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24.7.2017 : 6:53 : +0200

Ken Wilbers Methodenpluralismus – die Zonen 5 und 7 (und 2 und 4)

von Blaine A. Snow/Michael Habecker

Mit der Veröffentlichung der Exzerpte A, B, C, D und G in 2003 begann Wilbers aktuelle Schaffensphase V, in der er unter anderem auch einen Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP) vorstellt, als eine Möglichkeit, alle Erkenntnismethodiken der Menschheit in einen Gesamtrahmen zu stellen, wobei deren

  1. Größe (und Geltungsbereich, worüber die Methodiken etwas aussagen können),
  2. Grenzen (worüber die jeweiligen Methodiken nichts aussagen können), und
  3. der Gesamtzusammenhang aller Methodiken untereinander

erkennbar werden.

Grundlage dieser Zusammenschau ist das Modell der vier Quadranten (mit den Unterscheidungen innerlich/äußerlich und individuell/kollektiv), erweitert um eine weitere Differenzierung innen/außen in jedem der Quadranten, was zu insgesamt 8 Hauptmethodologie oder Erkenntnis-„Zonen“ führt.

 

Abb.: die 8 Hauptzonen oder grundlegenden Erkenntnisperspektiven des IMP

 

 

 

Abb.: die 8 Hauptzonen des IMP und ihre Überbegriffe

 

Für jede der Zonen existiert eine Fülle von Methodiken, die Wilber in einem Überbegriff zusammenfasst. Die Durchnummerierung der Zonen ist wie folgt:

Zone 1: Phänomenologie

Zone 2: Strukturalismus

Zone 3: Hermeneutik

Zone 4: Ethnomethodologie

Zone 5: Autopoiesis (z. B. Kognitionswissenschaften)

Zone 6: Empirizismus (z. B. Neurophysiologie)

Zone 7: Soziale Autopoiese

Zone 8: Systemtheorie

Wenn das, was Wilber dabei beschreibt, funktioniert, so wäre das ein grundlegender Durchbruch in der Erkenntnistheorie und dem Verstehen, woher wir wissen, was wir wissen. 

Das klingt anspruchsvoll und ist anspruchsvoll, und vor dem Hintergrund dessen, was in den ohne aufgeführten Exzerpten dazu bisher veröffentlicht wurde, ist es auch aufregend, die Entstehung dieser umfassend neuen, auf Perspektiven gegründeten Erkenntnistheorie „live“ mitzuerleben. Aus nicht näher genannten Gründen hat Wilber die Exzerpte E und F bisher nicht veröffentlicht, und daher gibt es eine Beschreibungslücke des IMP, und zwar die rechtsseitigen Quadranten betreffend, mit ihren jeweiligen Innen- und Außenansichten (Zonen 5-8). 

In einem „Guest Blog“ vom 14.11.2007 auf der KenWilber.com[1], mit dem Titel Reflections on Integral Methodological Pluralism unternimmt der Autor Blaine A. Snow den Versuch den IMP zu erläutern, einschließlich der Zonen 5 – 8, für welche eine ausführliche Darstellung von Wilber noch aussteht. Auch wenn auf der KenWilber.com, Wilbers offizieller Page, darauf hingewiesen wird, dass die Veröffentlichung eines Guest Blogs nicht bedeutet, dass dieser damit von Wilber inhaltlich autorisiert wäre, so kann man wohl doch davon ausgehen, dass das, was Blaine A. Snow zum IMP erläutert, zumindest in die richtige Richtung geht. Daher stellen wir nachfolgend die Erläuterung zu den Zonen 2, 4, 5 und 7 des IMP von Snow vor. Dabei ist zu beachten, dass Snow, wie auch Wilber bei der Vorstellung des IMP in den Exzerpten, die Zonen zu Paaren zusammenfasst und zwar

