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24.8.2017 : 7:01 : +0200

Erwachen – was bedeutet das wirklich?

Einführung

Michael Habecker

Die Bedeutung des Themas Spiritualität allgemein und Erwachen speziell steht in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion, welche irgendwo zwischen New Age und subjektiver Spekulation in der Bedeutungslosigkeit angesiedelt ist. In dem Buch Integrale Spiritualität differenziert Ken Wilber drei klar unterscheidbare, wenn auch nicht trennbare Wege und Aspekte eines Erwachens, und zwar Aufwachen, Aufwachsen und Aufräumen. Das Aufwachen bezieht auch auf den klassischen kontemplativen Weg des Erwachens durch die Zustände des Seins, grobstofflich, subtil, kausal und nichtdual. Das Aufwachsen ist das sich Entwickeln in unterschiedlichen Kompetenzen (Identität, Kognition, Emotion, Werte usw.) wie es die Entwicklungspsychologie beschreibt. Das Aufräumen weist auf die Bedeutung der psychodynamischen Arbeit hin („Schattenarbeit“), wie z. B. die Aufdeckung eigener Verdrängungs- und Projektionsmechanismen oder die tiefere Ergründung schwieriger Emotionen. Alle drei Wege bzw. Aspekte, und das hat bisher niemand so deutlich ausgesprochen wie Wilber, verlaufen relativ unabhängig voneinander, so dass das Verfolgen eines der Wege nicht automatisch auch die Aufgaben der anderen Wege löst.

Ken Wilber hatte schon vor Jahren mit der Gründung eines Integral Spiritual Center den Versuch unternommen, spirituelle LehrerInnen aus unterschiedlichen Traditionen „an einen Tisch“ zu bekommen, um eine notwendige Diskussion und auch Dialektik in Gang darüber zu bringen, was authentische Spiritualität ist (und was nicht). Dabei konnte die integrale Landkarte als eine gemeinsame Ausgangsbasis und Bezugspunkt genutzt werden, um die vielfältigen Aspekte von Spiritualität zu verorten und vergleichbar zu machen. Doch dieses Experiment, mit vielversprechenden Anfängen, wurde nicht fortgeführt, und das lag, nach meiner Beobachtung, vor allem daran, dass sich die LehrerInnen nicht wirklich auf eine tiefergehende Diskussion einlassen wollten, sowohl was die Phänomenologie ihrer Erfahrungen, aber vor allem was ihre eigene (Entwicklungs)psychologie und Psychodynamik betrifft. Sie wollten, so mein Eindruck, sich nicht zu sehr in die eigenen Karten schauen lassen und „ans Eingemachte“ gehen – was natürlich auch zu respektieren ist.

Im Integralen Forum haben wir unter der Überschrift „Projekt integrale Spiritualität“ im Jahr 2010 ein Vorhaben mit ähnlicher Intention ins Leben gerufen. Wir haben dazu ein „Positionspapier“ erstellt und dies an verschiedene spirituelle LehrerInnen mit der Bitte um Stellungnahme verschickt. Diese Stellungnahmen kamen auch, doch auch hier, und das ist wieder mein Eindruck, gingen die LehrerInnen nicht wirklich ans Eingemachte und bezogen die Aussagen des Positionspapiers nicht auf sich selbst, sondern blieben in ihren Antworten eher allgemein1.

Unter der Überschrift Waking Up, Over 30 perspectives on spiritual awakening - What Does It Really Mean? hat nun www.soundstrue.com2 eine Audioreihe veröffentlicht, in der die Geschäftsführerin Tami Simon über 30 Menschen zum Thema „Erwachen“ interviewt, die sich auf die eine oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigen – entweder als Erwachte selbst oder als Lehrer/Autorinnen zum Thema. Ken Wilber gehört auch dazu. Auch sie ist dabei – vorsichtig – bemüht, Vergleiche anzustellen, Unterschiede herauszuarbeiten und Brücken zu bauen, und untersucht immer wieder zentrale Fragen wie:

  • Was bedeutet Erwachen phänomenologisch (was spielt sich dabei im eigenen Bewusstsein ab)?

  • Welche biografischen Hintergründe haben eventuell mit dazu beigetragen (oder nicht)?

  • Welchen Einfluss (wenn überhaupt) hat dieses Erwachen psychologisch (und zwar sowohl was die einzelnen Entwicklungslinien und psychologischen „Kompetenzen“ eines Menschen betrifft als auch seine/ihre Psychodynamik)?

  • Was bleibt durch das Erwachen (erst einmal) unverändert?

  • Was bedeutet Erwachen für ein Tun (oder Nicht-Tun) in der Welt?

Es lohnt sich sehr, die einzelnen Stellungnahmen anzuhören, vor allem auch wegen der Unterschiede, die dabei zutage treten. Auch wenn es so etwas wie eine stillschweigende Übereinkunft zwischen den LehrerInnen zu geben scheint, bei sich zu bleiben und nicht von anderen zu sprechen und auch nicht miteinander – dialektisch und auch kontrovers – zu diskutieren, lassen sich doch vor allem in dem, was nicht gesagt wird Rückschlüsse ziehen auf die unterschiedliche Erfahrungen und Auffassungen von „Erwachen“.

