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27.3.2017 : 12:45 : +0200

Die Wellen und das Meer

(aus: Wege zum Selbst, Kösel Verlag S. 188)

Die verschiedenen Ebenen des Spektrums sind etwas Ähnliches wie die verschiedenen Wellen des Meeres - jede Welle unterscheidet sich sicherlich von allen anderen. Manche Wellen nahe der Küste sind stark und mächtig, während andere weiter draußen schwächer und weniger mächtig sind. Aber jede Welle ist dennoch anders als alle anderen, und wenn Sie beim Wellenreiten wären, könnten Sie eine bestimmte Welle auswählen, sie erwischen, sie reiten und mit ihr je nach Ihren Fähigkeiten arbeiten. Nichts von alledem könnten Sie tun, wenn die Wellen nicht unterschiedlich wären. Jede Ebene des Spektrums ist wie eine bestimmte Welle, und so können wir jede von ihnen 'erwischen' - mit der richtigen Technik und genügend Übung.

Bewusstsein der All-Einheit ist jedoch nicht so sehr eine bestimmte Welle, sondern vielmehr das Wasser selbst. Und es gibt keine Grenze, keinen Unterschied, keine Trennung zwischen dem Wasser und allen Wellen. Das heißt, das Wasser ist in allen Wellen gleichermaßen gegenwärtig, in dem Sinn, dass keine Welle nasser ist als eine andere.

Wenn Sie also nach der ?Nässe' selbst suchen - der Bedingung und dem Zustand aller Wellen -, werden Sie überhaupt nichts dadurch gewinnen, dass Sie von einer Welle zur anderen hüpfen. Tatsächlich haben Sie viel zu verlieren, denn solange Sie auf der Suche nach Nässe von einer Welle zur anderen hüpfen, werden Sie natürlich nie entdecken, dass Nässe in ihrer Reinheit in jeder Welle existiert, auf der Sie vielleicht gerade reiten. Nach dem Bewusstsein der All-Einheit suchen, ist ebenso, als wollte man auf der Suche nach Wasser von einer Erlebniswelle zur nächsten springen. Und darum ?gibt es weder Weg noch Erfüllung'....

Wir wollen nicht lange genug stillhalten, um unseren gegenwärtigen Zustand zu verstehen. Indem wir immer woandershin schauen, entfernen wir uns in Wirklichkeit von der Antwort, in dem Sinn, dass sich das wesentliche Verständnis des gegenwärtigen Zustands, wenn wir immer in die Ferne sehen, nicht entfaltet. Unsere Suche selbst, unsere eigene Sehnsucht, vereitelt die Entdeckung...

Aber bedeutet dies, dass wir nichts tun sollen? Dass wir aufhören sollen, uns von der Gegenwart zu entfernen? Dass wir versuchen sollen, mit dem Jetzt voll in Kontakt zu treten? Das scheint einigermaßen vernünftig, bis wir es näher untersuchen. Selbst das Nichtstun ist völlig abwegig, denn warum wollen wir nichts tun? Ist das nicht nur ein weiterer Versuch, uns von der gegenwärtigen Welle des Erlebens auf der Suche nach einer nasseren Welle zu entfernen?
Ob wir versuchen, etwas zu tun oder nicht zu tun, wir müssen doch einen Schritt tun - und verfehlen beim ersten Schritt schon das Ziel.

01/2005 -mf/mh-