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25.7.2017 : 20:30 : +0200

Der Zustandsweg des Erwachens - Süchte und Allergien

Ken Wilber

[aus: IntegralLife, Addictions and Allergies: States of Consciousness, 17.3.2014]

 

Inhalt

Einführung zum Vortrag von Wilber durch Corey W. deVos
Einführung in das Thema von Michael Habecker
Ken Wilber Audio/Lesung
Teil 1 Fehlfunktionen (state-dysfunctions), die sich im Zusammenhang mit Zuständen und ihren Sichtweisen (vantage points) ergeben
Teil 2 Fehlfunktionen des subtilen Zustands
Teil 3 Fehlfunktionen des kausalen Zustandes
Teil 4 Der Bereich des leeren Zeugen
Teil 5 Fehlfunktionen der Soheit
Teil 6 Energetische Fehlfunktionen
Teil 7 Zur Bedeutung von Übertragungen

 

Einführung zum Vortrag von Wilber durch Corey W. deVos

Von den untersten Tiefen zu den höchsten Gipfeln gibt es keinen Ort, zu dem uns unserer Schatten nicht folgt, sogar bis ins Herz der Nichtdualität. In dieser exklusiven Vorschau auf ein kommendes Buch, The Fourth Turning: Imagining the Evolution of an Integral Buddhism (voraussichtlicher Erscheinungstermin ist in 2015), bietet uns Ken Wilber eine Führung durch die Hauptzustände des Bewusstseins, wie sie von allen spirituellen Traditionen der Welt beschrieben werden. Dabei zeigt er uns die vielfältigen Weisen auf, in denen uns unser Schatten behindert oder sogar sabotiert mit diesen Zuständen in Kontakt zu kommen und sie zu stabilisieren.
Ken Wilber konzentriert sich auf zwei Typen von Schatten, und zwar dem der Fixierung oder Sucht gegenüber einem vorangegangenen Zustand, wo eine Ent-Identifizierung noch nicht gelungen ist, und dem einer Vermeidung oder Allergie von Aspekten eines auftauchenden Zustandes, der erst noch zu integrieren ist. Ken spricht darüber, wie diese Schatten in jedem der Bewusstseinszustände auftauchen können, wie auch im schwierigen Übergang von einem Zustand zum nächsten, und liefert so ein ganz wichtige Hinweise sowohl für ein „Aufwachen“ wie auch für ein „Aufräumen“.
Es gibt kein Licht, welches hell genug strahlt, um unserer verborgene Dunkelheit auszuleuchten, und keine Weisheit, die nicht durch Süchte und Vermeidung verdreht werden kann. Ob du nun den Drachen jagst oder der Drachen dich, dieser Vortrag wird dir dabei helfen deinen eigenen Schatten als das zu erkennen was er ist. Bei näherer Betrachtung wirst du feststellen, dass dies gar kein Drachen, sondern ein Schwarm von Schmetterlingen ist, als ein Hinweis auf eigene große Möglichkeiten zur Transformation.

Einführung in das Thema von Michael Habecker

Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.
Angelus Sielsius


In einem Konzept der „3 S“ hat Ken Wilber auf drei ebenso wesentliche wie auch unterschiedliche Aspekte von Bewusstsein hingewiesen, und zwar
Zustände bzw. Inhalte des Bewusstseins (states)
Strukturen des Bewusstseins (structures) und
Schatten oder Psychodynamiken des Bewusstseins (shadow)
Mit allen drei Aspekten hat er sich in seinen Büchern beschäftigt. So enthält bereits sein zweites Buch Wege zum Selbst ausführliche Hinweise zur Bedeutung von Schattenpraxis. Die menschliche psychologische Entwicklung durch Strukturstufen ist in Wilbers Werk ein zentrales Thema, wie auch die spirituelle Entwicklung als ein Zustandsstufenweg. In dem Buch Psychologie der Befreiung kombinierte Wilber ein Strukturstufenmodell mit dem Modell einer Hierarchie von Pathologien, in dem er zwischen die Strukturstufen „Drehpunkte“ einführte und die spezifischen Pathologien beschrieb, die an diesen Drehpunkten auftreten können, und Möglichkeiten zu deren Behandlung und Heilung. Jedoch enthielt dieses Buch noch keine Unterscheidung zwischen Strukturstufen, wie sie die westliche Psychologie beschreibt, und Zustandsstufen, wie sie die kontemplativen Traditionen beschreiben. Diese wichtige Differenzierung wurde erst später vorgenommen, dargestellt in einem „Wilber-Combs“ Raster. Dabei spricht er für die Strukturstufenentwicklung von „Drehpunkten“ (fulcrums) und für die Zustandsstufen von „Wechselpunkten“ (switchpoints).
In einem angekündigten Print-Buch The Fourth Turning (eine Kurzversion ist bereits als EBook erschienen) greift Wilber das Thema erneut auf und verbindet erstmals die 3 Bewusstseinsaspekte von Zuständen, Strukturen und Schatten in Entwicklung miteinander.
Dieser Vortrag konzentriert sich auf den Zustandsweg des Erwachens und dem, was dabei schiefgehen kann. Diesen Zustandsweg des Erwachens hat Wilber in dem Buch Integrale Spiritualität beschrieben als einen Weg vom grobstofflich orientierten Bereich zum subtilen Bereich und weiter zum kausalen Bereich bis in die Nichtdualität. In dem Vortrag fügt er noch eine weitere Stufe zwischen dem Kausalen und dem Nichtdualen hinzu, die Stufe des Zeugen. Damit erhalten wir fünf Zustandsstufen und –bereiche, die den spirituellen Weg des Erwachens mit den vielen Möglichkeiten der Schattenbildung und des Hängenbleibens bei jedem Entwicklungsschritt und in jedem der Bereiche beschreiben. Zu jedem Bereich gehört ein Ich als eine wahrnehmende Individualität bzw. Identitätsbewusstsein. Die Bezeichnungen sind wie folgt (die Bereiche sind im oberen

Teil der Grafik angegeben, die Ich-Identitäten im unteren Teil):
Der Zustandsweg des Erwachens als eine Aufeinanderfolge von Zustandsstufen.
Die folgende Tabelle gibt einen sehr einfachen Überblick über die Hauptzustandsbereiche, deren Ich-Instanz und die allgemeinen Erfahrungsinhalte (jeweils interpretiert durch die Entwicklungsstrukturen die einem Menschen zur Verfügung stehen).
Worum es bei all diesen Bereichen auf dem Zustandsweg des Erwachens mit den jeweils unterschiedlichen Ich-Identitäten geht ist,
a) zu ihnen zu „erwachen“, d. h. Zugang zu bekommen
b) sie kennenzulernen, zu schmecken, zu leben
c) sie dann wieder loszulassen, die ausschließliche Identifikation mit ihnen zu lösen, sie zu transzendieren, ihnen gegenüber zu sterben (dunkle Nacht, jeder der Hauptzustandsbereiche hat eine dunkle Nacht) - ohne ihre Inhalte zu verdrängen oder abzuspalten
d) immer weiterzugehen bis zum „höchstmöglichen Zustand, den uns die Evolution zu bieten hat“, dem Zustand der Nichtdualität
e) dabei wird es auf dem Weg immer wieder notwendig sein/werden, Fixierungen aus früheren Zustandsbereichen zu transzendieren und Allergien gegenüber Inhalten aus allen Zustandsbereichen zu integrieren


Weitere Verständnisbausteine
Vieles was Wilber in früheren Büchern schon beschrieben hat wird in diesem Text zu einem Gesamtbild zusammengefügt, als eine Integration menschlicher spiritueller Entwicklung und Psycho- bzw. Schattendynamik. Schwerpunkt dieser Betrachtung ist der Zustandsweg des Erwachens als der klassische spirituelle Weg. Der Strukturweg des Aufwachsens der Entwicklungspsychologie wird nur kurz erwähnt. Die beschriebenen Dynamiken lassen sich jedoch auch darauf übertragen. Zum besseren Verständnis dieses sehr dichten Textes hier einige Verständnisbausteine aus Wilbers früheren Werk.
Arten des Unbewussten
Im Buch Atman Projekt unterscheidet Wilber u.a.
das verdrängte Unbewusste,
das identifizierte Unbewusste,
das noch nicht aufgetauchte Unbewusste.
Das verdrängte Unbewusste ist der klassische Schatten, der zu Projektions- und Symptomdynamiken führt und auch zur Entstehung ganzer Subpersönlichkeiten. Es war bereits bewusst, ist jedoch aus dem Bewusstsein verdrängt worden. In und aus jedem der oben genannten Bereiche können Inhalte verdrängt werden.
Das identifizierte Unbewusste ist z. B. eine Strukturstufe oder ein Zustand, in dem man sich gerade befindet, ohne diesen jedoch erkennen zu können (weil man damit identifiziert ist). Dieses Unbewusste ist nicht verdrängt. Durch eine Transzendierung und Objektivierung kann das identifizierte Unbewusste bewusst werden. Gelingt dies nicht oder nicht vollständig, bleiben wir dort fixiert.  
Das noch nicht aufgetauchte Unbewusste ist etwas, was es als angelegtes Potenzial auf dem weiteren Entwicklungsweg zu entdecken gilt. Gegen das noch nicht aufgetauchte Unbewusste kann eine Abwehr/Allergie entwickelt werden


Phasen und Charakteristiken von Entwicklung
In dieser einfachen Darstellung von Entwicklungsdynamik, die sowohl für die Zustandsstufenentwicklung als auch für die Strukturstufenentwicklung zutrifft, und zwar für alle Phasen, lassen sich bereits eine Reihe der wesentlichen Dynamiken erkennen, die dabei ein Rolle spielen. Aus einer undifferenzierten Ausgangssituation heraus erfolgt eine Differenzierung und Bewusstmachung, die dann in einem weiteren Schritt zu einer bewussten Integration führt. Aus einer subjektiven Verschmelzung wird eine Subjekt-Objekt Differenzierung, die dann zu einer integrierten Subjekt-Identität führt. Dabei kann zum einen die Differenzierung zu weit gehen und zu Dissoziation, Abspaltung, Schatten- und Symptombildung bis hin zu Schatten-Subpersönlichkeiten führen. Ebenfalls möglich ist eine nicht weit genug gehende Differenzierung mit dem Ergebnis von Fixierung bzw. Sucht oder Anhaftung.
Beispiel: Ein Kind, welches beginnt ein emotionales Selbst zu entwickeln, bewegt sich aus einer Ausgangssituation einer undifferenzierten Verschmelzung heraus (das Kind hat keine Gefühle sondern ist noch seine Gefühle) zu einem sich Bewusstmachen (=Objektivieren) seiner ganz eigenen Gefühlswelt (es hat dann Gefühle ohne mit diesen identifiziert zu sein und kann diese benennen und beschreiben). Misslingt diese Ent-Identifikation teilweise, bleibt das Kind (und der Mensch) mit einem Teil seiner Gefühlswelt identifiziert und ist diese Gefühle, d. h. wird von ihnen unbewusst gesteuert. Geht die Ent-Identifikation zu weit, z. B. bei schwierigen Emotionen wie Angst, Wut oder Hass, können diese abgespalten werden und beginnen ein unkontrollierbares Eigenleben zu führen – als körperliches und/oder psychisches Symptom, als Projektion oder als eine eigenständige (und ein Eigenleben führende) Subpersönlichkeit. Diese Dynamik ereignet sich auf/in allen der oben aufgeführten Zustandsbereiche.


Strukturstufen und Zustandsstufen  
Es ist Wilbers Verdienst, einen Zustandsweg der Entwicklung (den klassischen kontemplativen Weg, das „Aufwachen“) von einem Strukturstufenweg zu unterscheiden (dem entwicklungspsychologischen Weg, dem „Aufwachsen“). Fügt man dem noch die möglichen Psychodynamiken an jedem Drehpunkt bei der Strukturstufenentwicklung und jedem Wechselpunkt  bei der Zustandsstufenentwicklung hinzu, mit einer Schattenintegration als einem „Aufräumen“, gelangen wir zu den genannten „3 S“ und einer Integration der kontemplativen Traditionen mit moderner Psychologie. Dieser Text behandelt vorrangig die Zustandsstufenentwicklung und dabei mögliche Pathologien, doch dabei sollte nicht vergessen werden, dass für die Interpretation der Inhalte eines jeden Zustandsbereiches die Entwicklungs(struktur)stufe eines Menschen entscheidend ist. „Zustände zeigen uns, was existiert, wohingegen Strukturen bestimmen, wie wir diese Wirklichkeiten erfahren und interpretieren“. Dafür gibt Wilber am Ende des Textes ein Beispiel.  
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Strukturstufen und Zustandsstufen besteht darin, dass alle Zustandsstufen auf eine Weise immer präsent sind, wohingegen höhere Strukturstufen dies nicht sind. Das ist der Grund, warum auch ein Mensch, der sich mit seinem Erlebensschwerpunkt im grobstofflichen Bereich befindet, „Einströmungen“ auf allen Zustandsbereichen erfahren kann. Dies ist bei Strukturstufen nicht möglich. Was sich hierbei maximal zeigt ist die jeweils nächsthöhere Strukturstufe.


Fehlfunktionen
Eine weitere Kategorisierung von Fehlfunktionen, wie Wilber sie in diesem Text vornimmt, ist die Unterscheidung von
Fehlfunktionen innerhalb eines Zustandsbereiches (z. B. die Verdrängung bestimmter Inhalte dieses Bereiches),
Fehlfunktionen im Verhältnis zu früheren Zustandsbereichen (wie z. B. die Übernahme von Fixierungen aus dem grobstofflichen Bereich in den subtilen Bereich, was diesen entsprechend entstellt),
Fehlfunktionen im Verhältnis zu höheren, noch nicht vollständig aufgetauchten Zustandsbereichen (wie eine Abwehr und Allergie gegenüber den Inhalten dieser Bereiche).


