Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Politik
DeutschEnglishFrancais
23.3.2017 : 9:15 : +0100

Integrale Politik

"Nur wer die Welt versteht, kann sie verändern"

Integrale Politik ist die Anwendung der integralen Theorie und Praxis auf das Thema Politik. Politik war immer ein (integraler) Bestandteil des Interesses von Menschen die sich um ein Verständnis von Gesamtzusammenhängen bemühen. Auch bei der Arbeit von Ken Wilber geht es um das Wohlergehen aller Menschen und Wesen. Wozu sollte eine Theoriebildung und Verdichtung aller Wissenstraditionen der Menschheit gut sein, wenn nicht (auch) dazu, ein besseres Leben für alle zu erlangen? Doch um dies zu erreichen ist es erst einmal notwendig, genau hinzuschauen und zu erkennen, wie der sich entwickelnde Kosmos gewissermaßen „funktioniert“ – von innen und von außen betrachtet, individuell und kollektiv, auf allen Ebenen und in allen Entwicklungslinien, alle Erfahrungszustände und Lebensarten mit einbeziehend. Erst das, was man genau kennt, so könnte man das Werk Wilbers unter diesem Aspekt vielleicht zusammenfassen, kann man auch erfolgreich entwickeln und verändern.


Beginnend im Jahr 2006 veröffentlicht Ken Wilber auf seiner Homepage KenWilber.com drei Textauszüge aus einer geplanten Buchtrilogie mit dem (Arbeits)Titel The Many Faces of Terrorism.

Auszug 1 vom 29.11.2006 [link]

Auszug 2 vom 1.12.2006 [link]

Auszug 3 vom 24.4.2007 [link]

Eine Zusammenfassung dieser Textauszüge, mit den Grundvorstellungen von Ken Wilber zu einer integralen Politik, lesen sie hier nachfolgend.

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Ken Wilber: Integrale Politik oder Heraus aus dem Gefängnis der Teilwahrheiten!

Ken Wilber: Integrale Politik oder Heraus aus dem Gefängnis der Teilwahrheiten!

von Jörg Perband

 

Ausschnitt aus Kapitel 14 des neuen Romans von Ken Wilber: The Many Faces of Terrorism.

„Durchschnittlich einmal alle zwei Jahrhunderte erscheint eine neue politische Philosophie – und möglicherweise eine neue politische Bewegung. Integrale Politik scheint eine davon zu sein.“

--Joyce Kerner Capshaw, A Passion to Embrace

„Der weiterentwickelte Mensch erscheint...“ war das Erste, was ich in der Ausgabe des Centrix Reports las, als ich ihn überflog. Etwa die Hälfte der Presseleute war zu den Türen hinausgeeilt, die andere Hälfte hatte ihre Blackberries gezückt und tippte mit flinken Daumen für ihre Agenturen die wichtigste Nachricht der letzten Dekade, so jedenfalls war mein Eindruck. Ich blätterte weiter durch die Broschüre und fing hier und da Schlagworte und Sätze auf: „Techno-Singularität wahrscheinlich, doch in bislang unverstandener Weise“, „Regierung des zweiten Rangs als neuartige Entwicklung verändert die weltweiten Allianzen grundlegend“, „10%10x der entscheidende Faktor“, „Neu entwickeltes Bewusstsein des zweiten Rangs scheint alle menschlichen Disziplinen neu zu definieren“. Mein Verstand jubelte bei jeder Schlagzeile, taumelte überwältigt von den Dingen, die ich schon kannte, verblüfft, es konkret gedruckt zu sehen, als wenn eine Vorstellung real würde, und ich fragte mich, was das alles bedeutete, was es bedeuten könnte ...?

Und was genau stand nun in diesem Report?

Während ich schnell durch das dünne Buch blätterte und der milde Aufruhr im Saal sich legte, trat Charles Morin ans Podium. Im kleinen Zuschauerraum war nur noch leises Blättern zu hören.

