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17.10.2017 : 16:46 : +0200

Spirituell Unkorrekt:

Marc Gafni

Einige Bemerkungen über die Lehrer-Schüler Beziehung

Dr. Marc Gafni

Herzlichen Dank für eure freundliche Einladung, einen Kommentar zu dem Positionspapier des Integralen Forum in Bezug auf Lehrer-Schüler Beziehungen abzugeben. Lasst mich erst meine Glückwünsche zu diesem Papier aussprechen, das eine gute Einleitung zu diesem wichtigen Gespräch darstellt. Dieses Thema ist es wert, auf vielen Ebenen dringend angesprochen zu werden. Ich möchte euch für eure hervorragende Anwendung des integralen Rahmens auf die Diskussion dieser Themen loben. Es ist die Anwendung des integralen Rahmens, die es der Diskussion erlaubt, die angemessene Komplexität, multiplen Perspektiven und Nuancen zu enthalten.

Allgemein gesagt, stimme ich mit eurer Schlussfolgerung überein, dass es notwendig ist, einige grundlegende Standards in Bezug auf spirituelle Lehrer einzuführen. Selbstverständlich sind wir uns alle der entsetzlichen Missbräuche bewusst, die im Zusammenhang mit prä-persönlichen Kulten stattfinden, sowie einiger subtileren Formen der psychologischen Manipulation, finanzieller Unehrlichkeit und sexuellen Missbrauchs, die alle in diesem Zusammenhang unter dem Feigenblatt der Lehrer-Schüler Beziehung im Namen des Dharma stattfinden. Die möglichen Opfer zu schützen und die Machtlosen von den Launen der Mächtigen abzuschirmen, ist eine grundlegende Verpflichtung jeder Gemeinschaft.

Gleichzeitig, wie ihr es auch in eurem Papier anzeigt, brauchen wir in diesem Austausch ein gutes Unterscheidungsvermögen um sicherzustellen, dass die Lehrer-Schüler Beziehung aufrechterhalten wird. Denn ohne die Funktion dieser Lehrer-Schüler Beziehung würden sowohl die Übertragung der Weisheit, als auch die persönliche und kollektive Erleuchtung des inneren Gesichtes des Kosmos schwer geschädigt. Die Lehrer-Schüler Beziehung ist wesentlich für diese evolutionären Ziele.

Es ist natürlich eine Binsenwahrheit, dass es innerhalb der Kultur keine große inter-subjektive Institution ohne Schattenpotential gibt. Sexualität ist hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl ihr Schattenpotential mehr als offensichtlich ist, empfiehlt die überwältigende Mehrheit der zeitgenössischen Weisheitstraditionen nicht, die Sexualität zu unterdrücken. Stattdessen sollte die Sexualität weiterentwickelt, vertieft und mit Bewusstheit und Vorsicht ausgeübt werden. Sie muss auch auf eine Weise ausgeübt werden, die uns den Zugang zum wilden Eros und der heiligen Ungezwungenheit erlaubt, die Sex nicht nur sehr reizvoll macht, sondern auch zu einem potentiell wichtigen Tor zur erleuchteten Praxis, und gleichzeitig ein Modell für Eros und Heiligkeit in allen nicht-sexuellen Dimensionen unseres Lebens liefert. Die gleiche Vorsicht ist in Bezug auf Lehrer-Schüler Beziehungen geboten. Während die Lehrer-Schüler Beziehung viele potentielle Gefahren birgt, trägt sie in sich zugleich das Potential des Versprechens tiefer Transformation und spirituellen Evolution. Gerade weil diese kraftvolle und wichtige Beziehung in den angstgetriebenen, politisch korrekten Zusammenhängen, in denen das Gespräch über die Lehrer-Schüler Beziehungen so oft stattfindet, so oft missverstanden wird, erscheint es lohnend, einige anfängliche Gedanken zu diesem Thema aus einer integralen Perspektive anzubieten.

Ich stelle meine Gedanken hierzu nicht in Form einer formellen Abhandlung vor, sondern stattdessen als eine Abfolge von individuellen Notizen und Einsichten, von denen ich hoffe, dass sie in allen, die an diesem wichtigen Thema interessiert sind, auf Resonanz stößt. Ich sollte noch hinzufügen, dass ich meine Kommentare über die Lehrer-Schüler Beziehung insbesondere in einem auftauchenden postmodernen und integralen Zusammenhang anspreche.

Die Lehrer-Schüler Beziehung: Einige wichtige Einsichten

Die klassische Lehrer-Schüler Beziehung in einem großen Teil der westlichen spirituellen Welt außerhalb der formellen Kirche wurde aus dem Osten importiert. In diesen Beziehungen hatte der Lehrer die absolute Autorität inne. Diese Autorität wurzelte in den besten Fällen in der erleuchteten Verwirklichung des Lehrers. Diese Art von absoluter Autorität brachte vielen westlichen Studenten den Segen und die Unerbittlichkeit, die es ihnen ermöglichte, spirituell auf eine Weise voranzukommen und tiefer zu gehen, welche ohne die Autorität und Übermittlung des Lehrers unmöglich gewesen wäre. Zwei wichtige Komplikationen traten jedoch mit diesem Modell in ihrer Anwendung im westlichen Kontext auf. Die erste Komplikation war, dass der Lehrer normalerweise nicht zwischen den Bereichen unterschied, in denen er angemessenerweise eine Autorität innehatte, die auf seiner Stufe der Verwirklichung beruhte, und anderen Bereichen seines Lebens, in denen er deutlich weniger weit entwickelt war. In einigen Lebensbereichen wusste der Lehrer häufig nicht mehr als sein/ihr Schüler und manchmal sogar deutlich weniger. Ein Beispiel eines Lehrers fällt mir ein, der zutiefst fortgeschritten in seinem Verständnis des Absoluten, aber gleichzeitig zutiefst unwissend über die Adoption war. Er hat aber innerhalb der Gemeinschaft einen starken Standpunkt gegen die Adoption vertreten, obwohl er über die Fakten der Adoption schlecht informiert war. Er beanspruchte die gleiche Autorität in Bezug auf Adoption, wie in anderen Bereichen der spirituellen Entwicklung.

Die zweite, mehr allgemeine Herausforderung der Autorität des spirituellen Lehrers ist, dass ein Lehrer in einigen Entwicklungslinien sehr viel mehr entwickelt sein kann als in anderen. Es wird deutlich, dass ein ernsthafter Lehrer erhebliche Errungenschaften in einer Anzahl von Entwicklungslinien aufweisen könnte, zusätzlich zu der engen, wenngleich entscheidenden Linie der erleuchteten Verwirklichung. Dies ist jedoch häufig nicht der Fall. Lehrer sind sich außerdem manchmal nicht über die verschiedenen Ebenen bewusst, die sie in verschiedenen Linien erreicht haben, wodurch sie ihre eigenen Mängel in verzerrten Lehren ausdrücken.

Um diese Themen weiter zu erläutern, sollte klargestellt werden, dass selbst innerhalb des oberen linken Quadranten, in dem die meisten spirituellen Lehrer erhebliche Errungenschaften und somit eine natürliche Autorität aufweisen, zwischen verschiedenen Lehrern unterschieden werden muss, und zwar auf zwei unterschiedlichen Grundlagen. Erstens gibt es einen graduellen Unterschied der Verwirklichung zwischen verschiedenen Lehrern, der oft sehr weitreichend ist. Demzufolge sollte es auch einen entsprechend großen Unterschied zwischen dem Maß an Autorität geben, den diese verschiedenen Lehrer für sich beanspruchen. Zweitens sind die meisten authentischen spirituellen Lehrer auf eine bestimmte Medizin spezialisiert, die sie in bestimmten Zusammenhängen auf besonders mächtige oder transformierende Weise verabreichen können. Ein Lehrer arbeitet besonders gut in der Traumwelt, ein anderer in der Evolution jenseits des Ego, ein dritter in der Führung zur Berufung, ein vierter in der Sicht einer intellektuellen Entfaltung großer Dharma-Landkarten, und ein fünfter bietet vielleicht den kraftvollen Zugang zur Shakti der unerschütterlichen transformativen Liebe. Manchmal besitzt ein Lehrer zwei oder sogar drei dieser erwachten Gaben, aber es ist sehr selten, dass ein einziger Lehrer sie alle besitzt. Es obliegt dann natürlich dem Lehrer, selbst zu erkennen, welche bestimmte Medizin er mit Gewissheit verabreichen kann, genauso wie es dem Schüler obliegt, sich um das gleiche Unterscheidungsvermögen aus seiner Sicht als Schüler zu bemühen. Aber die Verpflichtung liegt in erster Linie beim Lehrer, nicht seine oder ihre natürliche Autorität zu überschreiten. Dies erfordert deutliche Integrität und Selbstdisziplin von Seiten des Lehrers.

