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Entwicklung (Vertiefung)
Das Thema "Entwicklung" ist von einer enormen Komplexität, und die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens, dass wir in einem sich entwickelnden Universum leben, und wir selbst auch ein Produkt dieser Entwicklung sind, hat wissenschaftshistorisch erst vor relativ kurzer Zeit begonnen. Was in vielen Kulturen der Welt über Jahrhunderte durch den Mythos einer Heldenreise überliefert worden ist, als eine frühe Intuitionen des menschlichen Entwicklungsweges, können wir unter Zuhilfenahme der modernen Wissenschaften immer besser verstehen.
Einige Aspekte davon sind:
- der Transzendenz des Entwicklungsweges (und des Bewahrens von Bewährtem) hin zu immer höheren Entwicklungsstufen und Dimensionen,
- die wichtige Unterscheidung zwischen Zustands- und Stufenentwicklung, als eine Differenzierung des mystischen Entwicklungsweges und des psychologischen Strukturweges
- die ebenso bedeutende Unterscheidung unterschiedlicher Linien oder Kompetenzen der Entwicklung
- die Aufdeckung von Schattenaspekten, die auf dem Entwicklungsweg individuell und kollektiv zurückgelassen wurden, als einer „Reise in die Unterwelt“ und des Unbewussten
- die perspektivische Differenzierung von individueller, kollektiver, innerlicher und äußerlicher Entwicklung (den Quadranten) und
- die typologische Reise hin zu mehr „horizontaler“ Vielfalt auf allen Entwicklungsebenen
Diese und andere Themen werden durch die Beiträge dieser Page vertiefend behandelt.
Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:
Evolutionäre Spiritualität und Entwicklung
Evolutionäre Spiritualität und Entwicklung

- Theresa von Avila
Michael Habecker, Sonja Student
Die Prämoderne: Veränderungen, Zyklen und Schöpfungsmythen
Zu den frühesten „philosophischen“ Menschheitserfahrungen gehört die Erfahrung, dass sich die Dinge ändern – nichts bleibt wie es ist, weder innerlich noch äußerlich. „Alles fließt“ (Heraklit)
Eine ebenso frühe Erfahrung bestand darin zu sehen, dass es Zyklen wie die Jahreszeiten gibt, bei denen sich Ereignisse wiederholen, und die Veränderbarkeit der Welt in einem gewissen Rahmen vorhersagbar ist. Auf den Frühling folgt der Sommer.
Ein weiterer Meilenstein in der Erklärung und Beschreibung der Veränderbarkeit der Welt und des Lebens ist die Idee oder Intuition einer Kombination von Veränderung und Richtung. Die Dinge oder Ereignisse verändern sich in eine bestimmte Richtung – und nicht umgekehrt. Dynamisiert man beispielsweise die große Kette des Seins, das gemeinsame Erbe der religiösen Traditionen der Welt, von Materie zu (biologischem) Leben zu Geist zu Seele zu Geist, und stellt sie in einen Zeitablauf, erhält man eine Entwicklungsabfolge der Schöpfung. Andere Phasen- oder Zeitaltermodelle sehen den Weltenlauf in einem unveränderbaren und vorgegebenen Ablauf aufeinanderfolgender Perioden wie den 4 Yugas des Hinduismus (Das Krita-Yuga, das Treta-Yuga, das Dvapara-Yuga und das Kali-Yuga). Joachim von Fiore (ca. 1130 – 1202) unterscheidet 3 Zeitepochen: die Zeit des Vaters (Altes Testament), des Sohnes (beginnt mit dem Neuen Testament und endet nach seiner Vorhersage 1260) und die des Heiligen Geistes. Die sechs biblischen Schöpfungstage gehören ebenfalls zu den Schöpfungsmythologien. Viele derartige „Entwicklungsmodelle“ entstanden in der mythologischen Menschheitsepoche aus einem religiösen Weltverständnis heraus, das dem Schöpfungsverlauf eine bestimmte Richtung und damit auch einen Sinn gibt. Diese Richtung kann aufwärts (evolutionär, vom Niederen zum Höheren) oder abwärts (devolutionär im Sinne von Niedergang) bzw. involutionär (von Höheren zum Niederen) gerichtet sein.
Ein weiterer Meilenstein für den Entwicklungsgedanken ist die Entstehung eines historischen Bewusstseins sowohl für das einzelne Individuum wie auch für die gesamte Menschheit – woher komme ich (wir), wohin gehe ich (wir)?
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Ken Wilber: Die Architektur des Wachstums
Ken Wilber: Die Architektur des Wachstums

(Quelle: Integral Naked, An Interview with Myriades Teil 4)
Frage: Ich möchte dich fragen, wie du das machst, wenn du ein Buch schreibst wie beispielsweise Eine kurze Geschichte des Kosmos. Es hat eine evidente, logische Struktur, die Argumentation ist sehr fundiert und rational, wie geht das?
