Sie sind hier: IF-HOME > Grundlagen des Integralen > Kurz Gefasst  > ITP - Integrale Transformative Praxis
DeutschEnglishFrancais
17.8.2017 : 1:36 : +0200

ITP - Integrale Transformative Praxis

(aus: Ganzheitlich Handeln, Arbor Verlag 2001, S. 152, 155)

Alle in diesem Kapitel (des Buches "Ganzheitlich Handeln", S. 155f) präsentierten Theorien sind nur das: Theorien oder Landkarten der Welt. Als solche sind sie ein nützliches Hilfsmittel zur Verwirklichung einer integraleren Vision ... Worauf es ankommt, ist nicht so sehr, sich meine spezielle Landkarte einzuprägen, sondern sein eigenes integrales Potential zu aktualisieren und es in die Praxis umzusetzen. Und dieser integralen Praxis wollen wir uns nunmehr zuwenden ...

Die Grundidee der Integralen Transformativen Praxis (ITP) ist einfach: Je mehr Aspekte unseres Seins wir gleichzeitig schulen, desto wahrscheinlicher wird diese Transformation eintreten. Mit anderen Worten: Eine ITP versucht, so gut wie möglich "alle Quadranten, alle Ebenen" zu entwickeln. Je mehr man das versucht, desto wahrscheinlicher wird man sich in die nächst höheren Wellen hinein transformieren. Steht man bei Blau, wird das zur Entwicklung in Richtung Orange beitragen. Steht man bei Grün, wird das den Übergang in die Sekundärschicht erleichtern. Ist man dort bereits angelangt, dann wird eine ITP hilfreich sein, in die transpersonalen, spirituellen Wellen hinüberzugehen - und zwar nicht nur als zeitweiligen, veränderten Zustand, sondern als dauerndes Sein.

"Alle Ebenen" bezieht sich auf die Wellen der Existenz, von der Materie über den Körper zum Geist zur Seele zum GEIST; "alle Quadranten" bezieht sich auf die Ich-, die Wir- und die Es-Dimension (oder auf das Ich, auf Kultur und Natur; oder auf Kunst, Moral und Wissenschaft; oder auf erste, zweite und dritte Person). Dementsprechend bedeutet eine "alle Ebenen, alle Quadranten"- Praxis, dass man physische, emotionale, mentale und spirituelle Wellen in Ich, Kultur und Natur übt.

Beginnen wir mit dem Ich. Die Wellen der Existenz (vom Physischen zum Emotionalen zum Mentalen zum Spirituellen), wie sie in uns auftreten, können durch ein Spektrum von Praktiken geübt werden: körperliche Übungen (Gewichtheben, Diät, Joggen, Yoga), emotionale Übungen (Selbsthilfegruppen, Psychotherapie); mentale Übungen (Affirmation, Visualisation), und spirituelle Übungen (Meditation, kontemplatives Gebet).

Diese Wellen der Existenz müssen jedoch nicht nur im Ich geübt werden, sondern auch in der Kultur und Natur. Das Üben der Wellen in der Kultur könnte bedeuten, dass man sich am Dienst an der Gemeinschaft beteiligt, in der Hospizbewegung mitarbeitet, in der Gemeindeverwaltung tätig ist, sich um Obdachlose kümmert usw. Es kann auch bedeuten, dass man Beziehungen ganz allgemein (Ehe, Freundschaft, Verwandtschaft) für das eigene Wachstum und das Anderer nutzt. Ein in gegenseitigem Respekt geführter Dialog ist in der Tat die altehrwürdige Methode, sich selbst und andere in einen Tanz des Verstehens einzubinden, einen Tanz, der zu integraler Einbeziehung führt.

