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29.4.2017 : 3:34 : +0200

Meditations(-er)forschung – Warum Meditation doch mehr ist, als „Rumsitzen und Nichts-Tun“

Meditierender wird für MRT-Untersuchung vorbereitet

von Stefanie Tangeten-Wittrock, Dipl.Biologin

„Meditation ist weit mehr als eine Entspannungstechnik. Neuroforscher stellen fest, dass regelmäßige Geistesübungen unsere grauen Zellen verändern – und damit auch, wie wir denken und fühlen.“ –  Ulrich Kraft

 

Stellen Sie sich vor, dass Sie jahrelang meditieren und dann stellt ihr Arzt fest, dass sich ihre Immunabwehr mit der Zeit drastisch verbessert hat. Oder, dass bei ihnen die Bereiche im Gehirn, die mit bewusster Aufmerksamkeits- oder Emotionsregulation zu tun haben, aktiver sind, als bei nicht-meditierenden Menschen. Was für Sie möglicherweise gar nicht so überraschend ist, da auch Ihre nahe stehenden Freunde ihnen bereits des Öfteren gesagt haben, dass Sie gelassener, aufmerksamer und fröhlicher geworden sind. Sie stellen vielleicht auch fest, dass Sie ihr Leben und ihre Umgebung intensiver wahrnehmen und sich viel lebendiger fühlen, insbesondere wenn Sie z. B. aus einem mehrtägigen Meditationsretreat kommen. Möglicherweise haben Sie auch das Gefühl, dass ihnen Schwierigkeiten im Leben nicht mehr soviel anhaben können, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Vielleicht sind ihre Reaktionen auf bestimmte Einflüsse auch intensiver, Sie lachen z. B. mehr, wenn Sie eine lustige Situation erleben oder fühlen sich stärker betroffen, wenn ein Unglück geschieht. Gleichzeitig stellen Sie aber fest, dass Sie viel kürzere Zeit mit dieser Sache beschäftigt sind und recht schnell wieder zu einem inneren Gleichgewicht finden. 

Wissenschaftler stellen fest, was Meditierende schon seit Jahrtausenden wissen: Meditation hat nicht nur Einfluss auf das Gehirn, sondern nachhaltige Effekte auf die gesamte Struktur, das Handeln und das Sein eines Menschen.

Jeder Bewusstseinszustand hat ein materielles Korrelat

Wie Ken Wilber in einem Seminar zur Integralen Lebenspraxis (2002) beschreibt, geht mit jedem Bewusstseinzustand (oberer linker Quadrant) ein materielles Korrelat (oberer rechter Quadrant) einher. Auch im meditativen Bewusstseinszustand sind entsprechende physiologische und neuro-physiologische Korrelate festzustellen. So wie sich durch Beeinflussung der Materie (in diesem Fall das Gehirn) der Bewusstseinszustand verändern lässt, z. B. mit psychedelischen Substanzen, Holosync-Techniken (siehe auch auf Integral Naked: Interview mit Bill Harris) oder Brain-Mind-Machines – manche von ihnen mögen hiermit Erfahrungen haben – so kann auch die Materie, eben das Gehirn sowohl in seiner Aktivität als auch in seiner Struktur durch geistiges Training verändert werden.