KW: Was man mit einem Buch wie Eine kurze Geschichte des Kosmos macht ist, zu Menschen durch die drei großen Entwicklungsstufen zu sprechen, und zwar die mythisch-traditionelle Stufe, die rational-moderne Stufe, und die postrational-postmoderne Stufe. Man versucht, aus allen drei dieser Stufen heraus zu sprechen, z. B. in dem man Schlüsselworte verwendet, die eine Resonanz zu diesen Stufen haben. Für die traditionelle Stufe sind das grundlegende Prinzipien, Sicherheiten und absolutistische Wirklichkeiten. Für die moderne Stufe sind das Logik und Beweise. Hier geht es um Beweisbarkeit, um Fakten und um logische Argumente. Die Postmoderne hingegen möchte die Innerlichkeiten mit aufnehmen und die Aufmerksamkeit auf die Subjektivität lenken, als einem zentralen Aspekt von Wirklichkeit. Ich versuche daher durch und zu allen diesen drei Ebenen zu sprechen, und man vermeidet dabei Begriffe oder Themen, die für die jeweiligen Ebenen ein „rotes Tuch“ darstellen. Für die traditionelle Ebene – das ist die Ebene, über die ich mir am wenigsten Sorgen mache, weil es nur wenige Menschen auf dieser Entwicklungsstufe gibt, die sich für integrale Ansätze interessieren –, doch es gibt diese Menschen, und daher möchte ich hierzu eine kurze Anmerkung machen: Worauf wir bei einem integralen Ansatz achten ist die Tatsache, dass Menschen „multiple Intelligenzen“ haben. Diesen Begriff hat Howard Gardner vorgeschlagen, und er bedeutet, dass Menschen unterschiedliche Entwicklungslinien bzw. unterschiedliche Fähigkeiten haben. Man kann etwa ein Duzend davon unterscheiden, einschließlich kognitiver Entwicklung, moralischer Entwicklung, ästhetischer Entwicklung und Selbstentwicklung. Es gibt zwei wichtige Entwicklungslinien, die eine Schlüsselfunktion dabei haben, und eine davon ist die kognitive Entwicklungslinie, die beschreibt, was ein Mensch zu denken in der Lage ist, was seine Ansichten sind, die Anzahl von Perspektiven, die jemand in der Lage ist einzunehmen, das Bewusstsein, das jemand hat. Und das andere ist die Selbst-Entwicklungslinie. Das Selbst ist der Bewusstseinsschwerpunkt, aus dem ein Mensch heraus handelt. Die kognitive Linie ist das Reden [talk], und die Entwicklungslinie des Selbst ist das Handeln [walk]...
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Vom munteren Dreck zur Poesie
Vom munteren Dreck zur Poesie

- W. James und J.M. Baldwin
[Quelle: Ken Wilber, IntegralSpiritualCenter, vom frisky dirt to poetry]
Die Idee [und Unterscheidung] von Strukturen des Bewusstseins und Zuständen des Bewusstseins hat eine unglaubliche Bedeutung. Strukturen können im Allgemeinen durch Introspektion nicht erkannt werden, sie können jedoch erkannt werden durch Methodiken der Zone 2, wie den Strukturalismus oder Neostrukturalismus, Genealogie oder Entwicklungsstrukturalismus, und diese Methodiken reichen zurück bis zu den großen deutschen Idealisten.
William James und James Mark Baldwin
Der erste große Entwicklungspsychologe war der Amerikaner James Mark Baldwin. Er war ein Zeitgenosse von William James, und ein ebenso großes wenn nicht noch größeres Genie. William James war ein Pionier der Untersuchung von Bewusstseinszuständen, diese sind in gewisser Weise einfacher zu untersuchen als die Bewusstseinsstrukturen. James Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung ist ebenso genial wie die Bücher und Forschungen von James Mark Baldwin. Übrigens ging Baldwin am Ende seines Lebens nach Paris und lehrte dort, und einer seiner Studenten war ein Schweizer Psychologe namens Jean Piaget. Kohlberg hat darauf hingewiesen, dass Piaget die meisten seiner bahnbrechenden Ideen von James Mark Baldwin übernommen hatte. Das Erstaunliche bei Baldwin ist, dass er mindestens schon drei Entwicklungslinien beschrieb, die dem Wahren, dem Schönen und dem Guten entsprechen, oder Wissenschaft, Moral und Kunst, und jede dieser Linien entwickelt sich bei ihm durch sechs oder sieben Entwicklungsebenen. Die höchste dieser Ebenen nannte er selbst „kosmisches Bewusstsein“. Wir haben hier also schon Entwicklungslinien und Entwicklungsebenen, bis hinauf zum kosmischen Bewusstsein. Das ist absolut brillant. Ich wünschte mir, ich hätte schon früher von Baldwin erfahren, weil ich mir dann vieles, was ich auf die harte Tour selbst herausfinden musste, erspart hätte. Er spricht schon im Zusammenhang von Ebenen und Linien von Strukturen, und Strukturen sind [im Unterschied zu Zuständen] wesentlich schwieriger zu erkennen, weil man sie nicht durch die Innenschau erkennt. Das geht bei Zuständen, dem Wachzustand, Traumzustand, traumlosen Tiefschlaf, hypnotischen Zuständen, Drogenzuständen, usw. [aber nicht bei Strukturen]. Verfolgt man jedoch die eigenen Zustände und trainiert diese, dann kann man erkennen, wie sie sich stufenweise entfalten. Die meisten der großen kontemplativen Schulen der Psychologie haben Beschreibungen über diese Zustandsstufen, und diese sind sehr wichtig. Doch was Baldwin herausgefunden hat, sind Strukturen des Bewusstseins, er war der Erste, der psychologische Strukturen beschrieben hat. Unglücklicherweise lädt das Wort „Struktur“ zur Zerstörung [destruction] ein, jedenfalls in den Händen der Postmodernisten. Die Studenten im Mai 68 schrieben am Anfang der Studentenrevolte und Bürgerrechtsbewegung an die Häuserwände „nieder mit dem Strukturalismus“. In Amerika sagte man dazu „nieder mit dem System“, das war die gleiche Vorstellung. Eine Struktur ist jedoch keinesfalls eine rigide und lineare Stufenabfolge. Was Struktur eigentlich bedeutet, ist ein dynamisches, stabiles holistisches Muster. Was Piaget mit Strukturalismus bezeichnete, hätte er besser „Holismus“ genannt, weil das besser die dafür charakteristischen ganzheitlichen operationalen Muster beschreibt. Man kann diese Strukturen erst verstehen, wenn man ihre holistischen Transformationsregeln versteht, auf denen sie gegründet sind. James Mark Baldwin war der Erste, der das herausgefunden hat, eine brillante Leistung.
