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21.9.2017 : 21:27 : +0200

Integrale Studien ? heute

aus: "Das Wahre, Schöne, Gute", Krüger Verlag 1999, S. 71

So können wir zum Beispiel heute damit beginnen, eine Korrelation zwischen Zuständen meditativen Gewahrseins und Gehirnwellenmustern herzustellen (ohne zu versuchen, das Eine auf das Andere zu reduzieren!). Wir können physiologische Änderungen beobachten, die bei spirituellen Erfahrungen auftreten. Wir können den Spiegel der Neurotransmitter bei psychotherapeutischen Interventionen beobachten. Wir können die Wirkungen von psychoaktiven Mitteln auf die Blutverteilung im Gehirn verfolgen. Wir können den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Produktionsweisen und Veränderungen in der kulturellen Weltsicht aufzeigen. Wir können die historische Entwicklung kultureller Weltsichten nachvollziehen und den Status von Männern und Frauen in jedem Zeitraum festhalten. Wir können die Ich-Modi ermitteln, die mit verschiedenen Arten einer technisch-wirtschaftlichen Infrastruktur korrelieren. Und so können wir durch alle Quadranten fortfahren: Nicht einfach auf allen Ebenen, sondern auf allen Ebenen und in allen Quadranten. Die heutigen, integralen Studien können also ein schweres Manko der großen Traditionen beseitigen: Sie können das Spektrum des Bewußtseins nicht nur in seinen intentionalen, sondern auch in seinen verhaltensmäßigen, sozialen und kulturellen Manifestationen darstellen, womit wiederum die Bedeutung eines mehrdimensionalen Ansatzes für eine wirklich umfassende Darstellung des menschlichen Bewußtseins und Verhaltens unterstrichen wird.

Und schließlich versetzen uns diese umfassenderen und fortgeschritteneren Werkzeuge der Verhaltens-, Entwicklungs- und Kulturanalyse auch in die Lage, jene Bereiche präziser zu benennen, in denen die großen Traditionen allzusehr in die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten ihrer Zeit verstrickt waren, vom Sexismus über den Speziesismus und den Militarismus bis zum Egozentrismus.

Kurz, die integralen Studien unserer Zeit haben die Verbindung zu den großen Weisheitstraditionen der Welt wieder hergestellt und viele ihrer wesentlichen und bahnbrechenden Erkenntnisse wieder aufgegriffen, während sie zugleich neue Verfahren und Techniken hinzufügten, die bisher nicht vorhanden waren. Dies ist Multikulturalismus im besten und tiefsten Sinne, der kulturelle Unterschiede bewahrt, aber in einen wahrhaft universellen Kontext stellt.

01/2003 -mf/mh-