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17.8.2017 : 1:27 : +0200

Dank-bar-keit

Aus: IntegralNaked, Dialog mit Bruder David Steindl-Rast, ?Gratefulness as Great Fullness?

Bruder David Steindl-Rast ist ein seit über einem halben Jahrhundert praktizierender Mönch, und er war einer der ersten  ? vom Vatikan befürworteten ? Delegierten für einen Dialog zwischen Buddhismus und Christentum. Für seine außergewöhnliche Rolle bei der Verständigung zwischen den religiösen Traditionen hat er den Martin Buber Preis erhalten. Er ist ein Senior-Mitglied der Mount Savior Monastery in Elmira, New York.

Br. David und Ken beginnen diesen Dialog mit der Diskussion von Br. David?s Buch Music of Silence, A Sacred Journey Through the Hours of the Day. Br. David erläutert darin, wie er nach so vielen Jahrzehnten einer kontemplativen Praxis eine tiefe Wertschätzung für die Stunden des Tages und die Jahreszeiten als heilige Augenblicke und Verwirklichungen entwickelt hat.

Ken weist auf die vielen wundervollen Aspekte des GEISTES hin, und wie unterschiedliche Menschen mit ihnen in Beziehung treten, worauf Br. David antwortet, dass der Aspekt der Dank-bar-keit [gratefulness] zum Thema seines Lebens wurde, eine Dank-bar-keit die er auch als Grosse Erfülltheit [Great Fullness] bezeichnet. Diese Grosse Erfülltheit erläutert Br. David im Zusammenhang mit dem kontemplativen Gebet so, dass das Gebet die Öffnung des eigenen Herzens gegenüber dem Wunders dessen ist was uns begegnet und widerfährt, und dass diese Öffnung eine natürliche Manifestation einer aufrichtigen Dank-bar-keit ist. Stützen wir uns hingeben auf voreingenommen Vorstellungen darüber wofür wir dankbar sein wollen, dann sind wir vielleicht dankbar [thankful], aber nicht wirklich dank-bar [grateful].

Ken verweist darauf, dass Dank-bar-keit eine Brückenfunktion zwischen den Traditionen haben kann. Der Gleichmut des gleich-gültig spiegelnden Geistes [mirror mind] der buddhistischen Tradition beispielsweise, die perfekte Widerspiegelung als dessen was von Augenblick zu Augenblick erscheint, ist so unendlich friedvoll, dass der Eindruck entstehen kann dass die überfließende Liebe, auf die die christlichen Traditionen so sehr hinweisen, darin keinen Platz hat. Doch in der Mitte zwischen Liebe und Gleichmut steht die Dank-bar-keit, und sowohl Christen wie auch Buddhisten teilen eine tiefe Dank-bar-keit für dasjenige was ihnen jeder Augenblick schenkt, und es ist in dieser Grossen Erfülltheit der Herzens, in welcher sich die Traditionen begegnen.

Am Ende des Gesprächs erörtern Br. David und Ken die Fähigkeit , mit dem unendlich leisen inneren Ohr zu hören, um Gleichmut als eine Liebe für alles was erscheint zu verwirklichen,  und so die Grosse Erfülltheit als Dank-bar-keit zu verkörpern. Dieses Ohr, sagt Br. David, ist das innerste Herz, das gemeinsame Zentrum aller Schöpfung, welches durch alle Formen als seine eigene Manifestation hindurchströmt


BDS: Wie ist das in deinem Leben, Ken, [Dank-bar-keit], wie passt das zu deiner eigenen täglichen Praxis?

KW: Ich musste zu den östlichen Traditionen gehen, um dort den Gleichmut und das gleich-gültig/spiegelnde Bewusstsein [mirror mind] zu erhalten, und konnte dann zurückkehren zu  den christlichen Traditionen und zur liebenden Güte.

Der wirklich große Test für Dank-bar-keit besteht nicht darin dass man etwa zuerst prüft und dann sagt, ?oh, ein neues Auto, ich bin dankbar? ? das wäre einfach nur Dankbarkeit -, sondern der wirklich Text besteht darin zu sagen: ?Oh, ich habe Krebs ? kann ich dafür dank-bar sein?? Alle negativen Ereignisse des Lebens waren eine Prüfung der Dank-bar-keit für mich...

Ich lernte es von Treya, sie hatte es gelernt und uns gelehrt, und dies veränderte alle Menschen in ihrer Nähe ? ihre Dank-bar-keit für ihren Krebs zu sehen ? überzeugend und zutiefst dafür dank-bar zu sein, und das veränderte alle und alles, es veränderte sie und es veränderte uns.

BDS: Man kann natürlich nicht dankbar sein für eine Krankheit, aber man kann dankbar für die Gelegenheit sein, welche einem damit gegeben wird, und das Geschenk in einem jeden Geschenk ist immer eine Gelegenheit. Meistens ist es eine Gelegenheit der Freude, des Lobes und des Frohlockens, und wenn man das tut, dann beginnt man die Praxis der Dank-bar-keit. Wenn es dann einmal schwierig wird, dann ist man bereits in dieser Praxis.

03/2005 -mh-