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17.8.2017 : 9:53 : +0200

HOLOSYNC

Graphik: © Uwe Schramm 2008

Von Fritz Bläuel

Als Integral Interessierte(r) und Bewusstseinsevolutionär trifft man unvermeidlich auch auf Neurofeedback.

Ken Wilber selbst beschäftigt sich schon lange mit diesem Thema und sein Video, in dem er durch mentale Techniken jegliches Gehirnwellen-Profil erzeugt, ist Legende (und neuerdings auf YouTube zu sehen, einfach „Wilber brain waves“ im Suchfeld eingeben).
Seit Wilber aber neben traditionellen Meditationsformen doch auch Techniken wie Holosync empfiehlt, trifft man  diesen Begriff in der integralen Welt immer häufiger an, und viele haben es hier oder dort schon einmal ausprobiert oder von Freunden gehört, die es ausprobiert haben.
Hier möchte ich also nach einem Jahr Praxis mit Holosync einen kleinen Beitrag leisten zu der Debatte und den Überlegungen, die inzwischen entstanden sind und auch auf ein paar Vorurteile und Fragen eingehen, sowie etwas von meiner persönlichen Erfahrung damit erzählen.
Ergänzend möchte ich im Anschluss noch Erfahrungen mit zwei weitere Techniken vorstellen, die mit Neurofeedback arbeiten und mit denen – zumindest bei mir – ganz erstaunliche Ergebnisse zu verzeichnen sind.

Es ist zugleich auch eine wunderbare Gelegenheit, AQAL anzuwenden und die Verbindung zwischen den Quadranten Rechts Oben und Links Oben zu erkennen. Michael Habecker hat das auch auf der heurigen Sommerakademie sehr klar erläutert und es entspann sich eine Diskussion über praktische Beispiele.

Wie können wir diese neuen Möglichkeiten für uns persönlich nützen?

Zur Technik:

Es werden wie bei vielen ähnlichen Systemen Schwebe- oder Meta-Töne (binaural beats) durch den Unterschied zwischen der Frequenz im linken und im rechten Lautsprecher eines Stereo-Kopfhörers als Frequenz der gewünschten Gehirnschwingung erzeugt. Das Besondere an Bill Harris‘ Holosync  Methode ist, dass er herausgefunden hat, dass durch das stufenweise Absenken der Trägerfrequenzen im Laufe der Monate und Jahre, die man damit übt, die Abstumpfung gegenüber dem anfangs neuen Gehirn-Reiz durch die binauralen Beats vermieden werden kann. Wenn 10Hz für Alpha erwünscht sind, wird z. B. mit 400Hz links und 390Hz rechts angefangen und nach einer Weile (nächste Stufe) auf sagen wir 350 zu 340 abgesenkt. Und das so weiter, solange es machbar bzw. hörbar ist. Das ist nach Harris‘ Aussage der Grund, warum sein System einen langsamen kontinuierlichen Entwicklungs-Effekt hat, im Gegensatz zu reinen Zustandserfahrungen, wie das bei anderen ähnlichen Systemen (Hemisync, Brainsync etc.) und auch den Light-Sound Machines der Fall ist.

Weiters arbeitet Holosync mit Affirmationen:
Ab der zweiten Stufe („Awakening“) werden im Teil Zwei der Übung (die zweite halbe Stunde, in der nur Delta-Wellen produziert werden) unhörbare Affirmationen eingespielt. Die Technik dazu nennt sich Autofonix® und ist laut Harris wesentlich effektiver als die Subliminal-Technik. Die Affirmationen werden von einem selbst gewählt und aufgenommen. Das heißt, man „hört“ sie in der eigenen Stimme gesprochen. Man kann natürlich auch vorgegebene verwenden.
Gleich einmal der nicht unbeträchtliche Kostenfaktor: Wie gerade erwähnt, ist das Programm in Stufen aufgebaut:
Auf die kostenlose Demo CD folgt die sehr erschwingliche erste Stufe namens „Prologue“. Dann kommen die etwas teureren Stufen, “Awakening” Levels 1-4, “Flowering” Levels 5-8 und “Purification“ Levels 9-12. Also insgesamt 13 Levels. Das ganze kostet im preiswertesten Angebot (alle auf einmal) $1.799,-. Das langt, wenn man keinen Tag auslässt und immer pünktlich nach Vorschrift zur nächsten CD übergeht, für ca. 4 Jahre. Nachdem ich persönlich aber mit herkömmlicher Meditation abwechsle (ca. 1x normales Sitzen pro 2x Holosync) und auch manchmal aussetze, reichen sie wohl wesentlich länger. Da ich so weit nicht plane, kaufe ich immer nur eine Stufe.