Nachfolgend gebe ich zusammenfassend die Aussagen von Dreien der Interviewten wieder: Eckhart Tolle, Ken Wilber und Gangaji. (Eine Stellungnahme von Wilber zu Tolle vor einigen Jahren findet sich auf der Page des Integralen Forums3).

In derartigen Vergleichen sehe ich einen wesentlichen Schritt, das so wichtige Thema Spiritualität/Erwachen in die Öffentlichkeit zu bringen, die den - nicht unzutreffenden – Eindruck hat, dass Spiritualität und Erwachen letztendlich doch etwas ganz Privates und Subjektives ist, eine Art Insel der Glückseligkeit, auf die sich Einzelne (oder Tausende, wenn man dem Internet glaubt) zurückziehen.

Aus dem Interview mit Eckhart Tolle

Eckhart Tolle beschreibt im ersten Teil des Interviews ebenso eindringlich wie anschaulich sein Erwachen.

Im zweiten Teil geht es dann darum, wie dieses Erwachen in seinem persönlichen Leben zum Ausdruck kommt.

Tami Simon (TS): Manche Menschen, die einen bestimmten Grad an Wachheit erreicht haben, scheinen immer noch Schwierigkeiten in bestimmten Lebensbereichen zu zeigen, in ihrem Arbeitsleben, in ihren Beziehungen oder auch was ihre Gesundheit betrifft. Die spirituelle Offenheit, mit der sie in Berührung gekommen sind, scheint sich nicht auf diese anderen Aspekte ihres Lebens zu übertragen. Kann spirituelles Erwachen all unsere Probleme lösen, oder ist es nicht gleichzeitig notwendig, auch psychologische Arbeit zu machen und sich um die eigene Gesundheit zu kümmern?

Eckhart Tolle (ET): Spirituelles Erwachen löst nicht sofort alle eigenen Probleme, und es bedeutet auch nicht, dass das Leben keine Herausforderungen mehr haben würde. Die Herausforderungen gehen weiter, allerdings ist es unwahrscheinlich, dass man sich permanent in dysfunktionalen Situationen befindet, das ist sehr unwahrscheinlich, wenn man spirituell erwacht ist, oder auch nur relativ bewusst ist oder auch voll erwacht ist. Es ist unwahrscheinlich, dass man sich über lange Zeiträume in dysfunktionalen oder unangenehmen Dramasituationen usw. aufhält. Herausfordernde Situationen gibt es jedoch nach wie vor.

Das Leben wird uns weiterhin vor Herausforderungen stellen, das ist ein Teil unseres Hierseins als eine physische Form. Das hat kein Ende. Spirituelles Erwachen hebt alles das nicht auf, aber das Leben verbessert sich gewaltig, auch auf der äußeren Ebene, doch Herausforderungen wird es weiterhin geben. In jeder neuen Situation, in die man sich begibt, wird es neue Herausforderungen geben. Spirituelles Erwachen bedeutet nicht, dass dies nicht mehr geschieht.

Was beim spirituellen Erwachen geschieht, ist, dass auch in der Auseinandersetzung mit einer Herausforderung die Herausforderung im Kontext einer tieferen, transzendenten Dimension gesehen wird. Es existiert eine Geräumigkeit, in welcher die Herausforderung nicht als etwas Gigantisches erscheint, welches die ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Die Herausforderung erscheint in der Geräumigkeit der Präsenz. Du hältst dich überwiegend in der Präsenz auf und nicht im Problem, und das ist der Grund, warum aus der Herausforderung kein Problem wird – auch wenn es eine Herausforderung bleibt. Du bleibst in der transzendenten Dimension verwurzelt und tust von dort aus, was du tun kannst - wenn du etwas tun kannst - um der Herausforderung zu begegnen.

Was auch nicht mehr geschieht: du wirst keinen Situationen im Leben mehr begegnen, die dich vollständig befriedigen. Du wirst keine Orte mehr finden, die dich vollständig zufriedenstellen, du wirst keine Lebensumstände mehr finden, die dich vollständig zufriedenstellen, auch keine Beziehung oder Aktivität wird dich vollständig zufriedenstellen können. Das wird sich nicht mehr einstellen, egal wohin du gehst und was du tust, du wirst immer ein Element von Unbefriedigtsein finden, als einen Teil des Lebens in der Welt der Form. Jede Form ist begrenzt. Es ist ein Irrglaube, dass mit der spirituellen Verwirklichung das Element von Unbefriedigtsein verschwindet, das tritt nicht ein. Das Unbefriedigtsein bleibt. Doch das ist nicht mehr ein Problem, weil es im größeren Kontext, der, wie ich es manchmal nenne, transzendenten Dimension gesehen wird. Mit anderen Worten: Das Glücklichsein oder das Empfinden von Befriedigung hängt nicht mehr von den eigenen Lebensumständen ab. Doch genau hier suchen Menschen nach Glücklichsein und Befriedigung, bevor sie erwachen. Wenn sie nicht erwacht sind, suchen sie nach Befriedigung in den Umständen ihres Lebens. Für kurze Zeit finden sie dies hier oder dort, doch bald zeigt sich, dass Umstände, welcher Art auch immer, nicht zu letztendlichem Glück und Befriedigung führen. Es führt zu immer mehr Leid und das Leid führt zum Erwachen, so dass dies letztendlich in Ordnung ist, doch die Tatsache bleibt, dass Umstände welcher Art auch immer kein bleibendes Glück oder keine bleibende Befriedigung geben können, weil es immer etwas geben wird, was nicht ganz richtig ist.

