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16.7.2018 : 14:40 : +0200

Die Bedeutung einer „zweiten Person“

Eine Antwort auf „Integral 2.0“ und „Es gibt kein ‚Du‘ in AQAL“

Ken Wilber 

 

(aus: integrallife.com, Response to “Integral 2.0” and “There is No ‘You’ in AQAL”, The Meaning of "2nd-person)
 

Es gibt seit geraumer Zeit ein beträchtliches Missverständnis darüber, wie der integrale AQAL-Rahmen eine zweite Person (z. B. ein „Du“) sieht. Ich habe dazu beigetragen, weil, auch wenn ich dies erläutert habe, es doch etwas Technisches ist, bei dem ich selbst gelegentlich auch eine einfachere und einführende Sprache verwendet habe, welche technisch nicht ganz korrekt ist, um diesen Sachverhalt zu beschreiben. Doch in diesem Jahr gab es eine weitere Präsentation darüber auf der Integral Theory Conference mit diesem in meinen Augen schlimmen Missverständnis (zusammen mit weiteren gravierenden Ungenauigkeiten), sodass ich denke, dass es Zeit ist, dieses Thema nun ausführlich anzusprechen.
 
Die Verwirrung besteht darüber, was genau „zweite Person“ bedeutet. Es gibt zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen, welche permanent durcheinandergebracht werden. Es gibt auch eine große Konfusion darüber, was geschehen muss, damit aus einem „Du“ konkret ein wirkliches „Du“ entsteht. AQAL ermöglicht eine vollständige Differenzierung dieser unterschiedlichen Bedeutungen, doch es ist genau das Fehlen dieser Differenzierungen, welches zu diesen Missverständnissen führt (Missverständnisse, die praktisch alle AQAL-Kritiker in diesem Bereich ständig wiederholen).
Beginnen wir mit der ersten Bedeutung der Pronomen für „erste“, „zweite“ und „dritte“ Person. Eine gelegentliche Kritik von AQAL ist, dass in der Betonung der „Wir“-Perspektive (erste Person Plural, der untere linke Quadranten) die zweite Person der “Du“ Perspektive ausgelassen wird. Dies ist definitiv nicht wahr, doch das wird nur sehr selten erkannt.
Zuerst zur ersten Bedeutung dieser Pronomen („1te“-, „2te“-  und „3te“-Person-Perspektiven). Diese haben eine technisch korrekte Bedeutung, welche ist: erste Person ist die Person, die spricht, (subjektiv: „ich“; objektiv: „mir“; possesiv: „mein“; plural: „wir“,”uns“; plural possesiv: „unser“); zweite Person ist die Person, zu der gesprochen wird (singular: „du“; plural „ihr“; plural possesiv: „euer“; ) und dritte Person ist die Person oder die Sache, über die gesprochen wird (singular subjektiv: „er“, „sie“, „es“; singular objektiv: „ihm“, „ihr“, „es“; plural subjektiv: „sie“; plural objektiv: „diese“; singular possessiv: „seines“, „ihres“; plural possessiv; „ihre”).
Eine Kurzversion davon ist, wie wir sehen werden, einfach nur „ich“, „wir/du“, „es“ und „ihr“.
Die wichtige und praktisch immer übersehene Tatsache hinsichtlich der Definitionen dieser Pronomen ist, dass sie überhaupt nichts über eine innere Entwicklung aussagen. Und innere Entwicklung wird oft mit denselben Pronomen beschrieben, hat dann jedoch eine ganz andere Bedeutung.
Loevinger, Cook-Greuter (und auch ich) beispielsweise beschreiben Ebenen von Entwicklung in Begriffen ihrer Fähigkeit, zunehmend komplexere Perspektiven einnehmen zu können. So kann die rote1 Entwicklungshöhe eine 1te-Person-Perspektive einnehmen; Bernstein kann eine 2te-Person-Perspektive einnehmen; Orange kann eine 3te-Person-Perspektive einnehmen; Grün kann eine 4te-Person-Perspektive einnehmen; Petrol kann eine 5te-Person-Perspektive einnehmen; Türkis kann eine 6te-Person-Perspektive einnehmen, und so weiter.
Hierbei haben „1te Person“, „2te Person“, „3te Person“ ganz unterschiedliche Bedeutungen gegenüber der ersten Definition (und bei dieser Definition gibt es keinerlei Entsprechungen gegenüber der ersten Definition für „4te“, „5te“, „6te“ usw.).
In dieser Verwendung bedeutet dritte Person beispielsweise nicht die Person, über die gesprochen wird, sondern die Fähigkeit einen Standpunkt gegenüber einem Standpunkt einer Person über eine andere Person einnehmen zu können – die Standpunkte dreier Personen können gleichzeitig im Bewusstsein gehalten werden. Die erste Definition von „dritte Person“ bedeutet einfach die Person, über die gesprochen wird, und diese Person kann sich ihrerseits auf der Entwicklungsstufe einer 1ten-Person-Perspektive, einer 2ten-Person-Perspektive, einer 3ten-Person-Perspektive, einer 4ten-Person-Perspektive, einer 5ten-Person-Perspektive, einer 6ten-Person-Perspektive usw. befinden.
Sprechen Leute lediglich beispielsweise von einer 3te-Person-Methodologie, dann übersehen sie vollständig die konkrete Entwicklungsstufe dieser dritten Person  – meinen wir eine Methodologie von jemanden auf der roten Entwicklungsstufe, der nicht in der Lage ist, sich in andere hinein zu versetzen [und tatsächlich nur die Perspektive einer ersten Person einnehmen kann, und die daraus resultierende 3te-Person-Methodologie entsprechender Weise auch nur die Sicht einer ersten Person haben kann]? Das kann ja wohl nicht sein, doch all dies wird übersehen, wenn man nicht die Wirklichkeit beider Definitionen anerkennt – was AQAL vollständig tut.
Die erste Definition ist sozusagen „topographischer“ Art  – sie beschreibt einfach eine  „Verortung“ von sprechenden Menschen. Seien dies Menschen, die sprechen, Menschen zu denen gesprochen wird oder Menschen (oder Dinge), über die gesprochen wird. Das sagt nichts über das Innere dieser Menschen oder über ihre Entwicklungsstufe aus. Wenn jemand einfach sagt, „wir verwenden eine 2te-Person-Methodologie“, dann können wir generell davon ausgehen, dass damit gemeint ist, dass Menschen von einer höheren oder höchsten Ebene innerer Entwicklung heraus eine Methodologie verwenden (und sie erhalten ganz sicher keine guten Resultate, wenn sich ihre „zweiten Personen“ alle lediglich auf der „2te-Person“ Entwicklungsstufe, Bernstein, befinden würden), nein, wir meinen eine 2te-Person-Methodologie, bei der die Menschen auf der fünften oder sechsten oder einer noch höheren Entwicklungsstufe sind. Doch dies alles geht verloren, wenn wir nicht diese beiden Definitionen auseinanderhalten.
Darüber hinaus sind viele Menschen, die Begriffe wie „1te-, 2te-, 3te-Person-Methodologien“ verwenden, sich nicht der Studien zum Thema Entwicklung bewusst und erkennen daher nicht, dass jede dieser Methodologien von Menschen auf der dritten, vierten, fünften, sechsten, siebenten usw. Entwicklungsstufe verwendet werden kann – mit jeweils drastisch unterschiedlichen Ergebnissen. AQAL berücksichtigt dies voll, in dem es auf die Entwicklungshöhe der Individuen, die verschiedene Methodologien verwenden, Bezug nimmt – z. B. „ich verwende eine 3te-Person-Methodologie von einer 6ten-Person-Entwicklungsstufe“ (womit beide Bedeutungen abgedeckt werden). In solchen Fällen berücksichtigt AQAL sehr viel mehr wesentliche Themen als die Kritiker von AQAL.
Entsprechend sagt die zweite Definition nichts aus über die „Verortung“ einer 1ten-, 2ten-, 3ten-, 4ten-, 5ten- usw. Person-Perspektive im Hinblick darauf, ob die Person selbst spricht, ob zu ihr gesprochen wird oder ob über sie gesprochen wird. Und es ist diese andauernde Verwechslung der zwei Bedeutungen, die zu vielen Problemen führt. AQAL deckt – noch einmal – beide ab.

