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17.10.2017 : 16:55 : +0200

Göttlicher Stolz und das 1-2-3 Gottes

Übersetzung des Videos "Divine Pride and the 1-2-3 of God"

(aus: Integral Naked, Divine Pride and the 1-2-3 of God, Juli 2008)

 

KW: Wenn wir über die Zustände des Bewusstseins sprechen, dann beziehen wir uns dabei meistens auf den GEIST in einer ersten Person. Doch natürlich gibt es auch GEIST als eine zweite Person und GEIST als dritte Person. Sobald Manifestation auftritt – in der Version des Vedanda – von nirguna brahman, GEIST ohne Eigenschaften, zu satguna brahman, GEIST mit Eigenschaften, dann sind die Qualitäten wie sie im vedanta beschrieben werden Sein [being], Bewusstsein [consciousness] und Seligkeit [bliss]. Eine weitere Möglichkeit „bliss“ zu übersetzen ist Glück oder Freude, als etwas womit man konkreter in Beziehung sein kann. Manche haben nicht das Gefühl von Seligkeit in ihrem Leben, doch Glücklichsein und Freude kommt dem auch sehr nahe. Fühlt man diese innewohnende Lebensfreude, dann ist das großartig.

Eine andere Art das zu betrachten ist die der Perspektiven, erste Person, zweite Person und dritte Person. Die dritte Person des GEISTES ist eine Betrachtung wie die des großen Gewebes des Lebens, oder auch Dharmadatu oder sogar der Dharma als Es oder Soheit. Die zweite Person des GEISTES taucht im Vajrajana an zwei Orten auf: einmal wird man an einem bestimmten Punkt aufgefordert, seinen Guru als GEIST in der zweiten Person zu sehen und uns in dieser Weise auf ihn zu beziehen. Aber es gibt auch bestimmte meditative Übungen, in denen man Spirit visualisiert und sieht - wobei diese für real Wesenheiten gehalten werden und nicht bloße Archetypen – du siehst eine Anzahl von Buddhas und Bodhisattvas, die sich dir gegenüber befinden und einen anschauen und mit denen man in einen Austausch und Dialog eintritt und deren Segen man erhält – das ist GEIST als eine zweite Person. GEIST als eine erste Person ist genau in diesem interessanten Augenblick wenn es „klickt“ - wobei dieser GEIST als eine zweite Person sich umdreht, über deinem Kopf Platz nimmt und in das eigene Herz eintritt und man ist diese Wesenheit. Das ist GEIST als eine erste Person. Das haben wir uns angeschaut.

Aber GEIST als zweite Person ist sehr wichtig und wird auch im Vajrajana betont, während es in anderen Welttraditionen nicht so stark betont wird, sie tendieren dazu, eine dieser drei Perspektiven herauszugreifen. Wenn wir also überwiegend die Zustände des Bewusstseins betrachten, ist es immer gut sich zu erinnern dass GEIST als zweite Person Gefühle der Dankbarkeit, Glückseligkeit, Hingabe und Liebe hervorruft. Wir alle können uns gegenseitig als GEIST einer zweiten Person betrachten. Das ist etwas sehr Reales wo wir Lehrer als Lehrer anerkennen und es gibt bestimmte Punkte, wo sie mehr sehen und mehr wissen als man selbst. Besucht man einen Mathematikkurs im College, dann weiß der Lehrer zu einer bestimmten Zeit mehr darüber als man selbst. Studiert man jedoch beharrlich bis man selbst promoviert, dann kann man mit dem Wissen des Lehrers gleichziehen – das ist der Sinn der ganzen Sache, den Unterschied zwischen beiden auszulöschen. Grün [die Entwicklungsstufe des grünen Mem] versucht diesen Unterschied jedoch am ersten Unterrichtstag zu nivellieren. Das ist nicht gut! Aber natürlich, ein oder zwei Jahre später sollten die Unterschiede verschwinden. Man kann also sein eigener Guru werden, indem man das eigene ursprünglich nackte Bewusstsein als den inneren Guru erkennt. Es ist also angemessen wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir uns selbst als GEIST in allen drei Dimensionen manifestieren, und dass wir die Welt in allen drei Dimension sehen können. Es ist daher der richtige Zeitpunkt, Dankbarkeit und Demut gegenüber euch allen zum Ausdruck zu bringen, dafür dass ihr hier seid und hieran teilnehmt – den Weg für etwas bereitet, wobei, wenn man es einmal erkannt hat, man nicht mehr zurückgehen kann. Man bekommt die Zahnpasta nicht mehr in die Tube zurück. Dies verbreitet sich mehr und mehr in der gesamte Kultur, und Menschen schauen zurück auf die ersten Lehrer die sich damit beschäftigt haben und die Details ausgearbeitet haben, und nicht nur den allgemeinen Rahmen, sondern konkret die ganze Kleinarbeit, worauf es bei einer Praxis ankommt. Menschen die so etwas machen sitzen dort drüben. Auch sie verdienen unsere Dankbarkeit und Hingabe. Wir leben in einer außerordentlichen Zeit, und was wir machen ist ein außerordentliches Bewusstseinsabenteuer. Und dieses Abenteuer hört niemals auf – das ist so außerordentlich daran.

Wenn man ein Teil davon ist, hat man das Recht sich stolz zu fühlen, und die Emotionen Stolz und Demut treten gemeinsam auf, sie sind paradox, aber widersprechen sich nicht – es ist also völlig berechtigt, einen unbändigen Stolz und atemberaubende Demut zu verspüren, und man kann hin und herwechseln, das ist erlaubt. Aber ich möchte auch, dass ihr einen ungeheuren Stolz empfindet. Wie viele von euch wissen, die Vajrayana praktizieren, geht es in den ersten Stufen der Praxis, wo man mit dem Yidam, Visualisierungen und Yoga arbeitet, darum sowohl die Konzentration zu stärken und ein visualisiertes Bild halten zu können (Shamatta), als auch um die Fähigkeit, die Transparenz dieser Visualisierung zu sehen – das ist Vipassana, aber bedeutet auch Leerheit. Insofern bekommt ihr Form und Leere in einer einzigen Praxis, eine Nichtdualität. Was es dabei auch zu halten und zu entwickeln gilt ist göttlicher Stolz. Unterscheiden zu lernen zwischen egoischem Stolz und göttlichem Stolz ist extrem wichtig. Hat man das einmal herausgefunden, dann ist das wie ein erfolgreicher Studienabschluss. Man lernt das praktisch lebenslang. Aber erlauben wir einer grünen Kultur niemals dies zu zerstören, und den göttlichen Stolz von dem was man tut hinwegzunehmen. Bleibe dabei  gleichzeitig absolut demütig, doch finde ebenso diesen Bereich und Aspekt deiner selbst der zu 100% göttlich ist, und sei stolz darauf. Der Stolz des Seins den es zu halten gilt, das ist auch sehr wichtig.  


Übersetzung: Michael Habecker und Hanna Hündorf