Das gleiche Prinzip des Unterscheidungsvermögens galt in der prämodernen Spiritualität durch die verschiedenen Ströme, die es in den einzelnen religiösen Traditionen gab. Jede Tradition hatte ihre eigene, besondere Medizin, die sie mit Geschick und Autorität verabreichen konnte. Als die Kirche ihren Bereich der Kompetenz überschritt und spirituelle Autorität außerhalb ihrer natürlichen Domäne des oberen linken Quadranten in Angelegenheiten wie Regierung und Wissenschaft für sich beanspruchte, waren bereits die Samen für den letztendlichen Niedergang dieser Religion gesät. Ihre spezialisierte Gnosis und Autorität zu überschreiten, ist für die Kirche genauso problematisch wie für den spirituellen Lehrer. Man könnte behaupten, dass genau wie in prämodernen Zeiten die klassische Kirche der mythischen Zugehörigkeit ihre Autorität überschritten hat, als sie Gnosis für sich beanspruchte, die sie nicht besaß, der postmoderne spirituelle Lehrer manchmal das Gleiche getan hat. Der spirituelle Lehrer, der die alten Guru Modelle in heutigen Zusammenhängen angewendet hat, hat mehr als einmal zu weit gegriffen und eine Autorität für sich beansprucht, die über das hinausging, was wahr oder angemessen war. In integralen Begriffen könnte man sagen, dass sowohl der postmoderne spirituelle Lehrer wie auch die prämoderne Kirche echte Weisheit im oberen linken Quadranten der Realität besaßen, und beide haben manchmal diese authentische Weisheit benutzt, um unangemessene Autorität in den anderen drei Quadranten für sich zu beanspruchen, einschließlich Kultur, Wissenschaft und Politik. Manchmal geschah dies bewusst, um Macht zu gewinnen, aber viele Male wurde dies unbewusst getan, sowohl vom spirituellen Lehrer als auch der Kirche, die beide angenommen hatten, dass nur aufgrund ihres Wissens um die inneren Bereiche der Erleuchtung, sie auch wichtige Kenntnisse und damit Autorität in den Bereichen der Kultur, Politik und Wissenschaft besaßen. Aber dies war ganz einfach nicht der Fall.

Der Niedergang der Kirche und die Verdrängung des spirituellen Lehrers

Die Kritik der Moderne an der Kirche verlangte Beweise für Dogmen, welche ganz einfach nicht aufzufinden waren. Die Kritik der Moderne zeigte den historischen Kontext für einen großen Teil der kirchlichen Lehre auf, und entlarvte damit das, was bisher blind als Wort Gottes akzeptiert wurde. Dies war wichtig, weil so die übertriebene Autorität der Kirche entlarvt wurde und stattdessen die natürlicheren Gebieter der kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Autoritäten an ihre Stelle traten. Diese Umwälzung drückte sich im Aufkommen der Demokratie, der Explosion der Wissenschaft, den evolutionären Sprüngen in Menschenrechten, dem Aufschwung des Weiblichen und der Würde des Individuums aus.

Das Problem bestand jedoch darin, dass die Moderne und Postmoderne das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Anstatt die Autorität der Kirche auf den oberen linken Quadranten zu begrenzen, wurde der GEIST insgesamt verworfen. Das Ergebnis wurde von Lewis Mumford als „Dis-Qualifizierung des Universums“ bezeichnet, also die Verwandlung des Universums in Flachland. Die Kernzusammenhänge der Bedeutung und Verbindlichkeit wurden dekonstruiert, ohne eine Säule des Guten, Wahren und Schönen an ihrer Stelle zu rekonstruieren.

Auf ähnliche Weise wurden spirituelle Lehrer, die in unserem heutigen Kontext tätig waren, von den besten Einsichten der Moderne und Postmoderne herausgefordert. Übertriebene Autoritätsansprüche von Seiten der Lehrer wurden größtenteils verworfen. Es wurden Unterscheidungen getroffen zwischen den authentischen tiefen Strukturen des Dharma und den oberflächlichen Strukturen des Dharma, die in kulturellen und psychologischen prä-modernen Ebenen des Bewusstseins wurzeln. Lehrer, die aufgrund von prämodernen Annahmen dogmatische Autorität in Bereichen außerhalb des oberen linken Quadranten für sich beanspruchten, wurden abgelehnt. Forderungen nach Transparenz, Demokratie und Rechenschaft, die aus der sogenannten pluralistischen „grünen“ Bewusstseinsebene hervorgingen, prallten auf die jeweils purpurnen, roten und blauen Bewusstseinsebenen, die häufig den kulturellen Rahmen für das ursprüngliche Erwachen des Lehrers darstellten.

Was jedoch nun geschehen ist – genau wie bei der angemessenen Ablehnung des übertriebenen Anspruchs der Kirche in der Moderne – in Bezug auf spirituelle Lehrer läuft das Kind wieder Gefahr, mit dem Badewasser ausgeschüttet zu werden. Die wesentliche transformative Kraft und das verwandelnde Feuer der Lehrer-Schüler Beziehung, die oft ausschlaggebend sind für die Evolution des Bewusstseins, gehen allmählich verloren. Die neue Generation der Lehrer um die dreißig oder vierzig, die sich jetzt herausbildet, ist sehr darauf erpicht, ihre politische und spirituelle Korrektheit unter Beweis zu stellen. Worte wie Transparenz, Prozessbegleitung, Ermächtigung und Gegenseitigkeit sind die Schlagworte für spirituell korrekte Respektabilität und Akzeptanz in den liberalen und progressiven Kreisen, in denen sich diese spirituellen Lehrer außerhalb der Hauptkirchen bewegen.

Traurigerweise wurden jedoch auch die wilde Liebe, die drastischen, radikalen Anforderungen und die unverfrorenen Angriffe auf Mittelmäßigkeit, die von authentischen spirituellen Lehrern angewendet wurden, geächtet. Die ursprüngliche Kreativität und heiligen Anforderungen des Lehrers werden von dem Schüler abgelehnt, der vom Lehrer verhätschelt und bestätigt werden möchte. Das Resultat ist, dass der Lehrer Angst hat, die volle, heftige Gnade seiner Übermittlung zu entfalten, da er eine Gegenreaktion befürchtet, die in verschiedener Gestalt auftritt. Die kreative und heilige Verwegenheit des Lehrers, der Heilung und Transformation anbieten möchte, wird auf die gleiche Weise kastriert, wie die Leading-Edge Heilmethoden heutiger Ärzte kastriert werden. Sowohl der Lehrer als auch der Arzt fürchten Klagen wegen Amtsmissbrauchs. Tatsächlich ist es die juristische Definition von Amtsmissbrauch, außerhalb der „Konventionen der Gemeinschaft“ zu praktizieren. Das Konventionelle wird institutionalisiert aufgrund von Angst, und die postkonventionellen Methoden der Heilung, die von Liebe angetrieben sind, werden geächtet, verklagt und sogar verteufelt.

Es ist dieser Sinn für die ungeheuerliche postkonventionelle Verpflichtung des spirituellen Lehrers, die in eurem Papier nicht voll artikuliert wird. Birgt diese postkonventionelle Einstellung des Lehrers Gefahren? Natürlich tut sie das. Aber wie Chuang Tse vor so langer Zeit schrieb: „Ich bin gekommen, um gefährliche Worte zu sprechen, Ich bitte euch nur darum, gefährlich zuzuhören.“ Die mutigen Interventionen, die ein Arzt oder Lehrer der Leading-Edge anwenden muss, um Heilung und Transformation zu bewirken, sind schon fast per Definition postkonventionell und deshalb voller Gefahren für den Schüler und den Lehrer gleichermaßen.

Natürlich spreche ich hier nicht von den Gefahren des tatsächlichen Missbrauchs, gegen den wir uns tunlichst verwehren müssen. Jede Tendenz des Lehrers, die den Schüler von der Würde des Persönlichen in Richtung der Aufgabe persönlicher Autonomie zurückwirft, wie es im präpersönlichen Bereich gebräuchlich ist, muss sorgfältig vermieden werden. Ich denke, wir alle verstehen diesen Punkt und sind uns darin einig. Trotzdem erschien mir eure präzise, sichere und sterile Beschreibung der Lehrer-Schüler Beziehung irgendwie lauwarm.

Selbstverständlich müssen wir den verletzlichen Schüler schützen, und dennoch findet wahres Wachstum nur in der Verletzlichkeit statt. Während der Lehrer es vermeiden muss, prä-persönlichen Gehorsam zu fordern, kann die Lehre im angemessenen Zusammenhang eine Ergebung an die Liebe, an die Evolution des Bewusstseins und eine radikale, kompromisslose Integrität erfordern. Diese Art von Ergebung ist das Markenzeichen des wahrhaft Transpersönlichen. Wenn der spirituelle Meister den Schüler nicht dazu einlädt, ja sogar von ihm verlangt, seine Persönlichkeit zu unterwandern und zu überwinden, dann wird der Meister den Schüler im Stich gelassen haben. Es ist genau diese misslungene Unterscheidung zwischen dem präpersönlichen und dem transpersönlichen, die wir in der integralen Theorie eine Prä-Trans-Verwechslung nennen. Dieser Mangel an Unterscheidungsvermögen betrügt sowohl den Lehrer als auch den Schüler. Der Lehrer kann seine/ihre Berufung nicht erfüllen und der/die SchülerIn kann nicht von dem dringend notwendigen verwandelnden Feuer des Transpersönlichen profitieren.

Auf gewisse Weise kann man sogar sagen, dass es die Aufgabe des GEISTES ist, den Schüler zu „verführen“. Der große Lehrer vermittelt die Verführung des Schülers durch den GEIST, denn die Verführung durch den GEIST ist eine der großen Verwirklichungen des Bewusstseins. Und mit Verführung meine ich keine sexuelle Verführung. Wie mein Lehrer Mordechai Lainer von Izbica vor 150 Jahren lehrte: „Wir werden alle verführt; Größe liegt darin, zu wissen, wem du vertrauen kannst, dich zu verführen. Es war die Größe des biblischen Joshua, dass er genügend entwickelt war, um Moses zu vertrauen, ihn zu verführen.“ Hier müssen wir zwischen zwei Formen der Verführung unterscheiden. Die erste, wie sie von dem Psychotherapeuten Jim Maddow-Shepard definiert wird, ist ein Versprechen von Seiten des Verführers, das er nicht einhalten will oder kann, um dem egoistischen Nutzen des Verführers zu dienen. Dies ist unheilige Verführung, vor der wir uns alle verwahren müssen. Die zweite Form ist das, was wir „heilige Verführung“ nennen könnten. Hier lädt der Verführer die verführte Person dazu ein, oder fordert sogar von ihr, sich jenseits der Grenzen ihres eingerollten und zusammengezogenen Egos zu begeben, um eine Erkenntnis ihrer eigenen höheren und tieferen Authentizität und Freiheit zu ergreifen.