Wenn man nun in der AQAL-Metatheorie eine konkrete, existierende zweite Person im Sinne einer Person, zu der gesprochen wird, darstellen möchte, wie kann man das innerhalb des integralen AQAL-Rahmens machen? Ist das der untere linke Quadrant? Nein, nicht genau. Der untere linke Quadrant stellt dar, wie ein einzelnes empfindendes Wesen (um dessen AQAL-Rahmen es geht) im allgemeinen mit anderen empfindenden Wesen interagiert – doch es gibt (in diesem speziellen AQAL-Rahmen) kein anderes getrenntes, konkretes empfindendes Wesen, welches unmittelbar in einen der Quadranten eintritt. Was es gibt, ist, wie ein empfindendes Wesen mit anderen Wesen interagiert, diese in sich repräsentiert und interpretiert (d.h., wie die erste Person dieses speziellen Rahmens mit zweiten Personen und dritten Personen in ihrer Umgebung interagiert, wie sie in Familien und Stämmen und Nationen und der globalen Menschheit interagiert, sowie auch mit dritten Personen als “Dingen“, wie technologisch ökonomischen Gegebenheiten, verschiedenen Artefakten usw.).

Möchte man eine konkrete zweite Person im AQAL-Rahmen darstellen, dann ist das sehr einfach: neben dem AQAL-Rahmen, welcher die erste Person darstellt, zeichnet man einen zweiten AQAL-Rahmen, und dieser Rahmen stellt die konkrete zweite Person für sich dar, (mit ihren vier Quadranten, ihren eigenen verschiedenen Ebenen, Linien, Zuständen usw.). Der zweite AQAL-Rahmen zeigt, wie diese zweite Person mit anderen Gruppen und Arten von empfindenden Wesen interagiert, sie interpretiert und diese für sich darstellt – d.h. wie diese zweite Person die Welt sieht und mit hervorbringt, so wie der erste AQAL-Rahmen darstellt, wie die erste Person die Welt sieht und mit hervorbringt.
Und wenn diese zwei empfindenden Wesen interagieren und in eine wechselseitige Resonanz treten – wenn sie konkret ein „Wir“ bilden – , dann tritt dieses „Wir“, so wie es die erste Person sieht, in den unteren linken Quadranten des Bezugsrahmens dieser erste Person ein; und, entsprechend wie die zweite Person dieses Wir sieht, tritt dieses „Wir“ in den unteren linken Quadranten des Bezugsrahmens der zweiten Person. Beide „Du“ sind mit aufgenommen, jedoch als konkrete Partner in einer konkreten Kommunikation oder Resonanz (eines „Wir“).
Das ist der entscheidende Punkt – und an dieser Stelle müssen wir aufpassen: wie erscheint der zweite AQAL-Rahmen innerhalb des ersten AQAL-Rahmens? Mit anderen Worten und in Bezug zur ersten Person: wie erscheint darin die zweite Person? An dieser Stelle entsteht oft Verwirrung, weil es mindestens diese zwei unterschiedlichen Definitionen einer „zweiten  Person“ gibt – plus den Zusatzfaktor hinsichtlich dessen, was sich ereignen muss, damit aus einem „Du“ ein reales „Du“ wird (in der ersten Bedeutung).
AQAL behandelt alle drei Aspekte. Durch das Aufmalen eines zweiten Quadrantenrahmens arbeiten wir spezifisch mit der „topographischen“ Definition, d.h. dieser zweite AQAL-Rahmen repräsentiert eine konkrete Person, zu der die erste Person (mit ihrem AQAL-Rahmen) spricht (und natürlich, wenn eine Unterhaltung beginnt, dann wechselt jeweils die erste Person zur zweiten Person und umgekehrt). Und darum geht es: damit eine von beiden Personen eine reale zweite Person gegenüber der anderen Person ist – also „die Person, zu der gesprochen wird“, muss es irgendeine Art eines konkreten Austauschens und Verstehens zwischen beiden geben (dabei kann es sich auch um Körpersprache oder andere Zeichen handeln).
Gibt es jedoch keinerlei konkrete Kommunikation zwischen beiden, dann sind sie füreinander tatsächlich nur dritte Personen. Wenn ich zu einem Felsen spreche, dann bin ich vielleicht eine erste Person, doch der Felsen ist definitiv keine zweite Person für mich. So lautet nicht die Definition, die klar aussagt, dass diese zwei Wesen in einer gegenseitigen Kommunikation sein müssen und dass zu jeder Zeit die Person, die spricht, als erste Person bezeichnet wird und die Person, zu der gesprochen wird, als zweite Person. Ein Felsen ist eine dritte Person, was immer auch geschieht, da keine gegenseitige Kommunikation oder Resonanz existiert (außer auf der Ebene von Quarks, Atomen und Molekülen, auf diesen Ebenen gibt es gegenseitige Resonanz, gegenseitige Wahrnehmung, und auf diesen Ebenen kann man jeweils von einer ersten und einer zweiten Person sprechen). Oder, wenn es um zwei Menschen geht, einer davon jedoch im Koma liegt, dann gibt es keine konkrete Person, zu der gesprochen wird; es kann nur über die Person, die im Koma liegt, gesprochen werden - d.h. sie ist eine dritte Person, so wie der Felsen.
Der entscheidende Punkt dabei ist, dass für die Existenz eines konkreten „Du“ oder einer „zweiten Person“ ein gegenseitiger Austausch, eine Kommunikation vorhanden sein müssen. Es muss, mit anderen Worten, ein „Wir“ geben, es muss eine erste Person Plural geben. Und wenn dies geschieht, dann erscheint jedes der zwei kommunizierenden Subjekte im linken unteren Quadranten des jeweils anderen Subjektes. Sie erscheinen als Partner in einem „Wir“, das sich gebildet hat, und sie sind daher „Bestandteile“ in ihren jeweiligen unteren linken Quadranten, welcher natürlich technisch als der Wir-Quadrant bezeichnet wird (als die technische Definition des untere linke Quadranten).
Die Quadranten sind NICHT definiert als erste, zweite, dritte Personen, nicht direkt. Direkt sind sie das subjektive (innerlich) und objektive (äußerlich) des Individuellen und des Kollektiven, so dass der untere linke Quadrant das Innerliche des Kollektiven ist. Es ist ein „Wir“. (Oder eine Reihe von „Wirs“. Diese „Wirs“ haben, als Bestandteile, „Ichs“ und „Dus“, und – als dasjenige, über das gesprochen wird, eine Reihe von „seins“ und „ihrs“ und „es“ usw., gesehen und interpretiert durch empfindende Wesen in deren AQAL-Rahmen.)
Der untere linke Quadrant ist NICHT technisch oder grundsätzlich einfach ein „Du“-Quadrant, weil „Du“ in diesem Fall einfach nur die Person meint, zu der gesprochen wird. Nur für den Fall, dass es einen konkreten Austausch und ein Verstehen gibt, tritt dieses „Du“ ein in das Bewusstsein und Sein der ersten Person, welche ihrerseits dieses „Du“ als Teil ihres „Wirs“ interpretiert, und dieses „Wir“ wird ein konkreter Teil des Seins dieser ersten Person. Dieses „Wir“ wird unauslöschlich und intrinsisch ein realer Teil ihrer unteren linken Quadranten.
Gibt es jedoch keinerlei Verstehen gegenüber diesem „Du“. Nehmen wir an, die Person liegt im Koma, dann ist dieses „Du“ KEINE zweite Person, die verstanden wird oder die auf irgendeine Weise in den unteren linken Quadranten der ersten Person „eintritt“. Dieses „Du“ ist gegenüber allen Absichten eine dritte Person (es kann nur über sie gesprochen werden, aber nicht zu ihr), und daher ist diese Person zu dieser Zeit lediglich etwas, das in die rechtsseitigen Quadranten der ersten Person eintritt – sie tritt ein als ein oben-rechts-Quadrivium oder Objekt, oder als eine artefaktische dritte-Person-Einheit im unteren rechten Quadranten. Doch dieses „Du“ tritt nicht in die linksseitigen Quadranten der ersten Person auf eine substantielle oder gegenseitige Weise ein und nicht in den unteren linken Quadranten.
Dies weist auf eine wesentliche Tatsache hin: im Hinblick auf einen inneren Austausch existiert das ganze Spektrum von innerlich zu äußerlich. „Erste, zweite und dritte Person“ bezieht sich nicht auf drei getrennte Bereiche in einem Wesen, innerhalb derer ein anderes Wesen aufgenommen wird, sondern „erste Person“ weist auf Subjektivität oder Innerlichkeit oder die Fähigkeit hin, ein Sprecher oder eine Sprecherin zu sein. Und „dritte Person“ weist auf eine Person oder Sache hin, die zur Zeit nicht Teil irgendeines innerlichen, linksseitigen Bewusstseins ist (oder eines Dialogs, einer Kommunikation oder eines gegenseitigen Verstehens), sondern es handelt sich um ein objektives oder äußerliches, nicht-innerliches Ereignis (als eine Person oder Sache, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt, wenn es sich um eine Person handelt, als eine konkrete dritte Person in eine Konversation eintritt und so zu einer ersten oder zweiten Person werden kann. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wenn nur über sie gesprochen wird, ist sie kein Teilnehmer oder Mitglied einer Austauschbeziehung oder Kommunikation – sondern lediglich eine dritte Person).

