Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Philosophie
DeutschEnglishFrancais
25.3.2017 : 16:27 : +0100

Philosophie

Raffael: Die Schule von Athen (Quelle: Wikipedia)

Die Philosophie als eine „Liebe zur Weisheit“ ist seit ihren Anfängen darum bemüht, die Welt und die menschliche Existenz zu verstehen und zu erklären. Was könnte wichtiger sein als Antworten auf die grundlegenden Menschheitsfragen zu finden wie: Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Was ist die Welt? Gibt es einen Gott?

Jeder Philosoph und jede Philosophin hat - erklärtermassen oder auch nicht - sich darum bemüht, das Wissen seiner oder ihrer Zeit zu verstehen und zusammen zu fassen, in dem Versuch sich und anderen die Welt und das Sein zu erklären. Dies ist auch der Anspruch der integralen Theorie oder Philosophie. In diesem Sinn steht die Arbeit Ken Wilbers in einer langen philosophischen Tradition, und somit ist Ken Wilber auch ein Philosoph. Ähnlich wie schon René Descartes mit seinen Meditationen über die Erste Philosophie ist auch Wilber darum bemüht, sowohl den unveränderlichen Seinsgrund (wenn es so etwas denn gibt) als auch die veränderliche Welt und alles was sich darin befindet in einer "Theorie von allem" zu beschreiben, mit der wichtigen Hinzufügung dass sich Wissen und Erkenntnis, wie vieles andere auch, immer weiter entwickelt, und dass eine (post)moderne "Theorie von allem" zeitgebunden und kontextabhängig ist, und sich idelaerweise mit dem Wissenszuwachs weiter entwickelt. Eine derartige Theorie oder Philosophie wäre dann keine Philosophie neben anderen Philosophien, sondern sie wäre ein Erklärungsrahmen für einen Kosmos und alle in ihm entstandenen Philosophien, aus dem die jeweiligen Stärken und Schwächen der einzellen Denkansätze erkennbar werden, und auch deren Gesamtzusammnehang.

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Sprache im Werk von Ken Wilber

TRUE BUT PARTIAL

Sprache und die Manifestation des GEISTigen im Werk von Ken Wilber

 

Von Dennis Wittrock

XXVIII. Tagung der Jean Gebser Gesellschaft
Sprache und integrales Bewusstsein
Vom Sprachspiel zur Aussage
Bremen, 4.10. - 6.10.2002

Vorwort zur Online-Publikation:

Dieser Aufsatz ist die ausführliche, schriftliche Ausarbeitung eines Vortrags mit dem selben Titel, den ich im Oktober 2002 auf der 28.Tagung der Jean Gebser Gesellschaft in Bremen gehalten habe. Das Überthema der Tagung lautete "Sprache und integrales Bewusstsein. Vom Sprachspiel zur Aussage". Die inhaltliche Annäherung an dieses Thema in Verbindung mit Wilbers Theorie nimmt daher im Laufe des Textes immer wieder Bezug auf die Arbeit von Jean Gebser, wobei ich die Bekanntheit mit seiner Konzeption und seiner Terminologie vorausgesetzt habe. Für Leser, die Jean Gebser nicht kennen, sei angemerkt, dass sein Hauptwerk "Ursprung und Gegenwart" als Pionierleistung der integralen Theorie angesehen werden kann und als ein wesentlicher Eckpfeiler des A.Q.A.L Modells gilt. Es stellte meines Wissens nach die erste Kulturphilosophie, bzw. Kulturphänomologie überhaupt dar, die kulturelle Erscheinungen in Bezug zu unterschiedlichen Strukturen des Bewusstseins setzte und dadurch eine integrale Analyse und Interpretation ermöglichte. Wilber verortet Gebsers Hauptverdienste im unteren linken Quadranten, also im Bereich des innerlich-kollektiven, im WIR Bereich. Dennoch ist sein Werk nicht nur in dieser Hinsicht fruchtbar, sondern ist allein aufgrund der sprachlichen Differenziertheit und der schöpferischen Genialität und Tiefe seiner Gedanken nur zu empfehlen.

Der Aufsatz wird in dieser oder gekürzter Form in der von der JGG herausgegebenen Reihe unter dem Titel "Beiträge zur Integralen Weltsicht" Vol. XVIII im Novalis Verlag im März 2003 erscheinen.

weiterlesen

Die sprachliche Unschärferelation

Die sprachliche Unschärferelation

Artwork: Dennis Wittrock

Der Orientierungswert fundamentaler Dualismen im Werk von Ken Wilber, oder: "Brille? – Wilber!"