Die Wellen der Existenz in der Natur zu üben heißt, dass man die Natur nicht als einen leblosen und instrumentalen Hintergrund für unsere Handlungen ansieht, sondern als etwas, das an unserer eigenen Evolution Teil hat. Wer sich auf die verschiedensten Weisen aktiv für die Achtung der Natur engagiert (Wiederverwertung, Umweltschutz, ökologische Initiativen, das Feiern der Natur in jahreszeitlichen Ritualen), der ehrt nicht nur die Natur, sondern fördert auch seine eigene Befähigung zur Fürsorge.

Kurz gesagt, eine Integrale Transformative Praxis versucht, alle grundlegenden Wellen menschlicher Wesen - physische, emotionale, mentale und spirituelle - im Ich, in der Kultur und in der Natur zu üben. Man ist dann so gut "alle Ebenen, alle Quadranten", wie man es auf der jeweiligen Entwicklungsstufe sein kann. Und das ist die kraftvollste Methode, die Transformation zur nächsten Welle in Gang zu bringen - ganz zu schweigen davon, dass man auf diese Weise so gesund wird, wie man es auf der jeweiligen Ebene sein kann (welche immer das ist), und das ist keine geringe Leistung! Befindet sich ein Individuum in der, sagen wir, blauen Welle, dann kann es nicht dauerhaft Zugang zu höheren Wellen gewinnen, einschließlich der transpersonalen Wellen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die blaue, ethnozentrische, konventionelle Welle hat noch keinen postkonventionellen oder weltzentrischen Standpunkt erreicht und kann daher nicht sehen, dass der GEIST in allen fühlenden Wesen gleich erstrahlt. Daher kann sie nicht das globale Mitgefühl meistern, welches die Voraussetzung für echtes, spirituelles Gewahrsein ist. Diese Individuen können jedoch in einem veränderten Bewußtseinszustand oder durch eine Gipfelerfahrung zeitweilig Zugang zu diesen transpersonalen Bereichen erlangen.

Was können diese Gipfelerlebnisse und was kann Meditation bewirken? Sie können den Menschen helfen, sich von der Stufe, auf der sie sich jeweils befinden, zu ent-identifizieren und dadurch zur nächsten Stufe fortzuschreiten. Und wir verfügen tatsächlich über beträchtliches Beweismaterial, dass Meditation genau das erreicht. So wurde beispielsweise aufgezeigt, dass Meditation den Prozentsatz der Menschen, die sich in der Sekundärschicht befinden, innerhalb einer Population von weniger als zwei auf erstaunliche 38 Prozent steigern kann (siehe "Das Wahre, Schöne, Gute", 10. Kapitel). Darum ist Meditation ein wichtiger Bestandteil einer wahrhaft integralen Praxis.

Michael Murphy und George Leonard waren mit ihrem Buch "The Life We Are Given" Pioniere einer Integralen Transformativen Praxis. Ich habe mit beiden intensiv daran gearbeitet, eine solche Praxis weiter theoretisch zu untermauern. Heute gibt es in den U.S.A. etwa vierzig solcher ITP-Gruppen (sollten Sie interessiert sein, eine solche Gruppe zu gründen oder einer beizutreten, dann können Sie mit Murphy und Leonard über www.itp-life.com in Kontakt treten). Das "Stanford Center for Research in Disease Prevention" (Zentrum zur Erforschung der Vorsorge gegen Krankheiten) an der Medizinischen Fakultät der Universität Stanford, arbeitet mit mehreren Gruppen von Menschen zusammen, die sich mit dieser Praxis befassen. Das hat bereits zu einigen recht außergewöhnlichen Ergebnissen geführt, welche demonstrieren, was eine Integrale Transformative Praxis erreichen kann. Heute werden in vielen Ländern der westlichen Welt ähnliche "alle Quadranten, alle Ebenen"-Ansätze praktisch ausprobiert. Und ich erwarte eine Explosion des Interesses an solch umfassenderen Programmen, einfach weil sie Transformationen ganz besonders effektiv in Gang bringen können.

01/2003 -mf/mh-