Und zweite Person, „Du“, repräsentiert lediglich eine gegenwärtige Einheit, die die Möglichkeit hat, eine erste oder eine dritte Person zu werden. Sie kann durch Kommunikation zu einer Art von 1te-Person-Plural-„Wir“ werden (und auch zu einem 2te-Person-Partner – als Mitglied eines konkreten „Wir“), oder sie bleibt wie ein Felsen eine dritte Person (wenn dies eine Person vom Mars wäre, und es gäbe absolut keine Form von Kommunikation zwischen einer Person und den Marsmenschen, dann würden beide gegenüber einander dritte Personen bleiben. Auch wenn der Mensch zum Marsmenschen „sprechen“ würde, so ist der Marsmensch hier keine zweite Person, sondern eine konkrete dritte Person).
Beginnt ein Austausch, dann ist die Person, die zu sprechen beginnt, angenommener Weise eine erste Person. Die Person, zu der gesprochen wird, ist zu Beginn lediglich ein potentielles „Du“. Sie wird zu einem realen „Du“ bei der geringsten Form realer Kommunikation (da es sich um die Person handelt, zu der gesprochen wird). Doch wenn es überhaupt keine wechselseitige Kommunikation gibt (die Person liegt beispielsweise im Koma oder kommt vom Mars), dann ist diese Person keine konkrete zweite Person sondern eine dritte Person (so wie auch die ursprünglich erste Person dadurch zu einer dritten Person wird).
Gibt es jedoch einen konkreten Austausch mit einem zweiten Wesen (auf welcher Ebene auch immer), dann bildet sich eine Art von „Wir“ und das „Du“ bewegt sich dann in den unteren linken Quadranten der ersten Person als Teil dieses „Wir“ (als ein „Wir“ so wie dieses spezielle „Ich“ es interpretiert und versteht). Für das „Du“ – die andere Person – tritt ebenfalls das „Wir“ in ihren linken unteren Quadranten, d. h. so, wie diese Person ihrerseits dieses „Wir“ interpretiert und versteht.
Diese zwei „Wir’s“ können nun sehr übereinstimmen – oder auch nicht – als ein weiterer Grund dafür, dass sich jedes von ihnen innerhalb eines eigenen AQAL-Rahmen zeigt. (Und die Tatsache, dass diese zwei „Wir’s“ keine große Übereinstimmung haben können, ist die grundlegende Basis für alle Arten von komplexen Missverständnissen und Konflikten, die es nicht gäbe, wenn es nur ein „Wir“ gäbe.)
Was das konkrete Verstehen betrifft (und dessen Verortung innerhalb des AQAL-Rahmens) gibt es keinen völlig separaten Quadranten für „Du’s“. Ein „Du“ wird entweder verstanden (und es wird zu ihm gesprochen), und wenn dem so ist, wird es zu einem Partner in einem „Wir“, welches zu einem konkreten Aspekt eines jeden der unteren linken Quadranten der Beteiligten wird (d.h. ein „Wir“, so wie es erfahren und verstanden wird von jedem beteiligten Partner). Oder das „Du“ wird in keinster Weise verstanden (es gibt überhaupt keinen gegenseitigen Austausch), und damit auch keinerlei Kommunikation oder Resonanz oder Verstehen, nur ein leerer Blick, und daher wird dieses „Du“ zu einer dritten Person.Über sie kann lediglich gesprochen werden, jedoch nicht mit ihr, und so werden die „Du“ beider Beteiligten wechselseitig zu einem Teil der rechtsseitigen, 3te-Person-Quadranten, und werden ähnlich wie ein Felsen wahrgenommen.

