Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Medien / Buchbesprechungen
DeutschEnglishFrancais
25.5.2017 : 1:25 : +0200

Medien

In dieser Sektion finden Sie alles zum Thema "Medien" aus integraler Perspektive betrachtet.

In erster Linie sammeln wir in dieser Sektion Besprechungen aktueller Medien mit integralen Inhalten, d.h. Bücher, DVDs, CDs, Online-Kurse, Videos, und dergleichen oder aber auch Besprechungen konventioneller Medien aus integraler Sicht.

Wir hoffen, dass wir hier dann in Zukunft auch medientheoretische Beiträge aus integraler Sicht präsentieren können. Vorschläge sind willkommen! 

 

Buchbesprechungen

The simple feeling of being - Wilber’s neues altes Buch

The simple feeling of being - Wilber’s neues altes Buch

von Michael Habecker

 

The Simple Feeling Of Being – Das einfache Gefühl des Seins ist der Titel eines neuen Buches von Wilber, welches kürzlich im Shambhala Verlag erschienen ist. Es ist neu und alt zugleich – neu weil es erst seit kurzem auf dem Markt ist, und alt, weil es eine Zusammenstellung bereits veröffentlichter Texte von Wilber ist, Texte, die den Leser Wilber als Mystiker, Poeten und Menschen näher bringen. Ein derartiges Projekt hat nun auch Wilbers „Hausverlag“ Shambhala in Angriff genommen, und es ist wunderbar gelungen. Auch wenn man mit Wilbers Werk schon gut vertraut ist, so ist es noch mal ein ganz anderes Leseerlebnis, seine tiefgründigen, und doch leichten Formulierungen aus dem Grund des Seins heraus zu lesen, dicht und kompakt, frei und leicht, humorvoll und intensiv, klar, leidenschaftlich und voller Mitgefühl.

Im Vorwort zum Buch heißt es:

In seinen vielen Büchern und Aufsätzen lädt Wilber den Leser dazu ein, sich den Kosmos als ein vier-quadrantisches Mandala vorzustellen, mit verschiedenen Schichten (wie Ebenen, Linien, Typen, Körpern). In Wirklichkeit sind die gedankenreichen Schriften meditative Instruktionen für seine Leser, mit denen sie die Welt der Formen in einen göttlichen integralen Ort verwandeln können. Am Ende der Textpassagen, Kapitel oder Bücher erinnert Wilber den Leser daran, das er dieses Mandala selbst ist, dass er oder sie dieses Bewusstsein ist, welches diese Weltmatrix hervorbringt und enthüllt. Und so löst sich das intellektuelle Gebäude dann wieder auf in der Soheit, und die integrale Landkarte wird zum Sprungbrett hinein in die Wasser des ewigen JETZT. So gesehen steht Wilbers Arbeit, auch in ihren intellektuellsten Aspekten, immer im Dienst der Erinnerung des GEISTES. Es ist ein Weckruf an alle bewussten Wesen zur Quelle zu erwachen, welche immer schon Ausgangspunkt und Spiel des Lebens ist.

weiterlesen ...

Ken Wilbers Halbzeit der Evolution (Zusammenfassung)

Ken Wilbers Halbzeit der Evolution (Zusammenfassung)

von Michael Habecker

Hinweis: Die Zitate dieses Kapitels stammen aus: Ken Wilber, Halbzeit der Evolution, Goldmann Verlag 1990

Zum Buch

Halbzeit der Evolution ist gewissermaßen das Zwillingsbuch zum Atman Projekt. Während sich Letzteres mit der Individualentwicklung des Menschen beschäftigt, beschreibt Wilber in Halbzeit die Innenansicht der kollektiven Entwicklung der Menschheit durch die verschiedenen Bewusstseinsebenen, von Anbeginn an bis heute, und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen. 

Vorwort

„‚Die Menschheit befindet sich auf halbem Wege zwischen den Göttern und den Tieren’, schrieb einst Plotin. Dieses Buch zeichnet den Ablauf der Geschichte und Vorgeschichte nach, der die Menschheit in diese problematische Situation geführt hat... Der Mensch ist eine im tiefsten Wesen tragische Erscheinung mit einer vielversprechenden Zukunft - wenn er es schafft, den Übergang zu erleben... Dieses Buch erzählt die Geschichte der Seele, die sich auf halbem Weg zwischen dem Tier und den Göttern befindet, der Seele, die sich aus dem tierischen Zustand befreit und sich auf den Weg zum Himmel gemacht hat, der Seele, die in einer evolutionär aufsteigenden Kurve in Richtung Unsterblichkeit klettert – die diese Tatsache aber erst in jüngster Zeit entdeckt hat. “ (7) 

 

Einführung

Wilber gibt in der Einführung einen Überblick über Elemente seines bisherigen Werkes, erläutert in einem historischen Abriss die Beziehung des Menschlichen zum Göttlichen, stellt die Große Kette des Seins vor, mit den Ebenen wie er sie schon in seinen vorhergehenden Büchern verwendet hat, und fasst das Atman-Projekt zusammen, die Ersatzformen für Transzendenz. 

Erster Teil: Vor langer Zeit im Garten Eden

1. Die geheimnisvolle Schlange

Wilber beginnt seine Reise durch die kollektive Menschheitsgeschichte an dem Punkt, wo die ersten Hominiden auftraten.

„Der Urmensch begann seinen Weg eingehüllt in die unbewussten Bereiche von Natur und Körper, von Pflanze und Tier. Er ‚erfuhr’ sich anfänglich als ununterscheidbar von der Welt, wie sie sich bis dahin entwickelt hatte. Die Welt des Menschen – Natur, Materie, pflanzliches Leben und animalischer Körper (säugetierhaft) – sowie das Ich des Menschen – das sich entfaltende neue Zentrum seiner Erfahrung  - waren undifferenziert, eingebettet, miteinander verschmolzen und ununterschieden. Sein Ich war seine naturhafte Welt; seine naturhafte Welt war sein Ich.“ (38)

 

Wilber nennt gleich zu Beginn eine wichtige Quelle seiner Arbeit: Jean Gebser.