Dass die auf „Prologue“ folgenden Stufen teurer sind, hat Harris in machen Foren den Vergleich mit TM® eingebracht. Man muss allerdings bedenken, dass hier nicht ein Mantra verkauft wird, sondern, dass die höheren Stufen aus Sets von mehreren CDs mit höherem technischen Aufwand bestehen, da jede einzelne mit den persönlichen Affirmationen aufgenommen wurde.
Auch erhält man einiges an Material kostenlos noch dazu: Bill Harris Buch, viele Begleittexte und CDs mit Spezial-Holosync Anwendungen wie z. B. zum Lernen, kreativen Arbeiten, Schlafen (mit Autofonix-Affirmationen), Mitgefühls-Training (Gamma-Wellen) und anderes.

Betreuung:

Da es bei so viel Intensität bald ans Eingemachte geht, besteht die Möglichkeit, dass sich Schattenthemen melden. Hier liegt aber nicht die Schwachstelle von Bill Harris Organisation, sondern eher ihre Stärke. Denn der Aufwand, den Harris betreibt, um mit seinen Kunden in Kontakt zu kommen und zu bleiben, ist ganz enorm. Geschultes Fachpersonal ist täglich telefonisch erreichbar und auch Betreuung per e-mail nicht nur möglich, sondern sehr erwünscht. Man wird von der ersten Sekunde an, wo man das Einsteiger-Paket bekommt, freundlichst eingeladen, sofort persönlichen Kontakt zum Team herzustellen usw.

Des weiteren gibt es regelmäß 3 Typen von Newslettern:
1) Tipps spezifisch für den Anwender eines bestimmten Levels, die sich mit den Fallen und möglichen Schwierigkeiten, die gerade dort auftauchen können, auseinander setzen.

2) Allgemeine Rundschreiben an seine „Sangha“ bzw. Kunden, die auf den jeweils neuesten Blog-Eintrag verweisen. In diesen Blogs ist Harris unter anderem alle Strukturstufen sehr detailliert und lesbar durchgegangen, wobei er nacheinander Jean Piagets und dann Susan Cook-Greuters Version bzw. Termini erklärt hat. (Sein wohl eher an Zustandserfahrungen orientiertes Klientel hat auf diese betonte Präsentation von Strukturentwicklung und Stufen und die kognitive Herausforderung teilweise erfreut und teilweise mit Verwunderung oder Skepsis bis hin zu Ablehnung reagiert).

3) Networking-Newsletter, wo Produkte seiner „Freunde“ angepriesen werden. Unter diese fallen auch das Integrale Institut, wo er besonders den ILP-Starter-Kit beworben hat, oder auch Genpo Roshi, mit dem er gemeinsam bei Big-Mind Events auftritt. (Die anderen „Freunde“ gehören mehr zu den Erfolgs- und Reichtums-Trainern. Diese bewerben im Gegenzug wiederum Holosync und so bekommt das ganze Momentum).

Wem das noch nicht genügt, dem bietet Harris eine Art Persönlichkeits-Schulungs oder Optimierungs-Kurs an, den er Life Principles Integration Prozess® nennt. Das ist ein von Holosync® unabhängiges Projekt, eine Art Fernkurs per Internet und e-mail, bei dem man für einen entsprechenden Aufpreis auch von Harris persönlich betreut werden kann.
Einige Zitate aus dem Buch „Thresholds of the Mind“ (Schwellen des Bewusstseins), das dem ersten CD Set  beiliegt