Doch es gibt keinen spezifischen Ort für ein „Du“, wie ich schon sagte. Wenn ein empfindendes Wesen einem anderen empfindenden Wesen gegenübersteht (noch bevor sie wissen, ob es irgend eine Art von Austausch geben kann), dann ist jedes Wesen ein potentielles „Du“ für das andere Wesen. Das heißt, dass bis zu dem Zeitpunkt, wo man weiß, dass die Möglichkeit eines gegenseitiges Austausches besteht, beide einander gegenüber dritte Personen sind, die sich gegenüberstehen. Und das bedeutet, dass bis sich der Austausch ereignet, ein „Du“ ein „Es“ ist – eine dritte Person (so wie ein Felsen) und sie zu diesem Zeitpunkt lediglich ein rechtsseitiges Quadrivum einander gegenüber darstellen (und kein unten-links Partner).
Beginnt eine Interaktion, auf welche Weise auch immer, dann findet man heraus, ob es irgendeine Art von gegenseitigem Austausch oder Resonanz gibt. Wenn dies der Fall ist, dann werden diese Aspekte zu einem Teil ihrer jeweiligen unteren linken Quadranten (ein gegenseitiges „Wir“, wobei jeder der Partner dieses „Wir“ aus seinem eigenen „Ich“ heraus versteht. Und das „Wir“-interpretiert-durch-dieses-„Ich“ ist das „Wir“ für jeden ihrer unteren linken Quadranten). Gibt es jedoch keine Resonanz, keinerlei Verstehen und keine Gegenseitigkeit, dann werden diese „Du’s“ „Es“ bleiben – sie bleiben dritte Personen.
In Begriffen einer konkreten „Verortung“ innerhalb der AQAL-Matrix gibt es das Innere von ersten Personen (einzeln und gemeinschaftlich) und das Äußere von dritten Personen (einzeln und gemeinschaftlich), und dies ergibt das Innerliche und das Äußerliche des Individuellen und des Kollektiven (und für jeden der Quadranten können wir auch noch eine Innensicht und eine Außensicht unterscheiden, das führt uns zu 8 Zonen – und in einigen Fällen kann für die Zonen diese Unterscheidung auch noch getroffen werden. Doch es gibt keine konkreten isolierten „Du’s“ in ihnen. Was es lediglich gibt, ist das Innerliche und das Äußerliche des Individuellen und des Kollektiven, welches sich fraktal in praktisch unbegrenzter Zahl ausdifferenzieren kann, wie in einer Spiegelhalle unendlicher Reflexionen).
Doch die „zweite Person“, „Du“ ist lediglich ein Platzhalter (für das empfindenden Wesen, dem man sich nähert und zu dem gesprochen wird), um zu sehen, ob es zu irgendeiner Art von Austausch kommt (was dazu führt, dass dieses Wesen zu einem Partner in einem „Wir“ wird). An diesem Punkt, und nur an diesem Punkt, d.h. als Teil eines „Wir“, hat „zweite Person“ eine Bedeutung im Hinblick auf eine konkrete Verortung. „Du“ ist entweder ein potentielles “Du”, was darauf wartet, ob sich irgendeine Art von Kommunikation ereignen wird (und wenn das nicht geschieht, ist es weder eine erste, zweite oder dritte Person – doch wenn man sich eine aussuchen müsste, dann ist es eine dritte Person, die in die rechtsseitigen „äußeren“ Quadranten eintritt – so erhält man einen Platz dafür in einer „äußeren“ Dimension).
Oder es kommt zu einer Kommunikation, irgendeiner Form von Verstehen und Resonanz. Dann wird dieses „Du“ ein konkretes „Du“ (und wenn beide Partner sprechen, wird es wechseln zwischen einer ersten und einer zweiten Person – und in beiden Fällen wurde es zu einem Partner in einem REALEN „Wir“ – als etwas, das konkret existiert. Es existiert im unteren linken Quadranten jedes der empfindenden Wesen, die darin involviert sind (jeweils interpretiert durch die empfindenden Wesen, die natürlich ihre eigenen 1te-Person- und 3te-Person-Merkmale haben, zusätzlich dazu, dass sie füreinander eine zweite Person sind).
Manchmal wird der AQAL-Rahmen zusammenfassend als ein „Überblick“ eines individuellen oder gemeinschaftlichen Holons verwendet. Nehmen wir beispielsweise an, er repräsentiert die Stadt Portland. Dann werden die verschiedenen Quadranten, Ebenen, Linien, Zustände und Typen in den AQAL-Rahmen eingetragen und sie stellen einen durchschnittlichen Wert dessen dar, was sie im Hinblick auf die Stadt Portland repräsentieren. Der Rahmen wird als ein Quadrivium des Mittelwertes jeder der genannten Grundelemente für das soziale Holon verwendet (Quadranten, Ebenen, Linien, Zuständen, Typen), welches als Portland bezeichnet wird. Dies ist eine wunderbare Darstellungweise für ein soziales Holon. Und wenn wir eine weitere Stadt oder ein anderes soziales Holon darstellen wollen, dann zeichnen wir einfach einen weiteren AQAL-Rahmen auf und verwenden diesen.
