suchte ich das „Tibetische Totenbuch“ in einer Übersetzung, die geeignet wäre, um Menschen, die keine Kenntnis vom Buddhismus haben, beim Sterben zu begleiten. Leider fand ich keine. Deshalb entschloß ich mich, ein solches Buch selbst zu schreiben. Ich habe versucht, die wichtigsten Stationen des „Bardo Thödol“ möglichst behutsam in unsere westliche Sprach- und Vorstellungswelt zu übertragen. Das Integrale Bewusstseinsmodell von Ken Wilber diente dabei als philosophischer Hintergrund.

Das Buch will vor allem eine praktische, leicht zu handhabende Anleitung sein, um Sterbende zu begleiten. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der Vorbereitung des Sterbens oder der Arbeit mit den Hinterbliebenen, sondern dem Original folgend bei der Begleitung des eigentlichen Sterbeprozesses bis weit über den letzten Atemzug hinaus. Die Texte eigen sich aber auch zur Meditation und zur Erkundung des eigenen Innenraums.

 

Wir freuen uns, mit Genehmigung des Autors nachfolgend eine längere Passage aus der Einführung des Buches wiedergeben zu können. Das Buch stellt einen gelungenen Versuch dar, die ebenso schwierige wie wichtige Thematik des Sterbens und seiner Begleitung für den deutschsprachigen Raum zu erschließen.

Wulf Mirko Weinreich: Einführung zu Das andere Totenbuch

Jeder Mensch ist ein Versuch des einen Bewußtseins, sich seiner selbst gewahr zu werden.

 

Dieses Buch soll es Menschen auf einfache Weise ermöglichen, anderen Menschen beim Sterben eine gute Begleitung zu sein. Wir sind es heute gewöhnt, möglichst alles an „Fachleute” zu delegieren, auch das Sterben. Doch manchmal sind keine Fachleute vorhanden oder ein Mensch ist uns so nah, daß wir es nicht möchten, daß jemand anderes sich da einmischt. Und letztendlich werden auch wir eines Tages sterben, weshalb es eine gute Vorbereitung sein kann, andere zu begleiten. Aus diesem Grunde wurde das Buch so angelegt, daß es auch als Meditationshilfe genutzt werden kann.

Seit der Jugend spielt das Thema „Tod” in meinem Leben eine wichtige Rolle. Während der Gymnasialzeit habe ich in den Sommerferien immer in einem Bestattungsinstitut gearbeitet – ein Zufall, den ich erst Jahre später zu schätzen lernte. Danach wurde ich sehr oft mit dem Thema Suizid konfrontiert. Und wie jeder andere Mensch erlebte auch ich den Tod von Familienmitgliedern, wobei mich der Tod meiner Großmutter besonders beeindruckte, da sie sehr bewußt über die Schwelle ging. Eine mehrmonatige Mitarbeit auf einer Palliativstation brachte mir das Thema noch einmal von einer anderen Seite nahe. Und schließlich machte ich durch eigene außer­­gewöhnliche Bewußtseinszustände wichtige Erfahrungen in den Bereichen jenseits unseres normalen Tagesbewußtseins. Durch meine Beschäftigung mit Ken Wilber und den östlichen Auffassungen vom Tod wurde mir klar, daß bestimmte Bewußtseinsräume, die meditativ erfahren werden können, weitgehend den Zuständen des Todes gleichen.

 

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Integrale Medizin

Integrale Medizin

- Ken Wilber

Ich fand es schon immer interessant, dass eine der Hauptaussagen des Hippokratischen Eides, ein Eid, der von vielen Ärzten auf der ganzen Welt seit fast zweitausend Jahren geleistet wird, einfach besagt: "Füge deinem Patienten keinen Schaden zu" . Positive Injunktionen gibt es nur wenige; doch diese Anweisung zur Unterlassung fällt einem sofort auf. Warum besteht überhaupt die Notwendigkeit, einen zukünftigen Arzt zu diesem Versprechen zu veranlassen? Es scheint, dass Hippokrates klar erkannte, dass, bei all dem Einfluss, den ein Arzt hat - vieles davon sehr positiv und hilfreich - ein Punkt ganz besonders der Kontrolle bedarf: die praktisch beispiellose Möglichkeit einem Menschen - durchaus legal - Schaden zuzufügen.

In den verschiedenen Versionen des Hippokratischen Eides wird deutlich, dass es Hippokrates (lange Zeit für Hippokrates den Grossen gehalten, aufgrund neuester Forschung jedoch einem Pythagoräischen Kreis zugeordnet, was jedoch seinen Ruf in keiner Weise schmälert, sondern in Gegenteil noch vermehrt) ebenso klar war, dass es in der Heilkunde zwei Möglichkeiten gibt, Schaden zuzufügen: Begehungssünden und Unterlasssungssünden. Ein Arzt kann einem Patienten mit dem, was er weiß, Schaden zufügen; doch noch mehr mit dem, was er nicht weiß.

