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20.10.2017 : 12:42 : +0200

Integraler Methodologischer Pluralismus - IMP

Frühe IMP Skizze von Ken Wilber mit repräsentativen Erkenntnis-Methodologien in acht "Zonen"

Wie wäre es, wenn es einen Erklärungsrahmen gäbe, der Platz hat für alle Erkenntnismethodiken der Menschheit, diese einander gegenüberstellt und herausarbeitet

a) welche Erkenntnisgröße jede der Methoden hat (was sie erkennen kann)?

b) welche Erkenntnisgrenzen jede der Methoden hat (was sie nicht erkennen kann)?

c) wie alle Methoden zusammen hängen und zusammen wirken, um das Wesen und die Dimensionen und Aspekte von Wirklichkeit zu beschreiben?

 

Willkommen bei dem von Ken Wilber entwickelten Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP).

Ein IMP (in welcher Form auch immer, und unter welchem Namen auch immer) ist das Herzstück einer jeden Wissenschaft und Philosophie. Er macht deutlich, worauf jemand seine Theorie und Praxis gründet, und wie er oder sei sich die Welt erklärt. Dabei werden "die Karten auf den Tisch gelegt", und es wird nachvollziehbar (und auch methodisch nachprüfbar), woher die Ergebnisse zur Welterklärung kommen, und wie sie überprüft, verifiziert und falsifiziert werden können.

 

IMP - Die vier Quadranten als vier Hauptperspektiven

IMP - Die vier Quadranten als vier Hauptperspektiven

Ken Wilbers - Integral Methodologischer Pluralismus (IMP)

Michael Habecker

Die vier Quadranten als vier Hauptperspektiven

Ausgehend von vier vermuteten Grunddimensionen aller Manifestation, dem Innerlichen und Äußerlichen, dem Individuellen und Kollektiven, lassen sich vier voneinander unterschiedene, wenn auch miteinander zusammenhängende Daseinsbereiche differenzieren, die von Wilber so genannten „Vier Quadranten“: Jeder dieser Bereiche kann für sich erforscht, entdeckt und weiter entwickelt werden.

 

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Ken Wilbers integraler methodologischer Pluralismus

Ken Wilbers integraler methodologischer Pluralismus

– die Zonen 5 und 7 (und 2 und 4) 

Blaine A. Snow/Michael Habecker

Mit der Veröffentlichung der Exzerpte A, B, C, D und G in 2003 begann Wilbers aktuelle Schaffensphase V, in der er unter anderem auch einen Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP) vorstellt, als eine Möglichkeit, alle Erkenntnismethodiken der Menschheit in einen Gesamtrahmen zu stellen, wobei deren

a)     Größe (und Geltungsbereich, worüber die Methodiken etwas aussagen können),

b)    Grenzen (worüber die jeweiligen Methodiken nichts aussagen können), und

c)     der Gesamtzusammenhang aller Methodiken untereinander

erkennbar werden.

Grundlage dieser Zusammenschau ist das Modell der vier Quadranten (mit den Unterscheidungen innerlich/äußerlich und individuell/kollektiv), erweitert um eine weitere Differenzierung innen/außen in jedem der Quadranten, was zu insgesamt 8 Hauptmethodologie oder Erkenntnis-„Zonen“ führt.

 

Abb.: die 8 Hauptzonen oder grundlegenden Erkenntnisperspektiven des IMP

 

Abb.: die 8 Hauptzonen des IMP und ihren Überbegriffen

 

Für jede der Zonen existieren eine Fülle von Methodiken, die Wilber in einem Überbegriff zusammenfasst. 

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Integraler Methodologischer Pluralismus - IMP

Integraler Methodologischer Pluralismus - IMP

Frühe IMP Skizze von Ken Wilber mit repräsentativen Erkenntnis-Methodologien in acht "Zonen"

Wie wäre es, wenn es einen Erklärungsrahmen gäbe, der Platz hat für alle Erkenntnismethodiken der Menschheit, diese einander gegenüberstellt und herausarbeitet

a) welche Erkenntnisgröße jede der Methoden hat (was sie erkennen kann)?

b) welche Erkenntnisgrenzen jede der Methoden hat (was sie nicht erkennen kann)?

c) wie alle Methoden zusammen hängen und zusammen wirken, um das Wesen und die Dimensionen und Aspekte von Wirklichkeit zu beschreiben?

 

Willkommen bei dem von Ken Wilber entwickelten Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP).

Ein IMP (in welcher Form auch immer, und unter welchem Namen auch immer) ist das Herzstück einer jeden Wissenschaft und Philosophie. Er macht deutlich, worauf jemand seine Theorie und Praxis gründet, und wie er oder sei sich die Welt erklärt. Dabei werden "die Karten auf den Tisch gelegt", und es wird nachvollziehbar (und auch methodisch nachprüfbar), woher die Ergebnisse zur Welterklärung kommen, und wie sie überprüft, verifiziert und falsifiziert werden können.