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Zustandsstufen und Strukturstufen - eine Spurensuche
Zustandsstufen und Strukturstufen - eine Spurensuche

(aus: Ken Wilber, Einfach DAS)
Michael Habecker
Eines der ganz großen Durchbrüche im Verstehen dessen, was Bewusstseinsentwicklung ausmacht, ist Wilbers Unterscheidung zwischen Zustandsstufenentwicklung (ein Erwachen in den Hauptzuständen des Seins – grobstofflich, subtil und kausal und nichtdual) und Strukturstufenentwicklung (durch die Strukturen des Bewusstseins wie archaisch, magisch, mythisch, rational, pluralistisch) usw. Was das genau bedeutet, beschreibt er erstmals ausführlich in Integrale Spiritualität, und eine noch genauere Beschreibung ist mit der angekündigten Veröffentlichung der Bücher Overview und Superview versprochen. Es gibt allerdings schon frühere Spuren dieser Einsicht in seinem Werk, und eine dieser Spuren findet sich in dem 1999 erschienenen Buch One Taste (Einfach DAS). Auf S. 361 stellt Wilber darin im Zusammenhang mit dem Übergang von seiner Schaffensphase II zur Schaffensphase III, als einer Unterscheidung unterschiedlicher Entwicklungslinien, die nebeneinander verlaufen, die Strukturstufenentwicklung anhand eines einfachen „Integralen Psychogramms“ in einer Abbildung (Nr. 5) wie folgt dar:
Abb. Integrales Psychogramm
Wilber schreibt dazu
Diese beiden Diagramme [er stellt das Psychogramm auch noch als Kreisform dar], die ich „integrale Psychogramme“ nennen möchte, zeigen den Verlauf der verschiedenen Entwicklungslinien (oder -ströme) durch die verschiedenen Ebenen (oder Wellen) der Großen Verschachtelung. Wie man sieht, kann man auf manchen Ebenen eine höhere, transpersonale oder „spirituelle“ Ebene erreicht haben und auf anderen nur eine personale oder „psychologische“ Ebene ... Das Selbst oder Selbst-System dirigiert alle diese Strömungen und Wellen und muss versuchen, zwischen ihnen einen Ausgleich und eine gewisse Harmonie herzustellen. (S. 361)
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Stufen der Hingabe
Stufen der Hingabe
(aus: Integral Life Practice, p. 225 Ken Wilber, Terry Patten, Adam Leonard und Marco Morelli)
Theistische Mystik ruft eine Beziehung zu Gott hervor. Wie jede Beziehung, entfaltet sich auch diese ultimative Beziehung als ein Drama. MystikerInnen habe auf unzählige Weisen die Geschichte dieser ultimativen Beziehung erzählt. Sie sie alle beschreiben, wie die Leidenschaft des menschlichen Herzens erweckt und befreit wird durch ein Ringen auf Leben und Tod, mit dem Ziel der Vereinigung mit dem oder der GELIEBTEN. Viele dieser Erzählungen lesen sich wie folgt:
- Unwissenheit. Der Mensch beginnt seine Reise in Unbewusstheit, im Unglücklich-sein, in der Krise und unwissend.
- Unruhe. Der Mensch beginnt unzufrieden zu sein, und sich seines Leidens, seiner Verdammnis oder Entfremdung bewusst zu werden.
- Einsicht. Es beginnt metanioa, Reue, Erkennen – die Bewusstheit des Leidens und der Selbst-Kontraktion sowie der Wille und die Bereitschaft, Gewohnheiten zu überwinden und sich einer Praxis zu unterziehen, die das Selbst transzendiert. Manchmal führen diese Einsichten zu einer „Bekehrung“ zu einer Religion und ihrem Gründer (ihren Gründern).
- Hingabe. Das Herz öffnet sich und wird bereit für eine Liebesbeziehung mit dem GEIST und allen Dingen; dies ist der Beginn eines Lebens in Hingabe und Dienst. Gnade wird erfahren, (als die Kraft und Macht göttlicher Segnungen). Dies wird manchmal auch als Rettung oder Heil [salvation] bezeichnet. Durch Hingabe und Demut wird Willensstärke entwickelt, Unangenehmes kann toleriert werden, und eine Schülerschaft entsteht, welche die Anhaftungen an das getrennte Selbst überwindet.