„Guten Tag, meine Klasse, Damen und Herren von der Presse und liebe Gäste. Ich werde mich kurz fassen. Wie viele von Ihnen wissen – aber ich werde es für unsere Gäste wiederholen – ist der AQAL-Code das Ergebnis des Human Conciousness Project (HCP Projekt Menschliches Bewusstsein). Ähnlich wie das Human Genom Project wurde das Consciousness Project gestartet zur Kartierung der Zustände des Bewusstseins, des Persönlichkeitstyps, der Meme, der Neurotransmitter von Dopamin zu Serotonin, jeder Synapse, des PET Verteilungsscans, der Meditationszustände, geänderten Zustände, Gipfelerfahrungen, Neuropeptide, Bewusstseinszustände, neuronaler Anzeigen, dem Zucken, Zittern und Zappeln des menschlichen Geistes, der Psyche, des Körperbewusstseins oder des Verstandes oder wie auch immer Sie unser Sein bezeichnen wollen. Die Vorstellung war, eine komplette Kartographie des menschlichen Geistes zu erhalten, zusammengesetzt aus allen Blickrichtungen auf jede Kultur und ihren psychologischen, spirituellen und wissenschaftlichen Ansichten der menschlichen Psyche der letzten Jahrtausende, um dann aus all diesen Teilansichten eine Karte des vollen Potenzials der vollständig bekannten Bereiche der menschlichen Psyche heutigen Standes zu erzeugen.“

 

weiterlesen ...

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind

(Quelle: IntegralLife.com, Sleeping With Your So-Called Enemy, Written by Nicole Fegley)

 

[Hintergrund: Dieser Beitrag wurde vor dem Hintergrund der Präsidentenwahl Obama/McCain in den USA geschrieben]

 

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind ist eine Praxisübung, wie man über seine eigenen politischen Ansichten hinausgelangen kann, hin zu den “Anderen”. Die eigenen Perspektiven erweitern sich, werden so umfassend wie möglich, und ermöglichen damit mitfühlendere Entscheidungen.

Wie kann ich mit all den Emotionen umgehen, im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wahl? Wie kann ich besser verstehen, warum einige Menschen eine völlig andere Meinung als ich zu wichtigen Fragen haben, die unser Land betreffen? Wie kann ich meine Widersacher besser verstehen und gleichzeitig leidenschaftlich für das eintreten, woran ich glaube?

Egal wie laut du schreist, und egal wie viel Schmerz und Emotionen du erlebst, es wird weiterhin Menschen geben, die eine völlig andere Meinung haben als du, und du wirst sie nicht überzeugen können.

Nehmen wir einen tiefen Atemzug, dies ist eine wirkliche Herausforderung. Es geht um die Schwierigkeiten dabei ... das, was weh tut, deine Erfahrungen von Ohnmacht, Zorn, Abgetrennt-Sein, Angst, Abscheu, Empörung, oder was immer du dabei erlebst. Es ist völlig normal und in Ordnung diese Gefühle zu haben, doch sie müssen dich nicht beherrschen oder lähmen. An diesem Punkt setzt die Praxis an. Wir hoffen, dass du dadurch mehr Freiheit für dich und dein Gefühlsleben erfährst, aber auch mehr Freiheit um dich zu engagieren, um zuzuhören, und letztendlich dabei weißt, dass, was auch immer am Ende auch geschieht, es wird OK sein – jedenfalls relativ OK.  

 

weiterlesen ...