In beiden Formen der Verführung löst der Verführer einen Kontrollverlust beim Verführten aus. Aber hier muss wieder eine wichtige Unterscheidung getroffen werden. Wenn der Schüler die Kontrolle im präpersönlichen Sinn aufgibt, was bedeutet, die wesentliche Kontrolle zu verlieren, die in aller persönlichen Freiheit und Würde enthalten ist, dann haben wir es mit einem regressiven, ethischen Missbrauch von Seiten des Lehrers zu tun, der nicht toleriert werden sollte. Wenn jedoch die Ergebung eine Entspannung des Kontrollmechanismus der klammernden Kleinlichkeit und Angst bewirkt, der so oft eine verbogene menschliche Persönlichkeit antreibt, dann ist diese Ergebung tatsächlich etwas recht Gutes. Genau dies ist die Unterscheidung zwischen präpersönlicher Ergebung und transpersönlicher Transzendenz, und die Fähigkeit, diese Unterscheidung zu treffen bedeutet alles auf dem spirituellen Weg.

Die präpersönliche Gemeinschaft manifestiert sich als ein Kult. Am meisten entartet stellt sie sich in Kulten wie denen von Jim Jones oder Charles Manson dar. Die transpersönliche Gemeinschaft ist die authentische Sangha engagiert Suchender, verbunden durch die Vision eines höheren Erwachens. Im besten Fall zeigt sich dies in Form einer erleuchteten Gemeinschaft ernsthaft Suchender, die in Gemeinschaften des Dienens und der Gnade leben, wie die beispielhaften Ashrams, Klöster, Yeshivas und anderen esoterischen Gruppen der Geschichte.

Zwei Modelle eines spirituellen Lehrers: Der Krämer und der Künstler

Ein anderer Zugang zum Thema des Wesens der Lehrer-Schüler Beziehung ist die Frage, an welchen Archetyp sich die Funktion des Lehrers angleicht? Ich würde hier eine Reihe von möglichen Modellen der Funktion eines Lehrers vorstellen, die jeweils eine andere Beziehung zum Schüler und verschiedene Verhaltensregeln für das Engagement sowohl des Lehrers als auch des Schülers andeuten.

Als erstes würde ich hier die Unterscheidung zwischen dem Lehrmodell eines Krämers und dem eines Künstlers vorschlagen. Ist der Lehrer ein Krämer oder ein Künstler? Wenn der Lehrer ein Krämer ist, dann ist es seine Aufgabe, den Schüler mit den Hauptzutaten zu versorgen, die wesentlich für die grundlegende Ernährung und Gesundheit des Schülers sind. Man erwartet von dem Krämer Sicherheit. Das Ziel des Krämers ist das, was Ken Wilber als translative Spiritualität bezeichnet hat. Der Krämer kümmert sich um den Schüler auf der Bewusstseinsebene, auf der der Schüler sich befindet und vermittelt ihm wesentliche Dienste und geistige Behaglichkeit. Man möchte auf keinen Fall von seinem Krämer, dass er gefährlich ist. Tatsächlich ist die Aufgabe des Krämers, dein Überleben durch die grundlegenden Notwendigkeiten und Sicherheiten zu gewährleisten. Der Krämer bezweckt, dich auf eine Weise zu unterstützen, die dir hilft, deine Verletzlichkeit zu überwinden.

Wenn man jedoch den Archetyp des Künstlers als Modell für die Begegnung zwischen Lehrer und Schüler nimmt, dann verändert sich die Qualität der Beziehung vollkommen. Die Aufgabe des Künstlers ist es nicht notwendigerweise, es uns behaglich zu machen. Die Aufgabe des Künstlers ist es, uns etwas zu zeigen, das wir selbst nicht sehen konnten. Der Künstler strebt danach, unsere Verletzlichkeit freizulegen, um uns zu einer höheren Wahrheit oder tieferen Verwirklichung zu provozieren. Der Künstler muss einen Weg um den Charakterpanzer der Kultur und Konditionierung finden, um uns für Ebenen von ästhetischem Genuss und Einsicht zu öffnen, zu denen wir in unseren konventionellen Sichtweisen keinen Zugang hatten. Der Künstler strebt danach, „unsere Augen umzurüsten“, so dass wir im Genuss der künstlerischen Offenbarung schwelgen können. Der Genuss, der das Ziel des Künstlers ist, ist etwas sehr Anderes als der Trost, der das Ziel des Krämers ist.

Wir haben die Tendenz, Behaglichkeit und Genuss als synonyme Güter des Daseins zu betrachten. Aber Genuss und Behaglichkeit sind sehr verschieden. Tatsächlich ist die Definition der moralischen Dekadenz oft der Glauben, dass das Gegenteil von Schmerz Genuss ist. Das ist es aber nicht. Das Gegenteil von Schmerz ist Behaglichkeit. Man kann sein ganzes Leben lang Schmerz vermeiden und niemals Genuss verspüren. Genuss vermeidet den Schmerz nicht, sondern umfängt und transmutiert ihn sogar. Wenn Schmerz vermieden wird, dann kann Genuss nicht erlangt werden, sondern bestenfalls Behaglichkeit. Obwohl man eine Menge zugunsten von Behaglichkeit sagen kann, muss man immer davor auf der Hut sein, auf behagliche Weise gefühllos zu werden. Es ist die Rolle des spirituellen Lehrers, der ein Künstler ist, die betäubenden Annehmlichkeiten des Egos aufzubrechen, um es dem Schüler zu ermöglichen, zu den inneren Tiefen ihrer eigenen Tiefgründigkeit und Einzigartigkeit zu erwachen. Während der Krämer erstrebt, die Geplagten zu trösten, strebt der Künstler danach, die Behaglichen zu plagen [to comfort the afflicted / to afflict the comfortable].

Der spirituelle Lehrer, der ein Künstler ist, unterscheidet sich jedoch mindestens auf eine bemerkenswerte Weise von einem klassischen Künstler. Der klassische Künstler wird zum größten Teil von den Musen der Kreativität angetrieben. Die ekstatische Dringlichkeit, die ihre kreativen Gesten auszeichnet, ist vom Eros der ursprünglichen Emergenz beflügelt, die den Künstler durchströmt. Der spirituelle Lehrer/Künstler ist im Gegensatz dazu von einer nahezu unerträglichen Liebe motiviert. Diese Liebe für den Schüler, für das göttliche Potential, das verzweifelt danach strebt, sich in dem Einzigartigen Selbst des Schülers zu realisieren, bewegt den Lehrer/Künstler dazu, so gut wie jedes Mittel anzuwenden, das ihm zur Verfügung steht, um den Schüler aus dem betäubenden Schlummer der egoistischen Mittelmäßigkeit zu erwecken. Das radikale Ziel des Eros der Liebe, das den Lehrer durchströmt, strebt fast verzweifelt danach, die Knoten der Unliebe zu schmelzen, die im Schüler leben. Manchmal werden diese Knoten durch eine liebevolle Umarmung geschmolzen, andere Male werden die Knoten nur durch sengendes Feuer geschmolzen.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Vorbildern für einen Lehrer ist in vielerlei Hinsicht enorm. Zum Beispiel das Thema Wut. Es würde wenig Sinn machen und wäre tatsächlich sehr verstörend, wenn unser Krämer wütend auf uns wäre. Wer braucht es, zu einem Krämer zu gehen, der einen dann wütend ausschimpft? Es wäre jedoch nicht charakterfremd für den Lehrer/Künstler, gelegentlich prophetische Wut zu aktivieren, um die Bollwerke des Egos anzufechten. Diese Art der Wut quillt nicht aus der Persönlichkeit des Lehrers hervor, sondern aus einer tieferen Quelle der Liebe und Verwirklichung. Der Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Wut ist so riesig, dass sie kaum in dem gleichen Wort eingeschlossen werden können.

Es ist natürlich möglich für einen Lehrer, sich zwischen diesen beiden Modellen zu bewegen oder eine höhere Integration dieser Modelle zu finden. Der Lehrer mag in der Stimme des Krämers wie auch des Künstlers sprechen. Aber wenn diese Stimmen sich im Lehrer zeigen, oder als die vorherrschende Stimme verschiedener Lehrer, müssen beide Stimmen erkannt werden und es kann nicht von ihnen erwartet werden, dass sie sich gleich anhören oder den gleichen Effekt auf ihre Zuhörer haben.

Es gibt ein heiliges Paradox in der Lehrer-Schüler Beziehung, die sich ihr Modell an dem Künstler-Archetyp nimmt, das Autonomie und Ergebung umfangen muss, während es gleichzeitig mit radikaler Sanftmut und grimmiger Gnade ausgestattet ist. Es war dieser Sinn des Paradoxen, das mir in dem ansonsten großartigen Papier des Integralen Forums fehlte. Für die integralen Verfasser scheint der Sinn für das Mysterium, die Unordnung, das unlösbare Paradoxon und die Magie der Lehrer-Schüler Beziehung ein wenig verlorengegangen zu sein, ausradiert und sterilisiert durch die klar umrissenen und wissenschaftlichen Bewertungsrichtlinien, die der Artikel liefert. Während ich also mit so gut wie allen vorgeschlagenen Richtlinien übereinstimme, denke ich, wir würden gut daran tun, die heilige Alchemie der Lehrer-Schüler Beziehung in Ehren zu halten, die sich nicht so leicht auf Richtlinien und Formeln reduzieren lässt, so sehr diese notwendig und wünschenswert sind.

Der spirituelle Lehrer und Schatten in einem postmodernen Zusammenhang

Das nächste Thema, das angesprochen werden muss, ist die Ebene, die der Lehrer erlangt hat, oder, anders gesagt, die Beziehung des Lehrers zum Schatten.