Der Unterschied zwischen einem erwachten oder nicht erwachten, oder einem unbewussten und einem zumindest etwas bewussten Wesen ist der, dass der unbewusste Mensch fortwährend nach den richtigen Lebensumständen Ausschau hält als eine Voraussetzung für Glücklichsein. Der erwachte Mensch hält nicht mehr Ausschau nach den perfekten Lebensumständen, weil sein oder ihr Glück oder Lebendigkeit oder Freude oder Frieden – welchen Begriff wir auch immer wählen – jetzt nicht mehr aus den Lebensumständen her abgeleitet werden muss

Dies kommt aus dem nicht-konditionierten Bewusstsein, einer lebendigen Präsenz, bei der man spürt, dass man dies ist. Dies ist die letztendliche Befriedigung, die transzendente Dimension des Lebens ohne Form. Es hat nichts zu tun mit den eigenen Lebensumständen. Und dann kann man in dieser Geräumigkeit eine Beziehung zu den eigenen Lebensumständen haben, ohne dass man sich an diese Umstände klammert oder von ihnen abgestoßen wird. Die Lebensumstände können in dieser Geräumigkeit so sein, wie sie sind, für eine Weile, in all ihrer Liebenswürdigkeit und in ihrem Beschädigtsein, in dem, was ihnen fehlt oder was dabei falsch läuft. Das Leben wird so erstmals wirklich befriedigend, weil du nicht mehr für dein Glück oder Befriedigtsein von den Umständen deines Lebens abhängst. Das ist eine große Befreiung. Es ist also eine falsche Vorstellung zu glauben, dass, wenn man einmal spirituell erwacht ist, alles nur noch großartig ist – nein, das liegt nicht in der Natur der Welt der Form. Dort verändert sich alles laufend und ist im Fluss. Und das ist dann nicht mehr notwendig. Was notwendig ist, ist im Kontakt zu sein mit dem, was alle Umstände transzendiert.

TS: Gab es in deinem eigenen Leben eine Zeit, in der du nach deinem Erwachen das Bedürfnis hattest, aufgrund psychischer Probleme zu einem Therapeuten oder Coach zu gehen, oder jemanden, der dir bei körperlichen Beschwerden hilft? Hattest du das Bedürfnis hierzu, zur Lösung problematischer Dinge auf der relativen Ebene?

ET: Nein, es kam mir nicht in den Sinn, mich auf der psychologischen Ebene nach Hilfe umzuschauen. Im Hinblick auf meinen Körper – er ist in Ordnung, aber nicht perfekt, und er verursacht mir keine großen Probleme. Viele Menschen empfehlen mir eine Physiotherapie und vielleicht wäre das hilfreich, aber aus irgendeinem Grund möchte ich nicht, dass mein Energiefeld beeinflusst wird durch jemand anderen, egal wie bewusst dies auch geschieht und welche wunderbare Arbeit darin steckt. Also zögere ich, und empfinde das als eine Invasion meines Energiefeldes – doch darin muss meinerseits keine große Weisheit stecken, es ist lediglich eine Charakteristik von mir.

TS: Wie individuell ist das Erwachen und was gilt dabei allgemein?

ET: Das, was sich beim Erwachen in jedem Menschen ereignet, muss das gleiche sein. Doch die Art und Weise, wie dieser Mensch dann das, was geschehen ist, interpretiert, darüber spricht und darüber denkt, das kann enorm variieren. Das Erwachen kann jemandem geschehen, der sich noch sehr innerhalb eines kulturellen Kontextes einer bestimmten Form von Spiritualität befindet. Jemand der in einem Aschram in Indien erwacht, kann dies ganz anders interpretieren als beispielsweise ein Christ, der vielleicht von einer Christusgeburt in sich spricht. Und das ist auch nicht so falsch. Wenn Christus irgendeine Bedeutung hat, dann ist es der transzendente Mensch - Jesus wird zum Christus -, die transzendente Wirklichkeit. Und auch Paulus sagte im Neuen Testament etwas wie „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Es sieht so aus, als würde es sich bei dem, was ich sage, wenn ich darüber spreche, und wenn jemand anders darüber spricht, um zwei völlig verschiedene Dinge handeln. Doch im Grunde gibt es keinen Unterschied. Sprache, die ihren Ursprung im Formlosen hat, kann, wenn sie aus der Dimension der Form heraus betrachtet wird, sich sehr unterschiedlich anhören, von Mensch zu Mensch. Doch die grundlegende Ent-Identifizierung von mentalen Formen ist die gleiche, denn nur dadurch wird das Christusbewusstsein oder die Buddha-Natur, wie immer wir das auch bezeichnen wollen, in uns geboren.