Terrorismus

Terrorismus

(aus: Integral Naked)

 

Ken Wilber: ... Ich möchte ein Beispiel geben, warum Entwicklungsmodelle so wichtig sind. Menschen bewegen sich durch diese Ebenen hindurch und nehmen Perspektiven ein – wir vereinfachen das, indem wir sagen: egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch, oder präkonventionell zu konventionell zu postkonventionell. Ich habe gerade das Buch The Many Faces of Terrorism fertiggestellt, und dabei habe ich mir die vielleicht 100 größten terroristischen Anschläge der letzten Zeit weltweit angeschaut – und Al Kaida ist nur ein sehr kleiner Teil davon. Was dabei herausgekommen ist, ist dass das psychologische Profil in allen 100 Fällen praktisch identisch war, absolut identisch. Ich nehme für einen Entwicklungsverlauf jetzt einmal Jean Gebser: archaisch-magisch-mythisch-rational-pluralistisch-integral und darüber hinaus. Sie alle hatten fundamentalistische, ethnozentrisch-mythische Glaubensüberzeugungen und wurden angetrieben von egozentrischen Impulsen. Wir haben es mit einem sehr primitiven, narzisstischen emotionaler Antrieb innerhalb einer ethnozentrischen Glaubensvorstellung zu tun. 

 

weiterlesen ...

Ken Wilber zu einer integralen Weltföderation

Ken Wilber zu einer integralen Weltföderation

 

Ich sehne mich nach einer Diskussion, in der integrale Offenheit gedeihen kann. Ich wünsche mir eine Gruppe von Weltpolitikern, die das Gesamtbild sehen können, ein größeres Bild, das wirklich allen Wertesystemen Raum gibt, jedoch nur weltzentrisches Verhalten toleriert.

Ich sehne mich auf diese dumme, utopische Weise nach einer Weltföderation, in der “jeder im Recht ist”, jedoch nur, wenn einige mehr im Recht sind als andere (z.B. weltzentrisch hat eher recht als ethnozentrisch); siehe dazu auch den Exzerpt B: “Three Principles Helpful for Any Integrative Approach”. Ich sehne mich nach der Freiheit und Fülle einer integralen Wahrnehmung, die von so vielen fühlenden Wesen wie nur möglich geteilt wird. Ich sehne mich nach einer Zukunft, wo integrale Werte nicht mehr von Grün und Blau gehasst werden. Doch leider bin ich damit ziemlich allein.

Jedoch – die Welt muss tun, was sie zu tun hat. Ich selbst glaube, dass im kommenden Jahrhundert die gegenwärtigen Vereinten Nationen auf friedliche Weise durch eine erste Bewegung hin zu einer echten Weltföderation ersetzt werden wird, angetrieben vor allem durch die Bedrohung der globalen Gemeinsamkeiten, die nicht auf einer nationalen Ebene handhabbar sind (wie Terrorismus,  Geld- und Wirtschaftspolitik und Umweltbedrohung.).

Ich nehme an, dass die erste Weltföderation wahrscheinlich orange bis grün sein wird. Und ich hoffe, dass es ein gesundes Grün sein wird, aber – wer weiß das schon? Ich glaube, dass jede derartige grüne Weltföderation wesentliche Schritte in Richtung der Weltharmonie unternehmen wird, aber sich dennoch irgendwann einmal den inhärenten Begrenzungen und  Widersprüchlichkeiten aller ersten-Rang Ansichten  stellen muss. Es wird eine Art weltweiter Gedankenpolizei für politisch-korrektes Denken auftauchen – eine grüne Inquisition, wenn man so will – deren subtile Brutalität, begleitet von äußerst unangenehmen Ereignissen, dazu führen wird, dass sich ein gelbes, umfassendes Bewusstsein etabliert. Aber das, glaube ich, wird noch mindestens ein Jahrhundert dauern.

Bis dahin – und angesichts der Tatsache, dass noch keine Regierung, keine Protestbewegung, keine nationale oder internationale Politik, derzeit integral ist – muss man sich fragen: Was kann ich selbst angesichts dieser trostlosen Umstände tun? An dieser Stelle kann ich nur wiederholen, was ich bereits in meinen früheren Kommentaren gesagt habe, und ich bin zutiefst davon überzeugt:

Die Welt bedarf einer integralen Handlungsweise und wird sie leider nicht erhalten, ob wir nun Krieg führen oder nicht. Dennoch ist es besser, eine Kerze im Dunkeln anzuzünden als die Dunkelheit zu verdammen. Wir arbeiten daher an uns selbst und bemühen uns, unser eigenes integrales Bewusstsein jeden Tag ein wenig zu vermehren, damit wir zuletzt diese Welt ein wenig heiler zurücklassen als wir sie vorgefunden haben.