Es scheint zwei vorherrschende Positionen zu diesem Anliegen zu geben, die beide die Komplexität der vollen Realität des Lehrers nicht erfassen können. Eine Position misst spirituellen Lehrern einen Standard der Perfektion bei, der im Wesentlichen von fast keinem menschlichen Wesen erreicht werden kann. Das Ergebnis davon ist, dass der Lehrer gezwungen wird, zu lügen und seine Schatten zu verstecken, nur um unvermeidlich vom Sockel der Projektion zu stürzen, oft mit einem für alle Beteiligten schmerzhaften Krachen. Die zweite Position, die eine Reaktion auf die erste ist, behauptet, dass der Lehrer ziemlich wie alle anderen ist. Er oder sie kann eine besondere Lehre mit uns teilen oder ein besonderes Erwachen auslösen, aber der Kern ihrer Errungenschaften ist nicht substantiell weiter entwickelt als der ihrer Schüler. In diesem Modell ist alles gut, solange der Lehrer ein effektiver Prozessbegleiter ist, der regelmäßig seine Schatten eingesteht.

Ich würde gern etwas vorschlagen, was ich für eine mehr entwickelte Vision des Lehrers halte, der diese beiden ersten Modelle transzendiert und einschließt. Ich denke, dass ein authentischer spiritueller Lehrer eine echte Ebene der Verwirklichung erlangt haben sollte, die über die seiner Schüler hinausgeht. Gleichzeitig macht eine echte Ebene der Verwirklichung den Lehrer nicht immun gegen Schatten. Deshalb ist ein echter und furchtloser Umgang mit Schatten eine wesentliche Anforderung an alle Menschen – ohne Ausnahme. Es ist kein Zufall, dass das alte biblische Modell eines spirituellen Lehrers, einschließlich Abraham, Moses, Miriam, David und vielen anderen, alle in der Bibel als Lehrer dargestellt wurden, die genauso über tiefe Verwirklichungen verfügten wie echte Schatten.

Nachdem wir das gesagt haben, müssen wir sehr vorsichtig sein, die echten Schatten der Lehrer nicht als Feigenblatt für missbräuchliche Angriffe von Schülern auf ihre Lehrer zu benutzen. An dieser Stelle müssen eine Anzahl von spirituell unkorrekten Dingen klar unterschieden werden. Erstens sind sehr wenige spirituelle Lehrer missbräuchlich. Erstens sind spirituelle Lehrer größtenteils Menschen von echter Güte, Einsicht und Rücksicht. Während sie sich ungeheuer in ihrer Ebene der Verwirklichung, der Wirksamkeit und Tiefe ihrer Lehren und sogar in ihrer essentiellen Weisheit und Intelligenz unterscheiden können, sind spirituelle Lehrer größtenteils eine Gruppe wunderbarer und guter Menschen. Zweitens, genau wie es spirituelle Lehrer gibt, die Missbrauch üben, gibt es auch spirituelle Schüler, die dies tun. Der Schüler kann sich dem Lehrer gegenüber genauso missbräuchlich äußern, wie der Lehrer gegenüber dem Schüler, und oft, da der Schüler weniger entwickelt ist, neigt er mehr zu unzähligen Arten von missbräuchlichem Verhalten.

Mariana Caplan (meine Partnerin und die Mutter meines Sohnes), die ein Großteil ihres erwachsenen Lebens damit verbracht hat, die Lehrer-Schüler Beziehung zu studieren und darüber zu schreiben und zu lehren, hat vor kurzem einen Aufsatz über eine bösartige Form des Missbrauchs durch Schüler geschrieben. Caplan spricht über das sehr ernste und nicht ungewöhnliche Phänomen der falschen Anschuldigungen, die SchülerInnen gegen ihre Lehrer aussprechen. Wie Wilhelm Reich bedingungslos aufzeigt, ist ein Antrieb für falsche Anschuldigungen gegen Menschen, die Lebenskraft verkörpern, sowie die Tendenz, bei missbräuchlichen Angriffen auf mächtige Lehrer mitzuziehen, eine Dynamik, die er als „Mord an Christus“ bezeichnet. Gurdjeff bezog sich auf eine ähnliche Dynamik, wenn er von der „Macht der Veleugnung“ sprach. Sowohl Reich als auch Gurdjeff sprachen über die energetische Kraft, die in uns wohnt und danach strebt, Lebenskraft in anderen zu töten. Je größer die Lebenskraft, desto mehr bedroht sie unsere Kleinheit. Der „kleine Mann“, der von Reich beschrieben wurde, kann die Lebenskraft, die seine Kleinheit bedroht, nicht tolerieren, und so macht er sich auf, allein oder in einer Rotte, um „Christus zu ermorden“, die erneuernde Lebenskraft zu kastrieren, die ihn an seine eigene Impotenz erinnert. Nur durch die Degradierung des Daimons des Lehrers zu einem Dämon kann der „kleine Mann“ sich sicher fühlen. Der „kleine Mann“ können ein Schüler oder die Kollegen des Lehrers sein, die die Schüler manipulieren, um einen Kollegen „abzusetzen“, von dem sie unbewusst das Gefühl haben, dass er ihren Raum einnimmt und Menschen anzieht, die sonst ihre Schüler wären.

Diese allgemeine Tendenz, Lebenskraft zu ermorden, hat einen neuen Bettgefährten in mehr als einem zeitgenössischen spirituellen Skandal. Der Bettgefährte ist das, was einige mutige feministische Schriftstellerinnen „Opferfeminismus“ nennen. Während eine gründlichere Erkundung des Opferfeminismus weit über den Bereich dieser knappen Bemerkungen hinausgeht, kann er nicht ignoriert werden, da er eine katalytische Kraft in einigen der dramatischeren Skandale um spirituelle Lehrer ist. Der Kerngrundsatz im Opferfeminismus ist, dass Frauen generell Opfer sind und Männer in der Mehrzahl der Fälle Missbrauch betreiben. Dies geht meist mit einer verdeckt oder offen ausgesprochenen negativen Bewertung von heterosexueller Sexualität einher. Das schwache Feminine wird generell als vom Maskulinen in die Opferrolle gedrängt oder dem Missbrauch ausgeliefert betrachtet. Diese mythische Erzählweise, die paradoxerweise Frauen erniedrigt und Männer verteufelt, liegt einem Großteil des Lehrplans der Women's Studies Abteilungen in den Vereinigten Staaten zugrunde und zu einem gewissen Ausmaß in der gesamten westlichen Welt. Diese Erzählweise hat eine wichtige Rolle in der ungerechten Weise gespielt, in der viele falsche Geschichten über sexuellen Missbrauch behandelt wurden. Warren Farrell in Mythos Männermacht, Christina Hoff Sommers in Death of Feminism, Laura Kipnis in The Female Thing, Cathy Young in Ceasefire in the Gender Wars und Daphne Patai in Heterophobia haben einige dieser Geschichten der falschen Anschuldigungen dokumentiert.

Spirituelle Lehrer vor Missbrauch beschützen

All dies bringt mich zum nächsten Thema, und zwar die Notwendigkeit, Lehrer vor dem Missbrauch durch Schüler zu schützen. Ich glaube, dass dies mehr Aufmerksamkeit in eurer Präsentation verdient. Lehrer zu schützen ist aus einer Reihe von Gründen ein lebensnot­wendiges Bedürfnis in einem postmodernen Zusammenhang, in der der Lehrer oft unter ständigem Angriff steht.

Lasst mich zunächst einen allgemeinen Hintergrund für diese Bemerkungen über den Schutz des Lehrers liefern. Im Allgemeinen lag das Augenmerk im entstehenden postmodernen Zusammenhang auf der Gerechtigkeit. Die moderne und die postmoderne Welt litt gleichermaßen an Angelegenheiten der Fairness und Gerechtigkeit. Selbst wenn es eine Ethik der Fairness gab, war diese generell auf einen ethnozentrischen Zusammenhang begrenzt. In einem postmodernen Kontext wird Fairness auf alle Rassen und alle Geschlechter ausgedehnt und ist der Eckpfeiler davon, was die postmoderne Revolution der Fairness genannt wurde. Der Eckpfeiler dieser postmodernen Bewegung ist es, die Entrechteten zu schützen und denjenigen eine Stimme zu verleihen, die durch die Unterdrückungsstrategien der Mächtigen ihres Platzes beraubt wurden. Dies ist in vielerlei Hinsicht eine enorm positive Entfaltung des evolutionären Fortschritts.

Während einer langen Zeitspanne in der Lehrer-Schüler Beziehung war der Lehrer derjenige, der die Hauptmachtstellung innehatte. Schließlich leitete er oder sie die Gemeinschaft, war das Subjekt, dem Ehrerbietung und Achtung entgegengebracht wurde und verfügte über erhebliche Autorität. Dies galt sowohl im Zusammenhang spiritueller Gesellschaften als auch formeller Religionen. Der Lehrer übte sowohl die institutionelle als auch die geistige Autorität aus. Dies war auch der Fall im akademischen Kontext, wo der Schüler den Lehrer brauchte, um seinen akademischen Abschluss zu erlangen und der Lehrer durch den Rückhalt und die Autorität der Akademie bestärkt wurde. In diesen früheren Zusammenhängen bestand die mutige Position der Integrität darin, das Anliegen des machtlosen Schülers aufzugreifen. Schüler sind nun ermächtigt, sowohl durch einen kulturellen Umschwung, in dem postmoderne Winde die automatische Autorität des Lehrers demontiert haben, als auch durch neue Gesetze, die auf großartige Weise die Schüler gegen möglichen psychologischen und sexuellen Missbrauch durch den Lehrer schützen. All dies sind gute Neuigkeiten. Es gibt jedoch ein wichtiges Nebenprodukt dieses Umschwungs, das enorm gefährliche Implikationen für die Lehrer-Schüler Funktion birgt. Die Achse der Macht wurde so dramatisch verschoben, dass es nun der Lehrer ist, der entmachtet wurde. In diesem neuen Kontext kann eine einfache Beschwerde, die gegen einen Lehrer gerichtet wird, potentiell verheerende Folgen haben.