Dennis Wittrock

Mir ist neulich ein Licht aufgegangen, als ich mir Gedanken über das notwendigerweise dualistische Wesen der Sprache gemacht habe. Besonders in seinen frühen Büchern reitet Wilber auf der Tatsache herum, dass sprachlicher und begrifflicher Ausdruck immer nur innerhalb des Bannkreises von Dualismen stattfindet. Wir können nicht aus begrifflichen Paaren heraustreten, die einander erst bedingen und ermöglichen. Das ist das begriffliche Gitter, das wir über die ungeteilte Wirklichkeit legen, aus welcher wir einige Aspekte herausgreifen und sprachlich voneinander trennen.

Das hier ist "links" und das hier "rechts". Wuuuusch – schon erstreckt sich eine begriffliche Trennlinie quer durch den ganzen Kòsmos und spaltet ihn in zwei Hälften. Das geschieht natürlich nur in der Vorstellung, doch es bedarf der Betrachtung des eigenen Geistes durch den Geist, also des selbstreferentiellen Denkens, um diesen begrifflichen Charakter der Vorstellung zu verstehen und zu berücksichtigen. Andernfalls bewegt man sich innerhalb von Abstraktionen, ohne zu wissen, DASS man Sprache in dieser Weise verwendet. Man blickt auf die Welt durch seine begriffliche Brille, ohne zu wissen, dass man diese Brille trägt und welche Verzerrung der Sicht sie hervorruft. Es scheint ein Kennzeichen der reifen Schaulogik zu sein, dass sich der Begriff selber durchsichtig wird. In diesem Zusammenhang denke man beispielsweise an Hegel und Jean Gebser ("Transparenz").

Hat der Kosmos eine Absicht?

Hat der Kosmos eine Absicht?

Aus dem Handout anlässlich einer Veranstaltung der „Herbstakademie“ in Frankfurt/Main

Michael Habecker und Sonja Student,

basierend auf der Arbeit von Ken Wilber

Juni 2009

Hat überhaupt die Schöpfung eine Endabsicht, und wenn dieß ist, warum wird diese nicht unmittelbar erreicht, warum ist das Vollkommene nicht gleich von Anfang? Es gibt darauf keine Antwort als die schon gegebene: weil Gott ein Leben ist, nicht bloß ein Seyn ... Das Seyn wird sich nur im Werden empfindlich.

-Friedrich Schelling

Die Frage Hat der Kosmos eine Absicht? steht in einem engen Zusammenhang mit den Fragen Warum ist überhaupt irgendetwas, und nicht einfach nur Nichts? und Was ist der Sinn des Lebens oder der Existenz?

  • Von der Absolutheit aus gesehen hat der Kosmos keine Absicht, weil Leere oder Absolutheit immer-schon und unveränderlich gegenwärtig war, ist und sein wird. (siehe dazu den Text Immer schon, und immer jetzt im Anhang). Die Absolutheit, so wie sie von denjenigen beschrieben wird, die sie erfahren (haben), ist nicht-beschreibbar, inhaltls-leer und eigenschafts-los, einschließlich der Eigenschaften von Sinn, Zweck, Intentionalität und Absicht.
  • Relativ gesehen ist der Kosmos absichtsvoll, evolutionär und zielgerichtet (ohne determiniert zu sein), vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz.
  • Nichtdual gesehen ist der Kosmos sowohl vollkommen („nichts geschieht hier wirklich“) als auch im absichtsvollen Werden begriffen und dieser Werdensprozess als Manifestation des Absoluten ist auf jeder Stufe der Entwicklung vollkommen und unvollständig zugleich in einem absoluten Prozess einer ständig größeren Vollkommenheit. („Werde, was du bist“). Oder, in einer anderen Formulierung,

Alles ist vollkommen so wie es ist,

und

es gibt viel zu tun.

oder, wieder anders ausgedrückt: 

Lebe Dein endliches Selbst, doch ruhe dabei in der Unendlichkeit

Wie sehen Absicht, Sinn und Zweck des Kosmos aus, welche Aspekte gibt es dabei, und wie äußern sie sich? Dazu ein paar Anregungen:

weiterlesen

 

Ken Wilber zum Kritischem Realismus (Critical Realism)

Ken Wilber zum Kritischem Realismus (Critical Realism)

Nachdem Wilber selbst vor einiger Zeit erklärte, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Bücher mehr schreiben könne, überraschte er nun die integrale Gemeinschaft und alle an seiner Arbeit Interessierten: Sein schon lange angekündigtes Buch, das bisher nur in Auszügen (Excerpts) veröffentlicht war, sei fertig – der zweite Band seiner Kosmos Trilogie. Diese Ankündigung verband er mit einer Fußnotenveröffentlichung aus diesem Buch, und zwar zum Thema der Meta-Integral Diskussion zwischen dem Kritischen Realismus und der Integralen Theorie.

