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27.6.2017 : 22:43 : +0200

Ethik - ein intersubjektiver Yoga (2)

Auszug aus einem Vortrag auf http://www.integralnaked.org/ Oktober 2004

Wir wollen nicht die Vorstellung fördern, dass das Ausüben einer bestimmten Praxis zur Erleuchtung führt. Eine derartige Vorstellung bestärkt lediglich den suchenden Geist, verstärkt die Vorstellung, dass dein Ego etwas tun kann und Gott dazu veranlassen kann, dir zu antworten [Lachen]. Das funktioniert nicht! Was eine Praxis bewirken kann, ist, dir ein Feuer unterm Hintern anzuzünden und Raum zu schaffen - [Lachen] - sodass Gott die Möglichkeit hat einzutreten, wenn du gerade mal nicht aufpasst. [Lachen]

Das allein ist - für sich genommen - schon eine sehr kraftvolle Praxis.

Die beiden Vorgaben, die wahrscheinlich am meisten den großen ?Unfall', den man ?Erwachen' nennt, fördern, bestehen in einer Art von Geistestraining im oberen linken Quadranten und einer Art ethischem Training im unteren linken Quadranten. So kann man das, was wir hier tun, vereinfachend zusammenfassen. Dabei ist es sehr wichtig zu verstehen, dass Ethik ein Behälter für die Arten von höherer Verwirklichung ist, die auftreten können. Dies ist speziell vor dem Hintergrund davon wichtig, was hier (im Westen A.d.Ü.) in den vergangenen 10, 20 oder 30 Jahren geschehen ist, wo wir einem Missverständnis erlegen sind, was "Sei hier und jetzt!" bedeutet. Oder "Jenseits von Gut und Böse" und "Verrückte Weisheit" ('crazy wisdom').

Denn dadurch ist der Eindruck entstanden, dass Erleuchtung jenseits von Ethik ist. Und in gewisser Weise stimmt das auch - man muss nicht ethisch handeln, aber auch nicht-ethisches Handeln ist immer noch dualistisch, und damit ist es jenseits von Nirgendwo - es ist lediglich ein fotografisches Negativ von ethischem Handeln.

Das fotografische Negativ von ethischem Handeln jedoch bedeutet, ein Arschloch zu sein - die Vorstellung also, es genüge, ein egozentrischer Trottel zu sein und zu tun und zu lassen, was man will, um absolutes bodhichitta zu erlangen... Jedoch: Das ist nur ein fotografischen Negativ von relativem bodhichitta: Unethisches Verhalten bringt dich nicht zur Erleuchtung, es führt dich in einen Albtraum - einen äußerst unglücklichen Traum. Nebenbei bemerkt, es gibt im Osten keine Tradition von 'crazy wisdom'! Dies wurde von drei amerikanischen Lehrern erfunden, betrunken und von Frauen besessen [Lachen], um ihr Verhalten zu rationalisieren.

Ich mag diese Leute, einige von ihnen sind übrigens liebe Freunde von mir [Lachen], aber wir müssen sehr, sehr vorsichtig bei der Rationalisierung unserer egoistischen Impulse sein - so als wären diese trans-egoisch.
Absolutes bodhichitta ist absolut - es ist nicht jenseits von Gut und Böse.
Und es ist auch jenseits davon.
Man kann es nicht definieren, auf keine dualistische Art und Weise. 

 

11/2004 -mf-