Zonenpaar 1 + 3: Qualia[2]: Phänomenologie + Hermeneutik

Zonenpaar 2 + 4: Geist: Strukturalismus + Ethnomethodologie 

Zonenpaar 5 + 7: Kognition: Autopoiese + soziale Autopoiese

Zonenpaar 6 + 8: Materie: Empirizismus und Systemtheorie

 

Abb: Die Aufteilung und Bennennung der Zonen nach Blaine A. Snow

 

Was nun folgt ist die Beschreibung der Zonenpaare 2/4 und 5/7 durch Snow[3]

Geist: Die Zonen 2 und 4

Ein weiteres Zonenpaar erhellt einen anderen Bereich von Phänomenen. Dies ist die objektive Perspektive auf Bewusstsein und Innerlichkeit. Es ist die 3p Außenansicht auf innerliche Qualia, die Perspektive des Geistes. Qualia selbst ist Bewusstheit, die unmittelbar erlebt wird, Geist hingegen ist Qualia, die gesehen wird. In Wilbers Worten ist Geist das „Aussehen eines Gefühls“, die Struktur einer Erfahrung, Formen des Bewusstseins, wie sie von außen gesehen werden. Geist beschreibt, objektiviert, misst und klassifiziert Qualia. Methodiken, welche die Zonen 2 und 4 hervorbringen sind gekennzeichnet durch die Beschreibung von innerlicher Qualia in der Sprache einer dritten Person. Qualia einer ersten Person, wie sie von einem Subjekt gefühlt wird, kann über längere Zeit beobachtet werden. Dabei können auftretende Muster erkannt werden, und diese Muster können in Begriffen der dritten Person beschrieben werden: Ebenen, Linien, Zustände, Typologien; interpersonell, psychosexuell, Ego-Identität, affektiv, kognitiv; Selbstsystem, Motivation, Wille, Wertestruktur, Moral, Urteilsvermögen, Abwehrmechanismen, Persönlichkeitstypen. In den Exzerpten weist Wilber darauf hin, dass der strukturalistische Ansatz der Zonen 2 und 4 das Ergebnis des Verfolgens der Qualia der Zonen 1 und 3 über längere Zeit und in verschiedenen Populationen ist – Strukturalismus ist Phänomenologie plus Historie[4]. Die Terminologie von Geist beschreibt die Außenkonturen und Strukturen innerlicher Qualia bzw. gefühlter Erfahrung. Es handelt sich dabei um zwei Seiten einer Bewusstseinsmünze, die von unterschiedlichen Perspektiven aus betrachtet wird. Qualia und Geist sind zwei unterschiedliche Arten innerlicher Phänomene, hervorgebracht durch unterschiedliche Methodiken und Aktivitäten. Qualia kann unmittelbar nur gefühlt oder erfahren werden durch eine erste Person; doch wenn Qualia objektiviert, beschrieben, aufgezeichnet oder auf irgend eine Weise mit linguistischen Signifikanten verbunden wird, dann haben wir es mit Geist zu tun. Auch wenn das Wort „Geist“ meistens mit individuellem Geist in Verbindung gebracht wird, verwenden wir es in diesem Kontext auch als kollektiven Geist, die Kultur des unteren linken Quadranten, wie sie von außen betrachtet gesehen wird – Wilber spricht vom „Aussehen eines Wir.“ Die Kultur oder der intersubjektive Raum des UL Quadranten kann a) von innen her als kollektive Qualia gefühlt werden, oder b) von außen als „kultureller Geist“ oder „kollektiver Geist“ gesehen werden[5].

Entsprechend dem individuellen Geist der Zone 2 beschreibt der kollektive Geist der Zone 4 in Begriffen der dritten Person die Außenseiten innerlicher Kultur: kollektive Strukturen von Bedeutung wie politische, rechtliche, ethische, religiöse, normative und wissenschaftliche Diskurse; verwandte und linguistische Strukturen, kulturelle Praktiken, Gewohnheiten und Gebräuche. Die Methodiken der Zone 2 und 4 beinhalten Strukturalismus, Entwicklungspsychologie, Foucaultsche Archäologie, Entwicklungsgenealogie, Semiologie und Semiotik, kulturelle Anthropologie und Poststrukturalismus.