 „Simultracking“ durch die Zonen

Seit Wilber V wissen nicht nur die Wilber-Experten unter ihnen, dass sich durch verschiedene Methodologien die einzelnen Zonen erkenntnistheoretisch verfolgen lassen. Dieses simultane Verfolgen von Ereignissen durch die Quadranten oder auch Zonen nennt Wilber „Simultracking“. So können z. B. Sie als Meditierender die Zone 1, die Innenansicht ihrer innerlich individuellen Perspektive, direkt durch Meditation erfahren. Wenn Sie sich nun mit Hilfe eines Biofeedback-Gerätes ihre physiologischen Daten, wie Atmung und Puls und ihre neurophysiologischen Daten, wie die EEG-Muster ihres Gehirnes anschauen, sehen Sie sich in der 3. Person Perspektive die Korrelate ihres derzeitigen individuellen Bewusstseinszustandes (Zone 6) an. Diese könnten Sie nun bewusst beeinflussen, indem Sie durch die Veränderungen ihrer geistigen Tätigkeit u. a. auch die äußeren Parameter, wie Atmung, Puls und EEG-Frequenzen verändern. ÄrtzteÄrzte oder Hirnforscher könnten Veränderungen ihrer Hirnaktivität oder Hirnstruktur feststellen. Dabei würden diese ebenfalls aus der Zone 6, aus einer 3. Person Perspektive auf eine individuelle Äußerlichkeit, nämlich auf die neurophysiologischen Korrelate Ihres Bewusstseinszustandes (oder dieidie nachhaltigen strukturellen Veränderung Ihres Gehirnes) schauen.

Wenn Sie nun nach langjähriger Praxis feststellen, dass Sie in einer heiklen Situation nicht mehr so überschäumend reagieren, wie Sie es unter den gleichen Bedingungen noch vor fünf Jahren getan hätten, dann befinden Sie sich in ihrer Betrachtung in Zone 2 – einer Außenansicht des innerlich Individuellen. Sie erkennen retrospektiv veränderte emotionale Muster; diese sind innerlich und daher nicht technisch messbar.

Auf diese Weise könnten Sie nun auch die anderen Zonen durchdeklinieren, aber das überlasse ich nun ihnen, denn ich möchte im Folgenden noch auf andere spannende Themen zu sprechen kommen ...

 Geistestraining

Meditation kann als eine Art geistiges Training verstanden werden. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass verschiedene Meditationstechniken mit verschiedenen physiologischen und neurophysiologischen Korrelaten einhergehen. Das heißt konkret, dass ihr Aktivitätsmuster im Gehirn bei einer fokussierten Meditation, wobei ein Mantra oder Bild Objekt der Fokussierung sein kann, anders aussieht, als bei einer defokussierten Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness Meditation), mit „offenem Gewahrsein“, wie sie z. B. im Vipassana oder Zen praktiziert wird. In der Meditationsforschung werden diese beiden Typen von Meditationstechniken im Bereich der „stillen“ Meditation unterschieden.

 

Außerdem wird zwischen Zustands- und Wesenszugveränderungen („State und Trait-Effects“) unterschieden (vergleichbar mit Wilbers „States and Structures“); d. h., dass messbare Effekte sowohl im Meditationszustand (Zustandsveränderungen) bei einer Person zu messen sind, als auch im nicht-meditativen Zustand, nach zeitlich langer intensiver Praxis (Wesenszugveränderungen) nach Cahn & Polich, 2006. So führen verschiedene Arten von Meditation und Trainingsdauer zu kurz- und langfristigen, nachhaltigen Veränderungen im Gehirn (Carter et al. 2005).

 „Knetmasse Gehirn“ – Neuronale Plastizität

Wie die Neuroforschung schon seit längerer Zeit bestätigt, ist das Gehirn in der Lage sich aufgrund jeglicher äußerer Einflüsse fortwährend zu verändern. Diese Eigenschaft der Neurone (Nervenzellen) neue synaptische Verbindungen einzugehen oder die Umformung ganzer Hirnareale wird als Plastizität bezeichnet. Diese Fähigkeit kann genutzt werden, um bereits alte bestehende Funktionen wieder nutzbar zu machen, Neues zu lernen oder Gelerntes umzuformen. So ist es z. B. auch möglich, dass ein Mensch, der im Erwachsenenalter erblindet, die Hirnareale, die einst für die Verarbeitung von visuellen Stimuli genutzt wurden, nach der Erblindung für andere Prozesse, wie z. B. die Verarbeitung von auditiven Stimuli nutzen kann.