„Die Holosync Technologie, die wir von Centerpointe [= Harris’ Firma, die Holosync entwickelt und vermarktet A.d.Ü.] benutzen, bietet eine präzise Methode, die Gehirnzustände zu duplizieren, wie sie Langzeit-Meditierende erfahren und eigentlich geht es noch über diese Zustände hinaus. Die Vorzüge der Verwendung dieser Technologie umfassen tiefe und dauerhaft Zufriedenheit, inneren Frieden, eine enorme geistige Klarheit, tiefes Selbst-Gewahrsein, die Heilung von alten Traumata, eine kontinuierliche Erfahrung von Verbundenheit mit anderen Menschen und dem Rest der Welt und besonders wichtig, tiefes und dauerhaftes Glück und Freude am Leben zu sein.“ (Einleitung S. XXII)

„Die Idee, die hinter der Meditation steckt, ist wirklich sehr simpel. Sie richtig zu machen kann aber schwierig sein, und sie zu meistern braucht viele Jahre. Wenn du meditierst, richtest du einfach deine Achtsamkeit auf den Fokus, den du dir gewählt hast - ein Mantra, ein heiliges Wort, ein Gebet, den Atem oder was immer - und wann immer du bemerkst, dass du abgelenkt warst (und das kann oft sein), kehrst du zum Fokus zurück. ... Meditation mit Holosync macht die Sache sehr einfach. Du brauchst nicht zu lernen, deinen Geist zu fokussieren während du meditierst, da die Technologie denselben Effekt im Gehirn bewirkt, wie das Fokussieren, aber ohne das bewusste Bemühen. Um genau zu sein, Holosync bewirkt tatsächlich einen stärkeren Effekt als traditionelle Meditation und führt schneller zu Ergebnissen. Holosync ist außerdem präziser und konsistenter. Es macht die ganze vorbereitende Phase des Erlernens einer Technik überflüssig (was Jahrzehnte dauern kann) und bringt dich direkt zu tatsächlichen Änderungen in deinem Leben.“

„Fast unmittelbar nach Beginn des Programms bemerken die Leute, dass ihre Schwelle für Stress höher geworden ist. Schwierige Menschen und Situationen werden einfacher zu handhaben, ohne ernsthafte emotionale Reaktionen. Dysfunktionale emotionale Probleme wie Wut, Angst, Depression, Unruhe sowie Missbrauch von Substanzen fangen an wegzufallen. Gleichzeitig wird der Denkprozess klarer. Enthusiasmus und Lebensfreude entwickeln sich und werden immer stärker. Oft wird einem auch der tatsächliche Zweck dieses Erdenlebens klar.“ (S. 8)
Später wendet er sich dann seiner Erklärung von vertikalem Wachstum zu, wobei er die einzelnen Schritte oder Schübe im Wachstum mit der Theorie der offenen Systeme von Ilya Progogine erklärt.
Im weiteren erklärt er sein Modell des Funktionierens des menschliche Geistes und wie Holosync zusammen mit dem unterstützenden Material,  das ich „Upgrade“ nennen möchte, da sich das Ganze ein bisschen wie das Handbuch zu einem neuen Computer-Programm liest, Erfolg, Glück und Zufriedenheit (die drei Ziele, die auch der Untertitel des Buches sind) bewirkt.

Wir leben in einer Welt, die sich das Ego gestrickt hat und sich selbst dabei mitstrickt.


Er geht dabei im Großen und Ganzen von den vier edlen Wahrheiten des Buddhismus aus, verwendet sonst aber sein ganz eigene, einfache und klare Sprache ohne irgend einen weiteren spirituellen Fachausdruck und mit vielen Bezügen zu wissenschaftlichen Forschungen, die seine Thesen belegen bzw. in Zusammenhang damit stehen. Dem integral informierten Leser fällt dabei auf, dass er den Begriff „Innere Landkarte“ in einer etwas ungewöhnlichen Art benutzt. Nämlich als einen anderen Ausdruck dafür, was bei Buddhisten „Ego“ genannt wird. Wenn er also sagt „The map is not the territory“ - die Landkarte ist nicht das tatsächliche Terrain - dann meint er, dass wir in einer Welt leben, die sich das Ego gestrickt hat und sich selbst dabei mitstrickt und daher das tatsächliche Terrain (= die direkte Sicht der Dinge, wie sie sind, was dem Funktionieren bzw. Sein des erwachten Geistes entspricht) nicht wahrnehmen kann. Die Reise geht also, gemäß seinem Sprachgebrauch, von der Landkarte in die Wirklichkeit.