Auf Seite 46 erwähnt Wilber die Vedanta Philosophie – und führt in diesem Zusammenhang die drei großen Bewusstseinszustände Wachen, Träumen und traumloser Tiefschlaf an. Auf dieses Modell wird er insbesondere ab Wilber IV verstärkt zurückgreifen, wenn es um die Bedeutung der Bewusstseinszustände für das integrale Modell geht. In seinen frühen Werken liegt der Schwerpunkt auf den Ebenen des Bewusstseins.

Auf S. 49 „ortet“ sich Wilber als Hermeneutiker („Wie die Wissenschaft der Hermeneutik, zu deren Repräsentanten ich mich selbst zähle...“). In einer längeren Fußnote skizziert er diese Wissenschaft, und beginnt damit ein Tradition, welche er insbesondere in Eros Kosmos Logos intensiviert: Das Verwenden von Fußnoten und Anmerkungen zur Unterbringung längerer erklärender Passagen, bis hin zu kompletten Essays.

 

weiterlesen ...

Potenziale in Menschen erkennen, wecken, und messen

Potenziale in Menschen erkennen, wecken, und messen

Handbuch der Entwicklungsorientierten Beratung
Band 1 von Otto E. Laske

eine Buchbesprechung von Michael Habecker

Einleitung

Der Name Otto Laske tauchte in den zurückliegenden Jahren immer wieder auf, im Zusammenhang mit dem Thema Erwachsenenentwicklung, doch bisher ist dieser Autor und Institutsleiter von der integralen Szene sowohl in den USA wie auch im deutschsprachigen Raum kaum beachtet worden. Mit einer ausführlichen Besprechung seines Buches (Band 1, eine Besprechung des zweiten Bandes folgt zu einem späteren Zeitpunkt) soll dieses Versäumnis nun beendet werden, zumindest was den Wirkungskreis des Integralen Forums betrifft.

Alle im Haupttext eingerückten Zitate stammen, sofern nicht anders angegeben, aus dem besprochenen Buch. Die Zahlenangaben am Ende der Zitatstellen beziehen sich auf die Seitenangaben des Buches.

Stellen wir zuerst den Autor vor:

Otto Laske (*1936 in Schlesien) leitet seit 2000 das von ihm gegründete Interdevelopmental Institute bei Boston, MA, USA. Er ist als Sozialwissenschaftler Schüler von Th. W. Adorno (Dr. phil. 1966), Max Horkheimer, Herbert Simon, Elliott Jaques, und Robert Kegan. Anfänglich studierte Otto Wirtschaftswissenschaften in Göttingen und Frankfurt am Main, ging aber schon 1956 zur Soziologie und 1958 zur Philosophie über. Lyriker seit 1955, verfolgte er seit 1960 auch musikalische Studien. Diese setzte er 1966 am New England Conservatory, Boston, fort, und begann 1968 eine akademische Laufbahn, die ihn nach Kanada (Montreal) und in die Niederlande (Utrecht) führte, wo er am Instituut voor Sonologie, Utrecht, die Disziplin der Kognitiven Musikwissenschaft begründete (1970-1975). 1975 kehrte Otto nach den USA zurück und wurde Software Engineer und später Managementberater sowie auch Künstlerischer Leiter von NEWCOMP, der New England Computer Arts Association. In den neunziger Jahren wurde Otto Psychologe und nahm an der Harvard University vor allem die Entwicklungspsychologie Erwachsener in sich auf (1992-1995). Aufgrund seiner zweiten, auf die Messung von Entwicklungsgraden Erwachsener gerichteten, Dissertation (Psy.D. 1999; Massachusetts School of Professional Psychology)

gründete er das Interdevelopmental Institute (IDM), an dem er heute einen internationalen Schülerkreis durch distance learning in das von ihm geschaffene Constructive Developmental Framework (CDF) einführt. Otto verfolgte lebenslang eine kompositorische Laufbahn und verfasste zahlreiche, im Jahre 2010 zusammengestellte, Sammlungen deutscher und englischer Gedichte. Sie finden ihn über das Internet (www.ottolaske.com, www.cdemusic.org, www.silenteditions.com [catalog]) und per e-mail an otto@interdevelopmentals.org. (viii)

 

Der Autor beginnt in der Einleitung damit, auf die Bedeutung des Themas Erwachsenenentwicklung hinzuweisen, ein Thema das in der öffentlichen Diskussion, einschließlich des wissenschaftlichen Diskurses, so gut wie nicht vorkommt. 

Es braucht hier nichts weniger als einen Paradigmenwechsel, oder wie in der Wende der modernen Physik, die Einführung einer neuen Dimension, nämlich der Entwicklung. Es ist in der Tat frappierend, wie wenig die Theorie und die meiste Praxis der Menschen-orientierten Helferberufe den Menschen in seiner Entwicklung über (längere) Zeit betrachtet. Doch fragen Sie sich einmal, was Sie vor zehn Jahren kaum noch denken konnten und heute wie aus dem Handgelenk beherrschen, dann stellen Sie an sich selbst fest, wie sehr wir uns in unserer Identität und Struktur des Selbst über die Zeit sogar dramatisch weiterbilden. (xi)

Sein Bestreben dabei ist eine „Synthese von deutschsprachiger kritischer Denktradition und amerikanisch-pragmatischer konkreter Betrachtung des Entwicklungsphänomens.“ (xi)

 

weiterlesen ...

Ruediger Dahlke - Das Schattenprinzip

Ruediger Dahlke - Das Schattenprinzip

Eine Buchbesprechung von Michael Habecker

 

Dr. med. Ruediger Dahlke gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart deutscher Sprache. In alternativen Kreisen (im weitesten Sinn) kennt ihn praktisch jeder, oder hat seinen Namen zumindest gehört. Seine Bücher sind ebenso Bestseller wie Longseller, und er ist mittlerweile in 22 Sprachen übersetzt, worauf der Klappentext zum Buch hinweist.