Das Ziel einer integralen Medizin lässt sich einfach als der Wunsch beschreiben, den Schaden gering zu halten, der durch beide Arten von Sünden angerichtet wird, um so wesentlich effektiver den Boden für jenes außerordentliche Wunder zu bereiten, das - auch 2000 Jahre später - bis jetzt niemand von uns versteht: Heilung.

Positiver ausgedrückt besteht das Ziel einer integralen Medizin darin, bei der Behandlung jeglicher Krankheit einen so vollständigen und umfassenden Ansatz wie nur irgend möglich zu bieten - unter Berücksichtigung der pragmatischen Gegebenheiten wie zeitliche Beschränkungen, begrenzte Leistungsfähigkeit der Krankenversicherung , und den Gegebenheiten einer Arztpraxis.

Die integrale Medizin, welche sich zur Zeit rasant entwickelt, ist bereits wesentlich über frühere Ansätze, die unter Begriffen wie "holistisch", "allopatisch", "alternativ" und "komplementär" bekannt sind, hinausgegangen. Obgleich einige der Bestandteile dieser ursprünglichen Bemühungen beibehalten werden, geht die integrale Medizin von einer wesentlich weitreichenderen Grundlage aus, sie ist tiefer in empirischer Forschung verankert, und steht effektiver in Beziehung zu den umfassenden Modellen der menschlichen Psychologie und des Bewusstseins. Doch es ist gut, sich daran zu erinnern, dass eine integrale Medizin sich deutlich sowohl von der konventionellen als auch von der komplementären Medizin unterscheidet, und gleichzeitig bemüht ist, die bewährten und wirksamen Elemente von beiden aufzunehmen.

Wie würde also eine integrale Medizin aussehen? Und wie kann sie unter den gegenwärtigen ökonomischen und pragmatischen Beschränkungen effektiv zum Einsatz kommen? Die folgenden Kapitel [dieses Buches] sind Versuche zur Beantwortung genau dieser Fragen. Bevor wir einige ihrer bahnbrechenden Schlussfolgerungen skizzieren, betrachten wir zuerst einmal die Ausgangssituation, indem wir uns einige der traditionellen Probleme und Dilemmas anschauen, denen sich die meisten helfenden Berufe gegenübersehen.

Jeder kennt das erste Dilemma, weil es viele Jahre lang den Medizinstudenten eingepaukt wurde: "Lassen Sie sich auf kein emotionales Verhältnis zu ihren Patienten ein." Zur damaligen Zeit war dies sicher nicht als grausame und lieblose Anweisung gedacht, Menschen wie Objekte zu behandeln; es war vielmehr ein ehrlicher und ernsthafter Versuch, einen leidenschaftslosen und wissenschaftlichen Ansatz bei der Behandlung zu ermöglichen. Eine emotionale Verstrickung mit den Patienten vernebelte nicht nur das Urteilsvermögen des Arztes, sondern zehrte auch an dessen Kraft, und schien dadurch letztlich dem Patienten zu schaden.

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Integrale Medizin im 21. Jahrhundert

Integrale Medizin im 21. Jahrhundert

Stefan Brunnhuber

Interview mit Stefan Brunnhuber

Maria-Anne Gallen lernte Stefan Brunnhuber auf einer seiner weltweiten Erkundungsreisen zeitgenössischer Medizinsysteme kennen: Anlässlich eines psychiatrischen Fachartikels über die Diagnostik »spiritueller Krisen« hatte sie ihm per e-Mail an die in der Zeitschrift angegebene Adresse geschrieben. Seine Antwort kam aus Peking, wo er sich gerade in einem Sabbatical befand. Der spannende Dialog, der sich aus dieser anfänglichen Begegnung entspann, brachte sie auf die Idee, ihn für connection Spirit zum Thema »integrale Medizin« zu interviewen

Stefan, du vertrittst die Auffassung, dass im Zeitalter der Postmoderne, in dem wir uns befinden, in erster Linie Integrationsleistungen in allen gesellschaftlichen Bereichen erbracht werden müssen. Was bedeutet das für die Medizin?

Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert in der glücklichen Lage, dass wir zum ersten Mal die Möglichkeit haben, alle Medizinsysteme der Welt, die es gab und zeitgleich gibt, auf einmal betrachten zu können. Diese Situation gab es noch nie. Das ist einmal bedingt durch Technologien wie das Internet, aber auch durch den Wissensstand innerhalb des Wissenschaftsbetriebs.