- Transformation. Eine Tortur und ein Leidensweg schließt sich an, der sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken kann. Dieser Weg beginnt mit einer Reinigung innerhalb des normalen, am äußerlich grobstofflichen orientierten Leben. Dann begegnet man den unterschiedlichen subtilen Erfahrungen, mit Erlebnissen von Erleuchtung und Reinigung, und das Erleben erweitert sich zu einer stillen und leeren „dunklen Nacht“, zu einem Bereich jenseits von Licht und Seligkeit.
- Einsicht. Hier findet ein entscheidender Übergang statt, in dem man vom Traum des Lebens erwacht. Dies ist die spirituelle Verwirklichung, die manchmal auch mit „Erleuchtung“ bezeichnet wird.
- Vereinigung. Hier beginnt das höhere spirituelle Leben, und das umfasst das Verehren, Umarmen, Erwachen zum Dienst und zur Feier mit dem oder der göttlichen Geliebten, die nun in allen Menschen und Dingen gesehen werden.
Im höheren spirituellen Leben kann die Stufe 7 sich vertiefen, indem die darin enthaltenen Stufen 2-6 immer wieder durchlaufen werden.
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Liebe und Evolution
Liebe und Evolution

- Ken Wilber und "Isaac"
Ken Wilber
[love and evolution, aus der Reihe “the loft series”, IntegralLife.com]
Was ich zuerst über Liebe sagen möchte, ist, dass es sich dabei nicht nur um eine menschliche Emotion handelt, sondern um eine metaphysische Kraft. Es ist Eros, der die Evolution antreibt. Es ist das, von dem Dante sagt, dass es die Sonne und die anderen Sterne bewegt. Mit dem Urknall treten unzählige Teilchen in Erscheinung, und einige von ihnen treffen aufeinander, kommen zusammen, und diese Quarks verbinden sich zu Atomen, und Atome verbinden sich zu Molekülen. Und dann irgendwann, und das ist ein absolutes Mysterium, gibt es diese langen Molekülketten, irgendwo, und es kommt der Zeitpunkt, wo sich einige von ihnen zusammentun, und sich um sie herum eine physische Grenze bildet, und es entsteht eine Zelle. Das ist ganz erstaunlich. Nach den Aussagen der Physik gibt es lediglich Zufallsereignisse und eigentlich keinen Grund dafür, dass etwas Derartiges geschieht. Die neodarwin’sche Vorstellung stellt dies als ein Zufallsereignis dar, das sich dann durch natürliche Selektion durchsetzt. Doch wie wahrscheinlich ist so etwas? Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas ereignet ist astronomisch klein, und es ereignet sich überall im Universum. Immer mehr Zellen bildeten sich, zu immer höheren Ganzheiten. Jede dieser Stufen der Entfaltung seit dem Urknall ist eine Transformation zu immer höherer Komplexität, Einheit und Ganzheit. Dahinter steht eine Kraft, ein Streben, das in das Universum eingebettet ist. Es ist Evolution als eine Selbstorganisation durch Selbsttranszendenz. Dieser Antrieb ist eine essentielle Kraft des Universums. Die Zellen haben sich gebildet, einige von ihnen kommen zusammen und es entsteht eine weitere physische Grenze um sie herum, und dadurch entstehen multizelluläre Organismen. In diesen bilden sich neuronale Netze, so dass diese Organismen beginnen in der Lage zu sein, etwas wahrzunehmen von dem, was um sie herum geschieht. Die ursprünglichen prokaryotischen Zellen werden darin aufgenommen, wie Viren und Protobakterien, die relativ einfach aufgebaut sind gegenüber späteren Zellen, die jedoch sehr viel komplexer sind als die einfachen Moleküle, aus denen sie bestehen. Die prokaryotischen Zellen werden transzendiert und bewahrt durch die komplexeren eukaryotischen Zellen, so dass auch wir heutigen Menschen diese Organellen in unseren Zellen haben, Mitochondrien zum Beispiel, als ein lebendiges Erbe dieses frühen „Transzendiere und Bewahre“, als kleine Zellen in den Zellen. Dies alles sind atemberaubende Zunahmen an Komplexität, Einheit und Ganzheit. Wir haben es hier mit einer Kraft im Universum zu tun, die gegen den Zufall arbeitet: eine Kraft, die das Gegenteil von Zufall ist, und diese Kraft ist Eros. Diese Kraft können wir in Begriffen der Sprache einer ersten, zweiten und dritten Person betrachten. Wir können sie in wissenschaftlicher Es-Sprache beschreiben als ein Antrieb zur Selbstorganisation, wir können sie in Du-Sprache als eine Zunahme von „Wir“ sehen, einer immer größeren Bewusstheit von Formen von Gemeinschaft, und wir können sie in Ich-Sprache als eine erste Person sehen, als eine Zunahme an Bewusstheit, die sich ihrer selbst immer bewusster wird. Diese multizellulären Organismen entwickeln sich ihrerseits immer weiter. Mit jeder Transformation gibt es einen höheren Grad an Komplexität, einen höheren Grad von Einheit, einen höheren Grad von Ganzheit, und immer spielt dabei die