Zum Schluss des Buches finden sich nochmals viele Dutzende von zufriedenen bis euphorischen Berichten von Leuten, die das Holosync Programm zumindest teilweise gemacht haben. An die hat man sich zu diesem Zeitpunkt schon gewöhnt, da das ganze Buch hindurch auf jeder zweiten bis dritten Seite ein solcher begeisterter Erfahrungsbericht in einem schönen Kästchen auf den Leser wartet.

Oft wird Holosync mit anderen ähnlichen Produkten verwechselt:
z.B. Hemisync, Holopoint oder Brainsync, bei denen es jedoch mehr um Erzeugung bestimmter Zustände als solche geht.
Dazu ist anzumerken, dass Bill Harris ursprünglich Hemisync verwendet und später daraus die Holosync Technik entwickelt hat. Die Verwirrung ist also nicht von ungefähr.
Bill Harris ist meines Wissens aber der einzige (und sicher der erfolgreichste) unter den Anbietern von Brain-Mind Maschinen, der die Guru Rolle in einem recht klassischen Sinn auf sich nimmt und als spiritueller Lehrer so etwas wie einen durch die Technik unterstützen Weg anbietet, der Persönlichkeitsentwicklung und spirituelles Bewusstsein fördert. Er selbst hat seiner Beschreibung nach 16 Jahre extrem viel nach klassischen Methoden meditiert, bevor er begann, mit hemisync-ähnlichen Methoden zu experimentieren.  

Wenn wir manchmal sagen, wir gehen jetzt in die Stille, setzen wir uns tatsächlich meist zunächst dem inneren Lärm aus.

Was ist von dem Ganzen nun zu halten?
Huy Lam bringt es in dem I-I Newsletter vom September 2007, in dem er Holosync empfiehlt, sehr gut auf den Punkt: Holosyncs Langzeitwirkung ist schwer abzuschätzen, ohne eben eine lange Zeit dafür aufzuwenden. Aber ein unmittelbarer Vorteil ist, dass es das Thema Zeit und Disziplin irgendwie unmerklich löst. Man meditiert einfach leichter und mehr mit Holosync.

Was man wohl beachten sollte ist Kens Tipp, es nicht dauernd zu machen, sondern mit „normaler“ Meditation abzuwechseln. Also ist es nicht so wichtig, wie wörtlich die Behauptung von Bill Harris zu nehmen ist, dass Holosync fünf- oder achtmal so effektiv ist wie herkömmliche Meditation. Ich kann jedenfalls bestätigen, dass ich schneller in tiefere Zustände komme und wenn es den Haken hat, dass weniger Intentionalität im Spiel ist wie bei anderer Meditation, wie Ken es in seinem Gespräch auf integral naked mit John Dupuy bemängelt, geht sich die Rechnung immer noch aus. Einfach, weil es viel leichter ist, mit Holosync eine Pause in den Alltag einzufügen und das Gedankenkarussell mal wirklich abzustellen.

Denn lasst uns nicht vergessen, dass es dabei tatsächlich um eine Pause geht und nicht eine zusätzliche zielgerichtete Tätigkeit wie unsere übrigen auch.  Chögyam Trungpa z. B. hat das nach seiner Ankunft im Westen schon bald als sehr amüsant kommentiert, dass Meditieren für uns Westler eine Tätigkeit ist und meistens als Zeitwort verwendet wird, was z. B. auf Sanskrit („Samadhi“) gar nicht geht.  Und wenn wir manchmal sagen, wir gehen jetzt in die Stille, setzen wir uns tatsächlich meist zunächst dem inneren Lärm aus. Und Ken zitiert gerne Richard Baker Roshis Phrase, dass Erleuchtung eine Art „Unfall“ ist und Meditation uns eben anfälliger dafür macht. Das alles läuft darauf hinaus, dass jegliche spirituelle Praxis nicht das verheißene Ergebnis (Erleuchtung, Satori u.ä.) erzeugen kann, da ein Nichtergebnis nie das Ergebnis einer bestimmten Anstrengung sein kann.

