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21.10.2017 : 6:49 : +0200

Another One Bites the Dust

John Dupuy

Oder: Warum bauen so viele unserer spirituellen Lehrer Mist?

von John Dupuy

Sicher habt ihr alle schon gehört, dass ein weiterer unserer Gründer der integralen Lehre unter der Last eines Sex-Skandals zusammengebrochen ist (nicht sein erster). Als ich das hörte, war ich komplett unbeeindruckt und hatte die Einstellung „Und was gibt es sonst Neues?” Tatsächlich witzelte ich, als mir jemand erzählte, er hätte seine Roben abgelegt: „Das ist doch bestimmt zweideutig gemeint.”

In unserer Meditationsgruppe haben wir nach dem Sitzen am Samstag darüber gesprochen und ich sagte: „Ich wäre froh, wenn mein spiritueller Lehrer etwas weniger Mist bauen würde als ich. Diese Lehrer können uns anscheinend nichts über Ethik, Gewandtheit oder Selbstaufopferung lehren, was zum Teufel, können sie uns also lehren?” Dieser letzte Held ist, soweit ich weiß, so um die 67 Jahre alt. Wir können davon ausgehen, dass Meditationspraxis die Libido gut und lebendig erhält - und im Großen und Ganzen außer Kontrolle. Wenn also jemand weder Weisheit, noch Moral, noch Mitgefühl lehren kann, was bleibt dann? Non-Dualität? Na toll. Geht klar. Wenns das ist, worauf ihr aus seid, dann empfehle ich eine Stunde Meditationspraxis pro Tag mit den verfügbaren Meditations­techniken und dann geht alles wie von selbst.

Wie uns Ken und die AQAL-Landkarte so schön zeigen, gibt es da diese Kleinigkeit der Ebenen und Linien – man könnte also sagen, er hatte ein hoch entwickeltes spirituelles Niveau, aber an seiner emotionalen Entwicklungslinie hat er nicht gearbeitet. Ja, warum nicht, verdammt noch mal? Ich muss es doch auch tun! Was macht diese Jungs so verdammt besonders? Ich war jahrelang Wanderführer und habe oft Gruppen von schönen jungen Frauen wochenlang, wenn nicht monatelang, durch die Wildnis geführt, gar nicht zu reden von den hübschen jungen Mitarbeiterinnen. Bin ich schwul? Ganz sicher nicht. Fand ich sie schön oder anziehend? Aber sicher. Also? Sie waren mir anvertraut – mein Job war sie zu führen, zu lehren und sie heil und sicher zurückzubringen. Hätte ich notfalls mein Leben für die Erfüllung dieser Verantwortung gegeben? Ich denke schon. Denn das ist es, was gute Führer tun. Sie stellen ihre Schutzbefohlenen über sich selbst.

Bin ich ohne Sünde? Nein. Riskiere ich, auf die Nase zu fallen? Oh ja. Doch ich kann ganz sicher sagen, dass ich niemals Sex mit einer meiner Schülerinnen haben werde! Gott bewahre! Das Thema Machtmissbrauch ist eine Katastrophe, die man nicht leugnen kann. Deshalb ist Sex mit Kindern jenseits aller Grenzen und streng tabu, um Himmels willen! Vielleicht hältst du dich für ein so hohes Tier, dass es automatisch keine Gleichrangigen mehr gibt, und die einzigen passenden und wünschenswerten Partner sind Geringere, also weniger Erleuchtete, oder deine Schüler – und deine Frau oder dein Mann scheinen nicht mehr so begehrenswert. Was tun? Nun, du könntest damit anfangen, deinen Anspruch „hohes Tier“ aufzugeben und deine Robe oder Hose geschlossen zu halten. Radikal, oder? Wenn du dir nicht genug Sorge über deine Leute machst, um deine Gelüste zu bändigen, dann hast du kein Recht im spirituellen „hohes Tier“-Geschäft mitzumischen. Und wenn du ein spiritueller Lehrer bist, dann beginnst du besser, dich mit einer integralen und umfassenden Praxis um deine emotionalen, sexuellen oder Schatten-Themen zu kümmern, sonst bist du eine lauernde Katastrophe. Um Ken zu zitieren: “Nicht Sex ist schlecht; schlechter Sex ist schlecht.”

Wir müssen einfach diese haarigen und geilen Themen mit mehr Verstand, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein behandeln, und mit – oh mein Gott! – mit Triebkontrolle. Wie einer meiner prominenten integralen spirituellen Lehrer sagte, kannst du die Angemessenheit einer Liaison am Nachgeschmack erkennen. Doch dann ist natürlich der Schaden schon angerichtet.

Eine abschließende Bemerkung. Wenn ihr spirituellen Lehrer euch in eurer Arbeit nicht daneben benehmen und zu Klischees oder zum Gespött werden wollt (wie die katholische Priesterschaft), dann müsst ihr eure Methoden auf euch selbst anwenden. Ich habe einen jungen Kollegen und Schüler, Shachar Erez, der eine Integrale Praxisgruppe an der JFKU startet. Er hat den Slogan: “Die Praxis ist der Guru.” Das gefällt mir sehr. Lehrer, hört darauf und nehmt euch in Acht.

In Liebe,

John

 

John Dupuy ist der Begründer von Integral Recovery. Er verbindet zwei Jahrzehnte bodenständiger Counseling-Erfahrung mit den führenden Werkzeugen von ILP und der AQAL Landkarte. Seine Arbeiten erschienen u.a.im AQAL Journal. John war mehrfach zu Gast auf den Tagungen des Integralen Forums. In Kürze erscheint sein Buch "Integral Recovery" bei SUNY Press. Seit kurzem betreibt er die Firma "Profound Meditation", die die Technologie binauraler Meditation weiteren Kreisen zugänglich macht. John lebt mit seiner Partnerin Pam in Teasdale, Utah (USA).

 

Webseite:

www.integralrecovery.com