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24.3.2017 : 5:16 : +0100

Intersubjektivität/Hermeneutik

aus: Excerpts from Volume 2 of the Kosmos Trilogy, Part V. (Auszug A)
?Integral Methodological Pluralism".

Sobald die intersubjektive Dimension unten-links in selbst-reflexiven menschlichen Wesen zur Entfaltung kam, sind in der Folge ganze Arten von Untersuchungen entstanden, welche dabei helfen diese intrinsische Dimension des in-der-Welt-Seins zu inszenieren, zu enthüllen und zu erhellen. Führend unter diesen intersubjektiven Untersuchungsmethoden ist die Hermeneutik - die Kunst und Wissenschaft der Interpretation - in ihren vielen Formen.

Natürlich existiert Hermeneutik in ihren präreflexiven Modi "bis ganz hinab" - selbst Holons auf der subatomaren Ebene sind mit der Interpretation ihrer Umwelt beschäftigt. Signalsysteme und Austausch von Partikeln/Energie/Kräften existiert selbst auf den fundamentalsten Ebenen. Weil die kreative Neuheit der fundamentalsten Holons gegen Null geht (ohne jemals gleich Null zu sein), erscheint es irrtümlicherweise so, als sei die interpretative Freiheit auf den unteren Ebenen vollständig abwesend, wohingegen, wie Whitehead schon wusste, sie lediglich an ihrem Tiefstpunkt ist.
Die intersubjektive Dimension der Evolution kann von ihren bescheidenen Anfängen in den fundamentalsten Holons (wie Systemen der proto-Wahrnehmung) zu ihren verfeinerten Formen in pflanzlichen und tierischen Signalsystemen (chemisch, biologisch, hormonell) verfolgt werden - aber bei allen geht es nicht nur um einen Austausch von Signifikanten in einem System der Syntax, sondern auch um ein Hervorrufen und ein Inszenieren von Signifikanten in einer gemeinschaftlich geteilten Semantik: die vier Quadranten erscheinen simultan auf der Bühne und tetra-evolvieren...

In menschlichen Wesen erscheint diese gemeinschaftlich geteilte Semantik als ausgedehnte Netzwerke kultureller Hintergründe, präreflexiv geteilte Wahrnehmungen, gegenseitiges Verstehen, und sich überlappende Horizonte der Intersubjektivität. Diese gemeinschaftlich geteilten interpretativen Momente konstituieren einen wesentlichen Bestandteil nicht nur des gegenseitigen Verstehens zwischen Subjekten, sondern des Auftauchens der Subjektivität selbst. Das ist die Essenz der großen postmodernen Entdeckung:. Agenz ist immer Agenz-in-Kommunion, sowohl in ihren äußeren oder ökologischen Formen, wie auch in ihren inneren oder kulturellen Formen.

Die genaue Untersuchung der vielen Nuancen kultureller Intersubjektivität ist der entscheidende Faktor in den Methodologien des unteren linken Quadranten. Hermeneutik, gemeinschaftliche Untersuchungen, partizipatorischer Pluralismus und Handlungs-Untersuchungen sind einige wenige der vielen Modi dieser Inszenierung und Enthüllung. Der wichtige Punkt dabei ist, dass, wenn ich mich mit Hermeneutik und gemeinschaftlicher Untersuchung beschäftige, ich dann die Modi der zweiten Person des in-der-Welt-Seins erhelle. Diese Modi sind real, sie sind da, und sie sind ein entscheidender Bestandteil in jedem integralen methodologischen Pluralismus.

Alle diese intersubjektiven Ansätze - es gibt buchstäblich dutzende weitere ? erschließen die Tatsache, dass alle Holons einen unteren linken Quadranten haben, ein holistisches Gewebe sich gegenseitig durchdringender Wahrnehmungen durch Zeit und Raum, welche aus einer Perspektive der zweiten Person (und ersten Person Plural) heraus erspürt und beschrieben werden können - und welche, wenngleich weit davon entfernt, die ganze Geschichte zu sein, ein wesentlicher Aspekt einer integraleren Sicht sind.

01/2004 -mh/dw-