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Integrale Friedensarbeit und Tiefenökologie
Die Gruppe trifft sich regelmäßig als 4-5 Wochen in Weilheim bzw. Diessen/Oberbayern und ist für Interessenten offen. Es hat sich ein Kern von 6-8 Teilnehmern herauskristallisiert, die intensiv am Thema Frieden, integrale Wahrnehmung u.a. arbeiten. Ausgangspunkt ist eine allgemeine Einschätzung globaler Situationen:
Gegenwärtig sind wir Zeugen ganz neuer Formen von Gewalt, wie sie u.a. der 11. September oder die Inszenierung des Irakkrieges exemplarisch gezeigt haben. Neben dem Aufblühen neualter Fundamentalismen, ob in religiöser Form oder als neoliberale Wirtschaftsstrategien bzw. als unverfrorenes Auftreten imperialer Macht finden sich global eingerichtete Gewaltmärkte wie der Terrorismus des gesichtslosen Einzelkämpfers; dies alles weit jenseits internationaler Rechtsprechungen. Jede Frontlinie zwischen offiziellen Gegnern ist damit inzwischen endgültig aufgehoben. Der Hauptleidende in all diesem Wahnsinn sind in erster Linie Kinder, alte Menschen und Frauen. (siehe Tschetschenien).
Die Frage nach der Eindämmung von Gewalt, bzw. neuen Wegen von Friedensforschung und ?handlung ist daher dringlicher denn je. Eine Voraussetzung dafür, dass wir die Vision eines authentischen Friedens verwirklichen können, beruht in der Einsicht, dass sich im Äußeren nur so viel Frieden ereignet, wie im einzelnen Menschen realisiert ist. Frieden ist als ein kontinuierlicher Heilungsprozeß zu verstehen, der auf der Kooperation und allseitigen Solidarität zwischen Mensch, Tier, Pflanze und und geistigen Wesenheit beruht, ebenso auf der Basis von Liebe und Anerkennung zwischen den Geschlechtern- im Zentrum steht dabei die Erfahrung der Einheit allen Seins als Ausdruck der gesamten Spirale der Evolution im Wilberschen Sinne.
Konkret bedeutet dies, gerade angesichts der immer größeren ökologischen Katastrophen, fühlbare/erkennende Verbindungen zwischen unseren Angst, Haß und Ohnmachtsräumen einerseits und der Wahrnehmung der unmittelbaren Zugehörigkeit zum gesamten Lebensprozeß andererseits in all seinen Stufungen und Dimensionen (vgl. Aqual) wiederherzustellen. Kommt diese Integration nicht zustande, scheitert Friedensvision und mündet in unterschwelligen oder offenen Zynismus- Kompensation eines allseitigen Ohnmachtkomplexes.
Insofern versteht sich die Gruppe immer selbst als ein Experiment, wobei eine der Hauptfragen das Verhältnis von zunehmender Komplexität von Strukturen und Perspektiven in einer sich andeutenden Weltgesellschaft ist und andererseits die Banalisierung und Verrohung ganzer Gesellschaften durch ökonomische und militärstrategische Vorgehensweisen. Das macht integrales Denken und Handeln auf der Basis integrativer, transformatorischer Praxis umso notwendiger. Den Geschmack von One Taste im Alltag wiederzufinden ist entscheidend. Das Integral scheint hier wie eine immer fliehende Horizontlinie, die sich dennoch jeden Moment im einzelnen Menschen zu ereignen vermag, ohne je ?gehabt? werden zu können!
Schon in unseren monatlichen Begegnungen wurde sofort klar: die erste spirituelle Tugend heißt Mitgefühl (Compassion), also Anerkennung des Anderen, seiner Sprache, seiner Empfindungen, seines Denkens. Es hat sich gezeigt, dass dies ein ziemlich existentieller Prozeß ist, der immer neu erübt werden will.
Dr. Peter Erlenwein
E-Mail: erlenwein(at)yahoo.de
Tel: 08807/924816