Manchmal wird der untere linke Quadrant als „Wir/Du“ bezeichnet, weil dort ja ein “Du” ist, welches jedoch erst in einem realen “Wir” in Erscheinung tritt, zum Beispiel in einer Konversation zwischen Ihnen und mir. Darüber hinaus ist dieses „Du“ nicht einfach das „Du“, so wie Sie konkret existieren, sondern es ist Ihr „Du“, so wie ich es interpretiere, damit interagiere und es zum Teil auch mit erschaffe und hervorbringe. Es ist, mit anderen Worten, Ihr “Du” als Teil eines “Wir” (d.h. ein Teil unseres “Wirs” [Ihres und meines], so wie es von meinem Ich interpretiert wird und ebenso ist Ihr “Wir” unser “Wir”, so wie es von Ihnen in Ihrem unteren linken Quadranten interpretiert wird). Aus diesem Grund stelle ich dieses „Wir“ in einer Gleichung dar: „Ich“ + „Du“ = „Wir“ (und all dies ist, zu einem Teil, meine Interpretation in meinem unteren linken Quadranten, und Ihre Interpretation in Ihrem unteren linken Quadranten).
Und das geschieht in jeder Kommunikation mit jedem „Du“. Ich möchte so viel wie möglich über „Dich“ verstehen lernen, so als würdest „Du“ ganz unmittelbar zu mir sprechen. Je weniger von meinen „Ich“ sich in dem „Wir“ befindet, um so besser kann ich das konkrete Wesen verstehen, welches durch den zweiten AQAL-Rahmen repräsentiert wird, zu dem ich spreche oder dem ich mich zuwende oder das ich auf irgendeine Weise verstehen möchte.
Natürlich werde ich das nie ganz erreichen, einfach aus dem Grund, weil alles, was in mein Bewusstsein eintritt, auf irgendeine Weise eine Mit-Erschaffung bzw. Hervorbringung meines eigenen Wesens ist. Das „Du“, welches Deine Frau sieht, unterscheidet sich definitiv von dem „Du“, welches ich sehe.
Gäbe es so etwas wie eine „Du“-Komponente, isoliert und für sich selbst existierend (auf das man sich als eine „2te-Person-Methodologie“ beziehen könnte), dann würde dies bedeuten, dass dieses „Du“ sich selbst auf eine und nur eine korrekte Weise kennen könnte (so als gäbe es nur eine und einzige wahre Bedeutung von Hamlet). Dies ist ein Überbleibsel einer „repräsentierenden Philosophie“ und dem „Spiegel der Natur“ des Modernismus, welcher von nachfolgenden Theoretikern kritisiert und verworfen wurde. Jeder von uns ist, zu einem gewissen Grad, eine Mit-Erschaffung und gegenseitige Hervorbringung von jedem. Wir haben uns zusammen manifestiert und hängen voneinander existenziell ab, auf unzählbare und unterschiedliche Weisen. Unsere individuellen Seinsweisen erschaffen gemeinsam den Raum, in dem wir erscheinen und füreinander existieren.
„Je weniger von meinem Ich“ bedeutet lediglich, dass ich, in meinen Versuchen, eine zweite Person zu verstehen, mehr von dieser Person lerne (natürlich immer auch von mir mit-erschaffen), je mehr ich davon subtrahiere, was ich von mir selber weiß und umso mehr werde ich zu dem gelangen, was auch immer die Wirklichkeit dieser zweiten Person ist. Wenn ich durch etwas wie den AQAL-Rahmen von mir selbst beispielsweise weiß, dass mein Bewusstseinsschwerpunkt bei Türkis oder Indigo liegt, dann kann ich so viel davon wie nur möglich von der zweiten Person davon subtrahieren (es sei denn, diese Person befindet sich ebenfalls auf dieser Entwicklungshöhe).
Dies bedeutet, dass in jedem Verstehen oder auch nur in jeder einfachen Resonanz der Bezugsrahmen jeder der beteiligten Personen einen Anteil daran hat, wie der jeweils andere verstanden wird. Dies ist prinzipiell unvermeidbar – jeder Mensch hat unterschiedliche Konzeptionen, Annahmen, Vorurteile und Bezugsrahmen, die Einfluss nehmen und verwendet werden für Interpretationen, Hervorbringungen und Wahrnehmungen ihrer Welt und anderer Wesen darin. Je mehr Selbstverständnis ich von mir selbst habe, desto besser kann ich andere verstehen. Daher lautet die Empfehlung, den bestmöglichen Bezugsrahmen zu verwenden, welcher meiner Meinung nach natürlich AQAL ist.
AQAL dafür zu kritisieren, dass es keinen Platz für das „Du“ hat, ist ein völliges Missverstehen dieser grundlegenden Gegebenheiten. Ist erst einmal ein „Wir“ entstanden und „am Laufen“, dann ist es in Ordnung, wenn man sich auf den Sprecher als eine „erste Person“ und auf denjenigen, zu dem gesprochen wird, als eine „zweite Person“ und auf denjenigen, über den gesprochen, wird als eine „dritte Person“ bezieht. Doch „zweite Person“ macht nur Sinn als Teil dieses „Wir“ (und das ist die technische Definition für den unteren linken Quadranten).
 
Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass die 4 Quadranten technisch definiert werden als das Innere und das Äußere des Individuellen und des Kollektiven. Viele Theoretiker sagen im Hinblick auf Menschen, dass diese beispielsweise eine psychologische Dimension, eine Verhaltensdimension, eine Umweltdimension und eine soziale Dimension haben – etwas in der Art. Und dann sehen sie die 4 Quadranten und sagen, „oh, die habe ich ja schon mit meinen 4 Dimensionen abgedeckt.“ Doch ihre 4 Dimensionen decken nicht wirklich alle Bereiche, Aspekte und Dimensionen ab, die sich in allen Quadranten abspielen.
Die „psychologische“ Dimension beispielsweise deckt nicht vollständig den oberen linken Quadranten (das Innere des Individuellen) ab, weil es darüber hinaus noch die emotionale Dimension, die mentale Dimension, die spirituelle Dimension, das lebendig Biologische (élan vital) usw. gibt – das „Psychologische“ deckt das nicht annähernd ab.
Ähnlich verhält es sich mit dem unteren rechten Quadranten. Bezeichnet man diesen lediglich als “Umwelt“, erhält man eine Dimension des äußerlichen Kollektiven, doch es gibt noch viele andere Dinge. Es ist beispielsweise gebräuchlich von PESTLE zu sprechen – politisch, ökonomisch [economic], sozial, technologisch, rechtlich [legal] und Umwelt [environmental]. Das kommt dem ganzen schon näher, und wir verwenden das auch, um uns an einige der Bestandteile des unteren rechten Quadranten zu erinnern. Doch es gibt nicht nur mehr davon (beispielsweise Institutionen von Bildung und Erziehung), sondern diese Formulierung übersieht, dass jeder dieser Bereiche selbst 4 Quadranten hat.
Das Rechtswesen beispielsweise hat definitiv Aspekte im rechten unteren Quadranten und Positivisten reduzieren das gesamte Rechtswesen auf diese Dimension (z. B. Hart). Doch andere (z. B. Dworkin) weisen darauf hin, dass es eine unausweichlich-interpretierende Komponente des Rechtswesens gibt, als eine intrinsische linksseitige Komponente. Und so ist es mit jedem dieser PESTLE-Komponenten.
Und was die „Umwelt“ betrifft, im Hinblick auf den unteren rechten Quadranten ist sie lediglich das kollektive Äußere der biologisch/systemischen Komponenten von Wirklichkeit – die vielen anderen Ebenen des kollektiv/äußerlichen werden davon nicht erfasst. Daher noch einmal: die Quadranten (und Zonen) geben uns die beste und genaueste „Ontologie“ von Wirklichkeit im Hinblick auf allgemeine Bereiche. Darüber hinaus gehen die Quadranten, bezogen auf das Entwicklungspektrum, „bis ganz nach oben“ und „bis ganz nach unten”, was zum Beispiel Politik nicht tut.
Durch die „Schichtung“ der Quadranten aufeinander tauchen immer neue Disziplinen im Verlauf der Evolution auf und Dinge wie Politik treten allmählich in Erscheinung. Definiert man jedoch den unteren rechten Quadranten als „Politik“, dann verhindert man damit, dass der AQAL-Rahmen sich bis ganz nach unten erstreckt, gleich nach dem Urknall, was jedoch der Fall ist.