Hier die Ankündigung dazu vom 17.1.2013 von Wilbers Homepage: http://www.kenwilber.com/blog/show/754

Hier kommen zwei lange Endnoten und ein Auszug aus meinem kürzlich fertiggestellten Buch Sex, Karma, Creativity, als der zweite Band der Kosmos Trilogie (der erste Band ist Eros Kosmos Logos). Diese Beiträge wurden zum Teil auch als eine Antwort geschrieben auf verschieden Beiträge zur Kritischen Theorie und der Integralen Theorie. Ich schätze verschiedene Aspekte der Kritischen Theorie, doch wie aus den Beiträgen ersichtlich sehe ich bei einem Vergleich die Vorteile bei der Integralen Theorie. Eine der Endnoten ist nachfolgend wiedergegeben. Im Kern geht es dabei um die Frage des Zusammenhangs von Sein und Wissen, oder Ontologie und Epistemologie, oder Wahrgenommenem und Wahrnehmung. Eine der Annahmen der integralen Theorie ist, dass Innerlichkeit (oder Bewusstsein in vielen Abstufungen) bis „ganz nach unten“ reicht. Dies hat Wilber schon in Eros Kosmos Logos postuliert. Daraus ergibt sich eine wechselseitige Bedingtheit von Wissen und Sein, die Wilber in den Mittelpunkt der Diskussion stellt.

 

Ken Wilber: Aus Sex, Karma, Creativity Kapitel “Individuell und Sozial,” Endnote 4:

4. Integrale Theorie (IT) und Kritischer Realismus (KR) haben vieles gemeinsam, doch es gibt auch grundlegende Unterschiede. Kritischer Realismus trennt Epistemologie und Ontologie, und macht die Ontologie zum „Realen“, während für die Integrale Theorie Epistemologie und Ontologie nicht fragmentiert und zerbrochen werden können, sondern es sich dabei um zwei zusammenhängende Dimensionen eines jeden ganzen Ereignisses handelt (als ein Teil der tetra-Dimension eines jeden Holons). Kritischer Realismus sagt, dass es ontologische Wirklichkeiten gibt, die unabhängig von Menschen und menschlichen Theorien sind – einschließlich vieles von dem „Realen“ – einschließlich Dingen wie Atomen, Molekülen, Zellen, usw. – und die Integrale Theorie stimmt dem zu, jedoch mit einer wichtigen Unterscheidung: IT ist panpsychisch (ein Ausdruck, auf den ich nicht stolz bin, ich ziehe den Begriff „pan-innerlich“ vor, was bedeutet, dass alle Wesen Innerlichkeit oder Proto-Bewusstsein besitzen, a la Whitehead, Peirce, Leibnitz usw.) – und zwar hängen Atome nicht davon ab von Menschen ge- oder erkannt zu werden, doch sie hängen davon ab, sich gegenseitig zu (er)kennen.

 

weiterlesen ...

Singularität, Wachstum und Grenzen

Singularität, Wachstum und Grenzen

von Michael Habecker

 

Der Begriff “Singularität” hat viele Bedeutungen. Eine davon im Zusammenhang mit technologischer Entwicklung ist die, dass, bei laufender Verdoppelung technologischer Möglichkeiten, wie beispielsweise der Schnelligkeit der Informationsverarbeitung, irgendwann der Punkt erreicht ist, wo diese Fähigkeiten exponentiell „nach oben“ hin in einer Singularität explodieren – was immer Zukunftsforscher sich darunter vorstellen. Etwas Ähnliches kann man auch für die Bewusstseinsentwicklung postulieren in dem Sinn, dass große Bewusstseinssprünge in immer kürzeren Abständen erfolgen. Die Zukunftsoptimisten vertrauen dabei auf die Innovativkraft des menschlichen Geistes nach dem Motto „es ist ja immer gut gegangen“ und sehen keinen Grund, sich irgendwelche Begrenzungen aufzuerlegen, – im Gegenteil – der Einfallsreichtum des menschlichen Geistes und damit auch der menschlichen Möglichkeiten ist unbegrenzt und soll es auch bleiben, auch im Hinblick auf ihre Außenwirkungen und Eingriffe. Im Unterschied dazu zeigen Wachstumskritiker schon seit langem die „Grenzen des Wachstums“ auf, die in manchen Teilen der Welt bereits zu existentiellen Problemen wie dem Verlust der Heimat (wegen Überflutung) führen und machen uns klar, dass ohne freiwillige massive Beschränkungen unseres Lebensstils das Leben auf diesem Planeten keine Zukunft hat, jedenfalls keine, die mit dem Begriff „human“ beschrieben werden kann. (Siehe hierzu auch den Beitrag zur Postwachstumsökonomie in dieser Ausgabe).