Wie viele Medizinsysteme unterscheidest du denn?

Mindestens sieben oder acht. Hierzu zählen etwa das westliche biomedizinische Modell, das traditionelle chinesische Modell, die traditionelle arabische Medizin, das traditionelle indische Modell, das tibetische Modell und auch die europäisch-naturheilkundlichen Verfahren sowie der weltweit vorkommende regionale Schamanismus.

Wenn wir über integrale Medizin sprechen, dann sprechen wir jetzt über alles das. Nichts wird ausgeklammert, weder neurochirurgische Interventionstechniken noch Schamanismus, sonst ist es nicht hinreichend integral.

Das ist eine einmalige Chance. Vor 500 Jahren konnte man im Westen bestenfalls die Signaturenlehre von Paracelsus lernen und Galen und Hippokrates lesen. Du hattest damals keine Möglichkeit, zu verstehen wie das Medizinsystem der Inder funktioniert. Oder das der Chinesen. Wir können jetzt in der Zeit zurückgehend bis acht oder zehn tausend Jahre und zeitgleich alle operierenden Medizinsystemen evaluieren und schauen, was das Beste für eine integrale Medizin aus allen Systemen ist.

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Integrale Suchtgenesung

Integrale Suchtgenesung

John Dupuy

Auf dem Weg zu einem Integralen Genesungsmodell für Drogen- und Alkoholsucht

von John Dupuy

mit Marco Morelli

(Übersetzung: Cindy und Elmar Lorenz / Sabine Ging / Dennis Wittrock/ Monika Frühwirth)

In diesem Bericht möchte ich ein Behandlungs- und Genesungsmodell für Suchterkrankungen vorstellen, das auf dem integralen AQAL Modell basiert, wie es von dem integralen Theoretiker und Philosophen Ken Wilber formuliert wurde. Dieser Bericht möchte zeigen, wie eine AQAL Herangehensweise („alle Quadranten, alle Stufen, alle Linien, alle Zustände und alle Typen“) eine erfrischend neue Sicht auf Suchtverhalten bietet und die Möglichkeit einer viel ganzheitlicheren und wirkungsvolleren Behandlungsweise eröffnen kann. Was durch die Benutzung einer integralen Sichtweise oder eines integralen Rahmens gewonnen werden kann, ist im Folgenden:

1)    Ein Modell, das ermutigender und attraktiver ist, weil die Betonung auf dem persönlichen Wachstum und nicht nur auf Sucht und Drogenmissbrauch liegt. Dies überwindet die traditionelle Trennung zwischen „süchtig“ und „nicht-süchtig“. Der Fokus wird nicht bloß auf „abstinent sein“ gerichtet, sondern auf spirituelles, emotionales und intellektuelles Wachstum und körperliches Wohlbefinden;

2)    Ein theoretisches Bezugssystem, das es ermöglicht, viele verschiedene Behandlungsmethoden von Sucht einzubeziehen und die vielfältigen Teilaspekte zu einem integrierten Ganzen zu vereinen;

3)    Ein besseres Verständnis der inneren Vorgänge von Heilung, Wachstum und Transzendenz und wie diese mit dem genesenden Individuum verbunden sind;

4)    Die Linderung der Erkrankung und die Förderung von Gesundheit durch Erkennen und Verstehen der Ursachen von Suchtkrankheit und Lösungen durch Gebrauch eines integralen „Alle Quadranten“ Ansatzes;

5)    Angemessenere Behandlung und Verhinderung von Rückfällen durch Vermittlung einer individuell zugeschnittenen integralen Lebenspraxis als das grundlegende Vehikel des Genesungsprozesses;

6)    Ein klares Verständnis der Entwicklungsstufen von Individuen und Gruppen, und wie diese die Behandlungsstrategien und die Zusammenstellung des Programms beeinflussen;

7)    Eine detaillierte und umfassende Landkarte oder Orientierung für den Genesungsweg, die erhellend, inspirierend und praktikabel ist.

 

Ich werde mit einigen allgemeinen und persönlichen Anmerkungen beginnen und dann zur Theorie und ihrer Anwendung kommen.

