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20.10.2017 : 21:41 : +0200

Ästhetik, Schönheit und Kunst

(aus: Integrale Psychologie, Arbor Verlag 2001, S. 281)

"Ästhetik" bedeutet, da ich den Begriff im weitesten Sinn verwende, die direkte Auffassung der Form, und zwar in jedem Bereich. In diesem weiten Sinn ähnelt er ziemlich dem Empirizismus im weiten Sinn: sensorischer Empirizismus, mentaler Empirizismus, spiritueller Empirizismus. Mit der Differenzierung der Moderne entschied sich die westliche Philosophie in der Nachfolge Kants dafür, Spiritualität zum größten Teil zu einem Gegenstand intersubjektiver Moral zu machen (Unten Links), anstatt zu sehen, daß authentische Spiritualität auch Gegenstand unmittelbarer persönlicher Erfahrung eines radikalen Empirizismus, unmittelbarer Phänomenologie und - in jeder dieser Bedeutungen - der ästhetischen Auffassung (Oben Links) ist.

Für die großen kontemplativen Traditionen ist spirituelle Erfahrung eine direkte "innere" Auffassung unmittelbarer Formen im Bewußtsein, die sich von grobstofflichen Formen zu subtilen Formen entfalten, die schließlich in kausale Formlosigkeit übergehen, zu Formen also, die immer sublimer (ästhetisch) werden. Zu Spiritualität gehört auch das intersubjektive Teilen dieser Formen in Moral, Ethik, Sangha und Diskurs, aber sie kann nicht (anders als für Kant) auf reine moralische Gebote reduziert werden.

Enger (und traditioneller) benutze ich "Ästhetik" auch in der Bedeutung der Auffassung von Formen, die als angenehm, schön, sublim beurteilt werden; als die subjektiven Urteile, um die es geht, wenn man Formen als schön bezeichnet; und die ganze Sphäre der Kunst, des künstlerischen Schaffens und der Kunstkritik. Schönheit ist die Tiefe eines Holons oder eine Transparenz für den GEIST. Kunst ist alles mit einem Rahmen drumherum.

03/2003  -mh-