Eine Besprechung eines Werkes zum Schattenprinzip dieses Autors ist aus vielerlei Gründen interessant. Zum einen geht es um das Phänomen, wie es Dahlke immer wieder und nach vielen Jahren der Autorenschaft schafft, am Markt erfolgreich zu sein. Weiterhin geht es um die spannende Frage, ob und wie es in der Gesellschaft mit seinen Anliegen wie einer Versöhnung von Schulmedizin, alternativer Medizin, Spiritualität und Psychotherapie vorangeht. Und schließlich geht es, aus einer integral informierten Perspektive darum, einen Vergleich anzustellen zu Ken Wilbers Werk. Die Parallelen sind auffällig: beide Autoren sind erfolgreich, sie ziehen eine Menge Kritik auf sich, sie decken mit ihrer Arbeit und ihren Veröffentlichungen ein breites Themenspektrum ab, bei Wilber sogar erklärtermaßen eine „Theorie von allem“, und beide behandeln Themen wie Erkenntnis, Spiritualität und Psychotherapie, und sind um die Integration von Gegensätzen und ein Gesamtbild der Existenz und des Menschen bemüht. Doch worin unterscheiden sie sich?

Bevor wir dem nachgehen, steht am Beginn eine eigene Schattenarbeit an, wie es sich für einen Beitrag über ein Buch dieses Titels gehört, und eigentlich grundsätzlich am Anfang jeder Arbeit über einen anderen Menschen (bzw. sein Werk) stehen sollte. Wie stehe ich zu Ruediger Dahlke? Ich habe Dahlke schon vor zwanzig Jahren mit Begeisterung gelesen, beginnend mit dem Klassiker „Krankheit als Weg“. Ruediger Dahlke war für mich einer der wichtigsten Einstiegsautoren in eine Welt, die sich nicht nur auf Äußerliches beschränkt sondern auch eine Innenseite hat. Seine Deutung von Krankheitsbildern schien mir ebenso aufregend wie revolutionär, auch wenn diese eine lange Tradition hat – doch in einer materialistischen geprägten Kultur wie ich sie in meiner Jugend und vor allem auf meinen Bildungsweg erfahren habe, war das etwas Faszinierendes und Neues. Ich habe seine frühen Bücher verschlungen und auch Vorträge und Seminare von ihm besucht. „Endlich“, so gingen mir der Geist und das Herz auf, „spricht jemand über die Innenseite der Dinge“, etwas was ich immer intensiv in mir wahrgenommen habe, in der öffentlichen und vor allem akademischen Diskussion jedoch schmerzlich vermisste hatte.

 

weiterlesen ...

Integral Ecology – eine Buchbesprechung

Integral Ecology – eine Buchbesprechung

von Michael Habecker

Mit der Veröffentlichung seines Buches Eros, Kosmos, Logos im Jahr 1995 formulierte der amerikanische Autor und Philosoph Ken Wilber erstmals das, was heute als „integraler Ansatz“ immer mehr Verbreitung und Anwendung findet. Dieser Ansatz lässt sich, so sein eigener Anspruch, auf alle Wissens- und Seinsgebiete anwenden. Mit dem Buch Integral Ecology, Uniting Multiple Perspectives on the Natural World liegt nun erstmals ein Fach- und Lehrbuch vor, an dem sich dieser Anspruch – bezogen auf das Thema Ökologie – messen lässt.

 

Das Buch ist nicht von Ken Wilber geschrieben, auch wenn er daran mitgewirkt hat, und das ist bemerkenswert. Die Autoren Sean Esbjörn-Hargens und Michael E. Zimmermann demonstrieren, dass „integral“ auch ohne Wilber geht, d. h. die Methodik integraler Untersuchungen und Darstellung ist personenunabhängig, so wie auch die naturwissenschaftliche Vorgehensweise nicht von Personen wie Galileo Galilei abhängt, was für ihre wissenschaftliche Aufnahme und Verbreitung von großer Bedeutung ist.

Was steht auf den knapp 800 Seiten des Buches, und was unterscheidet dieses Buch von den vielen anderen Veröffentlichungen zum Thema, auch und gerade den „ganzheitlichen“, „holistischen“ und „interdisziplinären“ ökologischen Ansätzen?

Das Buch gliedert sich in vier Teile. Im ersten wird der konzeptuelle Rahmen einer integralen Ökologie vorgestellt, im zweiten werden ihr Wer, Was und Wie erläutert, im dritten erfolgt die konkrete Anwendung dieser Ökologie auf existierende Fragestellungen, und im vierten werden drei Fallstudien aufgeführt, an denen die Umsetzbarkeit integralen ökologischen Denkens in der Praxis überprüft worden ist.

weiterlesen ...

Buchbesprechung - Mystik, Eine Studie über die Natur und Entwicklung des religiösen Bewusstseins im Menschen, von Evelyn Underhill.

Buchbesprechung - Mystik, Eine Studie über die Natur und Entwicklung des religiösen Bewusstseins im Menschen, von Evelyn Underhill.

von Michael Habecker

In einer Zeit globalisierten Wissens kann der Eindruck entstehen, es sei „alles da“, und doch ist es nicht so einfach. Die Kunst besteht heute zum einen darin, die ungeheure, und ständig anwachsende Informationsfülle qualitativ und quantitativ zu sichten, zu ordnen und zugänglich zu machen. Gleichzeitig taucht nicht nur ständig neues Wissen auf, sondern, weniger spektakulär, es verschwindet auch massenhaft wertvolle Information, z. B. in der Form, dass Bücher nicht mehr aufgelegt werden. Das mag in vielen Fällen kein Verlust sein, doch im Fall des hier besprochenen, 1911 erstmals erschienenen Buches Mystik von Evelyn Unterhill[1] ist dies ein großer Verlust. Das Buch ist eines der ganz großen Werke zum Thema, und ist derzeit (Ende 2010) nur antiquarisch (für 80,- € aufwärts) erhältlich. Doch es gibt Hoffnung: Auf eine Anfrage beim Turm Verlag, der das Buch zuletzt verlegt hat, erhielt ich folgende Nachricht:

„Vielen Dank für Ihre Mail zu dem Buch ‚Mystik’ von Evelyn Underhill. Es freut mich, dass Sie dieses mit Freude lesen und als Bereicherung empfinden. Derzeit ist keine Neuauflage dieses Titels geplant, allerdings könnte es eine solche in den nächsten Jahren durchaus geben.“

Hinweisgeber auf dieses Buch war einmal mehr Ken Wilber, der die Arbeit von Evelyn Underhill immer wieder beispielhaft anführt, wenn es um die Beschreibung des Zustandswegs des Erwachens geht, des klassischen mystischen Weges[2].

weiterlesen ...

