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29.5.2017 : 11:27 : +0200

Meditation für Businessleute

 

von Rolf Lutterbeck

Ich sitze in einem leicht verdunkeltem Raum, die Luft ist erfüllt vom Duft von Räucherstäbchen. Zehn Personen sitzen im Kreis mit gekreuzten Beinen auf Kissen auf dem Boden und haben die Augen geschlossen. Die meisten tragen bequeme Jogginghosen und haben sich in eine Decke gehüllt. In der Mitte des Kreises steht ein Blumenstrauß. An der Wand eine Art Altar mit Kerzen... – Das absolute Horror-Szenario für viele Business-Leute, die aus einem eher konventionellen Kontext kommen...

 

Ich meditiere inzwischen seit mehr als 20 Jahren. Täglich. Meist morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Abendessen, jeweils mindestens 20 Minuten. Als ich 1990 mit Vera, meiner Frau, nach Bad Homburg gezogen bin, suchten wir einen neuen Arzt, der offen war für Naturheilverfahren, und entschieden uns für einen praktischen Arzt, der auch Homöopathie und Ayurveda anbot. Dieser empfahl mir, zur Stressreduzierung regelmäßig zu meditieren, genauer gesagt, TM (Transzendentale Meditation) zu praktizieren. Das wäre für mich als „Denkarbeiter“ (ich war damals Leiter der Software-Entwicklung) besser und leichter als andere Methoden wie etwa Autogenes Training. Anhand von Ergebnissen aus Studien über die TM[1] zeigte er mir, dass Langzeit-Meditierende deutlich gesünder sind als Nicht-Meditierende. Auch auf die indisch-traditionelle Form der halbstündigen Meditationseinführung mit Räucherstäbchen, Blumenzeremonie und Sanskrit-Gesang wies er mich umsichtig hin – sonst wäre ich wohl beim Betreten des Raums beim Anblick des Altars „schreiend“ wieder rausgelaufen.

Menschen abholen, wo sie sind

Mein Fazit aus heutiger Sicht: Er hat es wunderbar verstanden, mich in meiner rationalen Welt abzuholen und mich davon zu überzeugen, dass Meditation genau richtig ist. Einige Monate später gehörte die Meditation zu meinem Tagesablauf wie Essen und Schlafen dazu. Und hat bei mir (und meiner Frau) viel verändert. Dass ich heute Integraler Coach und Ausbilder bin und nicht mehr (IT-)Manager, führe ich insbesondere auf die regelmäßige Meditation zurück.

Daher bin ich aus meiner eigenen Erfahrung sehr überzeugt, dass Meditation etwas Gutes ist, und möglichst viele Menschen meditieren sollten. Und sei es nur, um gesünder zu werden (was mein erster Antrieb auch war). Aber auf jeden Fall immer dann, wenn ich mich in meiner Persönlichkeit weiterentwickeln möchte.

Die traditionellen, östlichen Formen wie u.a. Atem- oder Mantra-Meditation fallen insbesondere Managern mit hoher Arbeitsbelastung sehr schwer. Auch wenn sie im Coaching oder Seminar für sich die Überzeugung gewonnen haben, dass ihnen das gut tun würde. Nur wenige bringen jedoch genügend Disziplin auf, es solange regelmäßig zu tun, bis es nach einigen Monaten zur Routine wird. Leichter fällt es, wenn man die erste Zeit mindestens einmal pro Woche gemeinsam in einer Gruppe meditiert, die idealerweise von einem erfahrenen Meditationslehrer geleitet wird (so habe ich auch angefangen). Da gerade Einsteiger neue, teilweise verwirrende Erfahrungen in der Meditation machen, ist der Austausch sehr wichtig. Aber die Gruppen-Meditation müsste in ihrer Form – zumindest für Einsteiger – business-like sein (konventionell-eingerichteter Raum mit Stühlen, rationale Erklärungen, einfache Anleitung) und nicht zu „postmodern“ (wie im Beispiel am Anfang dieses Artikels). Leider kenne ich solche Gruppen nicht, noch nicht einmal in Bad Homburg oder im Frankfurter Raum.[2]

Westliche Methoden für Einsteiger

Aber es gibt ja inzwischen auch „westliche“ Formen der Meditation wie den Big Mind/Big Heart -Prozess von Genpo Roshi oder spezielles Brainwave Entrainment . Durch einen Big Mind-Prozess kann eine ganze Gruppe im Dialog mit dem Facilitator das erste Mal eine Erfahrung von Leere, Grenzenlosigkeit und Zeitlosigkeit machen und damit ein Gefühl bekommen, wohin die Reise beim Meditieren gehen kann. Selbst Personen, die noch nie meditiert haben, kommen in den meisten Fällen „in den Big Mind“ und erfahren hier „unendliche“ Ruhe und Gelassenheit.

Brainwave Entrainment-CDs beeinflussen, durch die Messung von Gehirnwellenmustern belegt, das Gehirn durch spezielle Töne und Tonsequenzen. Durch das Anhören unterschiedlicher Stücke können Entspannungs- und Meditationszustände erzeugt werden. Man wird, ohne etwas tun zu müssen, innerhalb von 20 Minuten quasi „runtergefahren“. Diese bequeme Art ist im Business oft ein idealer Einstieg in die Meditation. Wenn ich meinen Klienten eine Demo-CD mitgebe, erhalte ich in vielen Fällen ein positives Feedback.

Weitere Informationen finden Sie auf meiner Homepage unter dem Menüpunkt Medien/Wissen.

 


Quelle: IP 23, 12/2012



[1] Ken Wilber weist in seinen Büchern mehrmals auf die TM-Studie von Alexander hin.

[2] Wobei die wöchentliche Gruppenmeditation von EnligthenNext dem schon sehr nahe kommt.