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15.12.2017 : 1:38 : +0100

Geist - Form - Mathematik

(aus: Quantum Questions, Collected Works Vol. 4 S. 277, Shambhala 1999

Wir müssen nicht mit allem übereinstimmen, was [Sir James] Jeans gesagt hat, um darauf hinzuweisen, dass die Idee vom physikalischen Bereich als einer "Materialisierung des Gedankens" eine große Unterstützung durch die "ewige Philosophie"(philosophia perennis) findet. Wie Huston Smith in "Forgotten Truths" betont, vertritt die ewige Philosophie die Auffassung, dass Materie eine Kristallisation, ein Herabstürzen des Geistes (ontologisch, nicht chronologisch) darstellt.

Tatsächlich läuft dieser Vorgang des Herabstürzens durch die gesamte Große Kette des Seins. Bezugnehmend auf die obige Abbildung können wir das wie folgt erklären: Wenn man mit dem spirituellen Bereich beginnt (Ebene 5) und E subtrahiert, erhält man die Seele [soul]; wenn man dann D subtrahiert, erhält man den denkenden Geist [mind]; subtrahiert man C, erhält man das biologische Leben [life]; subtrahiert man B, erhält man die Materie [matter].

Dieser Subtraktionsprozess ist ein fortschreitendes Herabstützen des Niederen vom Höheren, ein Prozess der "Involution" genannt wird. Jede Junior-Dimension ist daher eine Untereinheit ihrer Senior-Dimension. Die Umkehrung dieser Subtraktion, dieses Sturzes bzw. involutionären Prozesses ist einfach Evolution, die Ausfaltung der gereiften ('Senior') Dimensionen aus ihrer früheren Einfaltung in die niederen Bereiche (wo sie - nach Aristoteles - als Potenzial existieren, obgleich nichts in den unteren Bereichen darauf hinweist, dass etwas Höheres durchbrechen kann, und über den eigenen Bereich hinaus emergiert). Darum ist Evolution hinsichtlich des Niedrigeren ein Hinzufügen, eine kreative Emergenz von schrittweise höheren Bereichen aus (oder besser durch) die noch keimenden (Junior-) Dimensionen.

Die Involution - so können wir spekulieren - ermöglichte den "Big Bang", wo der materielle Bereich durch einen konkreten Herabsturz der höheren Bereiche (die an diesem Punkt der Entwicklung ontologisch implizit sind) in die Existenz explodierte, und das Universum hat sich seitdem aufwärts entwickelt, hin zum Ursprung, durch die Entwicklung der Materie, des biologischen Lebens, des Denkens (und in einigen Heiligen und Weisen als eine bewusste Verwirklichung und Konkretisierung der Seele und des GEISTES [spirit]).

Ein wichtiger Punkt dabei ist: jeder der in diesem Buch [Quantum Questions] erwähnten Physiker war zutiefst beeindruckt von der Tatsache, dass der Bereich der Natur (Ebenen 1 und 2) in einer gewissen Art und Weise den Gesetzen und Formen der Mathematik gehorcht, oder, ganz allgemein, einer Art von archetypischen Mental-Formen gehorcht (welche ihren Ursprung in den Ebenen 3 und 4 haben). Und das ist genau das, was man erwarten kann, wenn die Natur-Bereiche eine Untereinheit oder ein Herabsturz der Geist-Seelen Bereiche sind; das Kind gehorcht seinen ontologischen Eltern.

Heisenberg und Pauli hielten Ausschau nach den archetypischen Formen, die dem materiellen Bereich zugrunde liegen; de Broglie postulierte Gedankenformen, die (ontologisch) den Materieformen vorangehen; Einstein und Jeans finden eine zentrale mathematische Formel des Kosmos - all das wird vor diesem Hintergrund sehr verständlich.

Weil die Bereiche der Natur eine reduzierte Untereinheit der - ontologisch ein "weniger als" - geistig-seelischen Bereiche sind, können alle grundlegenden Prozesse der Natur mathematisch repräsentiert werden, aber nicht alle mathematischen Formen haben eine materielle Entsprechung. Das bedeutet: Die beinahe unendliche Anzahl mathematischer Formen existiert implizit in den gedanklich-seelischen Bereichen, und nur eine kleine, endliche Anzahl kristallisiert und stürzt herab in den materiellen bzw. als der materielle Bereich. Und das führt genau zu dem Prinzip, das jeder dieser Physiker bei dem Versuch verfolgte, diejenigen geistigen Gesetze zu entdecken, welche die materiellen Phänomene regieren: Wähle von allen möglichen mathematischen Beschreibungen, welche die Daten erklären können diejenige aus, die am einfachsten und elegantesten ist. Einstein brachte es auf den Punkt: "Natur ist die Verwirklichung (Kristallisation oder Herabsturz) der einfachsten mathematischen Ideen". Das bedeutet nicht, dass Materie eine Idee ist, klar und einfach; es bedeutet, dass, was immer Materie auch sein mag, sie ist eine reduzierte, subtrahierte oder verdichtete Version von Ideen, was immer auch Ideen sein mögen. Materie ist ein Schatten aus Platons Höhlengleichnis, wenn sie so wollen, jedoch ein Schatten der, wie Jeans sagt, einige der Formen der ontologisch höheren Bereiche ausdrückt, in diesem Fall mathematische Formen.

Dies erklärt auch, warum alle Physiker der Meinung sind, dass mathematische Gesetze nicht aus sensorisch-physikalisch-empirischen Daten abgeleitet werden können: man kann nicht das Höhere aus dem Niedrigeren ableiten. Um zu prüfen, ob eine mathematische Formel auf einen bestimmten physikalischen Bereich angewendet werden kann, müssen wir unsere physikalischen Sinne (oder deren instrumentelle Verlängerungen) benutzen. Um die mathematische Formel zuerst zu entdecken, benutzen wir jedoch unseren Verstand und nur unseren Verstand.

Was wir tun (durch die Anwendung unseres Auges der Vernunft) ist, das gedankliche Universum zu durchsuchen, um herauszufinden, welche Formen oder Muster sich als dieses spezielle physische Universum kristallisiert haben könnten (welches wir dann mit dem Auge des Fleisches überprüfen). Das Kriterium zur Überprüfung der Wahrheit einer physikalischen Theorie wäre: Gegenüber der Logik muss sie kohärent sein (frei von Widersprüchen); gegenüber den physikalischen Daten muss sie korrespondieren (d.h. mit den Gegebenheiten übereinstimmen). Wenn zwei Theorien gleichermaßen diese Kriterien erfüllen (was oft vorkommt), dann wähle die einfachere und elegantere von beiden. Die Empiristen wollen nur korrespondierende Theorien der Wahrheit; die Idealisten nur kohärente Theorien; beide sind jedoch gleichermaßen wichtig, und einfache Eleganz oder Schönheit stellt die Krönung dar. Ich denke, das ist der Grund, warum Heisenberg so oft feststellte: "Das Einfache ist das Siegel der Wahrheit?, und ?Schönheit ist der Glanz der Wahrheit".

01/2004 -mf/mh-