Identifikation und Ent-Identifikation
Ein weiteres Ergebnis der Integration der kontemplativen Traditionen mit der Psychologie ist die Betonung der Bedeutung sowohl von Identifikation wie auch von Ent-Identifikation. Damit Letzteres stattfinden kann, muss Ersteres stattgefunden haben. Identifikation ist daher ebenso wichtig wie Ent-Identifikation und natürlich gibt es gesunde und ungesunde Ausprägungen von beidem. Die spirituellen Traditionen weisen uns auf die Möglichkeit der Ent-Identifikation von allen Formen und Erscheinungen hin, innerlich und äußerlich. Gelingt uns dies, erfahren wir uns frei und befreit von allem was kommt, mehr oder weniger lange verweilt und wieder vergeht. „Nichts verändert sich wirklich“ können wir dann aus eigener Erfahrung sagen. Damit ist auch alles Leiden beendet, welches durch die Identifikation mit Vergänglichem erst entsteht.
Doch dies ist lediglich eine Seite einer nicht-dualen Gleichung. Die andere Seite ist die des manifesten Lebens und der Fülle, und dort kommt es darauf sich einzulassen, es anzunehmen, damit in Kontakt zu treten, es zu „nehmen“ und sich damit auch zu identifizieren. Diese Identifikation beginnt bei einem selbst und dehnt den Kreis der Fürsorge und Liebe (als anderen Begriffen für Identifikation) auf immer mehr Menschen, Ideen und Dinge aus, die einem wertvoll und wichtig erscheinen und für die man sich einsetzt. Doch auch das weniger Wichtige hat einen und seinen Wert und auch dorthin kann sich die identifizierende Umarmung erweitern. Wir lassen uns auf das Leben ein, das bedeutet konkret auf uns selbst, auf andere Menschen, auf Lebensumstände und einfach alles und lassen es ganz in uns hinein. Es strömt durch unsere Adern und geht uns unter die Haut bis ins Herz, „ins Mark“ und in die Knochen hinein. Dies ist oft schwierig, und manchmal ist es unerträglich. In dem Annehmen des Lebens in seiner Gänze und Fülle leiden wir daran. Das ist menschlich und führt uns auch manchmal in das Über-Menschliche.
Die Identifikation erinnert uns an unser Gewordensein, an unsere Vergänglichkeit und an die manifeste Kreativität eines jeden Augenblicks. Die Ent-Identifikation erinnert uns daran, dass es hinter oder in all dem, was sich ständig verändert, etwas gibt was frei und befreit davon ist, von Augenblick zu Augenblick zu Augenblick.
Die Identifikation verbindet uns mit der Lebendigkeit aller Manifestation. Zu viel davon lässt uns unnötig leiden und süchtig werden nach immer neuen Formen und Erscheinungen. Die Ent-Identifikation verbindet uns mit der Lebendigkeit des kreativen Potenzials, aus dem alles Gewordene entsteht, in jedem Augenblick neu. Zuviel davon trennt uns vom Leben in der Welt, vom Leben mit uns selbst, mit anderen Menschen und Wesen und mit den Lebensumständen, wie sie gerade sind, und das führt zu vielerlei „Allergien“ dagegen.
Beides zusammen erst macht das Menschsein einzigartig.

Identifikation und Ent-Identifikation in jedem Augenblick oder „Lebe dein endliches Leben und ruhe gleichzeitig in der Unendlichkeit.“      

Ken Wilber Audio/Lesung
[Hinweis: Dem Text wurden Zwischenüberschriften zur besseren Verständlichkeit hinzugefügt]

Teil 1 Fehlfunktionen (state-dysfunctions),

die sich im Zusammenhang mit Zuständen und ihren Sichtweisen (vantage points) ergeben.
Die Ursache dieser Fehlfunktionen ist, wie auch bei den Entwicklungsstrukturen, dass das proximale Selbst, als der Bewusstseinsschwerpunkt, im Lauf der Entwicklung von einer Stufe oder Struktur zur nächsthöheren wechselt und bei jedem dieser Wechselpunkte und Drehpunkte etwas schiefgehen oder falsch gemacht werden kann, was zu einer Art von Pathologie oder Krankheit führt.
Bei einer gesunden Entwicklung, sowohl was Drehpunkte wie auch was Wechselpunkte betrifft, muss sich das Selbst gegenüber den vorherigen Strukturen ent-identifizieren, sich dann zur nächsthöheren Struktur-Stufe bewegen, sich mit dieser identifizieren und diese dann auf angemessene Weise mit ihrem Vorgänger integrieren. Probleme bei jeder dieser Entwicklungsphasen führen zu Pathologien:
Ein Versagen bei der Ent-Identifikation führt zu einer Fixierung oder Abhängigkeit.
Ein Versagen bei der Integration führt zu einer Abwehr oder Allergie.
Fehlfunktionen des grobstofflichen Zustands (und seiner Reflektion)
Diese ereignen sich ständig, jedoch meist nicht unmittelbar durch eine Zustandsentwicklung, weil jeder Mensch seine Entwicklung bereits im grobstofflichen Zustand beginnt (und sich nicht dort hinein entwickelt).


Fehlfunktionen im Verlauf der Strukturentwicklung
Die Probleme im grobstofflichen Bereiche entstehen fast ausschließlich im Verlauf der grobstofflichen Strukturentwicklung – und nicht in der Zustandsentwicklung. Dazu gehören Probleme mit Nahrung (Infrarot), Sex (Magenta), Macht (Rot), Liebe (Bernstein), Selbstwert (Orange) und Selbstverwirklichung (Grün). Dennoch gibt es einige Probleme des grobstofflichen Zustandes, die im Verhältnis zu höheren Zuständen entstehen.   
Psychische Inflation aus dem Seelisch-Subtilen
Ein Problem ist eine psychische Inflation, bei der das mentale Ego durch höheres „Material“ und Inhalten aus Zuständen (subtil und kausal) überflutet wird. Die Ego-Grenzen können sich nachteilig öffnen zu einer dysfunktionalen Version von Naturmystik. Das überflutete Ich fühlt sich mit der Natur verschmolzen ohne diese jedoch verstehen zu können. Im Fall einer subtilen Inflation ist das grobstofflich mentale Ego von subtilem – auch seelischem – Material überflutet und das Ego beginnt seine eigenen irdischen Kräfte und Fähigkeiten zu verwechseln mit subtilen übernatürlichen Fähigkeiten und den Fähigkeiten der Seele. Ein Individuum besitzt natürlich Seelenkräfte, doch das Ego verfügt nicht über diese Kräfte und seine Fähigkeiten können im allgemeinen nicht gut mit diesen höheren und transpersonalen Seelenfähigkeiten umgehen, was zu Problemen führt. Die negativen Ergebnisse reichen von psychotisch-ähnlichen narzisstischen Ausdehnungen des Ego bis zum Gefühl ein Supermann oder eine Superfrau zu sein (mit verborgenen Kräften wie Gedanken lesen können, in die Zukunft schauen können, Levitation, Allmacht, mit der Fähigkeit anderen Schaden zufügen zu können oder sie heilen zu können). In einer mehr manisch oder psychotischen Version beinhaltet dies die Fähigkeit fliegen zu können, im Besitz von göttlicher Macht zu sein, auf dem Wasser gehen zu können, das Wetter beeinflussen zu können, den Ausgang von Konflikten wie Kriegen beeinflussen zu können usw.  
Ein trauriger Aspekt dieser Art von Pathologien ist, dass schulmedizinisch orientierte Therapeuten und Psychiater den wirklichen Grund derartiger Störungen nicht verstehen. Ihnen ist die konkrete Wirklichkeit dieser höheren Zustände, die dabei eine Rolle spielen, nicht klar. Anstatt die manischen oder psychischem Komponenten als etwas mit einem höheren Anteil zu sehen, das versucht sich zu manifestieren und herunterzukommen, sehen sie lediglich niederes Es-Material, das versucht aufzusteigen. Der wahre Anteil an diesen Pathologien wird nicht erkannt. Die orthodoxe „Kur“, die dabei verschrieben wird, besteht meist darin die Manie in eine ausgewachsene Depression zu verwandeln. Sowohl die wahren wie auch die falschen Komponenten dieser Pathologie werden gleichermaßen als falsch interpretiert, was ebenso demütigend wie deprimierend ist.


Psychische Inflation aus dem Kausalen
Die Inflation durch einen kausalen Zustand ist ähnlich der eines subtilen Zustandes, wenn auch oft mit negativeren und daher auch schlimmeren Konsequenzen. Wird das grobstoffliche Ego mit Material und Inhalten aus einem kausalen Zustand überflutet, glaubt es, dass es, und nur es, Gott oder GEIST ist. Nicht das wahre SELBST als ein SELBST aller empfindenden Wesen ist GEIST, sondern das individuelle Ego wird als GEIST gesetzt. Dieses Ego hat dann göttliche Macht, kann die Gedanken anderer beeinflussen, kann fliegen und durch Wände hindurchgehen, ist allmächtig, hat alles Wissen und besitzt paranormale Fähigkeiten. Dies kann bei fortgeschrittenen Zuständen von Meditation eintreten, speziell in kausalen Zuständen. Die Vorstellung dabei ist, dass bei einer Erfahrung der Leerheit und der daraus entspringenden Manifestationen, der kausalen Archetypen, mit einer Beeinflussung dieser Archetypen durch eine intensive meditative Intentionalität der Gang der Involution und, daraus folgend, auch der der Evolution zu einem gewissen Grad geändert werden kann. Die traurige Tatsache dabei ist, dass gelegentlich echte siddhis, d. h. paranormale Fähigkeiten, erfahren werden – siehe dazu auch das beeindruckende Buch Der QuantenMensch von Michael Murphy – , doch dies geschieht unbeabsichtigt und ohne das Wissen wie man dies kontrollieren kann, so dass diese Erfahrungen durch die Psyche hindurchtoben.


Unterdrückung höherer Zustände
Eine weitere, sehr verbreitete Fehlfunktion des grobstofflichen Zustandes im Verhältnis zu höheren Zuständen ist die Erzeugung dessen, was wir das unterdrückte auftauchende Unbewusste genannt haben. Material von höheren Zuständen oder Strukturen könnte innerhalb eines bestehenden Zustandes oder einer bestehenden Struktur auftauchen, doch dies wird aktiv unterdrückt, abgespalten und verhindert und bleibt so außerhalb des Bewusstseins. Daraus resultiert ein höherer transpersonaler und spiritueller Schatten, vielleicht sogar eine voll entwickelte Schattensubpersönlichkeit. Dies ist in unserer Kultur sehr verbreitet, wo GEIST mit der mythischen Ebene des GEISTES identifiziert wird, was dazu führt, dass alles, was mit GEIST in Verbindung gebracht wird, als kindisch, dumm und unseriös betrachtet wird. Mit dieser unbewussten Überzeugung wird jedes Mal, wenn spirituelles oder transpersonales Material aufzutauchen beginnt, die gegenwärtige Entwicklungsstufe, in diesem Fall das grobstofflich orientierte Ego, dieses Material unterdrücken und um jeden Preis aus dem Bewusstsein heraushalten. Dieses Material bzw. die Inhalte, die sich zu zeigen beginnen, werden dann zu einem Teil des unterdrückten auftauchenden Unbewussten, als etwas, was aktiv abgespalten wird und nicht deshalb unbewusst ist, weil die Person sich noch nicht dahin entwickelt hat – daher der Begriff unterdrücktes auftauchendes Unbewusstes.
Als ein Ergebnis dieser Unterdrückung entstehen ein Schatten und/oder eine Subpersönlichkeit mit übertriebenen Allergien gegenüber jeglichem Spirituellen. Gelegentlich findet man auch merkwürdige Anziehungen und Abhängigkeiten gegenüber dem Spirituellen. Das Individuum erlebt zahlreiche unangenehme Symptome wie massive Kopfschmerzen, energetische Störungen im Körper, speziell mit dem Herzen und der Verdauung verbunden, Angst und Depression. Daneben gibt es auch symbolische Ausdrucksformen des unterdrückten spirituellen Materials. Projektion verwandeln oft positive in negative Eigenschaften, so dass die Träume von dämonischen, bösen und monströsen Bilder bevölkert  und auch im eigenen Umfeld gesehen werden. Alternativ können auch leuchtende und liebende Bilder auftauchen, die jedoch nicht im Bewusstsein gehalten werden können. Die Behandlung eines derartigen unterdrückten auftauchenden Unbewussten kann sehr schwierig sein. Vor allem fehlt ein kulturelles Verständnis einer spirituellen Intelligenz und ihrer vielen Ebenen und Strukturstufen. Manche davon sind infantil, manche kindlich, manche pubertär, manche erwachsen, und manche sind extrem weise und gereift. Eine kulturell allgemein zugängliche Spiritualität findet sich jedoch nur auf den magischen und mythischen Entwicklungsstufen, was – richtigerweise – von den meisten Erwachsenen als kindlich und dumm angesehen wird. Was hier gelernt und auf eine Weise trainiert werden muss, ist ein völlig neuer Verständnisrahmen für das, was Spiritualität ist. Hinzu kommt die Schwierigkeit einen Psychiater oder Therapeuten zu finden, der oder die sich der transpersonalen Bereiche bewusst ist, entsprechende Erfahrungen hat und über geeignete Behandlungsmöglichkeiten verfügt. Dies ist einer der Bereiche, wo eine Gruppe, die innerhalb eines klassischen meditativen Rahmens praktiziert, hilfreich sein kann, auch wenn dabei oft ein Verständnis hinsichtlich Strukturstufen nicht vorhanden ist und auch kein Wissen über den Unterschied zwischen Strukturstufen und Zuständen.
Eine einfache Darstellung einer Spiritualität und Meditation, die nicht auf einem unerschütterlichen mythischen Glauben basiert, sondern von Bewusstseinsveränderungen ausgeht, kann die Linie einer spirituellen Entwicklung öffnen und so die üblichen negativen Urteile und Vorbehalte gegenüber konventioneller Religion umgehen. Dies ist auch der Grund, warum erstaunliche 20% der amerikanischen Bevölkerung von sich sagen: „ich bin spirituell, aber nicht religiös“. „Spirituell“ meint dabei fast immer eine unmittelbare, direkte und authentische spirituelle Erste-Person Erfahrung. Und „religiös“ meint die gewöhnliche institutionelle mythische fundamentalistische Version, die man mit dem Begriff „Religion“ verbindet.