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Krankheit – biologisch und kulturell

Krankheit – biologisch und kulturell

Ken und Treya Wilber

Zwei Wege zur Interpretation von Gesundheit

(Quelle: IntegralLife.com, Illness and Sickness: Two Ways of Interpreting Health)

Einleitung der IL Redaktion

Ken erzählt uns von seiner bewegenden Liebe zu Treya, seiner Frau, die an einer hochaggressiven Form von Krebs starb, welche kurz nach ihrer Hochzeit mit Ken diagnostiziert wurde. Während des Kampfes mit diesem Krebs erfuhr Ken zwei ganz unterschiedliche Arten wie Menschen Gesundheitsprobleme interpretieren, die er mit dem Worten illness und sickness bezeichnet. Illnes bezieht sich auf den physiologischen Zustand einer Erkrankung, wie beispielsweise einer Immunschwäche, und sickness bezeichnet die kulturellen Interpretationen der illness (d. h. all unserer Glaubensvorstellungen darüber, einschließlich Sexualität und Geschlecht, Rasse, Gesellschaftsschicht, Werte usw.) Oft ist die sickness dabei schlimmer als die illness


Frage: In einem ihrer Bücher machen Sie einen Unterschied zwischen den Krankheitsbegriffen „disease“ und „illness“. Können Sie dazu etwas sagen?

KW: Ja. Die Worte habe ich seitdem etwas verändert [statt „disease“ „sickness“], so dass ich nicht mehr genau die gleiche Definition verwende wie ich sie im Buch verwendet habe, aber ich möchte zusammenfassen, worum es dabei geht.

Dies bezieht sich auf die Krebserkrankung von Treya, und für diejenigen, die mit dieser Geschichte nicht vertraut sind: 1984 lernte ich eine Frau namens Treya kennen, Roger und Frances Vaughan hatten uns einander vorgestellt. Wir verliebten uns sofort ineinander, und ich machte ihr einen Heiratsantrag zehn Tage nachdem wir uns kennengelernt hatten, und sie sagte „ja“. Wenige Monate danach heirateten wir, und eine Woche nach unserer Hochzeit wurde bei Treya Brustkrebs diagnostiziert. Wir verbrachten die darauffolgenden fünf Jahre, und praktisch unsere gesamte gemeinsame Zeit, mit dem Kampf gegen diese Krankheit. Treya starb 1989. Ihr Tod war das strahlendste Ereignis, das ich jemals erlebt habe. Sie ging in einem radikal verwirklichten Zustand aus diesem Leben, ein Zustand, der jeden Menschen in ihrer Umgebung veränderte, und ganz sicher mich verändert hat. Im Verlauf ihrer Krankheit wurden uns in sehr kurzer Zeit eine Reihe von Lektionen erteilt hinsichtlich dessen, wie eine Gesellschaft Krankheiten betrachtet. In dem Buch Mut und Gnade, das ich über unser Martyrium geschrieben habe, schrieb ich in einem Kapitel über die konkrete biologische Komponente einer Krankheit, und das bezeichnete ich als illness, und das ist der obere rechte Quadrant. Ein Knochen ist gebrochen, eine Niere funktioniert nicht, ein Tumor wächst, alles Dinge, die man sehen und biologisch feststellen kann, biologische Fakten im oberen rechten Quadranten. Im unteren linken Quadranten finden wir demgegenüber, wie eine Gesellschaft eine Krankheit, die jemand hat, betrachtet. Und das bezeichne ich [jetzt], um es unterscheiden zu können, als sickness. Bei jeder gesundheitlichen Komplikation hat man also beides, sickness und illness. Bei manchen Erkrankungen, einer Erkältung beispielsweise, spielt das keine große Rolle, doch dann gibt es ein ganzes Spektrum von Krankheiten, wo eine illness Ängste hervorruft, was erst einmal weder gut noch schlecht ist – biologische Fakten sind biologische Fakten, Frösche, Berge, Flüsse sind weder gut noch schlecht, sie sind das, was sie sind. Die Erkrankung ruft eine Reaktion in uns hervor, sie löst Ängste aus, macht Probleme und bringt Schattenelemente hervor, und dies „lädt“ dann diese Krankheit mit Dingen, die Angst machen, und die illnes wird so zu einer sickness. Die Behandlung der illness von Treyas Krebs nahm durchschnittlich ein paar Stunden jeden Monat in Anspruch. Doch der Umgang mit der sickness des Krebs war ein Vollzeitjob für uns. Wir hatten es dabei mit den Aussagen von Jedermann darüber zu tun, was diese Erkrankung bedeutet. Wir wurden von Menschen mit den besten Absichten bombardiert mit Erklärungen, warum Treya an Krebs erkrankt war. Die Standardlitanei dabei war: „Oh, du bist nicht offen genug, du musst dich für deine Gefühle mehr öffnen, diese Erkrankung will dich etwas lehren“, usw. In all dem steckt auch ein Körnchen Wahrheit, die sich auf den oberen linken Quadranten bezieht, und natürlich wussten wir, dass psychologische Faktoren dazu auch einen Beitrag leisten. Doch dieser Beitrag war sehr gering im Verhältnis zu den persönlichen Geschichten, die andere daraus machten. Was Leute daraus machten war, dass 100% dieser Erkrankung durch die eigene psychologische Haltung verursacht worden war, nach dem Motto„wo keine Liebe ist, entsteht Krankheit“. Dies wurde uns mit den besten Absichten gesagt, doch das kann auch zutiefst in die falsche Richtung gehen und oft zu einem Machttrip werden. „Ich habe Angst vor dem, was du hast, also muss ich dem ein Etikett verpassen, um Abstand davon zu bekommen und damit auch Sicherheit.“ Treya und ich waren beide, was psychologische Theorien angeht, keine Anfänger, und wir betrachteten das alles als eine Meditation darüber, was geschehen kann und wie etwas geschieht, und das waren ganz außerordentliche Lektionen, die wir dadurch erhielten.