Aber spirituelle Praxis schafft „causes and conditions“ (Ursachen und Bedingungen), wie es im Buddhismus so schön heißt, für das Aufblühen oder Durchbrechen des Unerwarteten aus dem Nicht-Wissen.

Um solche causes & conditions zu schaffen, scheint mir Holosync aus folgenden Gründen geeignet:
Die meisten von uns kombinieren ihre spirituelle Praxis mit einem sehr weltlichen aktiven Leben. Das heißt, wir sind normaler Weise weder auf Retreat, noch in einem Kloster, noch mit einer Sangha von fleißig Praktizierenden zusammen. Unter solchen Bedingungen ist es viel schwieriger zu effektiv praktizieren. Und genau da kommt einem ein technisches Hilfsmittel wie Holosync gerade Recht. Eine Stunde regelmäßig Sitzen ist plötzlich kein Thema mehr – es geht fast wie von selbst (wie es auch ist, wenn man in einer Gruppe lebt oder in einen fixen, z. B. klösterlichen Tagesablauf eingebettet ist).
Völlige mentale Beruhigung (von Beta zu Alpha zu Theta zu Delta, wie bei vielen Stunden Meditation in Retreat) sind ebenfalls kein Thema mehr. Man braucht nur die Kopfhörer aufzusetzen und den iPod, oder was immer, anzustellen. Wenn man sich noch Kopfhörer mit aktiver Noise-Reduction zulegt, hat man auch an einem relativ belebten Ort die Ruhe eines abgeschiedenen Meditationszentrums.

Und abgesehen von dem „absoluten, großen Durchbruch“ gibt es doch noch die vielen kleinen relativen Köstlichkeiten der spirituellen Praxis, die Bill Harris so gerne in seinen Werbetexten und auch im Handbuch aufzählt. Und gerade dazu möchte ich sagen, dass meine persönliche Erfahrung nach einem Jahr Holosync die ist, dass das keine leeren Versprechungen sind. Das kann vielleicht auch damit zu tun haben, dass ich in dieser Zeit einige Schattenarbeit gemacht habe. Allerdings ist es wieder Holosync, das einen in geeigneter Weise „herunterfährt“, um in sehr effektiver Weise z.B.  den 3-2-1 Prozess zu machen.

Fazit:

Nach der Lektüre von mehreren Blogs zu Holosync und dem Gespräch zwischen Bill Harris und Ken Wilber aus dem Jahr 2003 läuft es sich darauf hinaus, dass niemand ein gültiges Urteil fällen will oder kann, ohne dass Daten über Langzeituntersuchungen einer größeren Anzahl von Holosync-Anwendern vorliegen. Diese Untersuchungen hat Bill in dem besagten Dialog mit Ken eindeutig und nachdrücklich aufs Programm gesetzt - allein, es liegen meines Wissens bis jetzt noch keine Daten öffentlich vor. Harris‘ Behauptung, dass unser Hirn durch Holosync neu (und das meint er ganz im physiologischen Sinn von neuen neuronalen Verbindungen, die entstehen) verdrahtet wird, beruht ja auf Tests mit Mäusen.
Andererseits: John Dupuy ist mit der Methode bei der Behandlung seiner Suchtkranken sehr glücklich und hat eindeutige relevante Ergebnisse, ich selbst bin in meiner persönlichen Praxis damit sehr zufrieden, aber man liest auch Aussagen von Leuten, denen es nichts gebracht hat. Diejenigen, die daraufhin von der Money-Back-Guarantee Gebrauch gemacht haben, haben ihr Geld ohne weitere Fragen zurückbekommen.

Positive persönliche Berichte nach Monaten oder Jahren von Holosync Anwendung finden sich in großer Zahl im Internet auch außerhalb der Centerpointe-Webseiten.

Links zum Thema:
Kostenlose Demo CD: https://www.centerpointe.com/demo/

Harris‘ Sonderangebot für Integrale:
http://www.centerpointe.com/free/wil101/

Beispiel eines ausführlichen persönlicher Berichts nach einem Jahr Holosync: http://isabeljoelyblack.wordpress.com/2008/07/19/holosync-one-year-on/

Wie eingangs erwähnt, möchte ich auch noch andere Techniken vorstellen, die auf Neurofeedback beruhen.