Teil 2 Fehlfunktionen des subtilen Zustands

Der subtile Zustand, als eine Zustandsstufe und als eine spezifische Sichtweise, kann nicht nur die allgemeinen Fehlfunktionen des grobstofflichen Zustandes haben, er kann auch die typischen Probleme eines jeden Entwicklungsprozesses haben, die mit Differenzierung, Ent-Identifikation und Integration zu tun haben. Probleme können entstehen in einer jeden Unterphase der Wechselpunkte in der Bewegung vom Grobstofflichen zum Subtilen und vom Subtilen zum Kausalen.
Fehlfunktionen auf dem Weg vom Grobstofflichen zum Subtilen
Wir haben bereits, in Anlehnung an die unterschiedlichen meditativen Systeme, gesehen, dass die Bewegung vom Grobstofflichen zum Subtilen die Ent-Identifikation mit einer ausschließlichen Identität mit dem grobstofflichen Bereich und seinen Eigenschaften und Merkmalen bedeutet. Gleichzeitig entsteht eine höhere ausschließliche Identität mit dem Subtilen und seinen Eigenschaften und Merkmalen. Beides ist verbunden mit einer Veränderung der Sichtweise. Bezogen auf Zustände erfolgt eine Verschiebung der Betrachtung der Welt überwiegend durch eine grobstoffliche Linse hin zu einer Sichtweise, welche die Welt überwiegend durch eine subtile Linse betrachtet. Wenn im Verlauf dieser Entwicklungsbewegung vom Grobstofflichen zum Subtilen eine Anhaftung an den grobstofflichen Bereich bestehen bleibt, dann ist ein verbreitetes Problem dabei, dass das Selbst des grobstofflichen Bereiches, das mentale Ego, sich in das Selbst des subtilen Bereiches, die subtile Seele, einmischt. Auf diese Weise bleibt die Seele fixiert, behaftet und abhängig an Verlangen und Erreichenwollen des grobstofflichen Bereiches – oft versteckt und kaschiert hinter einer Terminologie der subtilen Seele. Diese Überbleibsel machen es praktisch unmöglich das Bewusstsein des subtilen Bereiches klar zu erfahren, als einem Bereich, wo erleuchtende Einsichten und Klarheit hervortreten sollten. Grobstoffliche Gedanken und Emotionen treten immer wieder dazwischen, speziell die unteren drei Chakren- Bereiche betreffend – Essen, Sex und Macht –, ohne eine Bewusstheit darüber, was geschieht. Die Seele selbst wird so egozentrisch, sie nimmt in diesem Fall Charakteristiken und Antriebe des Ego an – Geld, Sex, Macht. Hier finden wir ein breites Verhaltensspektrum, von einem Priester der Päderastie auslebt zu einer Nonne die Bulimie oder Anorexia hat – als Probleme zu denen auch strukturelle Schattenaspekte beitragen können. Bleibt eine Anhaftung an das grobstofflich-mentale Ego, dann entwickelt die Seele eine Fixierung und Sucht zu verschiedenen egoischen Bedürfnissen und Antrieben.
Wird das Subtile in seiner speziellen und eigenen Form erfahren, wie z. B. einer Gottheitsmystik, dann hat diese Sucht einen unmittelbaren Einfluss auf die Einstellung gegenüber dem Göttlichen. Es entsteht der Wunsch, die Objekte egoischen Verlangens vom GEIST zu erhalten, und gleichzeitig resultieren oft ein Schuldbewusstsein und ein sich daraus ergebender Kampf mit dem Göttlichen. Ist jedoch die Spiritualität dieses Bereiches in erster Linie eine Spiritualität einer ersten Person oder Bewusstheit, dann wird diese Bewusstheit ständig kontaminiert mit egoischen Gedanken und Gefühlen – oft bezogen wiederum auf Essen, Geld, Sex und Macht. Meditation führt hier zu einer Zunahme des Egozuwachses gegenüber diesen niederen Objekten, aufgrund der Vorstellung dass Meditation die Fähigkeiten damit umzugehen verstärkt, was auf eine gewisse Weise auch stimmt. Doch haben wir es mit einer Dissoziation des grobstofflichen mentalen Egos zu tun, dann entwickelt die Seele eine Allergie und ein nicht-haben-wollen gegenüber diesen unterschiedlichen egoischen Antrieben und Bedürfnissen und oft gegenüber dem Ego insgesamt. Das Ego wird überall attackiert, wo es sich zeigt oder zu zeigen scheint – in Theologie, Psychologie, in einem selbst, in anderen Menschen. Diese Allergie gegen alles Egoische verhindert, dass Bewusstheit und Gleichmut gegenüber allen Bewusstseinsinhalten eingenommen werden kann. Auf eine subtile und meist unbewusste Weise wird viel Zeit und Anstrengung damit verbraucht alles zu vermeiden, was an das Ego erinnert. Anstatt das Ego angemessen in Besitz zu nehmen und sich dann davon zu ent-identifizieren und sich weiter zur Seele zu bewegen, sich mit der Seele zu identifizieren und den grobstofflichen Bereich in das Gesamtbewusstsein zu integrieren, werden Aspekte des Grobstofflichen, die zur egoischen Identität gehören, unterdrückt, entfremdet und abgetrennt. Während die Seele nun zum neuen Gott wird, wird das Ego als ein neuer Teufel angesehen. Eine Konsequenz daraus ist eine Deformation der Seele und ihrer Bewusstheit.
Ein Teil der Schwierigkeiten dabei ist ein falscher Umgang mit dem transzendieren-und-bewahren Impuls von Entwicklung und Evolution. Dies ist eine Folge der verzerrten Beziehung zu den spirituellen Bereichen, beginnend beim Subtilen, und den gewöhnlichen Bereichen, angeführt vom Ego. Anstatt die exklusive Identität mit dem grobstofflichen aufzugeben ist die Seele der Meinung, sie muss das Grobstoffliche insgesamt aufgeben. Sie ist der Meinung, dass der gesamte grobstoffliche Bereich, und nicht nur die ausschließliche Identifikation damit oder die Anhaftung daran, das Hauptproblem sei, welches eine Spiritualität zu lösen hat. Und das ist in der Tat eines der Hauptthemen, um welches sich eine Spiritualität zu kümmern hat – doch dies geschieht durch ein Transzendieren-und-Bewahren des Grobstofflichen und nicht durch ein Transzendieren-und-Unterdrücken, eine Fixierung oder ein Ergreifenwollen. Das Erste davon, eine Allergie gegenüber dem Grobstofflichen, und das sich daran Anschließende, eine Abhängigkeit und Sucht gegenüber dem Grobstofflichen, verzerren sowohl das Grobstoffliche wie auch das Subtile auf ihre jeweils eigene Weise.
Die Bewegung des Bewusstsein von grobstofflichen Gedanken und Gefühlen zu subtiler Bewusstheit muss in Gleichmut eine ausschließliche Anhaftung an grobstoffliche Gedanken und Gefühle loslassen können und dabei gleichzeitig die Fähigkeit aufrecht erhalten zu denken und zu fühlen. Es geht darum weder an etwas festzuhalten noch etwas abzutrennen. Wenn dies gelingt, kann sich die Natur der Seele entfalten, wie auch das mentale Ego mit seinen Gedanken und Gefühlen – als Teile einer Bewusstheit eines subtilen Selbst – frei von Allergien und Süchten.
Dies sind einige der Hauptfehlfunktionen die sich im Verlaufe der Entwicklungsdynamik und Beziehung ereignen können, zwischen dem grobstofflichen Bereich und seinem Selbst, dem mentalen Ego, und dem subtilen Bereich und seinem Selbst, der subtilen Seele. Ganz allgemein führen Schwierigkeiten innerhalb des Vorgangs von Transzendieren-und-Bewahren zu verschiedenen Fehlfunktionen. Probleme beim transzendieren Aspekt zeigen sich meist in einer phobischen Entfremdung des grobstofflichen Ego oder Aspekten des grobstofflichen Bereiches. Daraus entstehen verschiedene Allergien gegenüber dem grobstofflichen Bereich, speziell gegenüber Essen, Sex, Geld und Macht. Probleme beim bewahrenden Aspekt führen zu Fixierungen an das grobstoffliche Ego oder Aspekten des grobstofflichen Bereiches. Daraus entstehen unterschiedliche Abhängigkeiten und Süchte hinsichtlich grobstofflicher Phänomene – und wieder handelt es sich vor allem um Essen, Sex, Geld und Macht. In beiden Fällen sind sowohl das Ego wie auch die Seele, die grobstofflichen Gedanken/Gefühle und das subtile Bewusstsein, gleichzeitig verformt und fehlgelenkt. Das Ergebnis sind zahlreiche Fehlfunktionen, Pathologien und eine fehlgeleitete spirituelle Entwicklung. Diese Probleme werden noch schlimmer durch ein anämisches Verständnis in unserer Kultur von Entwicklung generell und spiritueller Entwicklung im Besonderen.


Der subtile Bereich als Haupttransformationsbereich

Der Bereich des Subtilen ist ein besonders verletzbarer Ort für pathologische Fehlbildungen innerhalb der AQAL Matrix. Der Grund dafür ist, dass es der Haupttransformationsbereich ist zwischen dem gewöhnlichen grobstofflichen materiellen Bereichen und höheren spirituellen und transpersonalen Bereichen – kausal und höher. Als ein Durchgangspunkt und Wechselpunkt zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen liegt es vor allem am und im Subtilen die komplizierten Dynamiken von Transzendieren-und-Bewahren, speziell das Transzendieren und Integrieren des Endlichen mit dem Unendlichen, zu bewältigen. Der spirituelle Bereich ist, wie wir gesehen haben, ein Bereich zunehmender Paradoxien und Gegensatzpaare, die idealerweise immer mehr zusammengebracht werden, auf eine immer harmonischere und verbundenere Weisen. Dies hängt zu allererst vom evolutionären Entwicklungsprozess eines Negierens-und-Bewahrens bzw. eines Transzendierens-und-Bewahrens ab. Das ist der Grund, warum in den meisten großen Traditionen die Bedeutung einer „rechten Sichtweise“ ganz am Beginn eines spirituellen Prozesses betont wird. Ereignisse im Rahmen eines Entwicklungsverständnisses richtig zu verstehen ist ganz entscheidend. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Berücksichtigung sowohl von Zuständen wie auch von Strukturen – oder allgemein eine integralere Betrachtungsweise – so wichtig ist für eine neue und umfassendere Spiritualität.


Fehlfunktionen vom Subtilen zum Kausalen
Das Subtile, wie gerade erwähnt, ist ein besonders bedeutender und sensitiver Wechselpunkt der Entwicklung, der große Übergangsbereich zwischen den mehr gewöhnlichen Bereichen, grobstofflich und grobstofflich-reflektierend, und den höheren und spirituelleren Räumen, kausal und darüber hinaus. Auch im Subtilen können Dinge schiefgehen, sowohl was Zustände als auch was Strukturen betrifft. Die Probleme betreffen sowohl frühere Stufen und Inhalte, die dort bereits zutage getreten sind, als auch noch kommende Stufen und Inhalte, welche sich noch nicht gezeigt haben, sondern gerade aufzutauchen beginnen, als das auftauchende Unbewusste. Im ersten Fall muss das Selbsterleben Inhalte loslassen, die bereits aufgetaucht sind. Im zweiten Fall geht es darum, dass das gegenwärtige Selbsterleben sich selbst loslassen muss, damit höhere Inhalte und ein höheres Selbst auftauchen können. Wir haben schon über Probleme des Subtilen im Hinblick auf das bereits aufgetauchte Grobstoffliche gesprochen. Die Probleme mit dem, was noch nicht aufgetaucht ist und gerade auftauchen möchte, dem Kausalen, sind ähnlich anderen Situationen, wo etwas auftauchen möchte. Das Selbsterleben der gegenwärtigen Stufe muss gegenüber sich selbst sterben, um Platz zu machen für den nächsthöheren Bereich und dessen Selbsterleben. Dies kann ein sehr schwieriges, irritierendes und anstrengendes Unternehmen sein, egal ob es sich um einen auftauchenden Zustand oder eine auftauchende Struktur handelt. Viele der Probleme gegenüber einem neu auftauchenden Zustand haben mit dem Sterben und dem grundlegenden Loslassen einer gegenwärtigen Seins- und Sichtweise und dem Übergang zu einer höheren und tieferen Bewusstheit und einem Selbst- und Seins Erleben zu tun. Für das Subtile bedeutet dies die dunkle Nacht der Seele. Die subtile Seele selbst muss sterben. Sie muss in den Abgrund springen und muss die Augen vor dem verschließen, was als das gesamte Leben betrachtet wird, um ein noch höheres Leben auf der anderen Seite dieses Todes zu entdecken. Eine der einfachsten Möglichkeiten damit umzugehen ist die Vermeidung und ein Vorgeben sich zum Kausalen zu bewegen mit einer verborgenen Fixierung und Abhängigkeit zum Subtilen. Dies führt zu einer Verzerrung des kausalen Bereiches und dem sich-seiner-bewusst-sein als ein, wie wir es nennen, höheres Selbst. Dabei treffen wir folgende sprachliche Regelung: Das Selbst des Grobstofflichen ist das Ego, das Selbst des Subtilen ist die Seele, das Selbst des Kausalen ist das höhere Selbst, das Selbst des Zeugenzustandes ist das wahre Selbst und das Selbst des Nichtdualen ist reine Soheit. Wir werden auf dieses Problem bei der Betrachtung kausaler Fehlfunktionen zurückkehren. Jetzt stellen wir lediglich fest, dass einige der fehlgeleiteten Möglichkeiten, wie die subtile Seele mit ihrer dunklen Nacht umgeht, wo sie sich ihrem eigenen Tod gegenübersieht, darin besteht, diesen Tod zu vermeiden oder vorzugeben ihn überwunden zu haben und direkt ins Kausale hinüberzuwechseln und die Seele als das höhere Selbst zu erklären. Dies verzerrt das höhere Selbst und führt zu einer Fehlorientierung im Kausalen, was oft zu einer abrupten Unterbrechung jeder weiteren Entwicklung führt, bis dieses Problem erkannt wird. Die Schwierigkeit hier besteht darin, dass das höhere Selbst mit einer Bewusstheit arbeitet, die frei von jeglicher Persönlichkeit oder Seele ist. Die Seele hat jedoch eine subtile Persönlichkeit, eben eine „Seele“. Wird diese mit dem höheren Selbst verschmolzen, zieht dies das Bewusstsein hinunter in einen gröberen und dichteren und weniger ausgedehnten Bereich und verformt seine eigentlichen Konturen und Bestrebungen. Diese bestehen darin, sich des Kausalen und seiner Archetypen überhaupt bewusst zu werden, sie zu Objekten des Gewahrseins zu machen, sie insgesamt zu transzendieren und in die reine Leerheit überzutreten, welche, wenn die Entwicklung gut verläuft, sich im nächsthöheren Bereich des Zeugenbewusstseins ereignen wird.   
Dies ist eine extrem wichtige Funktion für ein Bewusstsein gegenüber dem archetypischen Material. Sie wird jedoch durch die subtile Seele gekapert und zum Entgleisen gebracht, deren Hauptwunsch nicht darin besteht alle Formen zu transzendieren, sondern für immer und ewig im Bereich höherer Formen zu leben. Die archetypischen Formen des höheren Selbst sind die subtilsten und kausalsten Formen überhaupt. Wendet sich das Bewusstsein diesen Formen oder Archetypen zu, dann werden diese zu Objekten des Bewusstseins. Das Subjekt einer Stufe wird zum Objekt des Subjektes der nächsten Stufe – das ist das, was das kausale höhere Selbst als Vorbereitung für den Sprung in die Leerheit der nächsten Stufe anstrebt. Dieser gewaltige Sprung in die Leerheit wird jedoch völlig entstellt, wenn die subtile Seele weiter an subtilen Formen und an sich selbst hängt und sich dagegen sträubt, dass diese subtilen Formen, und sie selbst, zu einem Objekt der Bewusstheit werden. Stattdessen verbleibt die Seele in verborgener Existenz, hängt weiter an den Formen und fürchtet ihre eigene dunkle Nacht und den eigenen Tod.


Unterdrückung höherer Zustände durch die Seele
Ein weiterer problematischer Schritt der subtilen Seele gegenüber dem kausalen höheren Selbst ist die Herabwürdigung und Verdammung jeglichen höheren Selbst. Vor allem bestimmte theistische Traditionen, für welche die Seele das höchste Selbst ist, dämonisieren jedes höhere Selbst und bezeichnen dieses als böse, schlecht oder Sünde. Die Seele verbringt ihre Zeit damit ihre eigene Lebenszeit auszudehnen, klammert sich an ihre Bewusstheit und verneint die Eigenschaften von Bewusstheit an sich, deren eine Eigenschaft darin besteht, die subtile Persönlichkeit zu transzendieren. Die Seele entwickelt so eine nach oben orientierte Allergie gegenüber jeglichem Kausalen, einschließlich Archetypen, Urformen von Raum-Zeit und manchmal auch die gefühlte involutionäre Bewegung an sich. Dies kann, unter bestimmten Bedingungen, zu ernsthaften Unterbrechungen in der abwärts-verursachend gerichteten Bewegung der Involution führen. Das Ergebnis ist ein konkreter Krankheitsverlauf im physischen und emotionalen Bereich, verursacht durch die Seele und ihr Abwürgen subtilerer Energien aus dem kausalen Bereich. Dahinter steht eine Allergie gegenüber allem Kausalen. Diese Probleme, die als physische Krankheiten einer „spirituellen“ Person auftreten, werden manchmal verwechselt mit der Spiritualität dieser Person. Diese Menschen sind in diesem Fall nicht spirituell genug, sie sind nicht ganz im Kausalen sondern sie vermeiden das Kausale, und daher fehlt es ihnen.