Dies ist der Grund, warum ich das Zitat von Dreyfuss und Rabinow angeführt habe, in dem  darauf hingewiesen wird, wie ähnlich Heidegger und Foucault waren, mit einer wichtigen Ausnahme: Heidegger näherte sich dem kulturellen Verständnis von innen, von der Innenseite (mit einer betont hermeneutischen Absicht), wohingegen sich Foucault dem gleichen Untersuchungsgegenstand von außen näherte (in einem perfekt monologischen Blick).
Dreyfuss und Rabinow unterschieden nicht zwischen einer ersten, zweiten und dritten Person und kategorisieren diese Theoretiker daher auf diese Weise (weil diese Unterscheidung nicht wirklich sinnvoll ist). Sie blieben bei der einen realen kategorischen Unterscheidung – erste  Person (Singular und Plural) und dritte Person (Singular und Plural) –, und fanden, daß sich auch Heidegger und Foucault innerhalb dieser Dimensionen bewegten.
Und all diese Wirklichkeiten berücksichtigt der AQAL-Rahmen VOLLSTÄNDIG, wohingegen seine Kritiker, glaube ich, einfach nicht sorgfältig genug hingeschaut haben, worum es hier wirklich geht.
Wie ich bereits sagte, habe ich selbst auch gelegentlich mit zu diesem Missverständnis von AQAL beigetragen, indem ich mich auf die Quadranten als „erste, zweite und dritte  Personen“ bezogen habe. Doch den meisten Menschen ist dabei klar, dass, selbst wenn ich das tue, ich mich nach wie vor auf den unteren linken Quadranten als „Wir“ und nicht als „Du“ beziehe (oder allenfalls als „wir/du“). Und ich führe „erste, zweite und dritte Personen“ als „Ich, Wir und Es“ auf. Oder ich verwende die einfache Gleichung von „Ich“ + „Du“ = „Wir“ (was auch so ist).
Doch noch einmal, dies weist auf das „Du“ als einen Partner in einem „Wir“ hin, wenn es sich dabei um eine reale zweite Person handelt. Ansonsten bleibt es eine monologische dritte Person. „Innerlich/Äußerlich“ (subjektiv/objektiv) bleibt daher eine der grundlegendsten und ursprünglichsten Unterscheidungsgrenzen der Existenz (und die andere grundlegende Unterscheidungsgrenze ist individuell/ kollektiv bzw. singular/plural).
Möchte man nun eine konkrete zweite Person einführen, dann kann man, wie schon gesagt, einen weiteren Bezugsrahmen neben den schon vorhandenen aufzeichnen, als eine VOLLSTÄNDIGE Repräsentation einer gesamten zweiten Person und ihrer Welt. Doch es macht keinen Sinn, diese zweite Person in den AQAL-Bezugsrahmen der ersten Person zu stopfen, weil hier nur das hinein gehört, was sich tatsächlich in diesem empfindenden Wesen befindet – und das sind überwiegend Interpretationen, Hervorbringungen und Mit-Erschaffungen.
Schaut man sich an, was Menschen zur Verwendung von „1ten-, 2ten- und 3ten-Person“-Methodologien empfehlen (ohne diese Unterscheidungen zu machen), dann stößt man fast ausnahmslos auf derartige Irrtümer. Was sie mit einer „1ten-Person-Methodologie“ meinen, ist fast immer lediglich eine erste Person Singular. Was sie mit einer „3ten-Person-Methodologie“ meinen, ist eine dritte Person Singular oder Plural. Und was sie beständig meinen, wenn sie von einer „2ten-Person-Methodologie“ sprechen, ist in Wahrheit eine erste Person Plural, fokussiert auf den „Du“ Partner innerhalb des Gesamtzusammenhangs. Was sie nicht meinen, ist eine „2ten-Person-Methodologie“, die sich lediglich auf die zweite  Person konzentriert. Das ist eine Vorstellung ohne Sinn in jeglicher Hinsicht. Es gibt also 1te-, 2te- und 3te-Person-Methodologien. Ich werde weiterhin diese Begriffe verwenden, diese Begriffe verweisen auf reale Wirklichkeiten. Doch was sie jeweils wirklich meinen, sind Ansätze einer ersten Person Singular, 2te-Person-Ansätze als Ansätze einer ersten Person Plural, und Ansätze einer dritten Person Singular und Plural – und für alle diese gibt es SEHR VIEL Raum innerhalb der AQAL-Quadranten (und den Zonen, welche diese noch verfeinern), jedoch nicht durch die Hinzufügung irgendeines „Du“.
Das ist der Grund, warum von Anbeginn an die Quadranten definiert wurden als das Innere und das Äußere des Individuellen und des Kollektiven. Dies sind die „ontologisch“ aktiven und realen Unterscheidungsgrenzen, die man braucht, um eine Welt in Gang zu setzen. Das ist der Grund, warum der AQAL-Rahmen Platz hat für die ganze Welt.
Eine zweite Person ist kein realer und ontologischer Raum (es sei denn als Teil eines konkreten „Wir“). Es ist lediglich, wie wir gesehen haben, ein potentieller Platzhalter so lange, bis wir wissen, ob es sich um eine erste Person oder eine dritte Person handelt. Und dieses Potenzial hat keine Rolle innerhalb der konkreten Evolution – Evolution arbeitet nicht mit Hypothetischem – und daher arbeitet sie nicht am “Du“, sondern lediglich an “Ich’s” und “Wir’s” (und dritten Personen). Und weil die konkrete Anzahl von Perspektiven innerhalb der Pronomen nicht begrenzt ist auf erste, zweite und dritte Person – was sich viele vorstellen, die mit diesen drei Unterscheidungen arbeiten, können in der Wirklichkeit die Hauptebenen der Entwicklung in jedem der Quadranten dargestellt werden als erste Person, zweite Person, dritte Person, vierte Person, fünfte Person, sechste Person usw. – und genau das tut integrale Meta-Theorie.


Kritiker, die behaupten, dass AQAL keine zweite Person oder „Du“ beinhaltet, haben so gut wie nichts zu sagen über eine vierte Person, fünfte Person, sechste Person usw. Wo befinden sich diese innerhalb ihrer Kritik? AQAL nimmt diese Perspektiven in ihren beiden Bedeutungen mit auf, als „Sprecher”, zu dem gesprochen wird und über den gesprochen wird, und unter Bezugnahme ihrer konkreten „Verortung“ (in den Quadranten, als „Ich“, „Wir“, „Es“, und „Sie“ [oder er und sie und sie Plural und ihr usw. für dritte Personen] – als Inneres und Äußeres des Individuellen und des Kollektiven). Dies sind einzigen Unterscheidungsgrenzen, die, wie wir gesehen haben, zu einem wirklichen gegenseitigen Austausch führen. Und da die Quadranten technisch nicht definiert sind in Begriffen von „erste, zweite und dritte “ Person, werden diese Perspektiven (in ihrer Gesamtheit, von erste zu siebente und höher) innerhalb von AQAL und seinen Zonen voll erfasst (etwas, was die Kritiker kaum tun).  
Es ist sehr verbreitet, nur von einer ersten und einer dritten Person zu sprechen – innerlich/subjektiv und äußerlich/objektiv. Der Grund dafür ist der, dass es eine vage Intuition darüber gibt, dass „zweite Person“ bedeutungslos ist im Hinblick auf irgend eine reale Methodologie (wobei das, was tatsächlich mit einer „2ten-Person-Methodologie“ gemeint ist, wie wir gesehen haben, eine „1te-Person-Plural-Methodologie“ ist).
Schaut man in irgendeine Ausgabe des Journal of Consciousness Studies, dann findet man dort endlose Diskussionen darüber, ob ein Ansatz einer ersten Person oder einer zweiten Person der wirkliche Ansatz gegenüber dem Bewusstsein ist, und praktisch kein einziger Artikel befürwortet eine 2te-Person-Methodologie (und wenn das doch der Fall ist, dann wird dort fast immer eine erste Person Plural beschrieben).
David Chalmers und ich hatten eine lange Konversation über dieses Thema. Ich hatte einen längeren Artikel in diesem Journal geschrieben, in dem ich für einen „alle-Quadranten-Ansatz“ argumentiert hatte, und damit meine ich technisch erste Person Singular und Plural und dritte Person Singular und Plural und das entspricht genau der Definition der Quadranten. Ich versuchte, ihn von der Bedeutung eines Hintergrund-„Wir“ (ebenso wie von einem systemischen „Es“) zu überzeugen, im Hinblick auf die Bildung individuellen Bewusstseins, doch was ich vereinfachend in diesem Austausch als eine „zweite Person“ bezeichnete, war in Wahrheit eine „erste Person Plural“, bzw. der untere linke Quadrant. Die vier Quadranten bilden die Wirklichkeit hinsichtlich der Erschaffung und Manifestation des Universums ab. Mit der Entwicklung der Sprache wurde das „Du“ zu einem nützlichen Potentiellen oder Hypothetischen (bzw., falls real, zu einem Partner in einem konkreten kommunikativen „Wir“) und so verbreitete es sich weltweit.
Wenn das “Du” real wird, wird es in der Tat Teil einer ersten Person Plural, welche definitiv real ist. Und Gruppen kultureller “Wir’s” entwickeln sich, was von der sozialen Evolutionstheorie beschrieben wird. Doch „Du’s“ entwickeln sich nicht. Da gibt es nichts Reales, was sich entwickeln könnte. Und AQAL bezieht sich technisch nicht auf eine „2te-Person-Methodologie“, weil es so etwas nicht gibt (auch wenn es definitiv eine erste Person Singular [wie individuelle Meditation – Zone Nr. 1], erste Person Plural [wie Ethnomethodologie – Zone Nr. 4], dritte Person Singular [wie die enaktive Kognition eines einzelnen Tieres – Zone Nr. 5] und dritte Person Plural [wie Systemtheorie, von innen als Zone Nr. 7 und von außen als Zone Nr. 8]. Dies sind, mit anderen Worten, die Methodologien, wie sie mittels der 8 Zonen von AQAL beschrieben werden, und diese Zonen beinhalten definitiv alle „Du’s“, insoweit diese real innerhalb irgendeiner Interaktion existieren.