Die Technik des Neurofeedbacks, die Holosync zugrunde liegt, wurde auch von anderen Wissenschaftlern weiter entwickelt, die nicht den Weg der binauralen Beats gingen.

Les Fehmi mit seiner Open Focus Technik, dargestellt in seinem Buch „The Open Focus Brain“ und auf seiner Webseite openfocus.com (auf der es auch kostenlose Übungen als mp3 zum Runterladen gibt).
Für Fehmi ist die Wurzel allen Übels das, was er engen (narrow) Focus nennt. Die Art, unsere Aufmerksamkeit (attention) zu benützen, die in der Informationsgesellschaft noch verschärft wird, gegenüber den überlebens-orientierten Menschen und den übrigen Entwicklungsstufen, die darauf folgten.
Er bietet eine Reihe von geführten Meditationen an, in denen alles, was unser Geist für ein Objekt halten könnte, geschickt, sachte und leise, mittels fast hypnotischer Sprachmuster und Sätze, aufgelöst wird. Immer weiter: Das Subjekt wird zum Objekt des Subjekts der nächsten Stufe. Der totale Open-Focus ist offensichtlich das nonduale Bewusstsein, das auch den Zeugen mit einschließt.
Obwohl er genau das erklärt, kommen spirituelle Termini bei ihm nicht vor. Fehmi verwendet ein rein wissenschaftliches bzw. Alltags Vokabular. Bei ihm heißt das dann: Unsere Aufmerksamkeit von engem Fokus zu weitem oder offenem Fokus zu öffnen. Soviel er erläutert, sind die Sätze, die er verwendet, genau jene, die auf seinen Neurofeedbackmaschinen in den über 30 Jahren, die er diese Arbeit macht, die höchste Effizienz angezeigt haben, um die Gehirnfrequenzen seiner Probanden bzw. Patienten abzusenken und eine Synchronisierung der Gehirnareale (nicht nur der beiden Hemisphären) zu erreichen. Das Buch ist angenehm sachlich und bescheiden gehalten.
Hier gibt es kein Sonderthema zur Schattenarbeit wie bei Holosync, da Open-Focus Brain für Fehmi gerade die effektivste Methode ist, Schattenarbeit zu unterstützen (sowohl er als auch seine Frau, mit der er zusammenarbeitet, sind Psychotherapeuten). Große Erfolge hat er seinen Angaben nach mit Open-Focus nicht nur bei ADS und Hyperaktivität, sondern auch bei schwierigen Fällen von Depressionen und Migräne. Die Liste der von ihm erfolgreich behandelten Krankheiten ist lang, seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen viele.
 Schmerzunempfindlichkeit, Stressreduktion, ein Gefühl des Friedens und Glücks (was er jedoch nie Satori nennt), Optimierung von Höchstleistungen etc. ist, was er „Gesunden“ anzubieten hat.
Dieses ist sein erstes Buch für die Öffentlichkeit. Er hat bis jetzt nur Artikel in Fachpublikationen veröffentlicht.
Ich hab diese CDs einige Wochen täglich und später nur sporadisch gehört. Empfohlen ist zweimal täglich, was ich nur gemacht hab, bis die Holosync CDs angekommen sind. Danach hab ich sie nacheinander gehört.
Mit meinem ULP Messgerät (dem „PcE-Trainer“ von Eggetsberger/Wien, der die ultraniedrigen Hirnpotenziale misst, was nach Eggetsbergers Meinung und gemäß seinen Messungen an Mantak Chia und Shao-Lin Mönchen das Chi in den beiden Hemisphären angibt) habe ich mit Fehmis CD eine größere Effektivität als bei allen Eggetsberger-Übungen und anderen Meditationen festgestellt. Die Wirkung von Holosync ist noch größer. Jedoch:  Aber wenn ich nach Holosync die Fehmi-Meditation mache, steigen die Werte weiter an, während sie gleich bleiben, wenn ich nur „sitze“.
Auch ist es im Alltag sehr brauchbar, sich an Open-Focus Impulse zu erinnern bzw. sich auf Open-Focus Wahrnehmung einzustellen. Ein ausgezeichnetes Anti-Stress Mittel und man entwickelt mit der Zeit und etwas Übung einiges Geschick darin.
Fehmi schreibt abschließend in seinem Buch, dass seine Methode zwar als Weg geeignet ist, langfristig die Lebensqualität zu verbessern, dass er aber sieht, dass sie in erster Linie zu Erreichung bestimmter Ziele angewandt und danach wieder fallen gelassen wird. Mit Zielen ist bei Kranken Heilung und beim Coachen von Höchstleistungen eben das Erreichen dieser Ergebnisse gemeint. OpenFocus wird auch im Spitzensport und Businessbereich eingesetzt.
Noch ein praktische Detail: Eine OpenFocus CD kann man einer ganzen Gruppe vorspielen. Keine Kopfhörer sind notwendig.

