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20.11.2017 : 8:51 : +0100

Musik - Kultur – Entwicklung

Michael Habecker

Zu den großen menschlichen kulturellen Leistungen gehört die Musik. Und auch für sie gilt: Sie hat sich entwickelt. Was immer für Musik Sie gerade hören, sie ist in all ihren Elementen und insgesamt das Ergebnis einer langen Historie. Ihr Rhythmus, ihre Melodik, ihre Harmonik, ihr kompositorischer Aufbau, die Instrumente und Darbringungstechniken, und auch die dahinterstehende Industrie – haben sich entwickelt. Wir finden darin alles wieder was auch sonst Entwicklung auszeichnet: eine technische Dimension – von ersten einfachen Instrumenten zu einem Orchester, eine Bewusstseinsdimension– von ersten impulsiven Rufen bis zu mehrstimmigen Chören, ein emanzipatorisches Bestreben– von einer Unterordnung der Musik unter die kirchliche Liturgie im Mittelalter bis zu einer völligen Befreiung und Selbstbestimmungen wie wir sie heute kennen. Faszinierend ist auch die Grammatik von Musik,die Merkmale und Strukturen,welche, verborgen hinter den musikalischen Phänomenen, die wir als eine Tonabfolge hören, einer Komposition ihren Aufbau verleiht. Diese Strukturen sind sehr unterschiedlich, von Kultur zu Kultur und Musikstil zu Musikstil, doch es gibt auch allgemeine Prinzipien, die wir fast überallauf der Welt finden, als Ausdruckeiner Universalität von Musikund des Menschseins insgesamt. (Der „Quintenzirkel“, den die meisten wahrscheinlich noch aus dem Musikunterricht kennen, stellt so ein ganz grundlegen des Strukturelement von Musik dar).

Eine grundlegende Dynamik menschlichen Lebens ist die Bewegung zwischen Ruhe und Spannung. Diese findet sich auch inder Musik wieder, wie im Bild schematisch dargestellt. Je nachdem von welcherTonart man ausgeht,werden alle Tonarten zu Ruhe- oder Spannungstonarten, oder nehmen eine Zwischenstellungein. Die Abbildung zeigt die Akkorde vom C-Bereich ausgehend.

Werner Pöhlert (1928 – 2000) war Jazzgitarrist, Publizist und Hochschuldozent. Neben seiner musikalischen Praxis hat er sich auch eingehend mit der Grammatik von Musik beschäftigt, den grundlegenden Mustern und Strukturen des Musizierens im Zwölftonsystem, das sich weltweit verbreitet hat.*


Die Erkenntnisse daraus hat er in seinem Standardwerk Grundlagenharmonik, als einem Meisterwerk musikalischen Strukturalismus, veröffentlicht. Aus diesem Buch stammt auch die nebenstehende Abbildungeiner kulturellen Evolution von Musik, die wir hier mit freundlicher Genehmigung des Zimmermann Verlages und von Jochen Pöhlert, der das Werk seines Vaters weiterführt, abdrucken.

* Eine Ausnahme bilden die Tonsysteme der indonesischen Gamelan Musik. Dort enthält die Oktave 4, 5 oder 7 Töne. Hörbeispiele finden sich auf youtube.

Bildnachweise: Aus Werner Pöhlert, Grundlagenharmonik, 5. Überarbeitete Auflage, Zimmermann Verlag.