 


[1] Eine Kurzbiografie von Evelyn Underhill ist in der Anlage 1 dieser Buchbesprechung aufgeführt.

[2] im Unterschied zum Strukturweg des Erwachens, wie er durch die Entwicklungsforschung und Entwicklungspsychologie beschrieben wird. Wilber ist wohl der erste, der die Differenzierung beider Wege vorgenommen hat, bei gleichzeitiger Betonung der Bedeutung von beidem. 

Buchbesprechung: Zen, Nationalismus und Krieg

Buchbesprechung: Zen, Nationalismus und Krieg

von Michael Habecker

 

Brian Victoria, Zen, Nationalismus und Krieg – Eine unheimliche Allianz (Zen at war, Thesus)

 

Zu den überraschenden, ja auch schockierenden Einsichten, die Ken Wilbers aktuelle Arbeit liefert, gehört die Erkenntnis, dass hohe Einsichten in die Zustände des Seins („Erleuchtung“ im traditionellen Sinn) keineswegs notwendig einhergehen mit einer hohen geistigen oder moralischen Verwirklichung. Um diesen wichtigen Punkt zu unterstreichen, greift Wilber zu so drastischen Formulierungen wie der, dass auch Nazis ein Zen Training erfolgreich absolvieren können. 

“Man kann ein vollständige Training dieser Zustände des Bewusstseins absolvieren, und dennoch auf der Bewusstseinsstruktur verbleiben, auf der man ist. Nazis können satori erfahren.[1]

Dies war, zumindest für mich, ein Schock. Natürlich war mir klar, dass eine hohe Verwirklichung bei jemandem, der, sagen wir, zwanzig Jahr ernsthaft meditiert, nicht automatisch einhergeht mit dem Wissen, wer gerade in der Bundesliga an erster Stelle steht oder wie man ein Fahrrad repariert, aber ich bin doch davon ausgegangen, dass Menschen mit einer tiefen Einsicht in ihren Geist auch eine entsprechend hohe Ethik und moralische Einsichtsfähigkeit entwickeln, doch dem ist nicht so, jedenfalls nicht automatisch. Das ist keine Kritik an der Einsichtsfähigkeit von Menschen mit einem jahrelangen meditativen Erfahrungshintergrund, sondern es weist lediglich auf Grenzen meditativer oder kontemplativer Erkenntnisfähigkeit hin, Grenzen die jedoch durch eine meditative Praxis selbst nicht automatisch erkannt werden. Erkenntnistheoretisch ist dies der Unterschied zwischen den Inhalten des menschlichen Bewusstseins einerseits und seinen Strukturen andererseits, also zwischen der Phänomenologie und dem Strukturalismus[2]. Erstere liefert Aussagen über die Inhalte des Bewusstseins, einschließlich von Inhalten und Erfahrungen, die man auch als Erleuchtung oder Erwachen bezeichnet, Letzterer liefert Erkenntnisse über die Strukturen des Bewusstseins, vor deren Hintergrund diese Inhalte interpretiert werden. Beides ist nicht das Gleiche, und muss daher voneinander unterschieden werden, auch in seiner jeweils unterschiedlichen Entwicklung.

Eine einfache Darstellungsmöglichkeit für diesen Sachverhalt ist das „Wilber-Combs-Raster“, bei dem die Zustände des Seins horizontal und die Strukturentwicklung vertikal miteinander in einen Bezug gesetzt werden, was zu einem Raster unterschiedlicher Kombinationen führt, je nachdem wo sich ein Mensch sowohl in seiner Zustands- als auch in seiner Strukturentwicklung befindet. Ein konkretes Beispiel für derartige Untersuchungen liefert Wilber in den Büchern Boomeritis und Integrale Spiritualität (im Abschnitt 5 Boomeritis Buddhismus, wo er darlegt wie Menschen, die den Zustandsweg in ihrer Verwirklichung mehr oder weniger durchlaufen haben - grobstofflich, subtil, kausal, nichtdual, die Horizontale des Wilber-Combs-Rasters -, dennoch in einer ungesunden pluralistischen Entwicklungsstruktur stecken können, ohne dies selbst zu bemerken, der obere eingezeichnete Kasten in der Grafik).

 

weiterlesen ...

Integrale Lebenspraxis – deutsche Übersetzung

Integrale Lebenspraxis – deutsche Übersetzung

von Michael Habecker

 

Seit Oktober liegt das Buch „Integrale Lebenspraxis“ endlich in deutscher Übersetzung vor. Ich arbeite mit dem Buch seit dem Erscheinen des amerikanischen Originals 2008 und bin begeistert. Es begleitet mich auf allen Seminaren als eine Quelle von Freude und Inspiration. Als Heilpraktiker und Praktizierender habe ich die nach 1968- er Jahre voll miterlebt und dabei Dutzende, wenn nicht Hunderte von Techniken kennengelernt, vom Hörensagen bis hin zum intensiven Ausprobieren. Von A wie Aufstellungsarbeit bis Z wie Zen, von E wie experimentell bis T wie traditionell sehen wir uns heute einer unglaublichen Fülle an Angeboten gegenüber, verbunden mit Fragen wie: Wie hängt das alles zusammen (wenn überhaupt), und was ich für mich das Richtige? Antworten darauf finden wir durch den Gesamtrahmen der integralen Theorie und konkrete und lebensnahe Anleitungen im Buch „Integrale Lebenspraxis“.

 

weiterlesen ...

Buch-Rezension: Das andere Totenbuch

Buch-Rezension: Das andere Totenbuch

von Gitta Burger

Wulf Mirko Weinreich schreibt, sein Buch sei als „eine praktische, leicht zu handhabende Anleitung, um Sterbende zu begleiten“ gedacht. Das ist es zweifellos, aber auch einiges darüber hinaus. Es kann als eine knappe Einführung in das Wesen des Buddhismus verstanden werden, aber auch als eine Würdigung und praktische Anwendung von Ken Wilbers Integralem Bewusstseinsmodell.

Für alle, die sich mit solchen Modellen noch nicht beschäftigt haben oder die sich vom Schlagwort „Spiritualität“ zunächst nicht angesprochen fühlen, möchte ich empfehlen, als Einstieg den „Anhang: Hintergrundgedanken“ zu lesen – einschließlich der Endnoten. Manches wird dadurch sehr viel leichter zugänglich.