Noch einmal: Qualia ist das, was unmittelbar von einem Subjekt als qualitative Erfahrung eines Bewusstseinszustandes einer ersten Person wahrgenommen wird, die „wie es sich anfühlt“ Erfahrung, Wilbers „Gefühl eines Gefühls“. Dieser unmittelbare, erste Person Aspekt von Qualia kommt im integralen Kalkül durch die ausschließliche Verwendung von Termini der ersten Person zum Ausdruck: 1 x 1 x 1 x 1. Geist hingegen ist das, was wahrgenommen oder gesehen wird, wenn wir objektivieren, benennen, kartografieren oder Qualia systematisch beschreiben, in dem Versuch Muster und Strukturen durch unterschiedliche Methodiken zu erkennen, wie philosophische Repräsentation, Strukturalismus und kulturelle Anthropologie. Diese [aus den unmittelbaren Phänomenen – Qualia – ] abgeleiteten Muster und Strukturen sind Geist. Die Betrachtung von Qualia einer ersten Person als Objekte wird im integralen Kalkül angezeigt durch einen 3-p Terminus unter den 1-p Termini: 1 x 3 x 1 x 1.

Materie und Energie in der Raumzeit – die physische Welt – ist was wir wahrnehmen, wenn empirisch objektive Methodiken zum Einsatz kommen. Die objektive dritte Person Vorgehensweise dieser Perspektive wird im integralen Kalkül durch eine ausschließliche Verwendung von 3-p Termini angezeigt: 3 x 3 x 3 x 3. Qualia und Geist sind zwei grundlegende Perspektiven der Bewusstheit und Innerlichkeit der linksseitigen Quadranten, wohingegen Materie eine Möglichkeit darstellt, Äußerlichkeit oder objektive Form zu betrachten. Es gibt jedoch noch einen weiteren wesentlichen Weg der Betrachtung von Äußerlichkeit.

Kognition: Die Zonen Nr. 5 und Nr. 7

Wenn wir mit den anderen Zonen bereits a) objektive materielle Wirklichkeit und Bewusstsein sowohl von innen als b) Qualia als auch von außen als c) Geist vorgestellt haben, was bleibt dann noch übrig? Wir haben doch bereits die Bereiche von Geist und Natur, Kultur und Natur, und Selbst und Natur dadurch abgedeckt. Welche Aspekte oder Phänomene menschlicher Erfahrung haben wir damit noch nicht erfasst? Was noch übrig bleibt ist die schwer zu fassende „Innenseite des Äußerlichen“, den einzigartigen Bereich, der durch die Perspektiven der Zonen 5 und 7 hervorgebracht wird, und der weder Qualia noch Geist noch Materie ist.

Die Methodologien dieses vierten Zonenpaares sind bisher [von Ken Wilber] in den Exzerpten am wenigsten erläutert worden. Sie sind am schwierigsten zu erkennen und konzeptuell am schwersten zu beschreiben. [Das angekündigte] Exzerpt E, das sich ausführlich mit den Zonen 5, 6, 7 und 8 beschäftigt, wurde von Wilber noch nicht veröffentlicht. Im Exzerpt C gibt Wilber jedoch eine einführende Erläuterung der Zonen 5 und 7 im Kontext der Systemtheorie.