Ein zweiter Teil einer Antwort auf die gestellte Frage ist, was dieser Mensch dann mit dem erwachten Zustand tut. Wie wirkt und „arbeitet“ dieser erwachte Zustand in diesem speziellen Menschen, welche Interaktionen entstehen daraus mit anderen und in der Welt in unterschiedlichen Situationen? Auch das variiert enorm. Nicht jeder, der erwacht schreibt ein Buch darüber und wird formell ein spiritueller Lehrer. Es kann sich auch in irgendeiner anderen Form von kreativem Ausdruck äußern, in unbegrenzten Möglichkeiten und Weisen, und das variiert von Mensch zu Mensch. Auch ein paar persönliche Charakteristiken können dabei erhalten bleiben. Es gibt zwar kein Ego mehr, mit dem man identifiziert ist, aber bestimmte Wesenszüge, die man vorher hatte, können nach dem Erwachen immer noch vorhanden sein. Ein berühmter spiritueller Lehrer in Indien war ein Kettenraucher vor dem Erwachen und auch nach dem Erwachen [A. d. Ü.: ET bezieht sich wahrscheinlich auf Nisargadatta Maharaj.] Ja, es gibt Variationen auf der Oberfläche, doch der Kern ist der gleiche, da bin ich mir sicher. Das, was sich tief im Inneren im Verlauf des Prozesses des Erwachens ereignet, ist das gleiche.

TS: Wenn unser Austausch hier in Menschen ein größeres Verlangen nach einem Erwachen ausgelöst hat, was würdest du diesen Menschen sagen?

ET: Das Verlangen nach dem Erwachen ist bereits ein Teil des Erwachens. Die Tür ist da bereits ein Stück weit offen. Sonst würde man zu den Millionen gehören, die kein Verlangen danach verspüren und sogar eine Abwehr gegenüber einer Vorstellung von Erwachen haben – oder sie haben noch nie davon gehört. Wenn es ein Verlangen danach gibt, hat man schon Berührung aufgenommen, es beginnt bereits etwas. Das Verlangen ist da, weil man erkennt, dass etwas in dem, was wir hier sagen, wahr ist. Es gibt ein „Ja“ dazu, und man kann auf einer bestimmten Ebene spüren, dass es hier um eine Wahrheit über die Grundlagen menschlicher Existenz und einen selbst geht. Das in dir, was dies spüren kann, ist der Teil, der bereits wach ist. Der muss in dir wachsen, aber glaube nicht deinem Verstand, der dir sagt, dass du überhaupt noch nicht dort bist. Du hörst darüber, und dann – ja – das bedeutet, dass ein Teil von dir bereits erwacht. Glaube nicht deinem denkenden Verstand dabei, nur weil er das nicht erkennen kann und sagt „ich muss erwachen“ … es geschieht bereits. Wenn du das erkennst, ist das eine große Hilfe.

Aus dem Interview mit Ken Wilber

Ken Wilber beginnt mit der Erläuterung unterschiedlicher Typen spiritueller Erfahrungen aus den Traditionen. Dabei bezieht er sich hauptsächlich auf „4 oder 5 Hauptstufen“ aus dem Vedanta und dem Vajrajana. Diese Hauptstufen sind zuerst der Wachzustand, der Traumzustand und der tiefe traumloser Tiefschlaf. Der Traumzustand tritt nicht nur beim Träumen auf, sondern immer dann, wenn das analytisch-rationale Ich im Wachzustand transzendiert wird. Er tritt auch bei vielen Meditationen auf und er ist auch der Zustand, in dem sich der Bardo-Bereich zeigt, zwischen den Leben und zwischen dem Tod und einer weiteren Wiedergeburt. Weiterhin gibt es Turiya, der Vierte, das reine Gewahrsein und Bezeugen. Turiya ist transpersonal, unbegrenzt und alles durchdringend. Und schließlich gibt es noch Turyatita, jenseits des Vierten, wo das Zeugengewahrsein verschwindet und man – nicht-dual – eins ist mit alles, was erscheint.

Gipfelerfahrungen sind in jeder dieser Dimensionen möglich. Ramana Maharshi‘s Ich-Ich ist das große ICH, welches sich permanent des kleinen Ich bewusst ist.