 Meditation verändert die Gehirnstruktur

Diese Fähigkeit zur Neubildung und Umformung von neuronalen Verbindungen oder ganzen Hirnarealen kann auch durch geistiges Training im Alter aufrechterhalten werden. So konnte z. B. in einer kürzlich erschienenen Studie von Sara Lazar und ihren Kollegen bei Meditierenden u. a. eine Verringerung der altersbedingten Abnahme von Substanz im Stirnhirn (frontalen Areale) festgestellt werden, welche mit bewusstem Handeln, Planen und Problemlösen (der sog. exekutiven Kontrolle) zu tun haben. Diese Bereiche scheinen bei älteren Menschen nicht mehr so stark genutzt zu werden und werden deshalb abgebaut. Es scheint als blieben diese aber z. B. durch Meditation oder anderweitigen Gebrauch erhalten und flexibel.

In dieser Studie wurden 20 Personen untersucht, die intensiv (im Schnitt 40 min. am Tag) buddhistische „Einsichtsmeditation“ praktizierten, welche eine gerichtete Aufmerksamkeit auf interne Prozesse (Körperempfindungen, Emotionen etc.) beinhaltet und zwar mit einem nicht-wertenden Gewahrsein des gegenwärtigen Momentes ohne weitere Verarbeitung der wahrgenommenen Inhalte (vergleichbar mit dem Zeugen). Erstmalig konnte bei den Meditierenden eine durch die Meditation bedingte strukturelle Veränderung des Gehirns in Hirnarealen festgestellt werden, die wichtig für sensorische, kognitive und emotionale Vorgänge sind. Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) zeigte, dass die regelmäßige Praxis der Meditation mit einer erhöhten Dicke in einem Teil kortikaler Regionen (Großhirnrinde) assoziiert ist. Die 2-4 mm dicke Oberfläche des Gehirns (der Kortex) enthält 14 Mrd. Somata (Nervenzellkörper) von Neuronen. Wenn wir von unseren „grauen Zellen“ sprechen, ist damit genau diese grau erscheinende SustanzSubstanz von Nervenzellen gemeint. Diese Bereiche haben mit bewussten Entscheidungen und Handlungen zu tun. Des Weiteren konnten strukturelle Veränderungen in Hirnregionen festgestellt werden, die mit Aufmerksamkeit und der sensorischen, auditiven und der inneren Wahrnehmung von beispielsweise Herzrate und Atmung in Verbindung stehen (für Experten: präfrontaler Kortex und rechte anteriore Insula). Insgesamt waren die genannten Areale dicker als bei den Kontrollpersonen, was darauf hinweisen könnte, dass diese Bereiche stärker genutzt werden. Die Ergebnisse liefern einen ersten direkten Nachweis dafür, dass Meditation einen Einfluss auf die Struktur des Gehirnes hat (Lazar et al, 2005).

Veränderung der Hirnaktivität durch mentales Training

Der berühmte Emotionsforscher Richard Davidson (University of Wisconsin, Madison; kürzlich in der „New York Times“ als einer der Top-100 einflussreichsten Menschen unserer Zeit genannt) hat in Versuchen mit Mönchen des Dalai Lama herausgefunden, dass rein geistige Tätigkeiten zu Veränderungen der Aktivität des Gehirnes und der erlebten Gefühle und Gedanken führt.

Der lächelnde Buddha

Die von Davidson untersuchten Mönche zeigten, im Gegensatz zu Meditationsunerfahrenen, eine stärkere Aktivität in der linken Großhirnrinde des Stirnhirns (frontaler Kortex), die laut Davidson mit einer positiven Grundstimmung korreliert („positiver Gefühlsstil“). Entscheidend ist hierbei das Aktivitätsverhältnis von linkem zu rechtem Stirnhirn. In zahlreichen vorherigen Studien konnte Davidson feststellen, dass ein Übergewicht der rechten frontalen Aktivität mit einem Hang zu negativen Emotionen (Ärger, Wut, Hass, Neid etc.) einhergeht (Davidson et al., 1998; Goleman 2003).