Zusammenführung oder das Zusammenkommen zahlreicher niedrigerer Holons eine Rolle, die sich zu einem einzigen höheren Holon zusammentun. Das führt zur Erschaffung eines ganz neuen Welt-Raumes. Dies geschieht seit Millionen von Jahren, immer höhere Einheiten, immer weiter. Und dann erreichen wir den Punkt, wo dieser Evolutionsprozess sich seiner selbst bewusst wird. Das ist ein weiterer großer Schritt im Universum, und wir wissen nicht, ob dies den Beginn des Endes des Universums kennzeichnet, oder ob es sich um eine ganz neue Art von Erwachen handelt. Menschen erscheinen auf diesem Planenten, mit verinnerlichten Formen des Eros in Form von Liebe, und eine von vielen Möglichkeiten sich diese Ebenen von Liebe vorzustellen ist Maslov’s Bedürfnispyramide. Liebe drückt dort zuerst physiologische Bedürfnisse aus, dann Sicherheitsbedürfnisse, dann dehnt sich die Liebe weiter aus zu Zugehörigkeitsbedürfnissen, danach erscheinen Selbstwertbedürfnisse, die sich dann zu Bedürfnissen der Selbstverwirklichung erweitern. Auf all diesen Ebenen ist die Liebe jedoch noch orientiert an Mangelbedürfnissen. Ob es dabei um die Liebe zu einer Idee, einer Bewegung, einem Partner oder einer Partnerin geht, es geht dabei immer auch um ein Mangelerleben. Liebe auf diesen frühen Entwicklungsstufen ist Teil eines Spiels um den Mangel. Die Idee oder die andere Person wird dabei verantwortlich gemacht für die Erfüllung dieses Mangels, und als eine Notwendigkeit zur Behebung des eigenen Mangelerlebens. Dies ist der Ursprung für unzählige Dramen, die sich abspielen, wenn jemand das Gefühl hat, dass seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Dieses Spiel ist endlos, und es ist das Wesen einer Liebe aus einem Mangel heraus. Doch die Entwicklung kann weiter gehen, hin zu den Entwicklungsstufen des second tier, wo es nicht um Mangelbedürfnisse, sondern um Seinsbedürfnisse geht. Erst hier kann Liebe wirklich in ihrer wahren Natur gesehen und erkannt werden, und das bedeutet in Fülle und Überfluss. Einheit und höhere Verbindungen werden jetzt aus einem Erleben von Überfluss und Überströmen angestrebt.
Entwicklung, Selbste, Drehpunkte
Entwicklung, Selbste, Drehpunkte

Die Überarbeitung des Buches "Psychologie der Befreiung" im Licht von Wilber V
Dieses Transkript entstammt einem Mitschnitt einer Telefonkonferenz zwischen Ken Wilber und Autoren des Journals of Integral Theory and Practice (JITP, früher AQAL Journal).
Einleitung (von Michael Habecker)
Eines der Themen an denen Ken Wilber arbeitet ist die Überarbeitung des Buches Psychologie der Befreiung im Hinblick auf die neu gewonnen Einsichten seiner Arbeit der letzten Jahre (Wilbers Phase V). Psychologie der Befreiung (Transformation of Consciousness) erschien erstmals 1988 in deutscher Sprache. Wilber setzt dort Entwicklungsstufen und mögliche Entwicklungsstörungen, verbunden mit entsprechenden Pathologien, miteinander in Beziehung. Dadurch wird erkennbar, auf welcher Entwicklungsebene eine bestimmt Störung entstanden ist, was die Auswahl geeigneter Therapiemaßnahmen erleichtert. Dieses Modell erweitert Wilber nun – in Stichworten – wie folgt:
- Strukturstufen und Zustandsstufen, eine der bedeutenden Differenzierungen, die Wilber im Zuge von Wilber V vornimmt, werden nicht mehr „übereinander gestapelt“. Alle bisherigen Entwicklungsmodelle, einschließlich die des frühen Wilber[1], haben diese Differenzierung nicht vorgenommen, sondern lediglich eine Entwicklungsskala vorgegeben, bei der die unteren Stufen diejenigen der westlichen Entwicklungsforschung waren (z. B. archaisch, magisch, mythisch, rational, pluralistisch, integral), und die sich daran anschließenden höheren Entwicklungsstufen den östlichen Traditionen entnommen wurden (z. B. psychisch, subtil, kausal, nichtdual). Beides differenziert Wilber nun voneinander, da die westliche Forschung eine Strukturstufenentwicklung beschreibt, wohingegen die östlichen Traditionen die Entwicklung durch die Hauptzustände des Seins verfolgen. Beide Entwicklungswege bilden zwei relativ unabhängig voneinander bestehende Achsen und Entwicklungsverläufe. Durch diese Differenzierung werden die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen beiden Entwicklungsverläufen erstmals erkennbar.
- Damit ergeben sich Pathologien nicht nur bei der Strukturstufenentwicklung sondern auch bei der Zustandsstufenentwicklung. (In Psychologie der Befreiung wird diese Unterscheidung noch nicht vorgenommen).
- Weiterhin ergeben sich zwei voneinander zu differenzierende Bewusstseinsschwerpunkte. Der eine bezieht sich auf die Strukturentwicklung, der andere auf die Zustandsentwicklung eines Menschen.
