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25.9.2017 : 4:47 : +0200

Angst

(auf: integral naked, Telefongespräch mit Chantal Westerman (CW): Towards an Integral Lifestyle Teil 2)

CW: Wenn man sich in einer Übergangsperiode befindet - und auch wenn man Vertrauen hat - wie kann man die Angst, die man dann erfährt, für sich nutzen, in dem Augenblick in dem man sie erfährt? Was kann ich tun?

KW: Im Augenblick des Erfahrens die Erfahrung so intensiv wie möglich zu erleben, den vollen Geschmack der Angst, das ist alles, was man tun kann... Der Geist wird zu einem radikalen Spiegel, und die Erfahrung wird radikal und vollständig akzeptiert, ja sogar umarmt. Wenn man das tut, geschieht etwas sehr Merkwürdiges - man gibt der Angst Bewegungsspielraum. Und dann ist Angst da, aber sie erschreckt einen nicht mehr. Man wendet sich nicht von ihr ab, zieht sich nicht davor zusammen und erschafft so keine Grenze zwischen sich und der Angst. So entsteht ein endloses Spiegelkabinett, in dem Tausende von Ängsten aus einem selbst heraus erscheinen. Das ist die eine Möglichkeit: Man macht eine Art fotografische Aufnahme von jeder einzelnen Millisekunde, und sieht zu, dass man nichts davon verpasst.

CW: Das ähnelt dem: "Wenn die Dämonen erscheinen, dann lade sie zum Tee ein".

KW: Absolut - und zu Scotch und Soda!

Durch diese innere Weite und Vision muss man dann nicht mehr da [damit identifiziert A.d.Ü.] hineingehen...

Das sagt sich natürlich leicht, aber es kann daraus eine Dankbarkeit für diese Ängste entstehen. Sie sind so etwas wie ein Geigerzähler, sie teilen dir mit, dass es da etwas von enormem Wert für dich gibt, und das zu finden ist so eine Art Orientierungsprozess. Dies ist genau auch ein Teil eines integralen Weges, all das anzunehmen, was in einem ist und es an die nächste Generation so weiterzureichen, dass diese aus unseren Fehlern lernen, und sich auf unsere Schultern stellen kann...

Und weiters gibt es etwas in dir, das allgegenwärtig ist und sich niemals verändert - dieses ICH BIN in der gewaltigen Öffnung, in welcher die Ängste erscheinen. Dies gehört zu unserer dualistischen Natur - wir sind göttlich und menschlich. Und dort, wo sich die zwei Naturen berühren - du kennst das [lacht] - da geht's dann wirklich rund...

06/2006 -mh/mf-