Veränderungen bereits nach kurzzeitigem Training nachzuweisen

Selbst bei Novizen (bislang Meditationsunerfahrenen) führte ein nur achtwöchiges „Achtsamkeitstraining“, nach Jon Kabbat-Zinn (MBSR: Mindfulness-Based Stress Reduction) im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die keine Unterweisung bekam, zu einem Übergewicht der linkslinksseitigen Hirnaktivität im Stirnhirn. Die Aktivität dieser Hirnbereiche steht auch in Verbindung mit einer Verbesserung der Immunfunktion, wo nach Injektion von Influenza-Viren, eine höhere Konzentration von Antikörpern im Blut festgestellt werden konnte. In der genannten Meditationsform sollen vorbeiziehende Gedanken unvoreingenommen und urteilsfrei betrachtet werden, so als würde man sich in der Perspektive eines außenstehenden Beobachters (oder Zeugen) befinden. Außerdem berichteten die Probanden von weniger Ängsten und einer insgesamt positiveren Grundstimmung (Davidson et al., 2003).

„So entspannt Meditierende auch während ihrer Versenkung sein mögen, ihr Gehirn ist keineswegs abgeschaltet.“ – Richard Davidson

„Kognitive Höchstleistungen“ und „extreme Wachheit“ bei 40 Hertz-Aktivität

In weiteren Studien von Davidson konnte ein Anstieg der sog. 40 Hz- oder auch Gamma-Aktivität festgestellt werden, während die Mönche die tibetische „Mitgefühlsmeditation“ praktizierten. In dieser Form geht es darum Liebe und Mitgefühl den Geist durchdringen zu lassen und dafür bereit zu sein, sich bedingungslos für andere einzusetzen. Dieses erfordert offensichtlich hohe Konzentration, denn im Gehirn der Mönche konnte ein Anstieg der Gamma-Aktivität festgestellt, die sich über das gesamte Gehirn ausbreitete. Jene Aktivität steht mit großer Wachheit in Verbindung. Laut Dr. Ulrich Ott, einem der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands, ist das „ein hochinteressantes Ergebnis“. „In der Regel tauchen Gamma-Wellen nur kurz im Gehirn auf und sind nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich begrenzt.“ Die Bedeutung dieser rhythmischen Hirnströme mit Frequenzen um 40 Hz ist noch nicht eindeutig. Sie scheint kognitive Höchstleistungen zu begleiten, wie z. B. Momente höchster Konzentration. Ott nimmt an, dass sie für „die extreme Wachheit stehen könnten, von der die Meditierenden berichten.“ Bewusstseinsforscher vermuten, dass die beteiligten Neurone über eine Art Erkennungscode kommunizieren- die Gamma-Frequenz.

Nehmen Sie einmal an, dass ihnen Ken Wilber beim Einkaufen über den Weg läuft. Was Sie bewusst wahrnehmen ist der Gesamteindruck, die einzelnen Komponenten verarbeitet das Gehirn aber in unterschiedlichen Gebieten. Eine Region erkennt die Form seines geschorenen Kopfes, eine andere erkennt sein markantes Gesicht, eine dritte gleicht diese Begegnung mit Erinnerungen ab, die möglicherweise große Freude empfinden lassen. Ein Hirnareal, das all diese Eindrücke zu einem Ganzen zusammenfügt wurde jedoch bisher nicht gefunden. So wird davon ausgegangen, dass diese Gamma-Aktivität eine Art übergeordnete Steuerfrequenz ist, die weiträumig verteilte Hirnareale synchronisiert, deren Informationen zusammenführt und eine Reaktion, wie etwa diese hervorruft: “Ja, das ist Ken! Er kauft Red Bull.“