- Die Differenzierung unterschiedlicher Selbst-Definitionen spielt eine bedeutende Rolle für das Verständnis menschlicher Psychodynamik. So unterscheidet Wilber im nachfolgenden Telefondialog das ursprüngliche, das proximale und das distale Selbst voneinander, und fügt dann noch das richtige und das falsche Selbst hinzu. Der Zusammenhang ist wie folgt[2]: Das was wir „ich“ nennen, das Ich-Empfinden und beobachtende Selbst nennt Wilber das proximale Selbst[3]. Das beobachtete Selbst („mir“, „mein“) mit all dem was ein Mensch als zu sich gehörig betrachtet nennt er distales Selbst. Das proximale Selbst ist näher an einem dran, das distale Selbst ist weiter weg. Weiterhin gibt es noch das transzendente, ursprüngliche, wahre oder höchste Selbst, das Ich-Ich oder Zeugenbewusstsein, welches nicht zu einem Objekt der Betrachtung gemacht werden kann. Die Psychopathologie führt nun noch die Begriffe echtes und falsches Selbst ein. Ist das proximale Selbst ein angemessenes Ich-Empfinden einer Bewusstseinsebene, spricht Wilber vom echtem oder richtigen Selbst. Ist das proximale Selbst jedoch mit Schattenanteilen (Verdrängung und Abspaltung) belastet, spricht Wilber von einem falschen proximalen Selbst. Die Schattenanteile wirken sich (z. B. durch Projektionen) auch auf das distale Selbst aus, daher spricht Wilber auch von einem echten bzw. falschen distalen Selbst. Ersteres ist eine verzerrungsfreie Wahrnehmung auf „mir“ und „mein“, Letzteres nicht.
- Die volle Einbeziehung von Psychodynamik und Schattenarbeit auf dem Entwicklungsweg.
- Das Konzept von Leiter (Entwicklungsgrundstruktur), Kletterer (das Selbst) und Sichtweise (Weltanschauung, als eine Übergangsstruktur), welches schon in Psychologie der Befreiung zugrunde gelegt wurde, erfährt eine Erweiterung.
Ken Wilber beginnt das Gespräch mit einer Zusammenfassung eines seiner aktuellen Projekte, der Neubearbeitung des Buches Psychologie der Befreiung.
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Mystik und Glauben, der Zustandsweg und der Strukturweg des Erwachens und das Wilber-Combs Raster
Mystik und Glauben, der Zustandsweg und der Strukturweg des Erwachens und das Wilber-Combs Raster
Einleitung von Michael Habecker
Seit der Differenzierung zwischen einem Zustandsweg des Erwachens, wie ihn die kontemplativ-mystischen Traditionen und Religionen beschreiben, und einem Struktur(entwicklungs)weg des Glaubens, wie ihn die westliche (Entwicklungs-) Psychologie beschreibt, ist es möglich, Mystik und Psychologie zu vereinigen und ein deutlicheres Bild von dem zu erhalten, was religiös-spirituelle Erfahrungen ausmachen. Eine derartige Unterscheidung hat Wilber in seinem Werk schon in frühen Büchern wie in Der glaubende Mensch vorgenommen, und dann immer weiter entwickelt, bis hin zu einer „Wilber-Combs Matrix“, in der diese Unterscheidung explizit sichtbar wird.
In einer Einführung zu einem Audiodialog „The Sacred Heart of Christianity“ zwischen Ken Wilber und Roland Stanich, geschrieben von Corey de Vos[1], wird dieser Differenzierungsmeilenstein anhand zweier Pioniere erläutert: James Fowler für den Entwicklungsstrukturweg des Glaubens und Evelyn Underhill für den mystischen Zustandsweg.
Vollständig menschlich: James Fowlers Stufen des Glaubens
Abb. Dr. James Fowler
Dr. James Fowler III ist Professor für Theologie und menschliche Entwicklung an der Emory Universität. Bis zu seiner Pensionierung 2005 war er Direktor des Center for Research on Faith and Moral Development und des Center for Ethics bis. Er ist Pfarrer der United Methodist Church und wurde bekannt durch sein Buch Stufen des Glaubens, das er 1981 veröffentlichte. In diesem Buch untersucht er die Entwicklung des menschlichen Glaubens.
„Glauben kann man charakterisieren als einen integralen, zentrierenden Vorgang, der unseren Vorstellungen, Werten und Bedeutungen zugrunde liegt, und der (1) dem menschlichen Leben Kohärenz und Richtung gibt, (2) Menschen in Loyalität und Vertrauen miteinander verbindet, (3) persönliche Standpunkte und gemeinschaftliche Überzeugungen in einem größeren Bezugsrahmen gründet und (4) es Menschen ermöglicht, den Begrenzungen eines menschlichen Lebens zu begegnen, bei einer Bezugnahme zum Absoluten ... Die Entwicklungsstufen haben das Ziel, die Muster des Wissens und Wertens zu beschreiben, die unserem Bewusstseins zugrunde liegen.“
Zak Stein: „Über den Gebrauch des Begriffes Integral: Schau-Logik, Meta-Theorie und ‚Wachstum zum Guten’- Annahmen“
Zak Stein: „Über den Gebrauch des Begriffes Integral: Schau-Logik, Meta-Theorie und ‚Wachstum zum Guten’- Annahmen“
Auszug aus dem dem Bericht von der Integral Theory Conference 2010 von Dennis Wittrock
Erster Vortragsblock, 11 parallele Angebote, was tun? In meiner Magisterarbeit über Transdisziplinarität und IMP hatte ich 2008 ein Papier von Zak Stein zitiert und war gespannt den Harvard-Doktoranden und begabten Entwicklungsforscher mal persönlich zu begegnen. Also besuchte ich seinen Beitrag mit dem Titel „Über den Gebrauch des Begriffes Integral: Schau-Logik, Meta-Theorie und ‚Wachstum zum Guten’- Annahmen“. Vorne stand ein junger Mann mit einer ernsten Klarheit und einem Zahnstocher im Gesicht, auf dem er lässig herumkaute, dazu mit Ziegenbart und krausen Haaren auf der hohen Stirn.