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Hospizarbeit

Hospizarbeit

Helmut Dörmann

Ken Wilbers Integrale Theorie und ihre Anwendung auf die Hospizbewegung und den Sterbeprozess

von Helmut Dörmann

In diesem Artikel wird die Entwicklung der Hospizbewegung aus der Sicht der vier Quadranten von Ken Wilbers Integraler Theorie beschrieben. 

Außerdem wird am Beispiel des ambulanten Mindener Hospizkreises aufgezeigt, wie Hospizarbeit aktuell wirkt und tätig ist, sowohl im Befähigungskurs für die ehrenamtlichen Hospizhelfer/innen als auch in der Praxis der Sterbebegleitung.

Abschließend werden die Grundzüge eines Trainings „Integrale Praxis für Leben, Sterben und Tod“ vorgestellt, das ebenfalls auf Ken Wilbers Integralem Ansatz basiert. Ziel des Trainings ist das Entwickeln einer inneren Haltung von vorbehaltlosem „DA-SEIN“ für den Sterbenden sowie dessen Angehörige, ebenso wie die Entwicklung gemeinsamer Werte wie Liebe und Mitgefühl. Hierbei liegt der Schwerpunkt in der Einübung spiritueller Praktiken aus der christlichen Mystik sowie des tibetischen Buddhismus. Dabei werden auch Erkenntnisse über Krankheit, Sterben und Tod aus medizinischer Sicht in dieses Konzept integriert.

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Meditation & Wissenschaft

Meditation & Wissenschaft

 

Die Kraft der Stille

Neueste Erkenntnisse aus der Meditations- und Bewusstseinsforschung

Von Nadja Rosmann

Gesundheit bedeutet nicht alleine die Abwesenheit von Krankheitssymptomen, sondern entsteht in der Tiefe – dort, wo der Mensch sich als authentisches Lebewesen erfährt, wo Körper, Geist und Seele in Einklang miteinander stehen. Integral gesprochen geht es letztlich um vier Perspektiven, nämlich: Subjektivität (OL: Intentionalität, Wille, Psychologie, (Un)Bewusstes), Objektivität (OR: Veranlagung, Genetik, Ernährung, Physiologie, Konstitution), Kultur (UL: kulturelle Prägung, gemeinschaftliche Vorstellungen von Krankheit und Heilung, Beziehungen als Krankheitsursachen und Heilungsfaktoren) und systemisches Umfeld (UR: Lebens- und Arbeitsumfeld, Klima). Während wir bei den unteren Quadranten, abgesehen von unserem persönlichen Lebensumfeld, oft vergleichsweise wenig unmittelbar beeinflussen können, laden uns die oberen, „persönlichen“ Quadranten dazu ein, sofort bei uns selbst beginnen. Hier können letztlich nur wir selbst eine konstruktive Entwicklung initiieren. Die Meditation gehört zu den zentralsten Methoden der Bewusstseinsübung (OL-Quadrant) und hat, als eine erfreuliche Nebenwirkung, auch einen enorm positiven Einfluss auf unser Wohlergehen, der immer mehr entdeckt wird.

Die Meditations- und Bewusstseinsforschung an der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaften, Psychologie, Philosophie und Medizin hat hier in den letzten Jahren wesentliche Grundlagenforschung geleistet. Die Befunde der Wissenschaftler stimmen zuversichtlich, denn Meditation erweist sich nicht nur als wertvolle Methode auf dem Weg zu mehr Selbsterkenntnis, sondern wirkt auch positiv auf die körperliche Gesundheit.

Artikel:  Meditation & Wissenschaft (PDF) von Nadja Rosmann, Integrale Perspektiven Nr. 23.