Ein Schüler kann zwölf Jahre mit einem Lehrer verbringen und währenddessen eine riesige Masse an Lehren und Übermittlungen erhalten. Der Schüler kann aus einem oder mehreren Gründen unzufrieden werden und sich entscheiden, den Lehrer zu verlassen.

Wenn ein Schüler oder eine Gruppe von Schülern sich dazu entscheiden, den Lehrer der Manipulation und des psychologischen Missbrauchs zu bezichtigen und ihr früheres spirituelles Zuhause als Kult zu bezeichnen, dann wird oft natürlicherweise angenommen, dass der Lehrer Missbrauch betreibt, manipuliert und Anführer eines Kults ist. Der Lehrer findet möglicherweise seinen oder ihren Namen im Internet auf einer Liste der kultverdächtigen Webseiten. Dem Lehrer können Finanzierungen verloren gehen, die für die Fortdauer ihrer gemeinnützigen Werke benötigt werden, er kann sogar seine Lebensgrundlage verlieren. Der Lehrer kann, einfach auf der Grundlage einer Beschwerde, enorm unfairen Leiden ausgesetzt sein. Es gibt weder ein Forum für ein ordentliches Verfahren, noch für die Untersuchung von Motiven und Beziehungsnetzen, die zu den Beschwerden geführt haben. Es gibt auch keinen etablierten Mechanismus für evolutionäre Heilung oder Vergebung.

Die gleichen Probleme tauchen auf, wenn ein/e LehrerIn und ein/e erwachsene/r SchülerIn eine völlig auf Gegenseitigkeit beruhende, verantwortliche und erwachsene sexuelle Beziehung eingehen. Angenommen der Lehrer gehört zu denen, die volle Autonomie ihrer SchülerInnen befürworten. Wenn eine erwachsene Frau eine sexuelle Beziehung mit ihrem Lehrer selbst in die Wege leitet und sich später aus irgendwelchen Gründen verletzt oder enttäuscht fühlt, entweder aus tatsächlichen Gründen oder als Funktion ihrer eigenen überempfindlichen narzisstischen Tendenzen, dann nimmt die Schülerin manchmal auf tragische und aggressive Weise die Haltung eines machtlosen Opfers ein und richtet falsche Anschuldigungen gegen den Lehrer. Dies kann aus einer Menge verschiedener möglicher Motivationen heraus geschehen, die über den Zweck dieses Aufsatzes hinausgehen, aber von Mariana Caplan in ihrem neuen Buch behandelt werden.

Wenn der oder die SchülerIn korrupt sind und eine Beschwerde vorbringen, kann das einfache Vorbringen dieser Beschwerde erheblichen Schaden für das Leben des Lehrers, seiner oder ihrer Familie und Lehre anrichten, und dabei vergleichsweise wenig Schaden und möglicherweise viel Gewinn für den Schüler in der Form von Beifall, Aufmerksamkeit und sogar materiellen Gewinn bringen. Es wird also deutlich, dass die Machtbalance mindestens ausgeglichen ist zwischen Lehrer und Schüler, und sich wahrscheinlich zu Gunsten des Schülers verschoben hat. Angesichts dieser Tatsache wählt der, der öffentlich den oder die anschuldigende SchülerIn in Schutz nimmt, einfach den leichteren und wahrscheinlich in der Öffentlichkeit angeseheneren Standpunkt. Dies ist der Fall, weil die öffentliche Kultur um diese Angelegenheiten in spirituellen Kreisen stark von der Opferhaltung beeinflusst wird, die das sogenannte „gemeine grüne Mem“ des Bewusstseins durchdringt. Die Repräsentanten dieser Bewusstseinsebene sind die Hauptkonsumenten spiritueller Lehren und Lehrer. Deshalb braucht es viel mehr Dreistigkeit, Integrität und Mut, einen öffentlichen Standpunkt einzunehmen, der einen Untersuchungsausschuss fordert, um einen möglicherweise missbrauchten Lehrer zu schützen. Opferhaltung bedeutet natürlich nicht, dass es keine wahren Opfer gibt. Die Tragödie der Opferhaltung ist, dass der Betrüger, gewöhnlich durch Motive der Böswilligkeit und anderen nicht so edlen Impulsen getrieben, das heilige Gewand des authentischen Opfers anlegt und die Stimme der echten Machtlosigkeit imitiert.

Gruppendenken ist immer gefährlich und steht immer für die Gegenkraft zu echter spiritueller Evolution und Erleuchtung. Das Gruppendenken des gemeinen grünen Mems wird von einer Anzahl kultureller Kräfte bevölkert, die alle zusammenkommen in der Annahme, dass der Lehrer (besonders der männliche) der Unterdrücker und der Schüler, bzw. meistens die Schülerin, das Opfer ist. Zu diesen kulturellen Kräften zählen der postmoderne Dekonstruktionismus, Opferfeminismus und die allgemeine „Anti-Big-Picture“-Weltsicht des Säkularismus. All diese sind Ausdruck des Schattens des pluralistischen „Multi-Kulti“- Bewusstseinsmems, das alle Autorität ablehnt und versucht, jegliche Auseinandersetzung zu unterminieren, um alle Gegensätze einzuebnen. Diese Energien setzen sich nur allzu oft in Bewegung, um den Lehrer zu „dekonstruieren“, und ignorieren dabei die grundlegende Ethik eines ordentlichen Verfahrens wie Faktensammlung, Anhörung beider Seiten, sowie einfache Integrität und Mitgefühl.

Ein sicheres Zeichen, an dem man erkennt, ob gegenüber einem Lehrer ein Unrecht verübt wird, ist dessen Dämonisierung. Ein Lehrer, der gestern noch von seinem Schüler oder seinen Schülern geliebt wurde und gleich am nächsten Tag von dem gleichen Schüler oder der Gruppe von Schülern dämonisiert wird, wird höchstwahrscheinlich auf schlimmste Weise zum Opfer gemacht. Oft sind die Schüler, die ihre Lehrer dämonisieren, Erwachsene mit bedeutender finanzieller Kaufkraft und schlagkräftiger Persönlichkeit, die zehn oder fünfzehn Jahre mit dem gleichen Lehrer verbracht haben. Wenn ein Schüler vom Lehrer desillusioniert wird, dann braucht er einen Weg, um seinen Gesinnungswandel zu verstehen und zu rechtfertigen. Dies ist deutlich eine psychologische und spirituelle Aufgabe, die erhebliche Tiefe, Feinfühligkeit und Liebe von Seiten des Lehrers und auch des Schülers verlangt. Wenn diese Qualitäten im Lehrer oder im Schüler nicht zur Verfügung stehen, dann ist das Resultat oft die Dämonisierung des Lehrers. Dämonisierung ist das Gegenteil von Mitgefühl und Akzeptanz des Paradoxons – sie ist ein recht akkurater Hinweis, dass eine Art von Spaltung eingetreten ist und dass dem Lehrer irgendeine Form von Unrecht zuteil wird. Dämonisierung war immer schon die Waffe der Unterdrücker.

Zwei weitere Bemerkungen sind angebracht in diesem allgemeinen Gedankengang in Bezug auf den Schutz des Lehrers. Die erste bezieht sich auf das Internet. Das Internet ist, in seinem Schattenaspekt, eine Art Regenbogenpresse. Es hat eine bemerkenswerte kulturelle Ähnlichkeit mit der römischen Arena, in der kontroverse spirituelle Lehrer mehr als einmal den Löwen vorgeworfen wurden, um die Massen zu unterhalten. Es gibt ein hervorragendes Buch von Harold Solove, The Future of Reputation, das den virtuellen Angriff auf die Tugend mit besonderer Tiefe und Einsicht auseinandernimmt. Einfach formuliert geht es um Folgendes: Eine Person, egal auf welchem internationalen Stand der Entwicklung, Integrität oder Ethik, hat die Möglichkeit, eine Serie von diffamierenden Blogs über jemand anderen zu veröffentlichen. Außerdem verbindet das Internet automatisch sowohl authentische Freiheitskämpfer, wie wir vor Kurzem in Ägypten beobachten konnten, aber auch die Horden von zerrütteten und hasserfüllten Menschen, die tragischerweise in ihrem Ego eingesperrt sind und von allen Giften verzehrt werden, vor denen der Buddha gewarnt hatte. Deshalb ist es leicht, Menschen miteinander zu verbinden, um eine Gruppenattacke gegen einen Lehrer zu starten. Der Blogger oder die Webseite, welche die Attacke ausführen, sind keinerlei handhabbaren Verleumdungsgesetzen unterworfen. Die wenigen Gesetze, die es gibt, sind so gut wie unmöglich auszuführen und können sowieso umgangen werden, indem das fragwürdige Material auf einer nicht zugeordneten Seite veröffentlicht wird. Hass-Seiten in verschiedenster Form und Verkleidung, sowie Klatschseiten ähnlich der Regenbogenpresse nähren den lüsternen Hunger der Öffentlichkeit, die begierig ist, jeden Inhaber von Lebenskraft, der bedeutende Führerschaft an den Tag legt, niederzumachen. Denkt an die Besessenheit der Öffentlichkeit von der Affäre zwischen Bill Clinton und Monica Lewinsky, wenn ihr ein Beispiel für Lüsternheit wollt. Wilhelm Reich spricht voller Einsicht von Quellen dieser Lüsternheit in seinem hervorragenden Buch Rede an den kleinen Mann. Joseph Berke, der führende Schüler von R.D. Laing, schrieb ein Meisterwerk über die psychologische Untermauerung dieser Dynamik in seinem eintausend-seitigen Buch Malice Through a Looking Glass.