 

Die Perspektiven des In-der-Welt-Seins

Die Perspektiven des In-der-Welt-Seins

 – der Integrale Methodologische Pluralismus (IMP)

(aus: Michael Habecker Ken Wilber – die integrale (R)evolution, info3 Verlag, 2. Auflage, S. 249)


Wilhelm von Humboldt war vielleicht der erste, der auf die Universalität der Pronomen in den Sprachen der Welt hingewiesen hat. Daran anknüpfend erläutert Wilber, dass durch die Pronomen Perspektiven, bzw. Wahrnehmungs- und Erfahrungsbereiche und Horizonte (Zonen) durch Menschen in ihren jeweiligen Sprachen zum Ausdruck kommen. Eine, aber natürlich nicht die einzige Möglichkeit dies zusammenzufassen, ist das Modell der vier Quadranten. 

Abb. Die 4 Quadranten als Perspektiven/Wahrnehmungsräume/Horizonte[1]

Oben links

Dieser Quadrant bzw. diese Perspektive steht für alle Erkenntnisse, die in Ich-Sprache zum Ausdruck gebracht werden, die Gesamtsumme aller subjektiven menschlichen Erfahrungen. Typische Methodiken zur Erfahrung dieses Daseinsbereiches sind Meditation, Introspektion, Kontemplation, Innenschau, Vision, autogenes Training usw. Die Wissenschaften, die diesen Raum untersuchen, können unter dem Oberbegriff „Phänomenologie“ zusammengefasst werden. Die große Stärke dieser Perspektive liegt in der Wahrnehmung und Gestaltung der individuellen Subjektivität eines jeden Menschen, ja eines jeden empfindenden Wesens. Es ist ein Wissen durch eine intime Vertrautheit mit dem eigenen Innenleben. Neben dem Erfahren und Erforschen dieses Bewusstseinsraumes hat jedoch, wie für die anderen Räume auch, die Gestaltung eine wesentliche Bedeutung, und hierfür hat die Menschheit ebenso eine Vielzahl von Techniken und Methodiken entwickelt, von der Psychodynamik über den Umgang mit schwierigen Emotionen bis zu Gebet und Mantra. Wichtig dabei ist auch die Frage, womit, d.h. mit welchen Inhalten wir diesen Raum in uns füllen und nähren (Gedanken, Emotionen, Bücher, Zeitschriften, Fernesehsendungen usw.). 

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Die drei Leitprinzipien des IMP

Die drei Leitprinzipien des IMP

Artwork: Dennis Wittrock

Auszug aus der Philosophie-Magisterarbeit: "Inter- und transdisziplinäre Kooperation im Lichte des integralen methodologischen Pluralismus Ken Wilbers" von Dennis Wittrock, Kap.3.3

Ken Wilber legt in Excerpt B: The Many Ways We Touch – Three Principles Helpful for Any Integrative Approach die Grundlagen für seinen Ansatz des „integralen methodologischen Pluralismus“. Er erläutert den Begriff wie folgt:

“Integral,” in that the pluralism is not a mere eclecticism or grab bag of unrelated paradigms, but a meta-paradigm that weaves together its many threads into an integral tapestry, a unity-in-diversity that slights neither the unity nor the diversity. “Methodological,” in that this is a real paradigm or set of actual practices and behavioral injunctions to bring forth an integral territory, not merely a new holistic theory or maps without any territory. And “pluralism” in that there is no one overriding or privileged injunction (other than to be radically all-inclusive).[1]

Die drei Leitprinzipien des IMP sind „non-exclusion“, „unfoldment“ und „enactment“. Hier ein erstes Vorverständnis dieser Konzepte: „Nicht-Ausschließung“ beruht auf der Annahme, dass sich verschiedene Weisen der Gewinnung wissenschaftlicher Daten, d.h. verschiedene Paradigmen, sich nicht von vorneherein ausschließen. „Entfaltung“ macht die Tatsache zum Prinzip, dass innerhalb von Disziplinen veraltete Paradigmen legitimerweise durch neue, angemessenere ersetzt werden. „Inszenierung“ schließlich bedeutet, dass sich Daten immer nur im Kontext eines bestimmten Paradigmas zeigen, deren Injunktionen befolgt werden müssen, um sie gewissermaßen ‚auf die Bühne zu bringen’.

1. „Non-exclusion“ – Nicht-Auschließung

Dieses Prinzip, das sich auch als grundlegender Arbeits-Heurismus durch Ken Wilbers Werk zieht, ist gegründet auf der Annahme, dass man den Vertretern jeglicher Methodologie zuallererst einmal einen generellen Vertrauensvorschuss gewähren sollte, denn

[…] no human mind can produce 100% error. If you look at the plethora of methodologies in the human arts and sciences, you will find phenomenology, hermeneutics, structuralism, poststructuralism, collaborative inquiry, participatory epistemology, social systems theory, mathematical computer modeling, and so on. As we just noted, innumerable human beings are already engaged in all of those practices. It is not a matter of whether any of those practices are worthy or not; it is simply a fact that an extraordinary number of bright, intelligent, caring, and concerned human beings are already, and have been for decades, practicing those paradigms. This doesn’t mean that those paradigms can’t be criticized; but it clearly means that those practices of necessity contain some sort of truth because no human mind can be 100% wrong. Or, we might say, nobody is smart enough to be wrong all the time. And therefore the only really interesting question is not why poststructuralism is right and structuralism is wrong, but what kind of universe allows both of those practices to arise in the first place?[2]

Aus dieser Haltung des „Everybody-is-right“ heraus nähert man sich den verschiedenen (disziplinären) Paradigmen mit einem angemessenen Respekt für die Ergebnisse, die sie mit ihren eigenen Methoden und Praktiken hervorgebracht haben. 

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