Sie sind hier: IF-HOME > Anwendungen > Wissenschaft > Neuronale Korrelate von Wertpräferenzen
DeutschEnglishFrancais
27.3.2017 : 12:46 : +0200

Studie: Neuronale Korrelate von Wertpräferenzen

Dr. Marc Lucas


Im integralen Umfeld ist die Spiral-Dynamics (SD)-Theorie zur schrittweisen Entfaltung von Wertesystemen als eigene Linie der Entwicklung (neben anderen) relativ bekannt. In diesem Konzept werden individuell orientierte von kollektiv orientierten Werten unterschieden (warme vs. kühle Farben nach SD). Clare Graves, auf dessen ursprünglicher Forschung SD basiert, hat bereits früh vermutet, dass es äußerliche, sprich neuronale Entsprechungen für diese inneren Wertesysteme geben muss – in der Sprache von Wilbers Quadrantenmodell: Entsprechungen im oberen rechten Quadranten für die Strukturen, die man oben links feststellen kann.

Jetzt bestätigen Dr. Marc Lucas und seine Forschungskollegen einer interdisziplinären Verbundforschung mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland diese Annahmen. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel fassen sie ihre Ergebnisse zusammen und zeigen, dass individualistischen bzw. kollektivistischen Wertpräferenzen unabhängig von aktuellen oder konkreten Konflikten je unverwechselbare Muster von Gehirnaktivitäten in präfrontalen und cingulären Regionen des Gehirns zugeordnet werden können.

In einem Versuchsaufbau mit Unterstützung durch bildgebende Verfahren (fMRI) präsentierten sie Probanden abstrakte wertbezogene Wortpaare zur Auswahl und konnten feststellen, dass das Gehirn solche Entscheidungen abhängig von der Präferenz dominanter moralischer Wertesysteme in der Person behandelt. Personen mit einem vorherrschenden kollektivistischen (altruistischen) Wertesystem wandten eine Strategie des „Ausbalancierens und Abwägens“ mit entsprechenden Aktivierungsmustern des midcingulären und frontalen Cortex an. Im Gegensatz dazu wendeten Personen mit vorwiegend individualistischer (egozentrischer) Wertpräferenz eine Strategie an, die man eher mit „Kampf und Flucht“ bezeichnen könnte, was von einer vermehrten Aktivität der linken Amygdala begleitet war.

Weitere bisher noch unveröffentlichte Forschungen der Gruppe, die von Dr. Marc Lucas in integraler Hinsicht begleitet wird, betreffen die Identifizierung einer spezifischen neuronalen „Second-Tier-Aktivierung“ bei Führungskräften, Untersuchungen zum Vergleich verschiedener Entwicklungslinien sowie deren Zusammenhang mit Persönlichkeitstypologien.


Link zum Artikel: tinyurl.com/werte-neurostudie