Quelle: AK Ken Wilber Rundbrief 14, 2003,

           Ken Wilber, persönliche Mailkorrespondenz

Politik und Demokratie

Politik und Demokratie

aus dem Interview, Frankfurt 2005

(Quelle: IP 1, 2006)

Monika Frühwirth: Im Februar 2005 hatten Sie in einer E-Mail an uns Folgendes geschrieben:

“Zur militärischen Thematik”: Europa hat einen hohen Prozentsatz an Grün, der die weltweite Bedrohung durch Rot maßlos unterschätzt. Amerika hat einen hohen Prozentsatz an Blau, der die weltweite Bedrohung durch Rot maßlos überschätzt. Ich versuche ein integrales Gleichgewicht zwischen beiden zu halten – und ernte dafür auf beiden Seiten abgrundtiefes Misstrauen! Was soll denn ein armer integraler Bursche da bloß tun?”(:-)

Ken Wilber: Was die „militärische Thematik“ betrifft, bleibt einem nichts anderes übrig, als nach eigenen Maßstäben so integral wie möglich zu bleiben. Es geht jedoch um die Frage: Wenn man einen der einflussreichsten Staatsoberhäupter der Welt beraten könnte, zu was würde man ihm raten? Und da wird es sehr schwierig, das richtige Maß zu finden. In Amerika ist das inzwischen unmöglich geworden weil wir, im Grunde genommen, blaue Werte haben, eine bernsteinfarbene, mythische Zugehörigkeit und fundamentalistische Standpunkte. Grob geschätzt vertreten etwa 50% der Amerikaner diese Werte. Die Hälfte von uns ist zutiefst puritanisch und fundamentalistisch eingestellt.

Früher war es so, dass die Fundamentalisten ihre Anhänger nicht in die Wahllokale locken konnten. Aber George Bush hat einen Berater, [Karl] Rove, der so etwas wie ein kleines Genie ist. Rove hat herausgefunden, wie man die fundamentalistischen Kirchen ansprechen muss, um sie zum Wählen zu bewegen. Auf der einen Seite wissen also die Republikaner und Konservativen, wie man die eigenen Leute hinter dem Ofen hervorlockt, damit sie alle wählen gehen; auf der anderen Seite ist die Liberale Partei eine einzige Katastrophe, weil die Liberalen, d.h. die Demokraten in diesem Land sich im Grunde genommen aus Orange, Grün und Rot zusammensetzen. Den Demokraten fallen die prä-konventionellen und die post-konventionellen, und den Konservativen die konventionellen Werteträger zu. Früher, als die Demokraten ganz einfach Orange repräsentierten – die Werte der Aufklärung – und die Konservativen mythische Zugehörigkeit, grundlegend Blau bzw. Bernstein, da fiel es den Liberalen relativ leicht, hin und wieder die Mehrheit der Stimmen für sich zu gewinnen. Als sich jedoch Grün herauszubilden begann (Grün und Orange können sich nicht ausstehen, hassen einander buchstäblich), entstand deshalb ein besonders ungesundes Grün, von mir auch Boomeritis genannt – eine schlimme Angelegenheit.

weiterlesen

Integrale Politik – Ken Wilbers neues (altes) Projekt

Integrale Politik – Ken Wilbers neues (altes) Projekt

Michael Habecker

Etwas noch nie Dagewesenes ist im Gange. Ein unermessliches Territorium meiner eigenen Seele erwacht nach all den Jahrhunderten aus schlafender Unwissenheit – habe ich seit dem Urknall oder auch schon davor nur vor mich hin gedöst? Ein Territorium, welches Platz für alle hat, beginnend bei mir, dann Dir, dann ihm und weiter zu ihnen allen, alle zu einem „Ich“ werdend, einer Familie des Familiären, alle nach Hause kommend, sich auszuruhend von einer Reise ohne Ziel und einem Weg ohne Entfernung, hin zu einer Unendlichkeit, die sich innerlich immer bemerkbarer macht, die nirgendwo zu finden ist und doch als ein Weckruf in den Herzen und im Geist von Millionen von Menschen zu hören ist.