Verdrängungen und Projektion im Subtilen
Im subtilen Zustand selbst kann die Seele oft Aspekte ihrer eigenen Bewusstheit verleugnen, abspalten, dissoziieren und projizieren - sowohl was positive wie auch negative Eigenschaften angeht. Mit der Projektion dieser Aspekte auf andere erscheint die Welt dann voller derartig „infizierter“ Individuen, und die Seele fühlt sich zu verschiedene Kreuzzügen berufen, diese Eigenschaften in der Welt auszulöschen, manchmal auch unter Inkaufnahme der Auslöschung der infizierten Individuen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn noch eine vorangegangene Fixierung im Grobstofflichen besteht, hin zu Aspekten der unteren Bereiche – Essen, Geld, Sex und Macht. Diese Aspekte werden von der Seele, die nun einige echte transpersonale, spirituelle und unbegrenzte Erfahrungen geschmeckt hat, als Hindernisse auf dem Weg zu weiterem spirituellen Wachstum missverstanden und werden daher weiterhin unterdrückt und projiziert. Das wirkliche Hindernis dabei ist die Fehlfunktion einer Ablehnung der Urheberschaft und die Abspaltung dieser Eigenschaften, anstatt ihrer gesunden Integration. Die Seele nimmt so verschiedene ablehnende „Anti-Haltungen“ ein (in Bezug auf Essen, Geld und Macht) und ist auf unterschiedlichen Kreuzzügen unterwegs, anstelle einer gesunden Integration dieser Eigenschaften im eigenen spirituellen Leben.
Eine Verleugnung, Abspaltung und Projektion von Eigenschaften der Seele innerhalb ihrer eigenen Zustandsstufe, und nicht einer Fixierung auf einer niedrigeren Stufe, kann wiederum sowohl für positive wie auch für negative Eigenschaften geschehen. Dies führt im Falle positiver Eigenschaften zu einem Verlangen dieser Eigenschaften von anderen – kosmische Liebe, Fürsorge, Mitgefühl, Strahlen, Freude, Glücklich sein oder, bei negativen Eigenschaften, eine Abscheu gegenüber diesen Eigenschaften bei anderen, kosmischer Hass, Ärger, Entfremdung. Dahinter steht das einfache Versagen, die Eigenschaften und Aspekte der eigenen subtilen Ebene zu integrieren, und das führt zu einer verunglückten Entwicklung an dieser Stelle.
Das Subtile ist auch die Heimat leuchtender Formen die leicht als Wesen von Licht zu interpretieren sind. Wenn diese Formen oder Wesen projiziert werden, befindet sich das Individuum in einem Zustand von Verehrung gegenüber dem- oder derjenigen, auf den projiziert wird. Das ganze Leben wird vielleicht dieser hyper-idealisierten Person gewidmet, meist mit traurigen und manchmal tragischen Ergebnissen – als Ergebnis eines Kultes. Die Lösung dieser Themen und ähnlicher Projektionen besteht darin, zuerst einen Therapeuten oder eine Gruppe zu finden, welche in der Lage sind derartiger Dynamiken zu verstehen, und in der Praxis von etwas wie dem 3-2-1 Prozess.

Teil 3 Fehlfunktionen des kausalen Zustandes

Der kausale Zustand sieht sich auch unterschiedlichen Fehlfunktionen gegenüber, abhängig davon nach welcher Richtung das Bewusstsein beim Auftreten der Störung orientiert ist. Es kann nach unten in Richtung des Subtilen orientiert sein oder nach oben in Richtung eines leeren Bezeugens. Betrachten wir sie in dieser Reihenfolge. Wir haben bereits gesehen, dass eine der Hauptstörungen des Subtilen in der Weigerung der subtilen Seele besteht, zurückzutreten, so dass die Seele in versteckter Form in das Kausale weitergetragen wird. Dadurch werden Form, Funktion und die wahren Ziele des Kausalen verzerrt. Betrachten wir dieses Problem nun aus der Sicht des Kausalen.


Subtil-kausale und kausale Fehlfunktionen     
Wenn am Wechselpunkt zwischen der subtilen und der kausalen Zustandsstufe alles gut läuft und sich das höhere Selbst auf eine gesunde Weise entwickelt, wird das subtile Selbst, die subtile Persönlichkeit oder Seele, sich selbst loslassen und sterben und auf einer kausalen Bewusstseinsebene wiedergeboren werden. Dies führt zu einem der subtilsten kausalen Selbstempfinden eines höheren Selbst und seines Bewusstseins. Dieser kausale Bereich ist der Punkt, wo Selbst und Bewusstsein höhere archetypische Formen erkennen und in der Lage sind diese zu objektivieren, als potentielle Subjekte und als eine Vorbereitung, diese in der nächsthöheren Stufe zu transzendieren. Ein objektivierendes Gewahrsein an dieser Stelle bedeutet die Fähigkeit, die subtilsten Formen der Existenz – die Archetypen – objektivieren zu können. Darin enthalten ist auch die grundlegende Matrix der Raum-Zeit. Diese umfassende Aktivität kann mit einem Hausputz verglichen werden, bei der Objekte zu praktisch allen nur möglichen Subjekten gemacht werden, so dass der Raum frei wird für das Erscheinen der Leerheit selbst auf der nächsthöheren Zustandsstufe. Wenn das kausale Selbst dabei noch Reste von Verlangen, Ergreifen wollen oder Anhaftungen an die positiven Freuden aus dem vorangegangenen subtilen Bereich beibehält, dann wird die erste Unterphase des subtil-kausalen Wechselpunktes mit einer Differenzierung und Ent-Identifizierung, unterbrochen und das kausale höhere Selbst bleibt auf eine versteckte Weise fixiert und süchtig gegenüber den Freuden der subtilen Seele. Das bedeutet auch, neben vielem anderen, dass das dort erlebte Gefühl eines freudvollen Selbst nach vorne projiziert wird in eine immerwährende Raum-Zeit. Haftet diese spezifische Freude dem höheren Selbst als eine Sucht an, ist dieses Selbst nicht in der Lage dies objektiv zu bezeugen und somit entsteht auch kein Gewahrsein der archetypischen Raum-Zeit Matrix als ein wesentliches Ziel dieser Stufe. Die Sucht und Abhängigkeit zu dieser immerwährenden Freude in einer immerwährenden Raum-Zeit macht dies unmöglich. Das kausale Selbst wird so abhängig von der Raum-Zeit, anstatt diese zu bezeugen und zu transzendieren. Raum-Zeit bleibt so ein verborgenes Subjekt, als eine verborgene Linse durch welche das Bewusstsein auf die Welt schaut, und nicht eine Matrix auf welche das Bewusstsein schaut und so Raum-Zeit objektiviert und transzendiert. Diese kausale Fixierung wird, falls sie nicht behoben wird, in die nächste Stufe des Bezeugens mitgenommen. Das verhindert, dass reine und echte Leerheit erkannt werden kann. Wahre Ewigkeit ist keine immerwährende Zeit sondern ein Augenblick frei von Zeit, doch damit wird sie nun verwechselt. Das echte zeitlose Jetzt als eine ewige Gegenwart kann auf dieser kausalen Stufe nicht in das Bewusstsein eintreten. Die Komponente von Zeitlosigkeit von Wirklichkeit wird missverstanden als eine unbegrenzte und immerwährende Aneinanderreihung zeitlicher Momente ohne Ende, was zu der Vorstellung führt, dass Zeit kein Ende hat, und diese Aneinanderreihung daher auch frei von Zeit ist. Doch wirkliche Zeitlosigkeit setzt sich nicht auf ewig in der Zeit fort, sondern ist in Gänze frei von Zeit, weil sie niemals in den Strom der Zeit eingetreten ist, in der Entdeckung des wahren zeitlosen Jetzt und einer Gegenwart ohne Dauer. Wittgenstein paraphrasierend können wir sagen: „Wenn wir Ewigkeit nicht die Bedeutung einer immerwährenden Zeitdauer geben, sondern als einen Augenblick gänzlich frei von Zeit sehen, dann gehört die Ewigkeit denjenigen, die im zeitlosen Jetzt leben.“ Diese Verwechselung von Ewigkeit und immerwährender Zeit, als einer Raum-Zeit Anhaftung, ist eine wirkliche Katastrophe, weil dadurch die Erkennung von Leerheit – oder reinem nirguna als nichtqualifizierbarer GEIST – als solche verhindert wird. Auf diese Weise wird man nicht von Zeit befreit, sondern kaut weiter darauf herum. Dies ist nicht die wirkliche Leerheit, sondern eine Leerheit, die kontaminiert und gesättigt ist von einer immerwährenden Raum-Zeit, als ein weiterer Schritt in einer Reihe von Katastrophen, welche eine echte und authentische Verwirklichung von Nichtdualität verhindern – der Einheit von Leerheit und Form. Die Leerheit ist dabei nicht wirklich leer, sondern bringt eine verborgene immerwährende Zeit mit in die Zeitlosigkeit.


Kausale Dissoziation
Wenn jedoch, auf der anderen Seite, das Kausale zu weit geht und anstelle einer gesunden Ent-Identifikation von der Seele die Seele abspaltet und nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte, dann ist das Ergebnis eine Seelenallergie. Diese wirkt darauf zurück, wie das höhere Selbst sich selbst erfährt, da es schon frühzeitig das Interesse an allem verloren hat, was sich wie das Erleben eines Selbst anfühlt. Das hat einen Einfluss auf die Funktion von Bewusstheit und verhindert ein ausgewogenes und gleichmütiges Bezeugen aller kausalen Objekte, einschließlich aller Archetypen, weil alles dasjenige, was einem Selbstempfinden ähnelt, sofort abgewehrt wird – was zu Löchern in der Wahrnehmung führt. Objekte werden so nicht zu Subjekten, weil sie von Anfang an vermieden werden – sie verbleiben als verborgene Subjekte im Bewusstsein. Bei gravierenden Abwehrreaktionen können die dissoziierten Seelenkomponenten eine eigene Seelen-Subpersönlichkeit erschaffen, welche wahrscheinlich zu einer Verzerrung jeder höheren Zustandsstufe führt. Alle Formen des Bewusstseins werden mehr oder weniger von dieser Seelen-Subpersönlichkeit gekidnappt, wobei diese Teilpersönlichkeit ihre Gewohnheiten, Antriebe, Bedürfnisse und Wünsche in dieses höhere Bewusstsein jeder nachfolgenden Stufe einbringt. Diese Seelenallergie, von der wir schon andere Versionen gesehen haben, führt auch zu einer Abscheu vor jeglichem, was als eine Seele wahrgenommen wird – in Theologie, Psychologie, bei sich selbst und in anderen. Ein neuer Dämon ist aufgetaucht, und sein Name ist Seele.


Verdrängung und Projektion im Kausalen
Was das Kausale selbst betrifft, so können alle seine Eigenschaften und Charakteristiken (wie Archetypen) abgespalten und projiziert werden. Bei positiven Eigenschaften führt das oft zu einer Abhängigkeit gegenüber Personen oder Phänomenen zu denen diese positiven Eigenschaften hingeschoben wurden. Dies sind Aspekte dieses Bewusstseins als positive kausale Archetypen wie kosmische Liebe, Seligkeit, Sein, Freude, Glücklichsein, Offenheit und Flow, sowie auch kausale Formen, die traditionell als positive spirituelle Wesen interpretiert werden, wie Brahman, Vishnu oder Shiva. GEIST in einer zweiten Person, wie Gott, Vater oder Mutter, ist bereits schon außerhalb und externalisiert in dieser Perspektive. Was hier nach außen projiziert wird, ist die eigene Beziehung mit dem Göttlichen Wesen und Sein. Das führt dazu, dass viele andere auf eine fruchtbare und freudvolle Weise mit dem Göttlichen verbunden sind, jedoch nicht man selbst. Was hier angenommen werden muss, ist nicht das Göttliche, sondern die Beziehung zu diesem Göttlichen und dem eigenen höheren Selbst.


Fehlfunktionen vom Kausalen zur Leerheit
Was die Probleme des Kausalen gegenüber der nächsten Stufe betrifft, dem leeren Zeugen, besteht eine der größten Schwierigkeiten für das kausale Selbst darin, sich selbst loszulassen, den eigenen Tod zu akzeptieren und so Raum zu machen für das wahre Selbst und seiner anderen Leerheit. Der Begriff „wahres Selbst“ wird hier verwendet wie im Yogacara, als synonym mit shunyata oder reiner Leerheit. Dies sind Schwierigkeiten, verbunden mit der dunklen Nacht des Selbst, wo, wenn alles gut verläuft, das SELBST gegenüber seinen spezifischen Inhalten und Charakteristiken stirbt, mit Ausnahme der subtilsten Formen einer singular-plural und subjekt-objekt Dualität. Diese werden vom Zeugen beibehalten, als seinem ihm eigenen Standpunkt als ein beobachtendes und bezeugendes Selbst. Hier besteht noch keine Einheit oder Nichtdualität mit den bezeugten Phänomenen – es existiert noch ein Abstand und Abstandnehmen eines spiegelnden und nicht-anhaftenden Geistes, welcher auf  die bezeugten Phänomene schaut. Diese Trennung zwischen Subjekt und Objekt wird traditionell sowohl in der östlichen wie in der westlichen Philosophie als der Beginn der Erschaffung eines Universums gesehen, von dem gesagt wird, dass es mit dem Erscheinen des Kausalen und seinen Archetypen beginnt. Die Subjekt-Objekt Dualität ist die erste Dualität, die erstmals im oberen kausalen bezeugenden Zustand in Erscheinung tritt, und sich dann im Kausalen manifestiert. Zu dieser für die Erschaffung des Universums notwendigen Subjekt-Objekt Dualität fügt die integrale Theorie noch die Dualität von Singular-Plural hinzu, was zu den vier Quadranten führt. Sie weisen uns darauf hin, dass es für ein einzelnes Subjekt und ein einzelnes Objekt keinen Sinn macht zu existieren, da die Grenze zwischen beiden von beiden Seiten her auf ewig existieren würde. Es muss für beide noch eine Grenze geben und dies ist die Grenze oder Unterscheidung zwischen individuell und kollektiv. Der Zeuge bzw. die Zeugin verkörpert selbst auch diese Individualität, was in Übereinstimmung mit [Daniel P.] Browns Beschreibung von Individualität ist, als das größte Hindernis im Zeugenzustand für das Bewusstsein seiner selbst. Doch neben diesen beiden Dualitäten, die bestehen bleiben, ist die dunkle Nacht des SELBST ein tiefgreifender Tod, eine vollständige Ent-Identifikation gegenüber allen endlichen Eigenschaften, Gewohnheiten, Tendenzen und Charakteristiken. Ein Problem an diesem Wechselpunkt entsteht dann nicht, wenn das Kausale den Weg freigibt für das Eintreten des leeren Zeugenzustandes, worüber wir jetzt als nächstes sprechen.