Die „Einführung“ bietet biographische Informationen über den Verfasser. Sie weisen ihn als kompetent im Umgang mit Tod und Sterben aus. Er erläutert, dass, im Gegensatz zu tibetisch- buddhistischen Vorstellungen, Reinkarnation als „Entwicklung zu mehr Fülle“ (Wilber) auch als das wünschenswerte Ende des Sterbeprozesses angesehen werden könne. Seine Formulierungen der Lesungen für die Sterbenden lassen das deutlich erkennen.

Die Einführung gibt auch eine Anleitung, wie die Texte zur persönlichen Meditation genutzt werden können, ebenso wie handfeste Hinweise, was einem Menschen, der auf das Ende seines Lebens zugeht, nützlich sein könnte – vom Klären seiner materiellen Angelegenheiten und Ungeklärtem auf persönlicher Ebene, der Versöhnung mit sich selbst, dem eigenen Schicksal bis hin zur Auseinandersetzung mit den ihm Nahestehenden. Weinreich spricht auch ein wichtiges Wort der Warnung: Sterbende, die zu Ihnen von Dingen sprechen, die Sie (noch?!) nicht wahrnehmen, sind nicht notwendigerweise verwirrt – sie sind nur schon weniger im Üblichen verhaftet. Nehmen Sie sie ernst.

Was der Autor sehr bescheiden eine „Übersetzung“ aus dem „Tibetischen Totenbuch“ nennt, geht darüber weit hinaus. Seine Texte sind mit großer Einfühlung ins Deutsche übertragen und halten das schwierige Gleichgewicht zwischen liebend-mitfühlender Nähe und angstlosem Respekt.

Ich möchte „Das andere Totenbuch“ uneingeschränkt empfehlen. In seinen wenigen Seiten finden Sie für sich selbst und für die/den Sie begleiten, einen überaus kompakten, aber umfassenden Reisebegleiter.

 

Das andere Totenbuch – eine praktische Anleitung zur Sterbebegleitung von Wulf Mirko Weinreich, Books on Demand, Norderstedt, 3. Aufl. 2010, ISBN 9783839106457, € 12,50


IP 18 – 03/2011

Buch-Rezension GOTT 9.0

Buch-Rezension GOTT 9.0

von Michael Habecker

Das Buch Gott 9.0 stellt, in dieser Form meines Wissens erstmals, eine Verbindung her zwischen der Konzeption von Stufen (oder Strukturen) des Bewusstseins und dem Thema (christliche) Religion. Das Panorama, das sich dabei auf dem Weg von Gott 1.0 (unterste Entwicklungsstufe) bis zu Gott 9.0 (höchste Entwicklungsstufe) auftut, ist atemberaubend. Es umfasst die gesamte Menschheitsentwicklung, erstreckt sich weit in eine mögliche Zukunft, und es macht sowohl die Chancen wie auch die Risiken von Entwicklung deutlich.

Auf der Basis des auf Clare Graves zurückgehenden wertorientierten Entwicklungsmodells „Spiral Dynamics“ werden neun Entwicklungsstufen (daher der Titel GOTT 9.0) im Hinblick auf das Thema Gott und Religion einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Dabei, und das ist ein großer Wert des Buches, bleiben die Autoren nicht bei äußerlichen Beschreibungen stehen. Sie geben durch ausführliche Zitate und Schilderungen einen lebendigen Eindruck davon, wie sich das (nicht nur religiöse) Leben auf den Stufen jeweils „von innen“ anfühlt, und zwar immer aus der Sicht derjenigen, die mit der Perspektive dieser Bewusstseinsstufe identifiziert sind und sie darum (noch) nicht aus der Distanz reflektieren können. Die LeserInnen sind eingeladen, selbst einzutauchen in die Lebenswelten jeder Ebene, um von dort einfühlend die Welt zu sehen, wie sie für Millionen von Menschen erscheint, auch im Hinblick auf deren Religiosität.

Diese Mitgefühlspraxis lädt dazu ein, liebevoll auf den Weg unserer individuellen und kollektiven Entwicklung zu schauen, sowohl nach vorne als auch nach hinten. Das ist eine der Voraussetzungen, um für andere Verständnis zu entwickeln und einengende Verabsolutierungen und Dogmenbildung zu überwinden. Dabei wird deutlich, dass jede der Stufen ihre eigene Größe und Bedeutung auf dem Entwicklungsweg hat, aber auch ihre Grenzen, Horizonte und Einschränkungen. Man erkennt auch, dass jede höhere Stufe zusätzliche Perspektiven einnehmen und auch mehr Mitgefühl und Fürsorge entwickeln kann. Ob die Religionen diesen Weg zu einem GOTT 9.0 gehen werden, jeweils auf ihre eigene Weise, bleibt abzuwarten. Doch das Wissen darüber und die damit verbundenen Chancen liegen mittlerweile unübersehbar auf dem Tisch, auch in der Form des hier besprochenen und wärmstens empfohlenen Buches.

 

Gott 9.0: Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird von Marion Küstenmacher, Tilmann Haberer und Werner Tiki Küstenmacher, Gütersloher Verlagshaus, 2010, ISBN 9783579065465, € 22,99


IP 18 – 03/2011

Evolutionäre Erleuchtung – Andrew Cohens aktuelles Buch

Evolutionäre Erleuchtung – Andrew Cohens aktuelles Buch

von Michael Habecker

 

Inhalt

Einleitung

Frage 1: Was ist Wirklichkeit?

Frage 2: Was treibt das Universum an, der evolutionäre Impuls und die Frage: Warum ist überhaupt irgendetwas?

Frage 3: Was ist Entwicklung?

Frage 4: Was ist ein Ich/Selbst?

Frage 5: Welche Dimensionen hat Wirklichkeit?

Frage 6: Was ist Erwachen (oder Erleuchtung)?