Im Exzerpt C definiert Wilber die Zone 5 und 7 als Innenansicht äußerlicher Organismen und äußerlicher Systeme und verwendet dabei den Begriff der „Autopoiese“ bzw. der „sozialen Autopoiese“ zur Identifikation der Hauptmethodologie dieser beiden Zonen. Zur Differenzierung und Erläuterung dieser Zonen unterscheidet Wilber zwei Arten von Systemtheorie: die sytemisch-rationale-Außenansicht (Zone 8), und die autopoietisch-kognitive-Innenansicht (Zonen 5 und 7). In Anlehnung an die Arbeit von Kenneth Bausch (The Emerging Consensus in Social Systems Theory) erläutert er, dass die rationale Systemsicht eine weite Sicht von außen auf das System einnimmt und dessen materielle organisatorischen Strukturen und Dynamiken beschreibt. Diese Systemperspektive lässt sich beispielsweise einsetzen zur Beschreibung eines natürlichen Systems wie dem alpinen Ökosystem oder einem sozialen System wie dem Wirtschaftssystem eines Feudalstaates. Im Unterschied dazu verwendet die autopoietisch-kognitive Sichtweise auch Sichtweisen einer ersten Person singular und plural (Ich und Wir) auf Organismen/Individuen und die Gesellschaft für die Gesamtbeschreibung der biologischen und sozialen Strukturen. Dies wird für die Zonen 5 und 7 mit „das Innere des Äußeren“ beschrieben, und es ist der Begriff des „Inneren“, der auf die Berücksichtigung der Perspektiven einer ersten Person in diesem autopoietischen Ansatz hinweist. Im integralen Kalkül wird die Berücksichtigung einer ersten Person wie folgt berücksichtigt: 3 x 1 x 3 x 3. Wilber weist jedoch darauf hin, dass diese erste Person Perspektive des autopoietischen Ansatzes auf einen Organismus und die Gesellschaft keine Zone 1 oder Zone 3 Qualia ist, sondern deren äußeres Äquivalent in äußerlichen Systemen, was als „Kognition“ beschrieben wird – das Innere biologischer und sozialer Systeme[6]. Dieser Ansatz wird im Hinblick auf die Methodiken der Zone 5 allgemein als kognitive Biologie oder biologische Phänomenologie beschrieben.

Die Zone 5 Kognition darf nicht verwechselt werden mit dem, was Piaget (Zone 2) mit Kognition meint und beschreibt, als die kognitive Intelligenz des oberen linken Quadranten. Die Piaget’sche Kognition ist eine Zone 2 Beschreibung des Fähigkeiten der Perspektiveinnahme, der Objekte, derer sich jemand bewusst sein kann, der Ebenen der Komplexität einer individuellen Psyche, ein Maß für die psychodynamische Kapazität im Inneren eines Organismus. Die Piaget’sche Kognition folgt den Strukturen des Bewusstseins eines Subjektes, wenn dieses kognitive Aufgaben löst. Zone 5 hingegen ist die objektive Perspektive auf die Selbstregulation des Organismus, seine Selbstadaption, Selbstorganisation, seine Aufrechterhaltung. Es ist der Begriff „Selbst“, der auf die „erste Person“ bei diesen Zone 5 Methodiken hinweist.

Zur weiteren Klärung: Erste Person Qualia kann von außen als Zone 2 Strukturen des Bewusstseins erkannt werden. Diese Sicht objektiviert die Qualia Phänomene, indem eine Perspektive einer dritten Person gegenüber Erfahrungen einer ersten Person eingenommen wird. Dabei handelt es sich um eine Ansicht innerlichen Bewusstseins. Die Qualia einer ersten Person hat jedoch auch direkte äußerliche Zone 5 Entsprechungen, die als kognitive Strukturen des Organismus erkannt und beschrieben werden können. Ebenso wie es Ebenen von Qualia gibt – Registrieren, Fühlen, Bilder, Konzepte, Intuitionen, satoris – gibt es entsprechende Ebene kognitiver Strukturen, hervorgebracht durch die jeweiligen Strukturen des physikalischen Körpers, von der Ebene der Zellen bis zur Ebene der Organsysteme. Die Kognition des Organismus ist in diesem Sinn kein „Ich“ Phänomen, keine Qualia, sondern Qualia in ihrer äußeren Es-Form, ausgedrückt in der Es-Sprache der Kognition. Es wird dabei immer noch die erste Person Sichtweise eines Organismus beschrieben, doch unter Verwendung einer Terminologie biologischer Kognition in der Sprache einer dritten Person. Kognition wiederum hat direkte Entsprechungen als materielle Phänomene der Zone 6 im Gehirn und der physischen Struktur des Organismus. Die materiellen Teile der Zellen, von der Ebene der Atome und Moleküle bis zu den Organellen sind materielle Strukturen der Zone 6. Der Vorgang der Selbstregulation, Selbstorganisation, Selbstadaption und Selbsterhaltung (auto = Selbst, poiesis = machen), der Ausdruck eines agentischen Strebens der Zelle zum Überleben in der Welt ist, sind die Phänomene, die unter Einnahme der Perspektive der Zone 5 gesehen werden.