Jene extrem koordinierten Gamma-Oszillationen, die bei den Meditierenden gefunden wurden, würden unter normalen Umständen nicht in dieser Weise auftreten. Alle Hirnbereiche scheinen hier miteinander kommunizieren zu können. Ott meint dazu: „Wenn alle Neurone synchron schwingen, wird alles eins, man differenziert weder Subjekt noch Objekt. Und genau das ist die zentrale Aussage der spirituellen Erfahrung.“ Bei den Mönchen war bereits vor der Meditation die Gamma-Aktivität im Gehirn deutlich stärker, als bei den Nicht-Meditierenden, insbesondere über dem, für das emotionale Gleichgewicht so zentralen linken Frontalkortex. Laut Davidson sind diese Befunde ein weiterer Beleg dafür, dass sich das Gehirn, das Bewusstsein und damit die gesamte Persönlichkeit durch Meditation, also geistige Arbeit, gezielt verändern lässt.

“Beides, Wissenschaft und die Lehren des Buddha erzählen uns von der fundamentalen Einheit aller Dinge.” – Dalai Lama

 Knalleffekte in der Meditation

Stellen Sie sich vor, dass zu Sylvester direkt neben ihnen ein Böller explodiert und Sie spüren wie ihnen der Knall durch die Glieder fährt. Die Reaktionen, die offensichtlich völlig automatisch ablaufen, entziehen sich unserer bewussten Kontrolle, wie alle vom Hirnstamm gesteuerten Reflexe, die zum Teil für unser Überleben wichtig sind. Sie lassen sich nach landläufiger Meinung jedenfalls nicht intentional unterdrücken.

Dass sich dennoch nicht alle Menschen gleich erschrecken, erweckte Paul Ekmans (University of California, San Francisco) Interesse schon seit längerer Zeit. Er untersuchte einen Mönch, der durch ein Geräusch, das so laut war, wie ein Pistolenschuss, erschreckt werden sollte. Gleichzeitig wurde dieser angewiesen seinen Lidschlagreflex willentlich zu unterdrücken. Zum Erstauen Ekmans gelang es dem Mönch die Reaktion im Gesicht fast vollständig zu unterdrücken. „Weder wir noch andere Forscher haben jemals jemanden gefunden, der das kann“, so Ekman. Der besagte Mönch sagte hierzu: „Als ich in den ‚offenen Zustand’ ging, kam mir die Explosion weicher vor, so als wäre ich weit entfernt.“ Was aber sagt dieser Befund über den Meditierenden aus?

 Studie zu Schreckreaktionen in Bremen

Nachdem ich von Ekmans Studien gehört hatte, in denen die Mönche anders als Nicht-Meditierende auf Schreckreize reagierten, wollte ich wissen, wie sich Meditierende, die das „offene Gewahrsein“ oder „Achtsamkeitsmeditation“ praktizieren unter derartigen Extremsituationen verhalten. Möglicherweise lassen diese Untersuchungen Aussagen zum Umgang mit Emotionen von Meditierenden zu.

So untersuchte ich die Schreckreaktionen von Zen-Meditierenden, die eine durchschnittliche Praxiserfahrung von ca. 20 Jahren hatten, mit der Methode der funktionellen Magnet-Resonanztomografie (fMRT), um ihre Gehirnmuster festzustellen. Zudem zeichnete ich ihre peripher physiologischen Parameter wie Puls, Atmung und Hautwiderstand auf und filmte den Lidschlagreflex mit einer Kamera. Neben diesen Messungen gab es noch eine umfangreiche Fragebogenerhebung die verschiedene Dimensionen der Persönlichkeitsstruktur, die Absorptionsfähigkeit u. v. m. erfasste. Zu den ersten Ergebnissen darf ich noch nicht zu viel verraten, da ich noch mitten in der Interpretation der Daten stecke. Soviel kann aber schon gesagt werden: Die Unterschiede zwischen Meditierenden und Nicht-Meditierenden sind signifikant. Die Meditierenden verarbeiten Reize aus der Umgebung offensichtlich anders, als die Nicht-Meditierenden. Sie scheinen diese bewusster und intensiver wahrzunehmen aber dabei nicht so stark aus ihrem „inneren Gleichgewicht“ zu geraten.