Ken Wilber, The AQAL Code

Zur Veröffentlichung des ersten Teils eines Auszuges aus einer geplanten Buchtrilogie The Many Faces of Terrorism am 29.11. 2006 schreiben die Herausgeber der kenwilber.com:

"Ken Wilbers lange erwartetes Material über Integrale Politik (Theorie und Praxis) wird hier erstmals zur Verfügung gestellt. Beginnend mit der heutigen Veröffentlichung – und insgesamt drei Veröffentlichungen in den kommenden Wochen – werden die ersten Entwürfe dreier Kapitel der in Arbeit befindlichen Buchreihe The Many Faces of Terrorism vorgestellt. The Many Faces of Terrorism ist ein Sachbuch in Romanform [nonfiction novel] (eine Romantrilogie) und ein Nachfolger des Romans “Boomeritis“. Die Handlung spielt drei Jahre nach Boomeritis und handelt von den weiteren Entdeckungen der Mitarbeiter des Integral Center in Cambridge, Massachusetts. (Dies ist natürlich angelehnt, aber wirklich nur angelehnt an das Integral Institute.) Seit Monaten gibt es Gerüchte, dass das IC „den Code“ entdeckt hat, auch wenn unklar bleibt, was der Code eigentlich ist – die Spekulationen reichen von weiteren DNA Programmen bis zum Geheimnis von absolut Allem. 

Lesen Sie hier weiter ...

 

Integrale Politik

Integrale Politik

Eine Einführung von Colin Bigelow

(Quelle: Integral Naked)

Bei einer integralen politischen Theorie kann jede Partei, jedes Lager, jede Zugerhörigkeit verstanden werden im Hinblick darauf, welche Aspekte des AQAL Modells – Quadranten, Ebenen, Linien, Zustände, Typen – jeweils hervorgehoben werden. Daraus kann man auch erkennen, wo eine Orientierung ihren Ursprung hat und wie sie in Beziehung zu allen anderen politischen Orientierungen steht. Wie geht das? Schauen wir es uns an: 

Betrachten wir zuerst die vier Quadranten, welche einfach nur das Innere und das Äußere des Individuellen und des Kollektiven sind, als Aspekte eines jeden Ereignisses. Nehmen wir die Debatte um Rechte und Pflichten/Verantwortung: Eine Betonung der Souveränität des Individuums (Rechte) führt zu liberalen und freiheitlichen Positionen; eine Betonung der Souveränität des Kollektivs (Verantwortung) führt zu etwas wie Sozialismus. Nehmen wir die Debatte um die Ursachen menschlichen Leidens: Eine Betonung innerer Faktoren führt zu einer eher [amerikanischen] republikanischen Position (wenn ein Mensch leidet, dann wegen einer fehlenden Arbeitsethik und fehlenden Familienwerten usw.). Eine Betonung äußerer Faktoren führt zu einer Position wie sie die Partei der [amerikanischen] Demokraten vertritt (eine Person leidet, weil sie nicht die Chance bekommt, etwas aus sich zu machen, oder weil sie sich in einem unterdrückenden System nicht entfalten kann. usw.).

