Sie sind hier: IF-HOME > Grundlagen des Integralen > Kurz Gefasst  > Einheitserfahrungen
DeutschEnglishFrancais
27.4.2017 : 16:48 : +0200

Einheitserfahrungen

(aus: Integrale Psychologie, Arbor Verlag 2001, S. 261)

Eine der einfachsten Möglichkeiten, wie man erkennen kann, ob eine "Einheits-Erfahrung" in den grobstofflichen Bereich (Naturmystik), in den subtilen Bereich (Gottheitsmystik), in den kausalen Bereich (formlose Mystik) oder zum wirklich nichtdualen Bewußtsein (Vereinigung der Form in allen Bereichen mit dem reinen Formlosen) gehört, besteht darin, auf die Art des Bewußtseins beim Träumen und in tiefem Schlaf zu achten. Wenn der Schreibende über eine Einheitserfahrung im Wachzustand spricht, dann ist das gewöhnlich die Naturmystik des grobstofflichen Bereichs. Wenn dieses Einheitsbewußtsein in den Traumzustand hinein andauert - so daß der Berichtende von luziden Träumen spricht, von Vereinigung mit innerem Leuchten wie auch mit grobstofflicher äußerer Natur -, dann ist das gewöhnlich Gottheitsmystik des subtilen Bereichs.

Wenn dieses Einheitsbewußtsein in den Zustand des Tiefschlafs hinein andauert - so daß der Berichtende ein Selbst verwirklicht, das ganz präsent in allen drei Zuständen von Wachen, Träumen und tiefem Schlaf ist -, dann ist das gewöhnlich formlose Mystik (turiya) des kausalen Bereiches. Wenn man dann entdeckt, daß dieses formlose Selbst mit der Form in allen Bereichen eins ist - grobstofflich, subtil und kausal -, dann ist das reines nichtduales Bewußtsein (turyiatita).

Viele Naturmystiker, Ökopsychologen und Neuheiden halten die Einheit mit der Natur des grobstofflichen Bereichs im Wachzustand für die höchste erreichbare Einheit, aber die ist im Grunde die erste der vier Hauptsamadhis oder Formen mystischer Vereinigung. Das ?tiefe Selbst? der Ökopsychologie sollte deshalb nicht mit dem Wahren Selbst des Zen, dem Ati des Dzogchen, dem Brahman-Atman des Vedanta und so weiter verwechselt werden.

Diese Unterscheidungen helfen uns auch, Philosophen wie Heidegger und Foucault einzuordnen, die beide von Vereinigung mit der Natur sprechen, die mystischer Erfahrung ähnelt. Das waren oft tiefe und authentische Erfahrungen der Einheit des grobstofflichen Bereichs (nirmanakaya), aber diese sollten wiederum nicht mit Zen oder Vedanta verwechselt werden, denn letztere stoßen zu kausaler Formlosigkeit (dharmakaya, nirvikalpa-samadhi, jnana-samadhi usw.) und dann zu reiner nichtdualer Einheit (svabhavikakaya, turyiatita) mit allen Bereichen vor, mit dem Grobstofflichen, Subtilen, Kausalen. Viele Autoren verwechseln nirmanakaya mit svabhavikakaya, womit die Hauptbereiche innerer Entwicklung, die zwischen diesen zweien liegen (z.B. sambhogakaya und dharmakaya) übergangen werden.

03/2003 -mh-