Bei Fragen zu dieser Studie bitte an folgende Adresse wenden: tangeten (at) web.de.

Die Ergebnisse werden im kommenden Jahr aller Voraussicht nach auf der Webseite der „Society for Meditation and Meditation-Research“ (siehe unten) veröffentlicht oder auch in einer der kommenden Ausgaben der IP zu finden sein.

Weitere Meditationsforschung in Deutschland

In Deutschland beschäftigen sich verschiedene Forscher, die gleichzeitig selbst tief in einer Praxis verankert sind, mit den Effekten und der Wirkung von Meditation. So hat sich z. B. auf dem kürzlich stattgefundenen Kongress der DGPs (Deutsche Gesellschaft für Psychologie) in Nürnberg eine kleine Gruppe von Medizinern, Biologen und Psychologen zusammengefunden, um unter der Leitung von Dr. Ulrich Ott (Universität Gießen) und Prof. Harald Warald (University of Northhampton) über die physiologischen und psychologischen Veränderungen durch Achtsamkeitsmeditation zu diskutieren. Auch die SMMR (Society for Meditation and Meditation Research) und die DKTP (Deutsches Kollegium für Transpersonale Psychologie) unterstützen die derzeitige Meditationsforschung.

„You should be open-minded, but not so open-minded that your brain falls out.“ – Ken Wilber

Literatur:

  1. Cahn B. R. & Polich J.: Meditation States and Traits EEG, ERP and Neuroimaging Studies, Psychological Bulletin, 132:2, S.180-211, 2006
  2. Lazar S.W. et al.: Meditation experience is associated with increased cortical thickness, Neuroreport 28; 16(17), S.1893-1897, Nov 2005
  3. Davidson R. et al: Alterations in Brain and Immune Function produced by Mindful Meditation, Psychosomatic Medicine 65, S.564-570, 2003
  4. Davidson R. et al: Affective style and affective disorders: Perspectives from affective neuroscience, Cognition and Emotion, 12, S. 307-320, 1998
  5. Goleman D.: Dialog mit dem Dalai Lama – Wie wir destruktive Emotionen überwinden können, Carl Hanser Verlag, München, Wien, 2003
  6. Lutz A. et al.: Longterm-Meditators self-induce high-amplitude gamma synchrony during mental practice, PNAS, 101:46, S.16369 – 16373, Nov.16, 2004
  7. Carter O. et al.: Meditation Alters Perceptual Rivalry in Tibetan Buddhist Monks, Current Biology, 15(11), S. R412-413, 2005

Interessante Links:

www.SMMR.de

www.dktp.org

www.mindandlife.org

Je nach Meditationstechnik und Praxisdauer lassen sich verschiedene Effekte und materielle Korrelate zur Meditation nachweisen. Doch was bedeuten all diese Befunde, wenn der Meditierende erst von der süßen Stille gekostet hat, die das wahre Sein in tiefster Berührung bereithält. Alle Bemühungen und Erklärungen lösen sich auf, machen keinen Sinn, wenn er an den Ursprung zurückkehrt. Es reicht am Ziel zu beginnen und jegliche Geschichte spult an den Anfang. Dorthin wo schon ewig das Ende war. Kehre ein in das unendliche, allumfassende, in sich vollendete Mysterium des sich involvierenden und evolvierenden Bewusstseins. Stirb und werde, im ewigen Lauf des Unzeitlichen. Ohne Verwirrungen und Trübungen, klaren Herzens und voll sprudelnder Kraft ist anfäng-lich und end-lich werdendes SEIN ... – Stefanie Tangeten


Quellen: IP 4, 2006