Daraus folgt die Existenz von zwei Selbsten, dem Gesehenen und dem Sehenden. Das große SELBST ist göttlich, transzendent und eins mit allem Sein, ohne mit irgendeiner Erfahrung identifiziert zu sein … ich habe Empfindungen, doch ich bin nicht meine Empfindungen, ich habe Gefühle, doch ich bin nicht meine Gefühle, ich habe Gedanken, doch ich bin nicht meine Gedanken. Bricht man durch dieses Bezeugen noch hindurch, geht das Erleben vom Bezeugen weg und man ist eines mit allem, was erscheint, von Augenblick zu Augenblick. Man betrachtet nicht mehr den Berg, man ist der Berg. Man fühlt die Erde nicht mehr, man ist die Erde.

Jeder dieser höheren Bereiche wird auf eine ganz grundlegende Weise als sehr viel realer und wirklicher erlebt als unsere typisches, normales, denkendes ich-bezogenes Selbst.

Die religiösen Traditionen widmen sich jeweils unterschiedlich diesen unterschiedlichen Arten des Erwachens. Meistens sind diese in der genannten Reihenfolge angeordnet: wach-traum-kausal-Zeuge-nichtdual. Hier gibt es eine Abstufung. Es existieren verschiedenen Praktiken, die dabei helfen, die unterschiedlichen Zustände zu erfahren, und aus den Erfahrungen resultieren unterschiedliche Motivationen, die zutiefst lebensverändernd und positiv sind. Diese Veränderungen sind nicht nur vorübergehend, sondern es geschieht dabei auch ein Kontakt mit der Ewigkeit, was nicht ewige Zeit bedeutet, sondern eine radikale Zeitlosigkeit. Es ist ein Kontakt mit dem, was vor aller Manifestation immer schon da war, „bevor das Universum geboren war.“ Es gibt also nicht nur eine Weise des Erwachens, sondern unterschiedliche Typen von Erfahrungen des Erwachens.

Tami Simon stellt hierauf die Frage, ob es möglich ist, 24 Stunden am Tag in dieser zeitlosen Dimension – Turiyatita - zu leben.

Ken Wilber antwortet hierauf, dass dies der Anspruch ist. Nach der ersten „Erfahrung“, welche keine Erfahrung wie andere Erfahrungen ist, weil sie keinen Beginn in der Zeit und auch kein Ende hat, bleibt man nicht automatisch darinnen, obwohl dieses „Erleben“ immer schon anwesend war. Man kann jedoch aus dem unmittelbaren Gewahrsein dieses Zustandes wieder „herausfallen“. Der Zustand durchdringt dann aber immer noch das eigene Gewahrsein und man erinnert sich daran, und die Vorstellung von dem wer oder was man ist und was die Natur von Wirklichkeit ist, ändert sich dramatisch. Je mehr man dies „praktiziert“, das „Erkennen“ dieses Zustandes, desto öfter kann man damit in Kontakt sein. Es gibt dabei also einen feinen Unterschied zwischen dem Erwachen und der Erinnerung daran, auch wenn das erste Erwachen zu diesem Zustand eine ganz tiefgehende Erfahrung ist. Und diese “Ersterfahrung“ kann dann auf immer längere Zeitabschnitte ausgedehnt werden.

Ramana Maharshi hat etwas gesagt, was Ken Wilber in seiner eigenen Praxis über ein Jahr lang beschäftigt hat: „das, was im tiefen traumlosen Zustand nicht gegenwärtig ist, ist nicht wirklich.“ Hier spricht er von diesem immer-gegenwärtigen Gewahrsein. Für diese unterschiedlichen Gewahrseinszustände gibt es Entsprechungen bei den Gehirnstrommustern. Für das immer-gegenwärtige Gewahrsein sind sowohl Delta-Wellen (typisch für den tiefen traumlosen Tiefschlaf) als auch Alphawellen (typisch für den Wachzustand) erkennbar. Das spricht für eine Art von Wachheit, die auch im tiefen traumlosen Tiefschlaf vorhanden ist.

Erleuchtung kann nicht erreicht werden, weil sie immer vorhanden ist. Ken erwähnt das Beispiel seines Lehrers, der die „Erfahrungen“ seiner Schüler daran prüfte, ob diese einen Anfang und ein Ende in der Zeit hätten. War das der Fall, dann handelt es sich noch nicht um die „Erfahrung“. Gleichzeitig, so die Erfahrung von Wilber, kann sich das Erleben weiter vertiefen, und das ist ein Paradox.

Folglich existieren zwei Arten von Wahrheit. Zum einen eine relative Wahrheit, wie Wasser besteht aus H2O, die Wissenschaft, und eine absolute Wahrheit, Wasser besteht aus GEIST und kann nur durch Erwachen erkannt werden. Kein Begriff kann diese Wahrheit fassen, weil jeder Begriff sofort auch das Gegenteil einer Verneinung hat. Es braucht daher zur Erkenntnis von absoluter Wahrheit eine konkrete Verwirklichung. Man kann bei dieser Verwirklichung herein- und herausfallen. Die Praxis verlängert die Zeit, in der man darin verweilen kann, luzides Träumen als ein Gewahrsein der eigenen Trauminhalte wird möglich, und eine Aufrechterhaltung von Gewahrsein oder Wachheit um traumlosen Tiefschlaf.