Die integrale Theorie sieht eine Wahrheit in beiden Perspektiven. In einem Beitrag A Singularity in All Four Quadrants vom 9. September 2013, veröffentlicht auf integrallife.com (http://integrallife.com/integral-post/singularity-all-four-quadrants) geht der Autor Corey deVos der Frage Die Singularität: Durchbruch oder Zusammenbruch? [rupture or rapture] nach. Dabei unterscheidet er unter Zuhilfenahme der vier Quadranten vier ganz unterschiedliche Arten von Singularität und, damit verbunden, auch vier unterschiedliche Arten von Wachstum und Wachstumsgrenzen (innerlich-individuell, kulturell, äußerlich-individuell und systemisch). Da die vier Quadranten unterschiedliche Perspektiven eines Ereignisses sind, entstehen durch die Unterschiedlichkeiten in den Bereichen unterschiedliche Arten von Freiheiten und Begrenzungen und, damit verbunden, Wachstumsspannungen. 

 

weiterlesen ...

Positive (oder deklarative) Dialektik

Positive (oder deklarative) Dialektik

von Michael Habecker

Die Meta-Integrale Herausforderung

Zwei Arten des Denkens, “deklaratives” und “dialektisches“, interagieren miteinander in der Erfassung offener transformatorischer Systeme.

Otto Laske

 

Als eine „meta-integrale Herausforderung“ kann man die Diskussion verschiedener aktueller und auch historischer Theorien und Praktiken mit einem umfassenden Erklärungsanspruch bezeichnen. Auf eine kurze Formel gebracht lautet dabei die Frage: wer ist integraler (umfassender, ganzheitlicher, holistischer) als wer?

Bei der Auseinandersetzung mit der dialektischen Tradition ist ein Aspekt für mich hervorgetreten, der mir bisher nicht so bewusst war. Dieser Aspekt lässt sich mit den Begriffspaaren deklarativ/dialektisch oder positiv/dialektisch beschreiben, und soll im Folgenden erläutert werden.

Positivismus und Dialektik

Zwei wichtige Begriffe der Erkenntnistheorie sind Positivismus und Dialektik, und ich verwende beide in einem eigenen und teilweise abweichenden Kontext von ihrer allgemeinen Verwendung.

Positivismus in dem von mir beabsichtigten Sinn ist die Praxis von Feststellungen, egal in welchem Erkenntnisbereich. Manifestation bedeutet generell dass etwas „da“ ist, materiell, geistig, systemisch, innerlich, äußerlich oder wie auch immer, und ein Positivismus in dem von mir intendierten Sinn bejaht dieses Da-sein, stellt es fest und „deklariert“ es. Diese Feststellen kann intuitiv, suggestiv, wissenschaftlich, unwissenschaftlich, naiv, manipulierend oder wie auch immer geschehen, zuallererst geschieht es einfach. Am Ende des Vorgangs steht eine positive Aussage oder These der Form „Ich bin“ oder „Wir sind“ oder „Es ist“.

Dialektik hingegen, in dem von mir beabsichtigten Sinn, lebt von der Infragestellung von Festgestelltem, mit der darin enthaltenen Feststellung „so ist es nicht“. Dahinter steht die Grunderkenntnis, dass wir uns in einem sich ständig veränderndem und sich entwickelndem Universum leben, in dem nichts bleibt wie es ist, einschließlich unserer eigenen Erkenntnisfähigkeit, und in dem daher auch keine letztendlichen Aussagen möglich sind. Dialektik schaut nicht auf die Figur sondern auf die vielfältigen Hintergründe, die das Erscheinen der Figur erst ermöglichen, und sie dadurch buchstäblich in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Während Positivismus das Offensichtliche hervorhebt, betont Dialektik das Verborgene. Während Positivismus Sicherheit gibt, ruft Dialektik Unsicherheit hervor. Während Positivismus Antworten gibt, stellt die Dialektik Fragen.

weiterlesen ...

 

Philosophische Texte zum Download

Dennis Wittrock: Die Verwandtschaft ästhetischer und mystischer Erfahrung

Dennis Wittrock: Integraler Pluralismus

Dennis Wittrock: Gadamer + Kegan + Wilber V

Dennis Wittrock: Transdisziplinariät und IMP (Magisterarbeit)