Zunächst machte er eine Unterscheidung zwischen „Meta-Theorie“ und „Philosophie“. Mark Edwards etwa, dessen Beiträge im meta-theoretischen Feld liegen, bewegt sich eher auf akademisch-wissenschaftlichen Terrain. „Philosophie“ hingegen sucht immer die wieder die Rückbindung an die gewöhnliche Alltagssprache – eine Qualität, die der Meta-Theorie oftmals fehlt.
Als nächstes präsentierte er eine Reihe von historischen Zitaten, die eine umfassende, zeitgenössische Theorie skizzierten, die – nicht unähnlich der integralen Theorie – den Anspruch hatte, die wesentlichen Erkenntnisse aus Natur- und Geisteswissenschaften zusammenzuführen. Als Zak Stein schließlich das Rätsel löste, um welche Theorie es sich denn handelte, stockte wohl allen der Atem: es war die Eugenik aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, d.h. die rassistisch motivierte Kunde von den „guten“ Genen. OK, jetzt hatte er wohl jedermanns Aufmerksamkeit gewonnen.
Mit Habermas im Gepäck kritisierte er die Verantwortungslosigkeit von Hirnforschern, die allen ernstes die Freiheit des Willens öffentlich in Frage stellen und dadurch das moralische Fundament der Lebenswelt unterhöhlen. Danach schwenkte er über zu Ludwig Wittgensteins Analyse der verschiedenen „Sprachspiele“, die Menschen spielen. Als Metapher hatte Wittgenstein das Bild von Sprache als einer Stadt. Es gibt Begriffe, die eher in den Randbezirken zuhause sind, während einige zentrale Wörter allen bekannt sind. In diesem Sinne ist innerhalb des Sprachspiels der integralen Community der Begriff „integral“ absolut „downtown“. Eine Variante davon, die Zak relativ bedenklich findet ist „integralTM“. Die Vermarktung integraler Ansätze und der Versuch ein Deutungsmonopol zu errichten ist vielleicht der Sache nicht immer dienlich. Habermas zufolge kann man unterscheiden zwischen Sprachspielen über Fakten und über Normen – über das „Ist“ und über das „Soll“. Werden diese beiden Varianten vermischt, dann spricht man von einem „thick concept“ – ein Begriff, der zugleich beschreibend als auch bewertend ist. „Integral“ ist in diesem Sinne ein „dickes Konzept“, das oftmals in der simplen Gleichung ausgedrückt wird:
Integral = Schau-Logik (deskriptiv) = wertvoll (evaluativ)
Man kann „integral“ als einen Ort verstehen (weit oben auf der Entwicklungsskala, wo es „gut“ ist) oder als eine Trajektorie (wobei jede Ebene in sich mehr oder weniger „integral“ / integriert sein kann). Erstere Auslegung verstärkt das in integralen Kreisen weit verbreitete „Wachstum zum Guten“ Modell.
Robert Kegan: „Gibt es ein Leben nach der ‚Selbst-Autorenschaft’?“
Robert Kegan: „Gibt es ein Leben nach der ‚Selbst-Autorenschaft’?“

- Robert Kegan
Auszug aus dem dem Bericht von der Integral Theory Conference 2010 von Dennis Wittrock
Am Freitag Abend wurde es festlich. Die Teilnehmer wurden mit Shuttle-Bussen von der JFK Universität ins nahegelegene Hilton Hotel gebracht, wo es ein gemeinsames Abendessen gab, welches der CEO von Integral Life und Integral Institute, Robb Smith, mit seinen Begrüßungsworten begleitete. Von der Rede kann ich leider nichts Näheres berichten (ich hatte den Notizblock gegen Gabel und Messer getauscht), aber das Essen und die allgemeine Stimmung waren gut als die Teilnehmer miteinander das Brot brachen.
Die große Keynote-Präsentation des Abends sollte Dr. Robert Kegan von der Harvard-Universität halten. Er hat unter anderem die Bücher The Evolving Self, sowie In Over Our Heads geschrieben und gilt als international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Erwachsenenentwicklungsforschung. Er ist bei den Studenten beliebt für seine didaktischen Fähigkeiten und hat zahlreiche Ehrentitel und Preise für gute Lehre verliehen bekommen. Seine Präsentation begann mit erheblichen technischen Schwierigkeiten, die er und das Publikum mit Humor und Gelassenheit nahmen, während noch das Dessert gereicht wurde. Als es losging bat er alle, die ihm zuhörten als Antwort einmal in die Hände zu klatschen. Mit einem Schlag hatte er die Aufmerksamkeit des gesamten Plenums – ein Trick, den er nach eigenen Angaben von seiner Tochter abgeschaut hat, die Grundschullehrerin ist.