Fehlfunktionen der kausalen Leerheit
Eine der Hauptfehlfunktionen hier ist der falsche Umgang mit der dunklen Nacht des SELBST. Individualität ist ein normaler Teil des Bewusstseins und seiner Sichtweise im Zeugenbewusstsein. Eines der Hauptziele des Zustandes des leeren Bezeugens ist, wie gesagt, das Beenden des fortwährenden Bezeugens aller Archetypen des Kausalen, so dass diese potentiellen Subjekte schließlich zu Objekten werden gegenüber dem wahren Selbst bzw. Bewusstseinsobjekten generell. Dies schließt alle Phänomene des niederen und höheren Kausalen mit ein, also auch die Raum-Zeit Matrix so wie jedes phänomenologische Objekt, welches noch im Zeugenzustand erscheint. Wenn die Gesamtheit kausaler Raum-Zeit zu einem Bewusstseinsobjekt wird, dann wird Zeit als Ewigkeit und Zeitlosigkeit erfahren. Raum wird als Unendlichkeit und Raumlosigkeit erfahren. Sei jetzt hier ist das Klischee welches diese Erfahrung gut beschreibt. Da 100% der Ewigkeit, welche selbst zeitlos ist, in jedem zeitlichen Augenblick voll gegenwärtig ist, existiert alle Ewigkeit in diesem Jetzt-Augenblick. Da 100% der Unendlichkeit, welche raumlos ist, vollständig gegenwärtig ist in jedem Punkt im Raum, existiert alle Unendlichkeit auch vollständig jetzt hier, wo immer das auch sein mag. Das leere Bezeugen, der leere Zeuge ist ein Sei jetzt hier Bewusstsein in sich und für sich. Damit dies geschehen kann, muss die Gesamtheit des Kausalen, mit Ausnahme der zwei erwähnten vorexistierenden Dualismen, subjekt-objekt und singular-plural, zu einem Objekt gemacht werden, bezeugt werden, und muss zu einem Bewusstseinsobjekt in und für sich gemacht werden - losgelassen und transzendiert und auch gestorben werden. Die Sichtweise, die aus einer ausschließlichen Identifikation mit dem Kausalen entsteht, ist das, was zu negieren und zu transzendieren ist. Der kausale Bereich selbst wird dadurch neu gesehen und es entsteht eine Identifikation mit ihm als ein teilhaftes Subholon in höheren Zuständen und wird in diese höheren Zustände integriert. Zustandsbereiche bleiben bestehen, Sichtweisen werden ersetzt. Es ist nicht der Archetyp der Raumzeit selbst, welcher auseinandergenommen wird. Was beendet wird ist die begrenzte Identifikation des Bewusstseins mit diesen Phänomenen. Man ist sich immer noch des Raumes, der Zeit und aller grundlegenden Archetypen bewusst, man ist jedoch nicht mehr zentral und ausschließlich mit ihnen identifiziert. Das erfolgreiche Navigieren durch die dunkle Nacht des Selbst, mit dem Sterben einer ausschließlichen Identität mit dem höheren Selbst und jeglichen Archetypen, kann sehr schwierig sein. Der Grund dafür ist, dass das Selbst, welches hier stirbt, ein Selbst ohne jeglichen Inhalt ist, und dies ist der erste Tod, welcher dieses Maß an Loslassen erfordert. Das wahre oder bezeugende Selbst ist leer, abgesehen von den es charakterisierenden Dualismen, und daher ist dieser Tod ein Tod, welcher jegliche Identität im gesamten manifesten Bereich betrifft - mit allen dazugehörigen Wünschen, Bedürfnissen, Gewohnheiten, Eigenschaften und Charakteristiken. Dies ist ein gewaltiger Tod. Erschwert wird er noch dadurch, dass Leerheit nicht nur mit einer radikalen Freiheit und anderen Befreiungen in Verbindung steht, sondern auch mit einer überwältigenden Fülle und enormen Vollständigkeit gegenüber allen Formen. Von außen betrachtet sieht dieser Übergang wie eine unendliche Abwesenheit aus, ein vollständiger Tod, ein fürchterliches Abschiednehmen zu allen Dingen die jemals wertgeschätzt wurden. Es wird nicht erkannt, dass der Tod des kausalen Selbst und der Sprung in die Leerheit ein Sprung zu noch größerer Freiheit und potentieller Fülle bedeutet. Wird das nicht verstanden, entwickelt das kausale Selbst eine Allergie gegenüber der Leerheit und vermeidet alles, was an diese Leere, das große Nichts und die letztendliche Nichtexistenz erinnert. Die Meditation wird davon beeinflusst, Angst und Zittern können auftreten, ebenso auch Todesangst. Ein Erleben innerer Leere kann oft entstehen, welches oft als Depression erlebt wird. Das kausale Selbst wird diese innere Leere – als Auswegsmöglichkeit – als die wirkliche Leerheit betrachten. Beides hört sich auch ähnlich an, zumindest in Worten. Was das Ganze noch schlimmer macht sind Themen, die auf unteren Drehpunkten entstanden sind, speziell des Entwicklungsdrehpunktes  zwei, bei dem, wenn dort etwas schiefgeht, Borderlinesymptome entstehen. Diese können hier reaktiviert werden, wenn das kausale Selbst beginnt viele seiner Grenzen und Begrenzungen loszulassen. Eine Borderline-Symptomatik führt hier zu gebrochenen Borderline-Zuständen, wo nicht nur gelegentlich eine Einheit mit der Gesamtheit von Manifestation erfahren wird, sondern wo es zu einer Verschmelzung kommt mit allen manifesten Zuständen. In extremeren Fällen kann das Zusammenbrechen der Grenzen subtile Bereiche auf eine entgleisende Weise reaktivieren, welche als psychose-ähnliche Halluzinationen erfahren werden. Darüber hinaus sagen die Traditionen, dass im kausalen Bereich paranormale Ereignisse wahrscheinlicher sind als in anderen Bereichen, weil in diesem Bereich die Manifestation insgesamt in Erscheinung tritt. Eine beabsichtige Kontrolle dieses Bereiches kann, über eine abwärts gerichtete Verursachung – in Folge der Involution – niedere Bereiche auf eine paranormale Weise beeinflussen. Erfährt jemand hier Probleme einer kausalen Verschmelzung, dann können diese paranormalen Fähigkeiten aktiviert werden, jedoch ohne oder nur mit sehr wenig bewusster Kontrolle, was zu einer großen Verwirrung führen kann. Was im Hinblick auf alle diese Probleme von Lehrern oft empfohlen wird, verständlicherweise aber auch unglücklicherweise, ist mehr Meditation – „zurück zum Zendo“. Doch dies verstärkt nur die Verschmelzung durch die Intensivierung der Transzendierung von Grenzen, was alles noch schlimmer macht. Eine Gruppe von Menschen, die sich auf spirituelle Notfälle wie diese spezialisiert haben, ist eines der wenigen Dinge die hier helfen können.
Doch wenn alles gut geht, werden Intentionalität, Wille und zielgerichtete Aktivitäten ganz allgemein irgendwann einfach und oft plötzlich wegfallen, und man findet sich wieder in einem unermesslichen, reinen, unbewegten, ungestörten, unerschütterlichen, gleichmütigen Zustand eines spiegelnden Bewusstseins, als der oder die reine leere Bezeugende – Bewusstheit ohne ein Objekt.

Teil 4 Der Bereich des leeren Zeugen

Der Zeuge, wie bei praktisch allen Zuständen und Strukturen, sieht sich zwei grundlegenden Herausforderungen gegenüber. Zum einen geht es um einen richtigen Umgang mit dem was bereits in Erscheinung getreten ist, wie die vorangegangenen Stufen – dies ist Agape –, und es geht um das was bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist bzw. sich gerade zu zeigen beginnt. Das ist, neben neuen Arten der Übersetzung (translation) im Allgemeinen die nächsthöhere Stufe – und dies ist Eros. Besprechen wir beides in dieser Reihenfolge.


Fehlfunktionen vom Kausalen zur Leerheit   
Wir haben bereits über viele der Fehlfunktionen gesprochen, die sich ereignen, wenn das Kausale sich weigert von seiner gegenwärtigen Zustandsstufe und Sichtweise loszulassen, um dem nächsten Bereich und der nächsten Zustandsstufe Raum zu geben, dem leeren Zeugen, dem Unbeschreibbaren, einem zeitlosen Jetzt, Bewusstsein an und für sich. Betrachten wir dies nun von der Perspektive des Zeugen aus. Eine definierende Charakteristik des „leeren Zeugen“ ist seine Leerheit bzw. die Tatsache, dass mit einigen wenigen Ausnahmen, vor allem der zwei Dualismen von Subjekt-Objekt und Singular-Plural, welche im Wesentlichen inhaltsleer sind, der Zeuge auf eine radikale Weise frei ist von jeglichem spezifischen Inhalt oder individuellen Eigenschaften, mit Ausnahme von Individualität an sich. Dies ist in der Tat wie ein spiegelnder Geist, der selbst frei von allen Objekten ist und diese lediglich reflektiert, auf eine nicht-ergreifende und nicht-einschränkende Weise. Das ist das, was das beobachtende Selbst auch in dir in diesem Augenblick tut.
Es gibt in jedem von uns ein tiefes Gewahrsein, welches spontan und ohne jegliche Anstrengung die Geräusche der Umgebung hört, die Phänomene sieht, welche im Gesichtsfeld erscheinen, die Gedanken bemerkt, die den Geist durchziehen – und insgesamt sich anstrengungslos all dessen gewahr ist, was in Erscheinung tritt. Man bemüht sich nicht darum das eigene Wahrnehmungsfeld zu sehen, es präsentiert sich einem spontan. Das gesamte Universum erscheint spontan im eigenen Gewahrsein – jetzt und jetzt und immer wieder jetzt. Es ist dieser reine Gleichmut und diese unbeirrbare reflektierende Fähigkeit, die den Zeugen (die Zeugin) zu dem macht, was er/sie ist – als einem Punkt, an dem unbegrenzte Bewusstheit als solche in den manifesten Bereich einzutreten beginnt. Zusätzlich zu der wesenseigenen unbegrenzten Dimension beginnt diese Bewusstheit spezifische endliche Formen anzunehmen. Leerheit ist der „Raum“, wo Nichts zu Etwas wird, und ist daher die kreative Matrix des gesamten Kosmos. Das Ruhen als der reine Zeuge in sich selbst bedeutet ein Ruhen als der reine unbegrenzte GEIST in sich selbst – als das ICH BIN. Bevor Abraham war – ICH BIN. Die meisten Meditationsformen des Osten und des Westens sind bemüht den Menschen dort hinzubringen, reine Aufmerksamkeit, reines nicht-wählendes Gewahrsein, das reine beobachtende Selbst, der unbegrenzte Zeuge an sich – auch wenn die Meditation bei grobstofflichen Objekten beginnt, und auch wenn das Ziel der Meditation die höhere nicht-duale Soheit ist. Der Zeuge erfüllt eine entscheidende Funktion und ist eine wesentliche Zwischenstation dabei.
Probleme beginnen, wenn der Zeuge nicht wirklich leer ist, sondern als eine Fehlfunktion  gegenüber Aspekten des vorangegangenen kausalen Bereiches eingebettet, fixiert, süchtig und anhaftend bleibt. In der dunklen Nacht des Selbst ist das höhere Selbst nicht vollständig gestorben. Bewusstheit hat ihre ausschließliche Identität mit dem kausalen Bereich und   damit verbundenen praktisch unbegrenzten Freuden, Strahlen, Seligkeit, kosmischer Liebe,  Fürsorge und Kreativität nicht vollständig losgelassen. Das Problem ist, wie schon gesagt, nicht z. B. Kreativität an sich, sondern eine ausschließliche Identifikation mit Kreativität und damit eine Identifikation mit aller übrigen Manifestation. Diese ausschließliche Identifikation und Identität und die Sichtweise, welche aus dieser Exklusivität entsteht, ist das was sterben muss. Analog verhält es sich mit jeder grundlegenden Struktur. Es ist nicht die Struktur, sondern eine ausschließliche Identifikation mit einer Struktur und ihrer Sichtweise, die aufgegeben und gegenüber der gestorben werden muss.   
Wenn im Wechselpunkt vom Kausalen zum subtileren Kausalen (dem Zeugen) eine Fixierung/Sucht oder eine Abspaltung/Allergie besteht, wird der Zeuge kein nicht-anhaftendes und klar spiegelndes Zeugenbewusstsein haben können. Es bleibt ein Verlangen nach bestimmten Objekten und Ereignissen (als ein süchtiges Ergreifenwollen) oder ein Leugnen (allergisches Vermeiden). Beides verhindert und verzerrt ein reines Bezeugen der Welt – so wie sie ist. Das Sehen der Welt, so wie sie ist, ist das Hauptziel der bezeugenden Zustandsstufe, als eine Vorbereitung des Bewusstseins seiner bewussten Einheit mit der Gesamtheit von Manifestation, einer Einheit von Leerheit und Form, von Gottheit und Manifestation oder Erleuchtung oder ähnlicher Begriffe. Bleibt der Zeuge verhaftet mit oder vermeidend gegenüber irgendeinem Stück des manifesten Bereiches, welches damit nicht mehr bezeugt werden kann, so wie es ist, dann sind diese Teile oder Stücke verborgene Subjekte die sich weigern zu Objekten zu werden. Diese Subjekte können zu Sub-Ichs werden, in diesem Fall zu kausalen Subpersönlichkeiten. Damit werden Aspekte des anandamaya kosha außer Acht gelassen, als der unterstützenden Hülle kausaler Seligkeit. Dieses selige Ergreifenwollen oder Vermeiden sind die Hauptantriebe einer kausalen Subpersönlichkeit, welche es sehr schwer machen diese aufzugeben oder demgegenüber zu sterben in einer dunklen Nacht des Selbst. Das Ergebnis davon sind Aspekte des manifesten Bereiches derer sich der Zeuge nicht angemessen bewusst werden kann. Dadurch wird Bewusstheit oder Gewahrsein in und für sich verzerrt und entstellt. Eines seiner Hauptziele wird damit nicht erreicht, und zwar das beginnende Bezeugen von Individualität an sich, die Verwandlung des Subjektes in ein Objekt für den Übergang zum nächsten und letztendlichen Bewusstseinszustand.


