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27.6.2017 : 12:30 : +0200

Wie wir wurden, wer wir sind – und was wir werden können. Eine kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution

von Tom Amarque

 

 

Michael Habecker

 

Das Thema des Buches von Tom Amarque lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Entwicklung. Dieses Thema ist nicht neu, doch die Perspektiven, die der Autor darauf wirft, sind es und erlauben dem Leser sowohl eine Außenansicht wie auch eine Innenansicht auf Entwicklung als etwas, was sich im Außen wie auch in uns allen individuell und kollektiv ereignet. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, „Agenten der Evolution, und zwar im biologischen, sozialen und psychologischen Sinne“, und die Einladung des Buches besteht darin, diese „Agentenrolle“ unseres Lebens so bewusst und freudig wie möglich zu spielen.

Um Entwicklung zu verstehen, gilt es sich zuerst klarzumachen, dass die Vorstellung davon selbst etwas ist, was sich entwickelt hat und immer weiter entwickelt. Der Autor führt uns daher zuerst zurück in das Aufkommen der Moderne mit ihrer Entstehungsgeschichte einer Entwicklungsperspektive, geboren aus dem „Geiste des Mythos“. Dabei spielt der Wissenschaftsbegriff eine entscheidende Rolle, durch den „Glaube zum Wissen“ wurde, mit der Vorstellung einer selbstbestimmten Individualität. Dem dabei entstehenden Ich bzw. Selbst und seinen Eigenschaften widmet sich Amarque ausführlich.

Im Anschluss daran wendet er sich der Entstehung des postmodernen Bewusstseins zu als einem weiteren großen Entwicklungsschritt. Durch die Entdeckung von „Brüche[n] im Paradigma der Objektivität“ wurden die Grenzen des modernen Bewusstseins offenbar und konnten auf vielfältige Weise erweitert werden. Subjektivität und Intersubjektivität erlangten dabei einen zur Objektivität gleichberechtigten Stellenwert und mit ihnen rückten Themen wie Pluralismus, Relativismus, Multikulturalismus, Komplexität, Systemik, Spiritualität, vernetztes Denken, Wir-Sein, So-Sein, das Unbewusste und das Feminine in den Vordergrund – und damit auch neue Vorstellungen von Entwicklung, Bewusstsein und Kultur.

Schließlich wendet sich der Autor im dritten Abschnitt des Buches dem zu, was er als „Entstehung des evolutionäre Bewusstseins“ bezeichnet als einer „selbstreferentiellen Gestaltungskraft“, die sich ihrer selbst in uns Menschen als evolutionär auf dem Entwicklungsweg unterwegs seiende Wesen mehr und mehr bewusst wird. Dies führt wiederum zu einem neuen Verständnis von Welt, Gemeinschaft und einem evolutionären Selbst, das sich „frei in der Welt“ bewegt. Dabei spielt der Wille, dem der Autor ein anderes Buch gewidmet hat, eine wesentliche Rolle (Der Wille: Ein Handbuch zur Steuerung der Evolution).

Tom Amarques Buch als eine „Kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution“ ist sowohl ein herrliches Lesevergnügen wie auch eine Einladung zu einem (Entwicklungs)Fest, das seit Jahrmilliarden stattfindet und zu dem wir mehr und mehr als Mitgestaltende erwachen.

 

Wir wir wurden, wer wir sind – und was wir werden können. Eine kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution von Tom Amarque, Integrale Reihe, J.Kamphausen, Bielefeld, 2010, ISBN 978-3-89901-352-8, € 17,95