Betrachten wir die wundervolle Ich-Du-Beziehungbeschreibung von Martin Buber, dann erkennen wir, dass er so ziemlich das gleiche meinte. Die Vorstellung dabei ist, dass man eine andere Person als ein bloßes „Es“ behandeln kann, eine dritte Person, ohne mit ihr zu kommunizieren und ohne sich in irgendeiner Weise kennen zu lernen. Es könnte sich dabei auch um einen Felsen handeln. Und das ist der Ursprung aller Grausamkeit, sagte er, wenn wir Menschen als Objekte behandeln, wie Es-Einheiten, wie nicht-empfindende Wesen, wie dritte Personen, wie Felsen.
Erst durch das Eintreten in einen kommunikativen Kreis, in dem wir sie zu einem realen „Du“ machen und in eine wirkliche „Wir“-Beziehung eintreten (Ich-Du), behandeln wir sie mit Respekt und Fürsorge. Einfach nur „zu jemanden“ zu sprechen (und nicht „mit jemandem“), macht aus dessen potenzieller zweiter Person eine dritte Person, ein „Es“, und kein „Du“ in einem konkreten “Wir“ Austausch. Und Buber sagte natürlich auch, dass das gleiche für unsere Beziehung mit Gott gilt (welche, um eine wirkliche Beziehung zu sein, eine „Ich-Du“ Beziehung sein muss).
Worauf es bei jeder wirklichen und echten Kommunikation mit einem Wesen ankommt ist, sie nicht auf die Aspekte ihrer rechtsseitigen Quadranten zu reduzieren (ihre 3te-Person-Komponenten oder „Es“-Komponenten), und sie in die eigenen linksseitigen Quadranten hinein zu nehmen (als ein „Du“ in einem echten „Wir“). Und dieses „Du“, noch einmal, ist ein “Du” der eigenen Interpretation, der eigenen Hervorbringung, der eigenen Kognition, und ist daher IN einem selbst (im unteren linken Quadranten des eigenen Seins) – es existiert nicht in einem reinen „Du“-Quadranten, zu dem man unmittelbaren und einen nicht-vermittelten Kontakt hat, weil es so etwas nirgendwo im Kosmos gibt. Und das ist der Grund, warum es in AQAL keine „2te-Person-“ oder „Du-“ Methodologie oder keinen „Du-“ Quadranten gibt - weil so etwas nicht existiert.
(Und ja, obwohl dies ein allgemeines Missverständnis ist, werde ich mich weiterhin gelegentlich auf „1te-, 2te- und 3te-Person-Methodologie“ beziehen, ohne jedes Mal dazu längere Erläuterungen zu liefern. Dennoch sollte klar geworden sein, worum es hier geht und was gemeint ist. Und mögen die fehlgeleiteten Kritiker dieses Ansatzes bitte auch bei sich selbst im Hinblick auf Missverständnisse nachschauen.)
Kritiken mit derartigen Fehlern und Verwirrungen sind weit davon entfernt, ein integral 2.0 zu sein. Ich schätze Kritik und nehme gute Kritik praktisch immer mit auf, doch was ich nicht mit aufnehme, sind Missverständnisse.  
Ich hoffe, hiermit zur Klärung einer komplexen Situation beigetragen zu haben. Ich werde mich wirklich bemühen, in meinen eigenen Darstellungen noch klarer zu sein (auch wenn Kurzdarstellungen über Sachverhalte, wie ich sie hier dargelegt habe, weiterhin schwierig bleiben). Einführende Vereinfachungen sind das eine, konkrete Theorie und wirkliche Metatheorie (und die Kritik daran) sind etwas anderes.
Gleichzeitig ist es so, dass die Anzahl der Menschen, die versuchen, AQAL voll und angemessen zu verstehen, schnell wächst und ich wertschätze zutiefst diejenigen, die sich darum bemühen. Es ist einfach wundervoll, in der Lage zu sein, sich mit anderen über Themen wie diese auszutauschen und es gibt sehr viele, die darauf positiv und dankbar reagieren. Dies schafft eine weltweite Gemeinschaft, ein integrales „Wir“, das unglaublich lebendig und verlockend ist. Ich danke euch allen, die ihr euch diesem außerordentlichen Abenteuer eines integralen „Wir“ angeschlossen habt.

 


Aus: Online Journal Nr. 57