Eine Meditierende beispielsweise, die an eine Gehirnstrommessvorrichtung angeschlossen ist, hat eine Zone 1 Erfahrung einer meditativen Qualia bzw. eine meditative Zustandserfahrung, welche sie in Begriffen einer ersten Person beschreibt. Ihre Beschreibung ihrer Erfahrung kann analysiert und kategorisiert werden unter Zuhilfenahme einer strukturellen Analyse der Zone 2, als einer Landkarte in der Sprache einer dritten Person, die das Terrain der Qualia einer ersten Person beschreibt. Aktivitäten innerhalb des Gehirns und des Körpers während der Meditationssitzung können auch durch entsprechende Geräte aufgezeichnet werden, als quantitative Daten einer Zone 6 Erhebung. Dazu gehören Gehirnströme wie delta und theta Wellen, Periodizitäten, Atemrhythmus, Körpertemperatur, Sauerstoffgehalt im Blut, Gehirnaktivitäten, Serotoninspiegel usw. Dieselben physikalischen Aktivitäten innerhalb des Gehirns, des Nervensystems und des Körpers der Meditierenden, die empirisch als unterschiedliche Wellenformen gesehen werden, können auch durch eine Innenansicht der Zone 5 als der kognitive Prozess innerhalb des Gehirns, des Nervensystems und des Körpers untersucht werden, als Prozesse, die das Tun/Wissen des Meditierenden hervorbringen.

Die Methodologien der Zone 5 beschreiben die Perspektive einer ersten Person des Innerlichen eines Organismus unter Verwendung der kognitiven Begrifflichkeiten einer dritten Person ... nicht die Innenseite eines Ich, sondern die Innenseite eines Es. Wilber weist darauf hin, dass autopoetische Beschreibungen nicht in Ich-Sprache, der Sprache der Qualia, verfasst sind, sondern in der Es-Sprache der Kognition. Es ist der Unterschied zwischen der phänomenologischen Qualia eines Ich-Raumes (Zone 1) und dessen unmittelbarer Entsprechung in der kognitiven „Software“ des Gehirns/Organismus (Zone 5). Im Fall der Zone 7 geht es um den Unterschied zwischen der hermeneutischen Qualia eines Wir-Raumes (Zone 3) und seiner direkten Entsprechung in der kommunikativen Konstitution eines sozialen Systems. Weil ein individuelles Holon eine dominante Monade hat, beschreibt der Begriff Kognition am ehesten die Phänomene der Zone 5. Weil eine soziales Holon einen vorherrschenden Nexus hat, ist der Begriff Kommunikation am ehesten geeignet die Phänomene der Zone 7 zu beschreiben. Kommunikation ist der Austausch von Zeichen zwischen dominanten Monaden, den Mitgliedern kollektiver Holons unter Verwendung ihrer Kommunikationsmöglichkeiten. Kognition ist der Informationsaustausch der Zeichen zwischen den konstituierenden Teilen individueller Holons. In beiden Fällen bringen die Methodiken dieser Zonen die Sichtweise auf den Organismus oder das soziale System hervor, bei der die Kognition oder die Selbstregulation als eine Funktion physischer Verkörperung oder Struktur gesehen wird. Ladislav Kovak, ein Kognitionsbiologe, beschreibt dies als eine „Verkörperung von Wissen im Aufbau des Organismus, eine strukturelle Komplexität derjenigen Strukturen, deren verkörpertes Wissen ihrer epistemologischen Komplexität entspricht.“