Fazit

Einleitung

Andrew Cohen (AC) hat ein Buch mit dem Titel Evolutionäre Erleuchtung geschrieben [Evolutionary Enlightenment – A New Path to Spiritual Awakening]. In dieser Besprechung sollen die Inhalte des Buches kurz vorgestellt und vor dem Hintergrund einer integralen Erleuchtung (oder Spiritualität), angelehnt an die integrale Theorie und Praxis Ken Wilbers, diskutiert werden. Wilber, der ein Buch mit dem Titel „Integrale Spiritualität“ geschrieben hat und mit dem AC durch viele veröffentlichte Dialoge seit Jahren im Gespräch ist[1], ist das Buch gewidmet: To Ken Wilber, for his Big Mind and Big Heart[2]. Doch davon abgesehen macht das Buch keinen expliziten Bezug zur integralen Theorie und Praxis, und daher erscheint es lohnend zu schauen, wo Parallelen, aber auch Unterschiede zu sehen sind zwischen beiden Autoren und deren Ansätzen.

Darüber hinaus ist es ein Anliegen dieser Besprechung einige Grundfragen zu stellen, die eine integrale, evolutionäre oder aufgeklärte Spiritualität in der heutigen Zeit beantworten muss, um a) gehört zu werden, b) glaubwürdig zu sein und c) Einfluss nehmen zu können sowohl auf das persönliche Leben vieler Menschen als auch auf die Geschehnisse in der Welt. Entlang dieser Fragen ist diese Besprechung strukturiert.

 

weiterlesen ...

Willigis Jägers „Westöstliche Weisheit“

Willigis Jägers „Westöstliche Weisheit“

von Michael Habecker

2005 überrascht Ken Wilber die Öffentlichkeit mit einem Manuskript zum Thema Integrale Spiritualität, das er im Internet veröffentlicht. Aus diesem Manuskript wird ein Buch gleichen Titels, welches 2006 im shambhala Verlag erscheint (und unter dem Titel Integrale Spiritualität ein Jahr später auf Deutsch vom Kösel Verlag herausgegeben wird). 2007 veröffentlicht Willigis Jäger im Theseus Verlag unter dem Titel Westöstliche Weisheit seine „Visionen einer integrale Spiritualität“, wie es im Untertitel heißt. Da er auch explizit auf den Begriff des Integralen Bezug nimmt, liegt ein Vergleich zu dem frü­her erschienenen Wilberbuch nahe, und das soll mit dieser Buchbesprechung geschehen. Das ist keine leichte Aufgabe, ist doch Willigis Jäger einer der herausragenden Vertreter einer authentischen, praxisorientierten Religion und Spiritualität im deutschsprachigen Raum, der wie nur wenige die Hoffnungen derjenigen verkörpert und lebt, die sich mit den derzeitigen institutionalisierten Formen von (nicht nur christlicher) Religion nicht zufrieden geben wollen und können.

Nach nur wenigen Seiten Lektüre wird klar, dass Willigis Jäger bei seiner integralen Vision einen anderen Weg einschlägt als Wilber, und zwar den bei der Behandlung des Themas Religion und Spiritualität „üblichen“ Weg einer Rückbesinnung auf die mysti­schen Traditionen. Er schreibt, „Er [dieser Weg] ist bereits einige Jahrtausende alt und in alle Religionen eingegangen und heute aktueller denn je“ (15)

 

weiterlesen ...

Entwicklungstheorien

Entwicklungstheorien

von Michael Habecker

August Flammer: Entwicklungstheorien, Psychologische Theorien der menschlichen Entwicklung, 4. Auflage, Huber Verlag.

 

Die Vorstellung einer sich entwickelnden Welt ist fest verankertes Allgemeingut in praktisch allen Kulturen dieser Welt. Was als eine biologisch-evolutionäre Herangehensweise begann, hat sich mittlerweile auf alle Bereiche des Wissens und Seins ausgedehnt, mit der Frage, was genau Entwicklung ist, wo sie überall stattfindet, was dabei alles schief gehen, und wie man sie fördern kann. Ein besonders faszinierender Aspekt dabei ist die innere menschliche Entwicklung, die Entwicklungspsychologie des Menschen, und diese ist das Thema des Buches von August Flammer. Er stellt dazu die Theorien großer Entwicklungsforscher erläuternd und anschaulich vor, offenbar so erfolgreich, dass seit seinem Erscheinen 1988 das Buch zu einem Standwerk geworden ist für Menschen, die sich über das Thema einen qualifizierten Überblick verschaffen wollen. „Qualifizierter Überblick über psychologische Entwicklung“ ist auch ein wichtiges Stichwort für die integrale Szene. „Entwicklungsebenen“ und „Entwicklungslinien“ bilden zwei der fünf Hauptsäulen von Ken Wilbers integralem Modell, und Wilber stützt sich dabei auf ein gründliches Studium der Entwicklungsforschung. Er nennt dabei immer wieder Quellen und Namen, die wir auch im Buch von Flammer wiederfinden, und mit denen sich eine nähere Beschäftigung lohnt. So gesehen ist das Buch, und eine nähere Beschäftigung mit den Grundlagen und Aussagen der Entwicklungsforschung allgemein, eine wichtige „Hausarbeit“ für alle, die mit Wilbers Modell umgehen und dabei Entwicklungseinschätzungen vornehmen. 

Jetzt zum Buch.

Im Vorwort zur ersten Auflage fasst der Autor seine Intention mit den Worten zusammen:

„Genau das ist das Anliegen dieses Theoriebuches: die Sensibilisierung für wiederkehrende Erscheinungen und Zusammenhänge der Entwicklung. Theorien artikulieren solche Muster von wiederkehrenden Erscheinungen und Zusammenhängen“ (7)[1]

weiterlesen ...

Quadra(n)tisch. Praktisch. Gut.

Quadra(n)tisch. Praktisch. Gut.

 

The integral vision, Ken Wilbers neuestes Buch[1].

eine Buchbesprechung von Michael Habecker

 

Im handlichen, fast quadratischen Format, wie die Schokolade, deren Werbeslogan für die Artikelüberschrift Namensgeber war, kommt es daher – ein neues Buch von Ken Wilber. Schon wieder eines? Worüber hat er denn jetzt geschrieben?

Der Untertitel gibt Aufschluss: Eine sehr kurze Einführung in den revolutionären integralen Ansatz, für das Leben, für Gott, für das Universum und überhaupt alles. Bescheidenheit klingt anders.

Der integrale Ansatz, mit der Veröffentlichung von Eros, Kosmos, Logos im Jahre 1995 vorgestellt, und seitdem immer wieder erläutert und verfeinert – gibt es dazu überhaupt noch etwas Neues zu sagen?

weiterlesen ...

