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Kritik - Postmoderne
(aus: Excerpt A Seite 112)
Ich habe es seit langem aufgegeben, darauf zu hoffen dass Kritiker zuerst meine Position richtig wiedergeben, bevor sie sie kritisieren; das ist nicht wirklich das worum es der Kritik der universitären Postmoderne geht, wo Kritik zuallererst zu einem Ausdruck dessen geworden ist was für den Kritiker wahr ist (und nicht was wahr ist in bezug auf die kritisierte Position).
Und daher verwendet ein Kritiker bei der heutigen Kritik ein bestimmtes Buch oder einen Aufsatz, um zum Ausdruck zu bringen was dieses Buch in ihm bewegt; die Antwort des Kritikers ist daher in erster Linie eine Aufzählung der egoischen Gefühle, Meinungen und Gedanken beim Lesen eines bestimmten Werkes durch den Kritiker - es hat fast nichts mit dem Werk selbst oder seinem tatsächlichen Inhalt zu tun, welcher weitestgehend irrelevant ist für das was die Antwort des Kritikers ausmacht.
Ich brauchte fast ein Jahrzehnt um das zu erkennen und den Versuch zu beenden, in einen auf Tatsachen und Beweisen beruhenden Diskurs mit dem Kritiker einzutreten, und stattdessen auf die Gefühle des Kritikers einzugehen, wo die einzig akzeptable Antwort darin besteht, ihm für seine noblen Gefühle zu danken (:)). Versucht man andererseits die Missinterpretationen der Kritiker zu korrigieren, wird dies als eine Verurteilung ihrer Gefühle interpretiert, und man erscheint als ein fürchterlich unsensibler Zeitgenosse, welcher der "Grossen Kette der Abscheulichkeiten" folgt, die einzige Sünde welche vom grünen Mem gesehen wird.
Dementsprechend ist das Anerkennen und Würdigen der egoischen Gefühle und Wünsche des Kritikers - in einer art interpretativem Spiel - der Hauptbereich in welchem sich die Kritik heute bewegt, und dies ist, so könnte man sagen, ziemlich gewöhnungsbedürftig...
03/2003 -mh-


