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18.8.2017 : 1:16 : +0200

Abstraktionen

(aus: Exzerpt D, www.shamhala.com, S. 15 u.145)

Wenn ich anfange, von meinen unmittelbaren Empfindungen Abstand zu nehmen, dann kann ich damit beginnen diese Erfahrungen zu interpretieren, zu beschreiben und zu konzeptualisieren. Ich bleibe im Kontakt mit meinen gefühlten Wahrnehmungen, doch ich beginne damit, sie zu konzeptualisieren und in einer Art von "innerlichen Objektivität" zu beschreiben.

Ich kann - mit anderen Worten - eine Art Standpunkt der dritten Person bzw. einen objektiven Standpunkt gegenüber meiner eigenen Innerlichkeiten einnehmen, indem ich sie entsprechend verschiedener Konzepte, Theorien, Landkarten oder sonstiger Darstellungen wahrnehme - oder sogar versuche, sie so zu sehen, wie andere sie sehen - und so einen Standpunkt von außerhalb einzunehmen, jedoch mich immer noch innerhalb meines eigenen inneren Horizontes bewegen. Dies bedeutet nicht, dass "Abstraktionen" weniger wirklich sind als Empfindungen - üblicherweise sind sie sogar wirklicher.

Sie entsprechen einer höheren Ebene der Erfahrung (im dem Kontinuum sensorische Erfahrung, mentale Erfahrung, spirituelle Erfahrung).

Die Dichotomie "Erfahrung vs. Gedanke" (so als wäre Erfahrung direkt und ein Gedanke indirekt) ist ein dualistischer Alptraum und privilegiert sensorische Erfahrungen gegenüber mentalen Erfahrungen, was regressiv ist. Unglücklicherweise teilt Varela das übliche phänomenologische Vorurteil, dass das Denken sich ein Stück von der Unmittelbarkeit entfernt hat, wohingegen es lediglich eine höhere Welle der Unmittelbarkeit darstellt. Diese höhere Welle kann verwendet werden, um andere Wirklichkeiten zu repräsentieren, aber das macht sie nicht weniger wirklich, sondern anspruchsvoller. Der Idealismus lehnt generell die Trennung von Gedanken und Erfahrungen ab und behauptet, dass beides Erfahrungen des Bewusstseins sind. Dem stimme ich völlig zu.

11/2004 -mf/mh-