Integrale Psychotherapie – Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber

Integrale Psychotherapie – Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber

von Wulf Mirko Weinreich

eine Buchbesprechung von Michael Habecker

 

Wulf Mirko Weinreich hat ein Buch geschrieben mit dem Titel Integrale Psychotherapie – Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber, und, um es vorweg zu nehmen, dies ist ein wunderbares Buch geworden.

Es ist ein Buch vom einem Praktiker für Praktiker, welches auch den „hohen“ theoretischen Ansprüchen genügt, die man an ein derart anspruchsvolles Vorhaben stellen darf.

Nach einleitenden Worten zum Hintergrund und zur Entstehung des Buches kommt Wulf Mirko im ersten Teil gleich zur Sache, und erläutert die philosophischen, erkenntnistheoretischen und wissenschaftsorientierten Grundlagen von Wilbers Ansatz. Er schreckt dabei auch nicht vor der Darstellung des Holon-Ansatzes zurück, und beschreibt ausführlich die Grundbausteine der Quadranten, Ebenen und Linien des integralen Modells (auch die Typologien und Zustände sind in dem Werk integriert, was den „AQAL-Ansatz“ – alle Quadranten, Ebene, Linien, Zustände und Typen komplettiert).

 

weiterlesen ...

Martin Ucik: Integral Relationships, A Manual for Men

Martin Ucik: Integral Relationships, A Manual for Men

eine Buchbesprechung von Michael Habecker

Martin Ucik hat ein wunderbares Buch geschrieben. Es ist ein Buch über Beziehungen, genauer gesagt über die Beziehung zwischen Männern und Frauen, geschrieben für Männer, (ohne, worauf der Autor hinweist, gleichgeschlechtliche Beziehungen in irgendeiner Form zu diskriminieren), doch aus den Einsichten können alle Menschen profitieren, die sich für Beziehungen und Zwischenmenschlichkeit interessieren. Das Neue und Andere an diesem Buch, im Unterschied zu vielen anderen Beziehungsbüchern oder Mann/Frau Büchern, ist seine integrale Perspektive. Daher ist das Buch auch für diejenigen wichtig, die sich für die Anwendung des Integralen interessieren. Erneut stellt Wilbers Ansatz, in den Händen des Autors Ucik, seine große Flexibilität und Aussagekraft unter Beweis.

weiterlesen

Teresa von Avila: Die innere Burg

Teresa von Avila: Die innere Burg

eine Buchbesprechung von Michael Habecker

 

ie innere Burg, geschrieben in der Zeit vom 2. Juni 1577 bis 5. November 1577, gehört zur klassischen spirituellen Literatur und ist eine unerschöpfliche und frische Quelle für alle diejenigen, die sich auf den inneren Weg begeben und dabei nach verlässlichen Begleitern suchen. Auf Drängen ihres Beichtvaters schrieb Teresa als Angehörige des Ordens der Karmelitinnen, die später selbst mehrere Klöster gründete, ihre Erfahrungen nieder, als eine Hilfestellung für ihre Ordensschwestern. Niemand wäre wohl überraschter als sie selbst, dass dieser Bericht, der eigentlich eher eine Vortragsniederschrift darstellt, die sie selbst nicht korrigierend gelesen hat, zu einem Buch wird, das über Jahrhunderte gelesen wird.

Ich möchte im Folgenden Ausschnitte aus diesem wunderbaren Text nach unterschiedlichen Themenschwerpunkten geordnet vorstellen.

weiterlesen

Martin Buber: Ich und Du

Martin Buber: Ich und Du

Dieses im Jahre 1923 erschienene Buch könnte ebenso gut „Ich und Du und Es“ heißen, weil es auf eine wunderbare Weise die „Grossen Drei“ von Subjektivität („Ich“), Intersubjektivität oder Beziehung („Du“) und Objektivität („Es“) behandelt. Mein Eindruck ist, dass mit dieser kleinen, aber dafür um so ausdrucksstärkeren Schrift die Erlebnisdimension von Gemeinschaft und Beziehung – das Du und Wir – endgültig aus dem Schatten der Vorherrschaft der Ich-Dominanz der Prämoderne und der Es-Dominanz der Moderne heraustritt und zu einem gleichberechtigten Partner der beiden anderen Erkenntnisbereiche wird. Das „Du“ ist nun kein Nebenprodukt oder eine Ableitung aus dem „Es“ oder dem „Ich“, sondern eine eigene Erlebnis- und Seinsdimension.


Ich und Anderes unterscheidet der Mensch schon seit Jahrtausenden, doch das verbindende „Du“ wurde erst viel später erkannt und gewürdigt. In dem Drang dies unwiderruflich zu etablieren beschreibt Buber in Ich und Du tendenziell die Schattenseiten der Einseitigkeit von „Ich“ und „Es“, um so die Vorteile des „Du“ noch stärker hervorzuheben, doch er kommt immer wieder auf alle drei Wahrnehmungsbereiche zurück, weil er weiß dass sie untrennbar zusammengehören. In einer durch die Globalisierung zusammenwachsenden Welt rückt die Frage des Miteinanders immer mehr in den Vordergrund: Wer bist Du, wer bin ich, und wie wollen wir zusammen leben?

weiterlesen

Sonstige Besprechungen

E-Course Advanced Integral (1)

E-Course Advanced Integral (1)

 

[Informationen zum Kurs unter:
https://www.coreintegral.com/programs/courses ]

   

Ich bin nicht sicher, ob diese Rückmeldung hilft, doch dieser Kurs ist wirklich anspruchsvoll. Ich habe 20 Jahre gebraucht um das meiste davon zu lernen.

                      Ken  Wilber,  bezogen  auf  den  Kurs  Advanced  Integral

Endlich ist er da, der Kurs Advanced Integral. Es ist der zweite Kurs einer dreiteiligen Reihe. Der erste Kurs, Essential Integral, veröffentlicht 2009 als eine DVD Reihe, ist eine ausführliche Einführung in die Integrale Theorie und Praxis. Der dritte Kurs, dessen Veröffentlichung für Ende 2011 angekündigt wird, wird sich mit Anwendungen beschäftigen. Der zweite, nun vorliegende Kurs ist ein Aufbaukurs, der, so die Versprechung, „unveröffentlichte Arbeiten, Entwürfe und neue, bisher noch nicht diskutierte Themen“ zum Inhalt hat. Dieser Kurs ist als Download und als DVD Reihe erhältlich. Nachdem in den letzten Jahren die integrale Theorie und Praxis eine enorme Verbreiterung (und Verbreitung) erlebt hat, und vor dem Hintergrund der Ankündung mehrerer Buchprojekte „in Arbeit“ durch Ken Wilber, verspricht Advanced Integral eine Darstellung des aktuellsten Standes der integralen Theorie.