Im Ankündigungstext hieß es: Robert Kegan hat sein Leben damit verbracht die Entwicklung der Bedeutungsbildung von Erwachsenen zu studieren. Seine Theorie einer evolvierenden Abfolge von zunehmend umfassenderen „persönlichen Epistemologien“ hat die Theorie und Praxis in zahlreichen Disziplinen auf jedem Kontinent beeinflusst. Die Menschen haben ihn oft gebeten, dass er einen Vortrag darüber halten möge, in welchem es einzig darum geht, was er über die höchste Stufe in seinem Modell, „Stufe 5“ oder „den selbst-transformierende Geist“ herausgefunden hat. In diesem Vortrag geht er zum ersten Mal auf diese Bitte ein.
Terri O’ Fallon: „Das Zusammenfallen der Wilber-Combs-Matrix: Die Durchdringung der Zustands- und Strukturstufen“
Terri O’ Fallon: „Das Zusammenfallen der Wilber-Combs-Matrix: Die Durchdringung der Zustands- und Strukturstufen“
Auszug aus dem dem Bericht von der Integral Theory Conference 2010 von Dennis Wittrock
Nach dem eben beschriebenen Curriculum am Samstag, begann der Sonntag mit einem Leckerbissen für Theorie-Freaks. Von mehreren Seite war mir das Papier von Terri O’Fallon empfohlen worden, welches einen interessanten Beitrag zur Diskussion des Verhältnisses von Zuständen zu Strukturen des Bewusstseins leistet.
Erinnern wir uns: eine größere theoretische Wendung in Wilbers Werk bestand in der Re-Interpretation höherer Ebenen des Bewusstseins im Übergang von Wilber-4 („EKL“) zu Wilber-5 („Integrale Spiritualität“) in Verbindung mit dem Raster, das er gemeinsam mit dem Bewusstseinsforscher Allan Combs aufgestellt hat. In der Wilber-Combs-Matrix sind die Bewusstseinsebenen als vertikale Skala der Entwicklung aufgetragen, während die großen Zustände des Bewusstseins und ihre Meisterung mit ihren Energien (grobstofflich, subtil, kausal, nondual ) als horizontale Skala aufgetragen werden. Aus der Kombination ergibt sich eine Matrix möglicher spiritueller Erfahrungen, wobei bestimmte Zuständserfahrungen (z.B. subtil) aus den spezifischen Begrenzungen der jeweiligen Bewusstseinsstruktur (z.B. mythisch) heraus interpretiert werden. Wilber führte den Begriff „Zustandsstufen“ in Abgrenzung zu „Strukturstufen“ ein, um zu verdeutlichen, dass es nun in seinem Modell einen ‚Weg des Aufwachens’ (Zustände) neben dem ‚Weg des Aufwachsens’ (Ebenen) gibt, die unabhängig voneinander beschritten werden können. Er re-interpretierte damit die Stufen, die er zuvor „psychisch, subtil, kausal und nondual“ bezeichnet hatte, als horizontale Zustandsstufen (statt vertikale Strukturstufen, beginnend oberhalb der integralen Stufe), wodurch sie in diesem Bild gewissermaßen um 90 Grad nach rechts geklappt sind. Dadurch eröffnete sich gleichzeitig besagte Matrix möglicher Kombinationen von Strukturen und Zuständen, bzw. von Strukturstufen und Zustandsstufen.
Wer an dieser Stelle bereits Schwierigkeiten hat zu folgen, dem sei gesagt, dass dies nur das Vorspiel und die Basis ist, von der aus Terri O’ Fallon ausgegangen ist, um eine noch viel komplexere Landkarte des Bewusstseins darzulegen. Ihr Papier ist dermaßen dicht und herausfordernd, dass man es mindestens dreimal aufmerksam lesen sollte, um die wesentlichen Punkte zu begreifen. Sie hat einen Ph.D. Titel, ist Direktorin des Developmental Research Institute und Pacific Integral, zertifizierte Testerin des SCTi MAP Tests (von Susanne Cook-Greuter) und beforscht systematisch die späten Ebenen der Erwachsenenentwicklung, sowie Entwicklungstransformationen in Gruppen.
Videos: Robert Kegans Entwicklungstheorie
Videos: Robert Kegans Entwicklungstheorie

- Robert Kegan
Die folgenden Videos von Dr J. Barbuto führen in das Modell der fünf Ränge des Bewusstseins ("Orders of Consciousness") des Harvard-Professors Robert Kegan ein... "...in English please!"
Audio: Susanne Cook Greuter
Audio: Susanne Cook Greuter
Entwicklungsstufen eines höheren Bewusstseins
Dr. Tom Steininger spricht mit Dr. Susanne Cook-Greuter
Dr. Susanne Cook-Greuter ist eine internationale Autorität, wenn es darum geht, höhere, post-konventionelle Bewusstseinstufen wissenschaftlich zu untersuchen. Ihre Promotionsarbeit schrieb die gebürtige Schweizerin an der Harvard Universität in Boston über “Postautonome Ich-Entwicklung”, eine Arbeit, die zu einem Meilenstein in der Entwicklungstheorie bei Erwachsenen wurde. Tom Steininger spricht in Radio EnlightenNext mit Dr. Susanne Cook-Greuter darüber, was wir in einer aufgeklärten Weise über höhere Bewusstseinsstufen sagen können, und wie es möglich ist, diese Bewusstseinsstufen wissenschaftlich zu bestimmen.
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