Abgesehen von der Dynamik sind die Fakten klar. In der alten Welt wurde man für öffentliche Attacken auf eine Person zur Rechenschaft gezogen, besonders wenn diese falsch waren. In der Welt des Internet, besonders auf seiner bösartigen Unterseite, ist keine Beweisführung vonnöten, es findet keine gerechte Anhörung statt und es wird keine Möglichkeit für Auflösung oder Heilung eingerichtet. Stattdessen kann jeder mit bruchstückhaften Kenntnissen der Web-Optimierung in den Raum einer beliebigen öffentlichen Persönlichkeit eindringen, einschließlich der von Lehrern, dort boshafte Attacken starten und dann in die Dunkelheit der Nichthaftung und Anonymität abtauchen. Es gibt so gut wie keine Konsequenzen für den Angreifer, außer dem Verlust von Integrität, Tugend und spirituellem sowie moralischem Anstand.

Das letzte Anliegen, dass ich in dieser Weise betrachten möchte, in Bezug auf den Lehrer, ist Transparenz. Hier sind einige Unterscheidungen vonnöten. Es ist offensichtlich nicht akzeptabel, einen Verhaltensstandard zu lehren und dann einen anderen auszuüben. Dies ist besonders verwerflich, wenn man sich auf die seinen Lehren genau entgegengesetzte Weise verhält. Dabei fällt einem der Archetyp des fundamentalen Predigers ein, der gegen Homosexualität wettert, aber selbst homosexuelle Begegnungen hat, wie auch der Meditationslehrer, der Gleichmut predigt, aber heimlich in Wutausbrüchen schwelgt. Dieser Widerspruch zeigt sich auch in dem Lehrer, der für Integrität steht, aber in seinem oder ihrem inneren Kreis Mafia-ähnliche Zustände pflegt. Diese krassen Widersprüche zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten schreien zum Himmel und der Mangel an Transparenz darüber, wer der Lehrer wirklich ist, wird mit fast völliger Sicherheit das Herz vieler Schüler brechen. Ein solcher Mangel an Transparenz kann moralisch nicht geduldet werden.

Andererseits bedeutet das nicht, dass der Wert des „Grünen Mems“ von Transparenz ein absoluter Gott ist. Das ist er nicht. Transparenz, wie jeder andere Wert, ist ein Teilwert, der in natürlicher und dynamischer Spannung mit anderen, damit konkurrierenden Werten stehen muss. Durch den Anspruch völliger Transparenz aller Lehrer wird die kritische Unterscheidung zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, zwischen dem Esoterischen und Exoterischen eingeebnet, oder zumindest beseitigt. Dies ist eine Unterscheidung, die zu Recht tausend Jahre lang ein Eckpfeiler der spirituellen Lehren war.

Nicht alles, was jeder Lehrer tut, kann außerhalb des privaten Zusammenhangs oder des inneren Kreises vollkommen mitgeteilt werden. Kein ernsthafter Lehrer, den ich kenne, würde gern jeden privaten Austausch mit seinem inneren Kreis von Schülern an die Öffentlichkeit bringen. Ein privater Austausch hat Tiefen, Nuancen und einen bestimmten Zusammenhang, er bezieht die Geschichte und das innere Wesen der Teilnehmer dieses Austauschs mit ein, insbesondere ihre jeweiligen Bewusstseinsebenen. Wenn man diesen kritischen Kontextrahmen weglässt und die äußerlichen Fakten einer intensiven Begegnung zwischen Lehrer und Schüler mit anderen teilt, oder sonst irgendetwas, dann kann man garantieren, dass hierbei ein Mangel an Verständnis, eine Verzerrung oder Schlimmeres dabei herauskommen. Der innere Qualitäts-Tonus einer Erfahrung kann anschließend oft nicht kommuniziert werden, selbst von denen, die an dem Austausch teilhatten, geschweige denn von denen, die nichts davon wussten. Dies ist besonders wahr, wenn der Vorfall oder die Begegnung, um die es geht, von denjenigen kommuniziert wird, die bestimmte Absichten hegen, die Begegnung auf negative Weise zu verdrehen oder zu verzerren. Mit all dem will ich sagen, dass wir gut daran tun würden, die Unterscheidung zwischen öffentlich und privat nicht völlig einzuebnen, wenn wir im Massenwahn voranstürmen, um dem Idol der Transparenz zu huldigen.

Zwei Modelle für die Lehrer-Schüler Beziehung: Das Heiligste des Heiligen und die duale Beziehung

An diesem Punkt würde ich gern eine anfängliche und vorsichtige Erforschung zweier neuer Modelle für die Lehrer-Schüler Beziehung vornehmen. Ich werde diese zwei neuen Modelle als das Heiligste des Heiligen und das Duale Beziehungs- Modell bezeichnen.

Ich entwickelte das Modell des Heiligsten des Heiligen über die Jahre in meiner Arbeit mit dem inneren Kreis meiner Schüler und es ist erst vor Kurzem zu voller Blüte und Form gereift. Wie wir bereits im Vorhergehenden besprochen haben, gibt es Gaben der Übermittlung und des GEISTES, die nur innerhalb eines hierarchischen Kontextes einer klassischen Lehrer-Schüler Beziehung weitergegeben werden können. Ich will diesen Punkt noch klarer mit der Aussage ausdrücken, dass in den tantrischen Traditionen des Kashmir Shaivismus und Kaula Tantrazismus eine implizite Anerkennung dessen vorherrschte, was wir heute in der integralen Welt als die drei Gesichter Gottes bezeichnen. Die drei Gesichter sind im Wesentlichen die drei Perspektiven, durch die das Göttliche in der Welt erscheint: erste Person, zweite Person und dritte Person. Die erste Person könnte die Erkenntnis des “tat tvam asi” sein, „du bist das“ die erhabene Identität deiner eigenen Bewusstheit mit dem absoluten Bewusstsein. Die dritte Person könnte das Gesicht Gottes sein, das wir in den großen Wissenssystemen und den großen Wundern der Natur sehen können. Die zweite Person könnte Gott in der Suche nach dem Mensch sein: die göttliche Offenbarung, in der Gott uns einweiht und aufruft.

Der Tantrische Shaivismus, der tibetische Buddhismus und andere mystische Traditionen lehren uns jedoch, dass die Gnade der zweiten Person Gottes auch in der Praxis des Guru Yoga offenbart wird. In dieser Praxis verkörpert der Guru ganz wörtlich die Perfektion der Gottheit. Radikale Verpflichtung, Dienst und Liebe, die dem Guru entgegengebracht werden, sowie die Bereitschaft, das persönliche Ego aufzugeben, um der Führung des Gurus zu folgen, ist ein tiefgründiger Pfad zur Erleuchtung. Guru Yoga, wie Ken Wilber viele Male aufgezeigt hat, ist einer der kraftvollsten Wege zu Erleuchtung und eine grundlegende Art der Beziehung zu Gott in der zweiten Person. Wie wir bereits im Vorhergehenden dargestellt haben, leidet diese Ausführung unter einigen tiefen potentiellen Schwächen, die sie anfällig für Missbrauch machen. Um es direkt auszusprechen, kann es sein, dass der Guru nicht würdig oder gar erleuchtet ist, und selbst wenn er oder sie erleuchtet ist im Sinne der Verwirklichung ihrer wahren Natur oder sogar ihres Einzigartigen Selbst, dann können sie immer noch zutiefst unterentwickelt sein in anderen Entwicklungslinien, seien sie psychologisch, psycho-sexuell, moralisch oder sogar kognitiv.

In einem anderen Fall können Lehrer echte Perioden der Inspiration durchleben, in denen sie die himmlische Gnade channeln, welche sich aber mit Perioden abwechseln, in denen sie zwar gute und weise Menschen sind, aber immer noch im Grunde „gewöhnliche“ Menschen. Während inspirierter Momente des Lehrens werden sie tatsächlich durch radikale Verkörperungen des GEISTES belebt, welches den Kern der Guru Yoga Version der Lehrer-Schüler-Beziehung darstellt. Um hier einmal einen Moment mich selbst zu offenbaren, charakterisiert diese letztere Situation meinen eigenen Lehrstil. Ich versuche im Rahmen meiner besten Möglichkeiten und zu allen Zeiten, eine beständige Liebe und Weisheit in meiner Lehrtätigkeit aufrechtzuerhalten. Es gibt richtig großartige Tage des Lehrens und einige, die solide, aber nicht so großartig sind. Weder die großartigen noch die eher mittelprächtigen Tage verkörpern jedoch die Guru Position. Aber es gibt eine dritte Modalität des Lehrens, welches manchmal durch reine Gnade hervortritt, die ich begann „Heiligste des Heiligen“ zu nennen. In dieser Modalität lebt oft eine andere Ebene des GEISTES in mir. Es gibt dann eine direkte Inspiration und Gnade, in der ich fühle, dass der GEIST sich klar und direkt durch mich bewegt und durch mich spricht. Dies dauert eine bestimmte Zeit an und ist dann wieder vorüber.

Mit meinen privaten Schülern treffe ich mich regelmäßig im geheiligten und vertraulichen Raum des Heiligsten des Heiligen. Dies ist kein Platz für loses Gerede oder Geplänkel. Es ist auch kein Platz für bloßes Dharma oder Anleitung. Stattdessen ist es das Innere des Inneren – ein Platz, an dem ich für eine begrenzte Zeit in der Lage bin, die zweite Person Gottes zu channeln. Dann ist es wieder vorbei und ich kehre zurück zum Dasein als Lehrer in der viel begrenzteren Weise, in der Lehren gewöhnlich stattfindet. Wenn ich aus dem Heiligsten des Heiligen heraustrete, besitze ich nicht mehr spirituelle Autorität als jeder andere Weisheitslehrer. Aber innerhalb des Heiligsten des Heiligen, wenn der GEIST auf die Weise fließt, wie er dies manchmal vermag, sollten die Schüler zuhören, denn hier findet eine authentische Enthüllung des GEISTES statt, die nicht in dem gewöhnlichen – und sei er noch so geistreichen – Vortrag des Lehrers zu finden ist.