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, die Kursinhalte im Überblick wiederzugeben, um einen Eindruck zu vermitteln, worum es dabei geht.

Lektion 1: Einführung

Am Beginn des Kurses steht das Versprechen einer „second simplicity“. Diese bedeutet einen Lernweg, der von einem einfachen Erstverständnis über die Erschließung der vollen Komplexität einer Thematik zu einer neuen Einfachheit führt. Diese neue Einfachheit hat jedoch im Unterschied zur ersten Einfachheit die Komplexität integriert und geht über sie hinaus. Man muss durch die Komplexität hindurch, um zur erneuten Einfachheit zu gelangen. Aus Wissen wird so Weisheit.

Sowohl Kurs 01 als auch Kurs 02 dienen als Basis für die Anwendungen in Kurs 03. Das Verständnis der Inhalte von Kurs 01 ist wiederum eine Voraussetzung für das Verstehen von Kurs 02. Der Kursteilnehmer wird gleich zu Beginn in Form einer introspektiven Selbstreflektion dazu eingeladen, sich seiner eigenen Motive und Erwartungen bezüglich des Kurses bewusst zu werden und sich zu fragen, was er oder sie mit dem Kurs machen möchte, und ob er oder sie das Gelernte in den Dienst des eigenen Lebens und den Dienst für andere stellen möchte.

Nach dieser Einführung bietet die Einführungslektion die Möglichkeit zwischen Themenbereichen zu wählen, die hintereinander besprochen werden: ein Theoriepfad, ein Kursüberblick und eine Untersuchung der eigenen Lernziele.

weiterlesen

E-Course Advanced Integral (2)

E-Course Advanced Integral (2)

eine Besprechung von Michael Habecker

Lektion 3 Zonen

Durch die zusätzliche Unterscheidung von innen und außen (zusätzlich zu innerlich/äußerlich und individuell/kollektiv) gelangt man zu den Zonen. Macht man diese Unterscheidung in jedem der Quadranten, erhält man acht Zonen, als das Innen und das Außen eines individuellen Holons in jedem der Quadranten/Dimensionen. 

Die früheste Erwähnung dieser Differenzierung bei Wilber findet sich in Eros, Kosmos, Logos, in der sich über sieben Seiten erstreckenden Fußnote 28. Dabei verwendet Wilber nicht die Begrifflichkeit von Innen/Außen, sondern unterscheidet zwischen einer Oberflächen- und einer Tiefendimension, bzw. zwischen manifest und latent. Es ist faszinierend, vor diesem Hintergrund diese Fußnote neu zu lesen, als der Keimzelle, wenn man so will, von Wilbers aktuellem Werk. Hier einige Auszüge (Eros Kosmos Logos, S. 629):

„ ... wenn wir uns die Literatur zu jedem der vier Quadranten ansehen, fällt auf, dass sie alle eine Oberflächen- und eine Tiefen-Dimension aufweisen ... Fangen wir an mit der Grobeiteilung in rechte und linke Seite (um dann später noch die Unterteilung in oben und unten oder individuell und sozial vorzunehmen):

Hermeneutik (linke Seite) und Strukturalismus/Funktionalismus (rechte Seite) erkennen beide sowohl Oberfläche als auch Tiefe (oder Manifestes und Latentes), wobei erstere größtenteils bewusst und letztere größtenteils unbewusst ist (wenngleich das Unbewusste oder Verborgene oder Latente durch spezielle Mittel zu Bewusstsein gebracht werden kann).

Das Verhältnis von Oberflächen- und Tiefeninterpretation hat Heidegger (in Abschnitt I und II von Sein und Zeit) besonders sorgfältig herausgearbeitet. Eine Oberflächen­interpretation ist den Eingeborenen einer Kultur in ihrem Alltagsleben nicht unbedingt voll bewusst, doch weist man sie darauf hin, so erkennen und bestätigen sie solche Interpretationen in aller Regel. Die Aussagen solch einer „Hermeneutik des Alltags“ sind irgendwie (bewusst oder vorbewusst) bekannt, aber nicht unbedingt artikuliert, und in der Oberflächenschicht der Hermeneutik geht es darum, solche gemeinsamen Interpretationen zu artikulieren ... Tiefenhermeneutik dagegen versucht unter die Oberflächeninterpretationen der Alltagshermeneutik zu dringen, weil sie argwöhnt, dass unser Alltagsverständnis vielleicht gänzlich verzerrt oder einseitig oder irregeführt ist ... Die „Hermeneutik des Argwohns“, wie Riceur solche Ansätze nannte, will daher unter die Oberfläche dringen und die tieferen interpretativen Wahrheiten und Bedeutungen bloßlegen. Und da stieß man in der Tat auf alle möglichen Tiefenwahrheiten: die Freudsche Libido und der marxistische Klassenkampf, Heideggers Grundlosigkeit, Gadamers traditionsgetragenes Sein, Nietzsches Macht und so weiter. All das liegt nicht nur unter den Oberflächeninterpretationen, sondern wird mehr oder weniger gezielt von ihnen verdeckt und bleibt daher in der Regel tief verborgen und unbewusst – es besteht eine Art psychische Schmerzschranke oder Verdrängungsschranke, die beunruhigende Wahrheiten gegen das Bewusstsein abschirmt, und diese Schranke zu überschreiten ist schwierig und schmerzhaft ...

Doch auch dann bleibt die Tiefenhermeneutik noch eine heikle Angelegenheit, denn viele der „tieferen Wahrheiten“, die der Menschheit bisher ans Herz gelegt wurden, erwiesen sich als tiefe Ideologien und Voreingenommenheiten, einzig darauf angelegt, das Denken anderer so zu verbiegen, dass es den eigenen Machtgelüsten konform wird.“

weiterlesen...