Nichtduale Soheit
Die noch anhaftenden oder vermiedenen Objekte als entstellte Stücke von Manifestation erzeugen ihrerseits ein verzerrtes Stück von Zeugenbewusstheit – als ein verborgenes höheres Selbst, welches sich als das wahre und wirklich Selbst ausgibt. Es sollte den gesamten manifesten Bereich mit einem ruhigen, klaren, stillen, gleichförmigen, gleichmütigen, unerschütterlichen Bewusstsein bezeugen. Doch stattdessen pendelt es in der Gegenwärtigkeit zwischen anhaftenden oder vermiedenen Phänomenen hin und her, was zu einer Verformung des Wesens des wahren Selbst führt, und seiner Bewusstheit von und an sich. Eine kausale Subpersönlichkeit, eingebettet im Zentrum der Leerheit selbst, bildet nun Leerheit und füllt diese mit pseudoleeren Eigenschaften und Gewohnheiten. Unglücklicherweise, wie in all diesen Fällen, sowohl bei Zuständen wie auch bei Strukturen, ist dies etwas, was vom Bewusstsein selbst nicht leicht zu erkennen ist. Was man nicht sehen kann, kann man auch nicht erkennen. Eine Subpersönlichkeit ist ein Sub-Subjekt und kein Objekt. Weil es kein Objekt ist, tritt es auch nicht in das phänomenologische Bewusstseinsfeld ein. Es wird zu einem verzerrten Teil von dem, was in die Welt schaut – doch es ist nicht etwas, was betrachtet werden kann. Dies ist vor allem katastrophal auf der Zustandsstufe des leeren Bezeugens. Hier ist, wie schon gesagt, eines der Hauptziele zu beginnen alle noch verbliebenen Subjekte zu objektivieren, einschließlich von Individualität, als eine Vorbereitung für den Sprung in eine trans-subjekt-objekt und nicht-duale Soheit. Die  Lichtung oder Leerheit gegenüber dem Letztendlichen kann jedoch verstopft sein durch einen externen und fremden Eindringling. Die Straße zur Gottheit ist blockiert.


Fehlfunktionen vom Zeugen zur Soheit
Sieht sich der leere Zeuge der nichtdualen Soheit gegenüber, ist er mit der letzten großen Art zu sterben konfrontiert, welche uns die Evolution bisher zu bieten hat. Dies ist der Tod einer jeglichen Form gefühlter Individualität. Die einschließende Identität mit was auch immer, wie dem wahrem Selbst oder etwas anderem, wird ersetzt durch eine höchste Identität mit GEIST selbst und all seinen Manifestationen. Dies ist nicht notwendigerweise so reizvoll wie es sich anhören mag. Tod ist Tod, und eine Unfähigkeit zu sterben bevor wir sterben macht jeden Drehpunkt und jeden Wechselpunkt zu einem potentiellen Problem. Immer geht es dabei um das Sterben des gegenwärtigen Selbsterlebens und die Geburt eines noch höheren Selbst, mit einer höheren, weiteren, tieferen Identität, Bewusstheit, Kreativität, Fürsorge, Liebesfähigkeit, höheren Ethik und mehr liebende Freundlichkeit. Doch diese höheren Charakteristiken werden meist nicht zuerst erfahren. Selbst wenn diese als Vorerfahrungen zu einem gewissen Grad auftreten, sieht sich das Selbst immer noch seinem eigenen immanenten Tod und seiner Transzendenz gegenüber, und das ist niemals eine einfache Aufgabe. Für eine gute Meisterung eines Dreh- oder eines Wechselpunktes geht es darum, sowohl die Ent-identifizierung vollständig zu vollziehen (gelingt dies nicht, ist das Ergebnis eine Fixierung bzw. Sucht), sie aber auch nicht zu weit zu führen, so dass eine Integration misslingt (was zu Abspaltung, Vermeidung bzw. Allergie führt). Der Tod des getrennten Ich auf der jeweiligen Stufe muss vollständig, sauber und klar vollzogen werden. Doch wo ist der Mensch, welchem dies durch das gesamte Spektrum von Zuständen und Strukturen hindurch gelingt, ohne dass dabei irgendetwas misslingt – und wo der Tod auf die eine oder andere Weise vermieden wird?


Der letzte Showdown
Hier, als einem Kulminationspunkt des Spektrums der Hauptzustände des Bewusstseins, sieht sich das Selbst, als wahres Selbst, einem letzten Showdown gegenüber – dem Tod eines getrennten Selbstempfindens insgesamt. Dieses wird ersetzt durch einen nichtdualen GEIST, welcher die Welt ist, die er sieht. Die verbreitetste Form einer Fehlfunktion an dieser Stelle entsteht im Angsterleben des Zeugen im Angesicht des eigenen Todes. Eros kollabiert zu Phobos und der Zeuge entwickelt auf jede erdenkliche Weise eine Allergie gegenüber der Soheit. Es ist nicht direkt die Soheit, welche der Zeuge oder das wahre Selbst fürchtet, sondern jedes Stück von Gewahrsein, das sich anfühlt als wäre der Zeuge nicht gegenwärtig. Es ist ein Zurückschrecken vor einer zeugenlosen Unbegrenztheit und dadurch wird der evolutionäre Gesamtprozess beim Betreten der eigenen höchsten Bereiche verformt. An sich selbst festhaltend wird Gott ausgeschlossen.
Für den Zeugen erscheinen Objekte oder Phänomene immer „vorne“. Sie scheinen vor dem bezeugenden Selbst aufzutauchen, und zwar in allen Bereichen – grobstofflich, subtil und kausal. Das Selbst tritt dabei als Beobachter oder Schauender einen Schritt zurück, in vollkommenem Gleichmut und einem ruhigen, unerschütterlichen Zustand eines strahlenden und spiegelnden Geistes, einer ungestörten Offenheit, und einem unermesslich tiefen Gewahrseins.
Doch in der Soheit fällt der Betrachter, die distanzierte Beobachterin, das Abstand nehmende Selbst, plötzlich und vollständig aus der Existenz. Was übrig bleibt, ist der gegenwärtige und zeitlose Jetzt-Augenblick und alle seine Manifestationen in jedem und allen Bereichen. Unmittelbar und nackt gesehen, spontan selbst-existierend. Klares strahlendes Leuchten. Durch und durch nichtdual. Aus einem „ich sehe die Welt“ wird ein „ich sehe die Welt die sich selbst sieht“ – und es gibt kein Ich und keine Welt, sondern lediglich Sehen. Dieses Sehen wird von einer Soheits-Allergie verhindert.  Die Heilung besteht darin, dass der Zeuge die grundlegende Selbstkontraktion loslässt die den Beobachter ausmacht. Das radikale Subjekt wird nicht-zwei mit allen möglichen Objekten – allen kausalen Objekten, allen subtilen Objekten, allen grobstofflichen Objekten. Beide, Subjekt und Objekt, machen so den Weg frei für den andauernden Strom des Weltprozesses an sich.
Radikal nahtlos, aber nicht eigenschaftslos, vollkommen grenzenlos, aber nicht ohne Begrenzungen, völlig frei von getrennten Wesen, aber nicht von individuellen Phänomenen. Alles erscheint so, spontan und daher geplant, ungewollt und daher intentional, zeitlos und daher zeitlich, raumlos und daher räumlich ausgedehnt. Alle Gegensätze werden paradox miteinander verbunden. Der Zeuge, in der Angst vor dem Sprung über seinen eigenen Tod, wendet sich dann oft nur einer Hälfte dieser Paare zu und zerreißt so die Nichtdualität in zwei Teile, sich nur mit einer Hälfte eines so entstellten Kosmos identifizierend. Dem Selbst zu erlauben sich in die unermessliche Ausdehnung allen Raumes zu entspannen ist die grundlegende Kur für die Nichtbereitschaft oder Unfähigkeit des Zeugen sich selbst loszulassen, zu sterben und wiederaufzuerstehen als der/die/das Eine-in-Allem des Kosmos insgesamt.
Genau an der Stelle, wo sich der Kopf befand, ist nun das gesamte Universum, selbsterscheinend, selbstleuchtend, selbststrahlend. Beim Betrachten der Welt dort draußen erscheint die Welt da draußen direkt auf den Schultern und das Gewahrsein, welches sich auf der einen Seite des Gesichtes zu befinden schien, gleich hinter und zwischen den Augen, wird nun zum konkreten Fühlen der Welt selbst. Dieses Fühlen erscheint an dem Platz wo sich einmal der Kopf befand. Das Subjekt auf dieser Seite des Gesichtes und das Objekt auf der anderen Seite sind nun zwei Seiten des gleichen kopflosen Erlebens. An der Stelle, wo sich einst das „hinter-dem Gesicht-Gefühl“ befand, ist nun das Gefühl der gesamten Welt, auf den Schultern erscheinend, innen und außen verschmelzend in eine nahtlose unerschütterliche Ganzheit. Die individuelle Selbstkontraktion ist in die kopflose Welt hinein verschwunden, welche von Augenblick zu Augenblick erscheint. An ihre Stelle tritt die höchste Identität – eines mit Innen und Außen, die einfache Istheit oder Soheit eines jeden einzelnen Dinges oder Ereignisses in diesem und jeden Augenblick.

Teil 5 Fehlfunktionen der Soheit

Ich habe bis zu diesem Punkt über Probleme im Zusammenhang mit dem Grobstofflichen, Subtilen, Kausalen und dem Zeugenbewusstseinszustand gesprochen. Jetzt geht es um Fehlfunktionen im Zusammenhang mit der Soheit. Die Tatsache, dass man Schattenthemen auch im turyatita, dem höchsten Zustand, haben kann, zeigt uns, wie wichtig Schattenthemen auf dem gesamten Entwicklungsweg sind, von ganz unten bis ganz oben, bis zu den höchsten Zuständen und Strukturen des Bewusstseins. Es ist daher ganz wichtig, dass alles – von einer integralen Lebenspraxis zu einer integralen Spiritualität zur vierten Umdrehung des Buddhismus – Schattenthemen wirklich ernst nimmt. Sie sind ein wirkliches Problem, es gibt sie auf jedem Abschnitt des Entwicklungsweges, sie können alles vermasseln. Es ist besonders erschütternd zu erleben, wenn offensichtliche massive Schattenthemen bei einem Lehrer zu Tage treten. Es ist so eigenartig, wenn jemand beispielsweise über die letztendliche Wahrheit spricht und selbst homophob ist. Doch das gibt es.  
Fehlfunktionen der Soheit können, wie bei allen Zuständen, aus zwei unterschiedlichen Quellen kommen. Zum einen kann es sich um Probleme mit dem Zustand selbst handeln, und zum anderen kann es sich um Probleme hinsichtlich der Strukturen handeln, welche diesen Zustand interpretieren. Davon zu unterscheiden sind noch die zwei Orientierungen die mit jedem der Probleme zusammenhängen. Eine Orientierung ist die gegenüber einem früher aufgetreten Problem, eine andere Orientierung richtet sich auf Phänomene, die noch gar nicht aufgetreten sind.


Zustandserfahrungen und deren Interpretation durch Entwicklungsstrukturen
In diesem [Buch]kapitel konzentriere ich mich auf Probleme mit dem Zustand an sich, sowohl in einer Orientierung gegenüber einem früheren Zustand, der bereits aufgetreten ist, als auch gegenüber einem höheren Zustand, der noch nicht in Erscheinung getreten ist. Hier ein paar Hinweise zu der zweiten genannten Hauptquelle, den Problemen im Hinblick auf die einen Zustand interpretierenden Bewusstseinsstrukturen. Die Grundidee ist dabei sehr einfach. Hat  man sie einmal verstanden, kann man sie auf alle Fehlfunktionen anwenden, welche wir bisher besprochen haben. Dabei lassen sich zwei Arten von Interpretationen unterscheiden – Interpretationen, die von einer – bezogen auf das zu interpretierende – zu niedrigen Struktur kommen, und Interpretation, welche von einer Struktur mit Fehlfunktionen gemacht werden, unabhängig von der Entwicklungshöhe. Die Interpretation bei einer zu niedrigen Entwicklungshöhe ist sicher eine der verbreitetsten, auch wenn das, was man als „zu niedrig“ bezeichnet, auch Sache einer subjektiven Einschätzung ist. Praktisch jeder betrachtet eine bernstein-ethnozentrische-mythische Haltung als „zu niedrig“, auch wenn dies eine der verbreitetsten Strukturstufen ist, auf welcher sich Menschen in ihrer Entwicklung befinden, und es ist sicher die verbreitetste Entwicklungshöhe der meisten Formen von spiritueller Intelligenz. Doch die mythisch-traditionell-fundamentalistische Entwicklungsstufe ist eines der größten Probleme in der Welt. Die daraus entstehenden Sichtweisen, und auch die, die von Ebenen darunter kommen, und alle Sichtweisen die unterhalb einer weltzentrischen Betrachtung stehen, sind absolut ungeeignet als eine adäquate interpretierende Struktur für Spiritualität und Religion. Die orange-modern-rationale Entwicklungsstufe ist zumindest schon der Beginn einer weltzentrischen Sichtweise und sie ist die erste Struktur bei der man eine Adäquatheit in Betracht ziehen kann. Das ist wahrscheinlich die beste Art dies zu betrachten, als die niedrigste akzeptable Entwicklungshöhe für eine spirituelle Intelligenz und Bewusstheit in der heutigen Welt. Noch akzeptabler, weil weiter entwickelt, aber auch noch nicht voll adäquat, ist die grün-postmodern-pluralistische Struktur. Die Vorteile dieser Struktur liegen in einer multikulturellen Sensitivität, einer Offenheit für Innerlichkeit, einer Bewusstheit der Gefahren bei Marginalisierung und Unterdrückung – doch die angebotenen Lösungen sind alle Variationen eines  „akzeptiere meine Version von Wirklichkeit“.  Der große Nachteil beim postmodernen Pluralismus ist, dass wir es nach wie vor mit einem Bewusstsein des ersten Ranges zu tun haben, was bedeutet, dass Grün der Meinung ist, seine Wahrheiten und Werte sind die einzigen Werte und Wahrheiten die es anzunehmen lohnt. Ein wirkliches Problem mit dieser Ebene ist ein Missverstehen von radikaler Nichtbeschreibbarkeit oder unbegrenzte Leerheit, so dass die Formulierung von letztendlicher Wirklichkeit in Worten oft klingt wie ein Egalitarismus des postmodernen Standpunktes. GEIST oder Gottheit wird so zu einer weiteren Bestätigung einer ultimativen Wahrheit der pluralistischen Sichtweise. Dies ist eine Katastrophe. Letztendliche Wirklichkeit wird reduziert auf pluralistische Werte – egalitär, anti-hierarchisch, anti-bewertend, überall Unterdrückung sehend, eine Bevorzugung von Grundwert gegenüber intrinsischen Wert. Die pluralistische Sichtweise wird beispielsweise behaupten, dass letztendliche Leerheit anti-hierarchisch ist. Doch wie wir bereits von Nagarjuna wissen, ist letztendliche Leerheit weder hierarchisch noch anti-hierarchisch, weder beides noch keines von beiden. Die dualistische Hälfte eines Gegensatzpaares wird genommen um damit letztendliche Wirklichkeit zu identifizieren. Das Problem dabei wird überhaupt nicht gesehen und es wird auch nicht gesehen, wie diese Interpretation einen von der Gottheit, d. h. von letztendlicher nichtdualer Wirklichkeit fernhält. Die Mehrheit der Buddhisten und buddhistischen Lehrer im Westen sind grüne postmoderne Pluralisten, und daher wird der Buddhismus sehr stark von dieser Entwicklungsstufe aus interpretiert, mit den entsprechenden grünen Werten. Doch die größten buddhistischen Texte entstammen bereits dem zweiten Rang-Bewusstsein, petrol-holistisch oder noch höher, so die Lankavatara Sutra, Kalachakra Tantra, Dogen Zenji und so weiter. Dies macht Petrol als Entwicklungsstufe holistisch, oder integral-zweiter Rang allgemein. Es ist die unterste adäquate Entwicklungsstufe für eine Interpretation der buddhistischen letztendlichen Wirklichkeit und der Soheit. Wird Soheit jedoch in pluralistischen Begriffen ausgedrückt, müssen wir das als eine Fehlfunktion betrachten, oder jedenfalls als einen Fall einer stehengebliebenen Entwicklung, dem dringend Aufmerksamkeit gegeben werden sollte in jeder vierten Umdrehung eines Buddhismus.
Dies ist ein Beispiel für Probleme, die bei der Interpretation von Zuständen auftreten können – in diesem Fall dem Zustand von Soheit – durch eine zu niedrige Entwicklungsstruktur.


