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Quantum Questions ? Evidenz und Interpretation
In diesem Gespräch wird das Buch Quantum Questions erwähnt, welches 1985 erschien, jedoch (noch) nicht auf Deutsch übersetzt wurde. In diesem Buch geht Wilber der Frage der Beziehung zwischen Mystik und (Quanten)physik nach. Er tut dies, indem er die Entdecker der Quantenphysik (Heisenberg, Schroedinger, Einstein, de Broglie, Jeans, Planck, Pauli und Eddington) ausführlich zitiert und selbst zu Wort kommen lässt (Wilber sieht sich als Herausgeber, und nicht als Autor dieses Buches). Seine Schlussfolgerungen ? die Mystik lässt sich nicht im Sinne eines ?Tao der Physik? aus physikalischen Beobachtungen heraus erklären - fasst Wilber im Vorwort des Buches zusammen.
Dossey: Eine der großen Beiträge, die von dir geleistet wurden, war das Buch Quantum Questions, in dem du durch Zitate gezeigt hast, dass Menschen wie Schroedinger und Heisenberg und Einstein hervorragende Wissenschafter waren und auch gleichzeitig eine spirituelle Perspektive hatten.
Wilber: Ja, genau ? sie haben nicht alles auf die niederen Ebenen reduziert und sie waren alle in gewisser Weise Mystiker. Sie hatten eine transzendente, mystische Grundlage und konnten daher sagen: ?Was die Physik tut, ist das, was die Physik tut, und was die spirituelle Wirklichkeit ist, ist spirituell?. Letztlich ist beides Teil ein und desselben Universums, aber es sind doch sehr unterschiedliche Aspekte, und man sollte daher wirklich nicht alle spirituellen Wirklichkeiten auf rein physikalische Wirklichkeiten reduzieren...
Ich war froh, dass ich diesen Beitrag leisten durfte, ich war sehr beeindruckt... Als ich begann, mich damit zu beschäftigen, dachte ich, es ginge darum, dass die Physik die Mystik beweisen würde; jedenfalls wurde das damals die allgemeine Annahme. Ich ging also zurück zu diesen großartigen Wissenschaftern und fand da eine absolute Übereinstimmung, dass dem nicht so ist. Wirklich ganz außerordentlich ? das hat Spaß gemacht!. Es war sehr aufschlussreich und sehr interessant ? aber zugleich war es auch sehr frustrierend, weil ich zuerst anderer Meinung war. Dann machte ich mich auf die Suche nach der größtmöglichen Evidenz, schöpfte aus so vielen Quellen wie möglich, präsentierte die Argumente so klar und deutlich wie möglich im Hinblick auf das, was die Evidenz aufzeigte. Und was Menschen dann daraus machen ist, dass sie sich die Evidenz anschauen und dann sagen ?Wow - großartig, das nehmen wir!?.
Evidenz und Fakten und Argumente jedoch sind meist nicht das, woraus sich Menschen ihre Meinung bilden. Es geht nicht so sehr um eine objektive Evidenz, sondern um eine subjektive Stufe der Entwicklung ? und natürlich muss beides berücksichtigt werden ? nicht, um zu richten oder um streng zu sein oder etwas in dieser Art, sondern, weil es sich einfach um eine pragmatische Realität handelt.
Nehmen wir noch einmal Gebsers Schema: Wenn man sich mit jemandem auf der mythischen Entwicklungswelle unterhält, oder auf der rationalen Entwicklungswelle, oder auf der integralen Welle der Entwicklung, dann gibt es große Unterschiede hinsichtlich dessen, was als Evidenz akzeptiert und gesehen wird.
04/2004 -mf/mh-