Es schwierig genau zu definieren, was Zone 5 und Zone 7 Phänomene sind. Dennoch bringen die Methodiken dieser Zonen einen spezifischen vierten[7] Bereich von Phänomenen hervor, beschrieben in der Sprache der Kognitionsbiologie, der kognitiven Neurowissenschaften, der autopoetischen Systemtheorie, der biologischen Phänomenologie und der Autopoiese sozialer Systeme, ein Bereich der sich am besten mit dem Begriff Information, d. h. biologischer Information, beschreiben lässt.

Es gibt diesen speziellen Bereich von Phänomenen, der durch die Methoden der Zone 5 und 7 wahrgenommen wird, und dieser Bereich ist nicht Bewusstsein, Geist oder Qualia, und er ist auch nicht die materielle Wirklichkeit der Zonen 6 und 8. Zone 5 und 7. Auch wenn diese die Perspektive einer ersten Person mit berücksichtigen, bleiben sie rechtsseitig-monologisch, und beschäftigen sich mit äußerlicher Es-Kognition, Es-Information und Es-Kommunikation, und betrachten die spezifischen Informationsstrukturen, aus denen die subjektive kognitive Welt des Organismus und die kommunikative Welt des sozialen Systems bestehen.


Quelle: Online Journal Nr. 19, 2009


[1] http://www.kenwilber.com/blog/show/379?return=archive&page=4

[2] A. d. Ü.: mit „Qualia“ bezeichnet der Autor in einem Überbegriff die Phänomene, die durch die Untersuchungen der Zone 1 (Ich-Qualia, Phänomenologie) und Zone 3 (Wir-Qualia, Hermeneutik) hervorgebracht werden.   

[3] Man beachte dabei, dass der Autor für die Strukturbeschreibungen subjektiver und gemeinschaftlicher Bewusstseinsphänomene den Überbegriff „mind“ wählt, was mit „Geist“ übersetzt wurde, und den umgangssprachlich viel weiter gefassten Begriff damit einschränkt. Die Hervorhebungen sind die des Autors. 

[4] Wilber 2003, Excerpt D: The Look of a Feeling: The Importance of Post/Structuralism Part II. Entering ZONE #2: The Outsides of the Interior.

[5] Worauf es dabei ankommt ist, dass “Geist,” oder welcher Begriff auch immer für dieses Zonenpaar angewendet wird, eine spezifische Art von Phänomenen bezeichnet, von Individuen oder Gemeinschaften, die durch die Methodiken der Zone 2 und 4 hervorgebracht und gesehen werden. Geist ist damit gesehenes Bewusstsein, eine Qualia in Es-Sprache, als die äußerliche Kontur individueller Subjekte und kollektiver Kulturen.

[6] Das innere sozialer Systeme in Zone 7 wird genauer beschrieben als “Kommunikation”. Bei der Erläuterung hier jedoch, wo es um die Beschreibung von Gemeinsamkeiten zwischen den Zone 5 und 7 geht, kann der Begriff „Kognition“ verstanden werden als die „Kognition des sozialen Systems“ als eine soziale Nexusagenz, und nicht als eine dominante Monade, wie sie charakteristisch ist für die kognitive Einheit eines individuellen Holons.

[7] A. d. Ü.: die drei anderen Bereiche werden durch die drei anderen Zonenpaare hervorgebracht: Zonen 1 +3, Zonen 2+4 und Zonen 6 + 8.