Bei Turiya und Turiyatita handelt es sich – als eine technische Beschreibung – nicht um Zustände neben anderen Zuständen, sondern um das Gewahrsein aller Zustände. Beide sind immer-gegenwärtig. Erleuchtung kann man so als die Verwirklichung von dem bezeichnen, was kein sich verändernder Zustand ist. Und natürlich sind die allermeisten unserer Erfahrungen sich verändernde Zustände, sie kommen, sie bleiben etwas, sie plagen uns und sie vergehen wieder. Doch es gibt immer ein Gewahren von all dem. Und wenn wir in diesem Gewahren ruhen, dann sind wir von dem Leiden, das mit den vorübergehenden Zuständen verbunden ist, befreit.

Tami Simon fragt noch einmal nach, ob es Kens Meinung nach Menschen gibt, die 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche so leben.

Ken antwortet diplomatisch, dass von allen Lehrern, die er kennt, keiner behauptet, immer und rund um die Uhr im Kontakt mit dieser Dimension zu sein, die selbst in Tat rund um die Uhr besteht, d.h. immer-gegenwärtig ist. Der Eine, der das behauptet hat, und gleichzeitig sagte, dass niemand sonst dazu in der Lage wäre, war, so Wilber, Adi Da, doch Wilber glaubt ihm das nicht. Man kann jedoch auch für längere Zeit mit dieser Dimension im Kontakt sein, und das vermindert das Erleben von Leid ganz enorm und ist unglaublich erfüllend, als ein Einssein mit allem, wo nichts mehr von einem getrennt ist. Nichts ängstigst einen mehr, weil man eins mit allem ist, und es gibt auch – aus dem gleichen Erleben heraus – kein Verlangen mehr. Die Upanischaden sagen, wo ein Anderes ist, ist Angst. Und diese Angst fällt ab.

Eine weitere Frage von Tami geht um das Erleben von Zeit, und dem Paradox von einem zunehmenden Zeitumfang im Zeitlosen.

Ken antwortet darauf, dass, wenn man in diesem Zustand ist, einem klar wird, dass man dort nicht eingetreten ist und ihn auch nie verlassen hat. Das ist auch der Grund, warum der ganze zeitliche manifeste Bereich in den Traditionen als Illusion beschrieben wird. Es ereignet sich nicht wirklich etwas. Das ist dieses merkwürdige Paradox zwischen Form und Leere, dem Unendlichen und dem Endlichen, oder Ewigkeit und Zeit. Beide koexistieren. Wir bewegen uns auf zwei Seiten einer Straße und das macht das Menschsein so bizarr. Es macht uns sowohl göttlich wie menschlich. Und nicht nur uns. Es wird gesagt, dass alle Lebensformen diese doppelte Natur haben, doch nur Menschen können dazu erwachen. Viele Menschen erfahren jedoch nur ihre menschliche Seite, sie erfahren nicht ihre göttliche Seite und sind ausschließlich identifiziert mit der relativen Seite, der Seite, die geboren wird, leidet und stirbt.

Eine weitere Frage dreht sich um das, was sich durch das Erwachen nicht ändert, und Wilber nimmt Bezug auf das integrale Modell von Quadranten, Entwicklungslinien, Entwicklungsebenen, Zuständen und Typen. Auf jedem Schritt eines Entwicklungsweges (das bezieht sich sowohl auf die Entwicklung durch Zustände des Seins, wie auch durch die Strukturen des Seins) kann etwas abgespalten, entfremdet oder verdrängt werden – und es bildet sich ein Schatten. Daher differenziert Wilber das AUFWACHEN in Aufwachen (kontemplative Traditionen), Aufwachsen (Entwicklungspsychologie) und Aufräumen (Psychodynamik und Schattenarbeit).

Das Aufwachen kümmert sich dabei nicht um das Aufwachsen und das Aufräumen. Turiyatta und eine niedrige Stufe relativer Entwicklung (wie egozentrisch oder ethnozentrisch) schließen sich daher auch nicht aus. Das wird in dem Buch Zen, Nationalismus und Krieg sehr deutlich. Erwachte oder erleuchtete Lehrer (in der obigen Definition) können nach wie vor rassistisch, sexistisch, rigide hierarchisch, homophob oder sonst wie mit Vorurteilen behaftet sein, auch in dieser Kombination.

Aufwachen und Aufwachsen sind zwei unterschiedliche Dinge. Beides entwickelt sich relativ unabhängig voneinander. Und auch Schattenthemen („Aufräumen“) werden durch das Aufwachen nicht gelöst. Unbewusste unterdrückte neurotische Tendenzen können nach wie vor bestehen. Daher betont das Integrale neben dem Aufwachen gleichermaßen das Aufwachsen und Aufräumen. Es handelt sich dabei um ganz unterschiedliche Prozesse.