Probleme der Soheit
Wenn wir uns jetzt Strukturfehlfunktionen im Zustand selbst zuwenden, dann haben wir eine wichtige davon schon aus der Perspektive des leeren Zeugen heraus betrachtet, und zwar die eingebettete Fixierung des Zeugen im Zustand der Soheit – was zu einer Entstellung der Nichtdualität führt, welche dadurch mehr oder weniger buchstäblich in zwei Teile zerrissen wird. Aus der Unfähigkeit loszulassen und das bezeugende Selbst sterben zu lassen resultiert eine dualistische Begrifflichkeit, welche in die Soheit eindringt und diese dualistisch entstellt, wenn diese beispielsweise durch die Individualität des Zeugen gesehen wird.
Betrachten wir das Problem nun aus der Perspektive der Soheit. Soheit ist eine tiefgründige Reorganisation des Bewusstseins und praktisch aller Interpretationen der Welt. Eine radikal nichtduale Welt ist in der Tat radikal. Jede einzelne Gegensätzlichkeit ist zutiefst verwoben mit ihrem Gegenteil. Leerheit und Form, unbegrenzt und begrenzt, spirituell und materiell, erleuchtet und unwissend, erwacht und schlafend, zeitlos und zeitlich, Subjekt und Objekt, geschlossen und offen, eins und viele, innen und außen. Das Überwinden dieser Gegensätze überwindet praktisch jede Weltsicht. Doch das bedeutet nicht, dass diese Gegensätze nicht unterschieden werden können oder dass man ihnen gegenüber passiv bleibt. Doch das Bewusstsein selbst bevorzugt weder eines gegenüber dem anderen, noch identifiziert es sich ausschließlich mit einem der Gegensatzpaare. Die Gegensatzpaare werden als gegenseitig abhängig gesehen, sich gegenseitig mit-erschaffend und als voneinander abhängig. Es ist daher unmöglich ein freudiges Leben ohne Schmerz zu führen, ein glückliches Leben ohne Trauer, erleuchtet zu sein frei von Unwissenheit – so wie es auch unmöglich ist ein Leben nur mit links und ohne rechts zu führen, nur mit Aufs und ohne Abs, nur mit Innen und ohne Außen. Doch das ist das, was Bewusstsein und Gewahrsein und das Ich-Empfinden auf jeder Ebene unterhalb der nichtdualen Soheit zu erreichen versuchen. Das Ergebnis ist Leid in vielen Erscheinungsformen und Bezeichnungen.

Auf der Ebene des Zeugen sieht sich der Zeuge drei Hauptdualismen gegenüber:
Subjekt versus Objekt
Singular versus Plural
Absolutes versus Relatives


neben anderen speziellen Dualismen entsprechend der Entwicklung eines konkreten Zeugen. Diese können nur im Bereich nichtdualer Soheit überwinden werden. Bis es so weit ist, wird der Zeuge jeweils eine Hälfte der Gegensatzpaare auswählen und sich damit identifizieren – meistens sind dies Subjekt, Singular und Absolutes. Die Aufgabe der ausschließlichen Identität mit jedem davon ist ein Teil des Todes des wahren Selbst – dem beobachtenden Zeugen. Ein Versagen dabei führt zu einer Fixierung und einer Sucht und Abhängigkeit gegenüber der ausgewählten Hälfte. Wenn dies geschieht, dann wird diese Abhängigkeit zu der ausgewählten dualistischen Hälfte meist in verborgener und versteckter Form in den Bereich von Soheit weitergetragen. Und dann beginnt die Soheit die ausgewählte Hälfte zu bevorzugen und wird ihr gegenüber abhängig. Dies verbiegt den Rahmen der eigenen Nichtdualität, beschädigt das Gewebe letztendlicher Wirklichkeit, bricht die Nahtlosigkeit der Soheit und präsentiert das Nichtduale in verschiedenen subtil-zerbrochenen Fragmenten. Soheit selbst, als der Bereich von letztendlich erwachter Bewusstheit, präsentiert diese Bewusstheit daher in unreiner Form, auf eine subtile Weise infiziert mit dualistischen Verlangen und einer zersplitterten Bewusstheit.


Ein Beispiel für ein Zurückfallen in einen früheren Zustand
Man kann beispielsweise die fehlerhafte Einführung der subjekt-objekt Dualität gegenüber einem bereits erkannten nichtdualen Gewahrsein wie folgt erkennen – unter Verwendung des Beispiels der Kopflosigkeit: Die Lücke zwischen der Welt und der Person des Betrachters taucht plötzlich wieder auf, und das Universum, welches nahtlos auf deinen Schultern saß, zwischen deinen Augen, springt plötzlich aus dem Raum heraus, wo dein Kopf war, und erscheint als ein separater Bereich, jedoch nicht dort, wo sich dein Kopf befand, sondern dort draußen, als ein Objekt des Zeugen in deinem Kopf. Die Trennung zwischen Subjekt und Objekt zeigt sich als ein Wiedererscheinen deines Kopfes auf dieser Seite deines Gesichtes mit der Welt dort draußen, auf der anderen Seite – vorher waren sie ein und dasselbe Gefühl, mit einem Gefühl, dass sich alles auf dieser Seite deines Gesicht befindet, so dass Innen und Außen bedeutungslos werden. Dieses Wiederauftauchen einer Subjekt-Objekt Trennung ist eine fixierende Anhaftung nichtdualer Soheit an den individuellen Zeugen.
Was auch geschehen kann ist, dass es Soheit nicht nur nicht gelingt sich von Aspekten des vorangegangenen bezeugenden Bereiches zu differenzieren. Eine Differenzierung kann auch zu weit gehen und nicht nur ent-identifizieren, sondern zu einer Abspaltung und Trennung von bestimmten Aspekten dieses Bereiches führen, was zur Entwicklung von Abwehr und Allergien gegenüber diesen Aspekten führt. Dies hat den gleichen Effekt auf die nichtduale Natur der Soheit wie die vorher beschriebene Abhängigkeit – Nicht-Zweiheit wird in zwei Teile zerrissen. Dabei wird ein Teil der polaren Gegensätze in das unterdrückte auftauchende Unbewusste geschoben, bis hin zur Erschaffung einer verborgenen Subpersönlichkeit. Die Tatsache, dass sich dies sogar in diesem hohen Bereich ereignen kann, zeigt uns, dass psycho-spirituelle Pathologien definitiv von ganz nach unten bis ganz nach oben reichen, und dass Schattenthemen sich immer in der Nähe von Entwicklung und Evolution des Bewusstseins befinden, einfach deshalb, weil jede Entwicklung in jeder ihrer Unterphasen misslingen kann: Differenzierung – Ent-Identifizierung – Integration. Wo immer es einen weiteren Schritt, eine Stufe oder einen Zustand in der Evolution gibt, gibt es eine weitere Pathologie die darauf wartet in Erscheinung zu treten.

Teil 6 Energetische Fehlfunktionen

Wir haben bereits erwähnt, dass jede Störung im Bewusstsein (oben links, Zustände oder Strukturen) begleitet wird von einer entsprechenden Störung oben rechts, Masse/Energie bzw. den Körpern grobstofflich, subtil und kausal. Ganz allgemein gilt, dass jede Störung in jedem der Quadranten begleitet wird von einer entsprechenden Störung in den anderen Quadranten. Alle Fehlfunktionen hängen mehr oder weniger tetra-wechselseitig voneinander ab. Wenn wir uns auf die individuellen Quadranten konzentrieren, Bewusstsein oder Geist oben links und oben rechts Masse-Energie bzw. Körper, dann kann jeder der Quadranten die Quelle einer Fehlfunktion sein. Durch eine permanente Tetra-Interaktion wird diese Störung auf die anderen Quadranten übertragen, weil jeder Quadrant eine andere Perspektive auf das gleiche Ereignis darstellt. Jeder der Hauptdrehpunkte struktureller Entwicklung – Nahrung, Sexualität, Macht, Liebe, Selbstwert, Selbstverwirklichung bzw. Selbsttranszendenz – und jeder der Wechselpunkte in den Hauptzuständen – grobstofflich, subtil, kausal, bezeugen, nichtdual – sie alle haben sowohl eine Bewusstseins-Geist als auch eine Masse-Energie-Körper-Komponente. Auf der Seite von Masse-Energie haben alle Fehlfunktionen des grobstofflichen Bereiches (Strukturen und Zustände) Entsprechungen im Gehirn (oben rechts), welche das Grobstoffliche sowohl als die unterste Ebene als auch die äußere Ebene aller anderen Zustände und Strukturen repräsentieren. Doch Fehlfunktionen in der Energiekomponente betreffen meist auch subtilere, kausale und bezeugende und nichtduale Energien – die wir allgemein auch als „subtile Energien“ bezeichnen. Entsprechend dem Bewusstseinsspektrum von Zuständen und Strukturen existiert ein Spektrum von Energie von immer subtileren Dimensionen bzw. Körpern.
Wir haben uns auf das Bewusstseinsspektrum und seine Fehlfunktionen konzentriert. Jetzt möchte ich noch etwas zum Energiespektrum sagen. Eine große Bedeutung haben dabei die Vorstellung von Involution und Evolution bzw. Eflux und Reflux, wie Plotin dies bezeichnet hat. Die meisten der großen Traditionen gehen davon aus, dass die meisten Pathologien auf einer bestimmten Ebene ihren Ursprung in Pathologien höherer Ebenen haben. Durch eine abwärts gerichtete involutionäre Verursachung werden diese Störungen – Ebene für Ebene –nach unten weitergereicht bis zu einer bestimmten Ebene, welche dann zum Manifestationspunkt dieser Krankheit wird. Eine Krankheit der Seele beispielsweise kann abwärts gerichtet zu einer Geistes-Krankheit werden, diese kann wiederum zu einer emotionalen Erkrankung führen, welche, wiederum abwärts gerichtet, zu einer letztendlichen Manifestation als physische Krankheit führt – Krebs, Herzkrankheiten, Arthritis und so weiter. Strukturen, die sich noch nicht manifestiert haben, haben im Allgemeinen keinen spezifischen Einfluss, doch bei Zuständen ist das anders. Es sind vor allem die Zustandsfehlfunktionen, die einen Einfluss auf die energetische Komponente von Fehlfunktionen haben. Nehmen wir an, dass sich ein Mensch mit seinem Bewusstseinsschwerpunkt auf der roten Entwicklungsstufe befindet, was – als einem Beispiel – der moralischen Stufe 2 entspricht. Dieser Mensch kann  kein Problem mit der moralischen Stufe 5 haben, weil diese lediglich als eine potentielle Form im auftauchenden Unbewussten existiert. Doch der gleiche Mensch, auch wenn er sich, was seinen Zustandsbewusstseinsschwerpunkt betrifft, im Grobstofflichen befindet, ist wach, träumt und befindet sich auch im traumlosen Tiefschlaf. Auch wenn die Person sich aller dieser Zustände nicht unmittelbar bewusst ist, existieren diese doch und sind manifest. Sie können Krankheiten mit sich bringen, die einen Einfluss auf alle anderen Quadranten haben. Wenn diese Zustände durch eine entsprechende Entwicklung durch die Zustandsstufen bewusst wahrgenommen werden, kann jede Störung in jedem der Wechselpunkte zu einer energetischen Fehlfunktion werden, die nicht nur den Zustand beeinträchtigt, in dem die Fehlfunktion auftritt, sondern es können, durch eine abwärts gerichtete involutionäre Verursachung, diese Störungen an alle niedrigeren Zustände und Strukturen weitergereicht werden. Energetische Störungen im höheren kausalen Selbst können abwärts auf die subtile Seele übertragen werden oder, wenn es zu einer wirksamen Transzendenz gekommen ist und es hier kein getrenntes Selbst-Erleben gibt, zu der entsprechenden Grundstruktur, dem Metamind bzw. der violetten Entwicklungsstufe. Energetische Störungen der subtilen Seele können abwärts gerichtet weitergegeben werden an das mentale Ich, und wenn es hier zu einer wirksamen Transzendenz gekommen ist und es kein getrenntes Selbst-Erleben mehr gibt, zu der entsprechenden grobstofflichen oder grobstofflich-reflektierenden Struktur, vielleicht dem rationalen Denken der orangen Entwicklungsstufe. Ähnlich verhält es sich auch, wenn höhere Strukturen, vor allem Strukturen des dritten Bewusstseinsranges, ins Bewusstsein treten. Jede Deformation ihrer Drehpunkte hat nicht nur Fehlfunktionen des Bewusstseins zur Folge, sondern auch entsprechende energetische Fehlfunktionen. Und diese können, als eine abwärts gerichtete involutionäre Verursachung, auf untere Strukturstufen übertragen werden. Dies kann bei Meditation und höheren Entwicklungspraktiken häufig auftreten.
Die Traditionen gehen mit diesen Krankheiten um, indem sie diese an der Ursache bekämpfen, speziell den höheren Zuständen – höhere Strukturen werden dabei jedoch kaum verstanden. Kausal-archetypische Verzerrungen können nach unten gerichtet zu Verzerrungen des subtilen Bereiches führen, welche wiederum zu Verzerrungen des grobstofflich-reflektierenden Bereiches führen können, mental oder emotional, welche dann weiter nach unten gerichtet zu konkreten physischen Verzerrungen und körperlichen Erkrankungen führen können. Psychiater behandeln geistig-mentale oder emotionale Probleme, die als physische und psychosomatische Störungen auftreten, mit einem Einfluss auf praktisch alle Organe und Organsysteme des Körpers. Sie kümmern sich medizinisch um eine bestimmte physische Erkrankung und erleben dann, dass diese Erkrankung in anderer Form als eine andere physische Erkrankung wieder in Erscheinung tritt. Dies kann immer weiter gehen, bis das ursprüngliche mentale oder emotionale Problem direkt behandelt wird, was den psychosomatischen Kreislauf unterbricht. Doch der typische Psychiater ist sich der höheren trans-mentalen Zustands- und Strukturprobleme nicht bewusst, die verursachend sein können für die mentalen oder emotionalen Probleme. Diese können nur auf der Basis umfassenderer und aussagefähigerer Landkarten des Geistes, des Körpers und des Bewusstseins behandelt werden – Landkarten, die höhere Zustände und Strukturen beschreiben, wie auch das Spektrum subtiler Energien die in jedem Menschen wirksam sind. Die Traditionen stimmen überein, dass es sich bei diesen höheren Dimensionen nicht bloß um irgendwelche Theorien handelt, die man aufgreifen kann oder auch nicht, sondern dass es sich dabei um konkrete, unmittelbare und lebendige Wirklichkeiten handelt, die im Körper-Geist (bodymind) eines jeden atmenden Individuums wirksam sind. Jede umfassende und adäquate Schattenarbeit berücksichtigt diese höheren Dimensionen in ihren aufwärts und abwärts gerichteten Bewegungen. Dies führt zu einer wirklich umfassenden Spiritualität, welche auch die Schattenaspekte berücksichtigt. Es gibt in den Traditionen, die sich mit Energien beschäftigen, eine verbreitete Aussage, welche die andauernden involutionären und evolutionären Bewegungen wiedergibt, und den abwärts gerichteten verursachenden Einfluss der höheren auf die niedrigeren Dimensionen ausdrückt: „Wenn du wissen möchtest was - und wie – du gestern gedacht hast, dann betrachte deinen Körper heute. Wenn du wissen möchtest in welcher Verfassung dein Körper morgen ist, dann schaue dir deine heutigen Gedanken an.“


