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30.4.2017 : 9:05 : +0200

Der Emotionalkörper in der Kommunikation (eine Meditation)

 

Ausschnitt aus einem Telefoninterviewmit Ken Wilber 2005:

Die integrale Leichtigkeit des Seins - Gross, Subtle, Causal -, Pointing-out Instructions

Übersetzung von Michael Habecker und Monika Frühwirth

 

Unmittelbar hinter bzw. unter dem, was du als das Physische fühlst, gibt es ein großes Feld von Gefühlen. Du verfügst über ein großes, vitales, empfindendes, vibrierendes, lebendiges, warmes, liebendes, berührendes und sorgendes Meer von Emotionen, die du fühlst. Das ist etwas Außerordentliches, wenn man die Aufmerksamkeit dort hinwendet. Wir alle haben dieses Empfinden lebendig zu sein, das individuelle Fühlen und Sein, mit Verlangen und Emotionen, in mancherlei Weise ein traumähnlicher Zustand, der uns alle miteinander verbindet. Und ihr alle könnt miteinander und ineinander atmen, jeder Mensch in diesem Raum spürt seine Individualität als ein Gefühl, und du bist dir eines jeden Menschen in diesem Raum bewusst, du kannst jeden in deinen Atem hinein nehmen, seine Essenz einatmen.

 

Mit jedem Einatmen teilen wir miteinander dieses emotionale Feld, wir können es einatmen, das ist die Verbindung, so kommunizieren wir, durch dieses intersubjektive Feld von Gefühlen. Und es befindet sich unmittelbar an der ‚Innenseite’ dieser physischen Hülle, derer wir uns auch bewusst sind. Ein Teil dessen, was wir tun wollen, ist, immer mit unserem Atem die Verbindung zu halten zu diesem emotionalen Feld.

 

Mit dem Einatmen kannst du die Emotionen in dir herunterfließen lassen, mit dem Ausatmen entspannst du dich, lässt los, die Gefühle können in die Unendlichkeit abgegeben werden. Mit dem Einatmen fühlst du die emotionale Energie in dich eintreten, mit dem Ausatmen schließt sich der Kreis, der Atem kehrt zurück und befreit. Wir alle teilen das Miteinander, wir atmen uns gegenseitig ein, und ein Teil dieser Kommunikation ist das sich gegenseitige emotionale Berühren, ein sensorisches Berühren.

 

Wenn ich euch anschaue und zu euch spreche, und wenn ihr mich anschaut und mit mir sprecht, fühlen wir einander von innen her. Das äußere Betrachten ist auch wichtig, aber es gibt dieses Fühlen, wir nehmen einander in uns hinein. Es ist etwas sehr Intimes, wenn wir einander so berühren. Teil einer effizienten Kommunikation besteht darin, dass man nicht vor diesem Gefühl zurückschreckt. Vielen Menschen ist das unangenehm, sie wollen nicht in Kontakt treten, sie wollen einem anderen nicht so nahe kommen. Also schauen wir nur auf die Oberfläche, wechseln ein paar Worte, wir schrecken vor diesem Meer liebender, warmer, emotionaler Gefühle, das die Kommunikation ermöglicht, zurück.

 

Beides erscheint in deinem Bewusstsein: Der grobstoffliche Körper und der subtile Körper.

Beides ist offensichtlich - du bist dir deiner Gefühle hier und jetzt bewusst und der Objekte.

Und hinter all dem, was immer es auch sei, ist das Bezeugen all

dessen was ist.

Und dieser Zeuge ist unbewegt.

Dieser Zeuge ändert sich nie, er ist unberührt von allem.

Er ist das, was du als dein Selbst erkennst, das große ICH BIN, welches du immer gewesen bist.

Es gab niemals eine Zeit, wo du nicht du warst.

Du kannst dich an keinen Zeitpunkt erinnern, wo dieses ICH BIN nicht war.

Und dafür gibt es einen Grund - es gab niemals eine Zeit, wo das ICH BIN nicht anwesend war.

Es ist das Einzige, was sich nicht ändert.

Es ist die einzige Konstante in deinem Bewusstsein:

Es ist das Einzige, was sich mit der Zeit nicht ändert.

Jeder von uns hat dieses bezeugende ICH BIN.

Und es ist identisch in jedem von uns.

Es gibt nur EINES davon in diesem Raum, nur Eines und es ist das Gleiche, was du hier und jetzt fühlst.

 

Wenn wir damit kommunizieren, betrachten wir nicht nur die äußeren Objekte, die wir alle sind, und wir fühlen nicht nur das Meer emotionaler Fürsorge, das wir alle haben, wir berühren diesen tiefsten Punkt in uns, derselbe Punkt in jedem von uns. ....

 

Wir betrachten die physische Form und achten sie; fühlen uns ineinander hinein, und lieben das, und wir sind identisch in diesem Bewusstsein, in welchem all dies von Augenblick zu Augenblick erscheint.

 

Diese radikale Einheit erlaubt uns, überhaupt miteinander zu kommunizieren.

 


Quelle: AK-Ken Wilber Rundbrief 23 - 2005