Was uns dieser begrenzte Raum des Heiligsten des Heiligen zu tun erlaubt, ist die Erhaltung der geheiligten Kraft des Guru Yoga, aber nur innerhalb des begrenzten Behältnisses dieser bestimmten geheiligten Momente. Weder der Lehrer noch der Schüler sollten versuchen, die Autorität des Heiligsten des Heiligen über seine natürliche Dauer hinaus auszudehnen. Wie mein Lehrer mich lehrte: „Der Lehrer trägt die Verantwortung, nicht zu tanzen, nachdem die Ekstase vorüber ist.“ Der Lehrer muss gut unterscheiden und unerbittlich ehrlich sein in seinem Wissen, wann er im Heiligsten des Heiligen ist und wann nicht. Dennoch müssen sowohl der Lehrer als auch der Schüler das Heiligste des Heiligen als einen Raum schätzen und ehren, in dem authentische Offenbarungen stattfinden können.

Das zweite Modell, das ich kurz besprechen möchte, ist paradoxerweise noch höher entwickelt als das Modell des Heiligsten des Heiligen. Dies ist das Modell der dualen Beziehung, welches ich mit einigen Schülern aus meinem inneren Kreis erfahren habe. In diesem Modell bleibt der Lehrer der Lehrer, solange er oder sie den Mantel des Lehrers trägt. Zu diesen Zeiten herrscht die formale Hierarchie des Respekts und der Autorität zwischen Lehrer und Schüler. In diesem Aspekt der Beziehung kann der Lehrer manchmal einen Zugang zur Gnade des Heiligsten des Heiligen durch seine Übermittlung in seiner Rolle als weiser Lehrer erhalten.

In jedem dieser Fälle bleibt die klassische asymmetrische Lehrer-Schüler-Beziehung bestehen. Zu anderen Zeiten jedoch, wenn der Lehrer nicht lehrt, begegnen Lehrer und Schüler sich in Ebenbürtigkeit und Freundschaft. Hier fällt dann die Hierarchie zwischen Lehrer und Schüler beiseite. In diesem anderen Modus sind Lehrer und Schüler einfach Freunde, oder vielleicht Arbeitskollegen in einem Projekt, mit all der Gegenseitigkeit, Einfachheit und Komplexität, die eine Freundschaft ausmacht. Ich sage, dass dieses Modell noch höher entwickelt ist, weil es einen hoch entwickelten Lehrer und einen hoch entwickelten Schüler erfordert, um nahtlos zwischen diesen zwei Modalitäten navigieren zu können.

In diesem Sinne würde ich dieses Modell postkonventionell nennen. Es ist sowohl vielversprechender und gefährlicher als das konventionelle Modell.(1) Eine der Gefahren ist, dass der Schüler nicht weiß, wie er den Lehrer in seine Lehrerfunktion zurückführen kann, so dass er die ernormen Gaben verliert, die der Lehrer nur aus der Lehrerfunktion heraus vermitteln kann. Der Schüler weiß vielleicht nicht, wie er den Lehrer in angemessenen Ehren betrachten kann, nachdem er die Verletzlichkeit und den Schmerz des Lehrers in Momenten des intimen emotionalen Kontakts innerhalb der Freundschaft kennengelernt hat. Der Lehrer kann sich andererseits so sehr nach Kontakt und Freundschaft sehnen, dass es ihm nicht gelingt, die volle Errungenschaft und Verantwortung der Lehrerrolle zu erkennen. Zu wissen, wie man den Lehrermantel trägt und dann wieder ablegt, erfordert ein tiefes Maß an Erleuchtung und Gnade.

Das Einzigartige Selbst und die Lehrer-Schüler Beziehung

An diesem Punkt möchte ich mich einem neuen Thema zuwenden, dass damit in Zusammenhang steht: das Einzigartige Selbst und die Lehrer-Schüler Beziehung.

Wie viele von euch wissen, habe ich während der letzten Jahre etwas entwickelt, was ich die Erleuchtung des Einzigartigen Selbst nenne. Lasst mich in ein paar knappen Worten mit euch teilen, was ich mit dem Einzigartigen Selbst meine. Das Einzigartige Selbst ist nicht einfach das Ego oder die Persönlichkeit, es ist die Essenz, die unterhalb und jenseits der Persönlichkeit liegt. Genauer gesagt, es ist das persönliche Gesicht dieser Essenz. Es ist der einzigartige göttliche Funken, der in dir und als du lebt. Dein Einzigartiges Selbst ist die unendliche, liebevolle Intelligenz, alles was ist – die in dir, als du und durch dich lebt. Es ist die Perspektive deiner Erleuchtung. Deine einzigartige Perspektive entspringt aus einer Quelle jenseits aller sozialen, kulturellen und psychologischen Konditionierungen. Klassische Erleuchtung bezeichne ich als die Evolution über die ausschließliche Identifikation mit dem Ego hinaus und die Verwirklichung der eigenen wahren Natur, die manchmal auch das Wahre Selbst genannt wird. Die neue Erleuchtung des Einzigartigen Selbst ist ein bedeutsamer Sprung über die klassische Erleuchtung hinaus. In der Erleuchtung des Einzigartigen Selbst erkennst du, dass deine Erleuchtung eine Perspektive besitzt. Deine Perspektive hat unendlichen Wert und unendliche Würde und ist sowohl die Quelle als auch der Zweck deiner Existenz. Ich habe an anderer Stelle hierüber geschrieben und will es hier nur in diesen wenigen Zeilen erwähnen, aufgrund der Implikationen dieser integralen evolutionären Verständnisweise der Erleuchtung für die Lehrer-Schüler Beziehung.

Die Lehre des Einzigartigen Selbst hat zwei Implikationen im spirituellen Kontext der Lehrer-Schüler Beziehung. Wenn ein Lehrer seinen Schülern nur unpersönliche oder kosmische Liebe erteilt, selbst wenn sie echt ist, dann kann der Schüler nicht wahrhaft wachsen. Es ist persönliche Liebe, die die Kontraktion des Egos befreit. Wenn der Lehrer den Schüler lediglich als einen Suchenden sieht, dessen Ego sich nach Befreiung sehnt, geht etwas von wichtigster Bedeutung für die Lehrer-Schüler Beziehung verloren. Der Schüler sollte nicht vom Lehrer verhätschelt werden, aber es ist absolut wesentlich für den Schüler, vom Lehrer auf einzigartige Weise gesehen und wertgeschätzt zu werden. Dies ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Dies ist, was es bedeutet, geliebt zu werden. Wenn diese persönliche Liebe stattfindet, beginnt sich ein tiefer Ort im Schüler zu regen. Der Schüler wurde gesehen und deshalb beginnt die Kontraktion ihres Selbst sich zu entrollen. Ihr Ego entspannt seinen Klammergriff. Das Einzigartige Selbst des Schülers beginnt sich zu entfalten, durch den echten Kontakt mit dem Einzigartigen Selbst des Lehrers, der das Einzigartige Selbst des Schülers hervorlockt, und umgekehrt. Die Fähigkeit, Kontakt und Intimität herzustellen, ist die grundlegende Unterscheidung zwischen dem Einzigartigen Selbst und dem Ego. Das Einzigartige Selbst kann Kontakt herstellen, das Ego kann es nicht. Viele Lehrer, die im Ego gefangen sind, sind nicht in der Lage, Kontakt herzustellen und halten somit ihre Schüler ebenfalls im Ego gefangen, obwohl es ihr erklärtes Ziel ist, den Schüler über das Ego hinaus zu seinem Wahren Selbst zu entwickeln.

Wenn die Substanz eines Einzigartigen Selbst die Substanz eines anderen Einzigartigen Selbst berührt, dann wird ein Kontakt hergestellt. Kontakt ist eine Berührung ohne die Begrenzungen des Ego, und doch ohne den Verlust der einzigartigen Selbstwerdung des Seins. Man ist nicht mehr in der Vergangenheit gefangen, sondern vollkommen in der Gegenwart präsent. Präsenz trifft Präsenz. Beide Seiten haben eine persönliche Geschichte. Beide Seiten des Kontakts sind ausgesprochen persönlich, aber keine der beiden Seiten hängt an ihrer persönlichen Geschichte.

Wenn ein Lehrer das Einzigartige Selbst verleugnet, weil er es mit der Einzigartigkeit des Ego verwechselt, und dadurch das Ziel der Erleuchtung als die Verwirklichung der Einheit mit dem Grund des Seins ansieht, dann ist das Ergebnis immer in den Schülern dieser Lehre offensichtlich. Die Schüler mögen aufgeweckt und wortgewandt sein, sie mögen in allem das Richtige sagen und auch richtig aussehen, aber auf einer grundlegenden Ebene können wir nicht mit ihnen in Kontakt treten. Uns beschleicht ein unbehagliches Gefühl und wir sind uns nicht so sicher warum. Bilder aus dem alten Film Die Frauen von Stepford fallen mir dazu ein. In diesem Film betrachten die Männer aus Stepford ihre Frauen als nörgelnd, störend, egoistisch und allgemein unterentwickelt und tauschen sie deshalb in dem gleichen Körper gegen weise, wundervolle, hingebungsvolle, mega-sexy, gefügige Stepford Frauen aus. Der männliche Lehrer in der Gestalt des Ehemanns tötet häufig das Einzigartige Selbst, weil er es für das Ego hält. Das authentische göttliche Feminine im Lehrer und Schüler zugleich wird damit auch getötet. Was dabei herauskommt, ist ein Schüler, der oder die eine perfekte, angemessene, wohlartikulierte und klar umrissene Stepford Frau ist – aber etwas ganz Wesentliches wurde dabei ausgelöscht.