Die zwei Letztgenannten haben Auswirkungen auf den manifesten Teil des Menschen, d. h. auch wenn man subjektiv das Gefühl hat, dass man durch eine Satori-Erfahrung komplett frei geworden ist, können einen dennoch die Menschen um einen herum nach wie vor neurotisch, unreif und selbstbezogen erleben. Keine der Traditionen, weder im Westen noch im Osten, hat diese drei Aspekte bisher voll berücksichtigt. Das ist ein wirkliches Problem, weil bisher noch nicht das volle menschliche Potenzial angesprochen wurde, doch das kann jetzt geändert werden.

Bis heute ist es im Hinblick auf die spirituellen Bewegungen in den USA so, dass, auch wenn sich das Bewusstsein für die Zustände der Erleuchtung erhöht hat und diese auch praktiziert werden, dennoch das Aufwachen, die Entwicklungspsychologie, und das Aufräumen, die Psychodynamik, in diesem Zusammenhang kaum gesehen werden. Das ist ein wirkliches Problem. Es verwirrt auch deshalb, weil der spirituelle Weg ja behauptet, alles zu beinhalten, ein Einheitsbewusstsein von Leerheit mit der Welt der Form.

Und das ist auch so, doch was ist das Ergebnis dabei, wenn die einzige Form, die dabei wahrnehmbar ist, die einer Ethnozentrik ist? Dann ist man eins mit einer ethnozentrischen Welt. Um dort hinauszukommen, muss man – entwicklungspsychologisch – aufwachsen, und sich in den eigenen Entwicklungslinien und „Intelligenzen“ zu höheren Stufen entwickeln, aus der Ethnozentrik heraus. Das nimmt einem das Aufwachen nicht ab.

Und es ist gleichermaßen enttäuschend zu sehen, wie sich westliche Schulen der Psychotherapie ausschließlich mit relativen Wirklichkeiten beschäftigen, mit Schattenarbeit, und keine Ahnung vom Aufwachen haben.

Aus dem Interview mit Gangaji

Tami Simon (TS): Was bedeutet „spirituelles Erwachen“ für dich?

Gangaji (G): Für mich ist es der Wendepunkt eines Lebens. Die Aufmerksamkeit des Geistes [mind] erfährt eine grundlegende Wendung, nach Hause, zur völligen Stille des inneren Lebens. Dies wird als real erkannt. Es ist der Hintergrund und Vordergrund, gegenwärtig in jedem Objekt, jeder Person, jedem Gedanken, jedem Ereignis.

TS: Wie ist das bei Menschen, bei denen sich kein so dramatischer Wendepunkt ereignet, sondern es sich eher um einen langsamen Prozess handelt?

G: Bei mir hat auch ein langsamer Prozess zu diesem Augenblick geführt. Doch rückblickend gab es bei mir eine Zeit, wo sich die Aufmerksamkeit gewendet hat, nach Hause. Für mich gab es diesen speziellen Augenblick, ein Donnerschlag des Erkennens. Vorher war ich sehr zufrieden mit meinem Leben, mit meinem Lehrer, in meiner Beziehung - ich war nicht auf der Suche nach mehr. Und ein Ergebnis davon war der Wendepunkt. Im äußeren Leben hat sich dabei nichts geändert, Lebensumstände, Persönlichkeit, Gesundheit, und die Wahrheit dieses Augenblicks war, dass sich nichts ändern muss und auch nichts so bleiben muss, wie es ist.

Das „Anhalten“, das mir mein Lehrer vorher empfohlen hatte, unterstützte auch diese Wende. Das bedeutet, die Aktivitäten in den Gedanken zu erkennen, wobei es immer darum geht, etwas zu erhalten oder etwas zu vermeiden, egal ob es sich dabei um eine Emotion oder eine Situation oder was auch immer handelt. Das zu erkennen machte mir klar, dass ich noch nicht frei war, um zu erwachen. Mein Geist ist immer noch sehr aktiv, doch ich erkenne jetzt den Vordergrund, und es ist möglich, meinen Geist in jedem Augenblick in seine Quelle zurücksinken zu lassen, nicht nur in der Meditation, wo es ja darum geht, sondern auch im aktiv sein, speziell in geladenen Situationen.

Soweit meine Erfahrungen.

Ich hatte vorher viele unterschiedliche meditative Praktiken ausgeübt, habe mit unterschiedlichen Traditionen gearbeitet und das hat mich sehr viel weiter gebracht. Und ich habe auch alle diese Praktiken und jede dieser Lehren in meine egoische Struktur von Leiden und Messen mit aufgenommen, „habe ich das richtig gemacht, bin ich gut genug, ist es das?“ Doch im Augenblick des Anhaltens war das alles irrelevant zu dem, was jetzt ist.

Das Leben hat mich seitdem immer wieder „getestet“ und ich bin aus diesem Gewahrsein herausgefallen, doch ich wusste, wie ich anhalten konnte, wie ich aus meinen Geschichten, die ich mir erzählte, aussteigen konnte, und erkennen, was von all dem unberührt war. Krankheit ist immer ein Test, und auch die Meinungen anderer, meine intime Beziehung, und auch selbst eine Lehrerin zu sein – all dies sind große Tests.