Lesen Sie hier weiter

Textbesprechung eines Aufsatzes von Wilhelm von Humboldt

Textbesprechung eines Aufsatzes von Wilhelm von Humboldt

Politische Grundorientierungen

In seinem Entwurf zu einer integrale Politik leitet Ken Wilber aus den vier Quadranten zwei Hauptorientierungen (oder „Achsen“) politischer Orientierung ab, die Achse innerlich-äußerlich (die linksseitigen gegenüber den rechtsseitigen Quadranten) und die Achse individuell-kollektiv (die oberen gegenüber den unteren Quadranten), mit der wir uns im folgenden Beitrag anhand eines Textes von Wilhelm von Humboldt beschäftigen. Es geht dabei um das seit Menschengedenken bestehende und grundsätzlich nicht aufhebbare Spannungsfeld zwischen individuell und kollektiv, zwischen Individuum und Staat oder Gemeinschaft, zwischen individuellen und kollektiven Rechten und Pflichten. Die derzeitige (Januar 2009) weltweite Finanzkrise hat dieses Spannungsfeld, deren Schwerpunkt oft in einer Pendelbewegung von einem Pol zum anderen schwingt, erneut deutlich gemacht. Nach einem jahrzehntelangen und weltweiten begeisterndem liberalen „laissez faire“ – auf die Verantwortung der teilnehmenden Individuen vertrauende internationale Finanz- und Bankensysteme, mit der entsprechenden Begeisterung für das, was alles möglich ist, und den scheinbar grenzenlosen Gewinnmöglichkeiten durch immer neue Produktinnovationen der Finanzbranche, auch und gerade für den „kleinen Mann“ – ist jetzt Ernüchterung eingetreten. Die Regierungen folgen dem Ruf nach staatlicher Kontrolle, und gehen diesem sogar voran. Was vor ein paar Jahren Politikern noch den Vorwurf eingebracht hätte Kommunisten zu sein, ist jetzt allgemein anerkannte Politik, eine beginnende Kollektivierung und Verstaatlichung des Banken- und Finanzsystems in Deutschland.

Entsprechend den Extremen dieser Achse individuell-kollektiv haben sich im Verlauf der Geschichte zwei Grundorientierungen herausgebildet, die man mit den Begriffen „liberal “ bzw. „sozial“ bezeichnen kann. Eine liberale Orientierung betont dabei die Rechte des Einzelnen, die vor Übergriffen des Staates geschützt werden müssen, eine soziale Orientierung hingegen nimmt die Gemeinschaft in die Pflicht, für den Einzelnen zu sorgen.

In der nun nachfolgenden Textbesprechung eines Aufsatzes von Wilhelm von Humboldt  aus dem Jahre 1791, Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen, geht es um die liberale Position und Perspektive, mit der die Freiheit des Individuums vor den Übergriffen staatlichen Wirkens geschützt werden soll. Anhand dieses klassischen Textes zur deutschen Liberalität werden die zuerst abstrakt erscheinenden Unterscheidungen politischer Orientierungen lebendig.  

Lesen Sie hier weiter

Ken Wilber Classics - Politik

Ken Wilber Classics - Politik

Austauschbeziehungen/Unterdrückung

(aus: Halbzeit der Evolution, Goldmann 1990, S. 196, 325) 

Jedes beliebige Austauschsystem – sei es materielle Arbeit, gefühlsmäßiger Verkehr oder begriffliche Kommunikation – kann eingeschränkt, unterdrückt, verdrängt und entstellt werden, und zwar von der gesellschaftlichen Umwelt, in der dieser Austausch an sich auf ideale und freie Weise stattfinden sollte. (Mit „frei“ meine ich hier „angemessen“ und nicht „exzessiv“.) Am häufigsten wird diese Entstellung von den Individuen angezettelt, die, seien sie einfache Bürger oder mächtige Anführer, eigentlich Hüter eines ungestörten Austauschs und ungestörter Beziehungen sein sollten. Solche Störungen haben die Tendenz, institutionalisiert zu werden, so dass sie sich ohne bewusste Absicht reproduzieren (Kraft der sozialen Trägheit).