Aus diesem Grund ist der Lehrer verpflichtet, seinen Schülern radikale, persönliche Liebe entgegenzubringen, die das Einzigartige Selbst des Schülers ehrt und anerkennt. Indem das Einzigartige Selbst des Schülers anerkannt wird, wird die Ego-Kontraktion des Schülers befreit. Persönliche Liebe befreit immer die Kontraktion des Egos. Persönlicher Kontakt ist die freudige Essenz des Wesens. Er kann Weltkonflikte lösen und die Intimität herstellen, die das Leben lebenswert macht. Wenn wir das Gefühl haben, dass echter Kontakt hergestellt wurde, machen wir die köstliche Erfahrung, dass unser Einzigartiges Selbst empfangen und bezeugt wurde. Allein der Prozess des Gesehen-Werdens entwickelt uns, er lädt uns ein zu unserer vollsten Majestät und enthüllt unsere innere Pracht. Das Einzigartige Selbst bietet uns eine Qualität der Präsenz, die sich zeigt, wenn das Ego beiseite gelassen wird, sei es auch nur zeitweilig, und unser tiefstes Wesen in all seiner strahlenden Schönheit erscheint.

Die zweite Implikation des Einzigartigen Selbst in der Lehrer-Schüler Beziehung liegt darin, dass sie die natürliche Begrenzung der Autorität des Lehrers anerkennt. Die Lehre des Einzigartigen Selbst beleuchtet diese Begrenzung besonders, wenn sie mit anderen, unpersönlicheren Konstrukten der Erleuchtung kontrastiert wird. Wenn man erfährt, dass das Erwachen des Selbst jenseits des Ego das Erwachen eines aktivierten und engagierten „unpersönlichen“ Authentischen Selbst ist, dann ist die Autorität des Lehrers natürlicherweise größer als für einen Schüler, der das Erwachen jenseits des Ego als das Wahre Selbst plus der ontologischen Perspektive erfährt, die mit dem Einzigartigen Selbst übereinstimmt. Wenn das Ziel unpersönliche Erleuchtung ist, dann kann der Lehrer, der höher verwirklicht ist als seine Schüler, in seinem Absoluten Erwachen natürlicherweise einen machtvoll autoritären Ansatz gegenüber seinen Schülern einnehmen. Die Autorität des Lehrers wurzelt darin, dass er oder sie einen sehr viel höheren Grad der Erleuchtung besitzt als der Schüler. Wenn diese Autorität mit Integrität ausgeübt wird, dann kann dies zum Nutzen des Schülers sein. Würde die Autorität auf korrupte oder dämonische Weise ausgeübt, dann wäre die Beziehung offensichtlich nicht zum Wohl des Schülers. Der potentielle Schatten des Unpersönlichen im Lehrer-Schüler Zusammenhang kann deshalb als eine überzogene Autorität bezeichnet werden, die unangemessen angewandt wird. Wenn jedoch die Kernlehre die des Einzigartigen Selbst ist, dann wird, auch wenn der Lehrer aufgrund eines höheren Grades der Verwirklichung eine natürliche Autorität besitzt, die Autorität des Lehrers dennoch begrenzt bleiben. Während der Lehrer eine höhere Stufe der Verwirklichung des Wahren Selbst hat als der Schüler, kann per Definition der Lehrer keine höhere Stufe der Verwirklichung des Einzigartigen Selbst des Schülers haben, weil nämlich die einzigartige Perspektive des Schülers dem Lehrer nicht zur Verfügung steht. Es mag wohl sein, dass die Verwirklichung des Lehrers ihn in die Lage versetzt, das Einzigartige Selbst des Schülers klarer zu sehen und darauf hinzuweisen als der Schüler selbst. Dieses Aufzeigen des Einzigartigen Selbst des Schülers durch den Lehrer muss immer mit Demut gehandhabt werden, weil der Lehrer erkennt, dass obwohl seine Erfahrung des Wahren Selbst die des Schülers vollkommen erschöpft und transzendiert, das Gleiche nicht für das Einzigartige Selbst gilt. Es gibt eine intime Dimension des Einzigartigen Selbst, in die der Lehrer nie eindringen kann, dadurch ist die Autorität des Lehrers auf natürliche Weise begrenzt. Die letztendliche Autorität des Schülers stammt daher, dass er oder sie ihre eigene Geschichte schreibt, die niemals vom Lehrer plagiiert werden kann.

Einzigartigkeit ist kein Konzept! Das Einzigartige Selbst ist eine Qualität der Präsenz, die sich zeigt, wenn das Ego beiseitegelassen wird, sei es auch nur zeitweilig, und unser tieferes Wesen und Werden in all seiner strahlenden Schönheit erscheint. Wenn jemand in seinem Einzigartigen Selbst erscheint, werden wir angeregt, ihn zu lieben und verlangen intensiv danach, von ihm geliebt zu werden. Dies ist die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, die so viele Bereiche des Christentums auf so tiefe Weise verstehen. Es ist genau diese persönliche Beziehung zu Gott, die so sehr von New Age Lehrern und noch anspruchsvolleren Dharma-Denkern verspottet wird, weil sie in der Unpersönlichkeit der so sehr falsch verstandenen östlichen Lehren gefangen sind.

Zum Schluss ist es meine Absicht und mein Gebet, dass all diese Reflektionen, während sie nicht definitiv sind, zumindest das Gespräch für einen  paradoxeren, mitfühlenderen und liebenderen Raum öffnen. Wir leben in einer Welt, die dringenden Bedarf an leidenschaftlich verpflichteten Lehrern und Schülern hat. Dies ist wahrscheinlich die lebendigste Möglichkeit für die Übermittlung des GEISTES in seinem vollen Ethos. Wir stehen alle in einer post-postmodernen, evolutionären, integralen Verpflichtung, die Lehrer-Schüler Beziehung auf eine Weise weiterzuentwickeln, welche die besten Einsichten und Technologien der prä-modernen, modernen und postmodernen Epochen verbindet.

Dr. Marc Gafni, Rabbi und Übermittler der Lehrlinie der Kabbala, mit Ken Wilber und Mariana Caplan Mitbegründer des Center for World Spirituality, Leiter von Integral Spiritual Experience, Gründer und Hauptlehrer von iEvolve: Global Practice Community. MG hält Vorlesungen an der John F. Kennedy Universität , ist Gast-Herausgeber einer Reihe über Integrale Spiritualität für das Journal of Integral Theory and Practice, ein Hauptlehrer an der Shalom Mountain Wisdom School, lokaler Gelehrter an der Pacific Coast Church und Gründer von Idra, der jüdischen Assoziation von Lehrern. Marc Gafni hat sieben Bücher verfasst, inklusive des US-Bestsellers Soul Prints, und The Mystery of Love, eine Erkundung der Beziehung zwischen dem Sexuellen, dem Erotischen und dem Heiligen. Seine in Kürze erscheinenden Bücher sind Your Unique Self, The Future of Enlightenment, und Radical Kabbalah, Unique Self and Non Dual Humanism, sowie World Spirituality: Spirit’s Next Move, gemeinsam mit Ken Wilber.

Webseiten:

www.marcgafni.com

www.centerforworldspirituality.com



(1)  Während sexuelle Intimität im Kontext einer dualen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler durchaus angemessen und ethisch korrekt sein können, wenn bestimmte Zusammenhänge und Bedingungen eingehalten werden, so beinhalten sie doch immer ein großes Maß an möglichen Gefahren. Dieser Punkt wurde von Ken Wilber in einem aufgezeichneten Telefongespräch mit dem deutschen Integralen Forum 2010 klar geäußert und auch von vielen feministischen Autorinnen wie Bell Hooks, Christina Hoff Sommers, Laura Kipnis, Daphne Patai und vielen Anderen. Ich spreche über dieses Thema in meinem Artikel „Spirituell Unkorrekt, sexuelle Ethik und Verletzung“ (englisches Original auf www.marcgafni.com, auf deutsch im bald erscheinenden Integralen Magazin). Wie ich, und alle eben genannten Autorinnen bemerken, kann sexuelle Intimität zwischen Lehrer und Schüler potentiell sowohl den Lehrer als auch den Schüler gefährden. Es gehört ein besonders hoch entwickelter Schüler und ein besonders hoch entwickelter Lehrer dazu, um in einem solchen Territorium erfolgreich zu navigieren. In diesem Sinne könnte man einwenden, dass um die Lehre des Einzigartigen Selbst in ihrer Gänze leben zu können, es eine besondere Art von Schüler und von Lehrer braucht, die in der Lage sind, die Komplexität dualer oder multipler Beziehungen zu ergreifen, ohne in die klassischen egoischen Fallen zu stolpern. Dies ist selten, denn alle Menschen sind Genies in Selbstbetrug. Aus diesem Grunde empfehle ich im Allgemeinen, keine sexuelle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler einzugehen. Die Ausnahmen zu dieser Regel sind im Bereich des Postkonventionellen und müssen daher per Definition einzeln betrachtet werden. Sie können daher nicht in öffentlichen Artikel oder Vorträgen gelehrt werden.
    Um Behauptungen maßloser Intimität und/oder maßloser Autorität zu evaluieren, braucht man eine sorgfältige Fall-für-Fall Untersuchung, welche die Tugend als auch die potentiellen Schatten des Lehrers und des Schülers untersucht. Manchmal (aber offensichtlich nicht immer) ist die Dynamik im Spiel, in welcher der Lehrer zutiefst davon überzeugt ist, dass eine Art postkonventioneller Vertrag zwischen ihr oder ihm und dem Schüler besteht. Dies ist auch tatsächlich der Fall, zumindest für einige Zeit, in einigen Fällen. An irgendeinem Punkt, durch eine Form von Entfremdung, zieht sich dann aber das Ego des Schülers zusammen und er oder sie kehrt zum konventionellen oder sogar prä-konventionellen Bewusstsein zurück. An diesem Punkt wird der Schüler oft die Beziehung retroaktiv und falsch interpretieren, durch ein konventionelles oder sogar prä-konventionelles Prisma – was dann die Ursache vieler falscher Behauptungen von Missbrauch ist, die oft allen Beteiligten erheblichen Schmerz und Schaden zufügt.