Beim Lesen der Nachrichten am Morgen erlebe ich Mitgefühl, Zorn, Sympathie, Trauer, Freude angesichts der unterschiedlichen Ereignisse in der Welt – ich bin ein empfindendes menschliches Wesen. Doch wenn man einmal erkennt, dass es sich dabei um einen Test handelt, allerdings nicht in der üblichen Weise wie wir uns Tests vorstellen, sondern als Gelegenheiten, um zu entdecken, wie sehr viel tiefer und augenblicklicher wir uns öffnen können, dann ist dieser Test einfach nur das Gewebe, in dem sich Bewusstsein in einer bestimmten Form zum Ausdruck bringt. Das ist nicht getrennt von dem, was ich mit Heimat bezeichnet habe. Es ist eine Herausforderung, um tiefer zu entdecken, „ist es wirklich hier, ist es immer noch hier, gibt es ein Ende davon, ist es getrennt von diesem Augenblick?“ Das ist die Selbstuntersuchung, wie sie Ramana Maharshi gelehrt hat – die in der Frage zusammenkommt, „wer bin ich?“ Jeder Augenblick, jeder Lebensumstand stellt diese Frage, „wer bin ich?“

TS: Was bedeutet es, diese Tests zu bestehen, diese unterschiedlichen Situationen?

G: Wir merken unser Durchfallen daran, dass wir leiden und es für wahr halten. Ich spreche dabei nicht von Schmerz. Emotionaler Schmerz und physischer Schmerzen sind ein Teil der phänomenologischen Welten, in denen wir wohnen. Ich spreche davon, dass um eine Geschichte ein Drumherum entsteht, die den Schmerz verlängert, wenn ein Schuldiger gesucht wird und wir uns fragen, was wir falsch gemacht haben – und auch das ist in Ordnung, das ist ein Teil unserer menschlichen Natur und wie wir funktionieren. Doch wenn sich das unnötigerweise immer länger hinzieht, dann ist auch das ein Test und muss ein Test sein, wir haben es nicht geschafft, diese Umfassendheit zu würdigen, welche jeden Umstand und jeden Zustand willkommen heißt und dabei frei ist von jedem Zustand und Umstand.

Das ist das, worum es nach dem Erwachen geht – wo schließe ich etwas aus, wo trenne ich mich von diesem absolut stillen Gewahrsein als meiner Heimat.

TS: Welche Mythen über spirituelles Erwachen haben sich nach deinem Erwachen als Mythen gezeigt?

G: Ich kann da auch die Zeit vor meinem Donnerschlagmoment miteinbeziehen. Mythen bezüglich spirituellen Erwachens, von denen ich ausging, waren, dass ich mich immer gut fühlen würde, immer glücklich sein würde, universell lebend, freundlich und gut sein würde und ebenso vom Universum permanent geliebt werden würde, weiterhin vollkommene Gesundheit haben würde und mit psychischen Kräften ausgestattet wäre. So stellte ich mir das vor – wie in einer griechischen oder römischen Mythologie über Gott. Und andere stellen sich jetzt vor, dass ich oder andere Lehrer so wären und sind desillusioniert, wenn sie feststellen, dass wir nach wie vor Menschen sind. Dies ist ein Idealismus, der uns begrenzt und veranlasst zu kontrollieren, und dieses Ideal gilt es aufzugeben. Diese Ent-Illusionierung bezüglich Idealen und Mythen ist ganz wesentlich.

TS: Was bedeutet physischer Tod für dich?

G: Das ist der große Test. Ich bin hypochondrisch veranlagt, schon wenn ich eine Erkältung habe meine ich, sterben zu müssen. Ich möchte nicht sterben, das ist meine erste Reaktion dabei. Doch das ist die Basis der Lehre von Ramana Maharshi, sich für den Tod zu öffnen. Ich sehe dies als eine physisch-emotionale Reaktion, die ihren Nutzen hat. Wir wissen um die Kostbarkeit unseres Lebens in jedem Augenblick, und so ist es natürlich, dass wir unser Leben lieben und es nicht verlieren möchten. Doch das wird geschehen, und wenn es geschieht, dann geht es um ein Öffnen dafür und dann wird es süß. Es liegt in der Natur eines Hypochonders, dass er oder sie vor dem eigentlichen Tod viele Tode stirbt. Doch was dann wirklich geschieht? Wir werden sehen.

(aus: Online Journal Nr. 54)

1 Siehe hierzu auch: integralesleben.org/il-home/il-integrales-leben/anwendungen/religion-spiritualitaet/papier-des-if-zur-diskussion-um-spirituelle-lehrer/

2 www.soundstrue.com/store/wakingup

3 integralesleben.org/if-home/il-integrales-leben/anwendungen/religion-spiritualitaet/ken-wilber-zu-eckhart-tolle/