James Hardt ist ein weiterer „Überlebender“ der frühen Neurofeedback-Forschung, der, nachdem die Neurofeedback-Mode der 70er Jahre durch  Ronald Reagans Streichung aller Fördermittel für derartige Forschungen im Jahre 1981 zum Erliegen kam, unter schwierigsten Bedingungen mit spärlichen eigenen Mittel weiter geforscht hat. Das hat er mit Les Fehmi und auch den frühen Forschern der binauralen Methode gemeinsam.
Hardts Ansatz ist wieder ein anderer. Er legt ihn in seinem Buch „The Art of Smart Thinking“ dar. Bei ihm sitzt der Proband in einer schalldichten Kammer vor einem Bildschirm, der ihm zusammen mit Lautsprechern direktes Feedback auf alle seine mentalen Vorgänge liefert. Bei Hardt wird der Proband nun zuerst darin trainiert, eine beliebige vorherrschende Hirn-Schwingung zu erzeugen(zunächst natürlich nur Alpha) und ab dem dritten Tag geht es an die Schatten und ihre Aufarbeitung. Der ganze Prozess zieht sich über jeweils eine Woche für Alpha, eine für Theta und eine für Delta. Man ist die ganze Woche lang 12 Stunden am Tag bei ihm im Labor.
Der Computer ist mit Tausenden von Sätzen gefüttert, und der sich in Alpha befindende Klient wird darauf getestet, bei welchem Satz oder welcher Assoziation er/sie auf dem EEG-Ausdruck Spitzenausschläge erzeugt, was auf ein Schattenthema hinweist.
Dieses wird dann in weiteren Sitzungen „abgearbeitet“ - in erster Linie durch Verzeihen, bei dem der Computer an Hand des EEG wieder kontrolliert, wann und ob es ein echtes Verzeihen ist(!). Auch Bill Harris hat diese Woche gebucht, war höchst angetan und hat auch das Vorwort zu Hardts Buch geschrieben.
Web: www.biocybernaut.com

Das Statement aus dem neuen Buch „Integrale Lebenspraxis“  von Ken Wilber et el.*) - seit Sept. 2009 im Verkauf - darf natürlich in diesem Artikel nicht fehlen. Es bringt alles, was mit integraler Praxis zu tun hat, präzise auf den Punkt, so auch unser Thema. Zitat aus dem Kapitel „Zustände“: „Geist/Hirn Geräte (Mind/brain machines) -  z.B. Licht & Ton Geräte und Audio-Ton-Technologie - können auch [neben Drogen, von denen vorher die Rede war] höhere Zustände induzieren. Es ist jedoch wichtig, jegliche zustands-induzierende exogene Methode (wie Drogen und Ton-Technologien) durch eine endogene Methode der Meditation zu ergänzen.“

Ein Bonmot am Rande und zum Abschluss: Auf der oben genannten Startseite ist ein Link zu der Larry King Live Sendung über Dr. Hardt, in der Larry King dem CNN Brain-Science Korrespondenten die denkwürdige Frage stellt:

„But where is the mind?”
FB-8-2008

*) S. 106, Integral Life Practice von Ken Wilber, Terry Patten, Adam Leonard und Marco Morelli. Erschienen bei Integral Books, August 2008