Gesunde und ungesunde Antriebe
Wir haben schon darauf hingewiesen, dass jeder Zustand und jede Struktur vertikal betrachtet in zwei Richtungen orientiert ist. In der Orientierung nach unten sind dies die vorangegangene und alle früheren Stufen. In der Orientierung nach oben sind dies die nächsthöhere Stufe und alle höheren Stufen. Die erstere Orientierung ist angetrieben von Agape, die Umarmung des Junior durch den Senior. Die letztere Orientierung ist angetrieben von Eros, als der Antrieb zu höheren Ganzheiten und Stufen. Agape ist ein Holon welches seine eigenen Subholons umarmt. Eros ist ein Holon, welches danach trachtet ein Subholon zu werden, innerhalb eines Überholons. Wir haben auch gesehen, dass jeder dieser Antriebe eine Fehlfunktion haben kann. Wenn dies bei Agape der Fall ist, dann führt das nicht zu einer Umarmung seiner Subholons, sondern zu einer Fixierung und Abhängigkeit von ihnen bis hin zu einer Regression zu ihnen. Der Endpunkt dieser Entwicklung ist eine Regression zum leblosen materiellen Bereich, was, als ein Todestrieb, „Thanatos“ genannt wird. Wenn Eros fehlgeleitet ist, dann strebt er nicht nur nach Höherem, sondern verneint, fürchtet, unterdrückt und entfremdet sich von seinem gegenwärtigen und zukünftigen Subholon. Dieser Antrieb wird „Phobos“ – für Angst – genannt, wodurch eine Allergie und ein Vermeiden gegenüber dem entsteht, was gefürchtet wird. Allgemein gesprochen sind alle Fixierungen, Süchte und Abhängigkeiten letztendlich todesgetrieben und alles Vermeiden und alle Allergien sind angstgetrieben.
Natürlich existieren zusätzlich zu den zwei vertikalen Antrieben – Eros und Agape – auch zwei horizontale Antriebe, und das sind Agenz und Kommunion. Auch sie können in gesunder und ungesunder Weise in Erscheinung treten. Agenz in seiner gesunden Form ist eine funktionale Autonomie, ein gesunder Antrieb im Dienst von Ganzheit und Ganzsein auf welcher Ebene auch immer. Dabei geht es um Autonomie, Gerechtigkeit, Rechte und Unabhängigkeit. Wenn Agenz zu einer Fehlfunktion wird und Autonomie übertrieben wird, dann entstehen Entfremdung und ungesunde Trennung, Unterdrückung, eine Unfähigkeit sich einzulassen und manchmal sogar zu kommunizieren. Autonomie und auch entfremdete Autonomie sind tendenziell maskulin orientiert – entsprechend Carol Gilligan. Daraus entsteht der Standardvorwurf des Weiblichen gegenüber dem Männlichen: „Er hat Angst davor sich verbindlich einzulassen“. Kommunion in ihrer gesunden Form ist funktionale Beziehung, als der Antrieb ein gesundes Teil eines größeren Ganzen zu sein – als ein Antrieb zum Teil-sein. Damit einher geht ein Antrieb zur Fürsorge, zu Beziehung, Verantwortung und liebender Güte. Wenn Kommunion zu einer Fehlfunktion wird, dann wird aus gesunder Beziehung eine morbide Beziehung. Beziehung wird als höher angesehen als jede Individualität und Autonomie. Grenzen verschwinden und es entsteht Verschmelzung anstatt  Beziehung. Kommunion und Verschmelzung sind tendenziell feminin orientiert – entsprechend Carol Gilligan. Daraus entsteht der Standardvorwurf des Männlichen gegenüber dem Weiblichen: „Sie ist zu bedürftig und definiert sich über Beziehungen“. Jede spezifische Pathologie oder Fehlfunktion in Zuständen oder Strukturen ist eine Mischung dieser vier Antriebe in ihren gesunden und ungesunden Formen. Im Hinblick auf die Fehlfunktionen, über die wir sprechen, möchte an dieser Stelle keine tiefere Analyse darüber anstellen, doch Interessierte können selbst die entsprechenden Bezüge herstellen und die Auswirkungen dieser Antriebe zu dem Gesagten in Beziehung setzen.


Teil 7 Zur Bedeutung von Übertragungen

Hier noch einige Anmerkungen zu therapeutischen Interaktionen auf diesen Ebenen – sowohl Strukturen als auch Zustände betreffend, mit einer Betonung unseres Themas hier, der Zustandsfehlfunktionen. Freud stellte schon früh fest, dass seine Klienten eine „Übertragungsneurose“ ihm gegenüber entwickelten. Dabei wurde ihre ursprüngliche Neurose, welche sie in die Therapie brachte, ersetzt durch eine Neurose, welche unmittelbar auf den Therapeuten gerichtet ist. Anstatt dass die Klientin beispielsweise ihren Vater hasst, beginnt sie nun den Therapeuten zu hassen, oder sie entwickelt umgekehrt eine Schwärmerei für ihn. Für Freud war dies etwas Positives. Auch wenn der unmittelbare Grund für die ursprüngliche Neurose in einer therapeutischen Situation nicht direkt erkannt oder gefühlt werden kann – oft liegt das Ereignis viele Jahre zurück und ist einer direkten Intervention schon lange nicht mehr zugänglich –, so ereignete sich die Übertragungsneurose im Unterschied dazu hier und jetzt in der therapeutischen Situation. Darüber hinaus ist das Objekt dieser Übertragung, der Therapeut oder die Therapeutin, selbst anwesend und in der Lage mit der Neurose zu arbeiten, sie mit dem Klienten zu deuten und so auf eine Lösung der gegenwärtigen Übertragungsneurose hinzuarbeiten, was für den Klienten Lebensnormalität zurückbringt. Gerade weil die ursprüngliche Neurose durch eine Übertragungsneurose ersetzt wurde und die Übertragungsneurose oft behandelt werden kann, besteht eine reale Chance, dass die ursprüngliche Neurose des Klienten gelindert werden kann.
In praktisch jedem höheren transpersonalen Zustand (und auch in Bewusstseinsstrukturen,  wenngleich wir uns hier auf höhere Zustände konzentrieren) entsteht überall ein ähnlicher Prozess zwischen einem spirituellen Schüler und seinem Lehrer bzw. seiner Lehrern, und zwar die Bildung einer Übertragungsneurose. Dabei kommt zu dem üblichen Schattenmaterial noch transpersonales bzw. spirituelles Schattenmaterial hinzu. Die ursprüngliche spirituelle Neurose, wenn wir sie einmal so nennen wollen, kann zusammengefasst werden mit den Worten, „der Schüler ist gefangen in einer irrtümlichen Identität“. Er oder sie setzt eine der vielen Versionen seines oder ihres unbegrenzten, höheren oder wahren Selbst gleich mit seinem niedrigeren, endlichen begrenzten, teilhaften mentalen egoischen Selbst. Dies führt zu einem existentiellen Dukkha oder Leiden, Folter, Terror und Tränen. Nehmen wir an, der Lehrer ist zu einem gewissen Grad zu seinem oder ihrem höheren oder wahren Selbst erwacht – auch wenn die Übertragung, wie alle Projektionen, sich unabhängig davon ereignen kann, ob der „Haken“, an dem die Projektionen aufgehängt werden, die Eigenschaften zeigt, die es für die Projektion braucht. Dennoch ist die Projektion umso wahrscheinlicher je mehr sich die entsprechenden Merkmale zeigen, um die es bei der speziellen Person geht. Die Schüler werden die Intuition ihres eigenen höheren oder wahren Selbst auf die Lehrer übertragen, so dass die Lehrer einen Überfluss an erleuchteter Bewusstheit zu haben scheinen – höheres oder wahres Selbst, reine spirituelle Leerheit oder unbegrenzter GEIST an sich. Die Schüler hingegen, denen das Projizierte nun fehlt, sehen sich selbst als jemanden, der wenig bis gar nichts davon hat.
Das Ziel eines guten Lehrers ist es, diese Übertragung zu erkennen und zu „analysieren“, in dem die Schüler immer wieder darauf hingewiesen werden, dass sie selbst dieses erleuchtete Gewahrsein im Überfluss haben, vom dem sie glauben, dass es nur der Lehrer hat. Das Ziel des spirituellen Prozesses liegt im Erkennen des eigenen höheren Selbst in einem selbst – und nicht darin dies im Lehrer zu sehen. Das Ziel des Lehrers muss es sein, falls überhaupt, bei diesem Erkennen Unterstützung zu leisten und die Schüler an ihren ureigensten und immer gegenwärtigen unbegrenzten GEIST zu erinnern. Das Ziel der gemeinsamen Arbeit besteht nicht darin dies nur im Lehrer zu sehen, sondern in einem gemeinsamen Geist mit dem Lehrer zu erkennen, dass beide auf eine vollkommene Weise das eine und einzige wahre SELBST und den wahren GEIST im gesamten Kosmos verkörpern. „Lasse dieses Bewusstsein in dir sein, welches in Jesus Christus war, auf das wir alle eins werden.“  
Die übliche spirituelle Neurose, als ein Fall von fälschlicher Identität mit dem mentalen Ich anstelle des höheren Selbst, wird durch eine spirituelle Übertragung gegenüber dem Lehrer ersetzt, welcher nun allen GEIST und das wahre Selbst besitzt, während ich, der Schüler oder die Schülerin, nichts davon habe. Ein sich dessen bewusster Lehrer der mit solchen Projektionen umgehen kann, hilft dem Studenten bei der Analyse dieser spirituellen Übertragung. Er oder sie weist darauf hin, dass nicht nur der Lehrer ein höheres und wahres Selbst hat, auch der Schüler ist ein vollkommener Ausdruck dieses GEISTES. Ist diese Analyse erfolgreich, wird die spirituelle Übertragungsneurose, welche an die Stelle der normalen spirituellen Neurose getreten ist, geheilt. Die spirituelle Übertragung wird aufgelöst, und das führt den Schüler zu einer unmittelbaren Verwirklichung seines oder ihres wahren Zustands – als eine höchste Identität mit dem einen und einzigen unbegrenzten GEIST und wahren Selbst.
Zusammengefasst existiert ein Spektrum von Selbsten und Selbsterleben, vom Niedrigsten zum Letztendlichen. Jedes davon ist gekennzeichnet durch die Möglichkeit unterschiedlicher Formen von Erkrankungen und Fehlfunktionen. Eine davon ist die Projektion einer Intuition eines gesunden Selbsterlebens einer Ebene auf andere, speziell auf Lehrer, Therapeuten, Meister oder spirituelle Führer. Dadurch wird die typische Neurose einer bestimmten Ebene zu einer Übertragungsneurose mit dem Lehrer dieser Ebene. Diese Neurose bekommt eine spirituelle Dimension wenn höhere Zustände und Strukturen dabei eine Rolle spielen. Der kompetente Lehrer erkennt diese Übertragungsneurose und kann durch die Arbeit daran diese verringern oder sogar heilen. Das bringt den Schüler zu einem gesunden Selbst dieser Ebene. Letztendlich, wenn es um die höheren und höchsten Ebenen geht, führt dies zu tiefgreifender Erleuchtung und Erwachen des Schülers zu seiner oder ihrer tiefsten, wahren, höchsten und letztendlichem Selbst bzw. Soheit.


Zusammenfassung: Schatten
Alle diskutierten Pathologen und Fehlfunktionen stehen einer Behandlung durch einen 3-2-1 Prozess offen, zumindest als einen Beginn einer Schattenarbeit, dem dann erweiterte und andere Methoden folgen können. Haben Menschen erst einmal ein Gefühl für den 3-2-1 Prozess bekommen, dann können sie diesen leicht in jede verwendete Meditationspraxis einbauen. Meditation ganz allgemein ist eine Achtsamkeitspraxis unter Einsatzes eines bezeugenden und nicht-beurteilenden spiegelnden Gewahrseins im Hinblick auf den Bewusstseinsstrom. Wenn besonders anziehende oder abstoßende Bilder auftauchen, dann ist das Durchlaufen einer schnellen 3-2-1 Abfolge mit diesen Bildern oft schon ausreichend, um diese zu klären. Man fühlt dann den offenen und entspannten Geist, dessen Kontraktionen sich im Angesicht von abgetrenntem Schattenmaterial lockern. Diese Arbeit in Verbindung mit einer Achtsamkeitspraxis hilft Ärger, Angst, Verurteilung und Reaktivität gegenüber verschiedenen mentalen Bildern zu reduzieren. Dies wiederum stärkt die Fähigkeit zu Gleichmut und Achtsamkeit. Doch welche Schattenarbeit auch immer gewählt wird, wir sollten dabei die Aussagen von vielen Lehrern ernst nehmen, die sagen: Meditation alleine, oder spirituelle Arbeit generell reicht nicht aus, um mit Schattenmaterial umzugehen. Schattenthemen zu haben bedeutet nicht, dass man eine Praxis nicht richtig ausübt oder nicht spirituell genug ist. Es bedeutet lediglich, dass man Probleme im Zusammenhang mit Entwicklungsdrehpunkten oder Wechselpunkten hat, die sehr wahrscheinlich im Entwicklungsverlauf entstanden sind, einschließlich der eigenen aktuellen meditativen Entwicklung. Schattenarbeit ist definitiv etwas, das es in jeder Form einer integralen Spiritualität zu berücksichtigen gilt.


Aus: Online Journal 48