Die archetypischen Vorkämpfer für nicht verdrängte Beziehungen in jeder dieser Sphären sind Marx (gemeinschaftliche Arbeit, Uroboros, Ebene 1), Freud (gefühlsbasierter zwischenmenschlicher Verkehr, Typhon, Ebene 2) und Sokrates (verbale Verständigung, Kommunikation in der Gemeinschaft, Ebene 3). Und natürlich würde eine vollständige Gesellschaftstheorie noch solche höheren Sphären und Vorkämpfer hinzufügen wie Selbstachtung (Ebene 4, Locke), psychische Intuition (Ebene 5, Pantanjali), subtiles Einssein (Ebene 6, Kirpal Singh) und Höchste Transzendenz (Ebene 7/8, Buddha, Christus, Krishna)... 

Lesen Sie hier weiter

Das Nirmanakaya-Zeitalter

(aus: Halbzeit der Evolution, Goldmann, S. 373)

Das Nirmanakaya-Zeitalter wird eine Gesellschaft von Frauen und Männern mit sich bringen, die zu einem ersten flüchtigen Blick in die Transzendenz fähig sind: Sie werden beginnen, ihr gemeinsames Menschsein und ihre Brüderschaft/Schwesternschaft besser zu verstehen; sie werden die ihnen durch die natürlichen körperlichen Unterschiede von Hautfarbe und Geschlecht mitgegebenen Rollen transzendieren; ihre mental-psychische Klarheit wird wachsen; sie werden Entscheidungen sowohl auf der Basis von Intuition wie von Rationalität treffen; sie werden in jeder einzelnen Seele, ja, in der ganzen Schöpfung dasselbe Bewusstsein sehen und dementsprechend handeln; sie werden herausfinden, dass das mental-psychische Bewusstsein die Körperphysiologie beeinflussen und umwandeln kann, und die medizinischen Theorien entsprechend anpassen; Männer und Frauen werden durch höhere Werte motiviert sein, was ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse und die Wirtschaftstheorie drastisch verändern wird; sie werden psychisches Wachstum als evolutionäre Transzendenz begreifen und Methoden und Institutionen entwickeln, die nicht nur Gefühlskrankheiten heilen, sondern das Bewusstseinswachstum fördern; Erziehung wird als eine Disziplin zum Erreichen von Transzendenz betrachtet werden – vom Körper zum Geist zur Seele -, weshalb man die Erziehungstheorie und die ihr dienenden Institutionen reformieren wird, mit besonderer Betonung der hierarchischen Entwicklung; man wird in der Technologie ein geeignetes Hilfsmittel zur Transzendenz und nicht nur einen Ersatz dafür sehen; Massenmedien und drahtlose Telekommunikation sowie neuartige Verbindungen zwischen Menschen und Computer werden als Vehikel eines vereinigenden Bewusstseins genutzt werden.

Lesen Sie hier weiter

The Many Faces of Terrorism

The Many Faces of Terrorism

Ken Wilber

Auszüge aus dem Telefon-Interview mit Ken Wilber bei der Tagung am 24.11.2007

Transkription: Cindy Lorenz

Übersetzungen: Jörg Perband, Uli Vogel, Rainer Weber

Interview und Lektorat: Monika Frühwirth

 

 

 

M: Wir würden  gern etwas mehr über die Fortschritte deiner Arbeit hören. Die nächste Ausgabe unseres Magazins (i.e. i*p 08) wird von der Fachgruppe Integrale Politik gestaltet, und sich auch der kommenden Trilogie, "The Many Faces of Terrorism" (Die vielen Gesichter des Terrorismus) widmen. Die im Web veröffentlichen Passagen sind wieder einmal im "Boomeritis"-Stil geschrieben. Einige von uns haben sich in diesem Zusammenhang gefragt: Bevorzugst du diesen Stil, weil er dir mehr Spaß macht oder leichter zu schreiben ist? Warum verwendest du den Roman-Stil ?

K: Ja, ich verstehe das Anliegen hinter dieser Frage. Ich begann an einem Buch über Terrorismus zu arbeiten und merkte, dass es so unglaublich dunkel wurde, ein so sehr schwieriges und deprimierendes Thema, und weiters stellte ich auch fest, dass es so viele Sichtweisen auf diese Materie gibt.

weiterlesen ...